Montag, 19. Januar 2026

Vom Wir-Wollen, ohne Ich-Wollen

Ich mag zu meinem letzten Post ergänzen, dass es noch ein ausgeprägteres Phänomen von ungesunder Selbstlosigkeit gibt:

Ich beobachte immer wieder unzählige Menschen, die schon fast manisch ein Wir anstreben, ohne sich nur ansatzweise selbst zu wollen. Sie wollen andere, aber sich selbst überhaupt nicht. Wollen Beziehung, ohne sich selbst begegnen oder berühren zu wollen. Reden von Selbstlosigkeit und Nächstenliebe, ohne dass sie dieses Selbst je gehabt hätten und ohne dass sie sich selbst in aller Gänze je geliebt oder überhaupt gekannt hätten.

Sie verweigern jede Selbstreflexion, jede Berührung mit dem eigenen Innersten und sehen allen Grund für Probleme nur beim anderen. Sie haben noch nicht mal die Idee einer Notwendigkeit, sich sich selbst zuzuwenden und externalisieren alles.

Sie halten sich oft für Gutmenschen, ein installiertes Selbstbild als Schutz vor all den ungeliebten Seiten in sich, und verhalten sich dabei eigentlich höchst "egoistisch", was aber aus dem hochgradig verletzten Ich resultiert. Auch da wäre der Weg der echten Selbstzuwendung, also zur Gesundung des Ichs, jedem Wir vornanzustellen. Und ich sage wäre, weil nichts und niemand im Außen ihnen das begreiflich machen kann, denn die ungeliebten Seiten darf niemand sehen, vor allem sie selbst nicht. Ihr wahres Ich ist unter Hochverschluss unberührbar.

Sie lösen sich in Gruppen nicht auf. Sie hat es noch nie gegeben und gleichzeitig dreht sich aufgrund ihres großen Mangels an eigentlich allem alles um sie, also ihr verletztes Ich.

Das alles hat keine Wertung. Ich sehe und benenne.

 


 

Das gesunde Ich kommt vor dem Wir

Es gibt Menschen, die lösen sich in Gemeinschaft regelrecht auf und richten all ihre Handlungen und Aussagen an den anderen aus, stellen ihre eigenen Bedürfnisse beiseite, ja nehmen sie vielleicht gar nicht mehr wahr. Nehmen sich als eigenes Wesen gar nicht mehr wahr. Sie schauen ganz automatisch, dass es vor allem den anderen gut geht. Ich komm da auch her.

Ein Relikt aus einer Kindheit, in der es galt zu funktionieren, nützlich zu sein, die unangenehmen Gefühle der anderen zu vermeiden, lieb zu sein, niemanden in den Erwartungen zu enttäuschen oder aufzubringen. Die Eltern, die Familie, der Betrieb, die Gesellschaft standen über allem und vor allem vor ihnen in der Relevanz und Wichtigkeit.

Erwachsene, die es in der Kindheit erlebt haben, dass alle anderen und alles andere vor ihnen kommen, existieren in Gruppen manchmal gar nicht mehr, können sie selbst nur alleine sein, können sich selbst nur alleine hören. Sie haben regelrecht ein schlechtes Gewissen, wenn sie eigene Bedürfnisse haben. Noch schlimmer wird es, wenn diese vielleicht gerade nicht mit den Bedürfnissen anderer harmonieren.

Doch der Weg der Selbstwerdung ist essentiell für ein gesundes Wir. Individuation ist essentiell für zuträgliche, menschliche, würdevolle Gemeinschaft. Es braucht das gesunde Ich, das sich selbst behalten darf, wenn andere zugegen sind. Dieses Ich ist ganz natürlich ein Beitrag. Für sich und für andere.

 


 

Mittwoch, 14. Januar 2026

Echter Genuss braucht für mich Sinn

Ich brauch die übergeordnete Wahrheit für echte, tiefe Erfüllung. Die Wahrheit über mich, mein Wesen, die Zusammenhänge, das Leben, Gott.

Keine Theorie. Keine Konzepte und Konstrukte. Ich meine die Wahrheit, tief aus dem Herzensgrund vernommen, mit jeder Zelle schwingend erfasst. Die Wahrheit, in der das ganze Wesen resoniert und vibriert, bevor ich nur einen Gedanken gedacht habe. Die Wahrheit, die immer schon da war, ist und sein wird, an die ich mich "nur" fühlend erinnern brauch.

Echter Genuss braucht für mich Sinn. Tiefen Sinn. Den weiten Horizont. Alle Ebenen des Seins. Das durchlebte, durchfühlte, erspürte Begreifen. Das Wissen um das Nichtsichtbare. Das Erleben meiner Selbstwirksamkeit in dieser riesigen Intelligenz.

Faszination und Genuss sind für mich automatisch da, wenn mir all das bewusst ist, wenn das Bild groß genug ist, die Augen sehend sind, das Herz um den großen Takt weiß. Eben, wenn ich mich an die Wahrheit erinnert habe.

 


 

Mittwoch, 7. Januar 2026

BegegnungsRaum - du & ich

Ich hab gerade ein bisschen Schnappatmung und ganz schön Respekt vor diesem Post, aberund: Ich kann nicht anders. Es hat sich innerlich geformt und steht jetzt mitten im Raum, wie ein riesiger, rosa Elefant, den ich unmöglich übersehen kann.

Die letzten Monate war so viel Innenschau und Einkehr bei mir dran, ich mag fast gar nicht in Erwägung ziehen, dass es tatsächlich dran sein könnte, wieder mehr in Begegnung zu gehen und gleichzeitig fühlen sich die Räume der 1:1-Begegnung gerade so kraftvoll und heilig an. So groß und weit und tief und relevant.

Was immer geschehen soll, was immer dran ist. Was immer die Begegnung von uns will. Ich mag mit dir präsent im Moment sein und gemeinsam erforschen und erspüren, es passieren lassen, uns passieren lassen, mit dir DA sein. Gewahr. Wach. Aus dem Innen heraus das Jetzt sichtbar machen. Der Stimmigkeit folgen. Pur. Roh. Wahrhaftig.

Ich bin gespannt, wer sich gerufen fühlt und ich bin gespannt, wie es dann in mir darauf reagiert, wo ein Ja auftaucht und wo vielleicht auch ein Nein. Melden kannst du dich unter mail@anja-reiche.de, dann sehen wir weiter.


Jetzt atme ich nochmal tief durch und klicke auf "posten". Mögen die Dinge ihren Lauf nehmen.

✨💖✨

(Bezüglich Geld kann ich gerade gar nichts sagen, in letzter Zeit immer weniger. Wie wenn es gar nicht mehr bei mir liegt, in irgendeiner Form Einfluss zu nehmen oder mich dazu zu äußern. Da kommt immer nur ein Schulterzucken in mir. Ein "ich weiß es nicht".)



Freitag, 2. Januar 2026

Vom Segen, das eigene Innenerleben im Außen wiederzufinden

Es ist immer wieder erstaunlich, was es ausmacht, zutiefst verstanden und begriffen zu werden. Wenn jemand innere Erfahrungsräume beschreibt, die mir selbst total vertraut sind, von denen sonst nie jemand spricht, weil die wenigsten sie je betreten haben.

Mir ist es vertraut, dass ich meine Innenwelten kenne, wie die eigene Westentasche und ich so gut wie alleine damit bin. Ich verstehe mich zutiefst, habe Worte für all das und es ist eher selten, dass mir von außen Worte für mein Inneres gegeben werden können, die ich selbst nicht schon gefunden hätte.

Wenn das dann doch mal geschieht, spüre ich jedes Mal diese unglaublich magische Wirkung des Bezeugtwerdens. Dieses Gefühl, dass es da anscheinend noch mindestens ein anderes Wesen gibt, das mit mir Erfahrungshorizonte teilt. Nicht nur ansatzweise ähnliche, sondern die dafür verwendeten Worte könnten exakter und treffender nicht sein für die Welt, die ich in mir durchwandere und von der ich es bisher gewohnt war, darin alleine zu sein.

Mein Innenerleben tatsächlich außerhalb von mir wiedergespiegelt zu bekommen, mich auf diese Weise quasi von außen betrachten zu können, ist jedes Mal wie ein Stück nach Hause kommen, in die Welt kommen. Mein Innen ist im Außen wiederzufinden. Ich bin erkannt und damit ist mein Sein wieder noch vollständiger da. Wieder ist ein Teil der kindlichen Isolation durch das Fremdsein in der Welt aufgelöst.

Mein Innenerleben außerhalb von mir präzise benannt zu bekommen ist Heilung pur. Eine Form der Ganzwerdung, die ohne Gegenüber nicht möglich ist und die für meine Begriffe unersetzlich und unerlässlich ist, um ganz hier auf der Erde anzukommen, landen zu können, zu Hause zu sein. Etwas, was für eine gesunde Entwicklung in der Kindheit schon hätte passieren müssen, also was natürlicher Weise stattgefunden hätte, wenn ein gesundes Umfeld da gewesen wäre. Sauber und präzise wiedergespiegelt werden, sich im Außen tatsächlich selbst erkennen können, unverzerrt und vor allem mit dem Innenerleben in Kontakt mit anderen treten können, weil da auch bekannt.

Was für ein Segen und Geschenk, dass es jetzt geschehen kann. Was für ein großer Dienst am Nächsten. Dieses Erleben erstaunt und berührt mich immer wieder zutiefst und die Wirkung haut mich jedes Mal schier um, die Wirkung davon, mein komplexes, riesiges Innen genauso komplex und erschlossen da draußen zu sehen.


Nachtrag:
Ich bemerke gerade, wie sehr ich "verstanden sein" gleichsetze mit "fühlend begriffen". Was es ausmacht ist tatsächlich, dass jemand überreißt, was eine bestimmte Situation, ein Umstand, Zustand emotional gerade für mich bedeutet, wie ich mich darin, damit fühle, welche Konsequenzen das hat. Auf welche Innenwelten ein Geschehen bei mir trifft. Es geht um das "Bekanntsein" meiner inneren Landschaften, meiner Bewusstseinsweite, meines Wesens und ein Erfassenkönnen der (emotionalen) Kausalitäten zwischen mir und der Welt. Oder so ähnlich... 😉
 
Und all das fühle ich als gegeben, wenn jemand seine Innenwelten schildert und ich mich darin wiederfinden kann. Da spricht jemand von etwas, was sonst nur ich kenne. Ich fühle mich begriffen, obwohl der andere eigentlich gar nichts von "mir" weiß und begreift. Nur dadurch, dass da scheinbar noch jemand das kennt, was ich kenne, ohne dass wir uns kennen müssen. 😂


 

Donnerstag, 1. Januar 2026

Ich war nie ahnungsloser

Nicht auf diese Weise. Nicht zu vergleichen mit der Ahnungslosigkeit, in der ich weder wusste, wer ich bin, noch was das hier alles soll.

