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Donnerstag, 25. Juni 2026

Wenn du als Kind gewusst hättest...

“Wenn du als Kind gewusst hättest, dass nicht du falsch bist, sondern deine Eltern noch zu lernen und Arbeit mit sich haben - wie hätte das deine Welt verändert?” Alexandra Köhler in "Echte Nähe zum Kind"


Diese Frage hat mich vorhin beim Blättern im Buch angesprungen und so einige innere Kinder von mir wurden auf einmal hellwach. Was DAS für eine Information gewesen wäre!?!? Was das für eine heilsame Information IST!!!

All die verwirrenden, schrägen, verletzenden, höchst irritierenden Situationen wirken mit der Info an die inneren Kinder, dass mit ihnen alles in bester Ordnung ist und die Eltern, die Erwachsenen noch einiges zu lernen und an innerer Arbeit zu tun haben, gleich ganz anders. Es wird direkt in ein anderes Licht gerückt. Der Umstand ist anerkannt, dass da ganz viel nicht stimmt, nicht in der Ordnung ist und nicht so, wie es gehören würde, wie es gedacht ist. Auf einmal ist es nicht mehr "einfach richtig", was die Erwachsenen machen, weil sie halt die Erwachsenen sind.

Es ist, als würden die inneren Kinder über den wahren Zustand der Eltern aufgeklärt werden und ab da wüssten sie Bescheid, wüssten sie, was Phase ist und wie sie alles einzuordnen haben. Sie kämen nicht auf die Idee, sich von den Eltern das Leben erklären zu lassen oder sich verunsichern zu lassen. Sie würden ihnen ihre Weisheit kundtun und zwar in vollster Überzeugung und unverrückbar. Auf einmal wären sie die Lehrer und zwar die besten und wahrhaftigsten. Sie haben auf einmal keinerlei Zweifel mehr an sich.

Alles ist zurecht gerückt. Jeder steht an dem Platz, an dem er sich tatsächlich gerade befindet, was emotionale Reife, Bewusstheit und geistige Gesundheit angeht. Keine Rollen mehr, keine Hierarchien, keine Masken, die etwas anderes vormachen. Einfach die Wahrheit über die menschlichen Zustände, die Verfassung der Großen.

Diese Frage hat für mich so einen Aha-Effekt. Wie wenn meine inneren Kinder sagen würden: "Ach so! Na dann! Jetzt versteh ich das alles. Deswegen ist das hier so komisch. Dann brauch ich mich davon ja nicht beeindrucken zu lassen."

Ich bin unglaublich gespannt, was die Frage mit euch macht. 😍



Donnerstag, 18. Juni 2026

Prozess-Schreiben

von der essentiellen Notwendigkeit als Kind einen universellen Fühl-Fließ-Raum zur Verfügung zu haben

Ich staune, wo mich dieses Schreiben hingeführt hat. Ich bin immer noch ganz baff und fasziniert und überwältigt. Bis zum Ende lesen lohnt sich für meine Begriffe voll:

Immer wieder im Stich gelassen. Enttäuschung. Traurigkeit. Ich bleibe mit meinem zurück und alleine.

Reizbarkeit. Ich (er)trage zu viel zu lange und werde selbst darin nicht gesehen mit dem, was das alles für mich bedeutet.

Die Auswirkungen, die der desolate Zustand des anderen und seine Entscheidungen daraus ständig auf mich haben, werden von ihm nicht erfasst und finden auch keinen angemessenen Raum, wenn ich es ansprechen möchte. Immer hat er genug mit sich zu tun. In mir stapelt es sich meterhoch und der, den ich dafür ansprechen muss, weil es innerhalb unserer Beziehung geschieht, unser Miteinander betrifft, den Alltag, das Jetzt, das Praktische, entzieht sich. Ich stehe alleine da. Mein Unmut wird nicht nur nicht gehört, ich kann ihn noch nicht mal an der richtigen Stelle platzieren. Dazu kommt es erst gar nicht.

Umgekehrt werde ich zugelabert mit Sachinformationen, Belanglosigkeiten und Nebensächlichem. Oder tatsächlich platziert er seine Themen bei mir, was das wiederum mit mir macht, hat dann wieder keinen Raum.

Alles, was mich betrifft - meine Belange, mein Erleben, Gefühle, Bedürfnisse, Fragen, die ich habe - ist zuviel.

Wenn ich nützlich bin, existiere ich für den anderen. Wenn ich was brauche, gibt es mich nicht. Dann kommt direkt das Stopp.

In der Not zieht der andere das Seine durch, was Auswirkungen auf mich hat. Wie es mir darin ergeht, bekommt allerdings keinen Raum. Dafür hat er keine Kapazitäten.

Da ist Wut. Unfassbare Wut und ein "Ich hab die Schnauze sowas von voll".

Auch fühlt es sich an wie ersticken. Immer nur einatmen. Nie ausatmen können. Alles an Ausdruck und Gefühlen drin behalten müssen, die beim Gegenüber landen müssten. Immer wenn ich anfangen will, kommt die Bremse, die Unterbrechung, das Weggehen des anderen.

Ich hab mich in meinem Erleben in der Beziehung total klar, nur nützt mir das nichts ohne den anderen.

Der Fluss kann nicht fließen. Es fließt nicht zwischen uns. Die Emotionen fließen nicht.

Das Angestaute, die Energie der Gefühle (E-motion) bräuchte einen Landeplatz, einen Entladeplatz bzw einen Fühl-Fließ-Raum, der groß genug ist, dass sich meine Gefühle, meine Energien darin bewegen können, ein Raum der das aushält, der selber fließt. Ich bin als Kind wie eine übervolle Batterie, die einen Abnehmer bräuchte. Das ist dieses "Erstickungsgefühl". Die Eltern/Erwachsenen haben ihren Job nicht gemacht in der Unterstützung meines Fließens.

Da ist der Teil in mir, der so sehr Entladung und Insfließenkommen braucht. Es atmet auf einmal auf. Tief ein und aus. Die Schultern sinken. Etwas landet in mir. Sinkt in meinen Unterleib, in meinen Schöpfungsraum, in mein inneres Universum. Da ist unbegrenzter Raum - leer und voller Ätherinformation zugleich. Weite und Weisheit gleichzeitig vorhanden. Hier kann geschehen. Empfangen werden und sich entfalten. Was immer es gerade braucht - der Raum weiß und ist entsprechend da.

Der Anteil ist da jetzt und endlich kann er atmen, kann Weite und Weisheit gleichzeitig spüren, Halt und Raum im selben Moment. Er befindet sich mitten im Fluss, im Leben, in der Wahrheit, in mir, in Gott, in der Schöpfung selbst. Er und der Raum sind eins. Er und der VATER sind eins. Er und die MUTTER sind eins. Und doch gehört er sich ganz selbst in aller Freiheit für sein eigenes Sein und ist gleichzeitig im gütigsten Großen geborgen.

Pfoah! Fett! So deutlich! So klar. So wahr! SO hätte das als Kind sein MÜSSEN! SO hätte es sich zutragen und anfühlen müssen! Mir verschlägt es schier die Sprache. Das ist unfassbar GROSS. Aaaalter!!! Gerade wünsche ich mir, dass ihr das sehen und fühlen könnt, was ich gerade innerlich sehe und fühle. Halleluja!!! Ich werd nicht mehr (oder eben gerade doch)! Pfoah!!! 🥹🥹🥹🙏🏼🙏🏼🙏🏼🙏🏼😭😭😭😭😭😍😍😍😍😍😇😇😇😇😇😇😭😭😭😭😭😭😭 Ich bin so dankbar!



Mittwoch, 17. Juni 2026

Das Bedürfnis, als Sehende gesehen zu werden

Die Not, der Schmerz, der aus etwas resultiert, was NICHT passiert ist, aber hätte sein müssen, ist immer wieder so schwer zu greifen. Wie soll ich etwas benennen, was NIE gewesen ist? Etwas, was natürlicher Weise hätte selbstverständlich da sein müssen, hat einfach nicht stattgefunden und seine Auswirkungen gehabt, mich mit etwas zurückgelassen, was ich natürlich nicht wirklich greifen und schon gar nicht handeln kann.

Es ist so subtil dieses Gefühl, dass da etwas nicht stimmt. Ich könnte noch nicht mal direkt sagen, dass es da ein Bedürfnis von mir gibt, das nicht erfüllt wurde. Wie auch? Da ist eher erstmal eine gewisse Unruhe, etwas in mir schaut sich suchend und irritiert um, weiß mit der Situation nicht umzugehen.

