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Sonntag, 30. August 2026

Was früher Ohnmacht bedeutete, ist heute unsere Freiheit

"Ich kann es nicht ändern. Ich kann die Umstände nicht ändern. Ich kann die anderen nicht ändern. Ich kann mich nicht anders machen. Ich schaffe es nicht. Ich bekomme es nicht hin, was sie von mir wollen. Ich schaffe es nicht, Verbindung zu erleben, verstanden zu werden, das zu bekommen, was ich brauche, gesehen zu werden, etc."

Als Kind in der Abhängigkeit war das die absolute Ohnmachtshölle. Wir haben alles daran gesetzt, es doch noch irgendwie zu schaffen. Was natürlich eine Illusion war. Die Idee der Machbarkeit war unsere Lebensrettung.

Als Erwachsene können wir jetzt anerkennen, dass es nicht zu schaffen war und jetzt in den Reinszenierungen schon erst recht nicht zu schaffen ist. Die Anerkennung der Unmöglichkeit ist unsere Erlösung und Freiheit.

Es war und ist nicht zu schaffen. Gott sei Dank! Dann kann ich nämlich direkt aufhören, es zu versuchen. Das ist das Aufwachen in die Wahrheit.

Was früher pure Ohnmacht bedeutet hat, ist jetzt der Segen der Freiheit.


 

Samstag, 15. August 2026

Die Wahrheit bringt nachträglich so viel Heilung

 "Hätte uns als Kind einmal jemand gesagt, wie zersprengt und kaputt die Erwachsenen in Wirklichkeit sind..."

Mir ist klar, dass alles genau so richtig war, wie es war, dass nichts hätte anders laufen müssen. Und dennoch hat es für mich immer wieder eine unglaublich heilsame Wirkung, wenn nachträglich die Wahrheit zu den verstörten, verwirrten, verzweifelten, verletzten Anteilen fließt. Alleine die Info, dass die Erwachsenen meiner Kindheit unfassbar verletzt und zersprengt waren/immer noch sind.

Es ist direkt zu spüren, wie sehr sich ALLES sofort verändert, wenn diese meine inneren Kinder tatsächlich die Möglichkeit bekommen, zu begreifen, zu verstehen, wenn das Erlebte von damals und ihre Gefühle auf einmal Sinn ergeben, zusammenpassen, sie sich selbst darin endlich verstehen können, merken, dass mit ihnen immer alles richtig war.

Immer wieder ist es so, als ob meine Erwachsene, die das alles durchdrungen hat, den Kindern von damals nun endlich von den tatsächlichen Begebenheiten erzählen kann.

Das, was mir vorgeworfen wurde, was angeblich an mir oder in mir zu finden gewesen ist, war nicht da. Meine Mutter hat mich nicht wahrgenommen, wie ich tatsächlich gerade da war und es war auch nicht ein gesamtes, heiles, erwachsenes Wesen, was da auf mich geschaut hat und zu mir gesprochen hat, mit mir interagiert hat. Es waren ihre verletzten Anteile und zwar alle fünf Minuten andere, die höchst widersprüchlich zueinander standen.

Meine Wut und Ablehnung galt also nicht einem ganzen, menschlichen Wesen, nicht meiner Mutter an sich, sondern den verletzten Anteilen, die hab ich weggestoßen. Wie oft kam ich mir in meinen heftigen Reaktionen unmenschlich vor, dachte wirklich, dass ich einem ganzen Menschen weh tun würde, ihn im Stich lassen würde, selbstverständlich menschliche Wünsche und Bitten abschlagen würde. Mit der Information, dass da kein ganzes Wesen ist, dass ich mich gegen Verzerrung und Bedürftigkeiten ihrerseits wehre, für die ihre Anteile gerade fälschlicher Weise mich als Erfüller auserkoren haben, verstehe ich mich auf einmal ganz anders in meinen Reaktionen und begreife, dass ich damit total recht habe, dass sie gerechtfertigt, natürlich und völlig adäquat sind und waren.