Diese Ahnungslosigkeit jetzt ist anders. Mir hat sich der Lebenssinn erschlossen, mein Sein, das Individuelle. Und es ist, als hätte ich all das wieder aus der Hand gelegt.

Wie ich neulich schon sagte: Es ist nichts mehr übrig. Alles, was mal so naheliegend war und so lange so stimmig für meinen Selbstausdruck war, zu meinem Wirken gehörte, fühlt sich nicht mehr relevant an. Das neue Jahr wird nicht einfach eine Fortsetzung oder logische Schlussfolgerung von dem, was bisher war.

Ich bin blank. Kein Wunsch. Keine Sehnsucht. Kein "Das will ich unbedingt erfahren und erleben." Kein Gefühl für irgendwas, was dran sein könnte, was noch zu tun wäre. Tatsächlich wüsste ich nicht im Ansatz, was nach all diesen Prozessen, Läuterungen und inneren Durchbrüchen kommen sollte. Wo und wie es weitergehen könnte in der Evolution, was da noch auf dem Zettel sein könnte und jetzt genau richtig und wichtig für mich. Und mit wissen meine ich immer spüren, fühlen, wahrnehmen vom Äther. Es geht schon lange nicht mehr ums Denken, Ausdenken, Überlegen und selber aus dem Hut zaubern.

Vom Anstehenden zeigt sich nicht der leiseste Fitzel. Ein leeres Blatt. Nein, eine leere, weite Ebene. Das Bisherige liegt in dem Bild hinter mir. Es ist durchwandert. Ich schaue in dieses Nichts vor mir, das noch keine Formen hat, keine Wege, keine Landschaft. Noch gilt es, keinen Schritt zu tun. Es wäre zu früh und dafür gibt es gerade auch keine Energie zur Verfügung gestellt. Ich kann nur da sein. An der Schwelle. Bereit. Was immer sich offenbaren mag. Was immer der Ruf sein wird. Bereit für alles, was das Leben von mir möchte und mag es noch so außergewöhnlich sein.


 

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Es ist nichts mehr übrig

Es ist nichts mehr übrig. Kein Streben hin zu. Keine Ideen. Keine Vorstellungen. Keine Deutungen von Wahrzunehmendem. Kein Wollen.

„Es ist nichts mehr übrig.“ Der Satz war die letzten Tage immer wieder fühlbar so präsent.

Nichts mehr übrig. Weder was mein „Wirken“ angeht oder irgendwas, was man gemeinhin Beruf oder Berufung nennen könnte, Zusammenarbeiten, Co-Kreationen, Geldverdienen, Lebenssinn, Selbstverwirklichung, etc. noch was Ehe, Beziehung, Mann/Frau-Sein betrifft.

Da ist nur mehr Sein. Der Moment. Einheit in mir. Harmonie. Kein Teil in mir streckt die Arme aus und will außerhalb von mir nach etwas greifen. Jetzt wo ich das Nichtmehrgreifen fühlen kann, wird so deutlich wie sehr das Greifenwollen vorher da war. Es ist soooo verrückt, diesen krassen Kontrast zu spüren und vorher nicht in der Lage gewesen zu sein, das überhaupt zu bemerken. Es war ja so „normal“ für mich, dass da immer dieser innere Zug da war.

Und jetzt?

Ich bin. In mir eine unglaubliche, nie gekannte Ruhe. Frieden. Einverstanden sein.

Morgen? Übermorgen? Definitionen von irgendwas? Pläne? Hintergründe?
Schulterzucken! Alles irrelevant.

Die letzten Jahre - vor allem die nun beinahe drei Jahre mit Christian - hat eine unglaubliche Läuterung stattgefunden. Ein einziges großes Sterben von unbewussten Ideen, von soooo vielem, was wirkte und aber nicht stimmte, nicht übereinstimmte mit der reinen Wahrheit. Es hat sich vor allem gezeigt, was wir nicht sind, was ich nicht bin.

Es hat eine Reifung und Klärung in mir und zwischen uns stattgefunden, die ihresgleichen sucht. Es haben sich Höllen und Untiefen in mir aufgetan, von denen ich niemals vermutet hätte, dass sie da sind.

Übrig ist ein weiter, freier Raum. Stille. Hingabe. Harmonie. Präsenz. Ein Einklang in mir, unter dem nichts mehr unruhig vibriert und seinen Platz sucht. Kein Stress solcherart mehr im System. Kein Untergrundrauschen. Keine Fragen, die über den Moment hinausgehen. Kein Wissenwollen. Kein Suchen. Kein Drängen. Keine Befürchtungen, etwas zu verpassen. Nämlich mich. Was, wie ich heute weiß und sagen kann, alles inneren Kindern gehörte, die versuchten, ihren Platz in der Welt zu finden, auf diese und jene Verwirklichung nach wir vor gewartet haben, auf eine ganz bestimmte Art des Ankommens.

Ich beobachte diese nachhaltige, einträchtige Ruhe in mir nun schon einige Wochen. Alles in mir ist an Ort und Stelle. Da wo ich gerade bin mit dem, wie es gerade ist. Diese Nachhaltigkeit beeindruckt mich wirklich am meisten. Da scheint etwas am Fundament geschehen zu sein, ganz grundsätzlich. Es gibt kein hin und her zwischen alt und neu. Die Unruhe flammt nicht mehr auf, das Getriebensein. Zumindest bisher nicht.

Und all das hab ich nicht angestrebt. Ich war nicht auf der Suche nach Ruhe und Frieden. Ich war und bin ja immer voll einverstanden mit allem Wogen und jeder Welle. Da ist was passiert, von dem ich überhaupt nicht wusste, dass es das gibt. Gerade jetzt, wo ich das schreibe, fällt mir ein Satz von Kathi ein, der passender nicht sein könnte: „Ich liebe es, wenn genau das Richtige dabei rauskommt.“

Was dieses Richtige ist, davon hab ich vortrefflich so gar keine Ahnung. Ich weiß es vorher nie. Das weiß ich staunender Weise immer erst dann, wenn es da ist, ohne dass ich es je wollte.

Es ist wohl das friedlichste und erfüllteste Weihnachten, das ich je hatte, so sehr beschenkt vom Leben mit Desillusionierung. Im Grunde habe ich nichts von dem bekommen, was ich (Anteile) dachte, dass sein müsste. Es wurde eher ganz viel weggenommen, ganz viel hat eben nicht stattgefunden und dafür das, was wirklich relevant war. Was für ein Segen! Was für ein großer, großer Segen!

 

Nachtrag:
Im Grunde kann ich dieses untergründige Streben auf eine einzige Frage reduzieren, die immer unter allem da war: Wann geht es denn endlich los (mein Leben)?

Nachtrag 2:
Mich fasziniert es so dermaßen, dass das alles irgendwie nach nichts Neuem klingt, was ich da geschrieben habe, und dennoch so komplett alles Erleben in mir verändert. Mir war danach, ein paar Worte dazu zu sagen: https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2620  

 

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Über das notwendige Sterben der Hoffnung

Im Grunde gehört die Hoffnung den inneren Kindern. Sie sind es, die in uns hoffen, die warten, auf die Erfüllung von all dem, was ihnen tatsächlich zugestanden hätte. Die hoffen, dass es bitte nicht wieder so schlimm wird oder irgendwann doch endlich gut.

Das Krasse ist, dass diese alten Hoffnungen tatsächlich sterben müssen. Die inneren Kinder müssen eines nach dem anderen anerkennen, dass es nie mehr kommen wird, was sie wollen, dass die Katastrophe, die verhindert werden sollte oder abgewandt oder zumindest abgemildert, tatsächlich wahr ist. Damals schon wahr war.

Diese inneren Kinder versuchen unser Leben lang etwas zu vermeiden, was schon geschehen ist. Der Schmerz darüber ist schon wahr und genau in diesem Schmerz, der unaushaltbar war, sind die inneren Kinder stehen geblieben, ist der Moment eingefroren. Es konnte damals nicht gefühlt werden. Die kleinen Körper waren dafür nicht ausgelegt. Die Unterstützung der Erwachsenen dabei ist ausgeblieben. Sie waren ja auch noch die Verursacher des Ganzen.

Nun ist da dieses Programm aktiv, dass diese inneren Kinder niemals wieder das fühlen wollen, was damals unaushaltbar und schrecklich war. Dass sie das erleben wollen, was stattdessen korrekt gewesen wäre, in der Ordnung, natürlich, gesund. Sie wissen, dass da noch Rechnungen offen sind, Bedürfnisse unbefriedigt, dass Leben sich anders anfühlen müsste.

Eine ewige Suche nach dem Nichterhaltenen. Ein Habenwollen. Ein total berechtigtes Danachlechzen. Ein NiewiederDAS. Ein ewiges Hoffen.

Das nächste Krasse ist, wenn diese inneren Anteile mit meiner beobachtenden sowie mitfühlenden Unterstützung und Begleitung die Vollkatastrophe anerkennen und wir gemeinsam jetzt das fühlen können, was damals einfach unmöglich war, dann stirbt tatsächlich diese kindliche Hoffnung und das Suchen, das Getriebensein, Habenwollen tief im Inneren hört nach und nach auf. Es braucht keine Hoffnung mehr. Es ist gesehen und anerkannt was wirklich war und was für dieses Kind nie mehr sein wird.