Ich wurde als Kind Zeuge von unzähligen Situationen, in denen Erwachsene aus meinem direkten Umfeld aus ihren Verletzungen heraus mit anderen interagiert haben. Sie fühlten sich z. B. angegriffen und bedroht, ohne dass die Bedrohung tatsächlich im Raum war. Sie gingen den anderen an, ohne dass das im Jetzt berechtigt gewesen wäre. Ich war irgendwie mittendrin, hab das gesehen, realisiert, dass das alles total aneinander vorbeigeht, dass das der Wahrheit des Moments nicht gerecht wird und wusste nicht damit umzugehen. Jeder blieb in seiner Geschichte, glaubte das, wie er es erlebt hatte. Nichts wurde geklärt, sortiert, aufgeräumt.

Und ich war mittendrin und kam doch darin nicht vor. Ich war mit meiner Wahrnehmung alleine, konnte mich nicht positionieren, weil ich eh nicht gehört wurde. Es war niemand für mich ansprechbar, weder für meine Wahrnehmung empfänglich, noch für das, was meine Position als Sehende in all dem bedeutet hat, wie ich mich darin fühle, das alles zu erleben und nirgends eine Anlaufstelle zu haben. Ich war die Sehende, die nicht gesehen wurde. Niemand hat mich in all dem überrissen. Sie haben ja noch nicht mal sich mitbekommen. Es hätte erstmal erfolgen müssen, dass sie mit sich in Kontakt kommen, um dann überhaupt erst mit mir und meiner Lage in Kontakt kommen zu können. Aussichtslos.

Heute bin ich dem auf den Grund gegangen, was DAS eigentlich für mich bedeutet hat, was ich wirklich gebraucht hätte und dass das NIE stattgefunden hat. In all dem hat es mich nie gegeben. Ich wurde nicht wahrgenommen, nicht mit meiner Wahrnehmung, nicht mit meinem Empfinden darin, dass ich sehe, was die anderen nicht sehen. Niemand hat auch nur ansatzweise in meine Richtung geschaut. Wie auch? Sie waren ja in ihrem Notprogramm und hielten es für die Wahrheit. Ihre Not dominierte alles und ließ keinen Raum dafür, sich mir zuzuwenden und mich zu begleiten.

Pure, schreckliche Einsamkeit, Schmerz, Ohnmacht, eine Form von Nichtexistenz, obwohl ich da bin, Unzufriedenheit, weil das der Wahrheit des Moments nicht gerecht wurde, was sich da zugetragen hat. Ich hab die anderen überrissen, aber mich hat in meinem Überreißen keiner überrissen. Niemand da, der mich als Sehenden darin hätte sehen können. Und genau DAS hätte ich gebraucht: Dass jemand die komplette Situation erfasst mit allen Schieflagen der Beteiligten, mich in meinem Erleben inklusive, meine Position und Lage DARIN und zwar voll und ganz.

Dieses Bedürfnis war nach wie vor offen. Da es mir in solchen Situationen noch nie passiert ist, dass meine Lage erkannt wurde und ich mitfühlend gesehen wurde, wusste ich bis heute nicht, was sich da für mich so seltsam anfühlt. Jetzt weiß ich es. Was für eine Erleichterung!



Donnerstag, 4. Juni 2026

BeziehungsRaum

Beziehungen als Gelegenheit für Bewusstwerdung und Selbstbegegnung 

Ihr Wundervollen, ich mag mal wieder mit einer Gruppe eintauchen und diesmal ganz konkret über das Forschungsfeld Beziehungen. Ob das Partnerschaften sind oder die Beziehungen zu Freunden, Kollegen, Eltern oder Kindern, jede Art eröffnet die hervorragende Möglichkeit zur Bewusstwerdung und Selbstbegegnung.

Ich mag Dynamiken betrachten, Wahrnehmungsabgleich machen, nach Wirkprinzipien und Überlebensstrategien schauen, die inneren Kinder orten, ggf. das Selbstbild zurechtrücken und natürlich allen Gefühlen, Prozessen und inneren Bildern Raum geben. Gerne mag ich auch von mir teilen. Was eben gerade relevant und wichtig ist, aufsteigt, sichtbar wird und not-wendig ist.

Der Raum wird eh seiner eigenen Intelligenz folgen und sein Wesen entfalten.

Ich freu mich auf uns und alles, was geschehen will.

Link zur Anmeldung für Freitag, 05.06., 19 Uhr
Link zur Anmeldung für Samstag, 06.06., 19 Uhr
(Dauer erfahrungsgemäß zwischen 2 und 3 Stunden)

👉🏼 Mein Wirken, dieser Raum, hat keinen festen Preis. Ich wünsche mir ein feines, aufrichtiges Erspüren der Stimmigkeit und Ordnung für Geldliebefluss, Wertschätzung, Ausgleich in meine Richtung.

Danke für dein Handeln nach Intuition! 🙏🏼

VR Bank Oberfranken Mitte eG
IBAN: DE63 7719 0000 0001 4442 71
BIC: GENODEF1KU1

www.paypal.me/AnjaReiche


 

Donnerstag, 23. April 2026

Den anderen erreichen wollen und mich dafür verlassen

Mein persönliches Kryptonit: Den anderen erreichen wollen! Es ist die allergrößte Versuchung, mich dafür zu verlassen. Dabei kann ich mir den Umweg sparen. Ich darf mich direkt behalten, direkt bei mir bleiben, auch und gerade, wenn mich der andere nicht versteht.

Oder wie Jutta es mal so treffend formuliert hat: Für meine Wahrheit braucht es keinen verstehenden Empfänger. (Mit Wahrheit ist das eigene Innenerleben gemeint)

Ich bemerke die Kinder in mir, die endlich landen wollen, die gehört und begriffen werden wollen, die jemanden tatsächlich erreichen wollen, weil sie endlich erfasst werden wollen. Und zwar richtig, ohne Interpretation, ohne Unterstellungen, ohne falsche Urteile, ohne Bewertung, ohne dafür bekämpft zu werden, für das, was sie empfinden, ohne als Feind, Angreifer oder Bedrohung empfunden zu werden, die man in den Griff bekommen muss.

Die Kinder, die einfach sagen wollen, wie sie sich in der Beziehung (mit den Eltern) fühlen und dass es ihnen damit und darin überhaupt nicht gut geht. Sie wollen erleben, dass das einfach Raum hat und es anerkannt wird.

Und jetzt als Erwachsene, kann ich direkt bei mir bleiben. Es geht gar nicht mehr darum, den anderen zu erreichen. Meine inneren Kinder, die das noch wollen, begleite ich.


Samstag, 14. März 2026

Das Anerkennen des Nichts

Die Begegnung gestern mit dem Teil, der die Unfähigkeit der anderen nicht akzeptieren wollte, hat mich an einen Punkt gebracht, der völlig neu für mich ist. Es ist, als würde ich zum allerersten Mal tatsächlich sehen und anerkennen können, wie die Mutter meiner Kindheit tatsächlich beschaffen war, jenseits aller Strategien und Masken.

Ich mag euch mitnehmen auf diese Erkundungsreise in mir, der neuen Begegnung mit ihr und der Wahrheit hinter all dem.

Hier geht es zur Audio: https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2659



Mittwoch, 18. Februar 2026

Uns wurde in der Kindheit eine erdrückende Macht zugesprochen

Die meisten wurden in ihrer Kindheit mit einer ungesunden Allmachtsfantasie ausgestattet. Uns wurde von den Eltern eine Macht zugewiesen, zugesprochen, zugeschoben, die uns überhaupt nicht gehört. Uns wurde erzählt, dass wir es in der Hand haben, ob für die anderen eine Welt einstürzt. Emotional. Das emotionale Wohlbefinden der Eltern und anderer Erwachsener lag anscheinend in unserer Hand. Unser Verhalten, unser SoSein schien darüber zu entscheiden, wie es ihnen geht. Das wurde uns wieder und wieder vermittelt.

Oft wussten wir noch nicht mal, mit was wir das ganze Entsetzen auslösen konnten, aber wir taten es offenbar. Es passierte ja wieder und wieder und die Botschaft war immer die gleiche: Wegen DIR geht es mir so.

Wir waren verantwortlich – schuld – wenn sie traurig waren, enttäuscht, schlaflose Nächte hatten, sich Sorgen machen mussten, wütend oder ohnmächtig „wegen uns“ waren, nicht mehr weiter wussten, verzweifelt, ratlos waren. Wir alleine waren anscheinend befähigt für Wohl oder Weh der Eltern zu sorgen. Darin kam es nicht vor, dass es da womöglich eine eigene Verantwortung für sie gäbe, dass sie selber für ihr emotionales Wohlbefinden zuständig wären. Das wurde nicht vermittelt. Nicht im Ansatz.

Es schien immer wieder so zu sein, dass wir das Leben anderer auf eine unangenehme Weise beeinflussen konnten, zu der nur wir in der Lage sind. Da gab es keine höhere Ordnung. Da gab es keinen Blickwinkel, der von einer Weisheit sprach, in der immer das Richtige geschieht, auch wenn es grad weh tat. (Damit meine ich, was Kinder in Eltern auslösen, nicht was Eltern Kindern zufügen.) Da gab es keinen Gott, keine höhere Macht, keine wirkende Intelligenz, in die wir alle eingewoben sind.