Ich weise nicht sie im Ganzen zurück. Ich schlage keine Bitten eines Erwachsenen ab. Ich weise die Anteile ab, die glauben, etwas von mir zu brauchen. Dieses scheinbare Brauchen von mir ist grundverkehrt. Da ist kein Erwachsener, den ich im Stich lasse, da ist ein inneres Kind, dessen Erwachsener es selbst im Stich gelassen hat. Ich bin überhaupt nie zuständig gewesen und die Bitte war keine echte Bitte.

Meine ganz natürliche Menschlichkeit als Kind, die selbstverständlich den Wunsch hatte, dass es allen gut geht, war total oft mein größter Fallstrick. Dieses Kind hätte die Wahrheit über die Beschaffenheit der Erwachsenen gebraucht. Dieses Kind hätte es gebraucht, dass im Moment der Vorwürfe und Schuldzuweisungen, sich jemand vor mich stellt und alles von mir weist, mir sagt, dass das, was da gerade scheinbar über mich geäußert wurde, mir zugeschrieben wurde, nicht die Wahrheit über mich ist, dass der "Erwachsene" gerade überhaupt nicht in der Gegenwart ist und mich schon gar nicht wirklich sehen kann. Ich hätte die Info gebraucht, dass die "Bitten" Bedürftigkeiten sind und das mein sofort empfundenes Widerstreben und mein Nein komplett stimmen.

Es hätte die Wahrheit zwischen mir und der verletzten Bezugsperson platziert werden müssen. Und wieder: Ich meine damit nicht, dass damals etwas hätte grundsätzlich anders sein müssen, sondern was es zur Unversehrtheit gebraucht hätte, also was dem Kind von damals in einem Umfeld von all den kaputten Erwachsenen dienlich gewesen wäre. Und das ist genau das, was über die Jahre wieder und wieder in der Selbstbegleitung nachträglich geschehen ist. Die Wahrheit hat Einzug gehalten. Meine inneren Kinder wurden nach und nach informiert, was damals tatsächlich passiert ist und haben das bekommen, was damals essentiell gewesen wäre - durch mich.

Eins nach dem anderen kam in der Wahrheit endlich zur Ruhe.



Donnerstag, 13. August 2026

Emotionale Freiheit

"Nichts im Außen kann letztlich wirklich darüber bestimmen, wie ich mich in mir, mit mir und im Leben fühle."  

Irgendwie ist das gerade nochmal wie unumstößlich in mir gelandet und zwar MIT dem Wissen um all die inneren Kinder und wie schnell sie berührt sind. Also nicht dieses "Ich entscheide, wie ich mich fühle", was ganz oft ein Negieren von Schmerz ist und letztlich ein mich verlassen und verleugnen.

So meine ich diesen Satz nicht, so hat er mich nicht gemeint, als er eben zu mir kam.

Es war, ist, viel mehr das Erkennen, dass tatsächlich keine äußeren Umstände dafür sorgen können, dass ich mich wieder schlecht, gedrückt oder geknickt fühlen muss, dass es wieder schwer sein muss, wie es in der Kindheit irgendwann immer kam. Keine äußeren Umstände oder Entscheidungen von anderen haben mehr die Macht, tatsächlich über mich und mein Leben zu bestimmen. Mein Nein und meine Integrität sind jetzt unantastbar, weil ich bei mir bleiben kann und darf, weil ich weiß, wer ich bin und keine Abhängigkeiten mehr Wirklichkeit sind. 

Nichts kann verhindern, dass ich mich sauwohl in mir drin und im Leben fühle, weil ich um die Wahrheit weiß.

Selbst wenn noch so "bedrohliche" Dinge passieren, muss ich mich davon nicht beeindrucken lassen. Dieses Unbeeindrucktsein ist dadurch möglich, dass ich weiß, wenn Aufruhr in mir ist, dass da etwas sein muss, was nicht die letzte Wahrheit ist. Dann können da aufgescheuchte innere Kinder sein, die ich begleite und das wird immer zur Wahrheit über das Leben führen und immer in die Freiheit.