Dann geschieht nach meiner Erfahrung Magie. Das, was die Kinder gebraucht hätten und nicht bekommen haben, existiert ja trotzdem, denn so ist das Leben selbst, wenn die Bezugspersonen den Zugang dazu nicht verhindern. Mit der Befriedung der inneren Kinder kommt das Leben in seinen natürlichen Fluss. Die inneren Kinder sind mit der Aufmerksamkeit nicht mehr bei anderen, sondern behütet bei mir. Sie strecken innerlich die Arme nicht mehr nach Menschen aus. Ich bin somit im wahrsten Sinne des Wortes in meiner Mitte, der Anbindung und stehe selbst im Fluss. Ich als Erwachsene habe Zugang zu all dem, kann erfahren, wie es als Kind schon hätte sein sollen. Ich BIN das Leben selbst.

Nun bin ich nicht mehr das Kind meiner Eltern, das diese gebraucht hätte, um in die Welt zu kommen, sondern nach und nach bin ich zum erwachsene Kind des Kosmos geworden, das voll in der Welt IST. Die Versorgung all meiner menschlichen und natürlichen Bedürfnisse kommt aus dieser Beziehung - aus der Beziehung zum Leben selbst. Die Zuständigkeit hat sich geändert. Der "Zwischenhändler" Eltern ist rausgenommen. Ich stehe in direkter Beziehung zum Leben. In dieser Beziehung braucht es keine Hoffnung mehr. Diese Beziehung ist. Sie ist eine Tatsache. Sie ist ein Statement. Sie wird erfüllt. Und ich bekomme darin alles, was ich brauche. Das ist Gewissheit.

Ich mag behaupten, dass jede Hoffnung einem inneren Kind (oder anderem Anteil) gehört, das noch auf die Erfüllung von damals wartet, das noch eine unangenehme Wahrheit anerkennen darf, das noch aus der Warteposition befreit werden möchte, mit dem Warten und Darumkämpfen aufhören und fühlend nach Hause zu mir kommen darf. Zu dem Wesen, das jetzt tatsächlich mit dem Leben selbst in Beziehung steht.

Wenn die Hoffnung stirbt, heißt das nicht, dass ich (die Erwachsene) niemals das erleben kann, worauf ich (das innere Kind) hoffe. Das Realisieren und Differenzieren dieser unterschiedlichen Ebenen in mir ist entscheidend.

Wenn die kindliche Hoffnung stirbt, ist Platz für erwachsene, reife, bewusste Gewissheit. Meine Erfahrung ist, dass die Hoffnung tatsächlich aufhört, wenn die inneren Kinder versorgt sind, es gar keinen Grund mehr für "Hoffnung haben müssen" gibt.

Ich brauche die Hoffnung nicht mehr, um zu überleben. Ich hab schon überlebt. Ich lebe schon.

Es ist also irgendwie wahr - anders als gemeinhin verstanden: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Sie stirbt dann, wenn ich wahrhaft lebe (was auch meint, dass ich zum Sterben bereit bin). Die Hoffnung kann getrost sterben. Sie hat ihren Dienst getan. DANKE!



Mittwoch, 10. Dezember 2025

Mein Nein sagt nicht "DU nicht"

Mein Nein ist nicht persönlich zu nehmen. Wahrscheinlich ist das im Grunde kein Nein, aber darum soll es gerade nicht gehen.

Mein Nein zu einem Austausch, zu einem Kontakt, zu einer gemeinsamen Erfahrung richtet sich nicht gegen den Menschen persönlich. Es gilt dem, was da (energetisch) passieren würde, dem gemeinsamen Feld und ist gleichzeitig ein Ja zu dem, was stattdessen für mich stimmt.

Ich möchte gerade nicht ein gemeinsames Feld erleben. Das fühlt sich nicht stimmig an. Das ist nicht der Platz, an dem ich gerade sein soll. Ich gehöre woanders hin. Diese zwei Energien gehören gerade nicht zusammen. Ich möchte mit mir sein, oder mit jemand anderem oder brauche den offenen Raum für das, was stattdessen sein soll, ohne dass ich das schon bewusst habe.

Vor allem ist das Ganze eine Momentaufnahme. In fünf Minuten kann es plötzlich stimmen, mit demjenigen in Kontakt zu gehen, mit dem es kurz zuvor undenkbar war, sich völlig schräg und unstimmig angefühlt hat.

Es ist für mich so deutlich zu spüren, was gerade harmoniert, auf welcher Begegnung Kraft liegt, wo sich die Energien gemeinsam wirbelnd verstärken und miteinander interagieren und bei welcher Konstellation direkt Stillstand oder sogar ein nach unten sinken passiert.

Diesen Indikatoren folge ich: Anziehung und Abstoßung. Es geht um den Moment, um die Energien, um das Nichtsichtbare, um die Resonanz in mir, um mein inneres Navigationssystem, um die Bilder, die aufsteigen, feinste Körperreaktionen und das Gespür dafür, wofür mir vom Leben Energie zufließt. Eben: worauf Kraft liegt, DAS, was sein soll. Und das entscheide ich nicht. Das ist spürbar energetisch eh schon vorhanden und ich richte mich danach.


 

Dienstag, 9. Dezember 2025

Meine Freiheit liegt im Seinlassen

Meine Freiheit liegt darin, das innere Chaos/die Themen der anderen liegen lassen zu dürfen, sein zu lassen. Ich muss es weder aufgreifen, noch darum kreisen. Das kann da sein und ich darf in meiner Mitte bleiben, mit allen meinen Sinnen bei mir, mein eigenes Zentrum sein.

Es ist nicht mehr wahr, dass mein ganzes Leben vom Chaos der anderen beeinflusst wird und ich keinen Schritt gehen kann, ohne an den Schlingen und Ösen der emotionalen Unordnung des nahen Umfelds hängen zu bleiben.

Es ist nicht mehr wahr, dass ihre Tabus meine Begrenzung sind. Es ist nicht mehr wahr, dass mir ihre viel zu kleine Welt genügen muss/soll, dass ihre Welt gleichzeitig die meine bedeutet.

Es ist nicht wahr, dass ich darauf angewiesen bin, dass sie ihre inneren Sachen aufräumen, damit ich mein Leben leben kann, in meiner, DER Ordnung da sein kann. Diese Abhängigkeit und Not-wendigkeit gibt es nicht mehr.

Ich bin mein Anker. Ich bin mein Halt. Ich bin mein eigener Gradmesser und Richtwert. Ich bin meine Welt. Ich bin mein eigenes Zentrum und Empfänger der Wahrheit des Moments. Ich bin in meiner Ordnung. Ich bin in der Ordnung. Ich bin in Ordnung. Es genügt, wenn ich bei mir bin.

Allen meinen Anteilen, die dennoch um das Chaos der anderen kreisen, die damit etwas machen wollen/glauben zu müssen, die davon berührt werden, eine Abhängigkeit davon spüren, dadurch in Not kommen, wende ich mich zu, sehe sie darin, nehme sie wahr und ernst. Sie finden in mir ihre wahre und einzig not-wendige Anlaufstelle.

Für meine Ordnung braucht es nur mehr mich. Wenn es sich anders anfühlt, stimmt etwas nicht, sind Traumalügen am Wirken. Dann darf ich dem nachgehen. In Wahrheit bin ich frei.



Dienstag, 2. Dezember 2025

Ich bin gelebte Veränderung

Das Leben mit mir ist intensiv. Es ist auch für mich selbst mit mir intensiv. Stillstand nicht möglich. Kein Halten eines Status. Keine Garantie. Keine Vorhersehbarkeit. Stets im Wandel. Stets am Puls.

Der Puls des Lebens ist mein Richtwert und Kompass, die einzige Führung, der ich folge. Was nicht (mehr) wahr ist, nicht (mehr) pulst, energetisch nicht (mehr) da ist, bekommt durch mich erst gar keinen Anfang oder eben ein umgesetztes Ende. Ich kann die energetische Wahrheit und den Fluss der Veränderung nicht ignorieren. Ich höre und fühle es und sobald es gewahr ist, muss ich danach handeln. Kann und will nicht anders. Ich wähle es so. Wieder und wieder.

Ich hab mich der Wahrheit verschrieben, der Ordnung.

Darin werde ich immer wieder verkannt, nicht erkannt in der Absichtslosigkeit, merke, wie es persönlich genommen wird, spüre Projektionen, würde gerne richtig stellen und merke, dass es nicht an der Zeit ist, dass es genau so falsch verstanden da sein muss. Das ist intensiv. Für jeden auf eigene Weise.

Meine Gefühle darin bei mir halten, in meinem eigenen Sturm stehen, Ohnmacht akzeptieren, weise handeln, eigene Wunden erkennen und versorgen. Die Wellen nehmen, wie sie kommen. Im Ungeklärten, Unerklärten da sein. Selber nicht wissen, wozu das gerade gut ist, nur dass es so stimmt, auch in der Spannung.

Leben mit mir ist intensiv. Auch für mich.

 


Montag, 1. Dezember 2025

Die Magie der nachträglichen Klärung in Selbstzuwendung

Prozess-Schreiben:

„Wieso hat das alles keine Konsequenzen? Ich sehe, dass es dir schlecht geht. Ich höre dein ständiges Jammern und Schimpfen, dein Fluchen. Ich sehe, wie sehr du das alles hasst. Wieso hat das keine Konsequenzen? Wieso veränderst du daran nichts? Warum bleibst du in all dem?“

Die Kleine steht da und versteht die Welt nicht. Da ist Verachtung. Da ist Fassungslosigkeit. Totales Unverständnis. Es ist so logisch für sie, dass das alles Konsequenzen haben müsste. Aber es hat einfach keine. Papa bleibt in all dem, schimpft weiter jeden Tag und es gibt keine Veränderung.

"Vor solchen Menschen kann ich keinen Respekt haben. Das ist lächerlich. Das ist nervig. Das ist unendlich langweilig. Haarsträubend. Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin da ständig mittendrin. Jede Lösung, die ich vorschlage, die voll machbar wäre, bekommt ein Aber und wird weggewischt. Die Schimpferei geht weiter." Sätze der Kleinen.

Sie steht da und kann es einfach nicht glauben. Aber da ist noch etwas. Etwas ist noch nicht gesehen. Schlussfolgerungen? Urteile? Ich weiß es noch nicht.