Wir waren für den Schmerz der Erwachsenen verantwortlich, den wir gar nicht ursächlich bewirkt hatten. Gleichzeitig waren sie aber nicht für den Schmerz verantwortlich, den sie in uns tatsächlich verursacht haben. Also wenn wir Schmerzen hatten, emotional wie auch körperlich, waren wir ebenfalls selber schuld.

Die ganze Welt auf unseren Schultern. Die der Eltern. So wie unsere eigene. Im Grunde wurde uns als Kind gesagt, wir wären auf eine sehr schräge Weise Gott oder sogar mächtiger als er.

Natürlich hat sich in uns abgespeichert, dass wir vorsichtig sein müssen, übervorsichtig, dass wir uns zurückhalten müssen, zügeln, dass wir ganz viel falsch machen können, Erwachsenen und uns selbst ursächlich Schmerz zufügen können und deshalb unglaublich aufpassen müssen, alles im Auge behalten müssen, für andere mitdenken und -fühlen, ja, dass wir eine zerstörerische Urgewalt sind oder zumindest eine in uns tragen. Natürlich ist da die Idee, dass für alles „Unheil“ – ob im Umfeld oder bei uns selbst – die Ursache in uns zu suchen ist.

Der Druck dieser unwahren Allmachtszuweisung ist fürchterlich, ja eben erdrückend und vor allem so unfassbar weit von der Wahrheit entfernt. Diese krasse Lebenslüge macht Beziehungen erst toxisch. Die einen nehmen die Schuld nur zu gerne und die anderen haben die Nase voll von der Schuld und weisen ALLES von sich, auch die eigene Verantwortung. Die Wunde ist die gleiche. Nur der Umgang damit ein völlig anderer.

Für mich ist eines wahr: Es ist nicht möglich als Kind bei den Eltern einen emotionalen Schmerz ursächlich zu setzen. Umgekehrt schon. Es ist nicht möglich als Erwachsener (ohne Einsatz von körperlicher Gewalt oder Waffengewalt) bei einem anderen Erwachsenen einen emotionalen Schmerz ursächlich zu setzen. (Etwas in mir überlegt und prüft und scannt alle Eventualitäten und gleichzeitig bleibt diese Wahrheit in mir da.)

Es gilt für meine Begriffe, diese falsche Macht als unwahr zu erkennen und die wahre Macht und Ordnung anzuerkennen.



Dienstag, 3. Februar 2026

Innerlich immer in Verbindung

Im Grunde, bin ich nie nicht in Kontakt mit den Menschen, mit denen ich jemals irgendeine Form von Beziehung hatte. Sie sind erstens unveränderlich ein wichtiger und wertvoller Teil meines Lebens und zweitens bin ich - ob wir gerade miteinander reden oder nicht - innerlich immer in Verbindung.

Ich spüre hin. Ich schaue hin. Und wenn es das Leben erfordert, würde ich jederzeit in Kommunikation gehen, egal, wie viele Jahre vielleicht vergangen sein mögen. Ich bin online. Ich trage sie im Herzen, so herausfordernd es vielleicht auch gewesen ist im Miteinander.

Das ist kein verklärtes "vergeben und vergessen". Nein, da ist innere Arbeit in mir passiert seit dem letzten Kontakt. Ich weiß um das, was vielleicht vorgefallen ist. Es liegt, erforscht, reflektiert und durchfühlt, ausgebreitet vor mir. Mein Anteil ist gesehen, wie ich da war, welche damals noch unbewussten Mechanismen vielleicht gewirkt haben, wie ich zu der Zeit in die Welt geblickt habe. So weit ich eben jetzt gerade mit meinem Bewusstsein blicken kann, ist die Beziehung durchblickt.

Ich lege keine Begegnung einfach so ab oder weg. Da ist und bleibt Beziehung.

Ich bin auch mit vielen Menschen oft lange Zeit nicht in Kontakt, mit denen überhaupt nichts "vorgefallen ist". Das sind sogar die meisten. Wir sind ein Stück des Weges gemeinsam gegangen, manchmal sogar unglaublich lange, und gerade gibt es nichts im Miteinander "zu tun". Auch da bin ich nicht einfach weg, sondern innerlich in Verbindung, schaue hin, hab sie im Herzen und wenn es dran wäre, der Impuls käme, dann würde ich auch da wieder kommunizieren.

Manchmal spüre ich den Schmerz und das Unverständnis des anderen über den "Nichtkontakt". Sie fühlen sich, als hätte ich "Schluss gemacht", mich getrennt aus für sie unerklärlichen Gründen. Ich spüre, wie nicht erfasst wird, wie ich da bin. Ich spüre, wie alte Wunden des Verlassenseins bei ihnen berührt werden und wie es quasi eine kindliche Unerreichbarkeit des anderen - also von mir - reinszeniert.

Manchmal würde ich gerne rufen: "Das hat nichts mit dir zu tun. Das ist nicht persönlich zu nehmen. Ich bin noch da und innerlich in Verbindung." Gleichzeitig ist es meine Aufgabe, mich darin zu halten und eben keine Gefühle vermeiden zu wollen. Weder bei mir noch beim anderen. Es ist nicht angenehm, darum zu wissen, wie ich gerade falsch verstanden werde und dennoch gibt es daran meistens nichts zu ändern.

All diese Menschen, die einmal Teil meines Lebens waren, sind auf immer Teil meines Lebens. Ich weiß nicht, ob und wann es weitergeht in der Beziehung. Das weiß ich nie. Und ja, ich muss immer damit rechnen, dass vielleicht das "letzte Mal" schon gewesen ist. Dass es nie wieder dran sein wird, diesen Menschen wiederzusehen oder zu sprechen. Auch das ist mir bewusst. Das irdische, menschliche Ende des Miteinanders ist in jeder Beziehung immer mit präsent.

Deswegen schätze ich es sehr, in jeder Begegnung wesentlich zu sein. Ich weiß, dass ich nichts verpassen werde, was relevant gewesen wäre. Stand jetzt kann ich sagen, dass in mir mit allen alles am richtigen Platz ist. Ich könnte von der Erde gehen - oder sie - und es ist alles getan, alles richtig. Es gibt nichts zu bereuen.


 

Samstag, 15. November 2025

Ich wollte die anderen, um mich zu bekommen

Ich mag euch mal wieder mitnehmen auf eine Innenreise von mir, durch die ich mich erst kürzlich geschrieben habe und die ich gerade so ergänzt habe, dass es hoffentlich nachvollziehbar ist. Es ist eine Innenreise, die fühlbar gezeigt hat, wie unfassbar wichtig und essentiell als Kind Schlüssigkeit und Verstehbarkeit der Erwachsenen ist und was es tatsächlich bedeutet, wenn das nicht gegeben ist. Angefangen hat es mit sehr kindlichen Sätzen, die immer wieder in mir aufgetaucht sind:

„Wenn ich den anderen nicht verstehe, hab ich das Problem. Wenn der andere nicht verstehbar ist, habe ich das Problem. Wenn ich nicht verstanden werde, hab ich das Problem.“

„Niemand setzt sich mit mir und damit auseinander. Ich bleibe verwirrt zurück.“

Wieso ist verstehen für diesen Teil so wichtig?

Das Begreifen der Welt. Transparenz. Schlüssigkeit. Mich in mir und dann, damit, in der Welt zurechtfinden. Ich muss mich und die Welt begreifen für einen sicheren Platz in mir und in ihr.

Mir wurde als Kind durch die Unverstehbarkeit der Erwachsenen tatsächlich die Verbindung zum Leben verwehrt. Mein Selbst, mein Rhythmus, mein Platz, das große Ganze, Verbundenheit, Sicherheit. Meine Göttlichkeit. Mein wahres Sein. Um das natürlich finden zu können, hätte ich Verbindung, Verstehen und Greifbarkeit gebraucht, Schlüssigkeit, Nachvollziehbarkeit, Stringenz. Die reife Präsenz der Erwachsenen. Ihre Stimmigkeit. Ihre eigene Anbindung an den Kosmos und ihren Platz darin. Darüber und dadurch hätte ich mich und meinen Platz, meine Verbundenheit mit allem, was ist, bekommen können.

Unstimmigkeiten und Widersprüchen kann ich als Kind nicht vertrauen und in mir selbst hatte ich noch keine Antworten. Das heißt, ich war völlig verloren, unsicher, im Grunde immerzu in Gefahr. Das Bisschen, was ich geglaubt hatte, verstanden zu haben, wurde mit dem nächsten Widerspruch in einer elterlichen Aussage wieder eingerissen. Ich stand wieder völlig entsetzt vor dem Nichts. Das hat sich tagtäglich immerzu wiederholt. Jeder Versuch, sie beim Wort zu nehmen, ernst zu nehmen, weil ich sie ernst nehmen können MUSS als Kind, ist gescheitert. Ich stand immerzu völlig verzweifelt vor meinen minütlich einstürzenden Welten. Keine Chance, mich in all dem zurechtzufinden, mich und die Welt zu verstehen. Die Vollkatastrophe für mich. Für die Eltern eine flüchtige Aussage, die im nächsten Moment schon wieder vergessen war.