Umso mehr Anteile daheim sind und um die Wahrheit wissen, umso unbeeindruckter bin ich natürlicher Weise von den Umständen.

Ich weiß, wie sich die Wahrheit über das Leben anfühlt und ich weiß, wie ich mich in der Wahrheit fühle. Alles, was nicht dieser Wahrheit entspricht, muss und kann ich nicht mehr ernst nehmen. Das ist Freiheit pur. Die Freiheit, wie ich mich fühle.

 


Freitag, 7. August 2026

Es ist nicht wahr, dass durch Leben Schuld entsteht.

Wie soll ich transportieren, was ich gerade fühle, wie ich diesen Satz fühle, der mit einem Rumms und aller Klarheit in mir aufgetaucht ist?

Unser Leben, DASS wir leben, verursacht keine Schulden. Alles, was wir natürlicher Weise zum Leben brauchen, fließt uns zu. Davon muss weder etwas erarbeitet noch später zurückgezahlt werden. Leben fließt zu, ohne etwas von dieser Energie zurück zu wollen und ohne, dass wir es uns überhaupt erst verdienen müssen.

Jedes Konstrukt, Konzept, "Prinzip", das hier künstlich auf der Erde installiert wurde, wohlgemerkt aus der Idee der Trennung heraus, das auf dem Schuldprinzip basiert, ist eine Lüge, unnatürlich und überhaupt nicht die Wahrheit über das Leben selbst. Alles, was Schuld oder Schulden beinhaltet, stimmt in letzter Konsequenz nicht mit dem Leben selbst überein.

Das Einzige, was das Leben tatsächlich von uns "will", wenn ich es überhaupt so nennen möchte, ist, unser Erblühen, uns in unserer Blüte. Das von ganz von alleine gebend, was unser Sein eh gibt, was aus unserem Sein heraus sowieso in die Welt fließt. Und das ist ganz sicher kein Zurückgeben in dem Sinn. Was mir zugeflossen ist, ist mir zugeflossen. Es wurde "verwendet" und fließt verwandelt wieder raus. Es muss nicht an die gleiche Stelle gelangen, von der es kam. So funktioniert Leben nicht. So fühle ich nicht die Wahrheit.

Leben ist ein steter Zufluss, eigentlich Durchfluss mit Umwandlung. Mir fließt zu, in mir findet Alchemie statt und etwas anderes fließt wieder heraus. Das ist alles. Dabei entsteht keine Schuld gegenüber der Quelle.

Es ist schlicht nicht wahr, dass durch "mein Leben leben" Schuld entsteht. Durch Leben an sich KANN keine Schuld entstehen. Schuld existiert nur in der Idee der Trennung vom Leben selbst. Schuld ist nichts Natürliches. Schuld ist nie die letzte Wahrheit. Leben und Schuld können nie gleichzeitig existieren.


Dienstag, 4. August 2026

Es obliegt nicht mir, ob jemandem etwas zu Bewusstsein kommt

Im Grunde ist dem nichts hinzuzufügen und doch merke ich, wie Worte kommen und fließen wollen. Dem gebe ich gerne nach. 😊

Es geht mich schlicht nichts an, wie es um den Bewusstseinszustand eines anderen bestellt ist. Ich muss ihn nicht wachrütteln oder ihm etwas klar machen. Es obliegt genau EINEM und von der Seite ist es eh schon geschehen, weil gewollt und deswegen wird das sein, was sein soll. Was auch immer das dann ist und das wird in irgendeiner Form richtig und wichtig sein, auch wenn es für mich vielleicht komisch ausschaut.

Es ist erleichternd und beruhigend zugleich, es nicht bewerkstelligen zu müssen, dass jemandem etwas zu Bewusstsein kommt, es nicht irgendwie schaffen zu müssen, es in SEINEN guten Händen zu wissen und damit in der Ordnung, von der ich, was die Wege anderer angeht, nun mal - wenn überhaupt - nur eine leise Ahnung habe.