Das Verhalten des Vaters zeugt aus Sicht der Kleinen von Schwäche, von Inkonsequenz, von Starre, von Dummheit. Sie kann nicht glauben, dass das wirklich alles passiert. Dass jemand so hohl sein kann. So verbohrt und engstirnig. Es ist regelrecht hirnrissig, was dieser Mensch von sich gibt. Da ist ja sie als Kind schon schlauer und konsequenter. Reifer. Erwachsener. Logischer.

Dieses Unlogische scheint eine große Rolle zu spielen. Dieses offensichtlich Dumme, was da vor sich geht. Jammern, aber nichts ändern. Das ist einfach nicht zu begreifen. "Warum?" fragt es immer wieder in ihr. "Warum macht man sowas. Das macht alles keinen Sinn."

Sie steht da wie angewurzelt und muss immerzu da hin schauen. Wie paralysiert. Da ist ein erwachsener Mensch und macht so offensichtlich kranke Sachen. Sie schüttelt sprach- und verständnislos mit entsetztem Blick den Kopf.

Jetzt wird etwas deutlich. Sie kann nicht glauben, dass da niemand ansprechbar und erreichbar ist, der bei klarem Verstand ist. Sie versucht die ganze Zeit den Erwachsenen in diesem Menschen zu erreichen, aber da ist keiner. "Hallo? Ist da jemand zu Hause?" Sie fuchtelt mit der Hand vor den Augen des anderen rum. Vergebens.

Das ist das Gruselige für sie daran. Dass da keiner zu erreichen ist. Es ist diese krasse Isolation, diese Einsamkeit, die das für sie bedeutet. Alle plemplem, im Wahn, weggetreten, kontrolliert, gesteuert von etwas Unsichtbaren, das für sie keinen Sinn macht. Sie kennt diese Ohnmacht nicht. Sie weiß genau, dass man nein sagen kann, dass man handeln kann. Sie weiß um ihre Eigenmacht und kann nicht begreifen, wieso die anderen sich ihrer eigenen Macht so vehement entziehen, ja sie sogar verweigern. Alle Erwachsenen um sie rum offensichtlich dem gleichen Wahn verfallen.

Immer hört sie, was alles nicht geht und sie geht hin und macht's und selbst das ändert nichts daran, dass die anderen sagen: "Das geht nicht." Sind die doof oder was? Ich meine…, HÄ???

Jetzt kommt noch mehr Licht ins Dunkel. Es wurden falsche Aussagen getroffen. Es hieß immer: „DAS geht nicht". Richtig wäre gewesen, wenn sie gesagt hätten: "ICH kann das nicht. Ich trau mich nicht. Ich habe Angst. Ich WILL das nicht." Oder Ähnliches. Sie waren nicht ehrlich zu sich und damit auch nicht zu mir als Kind. Natürlich war das alles höchst unlogisch, wenn die Wahrheit dahinter nicht gesprochen wurde, die echten Gefühle und Empfindungen nicht mitgeteilt wurden.

Jetzt entspannt sich etwas in ihr. Das Bild wird größer. Der Blick wird mit der Wahrheit, diesem Erkennen ein anderer. Das Bild wird ein anderes, sortiert sich neu. Es war schlicht das Wesentliche, das Eigentliche nicht gesagt. Jetzt sieht es aus, als würden sich die echten Gefühle der Erwachsenen mit ins Bild sortieren und auf einmal scheint alles mehr Sinn zu machen und nachvollziehbar zu sein. Die Sinnlosigkeit und das Nichtnachvollziehen können waren ebenfalls ein großer Teil dieser Paralyse. Die Kleine musste immerzu das Unverstehbare anstarren und fand keinen noch so kleinen Zipfel, an dem sie es hätte greifen können, es begreifen können, was da vor sich geht. Heieiei. So einleuchtend plötzlich alles.

Einmal mehr wird mir in all dem klar, wie wichtig, ja essentiell, Nachvollziehbarkeit für Kinder ist. Authentizität. Stringenz. Begreifen können. Verstehen können. Transparenz. Schlüssigkeit. Stimmigkeit. Wahrhaftigkeit. Wie viele innere Kinder bei mir an solchen unverstehbaren Stellen stehengeblieben sind und nach und nach genau da abgeholt werden wollen. Halleluja. Was für ein Segen, dass das nachträglich geklärt, aufgeklärt werden kann und wird. Jedes Fragezeichen wird über kurz oder lang zum Punkt. Die Mysterien werden klare, logische Bilder. Das System beruhigt sich. Aus Entsetzen wird ein erleichtertes "Ach so! Na, dann..." Ein sicheres, ruhiges Gefühl macht sich breit. Wieder ein paar lose Enden sortiert und richtig verknüpft. Wieder die Welt, die Menschen darin für die Kleine nachträglich mehr begriffen und richtig in Bezug gesetzt. So elementar.



Sonntag, 30. November 2025

Die tiefe Übereinstimmung von Innen und Außen

Ich liebe dieses Gefühl von Kohärenz. Diese tiefe Übereinstimmung von Innen und Außen, von tief gefühlter Wahrheit und Handlung. Das tun oder eben nicht tun, was stimmt. Genau so. Nicht abgewandelt, nicht verzögert, nicht verwässert. Jetzt. Ich und das Jetzt. Pur. Direkt.

Dieser Einklang in mir und mit mir hat so eine stille Kraft. Unumstößlich. Ruhig. Unverrückbar. Es ist. Fühlende, ausführende Präsenz. Es fühlt sich an, wie der Raum und der Punkt gleichzeitig. Weit geöffnet und präzise, fokussiert zugleich. Wie Laser. Kraft ohne Mechanik. Gespeist aus dem Äther. Gebündelt in mir. Von mir empfangen und durch mich geschehen lassen.

Dieses Gefühl ist unendlich befriedigend, erfüllend, satt und gleichzeitig völlig unaufgeregt. In jeder Zelle wahrnehmbar. Ein leicht schwingendes, tiefes, volles Ja. Alle Seinsebenen von mir, in mir, durch mich in Harmonie.

Ich muss nichts von dieser Wahrheit deuten, ihr nichts beimessen, nicht wissen wieso, weshalb, warum, nur ausführen und wenn es was zu wissen und zu begreifen, zu erkennen, zu verstehen gibt, ist die Information inklusive und über kurz oder lang offenbar.

Meine Aufgabe ist Wachheit und Wahrhaftigkeit. Wahrnehmen und für wahr nehmen. Hinhören und danach handeln. 🔥❤️🔥

Montag, 24. November 2025

eigen-ständig

Prozess-Schreiben 23.11.25:

Heute fühlt es sich an, als wäre alles umsonst gewesen, als würde all dieses "mich hin zu mir bewegen und ich sein" nichts gebracht haben. In mir schon. Äußerlich überhaupt nichts. Ich bin mit dem gleichen Chaos, dem nicht in der Ordnung sein, der gleichen Schwere, Verworrenheit, Nichtverbindung und Trostlosigkeit um mich herum konfrontiert, wie in der Kindheit. (Wohlgemerkt sind das sehr, sehr subjektive Eindrücke, ausgelöst durch kleinste Kleinigkeiten vom Außen und nicht im Mindesten Ausdruck des tatsächlichen Gesamtbildes der Gegenwart.)

Was nützt es mir, wenn ich noch so sehr in mir in der Ordnung bin und im Außen ist sie nicht erfahrbar, nicht mit den engsten Bezugspersonen? Um mich rum regiert der Wahn, im Miteinander keine Harmonie erfahrbar.

Ich sitze im Chaos und bin da. Und jetzt?

Ich stelle fest, dass gerade nichts in mir noch etwas von Christian will. Tatsächlich gar nichts. Da ist nicht einmal mehr ein Vermissen. Es ist wie es ist. Kein Warten. Kein Wollen. Kein Zetern. Kein Andershabenwollen. Es ist viel mehr die totale Anerkennung der "Vollkatastrophe" und die einzige Frage gilt mir: Und jetzt?

Es ist noch nicht einmal die Frage, was ich damit (mit dem Zustand des Außens) anfangen soll. Ich will gar nichts mehr damit anfangen. Ich hab es nicht mehr in der Hand, also im tatsächlichen Sinn. Der Teil in mir, der die ganze Zeit damit etwas anfangen wollte/dachte, dass er müsste, hat es aus der Hand gelegt. Anscheinend. Das fällt mir gerade erst auf. Ich hab's nicht mitbekommen. Er will es auch überhaupt nicht mehr nehmen der Teil. Nichts wäre gerade absurder. Ist ja alles nicht seins. Er hat sich schon umgedreht, ist mit der Aufmerksamkeit ganz wo anders. Mit sich. In sich versunken.

Anscheinend hat alles in mir kapituliert. Ich erwarte überhaupt nichts mehr. Weder vom Leben, noch von Menschen. Keine Nähe. Kein Verstehen. Kein zusammen Wirken. Keine Harmonie. Keine Verschmelzung. Ganz im Gegenteil. Ich bin bei mir mit allen meinen Sinnen. Auf mich besonnen. Wie der Anteil. Interessant. Bei mir. Fertig.

Ich werde sehen.


Fortsetzung 24.11.25:

"Da sind wir ja weit gekommen", sagt da jemand in mir. Die 16-Jährige.

Es fühlt sich an, wie wieder mit nichts dastehen. Vor allem mit niemandem. Alles auf Anfang. Auf Null. Ich steh mit nichts da, alleine, und hab doch alles, was ich brauche. Nicht wie damals, als ich von zu Hause ausgezogen bin. Da hatte ich zwar alles Materielle, aber mich nicht und keine Ahnung, wie Leben tatsächlich funktioniert. Da stand ich tatsächlich - innerlich eigentlich zutiefst verzweifelt und doch gehen müssend - mit nichts da. Keinen blassen Schimmer von mir und vom Leben. Alles, was in der Kindheit an innerer, emotionaler Reifung tatsächlich hätte passieren sollen, ist ausgeblieben und vor allem stand ich da mit der Idee, ich alleine (ohne Anbindung an was Größeres, ohne Einbettung) müsste alles wissen, machen, regeln. Jetzt, heute, fühlt sich dieses "wieder mit nichts dastehen" anders an. Ganz anders. Ich hab vielleicht materiell "nichts", aber mich und - Gott sei Dank - Gott und das tiefe Wissen, wie Leben geht, auf was es tatsächlich ankommt. Halleluja!!!