"Du verwehrst mir nicht nur dich, sondern damit vor allem mir mich selbst!" ist der eigentliche Satz der Kleinen (vorwiegend) an die Mutter gerichtet.

Ich (der Anteil in mir) versuchte bis heute mit all meinem Verstehen wollen, nicht wirklich den anderen zu verstehen, sondern mich zu bekommen. Ich wollte im Grunde gar nicht den anderen. Ich wollte mich. Als Kind hätte ich die anderen wirklich dafür gebraucht. Jetzt, als die Erwachsene, die ich bin, hab ich mich ja schon. Der Anteil wusste das nur nicht.

Was für eine Erleichterung jetzt zu wissen, dass ich im Grunde nie wirklich die anderen erreichen wollte, sondern mit ihrer Hilfe mich selbst finden wollte. Ich wollte mich. Wenn also heute jemand nicht erreichbar ist, bedeutet das nicht automatisch, dass ich mich wieder nicht haben kann. Halleluja! Was für eine krasse, fiese, entsetzliche, kindliche Verknüpfung: „Wenn der andere (auf Dauer) nicht verstehbar/erreichbar ist, kann ich mich nicht haben.“ Wie gut, dass das nicht mehr die Wahrheit ist.

Ich brauch die Erreichbarkeit der anderen nicht mehr und schon gar nicht die Verstehbarkeit. Ich bin nicht mehr darauf angewiesen, dass sie "logisch" sind (und mir adäquat und korrekt die Welt erklären können). Ich bin auch nicht mehr darauf angewiesen, dass sie mir mich sauber spiegeln.

Ich hab mich ja schon längst. Ich hab meine Verbindung und Anbindung. Ich finde mich in mir und in der Welt hervorragend zurecht. Ich bin mit mir sicher. Ich hab das Problem der Kleinen im Grunde schon lange gelöst und jetzt auch ihre zugehörige Not beendet. Was für ein Gefühlssturm! Was für eine lange nicht erkannte Verzweiflung in all dem! Die Kleine, die so sehr auf die Verstehbarkeit der Bezugspersonen, auf das sichere Sichbeziehenkönnen, angewiesen war, wurde fühlend nach Hause geholt.

Danke für all die „fürchterlichen“ Auslöser und Fingerzeige, für all die schrecklichen Wiederholungen der Not, bis der Groschen endlich gefallen ist und die Zeit der Erkenntnis reif war. Puh!

 

Nachtrag:
Ich weiß nicht, ob ansatzweise zum Ausdruck kommt, was das alles für (m)ein Kind bedeutet, wie sehr es da tatsächlich um ALLES geht, um Leben und Tod, und zwar sein geistiges Leben, tiefste Heimat in sich selbst finden können, die Anbindung an die Schöpfung, also spirituelle Heimat, die eigene Wahrheit über das geistige Wesen. Es geht nicht nur um Zugehörigkeit und versorgt werden, also Überleben im körperlichen Sinne. Es geht auch nicht "nur" um emotionale Versorgung. Es geht um die komplette Existenz auf allen Ebenen. Darum hab ich verzweifelt gekämpft. Alter Schwede. Das ist so eine fette Hausnummer. Diese Not nochmal zu fühlen, diese Verzweiflung, diese Unmöglichkeit in all dem. Es unmöglich gemacht zu bekommen als Kind. Holy shit!


Sonntag, 26. Oktober 2025

Für meine Kleinen muss vor allem ich erreichbar sein

Obwohl ich schon hundert Mal bei der Wahrheit rausgekommen bin, dass es nicht um die Situation an sich geht, sondern um die Gefühle darin (vorausgesetzt es besteht keine tatsächliche Gefahr für Leib und Leben - und das tut es in den meisten Fällen halt wirklich nicht, auch wenn es sich noch so bedrohlich anfühlt), bin ich teilweise mit Blindheit geschlagen und verkörpere den Anteil, der da gerade angetickt wird, so sehr, dass er handelt und die Erwachsene nur mehr daneben steht. Zwar beobachtend, wahrnehmend und die Kleine mitbekommend, aber nicht wirklich handlungsfähig.

Ich bekomme mit, dass ich im Film bin, dass ich da irgendwas verzerrt wahrnehme, dass da irgendwas nicht stimmt, aber irgendwie komm ich in dem Moment nicht raus. Ich muss die Situation verlassen, oder sie wird sowieso vom anderen verlassen, und mich mit Abstand sortieren.

Gerade bei der Tatsache, wenn mein Gegenüber nicht erreichbar ist, emotional abwesend, innerlich von sich weggegangen ist, sich nicht fühlend wahrnimmt, sich angegriffen fühlt, kein sich selbst beobachtendes Bewusstsein (mehr) da ist, die Schotten zugehen, kommen immer wieder andere/neue Anteile (der gleiche in unterschiedlichen Ausprägungen?🤔) in mir in Not und wollen die Unerreichbarkeit ändern, wollen nicht akzeptieren, was aber gerade schon da ist.

Heute morgen ist mir aufgefallen, dass quasi sowohl meine Erwachsene, als auch die Kleine nebeneinander da standen und zu dem hingeschaut haben, der nicht zu erreichen war, als ob es auf ihn ankäme. Und auf einmal hat es "klick" bei mir gemacht. Die Erwachsene hat den Blick auf die Kleine gerichtet und sie angeschaut in ihrer Verzweiflung. Bähm! Das war DER Erlösungsmoment und tatsächlich auch der Moment, in dem ich mir innerlich laut die Hand auf die Stirn geklatscht habe. "Ich weiß das doch alles!!!!"

Die Kleine hat sich sofort mir zugewandt. Puh! Endlich gesehen in der Not und der Verzweiflung. Auf einmal war es überhaupt nicht mehr wichtig, den anderen erreichen zu wollen. Er durfte weg sein. Hauptsache ICH war für sie da. Sie war gesehen. Was für eine Erleichterung für beide. Ein Gefühl, als würde ein weiterer Spuk endlich vorbei sein. Eine weitere Verhedderung erkannt und damit in die Erlösung gegangen. Tatsächlich der Anfang vom Ende einer Verwirrung. Eine grundsätzliche? Ich werde es sehen.

Die Kleinen in mir müssen vor allem mich erreichen können in der Unerreichbarkeit der anderen. Danach können wir immer noch schauen, wie wir uns in der Situation verhalten und ob es da überhaupt noch etwas braucht. Es ist, als wären solche Situationen für nichts anderes da, als für die Berührung der verletzten Anteile, als würde alles, alles dem Streben nach Ganzheit dienen, ohne dass ich mir das jemals in dieser Perfektion ausdenken könnte. Ganz im Gegenteil. Sehenden Auges würde ich wohl nicht mit dem "Endgegner" in den Ring steigen. Der muss mir schon immer wieder "untergejubelt" werden. 😉

Jetzt kann ich mit Humor draufschauen. Mittendrin in dem Gewurschtel ist das echt alles andere als witzig, schon gar nicht, wenn ich weiß, ich bin verheddert und weiß noch nicht wie. Was ich allerdings sehr daran liebe ist, mich in diesem großen Verständnis und Mitgefühl mir selbst gegenüber zu erleben. Was auch immer gerade in mir los ist, da ist diese unfassbar große Liebe. Ich geh mit mir, was immer der Weg bereit hält. 🥰❤️🙏🏼

(Der Schrifttyp der Überschrift heißt übrigens "Life Savers". Das war ja wohl ein Muss, obwohl ich eigentlich nach einer schön geschwungenen Handschrift gesucht hatte. Selbstbegleitung ist tatsächlich meine Lebensrettung.)



Montag, 6. Oktober 2025

Der einzige "Fehler" ist, dass ich denke, da wäre einer

Ein intensiver Prozess hat in den letzten Stunden einen Anteil zutage gebracht, der immer wieder an seiner Unschuld gezweifelt hat. Er wurde verletzt und verletzt und konnte für all die Verletzungen nichts und dennoch war da ein Zweifel an sich selbst. Ich mag euch mit auf die Reise nehmen und teilen, was sich bisher an Glaubenssätzen, Dynamiken und Erkenntnissen gezeigt hat:

Da war die kindliche Idee: Ich bin erst unschuldig, wenn der andere Seins nimmt.

Noch stimmiger und richtiger ist: Meine Unschuld ist erst dann wirksam, wenn der andere Seins nimmt. Da ist sie ja schon die Unschuld. Das ist genau das, was mich an- und umtreibt, dass ich zum Großteil um meine Unschuld weiß.