Wer bin ich, es besser zu wissen? Wer bin ich, über einen Weg zu urteilen?

Natürlich heißt das nicht, dass ich alles mit mir machen lassen muss. Das ist ja genau der Punkt. Eben nicht. Ich darf genau daraus dann meine Konsequenzen ziehen bzw. schauen, was der jeweilige Bewusstseinszustand inklusive Handlungen des anderen in mir berühren, was es mit mir macht, dass es genau so ist, wie es ist und wenn ich davon ausgehe, dass es so bleiben darf, dann darf ich hinspüren, was genau DAS für mich bedeutet. Wie ich dazu in Beziehung stehe, was das für mich heißt und wer oder was ich im Bezug dazu gerade bin bzw. sein könnte (von der höchsten Wahrheit ausgehend).

Ich habe genau nur ein Leben und einen Bewusstseinszustand zu verantworten und das ist das bzw. der meine. Wissend, dass mein Sein und Tun Auswirkungen hat. Wissend um das Ich, das Wir und das Höhere. Ich bin dafür verantwortlich, dass ich mich lebe und entfalte, dass ich hinhöre und da bin, dass ich bei mir bin. Niemandes Bewusstseinszustand sonst ist meine Verantwortung.

Mir ist bewusst, dass es unzählige Kinder in uns gibt, die auf den Bewusstseinszustand der Erwachsenen angewiesen waren und die zig Strategien entwickelt haben, entweder daran was zu ändern oder damit klar zu kommen, dass sie sind wie sie sind - allerdings eben aus der kindlichen Abhängigkeit heraus, mit all den kindlichen Schlussfolgerungen und da war der Bewusstseinszustand (der meistens dürftig ausgebildet war) der anderen äußerst relevant für uns, meistens fatal in den Folgen.

Es sind genau diese inneren Kinder, die andere zur Einsicht bewegen wollen, die Welt verbessern, wachrütteln. Sie versuchen immer noch das hinzubekommen, was als Kind schon nicht funktioniert hat: Das Umfeld so zu gestalten, dass es sicher ist und ich als Kind tatsächlich das bekomme, was ich bräuchte. Es sind genau diese Kinder, die wiederum genau mich brauchen, bewusst, wach und mitfühlend mit mir selbst. Sie brauchen nicht den anderen. Als Kind war das wahr, dass es auf den anderen angekommen wäre. Jetzt stimmt das schlicht nicht mehr. Jetzt kommt es auf mich an und auf sonst niemanden.

Jedwede gefühlte Abhängigkeit als Erwachsene meines Weh und Wohls von anderen kann nicht die letzte Wahrheit sein. An der Stelle darf ich schauen, wer in mir das glaubt und warum. An der Stelle darf ich mir selbst zur Seite stehen oder mir Hilfe suchen, mit deren Unterstützung ich dann gut für mich da sein kann.

Mir obliegt es einzig, ob ich zu Bewusstsein komme.
Und es obliegt einzig mir, ob ich zu Bewusstsein komme und auf welche Weise. Genau wie die anderen mich nichts angehen, gehe ich die anderen nichts an.



Mittwoch, 29. Juli 2026

Mein Leben hat endlich Platz!

Frei von irgendwelchen bindungstraumatischen Abhängigkeiten. Frei von irgendwie allem. Entheddert. Entmischt. Sortiert.

Nicht nur für eine kurze Zeit oder irgendwie nebenbei, trotz alle dem oder mit diesem "jetzt erst recht".

Der Raum muss nicht mehr erkämpft werden, mühevoll saubergehalten oder geteilt mit den Ansprüchen/Problemen der "Bezugspersonen". Ich brauche nichts mehr von ihnen, um in mein Leben zu kommen. Ich bin nicht mehr für die verantwortlich, die ich gebraucht hätte. Ich muss nicht mehr dafür sorgen, dass sie ihren Job machen oder überhaupt erst dazu befähigen.