Ich steh wieder alleine da. Ja. Stehe für mich, auf eigenen Beinen. Stabil. Es gibt nur mehr mich als Bezugsperson für alles, was in mir los ist. Es braucht keine andere, gesunde Bezugsperson mehr, wie das in der Kindheit nötig gewesen wäre. So viele Kinder in mir wollten noch eine gesunde, tatsächlich für sie brauchbare Bezugsperson im Außen bekommen. Endlich, bitte, und Christian hat’s einfach nicht „geliefert“. So schrecklich schön heilsam.

Ich brauch mich jetzt nur mehr zu mir in Beziehung zu setzen, mich auf mich (Gott) beziehen. Natürlich steh ich "alleine" da - mit mir. So gehört das. Ein Partner ist keine Bezugsperson im eigentlichen (kindlichen) Sinne. Ich bin die Bezugsperson für meine inneren Anteile und meine einzige, tiefe, intime, lebenslange Beziehung, der einzige Mensch, der mich verstehen und nachvollziehen muss, auch und vor allem, wenn es einen Partner gibt.

Ja, es gibt natürlich auch von außen helfende Hände, Schultern zum Anlehnen, starke Arme, die halten, ganze Wesen, die zuhören und mich voll begreifen. Keine Frage. Total notwendig und gleichzeitig fühlt es sich gerade so an, dass das alles dazu führt, im wahrsten Sinne des Wortes „eigen-ständig“ zu sein. Reif. Nachgereift. Er-Wachsen. Eben all das, was eigentlich schon in der Kindheit hätte passieren müssen. Zentriert in mir und gleichzeitig tief verbunden mit dem All-Einen. Von dieser tiefen, weiten Mitte aus, ist eine ganz andere Begegnung - mit wem auch immer - möglich.

Das klingt alles nicht neu und dennoch so unfassbar bedeutend, in neue Tiefen vorgedrungen, weitere so arg verzweifelte Anteile in mir erreicht oder besser sie mich. Endlich jemand da. Es hat so unfassbar viel gebraucht, dass sie überhaupt zum Vorschein kamen. So viel Verwurschtelung über so lange Zeit… Was für ein krasser Prozess und natürlich keine Ahnung, wo genau ich mich insgesamt befinde. Der Umgang damit und das Zurechtfinden darin hat definitiv ein neues Level erreicht. Wow. Was für eine Heilbeziehung. Donnerlippchen.



Mittwoch, 19. November 2025

Alles darf da sein?

In welcher Haltung bin ich mir gegenüber gerade da? Es ist so wichtig, das wieder und wieder und wieder zu überprüfen. Ist es wirklich eine alles erlaubende, sein lassende Haltung, die sich dem hingibt, was da ist, egal was es ist und wie lange es dauert, oder will ich mit meiner Hinwendung z. B. zur Wut in Wahrheit eine Veränderung bewirken?

Wende ich mich dem, was in mir los ist, zu, damit es schnell wieder weg geht? Darf es wirklich da sein oder in Wahrheit bitte nur kurz?

Will ich es tatsächlich erleben, wahrnehmen, erforschen, ganz verkörpern, ihm folgen und es zu mir nehmen oder will ich es bearbeiten, transformieren, passend machen, weg haben?

Maria Sanchez bringt es mit den folgenden Worten aus ihrem Buch "Die revolutionäre Kraft des Fühlens" vortrefflich auf den Punkt:

"Zu sagen »Alles darf da sein« ist leicht, aber das sind erst einmal nur Worte oder Konzepte. Es gilt zu überprüfen, ob wir tatsächlich Wut in uns genauso behandeln wie Freude. Wenn dem so wäre, bestünde in uns nicht der Wunsch, unsere Wut zu transformieren, während wir dies beim Empfinden von Freude nicht wollen. Wir könnten unserer Wut dann vorurteilsfrei begegnen und ihrem innewohnenden Prozess folgen, statt zu versuchen, sie irgendwohin zu bewegen. Die wiederkehrende Frage ist also: Wer in uns will was in uns transformieren und vor allem warum?"

Und egal, was bei dieser letzten Frage an Antworten kommt, es ist okay und vor allem ist das die eigentliche Wahrheit. Dem kann ich dann wahrhaft begegnen. So sieht es gerade in mir aus. Dann begegne ich nicht der Wut, sondern vielleicht dem Teil in mir, der die Wut eben nicht will. Aus seiner Sicht völlig berechtigt. Dann hör ich ihm zu. Und gleichzeitig kann ein anderer Teil auftauchen, der den Teil, der die Wut nicht will, völlig scheiße findet, der toben will und um sich beißen. Ebenfalls aus seiner Position völlig berechtigt. Beides kann parallel in mir stattfinden (und noch vieles mehr), sich völlig widersprechen und dennoch zeitgleich wahr sein.

Nichts davon ist verkehrt und nichts daran muss anders sein oder werden. DAS ist dieser eine Moment jetzt. Wow! Was für ein komplexes Erleben. Das meint "alles darf da sein".


 

Samstag, 15. November 2025

Ich wollte die anderen, um mich zu bekommen

Ich mag euch mal wieder mitnehmen auf eine Innenreise von mir, durch die ich mich erst kürzlich geschrieben habe und die ich gerade so ergänzt habe, dass es hoffentlich nachvollziehbar ist. Es ist eine Innenreise, die fühlbar gezeigt hat, wie unfassbar wichtig und essentiell als Kind Schlüssigkeit und Verstehbarkeit der Erwachsenen ist und was es tatsächlich bedeutet, wenn das nicht gegeben ist. Angefangen hat es mit sehr kindlichen Sätzen, die immer wieder in mir aufgetaucht sind:

„Wenn ich den anderen nicht verstehe, hab ich das Problem. Wenn der andere nicht verstehbar ist, habe ich das Problem. Wenn ich nicht verstanden werde, hab ich das Problem.“

„Niemand setzt sich mit mir und damit auseinander. Ich bleibe verwirrt zurück.“

Wieso ist verstehen für diesen Teil so wichtig?

Das Begreifen der Welt. Transparenz. Schlüssigkeit. Mich in mir und dann, damit, in der Welt zurechtfinden. Ich muss mich und die Welt begreifen für einen sicheren Platz in mir und in ihr.

Mir wurde als Kind durch die Unverstehbarkeit der Erwachsenen tatsächlich die Verbindung zum Leben verwehrt. Mein Selbst, mein Rhythmus, mein Platz, das große Ganze, Verbundenheit, Sicherheit. Meine Göttlichkeit. Mein wahres Sein. Um das natürlich finden zu können, hätte ich Verbindung, Verstehen und Greifbarkeit gebraucht, Schlüssigkeit, Nachvollziehbarkeit, Stringenz. Die reife Präsenz der Erwachsenen. Ihre Stimmigkeit. Ihre eigene Anbindung an den Kosmos und ihren Platz darin. Darüber und dadurch hätte ich mich und meinen Platz, meine Verbundenheit mit allem, was ist, bekommen können.

Unstimmigkeiten und Widersprüchen kann ich als Kind nicht vertrauen und in mir selbst hatte ich noch keine Antworten. Das heißt, ich war völlig verloren, unsicher, im Grunde immerzu in Gefahr. Das Bisschen, was ich geglaubt hatte, verstanden zu haben, wurde mit dem nächsten Widerspruch in einer elterlichen Aussage wieder eingerissen. Ich stand wieder völlig entsetzt vor dem Nichts. Das hat sich tagtäglich immerzu wiederholt. Jeder Versuch, sie beim Wort zu nehmen, ernst zu nehmen, weil ich sie ernst nehmen können MUSS als Kind, ist gescheitert. Ich stand immerzu völlig verzweifelt vor meinen minütlich einstürzenden Welten. Keine Chance, mich in all dem zurechtzufinden, mich und die Welt zu verstehen. Die Vollkatastrophe für mich. Für die Eltern eine flüchtige Aussage, die im nächsten Moment schon wieder vergessen war.

"Du verwehrst mir nicht nur dich, sondern damit vor allem mir mich selbst!" ist der eigentliche Satz der Kleinen (vorwiegend) an die Mutter gerichtet.

Ich (der Anteil in mir) versuchte bis heute mit all meinem Verstehen wollen, nicht wirklich den anderen zu verstehen, sondern mich zu bekommen. Ich wollte im Grunde gar nicht den anderen. Ich wollte mich. Als Kind hätte ich die anderen wirklich dafür gebraucht. Jetzt, als die Erwachsene, die ich bin, hab ich mich ja schon. Der Anteil wusste das nur nicht.

Was für eine Erleichterung jetzt zu wissen, dass ich im Grunde nie wirklich die anderen erreichen wollte, sondern mit ihrer Hilfe mich selbst finden wollte. Ich wollte mich. Wenn also heute jemand nicht erreichbar ist, bedeutet das nicht automatisch, dass ich mich wieder nicht haben kann. Halleluja! Was für eine krasse, fiese, entsetzliche, kindliche Verknüpfung: „Wenn der andere (auf Dauer) nicht verstehbar/erreichbar ist, kann ich mich nicht haben.“ Wie gut, dass das nicht mehr die Wahrheit ist.

Ich brauch die Erreichbarkeit der anderen nicht mehr und schon gar nicht die Verstehbarkeit. Ich bin nicht mehr darauf angewiesen, dass sie "logisch" sind (und mir adäquat und korrekt die Welt erklären können). Ich bin auch nicht mehr darauf angewiesen, dass sie mir mich sauber spiegeln.

Ich hab mich ja schon längst. Ich hab meine Verbindung und Anbindung. Ich finde mich in mir und in der Welt hervorragend zurecht. Ich bin mit mir sicher. Ich hab das Problem der Kleinen im Grunde schon lange gelöst und jetzt auch ihre zugehörige Not beendet. Was für ein Gefühlssturm! Was für eine lange nicht erkannte Verzweiflung in all dem! Die Kleine, die so sehr auf die Verstehbarkeit der Bezugspersonen, auf das sichere Sichbeziehenkönnen, angewiesen war, wurde fühlend nach Hause geholt.

Danke für all die „fürchterlichen“ Auslöser und Fingerzeige, für all die schrecklichen Wiederholungen der Not, bis der Groschen endlich gefallen ist und die Zeit der Erkenntnis reif war. Puh!