Im Grunde rufe ich (der Anteil) mit jeder Aktion und in jeder Auseinandersetzung immer nur: "ICH BIN UNSCHULDIG!!!! Siehst du es endlich auch? Ich kann für deine Wunden nichts."

Dieser Teil will, dass meine Unschuld anerkannt wird und dass sich damit auch das Verhalten des anderen mir gegenüber ändert.

Mir wurde erzählt, dass mein Schmerz mein Verschulden ist oder der andere nicht anders kann, als mir aus 1000 Gründen weh zu tun. Also per se keine Verantwortung dafür hat. Also entweder bin ICH schuld an meinem Schmerz oder halt keiner und ich muss mich damit abfinden, dass es halt weh tut.

Dieses „nicht anders können“ der Erwachsenen aus meiner Kindheit ist eine krasse Opferhaltung. Dieses eigene Opfersein machte sie automatisch zum Täter, was sie überhaupt nicht so empfanden, und für diese Taten mussten sie sich dann auch nicht verantworten. Weder vor sich noch vor mir. Sie hatten ja keine andere Wahl. Da ist riesige Wut in mir über diese Art der Verantwortungslosigkeit und der schlichten Hinnahme, dass mir weh getan wurde. Es fühlt sich an wie ein „sich aus der Affäre ziehen“. Ich musste für alles gerade stehen, auch für das der anderen und die anderen mussten für nichts gerade stehen. Das ist nicht nur ungerecht. Das ist Hochverrat aus den eigenen Reihen. Den schwächsten ans Messer liefern.

Was hinzu kommt ist, dass ich als Kind natürlich bemerkt habe, dass es dem anderen offensichtlich schlecht ging, ganz grundsätzlich, und ich hab mich immer gefragt, ob ich nicht doch etwas damit zu tun habe.

Dieses Gefühl „etwas“ an den Umständen noch nicht begriffen zu haben, noch nicht gesehen oder verstanden, war und ist immer wieder der Punkt, an dem ich mich verunsichern lasse und selbst an meiner Unschuld zweifle. Genau da könnte nämlich der Punkt sein, wo ich doch schuld bin. Schuld, dass es dem anderen schlecht geht. Schuld, dass er mir deswegen weh tun muss. Die Wahrheit ist, dass alles, was ich noch nicht begriffen habe, im anderen liegt. Ich habe den anderen noch nicht begriffen und auch noch nicht gegriffen, weil er sich nicht greifen lassen will. Er verschleiert, argumentiert, verwirrt, versteckt sich hinter Rollen und scheinbaren Zwängen. Er tritt mit seinen ganz eigenen Entscheidungen, sich all dem zu beugen, mit seiner Angst, mit seiner empfundenen Ohnmacht, mit dem empfundenen Minderwert nicht in Erscheinung. Er macht sich stattdessen groß in seiner Rolle mit der Übermacht, der er eigentlich unterliegt, im Rücken. Er gibt seinen Druck an mich weiter, ohne selbst darin „angreifbar“ zu sein.

Ich bin greifbar, werde zur Verantwortung gezogen, soll als Kind etwas übernehmen, zu dem die Erwachsenen nicht in der Lage sind: Verantwortung. Auch heute bin ich greifbar, ich bin von mir selbst begriffen und zutiefst erforscht, bereit immer weiter zu forschen und zu 100 % in meiner Verantwortung. (Danke für jede ehrlich erspürte Rückmeldung dazu, jeden Wahrnehmungsabgleich, ohne die ich nicht so hier stehen könnte!) Damals wie heute mache ich die Erfahrung: Der andere will sich weder selbst greifen, weil er nicht sehen und fühlen will, was da dann wäre und möchte sich auch nicht von anderen/mir begreifen lassen, weil dann klar wäre, dass er für seine Handlungen Verantwortung übernehmen müsste und klar wäre, dass mein Schmerz etwas mit ihm zu tun hat. Ganz konkret mit ihm.

Immer wieder ist da in den letzten Tagen krasse Übelkeit in mir und es spürt sich an, wie etwas, das mir reingedrückt wurde, das ich fressen musste, was tunlichst da wieder raus muss. Hierzu kam der Satz: "Nimm du das Schlechte an mir." Wie wenn mir gerade von meiner Mutter alles reingedrückt wurde, was sie an „schlechten“ Eigenschaften nicht an sich haben wollte, damit sie es an mir bekämpfen konnte.

Es gibt ziemlich viel auszukotzen und eine Wahrheit, die Gott sei Dank, so langsam bei diesem Anteil landet: ICH BIN UNSCHULDIG! Und das muss ich nicht beweisen. Vor allem mir selbst gegenüber kann ich aufhören, die Unschuld immer wieder erst aufs Neue beweisen zu müssen. Und ich kann aufhören, im Müll der anderen, meinen Fehler finden zu wollen, um dann nach stundenlangem Suchen festzustellen, dass das alles gar nicht mir gehört. Der einzige Fehler ist, dass ich denke, da wäre einer und den ganzen Misthaufen des anderen überhaupt erst in die Hand nehme.

Meine Kleine beruhigt sich mehr und mehr. Ein jahrzentelanger Schmerz kann da sein. Ein Kampf mehr findet wohl gerade beginnend ein Ende.

(Danke von Herzen, Michael, dass du mal wieder zur genau richtigen Zeit sowas von DA warst, mir Raum bist und hältst, mich in Frage stellst und mein mich in Frage stellen in Frage stellst. Danke für deine Klarheit, dein Vertrauen, dein mich Sehen und Erfassen, dein Forschen und deine Offenheit. Danke für diesen unfassbar wertvollen Dienst.❤️)



Mittwoch, 24. September 2025

Was, wenn in dir nichts zu finden ist?

Was, wenn es Menschen gibt, die tatsächlich kein Selbst in sich finden? Die nurmehr mit so viel Seele in den Körper gegangen sind, dass halt die Vitalfunktionen da sind und das Minimum geht, was hier "gehen" muss? Was, wenn die Inkarnation nie ganz vollzogen wurde, weil der Eintritt in die Dichte, die Individuation sich so schmerzhaft angefühlt hat und so viel Angst gemacht hat, dass das eigentliche Vorhaben nie ganz ausgeführt wurde?

Was, wenn sich für diese "Menschen" das ganze Leben leer anfühlt, inklusive sie selbst, sie sich wie abgeschnitten, getrennt fühlen, hohl, kraftlos, und der ganze Sinn darin besteht, nach etwas zu suchen, was diese Leere füllt und alles und jeder im Umfeld dazu hergenommen wird, sich "selbst" zu spüren, eine Idee von Existenz zu haben, sich damit zu füllen und der andere oder das Projekt nur mehr benutzt wird, um ein Gefühl von Lebendigkeit und "ich" zu erzeugen? Sie versuchen, "es" sich einzuverleiben? Was aber nie fruchtet oder nur kurz, weil es sich dennoch unbefriedigend und fremd anfühlt und vor allem erschöpfend ist? Existenzberechtigung gibt es nur in Bezug zu jemand anderem. Sie für sich haben keine. Wie auch?

Was, wenn diese leere Hülle im Laufe des Lebens gefüllt wird, mit fremden, übernommenen Ansichten, bunt zusammengewürfelt, lose, unzusammenhängend und jede Begegnung mit diesen Menschen irritierend ist, weil hinten und vorne nichts zusammenpasst, weil eine Strategie, ein Muster, eine Maske nach der nächsten von ihnen probiert wird, um die Idee von Kontakt zu haben, nur kein wahres Wesen zum Vorschein kommt, weil es schlicht nicht hier ist?

Jeder Versuch, sie zu greifen, geht ins Leere. Im wahrsten Sinne des Wortes. Auch ihr eigener. Jeder Versuch, sie zu verstehen, scheitert, weil da nichts ist, was verstanden, begriffen werden könnte. Auch von ihnen selbst nicht. Nur Durcheinander, das nicht sie sind.

Diese Menschen suchen, suchen überall. Wollen Kontakt, merken, dass sie darin entweder das Gefühl haben, ausgelöscht zu werden, wenn der andere seinen Raum einnimmt, oder machen den anderen zu ihrem Projekt, um sich zu spüren. Dann wird Kontakt schnell anstrengend, weil sie entweder "übergangen" werden, oder sich im "Liefern" erschöpfen. Dann müssen sie alleine sein und haben sich selbst auch da nicht. Es dient lediglich der körperlichen Erholung bis zur nächsten Runde Suche. Sie erleben nie echten Kontakt, was ohne das eigene Selbst sehr verständlich ist. Der andere kann noch so präsent da sein, sie werden keine Verbundenheit spüren. Reden, Körperkontakt, gemeinsame Aktivitäten erzeugen kurz ein Gefühl von Verbundenheit, das muss aber immer wieder wiederholt werden und ist nicht nachhaltig.

Die stete Suche im Außen ist letztlich genauso erfolglos wie die Suche im Innen. Beides ist unendlich frustrierend und kraftraubend, kommt die Kraft doch tatsächlich hauptsächlich von Nahrung und nicht aus der Quelle.