Der Raum steht komplett mir zur Verfügung. Es gibt keine Notwendigkeit mehr, das Chaos, die Baustellen der Beziehungspersonen reinzunehmen. Ihre unbearbeiteten Akten landen nicht mehr auf meinem Schreibtisch. Niemand in mir hat noch einen Annahmeautomatismus oder eine Bearbeitungspflicht.

Es war auch diesbezüglich dieser 10. Juli. Ich hatte an anderer Stelle berichtet. Da hat das geendet. Ab da hatte ich endlich tatsächlich die Hände frei und Raum und komplett mich für mich. Mein Leben hing nicht mehr von irgendeiner Bewusstheit der anderen ab. Bis dahin gehörte mein innerer Raum nicht komplett mir und mein Leben irgendwie auch nicht.

Mir wurden wieder und wieder Akten zur Prüfung reingereicht, nur um wieder und wieder festzustellen, dass sie mir nicht gehörten. Der Zustrom hörte nicht auf. Dauerbeschäftigung. Das Ergebnis war immer das gleiche: Nicht meins. Und dennoch kamen neue und ich "musste" mich damit beschäftigen.

Bis zu diesem Tag.

Seither sprudelt es unablässig in mir. Pure Lebensfreude. Tatsächliche Freiheit. Der Raum gehört mir. Da ist nur mehr meins. Mein Leben gehört mir bzw. IHM. Hummeln im Arsch. Flausen im Kopf. Vorfreude, ohne zu wissen worauf. Einfach so.

Das ewige "mir mein Leben stehlen müssen", die Lücken finden, die schönen Momente stibitzen, bevor das Doofe, Schwere wieder kommt, mir Platz erkämpfen müssen, immer wieder "eingefangen" werden und das Damokles-Schwert "Du wirst schon noch sehen!" sind verschwunden.

Mein Leben gehört komplett mir! Zum allerersten Mal!!! Unbeeinflusst. Ganz und gar. Endlich hab ich tatsächlich einfach so Platz und Zeit und Raum für mich und meins.

ZUM ALLERERSTEN MAL! 🥲🥲🥲🙏🏼🙏🏼🙏🏼🙏🏼🙏🏼🔥🔥🔥🔥🔥


Samstag, 25. Juli 2026

Ich ringe nicht mehr um die Wahrheit

Ich berichte seit über 10 Jahren von meinem Weg, den Weg in die Wahrheit, die Wahrheit über mich, über das Leben, wie es gedacht ist.

Die ganze Zeit fühlte es sich an, als würde ich von unterwegs berichten, selbst nicht wissend, nur grob ahnend, wo er mich hinführt, was es dafür braucht, was das bedeutet, diesen Weg zu gehen. Ein Berichten von meinen Erfahrungen, Irrungen und Wirrungen, den Wendungen, Erkenntnissen, Korrekturen, den Durststrecken, Zweifeln und erneuten Durchbrüchen. Während ich selbst mittendrin war.

Seit ungefähr zwei Wochen fühlt es sich total verändert an. Als würde ich jetzt ganz anders von meinem Weg erzählen. Eher rückblickend. Das verkörpernd, wo er mich hingeführt hat, das Ziel kennend.

An diesem 10. Juli 2026 ist etwas passiert. Ich habe aufgehört, um die Wahrheit zu ringen und festgestellt, dass ich sie BIN. An diesem Tag ist nach gefühlt 500 Anteilen der letzte aus dem Krieg nach Hause gekommen, weil ich etwas begriffen habe. Ich hatte unzählige solcher Prozesse, aber nach dem fühlte sich etwas grundsätzlich komplett anders an.