 

Nachtrag:
Ich weiß nicht, ob ansatzweise zum Ausdruck kommt, was das alles für (m)ein Kind bedeutet, wie sehr es da tatsächlich um ALLES geht, um Leben und Tod, und zwar sein geistiges Leben, tiefste Heimat in sich selbst finden können, die Anbindung an die Schöpfung, also spirituelle Heimat, die eigene Wahrheit über das geistige Wesen. Es geht nicht nur um Zugehörigkeit und versorgt werden, also Überleben im körperlichen Sinne. Es geht auch nicht "nur" um emotionale Versorgung. Es geht um die komplette Existenz auf allen Ebenen. Darum hab ich verzweifelt gekämpft. Alter Schwede. Das ist so eine fette Hausnummer. Diese Not nochmal zu fühlen, diese Verzweiflung, diese Unmöglichkeit in all dem. Es unmöglich gemacht zu bekommen als Kind. Holy shit!


Donnerstag, 13. November 2025

Heiliges Mitmirsein

In mir bewegen sich Welten. Ach was! Universen!!! So krasse Durchbrüche durch Urwundennot! So viel Aufwachen in mich hinein, so viel Großes, Monumentales, Essentielles, Grundsätzliches, Bahnbrechendes, Heiliges, Heilsames.

Immer wieder steht mir innerlich der Mund vor Staunen offen. Immer wieder muss ich rückblickend neu auf mein Leben blicken, es mit dem Erkannten neu betrachten. Es ist so viel auf einmal. Es ist so komplex und vielschichtig. Ich würde das alles so gerne teilen, weil es so unfassbar wichtig ist, und doch kommt im Moment kein Wort.

Es fühlt sich ein wenig an, wie Wochenbett. Es gilt damit mit mir zu sein, mit all dem Neugeborenen. Realisieren. Integrieren. Verarbeiten. Begreifen. Bestaunen. Fühlen. Ganz Verkörpern. Es in Fleisch und Blut lassen.

Ich hab so ein Bedürfnis einfach nur bei mir, für mich zu sein. Ich spreche mit fast niemandem. Ich kann nicht. Da kommt nix. Eben kein Wort. Wie wenn mich im Moment alles nur DAVON wegbringen würde und das geht nicht. Auf keinen Fall.

Zwischendurch fühlt es sich an, als würde ich langsam wieder auftauchen und mit dem Neuen in mir mit anderen in Begegnung gehen wollen, mich erfahren, ausprobieren und vor allem all das teilen, mein eigenes Staunen in die Welt tragen und genau so schnell, wie der Moment kommt, geht er wieder. Zehn Minuten später will ich mich schon wieder einkuscheln, schweigen und mich genießen.

So ist es gerade. So lass ich mich.

 


Dienstag, 4. November 2025

Beinhaltet der Erfolg Selbstkontakt?

Nicht, was ein Mensch zu leisten vermag, ist aussagefähig über seine (seelische) Gesundheit, sondern mit was er in sich zu sein vermag, wie er innerlich mit sich selbst da ist.

Wie gut ist der Kontakt und die Beziehung zu sich selbst? Was bleibt im Innern, wenn im Außen alles wegbräche? Wer ist dieser Mensch alleine mit sich in der Stille? Ohne Besitz, ohne Rolle, ohne Funktion, ohne sichtbare Leistung, ohne Ablenkung, ohne Kompensationsmöglichkeit, ohne äußeren Glanz, ohne Make-up?

Die eigentliche Messgröße der seelischen Gesundheit ist der Selbstkontakt, die innere Haltung sich selbst gegenüber, die emotionale Nähe zu sich selbst und zwar in allen Momenten, auch und gerade in den dunklen Momenten, in den unrühmlichen Zuständen, in stürmischen Zeiten, in der Gebrechlichkeit, in der Verletzlichkeit, in der Verwirrung, der Schwäche, der Wut, der Bissigkeit, der Ohnmacht, in der Angst, der Sinnlosigkeit, der Verzweiflung, im Neid, im Hass, in der Kleinheit, der Minderwertigkeit, der Bedürftigkeit, im Scheitern, im Aufgeben, in der Traurigkeit, im Schmerz, im Vergehen. Kann derjenige schwimmen oder bedeutet das alles direkt ertrinken?

Wie ich da, in all den erwähnten Zuständen und Umständen, mit mir bin, sagt tatsächlich etwas über meine Gesundheit aus und eigentlich auch über Erfolg.

Erfolgreich im eigentlichen, ursprünglichen, menschlichen Sinne, also im gesunden Sinne, ist für mich jener, der in tiefer, intimer, authentischer Nähe zu sich selbst ist. Jener, der sich hat. Jener, der in sich wahre Heimat hat und zwar für jeden Anteil von sich, auch für die Anteile, die andere Anteile rausschmeißen wollen.

Nichts anderes ist wirkliche, echte psychische Gesundheit. Leistungsfähigkeit, die nicht aus meinem ureigenen Wollen stammt, ist lediglich eine Aussage über Anpassungsfähigkeit und das Maß dessen, in wie weit ich aus einstiger Not heraus zu Selbstverrat und Fremdbestimmung in der Lage bin.

Ich kann Besitz haben, ein laufendes "Seelenbusiness", "Freundschaften", "Beziehungen" und dennoch so unendlich verloren in mir sein, mich abgetrennt und taub fühlen, endlos müde sein, leer und ganz weit weg von mir.

Gesundheit und Erfolg messen sich für meine Begriffe an anderen Werten, als auf den ersten Blick sichtbar. So viele Erfolgreiche gibt es da draußen nicht. Bei den wenigsten ist mir nach Beifallklatschen.

Ich sehe scheinbar lächelnde Münder und müde, traurige oder leere Augen. Ich sehe die inneren Kämpfe gegen sich selbst. Die verzweifelten inneren Kinder, die kein Gehör finden, die Not, die unter all dem eigentlich da ist.

Ich hab mich immer wieder gefragt, ob ich nicht gönnen kann, ob ich überall das Haar in der Suppe suche. Aber das war es nicht. Heute hat mein Empfinden Worte. Ich hab gespürt, dass da was grundsätzlich nicht stimmt. Ich sehe und fühle das Verlorensein in all dem und dass alles Tun und Streben nicht an der Wurzel ansetzt, sondern viel mehr von ihr wegstrebt, dass es nicht ums Wesentliche geht, dass die Wunden unter all dem weiter bluten.

Ich sehe und fühle das Eigentliche unter dem Offensichtlichen.

Warum ich das alles schreibe, weiß ich tatsächlich nicht. Es hat sich heute intensiv in mir bewegt und sich in dieser Deutlichkeit gezeigt, die ich jetzt hier teile. Im Grunde ein Selbstgespräch.


 

Sonntag, 2. November 2025

Es geht nicht ums Beruhigen

Ruhe ist nicht besser als Unruhe, nicht erstrebenswerter. Und ich spreche vom Moment. Von dem Moment, der gerade da ist und in dem ich unruhig bin. Daran muss nichts anders werden. Da ist Unruhe und sie hat einen Grund. Sie hat was zu sagen. Sie kann mir etwas über mich erzählen, was verdammt wichtig ist. Sie kann mich nach Hause führen - und ohne das zum Ziel zu haben, mag ich ihr einfach zuhören, sie erforschen, ihr nachgehen, sie ergründen und in dem Zustand mit mir da sein. Den Körper wahrnehmen, die Gedanken, den Teil in mir, der sich gerade so fühlt und das wahrscheinlich schon seit Jahren und Jahrzehnten. Den Teil in mir, der in diesem Zustand "stecken" geblieben ist, weil ihn niemand darin begleiten und halten konnte, weil niemand seinem berechtigten Aufruhr adäquat begegnen konnte, ihn nicht verstanden und begriffen hat, kein Raum dafür da war.

Es geht nicht darum, ihn zu beruhigen, diesen Teil, und damit mich - das würde ihn wieder übergehen in seinem Zustand, der aber nun mal da ist. Es geht darum, mich dem zuzuwenden und zu erfahren, was die Unruhe ausmacht. Was wirkt da? Wer in mir ist unruhig und warum? Wer in mir will denn vielleicht doch Ruhe und warum? Wer in mir will ausflippen und wer in mir will das vielleicht auf keinen Fall? Ist vielleicht sogar gar nicht die Unruhe an sich das Problem, sondern die Überforderung damit? Weil da gefühlt keine Begegnungskompetenz in mir ist, ich die Idee habe, dass ich diese starken Gefühle auf keinen Fall aushalte, dass es mich zerreißt, wenn ich dem tatsächlich Raum gebe? Ist da vielleicht sogar kindliche Todesangst damit verbunden? Wer in mir ist gerade lebendig und was braucht er? Von was erzählt er? Was erlebt er gerade innerlich? In welchen Welten ist er unterwegs?

Es gibt so viel zu entdecken, wenn ich beginne, offen zu forschen, statt Ziele zu verfolgen. Wenn ich Zustände da sein lasse und nicht direkt einen anderen anstrebe. Nichts von dem, was zutage kommt ist, verwerflich. Alles hat seinen berechtigten Ursprung. All das bin ich.



Mittwoch, 29. Oktober 2025

Das unerkannte Vermissen der inneren Heimat

Ich werde nicht müde, das alles immer wieder zu betonen und zu wiederholen. Diese Welt ist voll von "weg von - hin zu"-Bestrebungen, von Angeboten, die versprechen, endlich einen Wunschzustand zu erreichen, voll von Verurteilung, von antreibenden Slogans. Ich sehe so viele, die in diesem Streben gewaltvoll mit sich umgehen, ohne es zu bemerken, ja sogar ganz im Gegenteil der Meinung sind, sie würden gut für sich sorgen, die aber eigentlich nur mit dem inneren Kritiker auf sich schauen und sich nicht beobachten können, ohne sich gleichzeitig zu bewerten und zu verurteilen. Das Ganze ist so normal und allgegenwärtig, dass es ihnen nicht auffällt, dass die Gewalt daran nicht als solche erkannt wird.

Auf Deutsch: die Welt ist voll von Selbst-Gewalt, die aus dem Bestreben resultiert, anders sein zu wollen/müssen, voll von der Angst, "es" niemals zu schaffen. Der Angst, es nicht zu schaffen, sich selbst endlich leben zu können und deswegen voll von Härte, in dem Versuch es doch hinzubekommen.