Die Wurzel von so ziemlich jedem "Problem", jedem Leid, ist die nur teilweise Inkarnation. Die müsste erstmal zu Ende gemacht werden, aber der Teil der Seele, der noch vor den Pforten zur Erde steht, will nicht hier sein. Der kleine Teil der Seele, der im Menschen ist, befindet sich in der Hölle. Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig. Nicht hier, nicht dort. Scheinbar nicht handlungsfähig, weil zur Eigenmacht der Großteil der Seele in den Körper müsste. Und dann ist da dieses Schuldgefühl, die Scham, es nicht getan zu haben, das Gefühl ein Feigling zu sein, Kleinheit, Minderwertigkeit. Das alles wirkt IMMER im Untergrund, omnipräsent. Es ist demjenigen entweder direkt anzusehen oder muss irgendwie kompensiert oder vertuscht werden oder gar mit einem gegenteiligen Selbstbild bekämpft und vor sich selbst verborgen werden. Halleluja! Was für eine Mischung!

Ich hab mir das alles nicht ausgedacht. Das alles beruht auf Erfahrung und bestätigter, gemeinsamer Forschung. Bis vor wenigen Tagen wusste ich überhaupt nichts von diesem Phänomen. Auf der Erde aus dem Körper gehen, ja, aber gar nicht erst hierhin kommen, das ist eine ganz andere Hausnummer. Ich wäre wahrscheinlich die erste gewesen, die es unterschrieben hätte, dass eben wirklich alles in sich selbst zu finden ist und zwar bei jedem. Pustekuchen. Ich wurde definitiv eines Besseren belehrt und staune seither, weine viel, fühle viel.

Ich hatte, ohne es zu wissen natürlich, mit einigen dieser Wesen sehr viel zu tun. Bei mir fallen die Groschen in Dauerschleife. Plötzlich verstehe ich so viele schräge Situationen, so viel von meinem Unwohlsein, so viel von meinem Innenerleben, meiner Verzweiflung, meiner Wut und vielem mehr im Umgang mit ihnen. Ich begreife die anderen und damit einhergehend, was DAS für mich bedeutet hat, wie chancenlos ich war, wie frustrierend solcher Umgang ist, mit WAS ich es über weite Strecken zu tun hatte und ebenfalls weiß ich bei einigen, dass unsere Verabredungen anders waren. Der Deal war, dass wir alle GANZ inkarnieren. Ich hab's gemacht. Auch dieses Gefühl von "wir hatten verdammt nochmal eine andere Verabredung" kann ich nun nochmal mehr verstehen.

Damit will ich es erstmal bewenden lassen. Ganz bestimmt ist dazu noch lange nicht alles gesagt und auch nicht erforscht. Aber bis hierhin wollte ich es schon mal geteilt haben.


Montag, 15. September 2025

Wenn ich auf ein Objekt in einer Geschichte reduziert werde

Du reagierst nicht auf MICH. Du reagierst aus einer Geschichte in dir drin, auf etwas, was in deiner Vergangenheit stattgefunden hat oder aus einem Welt-/Selbstbild, das du dir selbst zusammengebastelt hast, ohne mich zu fragen. Du reagierst IN einer Geschichte, in die ich einfach einsortiert werde, wie eine Spielfigur. Und noch nicht mal ich als Ganzes. Oh, nein! Einzelne Fitzel von mir werden genommen und dort eingefügt. Etwas, was ich getan oder gesagt habe, oder gar gleich Deutungen deinerseits davon, einzelne Brocken, losgelöst von der Situation, abgetrennt von meinem restlichen Wesen, ohne dass meine Intention, meine Haltung, die Hintergründe, mein Wesen in der Gesamtheit eine Rolle spielen würden. Du pickst etwas raus, erfasst nicht im Ansatz die Wahrheit der Situation, nicht das, was energetisch tatsächlich vorhanden ist, und baust alles Weitere darauf auf. All deine Handlungen und Konsequenzen basieren auf etwas, was nicht wahr ist, was ich nicht gemeint habe, was nicht meine Absicht war, was nicht dem entspricht, wie ich tatsächlich da war, was tatsächlich fühlbar, wahrnehmbar da war.

Die Situation im Hier und Jetzt bekommst du gar nicht mit, das, was wirklich geschieht. Du nimmst MICH nicht im Ansatz wahr. Du bewegst dich im Film. In deinem. Mit dem ich genau nichts zu tun habe. Und dann wird mir etwas von dir übergestülpt, zugeschrieben und angedichtet, was überhaupt nicht zu mir gehört. Du schaust mich mit den Filtern deiner Story an und urteilst darin über mich, handelst darin.

Soll ich dir was sagen? Das fühlt sich beschissen an. Es ist haarsträubend für mich, das zu erfahren. Ganz erwachsen, ohne eigene, kindliche Not, kommt direkt die pure Wut und das deutliche Benennen und Zurückweisen all dessen. Den Mist nehm ich nicht. Lass die Finger von mir, lass mich in Ruhe mit deinem Scheißspiel und mach mich nicht zu einem Teil davon! Hör auf damit! Deine Geschichte, deine Welt ist zu klein für mich. Viel zu klein. Hör auf, mich da reinpressen zu wollen!

Nicht ich bin der, der dir was antut. Du reduzierst mich, reduzierst mich auf ein Objekt in deiner Welt, verzerrst mich, behandelst mich entsprechend, beschuldigst mich, wirfst mir vor, klagst an, strafst mich ab. Das ist hier die eigentliche Tat.

Geeeeeh weg und lass mich verdammt nochmal in Ruh!!!


(Diese Wut tut mir so unendlich gut. Das direkte Benennenkönnen und Begreifen tun mir so unendlich gut. Was für eine Befreiung!!! Selbstwirksamkeit pur! Meine Kleine von damals begreift gleich mit. Tausendfach diese Ungerechtigkeit erlebt und keine Worte dafür gehabt. Jetzt sind sie da und mir erschließen sich so viele schräge Situationen rückblickend noch einmal ganz anders. Situationen mit den Eltern, mit Partnern, mit Menschen in Behörden, auf der Arbeit. Immer das gleiche „Spiel“. Jetzt ist es durchschaut.)



Sonntag, 24. August 2025

Das schlimmste Sich-Verlassen?

Ist das schlimmste Sich-Verlassen das "etwas vor sich selbst verbergen"? Ich hatte nie die Strategie, etwas vor mir selbst zu verbergen. Wenn ich mein Innerstes auch nicht anderen zeigen konnte, in mir hab ich es bei mir gehabt. Ich war mit mir mit dem da. Bin dann lieber von anderen weg, damit ich in mir mit mir sein konnte.

In der Begleitung von Menschen begegnet mir immer wieder das Phänomen, innerlich von sich selbst wegzugehen und etwas tatsächlich vor sich selbst verbergen zu müssen. Etwas, das so ungeliebt ist, dass es nicht wahr sein darf, versteckt werden muss und zwar nicht nur vor anderen, sondern auch und vor allem vor sich selbst.

Ab da gilt alles der Aufrechterhaltung eines bestimmten Selbstbildes, das den versteckten Aspekt nicht beinhaltet und ein ganz starker Kampf im Innersten gegen sich selbst. DAS darf nicht entdeckt werden, schon gar nicht von sich selbst. DAS darf nicht wahr sein. Ich muss und will anders sein, als DAS.

Dieser beschriebene innere Kampf in einem Menschen ist in meinem Erleben der Grund, warum sie für mich unerreichbar sind. Sie sind im Krieg mit sich. Augen, die mich nicht sehen, weil sie nur unverwandt nach innen gerichtet sind, mit dem Kampf und dem "sich selbst täuschen" beschäftigt.

Ich hatte vor mir selbst nie etwas zu verbergen und konnte sehr lange Zeit nicht verstehen - überhaupt nicht verstehen - warum die meisten Menschen nicht einfach sagen, was los ist. Man kann doch mit allem umgehen. Ich wusste von diesem Phänomen des "etwas vor sich selbst verbergen müssens" lange nichts.

Mit diesem Wissen, dem so wertvollen Teilen von Betroffenen und dem Ergründen und Erfühlen der Hintergründe und Anteile, verstehe ich im Nachgang mal wieder sooo viel mehr in meinem Leben, kann Erfahrungen in Begegnung nochmal anders einordnen und verstehe einmal mehr, mit was ich als Kind und auch ganz oft als Erwachsene zu kämpfen hatte - mit den Kämpfen der anderen gegen sich selbst. Es hatte nichts mit mir zu tun. Überhaupt nichts! Und oft wurde an mir von ihnen das bekämpft, was sie an sich so gar nicht haben wollten. Wieder hat das nichts mit mir zu tun und natürlich hat etwas in mir es persönlich genommen und auf sich bezogen. Wie hätte ich es als Kind anders deuten sollen?