Als Kind reichte es nicht, die Wahrheit zu sein, um die eigene innere Wahrheit und Unschuld zu wissen. Ich wurde dennoch völlig ungerecht wie die Schuldige an dem Leid meiner Mutter und aller anderen Erwachsenen behandelt. Abgestraft, ermahnt, verächtlich angeschaut, zur Räson gerufen, obwohl ich nichts Falsches getan hatte, meine Wut berechtigt war oder das, was ich sagte oder tat, gar nicht das meinte, was der andere darin sah. Ich wurde verkannt und hab die Welt nicht verstanden. Wie konnte es sein, dass der andere mich so komplett falsch wahrnahm, obwohl er erwachsen, bewusst und bei klarem Verstand war? Warum konnte er mich nicht fühlen?

Dass ich tatsächlich mit all dem, was fälschlicherweise über mich behauptet wurde, gar nicht gemeint bin, blieb mir unbekannt. Die Anklagen galten überhaupt nicht mir. Der andere sah das alles nicht wirklich in MIR. Er war weder erwachsen, noch reif, noch bewusst, noch nahm er MICH ansatzweise tatsächlich war. Er drückte seinen Schmerz völlig verkrüppelt und unreif in Aussagen über mich aus. Die Aussagen über mich waren emotional komplett aufgeladen mit Gefühlen, die überhaupt nicht zu mir gehörten, nicht in unsere Beziehung. Natürlich dachte ich, ich bin gemeint und der andere schreibt mir das tatsächlich zu, was er da von sich gibt.

Dass da vorher schon eine unfassbare Not war und in ganz anderen Situationen am Tag schon ausgelöst war, blieb mir ebenfalls unbekannt. Ich habe immer versucht, das, was dann aktuell passierte, die heftigen Gefühle des anderen und das, was ich "getan" oder gesagt hatte, überein zu bekommen und es gelang mir kein einziges Mal. Es machte hinten und vorne keinen Sinn. Und jedes Mal wollte ich die Anklage von mir weg haben, wollte, dass ich korrekt wahrgenommen wurde, dass es in die Ordnung kommt. Jedes Mal, jeden Tag zig Mal über so viele Jahre habe ich um die Wahrheit gerungen. Ich wollte das aufklären. Wieder und wieder. Wurde nie damit fertig. War mit nichts anderem beschäftigt. Hatte ständig dieses Chaos in der Hand, was nicht das meine war. Alles vergeblich. Alles unendlich unbefriedigend. Es stapelte sich meterhoch, hörte nicht auf? Es fand nichts anderes statt und vor allem nicht mein Leben.

Mit dem Begreifen, dass der andere das alles, was mir "vorgeworfen" wird, gar nicht wirklich an mir wahrnimmt, sondern sich einfach nur irgendwie Luft macht, weil da vorher schon unglaublich viel angetickt war, was überhaupt nicht kommuniziert wurde und schon gar nichts mit mir und der Gegenwart zu tun hat, hat etwas grundsätzlich verändert.

Auf einmal war Ruhe in mir. Kein Bedürfnis mehr, die Anklage abzuweisen. Es richtig zu stellen. Aufzuklären. Ich hab einfach nicht mehr reagiert, weil ich mich nicht angesprochen gefühlt habe. Wenn ich gar nicht gemeint bin, muss ich nichts korrigieren. Sonst hab ich mich immer direkt gemeint gefühlt. Zum ersten Mal erlebe ich es seither, dass nichts mehr in mir anspringt, obwohl ich scheinbar angesprochen werde.

In den Tagen danach habe ich erst gemerkt, wie sehr mich dieses mich so falsch verstanden fühlen, ständig angekackt werden für etwas, was ich nicht gemeint oder gemacht habe, dieses als Blitzableiter dienen, mich ständig wehren müssen, verkannt werden und die Welt nicht mehr verstehen untergründig traurig gemacht hat. Endlos traurig. Eigentlich mein Leben lang war da dieser traurige, betrübte, beschwerte Teil, der es einfach nie schön mit den engsten Vertrauten haben konnte. Nie waren die anderen mit ihm in der Gegenwart, nie in der Wahrheit. Ständig zwei unvereinbare Welten. Ich nie in meinem Leben.