Dieses "sich leben können" wird definiert über ein Wunschbild, wie man sein sollte, sein möchte oder eigentlich ist, aber es nicht auf die Straße bringt. Und das weicht meist gehörig von dem ab, wie es gerade tatsächlich ist.

Das ganze Tun ist ein einziges Streben weg von allem, was dem Menschen dabei scheinbar im Weg steht und hin zu allem, was der Erfüllung angeblich dient.

Das ganze Tun ist eine Flucht aus dem Moment und damit weg von all den heimatlosen Anteilen samt ihren Gefühlen, Nöten und emotionalen Katastrophen, mit denen sie schon in der Kindheit allein gelassen wurden.

Jedes "es anders haben wollen, als es gerade in mir drin ist" ist im Grunde ein weiterer Verrat an einem inneren Kind, das immer noch versucht, endlich wahrgenommen zu werden, endlich da sein zu dürfen, endlich bei jemandem landen zu können mit dem, was in ihm emotional gerade da ist. Mir dreht es alles um, wenn ich dann höre oder lese, dass das ja nur das Ego ist oder der innere Schweinehund oder der hinderliche Verstand, der wieder irgendwas will. Es könnte weiter nicht von der Wahrheit weg sein und es tut mir in der Seele weh, diese hochgradig verletzten Anteile so behandelt und so verkannt zu sehen.

Die wenigsten sind sich dessen bewusst, dass dieses Streben hin zu, eigentlich eine Flucht vor sich selbst ist, ein weiteres im Stich lassen der Anteile, die uns am dringendsten brauchen. Dass dieses "sich leben" erstmal und vor allem meint, da voll und ganz anzukommen, wo ich innerlich gerade bin. Bei meiner emotionalen Wahrheit. Die Suche im Außen kann aufhören, wenn ich innerlich bei mir selbst landen kann.

Ich muss nirgends mehr hin. Ich muss nicht anders werden, anders fühlen, nichts mehr schaffen. Ich darf erstmal alles anerkennen, was so lange nicht sein durfte.

Den meisten fehlt etwas, sie suchen nach "unbestimmt" und ihnen ist nicht klar, dass das, was es am meisten braucht, was dieses Fehlen ausmacht, eine innere Heimat für sich selbst ist, die wir als Kind nicht erlebt haben.

Ich begegne dieser inneren Zerrissenheit und den Anteilen in mir, die etwas empfunden haben und von außen aber die Botschaft bekommen haben, dass das nicht okay ist, in letzter Zeit sehr oft. Die Urwunde, wieder und wieder. Diese innere Spannung, die Not, die daraus entstanden ist, wenn das, was in mir fühlbar da ist, nicht zu dem passte, was mir meine Bezugspersonen rückgemeldet haben, dieses nicht wissen wohin damit in mir, mit mir, wenn ich in Kontakt mit den anderen bleiben möchte, ist kaum in Worte zu fassen. Unglaublich, mit was wir da als Kinder wieder und wieder konfrontiert wurden. Das waren keine einmaligen Angelegenheiten. Das war täglich Brot. Wiederholung in Dauerschleife. Ein Schrecken ohne Ende.

Diese Anteile brauchen endlich eine Anlaufstelle. Diese Anteile wollen endlich sein dürfen. Diese Anteile wollen nicht schon wieder hören, dass das, was sie fühlen nicht okay ist, dass sie besser anders sein sollten. Sie wollen, dass das Leid endlich aufhört und das tut es sofort, wenn ich sie sehe und endlich fühle, was sie damals gefühlt haben und dann erfahren haben in all der Zurückweisung, wenn sie endlich emotional bei mir landen können. Dann hat ihr Leid ein Ende und ich wieder mehr Entspannung und Frieden im System. Echten, natürlichen, nachhaltigen Frieden. Das Rennen und Streben, das Suchen und die Unruhe weichen. Die Wurzel all dessen ist erkannt und genau da kann der Wahnsinn endlich enden. Die Wüste ist zu Ende. Die Dürre, das Dürsten trifft auf lebendiges Wasser. Meine verlorenen Anteile kehren zurück nach Hause, an die Quelle der Liebe. Sie dürfen endlich, endlich mit ihrer gefühlten Wahrheit da sein.

Deswegen, ich werde nicht müde, das immer wieder zu betonen, darauf hinzuweisen. Es geht um zu viel. Für diese Anteile geht es um alles.

 

Nachtrag: 

Ich mag noch sagen, diese Anteile, die draufhauen, die beurteilen, bewerten, es anders haben wollen, sind auch Anteile, die unsere liebevolle Zuwendung und Offenheit brauchen. Auch sie sind entstanden, damit wir überleben konnten. Sie haben uns in der Kindheit durchgebracht und einen großartigen Job gemacht. Auch sie mag ich anerkennen und ehren und genauso erforschen wie alle anderen Anteile auch. Mit ihnen ist nichts verkehrt. Ich darf ihnen gut zuhören.



Erforschen verlangt keine Lösung

Mich erforschen, verlangt kein anders sein von mir. Eine Beziehung, ein Miteinander, die Dynamiken darin erforschen, verlangt keine Veränderung und auch keine Lösung, keine Kompromisse oder Abmachungen von bestimmtem Verhalten. Es braucht eine Haltung. Eine Bereitschaft hinzuschauen. Neugier und Offenheit für alles, was sich zeigen mag.

Ich mag betrachten, was da ist. Ich mag fühlen, was berührt wird. Ich mag das nehmen, was tatsächlich bei jedem da ist, es ausbreiten, auffächern, bestaunen, begreifen. Da sein, wo ich gerade bin, wo wir gerade sind und das meine ich eben vor allem emotional.

Dabei geht es nicht um falsch oder richtig, sondern um echt und wahrhaftig. Es geht nicht um Veränderung, sondern so empfinden dürfen wie es ist, voll und ganz.

Erforschen erfordert, dass das, was da ist, berührt werden darf, da sein darf. Ich kann etwas, was ich eigentlich nicht will, was nicht sein darf, nicht wirklich erforschen. Wenn ich bemerke, dass ich es nicht will, dann darf ich den Teil, der es nicht möchte, ernst nehmen und das Nichtwollen erforschen. Ihm zuhören. Den Widerstand ergründen. Nicht, damit er weg geht, sondern weil das der Punkt ist, an dem ich innerlich stehe. Weil ein Teil von mir gerade da ist und so fühlt.

Es geht um die tatsächliche Wahrheit des Moments, den Punkt zu erspüren, an dem ich mich innerlich tatsächlich befinde. Da, genau da, mit mir sein, ist letztlich immer die Erlösung, ohne dass die Erlösung gewollt war. Sie ist eine natürliche Folge des Darinseins, des Damitseins, des Mitmirseins - aufrichtig - da, wo ich emotional gerade bin ganz sein. Wahrnehmend. Anerkennend. Fühlend. Bezeugend. Verstehend. Erlaubend.


 

Sonntag, 26. Oktober 2025

Für meine Kleinen muss vor allem ich erreichbar sein

Obwohl ich schon hundert Mal bei der Wahrheit rausgekommen bin, dass es nicht um die Situation an sich geht, sondern um die Gefühle darin (vorausgesetzt es besteht keine tatsächliche Gefahr für Leib und Leben - und das tut es in den meisten Fällen halt wirklich nicht, auch wenn es sich noch so bedrohlich anfühlt), bin ich teilweise mit Blindheit geschlagen und verkörpere den Anteil, der da gerade angetickt wird, so sehr, dass er handelt und die Erwachsene nur mehr daneben steht. Zwar beobachtend, wahrnehmend und die Kleine mitbekommend, aber nicht wirklich handlungsfähig.

Ich bekomme mit, dass ich im Film bin, dass ich da irgendwas verzerrt wahrnehme, dass da irgendwas nicht stimmt, aber irgendwie komm ich in dem Moment nicht raus. Ich muss die Situation verlassen, oder sie wird sowieso vom anderen verlassen, und mich mit Abstand sortieren.

Gerade bei der Tatsache, wenn mein Gegenüber nicht erreichbar ist, emotional abwesend, innerlich von sich weggegangen ist, sich nicht fühlend wahrnimmt, sich angegriffen fühlt, kein sich selbst beobachtendes Bewusstsein (mehr) da ist, die Schotten zugehen, kommen immer wieder andere/neue Anteile (der gleiche in unterschiedlichen Ausprägungen?🤔) in mir in Not und wollen die Unerreichbarkeit ändern, wollen nicht akzeptieren, was aber gerade schon da ist.

Heute morgen ist mir aufgefallen, dass quasi sowohl meine Erwachsene, als auch die Kleine nebeneinander da standen und zu dem hingeschaut haben, der nicht zu erreichen war, als ob es auf ihn ankäme. Und auf einmal hat es "klick" bei mir gemacht. Die Erwachsene hat den Blick auf die Kleine gerichtet und sie angeschaut in ihrer Verzweiflung. Bähm! Das war DER Erlösungsmoment und tatsächlich auch der Moment, in dem ich mir innerlich laut die Hand auf die Stirn geklatscht habe. "Ich weiß das doch alles!!!!"

Die Kleine hat sich sofort mir zugewandt. Puh! Endlich gesehen in der Not und der Verzweiflung. Auf einmal war es überhaupt nicht mehr wichtig, den anderen erreichen zu wollen. Er durfte weg sein. Hauptsache ICH war für sie da. Sie war gesehen. Was für eine Erleichterung für beide. Ein Gefühl, als würde ein weiterer Spuk endlich vorbei sein. Eine weitere Verhedderung erkannt und damit in die Erlösung gegangen. Tatsächlich der Anfang vom Ende einer Verwirrung. Eine grundsätzliche? Ich werde es sehen.