Ich hatte keine Chance da jemanden zu erreichen. Da durchzudringen. Gesehen zu werden. Angenommen zu werden wie ich bin. Der andere konnte und wollte sich ja noch nicht einmal selbst sehen und annehmen, wie hätte er es mir gegenüber leisten sollen? Halleluja!!! Da gehen ganze Kronleuchter an.

Die anderen waren im Krieg gegen sich selbst und sind nie daraus zurückgekehrt.



Mittwoch, 20. August 2025

Kein "um zu" mehr

Mein Leben hat sich in den letzten 20 Jahren zu einer Konsequenz hin entwickelt, die ich manchmal verteufelt habe. Ich komme keinen Millimeter an meiner innersten Wahrheit vorbei. Ich kann nur tun, was tatsächlich rein ist, 100% in Übereinstimmung mit meinem Innersten und keine Absicht hat. Das war mit Anfang zwanzig natürlich eine andere Hausnummer als jetzt, aber da fing es an, dass das Funktionieren einfach nicht mehr funktionierte, dass es in mir rebellierte, wenn etwas nicht in Übereinstimmung mit meiner Integrität war.

Ich hab mir manchmal gewünscht, dass ich mich eeeetwas mehr fügen oder anpassen könnte, mal einen Schwupps an mir vorbei könnte, um schlicht dazu zu gehören. Es ging nicht. Wenn ich es doch probiert habe, hat mich mein Körper sofort rausgeholt. Er war IMMER spätestens die Notbremse.

Es war also meine Herausforderung und mein Weg, mich selbst darin zu halten, dass ich keine "um zus" mehr ausagieren konnte, andere bedienen oder für mich selbst zweckmäßig handeln konnte. Da kamen die inneren Anteile und verletzten Kinder zum Vorschein, die das tun mussten, was stimmte, dann aber eben mit Konsequenzen zu rechnen hatten, befürchteten nicht mehr dazu zu gehören, ausgestoßen zu werden, beschuldigt zu werden, oder eben unter der Brücke zu landen, weil ich in kein System mehr passte, das zum "Geldverdienen" gut war.

Für viele andere ist es die Challenge, die "um zus" sein zu lassen und die inneren Kinder zu halten, die es so sehr gewohnt sind, absichtsvoll zu handeln, lieb und nett zu sein, zu beeinflussen, zu betteln, weil sie nur so ansatzweise an etwas gekommen sind, was sie so sehr gebraucht hätten. Da ist es die Aufgabe, sich um die inneren Kinder zu kümmern, die liefern wollen, die fordern, die kein Nein dulden, die brauchen und ALLES dafür tun. Es ist die Herausforderung, das bei sich zu behalten, was ein "um zu" hat und die Anteile in der Not zu versorgen.

Das heißt nicht, dass es keine erwachsenen Wünsche und Bedürfnisse mehr gibt. Ganz im Gegenteil, es ist sogar essentiell zu erkennen, dass es erwachsene Wünsche und Bedürfnisse gibt, die berechtigt sind, die menschlich sind, die geäußert werden dürfen. Ob ich damit frei und absichtslos da bin, merke ich daran, ob es ok wäre, wenn der andere Nein sagt. Wenn ich das, was ich brauche genau jetzt von genau der einen Person will und es nicht denkbar ist, dass es nicht stattfindet oder wann anders, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ein inneres Kind am Start ist, um das ich mich kümmern darf.

Wenn ich mein Bedürfnis äußern kann, weiß, dass es mir grundsätzlich zusteht und ich es haben darf, dass es aber nicht unbedingt jetzt und genau von dieser einen Person zu erfüllen ist, dann bin ich erwachsen da. Frei. Absichtslos. Das ist für mich der große Unterschied zwischen Bedürftigkeit und Bedürfnis. Zwischen Betteln und Wunsch. Ist der andere eingeladen wirklich frei nach seiner Stimmigkeit und Integrität Ja oder Nein zu sagen?

In meinem Leben war es immer eher so, dass ich diejenige war, die bei den "Bedürfnissen" der anderen nicht frei Ja oder Nein sagen durfte, weil es eben emotional aufgeladene Bedürftigkeiten waren, bei denen ein Nein ordentlich Gefühle auslöst. Ich selbst durfte also nicht Nein sagen, hatte aber ohne Murren zu akzeptieren und zu verstehen, dass die anderen fast nur Nein zu mir sagten. Mir fällt es deswegen nicht schwer, nicht zu versuchen, etwas zu bekommen. Es hatte keinen Wert. Selbst nach berechtigten Bedürfnissen fragen, wurde schnell als Betteln bezeichnet.

Ich musste lernen, dass es berechtigte Bedürfnisse überhaupt gibt und dass mir das auch zusteht, wenn ich aus meiner Integrität Nein zu anderen sage, in dem prägenden Fall zu den Eltern. Ich hätte bekommen müssen, ohne geben zu müssen und mein Nein zu ihren Bedürftigkeiten hätte keine negativen Konsequenzen für mich haben dürfen.

Als Erwachsener ist jedes eigene "um zu" im Grund überflüssig. Jede Angst vor negativen Konsequenzen, wenn ich die "um zus" der anderen nicht erfüllen mag, auch. Das Einzige, was es zu tun gibt, ist in beiden Fällen, die inneren Kinder zu versorgen, die da jeweils auf den Plan treten. Die, die was bekommen wollen und die, die Konsequenzen vermeiden wollen.



Montag, 11. August 2025

Voll und ganz über mich entscheiden können

Voll und ganz über mich entscheiden können und dürfen, das war und ist in meiner Ursprungsfamilie nicht vorgesehen. Es wird erwartet, dass ich die Bedürftigkeiten und Wünsche zur Schmerzvermeidung der anderen berücksichtige.

Ich darf schon machen, was ich will, aber dann sind sie halt beleidigt oder angefressen, voller unausgesprochener Vorwürfe und Schmerz. Ich kann nicht wirklich frei wählen. Manche Fragen dulden kein Nein. Manche Antworten dürfen nicht sein.

Dass in diesem Verhalten ich nicht vorkomme, ich keine Rolle spiele, hab ich schon sehr oft formuliert. Dass dieses Verhalten, diese Haltung beinhaltet, dass ich nicht voll und ganz über mich selbst entscheiden kann, kam heute erst so richtig bei mir an.

In dieser Familie ist es nicht vorgesehen, dass ich für mich wähle und diese Entscheidungen unabhängig von der Familie sein können. Es kommt in ihrer Vorstellung nicht vor, dass sie in meinen Entscheidungen keine Rolle spielen. Es kommt nicht vor, dass ich komplett über mich selbst verfüge, tatsächlich meine eigenen Wege gehe und ein komplett eigenes Leben habe. Völlig losgelöst von ihnen.

Diese Formulierung von Cindy heute, dass sie voll und ganz über sich entscheiden will und zwar in jeder Sekunde, hat's bei mir nochmal riiiiichtig klingeln lassen. Ich durfte nie wirklich, wahrhaftig und aufrichtig über mich entscheiden. Ich hab das im Kontakt mit meiner Familie nie erlebt, dieses Gefühl, dass ich nur mir gehöre, dass es mal nur um mich und mein Wohlergehen, meine Integrität, meine Wahl ging, ohne emotionale Aufladung mit ihren Themen, ohne versuchte Einflussnahme, ohne Bedenken, ohne Stories, die fühlbar mitschwangen, ohne Bewertungen. Ich hab nie wirklich offene Fragen gestellt bekommen, die zu einer/meiner Antwort einluden. Sie waren immer suggestiv, eingefärbt, aufgeladen, voreingenommen, ein bestimmtes Ergebnis inkludiert oder eben die vorgefertigte Meinung.

Frei wählen können und erleben, dass es wirklich und aufrichtig akzeptiert wird. Wirklich sein gelassen werden. Nur mir gehören bzw. dem Leben. Wirklich, ohne Kontrollfragen auf Schubladentauglichkeit oder Norm, das eigene Leben zugetraut und gegönnt bekommen. Wirklich frei gelassen werden, ohne das noch unterschwellig oder offenkundig was von mir gewollt wird, ohne Ansprüche, Erwartungen und Filter.

Voll und ganz über mich entscheiden dürfen, über mich selbst verfügen, zu jeder Zeit, egal, was das bedeutet, egal, worauf meine Wahl fällt. Entscheidungen erwachsen und reif akzeptiert bekommen, allen voran mein Nein. So ist es eigentlich gedacht in Beziehung. So fühlt es sich richtig an. Das hat da immer gefehlt. Jetzt hat die Lücke einen Namen. Danke.


 

Sonntag, 10. August 2025

Wir haben gerade nichts miteinander zu schaffen

Ich hab das immer wieder in mir bewegt, diese Sache mit dem "selbstverständlichen" Kontakt mit der Familie, mit "Freunden" und Bekannten von früher oder allen möglichen anderen Lebensbereichen. Irgendwie will mir das nicht so richtig in den Sinn. Irgendwas stimmt da grundsätzlich für mich nicht. Ich mag meine Gedanken mal mit euch teilen.