Und nach diesem Erkennen und Begreifen am 10.07.26 (ich musste mir dieses Datum einfach aufschreiben) war ich plötzlich frei. Frei und vor allem unabhängig davon, ob ich richtig erkannt werde. Ich war auf einmal ganz bei mir und vor allem erleichtert, weil die "Wahrnehmungen" des anderen in Wahrheit gar nicht an mir zu finden waren. Ich war auf einmal in meiner Wahrheit, hatte irgendwie endlich recht bekommen und konnte so viel nachträglich verstehen und anders betrachten. Auf einmal war ich in meinem Leben. In meiner Leichtigkeit. In meiner Freude. Sie wird vom inneren Chaos der anderen nicht mehr getrübt. Ich bin da nicht mehr rauszureißen und vor allem bin ich nicht ständig damit beschäftigt, die Wahrheit zu benennen und den anderen damit erreichen zu wollen. Da ist Raum und Platz und Zeit für MICH und das Leben, das durch mich in die Welt möchte.

Ich ringe nicht mehr um die Wahrheit. Ich BIN sie. Und das reicht komplett, damit mein Leben stattfinden kann.

Tatsächlich kommt mir genau das vor, wie ein Finale. Da angekommen, wohin ich die ganze Zeit unterwegs war, ohne es hätte sagen zu können.

Jetzt erzähle ich anders von meinem Weg. Schaue anders auf die einzelnen Etappen und Herausforderungen. Wissend. Wissend wo er mich hingebracht hat. In mein Leben. In meinen Raum. In meine Wahrheit. In meinen Fluss. In meine Freude. In meine Tiefe. In meine Ganzheit. An meinen Platz. 




Samstag, 4. Juli 2026

Nein! Ich möchte mich selbst genießen...

 "Nein! Ich möchte mich selbst genießen und du störst mich die ganze Zeit dabei." 

Wie oft es in der Kindheit die Wahrheit gewesen wäre und so dran, diesen Satz zu den Erwachsenen zu sagen! Im Grunde ist genau das so oft in seligen Momenten passiert: Ich wurde in meinem wohligen mit mir sein gestört, rausgerupft und mit den Problemen der anderen behelligt. Probleme, die ich ohne die anderen gar nicht erst gehabt hätte. 

Ich war und bin so gerne mit mir. Menschen, die mit sich selbst überhaupt nicht gut da sein können, stören meinen Genuss mit mir und ich darf in jedem Moment weise wählen, ob ich mein Mitmirsein stören lassen will.

Ich merke, wie ich es manchmal regelrecht einlade und dem Chaos Raum gebe mit Nachfragen, auf für mich völlig unverständliche Aussagen, auf Gewurschtel von Ideen und unerfassten Gefühlen. Statt einfach zu sagen: "Da kann ich gerade nichts mit anfangen."

Ich will die gewurschtelte Antwort, die es meistens nur noch schlimmer für mich macht, nämlich gar nicht hören und doch kommt so schnell eine Frage a la "Und was willst du jetzt damit sagen?" und dann schau ich den anderen auch noch auffordernd und abwartend an. Zack! Bin ich mittendrin im Chaos, das nicht mir gehört. 

Und vielleicht ist es sogar wahrer, wenn ich sagen würde: "Da WILL ich gerade nichts mit anfangen. Ich will nämlich mich und mein Wohlsein mit mir genießen. Und da will ich gerade überhaupt nicht weg."

Ich weiß um die Teile, die bei Gewurschtel von anderen nur all zu gerne zugreifen. Die haben das Knäuel schneller in der Hand, als ich gucken kann. Sie wissen ja auch, dass sie sehr wohl verstehen können, wenn der andere sich nur klar bekommt und sie könnten sogar noch helfen zu klären und sie wollen ja auch soooo gerne Verbindung. Ich kann sie verstehen und doch möchte ich eine bewusste Wahl etablieren. Die Pause zwischen Gewurschtel und Zugreifen und prüfen, ob ich nicht viel lieber einfach Zeit mit mir verbringen mag.