Die Kleinen in mir müssen vor allem mich erreichen können in der Unerreichbarkeit der anderen. Danach können wir immer noch schauen, wie wir uns in der Situation verhalten und ob es da überhaupt noch etwas braucht. Es ist, als wären solche Situationen für nichts anderes da, als für die Berührung der verletzten Anteile, als würde alles, alles dem Streben nach Ganzheit dienen, ohne dass ich mir das jemals in dieser Perfektion ausdenken könnte. Ganz im Gegenteil. Sehenden Auges würde ich wohl nicht mit dem "Endgegner" in den Ring steigen. Der muss mir schon immer wieder "untergejubelt" werden. 😉

Jetzt kann ich mit Humor draufschauen. Mittendrin in dem Gewurschtel ist das echt alles andere als witzig, schon gar nicht, wenn ich weiß, ich bin verheddert und weiß noch nicht wie. Was ich allerdings sehr daran liebe ist, mich in diesem großen Verständnis und Mitgefühl mir selbst gegenüber zu erleben. Was auch immer gerade in mir los ist, da ist diese unfassbar große Liebe. Ich geh mit mir, was immer der Weg bereit hält. 🥰❤️🙏🏼

(Der Schrifttyp der Überschrift heißt übrigens "Life Savers". Das war ja wohl ein Muss, obwohl ich eigentlich nach einer schön geschwungenen Handschrift gesucht hatte. Selbstbegleitung ist tatsächlich meine Lebensrettung.)



Donnerstag, 23. Oktober 2025

Die Einheitserfahrung ist Bonus

Als ich losgegangen bin, zu mir hin, angefangen habe, jeden Stein auf links zu drehen und jeden Winkel meines Innersten zu erkunden, blieb es nicht aus, dass ich mich mit den größeren Fragen des Lebens auseinandersetzen musste.

Mir war klar, wenn ich mich wirklich begreifen will, muss ich das Bild größer fassen. Wenn "ich" einen Sinn ergeben soll, braucht es mehr als dieses Leben, mehr als die Materie, mehr als das, was mir vom Leben, von Gott, vom Menschsein erzählt wurde. Solange es Widersprüche gibt, ist entweder das Bild nicht vollständig oderund es sind Lügen am Start und so lange gebe ich keine Ruhe.

Parallel zur Erweiterung des "Ich-in-der-Welt-Bildes" fand das tief in mich Eintauchen statt. Ich begegnete allem in mir, nahm jeden Auslöser im Außen her, um das Ausgelöste in mir zu betrachten, zu fühlen, sich ent-wickeln und entfalten zu lassen. Selbstzuwendung als Grundhaltung, nicht als Notfallprogramm.

Ich wollte mich, mit Haut und Haaren, mit allen Abgründen, Anteilen, Farben und Facetten, und vor allem mit der vollen Wahrheit. Sowohl die Wahrheit über den jeweiligen - oft erschütternden, tief verletzten, verwahrlosten - inneren Ist-Zustand, als auch die Urwahrheit, mein wahres Wesen, mein Naturell, meine Gaben.

Unerschrocken - das trifft es nach wie vor. Ich war und bin unerschrocken beim Forschen und Hinschauen. Dieser Zug zu mir hin, dieses mich ganz und gar wollen, egal, was es dafür braucht, ist mir wohl in die Wiege gelegt, Gott gegeben, unverrückbar.

Nun, was soll ich sagen?

Die Suche nach mir hat mir mich und das ganze Universum beschert und mich unweigerlich zu Gott geführt, zum All-Bewusstsein, zu tiefer Verbundenheit mit mir und allem, was ist. Ich wollte weder Erleuchtung, noch Nirwana, noch Einheitserfahrung oder Transzendenz. Ich wollte mich in aller Konsequenz, ohne zu wissen, was das bedeutet und was dieser Weg mir abverlangen würde.

Die emotionale Heilung und Reifung ist kein Pappenstiel. Sie führt direkt hin zu und durch Wunden, Trauma, Bindungstrauma, die Urwunde. Wenn ich mich ganz will, gehört das dazu. Ganz heißt halt ganz.

Einheitserfahrung gibt es auch ohne die emotionale Selbstzuwendung und dennoch wird es niemals das Gleiche sein, niemals so warm, so erfüllend, so voll, so liebevoll und mitfühlend sich selbst und anderen gegenüber und vor allem niemals so verbindend mit sich, dem Leben und den Mitmenschen. Das ist so fühlbar für mich.

In wahre, tiefe Beziehung zu allem, was ist, komm ich nur durch die wahre, tiefe Beziehung zu mir selbst. Das weiß ich heute. Dass ich diesen Weg beschreiten sollte, war wohl Vorsehung. Ich hatte ja keine Ahnung. Aber eine sehr deutliche Stimme in mir, die wohl wusste, was ich hier soll. Gott sei Dank!

Warm ist es in mir und mit mir. Wunderbar warm, voll und satt. Ich mag mir nah sein, egal was ich fühle. 




Das Leben kommt zu mir

Genau wie die Kraniche. Sie kommen zu mir, an die "unmöglichsten" Orte. Früher bin ich zu ihnen. Jeden Herbst ins Moor. Seit ich da nicht mehr in der Nähe bin und mal hier mal da, kommen sie zu mir. Und ich dachte erst, ich sehe sie so schnell nicht wieder.

Kraniche sind für mich Stellvertreter für diese Wahrheit: Das Leben kommt zu mir. Immer. Ich muss nirgends hin.

Mich fasziniert es immer wieder, wenn sich die Momente "der Lieferung" so klar und deutlich zeigen. Ich bemerke ein Bedürfnis, stelle fest, dass ich gerade nicht weiß, wie die Erfüllung aussehen könnte. Ich weiß die Lösung nicht. Also bin ich mit dem Bedürfnis da, trage es in mir, weiß darum, akzeptiere, dass ich gerade nichts aktiv dafür tun kann. Und dann ergibt sich aus einem ganz anderen Grund eine Situation und in der passiert auf einmal total unerwartet die Erfüllung.

Ich werde wohl nie müde, darüber zu staunen, auch wenn ich es schon x Mal erlebt habe. Oder gerade weil ich es schon x Mal erlebt habe? Keine Ahnung.

Darum nicht nur zu wissen, sondern es durch Erfahrung tief verankert zu haben, lässt mich in den unmöglichsten Situationen Ruhe bewahren und den Überblick behalten. Zusammen mit der tief erfahrenen Wahrheit "es passiert nichts, was nicht zuträglich für die Ent-wicklung ist" - was im Grunde das Gleiche aussagt wie "das Leben kommt zu mir" - ist das der sichere Boden auf dem ich gehe. Selbst wenn ich den Schritt in die Luft setze oder seit längerem das Gefühl habe, zu schwimmen oder im Nebel zu stehen.

Ich kann nichts tun und ich muss nichts tun. Das Leben entwickelt sich von alleine, wenn ich es lasse, wenn ich die Prozesse sich selbst überlasse und wach darin da bin, intuitiv handle, mich vom Prozess führen lasse. Nicht ich führe den natürlichen Ent-wicklungs-Prozess. Der Prozess führt mich.

Natürlich finde ich immer wieder Anteile, die noch die Idee haben, ohne sie würde nichts laufen, die falsche Verantwortung und Zuständigkeit tragen, aus der Not geboren. Wie könnte es anders sein? Was für eine Erleichterung, wenn sie von der Wahrheit hören. Wenn ich sie in den Arm nehme in ihrer Verzweiflung und sie zutiefst verstehen kann in ihrer einstigen Notlage, mit ihnen weine, für sie, um sie.

Mit jedem geborgenen Anteil breitet sich die Wahrheit noch weiter und tiefer in mir aus. Ja, das Leben kommt zu mir. Was ich brauche, ist über kurz oder lang da. Das Leben macht keine Fehler. Ich bin sicher in den größten "Schwierigkeiten". Alles ist FÜR mich. Meine Erlösung ist gewiss. Irgendwann sind alle meine inneren Kinder daheim.

Meine Erlösung ist gewiss. Ja. Und ich bin immer genau da, wo das geschehen kann. Auch wenn es noch so abstrus ist, wirkt auch hier die Intelligenz, die weiß, was gerade not-wendig ist. Kein Anteil bleibt ungesehen zurück. Jeder wird berührt, um entdeckt werden zu können. Alles in mir strebt in die Ganzheit, strebt von sich aus in die volle Erfüllung meines wahren Wesens, meiner Urnatur. ☺️❤️‍🔥🙏🏼

Das Leben kommt zu mir. Ich BIN das Leben, das nach sich selbst strebt.


 

Mittwoch, 15. Oktober 2025

In der Hingabe an das, was ist, liegt die natürlichste Schönheit

Irgendwie bin ich grad sehr berührt von diesem Bild, von dieser Atmosphäre, diesem Naturarrangement, dieser Perfektion im Timing, dieser unglaublichen Schönheit, dieser Leuchtkraft, dieser Ästhetik während des Vergehens.

Wie sich dieser Baum ergießt, die farbintensive Blätterdecke um sich ausbreitet und alles darunter einhüllt, wie zum Winterschlaf und Ruhen bestimmt. Da ist direkt Geborgenheit in mir spürbar, so viel Wohlwollen, Liebe und Hingabe, so viel Güte und Grazie in einem, Weisheit und Eleganz, Fürsorge und Würde.

Mich macht es immer wieder staunend sprachlos und demütig, die Natur in der Ergebung an den Wandel zu sehen und zu fühlen. Jede Phase, jeder Zuklus vollends verkörpert. Totale Hingabe. Völliges Mitgehen. Darin sein. Alles im Ausdruck. Das Entstehen, das Werden, das Gedeihen, das Erblühen, das Sein, das Vergehen, der Stillstand - alles völlig gleichwertig und Teil des Ganzen.

Es ist, wie es ist, zu der Zeit, in der es sein soll. Selbst wenn im Frühling Frost Blüten erwischt, der Blitz im Sommer einen ganzen Baum spaltet, der Sturm im Herbst Äste knickt. Es geschieht. Es ist. Es gehört dazu. Die Natur ergibt sich im Grunde nicht. Sie IST all das selbst. Das ganze Paket von Möglichkeiten. Jede Facette. Oft in der Gleichzeitigkeit.

Nichts macht es mir so deutlich, als dieses "Anschauungsmaterial", wie ich das Leben auch im Menschsein fühle und verstehe, tief begriffen und durchdrungen habe. In der Ganzheit liegt der natürliche Frieden und eine unglaubliche Kraft. In der radikalen Erlaubnis jeden Aspekts, die größte Freiheit. In der Hingabe an das, was ist, die natürlichste Schönheit.