Ich verstehe Leben so, dass ich mit den Menschen bin, mit denen es gerade relevant und wesentlich ist, mit denen es etwas zu bewegen, beleuchten gibt, mit denen es Fäden hin und her zu reichen gibt, mit denen gerade Vereinbarungen spürbar aktiv sind, nichts Ausgedachtes, sondern Wahrnehmbares. Da ist Anziehung. Da ist Zug drauf. Da liegt Kraft drauf. Da wird im Miteinander so richtig was bewegt. Da soll ich sein. Da geschieht das Leben durch mich. Da bin ich an meinem Platz.

Und wie von all dem unberührt und unbeeindruckt scheint es so was wie ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, dass "man" als Erwachsener mit der biologischen Familie und "Freunden" Feste feiert, sich regelmäßig trifft, telefoniert und Sachen unternimmt. Egal, ob das stimmig ist oder nicht, ob mich das erfüllt oder nicht, ob das dran ist oder nicht: Das wird so gemacht. Das gehört sich so. Das wird nicht in Frage gestellt. Es kommt mir vor wie eine Parallelwelt.

Ich kann damit nichts anfangen. Aber so was von gar nichts. Und ich kann es auch nicht so tun, nicht mitmachen.

Welchen Sinn sollte das haben? Also selbst wenn mich meine Familie bis ins Tiefste verstehen und begreifen würde und wir uns wirklich und wahrhaftig begegnen könnten, so könnte ich dennoch nur mit ihnen Kontakt haben, wenn es was zu schaffen gäbe und nicht weil "man" halt einfach Kontakt hat.

Es gibt gerade nichts zu tun und damit meine ich im übergeordneten Sinne. Tatsächlich fühlt es sich seit Langem auch so an, wie wenn die Beziehungen erfüllt sind und alles getan ist, wofür wir uns einst verabredet haben. Grundsätzlich sagt mir mein Gefühl, dass unserer Natur nach dieses Eltern-Kind-Setting tatsächlich irgendwann erfüllt ist. Es ist vollbracht.

In den meisten Fällen meiner Beobachtung kommt es mir allerdings so vor, als hätte die natürliche Abnabelung, die Initiation ins Erwachsen- und Entwachsensein nie stattgefunden. Als würde da künstlich etwas weiter am Leben erhalten werden, was eigentlich schon lange überlebt und überdauert ist, nicht mehr in der Ordnung. Als würden sich die meisten über diese Sicherung durch Gemeinschaft in ihrem Bewusstsein nicht hinausentwickeln. Nie wirklich hinaus ins Leben gehen. Nie wirklich von der Familie unabhängig werden und sich selbst in Gottes Hand geben. Nie wirklich reif werden.

Wie gesagt, in meinem ganz persönlichen Fall kann ich sagen, dass es sich für mich bezüglich meiner Ursprungsfamilie seit geraumer Zeit fertig anfühlt. So richtig vollendet. Mission completed.

Es gibt nichts zu schöpfen, nichts miteinander zu schaffen. Wir haben nichts miteinander zu schaffen, nichts zu ERrschaffen. It's done. Vielleicht ändert sich das mal wieder. Ich werde es merken. Gerade würde ich sagen nein.

Ich bin mit den Menschen, mit denen ich Wesentliches tue, wesentlich bin. Das ist veränderlich, wogt und bewegt sich. Verbindungen werden intensiver dann wieder weniger intensiv. Immer wie es stimmt. Fließend, lebendig und immer kraftvoll, weil genau richtig. Nirgends anders soll ich jeweils sein. So ist es in der Ordnung. Das ist das, was für mich zählt. Über der Ordnung steht für mich nichts. NICHTS. Auch nicht die Familie. Der Ordnung unterliegt für mich alles.

Soweit meine Gedanken, meine Beobachtungen, mein Spüren und Erspüren in diesem Moment.



Freitag, 8. August 2025

Du darfst beißen!

Dir wurde verboten, dich zu wehren. Du hättest dich wehren müssen. Da waren Grenzüberschreitungen und Ungerechtigkeiten ohne Ende. Du hast nicht beißen dürfen und hättest beißen müssen. Sie haben dir dein berechtigtes Nein nicht erlaubt. Sie haben dich deiner Macht beraubt, dir deinen Selbstschutz verboten. Sie haben dich ausgeliefert immer wieder. Sie haben dich damit verraten, ans Messer geliefert, geopfert.

In mir ist Empörung. Fassungslosigkeit. Wut. Etwas in mir steht auf, baut sich auf, in die volle Größe, stellt sich neben dich, vor dir hin, vor deinen Jungen und brüllt wie ein Löwe, gibt einen Hieb mit der Pranke, fletscht die Zähne und bleibt knurrend, schützend vor dir stehen.

"Hier ist Feierabend! An der Stelle ist es zu Ende! Schluss jetzt! Verschwindet! Ein für alle Mal! Seht zu, dass ihr Land gewinnt!" spricht es durch mich.

Du hast dein Recht auf dein Nein, deine Grenze, deinen Raum, deine Ruhe, deine Sachen. Die Zeit des Ertragenmüssens, Dulden, des Kriegs gegen dich Selbst ist vorbei.

Es brüllt nochmal in mir. Ein Machtwort. 🦁🔥🔥🔥🔥🔥

Du darfst beißen! 🦁🦁🦁🦁

 


Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht."

Ein Satz, der seit gestern unglaublich viel in mir bewegt. Ein Satz, der mich noch stabiler stehen lässt. Mitfühlen ja, sehen, anerkennen. Übernehmen, nein. Klar abgrenzend, gerade wenn ich merke und so deutlich spüre, dass mir jemand die Verantwortung für seine Gefühle geben will, dass da Erwartungen und Anforderungen sind, Schuldzuweisungen und auch aufrecht erhalten werden. Wenn ich den Schmerz so deutlich spüre, den ich berührt habe, für den ich aber nicht die Ursache bin.

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht weiter."

So musste ich diesen Satz in mir abwandeln, um die Wahrheit in Bezug auf meinen Vater auszudrücken. Da gab es einen Teil in mir, der dieses Tragenmüssen immer noch als seine Aufgabe sah und bei jedem gesunden Nein meiner Erwachsenen ein schlechtes Gewissen hatte, Schuldgefühle, Zweifel. "Wir können ihm doch mal eben gut tun. Es fällt uns doch so leicht," sagte dann die Kleine zu mir.

Dieser Ausdruck von Mitgefühl in dem Satz, dieses "Ja, ich sehe dich mit deinem Schmerz" an meinen Vater gerichtet, brachte ihr irgendwie die Möglichkeit dann Nein zu sagen. Warum auch immer, kann die Kleine jetzt tatsächlich den Schmerz des Vaters wahrnehmen UND ihn sein lassen. Da ist Ruhe, Klarheit und ein schlichtes Nein.

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht weiter." An dieser Stelle endet das alte Spiel, die falsche Verantwortung, das schlechte Gewissen wieder einmal mehr noch tiefer.

Ausatmen.
Aufatmen.
Erleichterung.
Wieder mehr Ordnung.
Wieder mehr Ent-wicklung.
Wieder mehr Ich.
Halleluja!


 

Mittwoch, 6. August 2025

Ohne Rechte

Er hatte seine Rechte abgegeben. An den Stiefvater mit Aufforderung von der eigenen Mutter, die das ebenfalls getan hatte. Er wollte nicht, hatte zu recht Zweifel, alles in ihm sträubte sich, doch sie gab ihm zu verstehen, dass es so sein musste. Und er tat es. Mit einem schrecklichen, mulmigen Gefühl, aber er tat es. Er war gerade vier Jahre alt.

Ab dem Moment hatte er nichts mehr zu wollen. Ab dem Moment konnten seine Bedürfnisse nur in Bezug auf andere existieren. Er musste es schaffen, dass sein Wollen und Handeln zum Vorteil von anderen war, er musste sich verkaufen, seine Bedürfnisse für andere attraktiv klingen lassen.

Ab da war er behindert. Kein Schritt ohne Erlaubnis. Handeln nur als Reaktion auf das Außen. Er durfte nur wollen, was die anderen ihm zudachten. Auf Gedeih und Verderb der Gunst der anderen ausgeliefert. Kein eigenes Selbst. Kein eigenes Leben. Keine Eigeninitiative. Eine leere Hülle, die funktioniert. Kraftlos. Entmachtet. Eine Spielfigur auf dem Spielfeld der anderen, die beliebig bewegt werden kann.

Er hatte kein Leben mehr, das er in die Hand nehmen konnte. Er hatte eingewilligt, dem Stiefvater zu dienen, nicht mehr Gott. Er hatte eingewilligt zu schweigen und alles mitzumachen. Er hatte an jenem Tag seine Seele verkauft.