Ein schlichtes "Nein, ich möchte nicht gestört werden" platzieren.

 

Nachtrag 05.07.2026: 

Ich bemerke gerade, dass dieser Satz so ziemlich das andere Ende von "ich will durch den Kugelhagel zum anderen hin" ist. Krasse Entwicklung. Und natürlich möchte ich eigentlich Kontakt und Verbindungen, in denen ich mich weiterhin genießen kann, mit Menschen, die sich ebenfalls gerne selbst haben und sich genießen. Unter all dem ist Traurigkeit. Tiefe Traurigkeit, weil keine wohlwollende, freudvolle, lebendige, liebevolle Nähe möglich war. Nähe, in der ich mich hätte behalten dürfen. Nähe, in der ich nicht ständig angegriffen werde. Nähe mit jemanden, der sich selber liebt. Wenn ich mir vorstelle, wie sich eine Mutter angefühlt hätte, die sich selber liebt und wie sie dann mit mir umgegangen wäre, könnte ich Sturzbäche weinen. Das kommt nach all den Jahren der Selbstbegegnung zum ersten Mal so richtig bezüglich meiner Mutter durch. Zum ersten Mal ein Ansatz von Vermissen und Beweinen von dem, was nicht war und zum ersten Mal ein Gefühl dafür, wie es hätte sein müssen. Da bin ich vorher noch nie wirklich rangekommen. Das brennt ganz schön. Puh!


 

Kugelhagel - Mit aller Macht auf Abstand gehalten

Es ist ein Gefühl "drin zu hängen" und darin irgendwie damit umgehen zu wollen. Das Darinsein ist nicht richtig, nicht die letzte Wahrheit. Warum bin ich IN IHREM Krieg? Warum bin ich nicht außen vor? Also selbst wenn ich angekackt werde, kann ich außen vor und unbeeindruckt sein.

Was ist dafür notwendig, außen vor zu sein? Wer steht da noch mittendrin?

Da ist eine Kleine, die im Kugelhagel der Mutter steht. Ihr direkt gegenüber. Die abgefeuerten Kugeln halten die Kleine auf Abstand. Sie kann der Mutter nicht näher kommen, so sehr sie sich auch dagegen stemmt.

Mein Problem ist das "da durch kommen wollen und endlich zu ihr hin". In dem Bild ist so deutlich zu erkennen, dass die Mutter diese Nähe gar nicht will. Sie würde wie Feuer brennen, also die Nähe. Sie würde mich im Leben nicht ganz nah lassen und schon gar nicht in sich hinein. Deswegen darf das Abfeuern auf mich nicht aufhören. Das ist ihre einzige Chance. Würde es eine kleine Pause oder Unterbrechung geben, eine geringere Dichte der Kugeln, würde ich mich sofort auf sie zu bewegen und ihr damit zu nah kommen.

Sie hält mich auf Abstand, wegen ihrem Schmerz, zu dem sie nicht will und schreit mich die ganze Zeit an, dass ich schuld bin an der Distanz, weil ich so unmenschlich, ignorant und kaltherzig bin, ihr ständig weh tue. Dabei stehe ich in ihrem Kugelhagel und sie hält mich fern. Sie will meine Nähe nicht wirklich. Nicht mit allem, was es bedeuten würde. Sie will meine Nähe, ohne ihren Schmerz fühlen zu müssen. Sie will mich ohne sich.

Diese Kleine sehe ich zum ersten Mal von außen, als Beobachter. Sonst hab ich wohl immer durch ihre Augen geschaut und eben - war mittendrin.

Die Kleine hat inzwischen innegehalten. Das Erkennen und Überreißen der ganzen Situation, der Blick von außen hat etwas verändert. Sie stemmt sich nicht mehr gegen den Druck und den Schmerz der Kugeln. Da ist kein Hinbewegenwollen zur Mutter mehr. Die Kleine steht einfach da. Die Kugeln fliegen immer noch. Sie scheinen sie auch noch zu treffen, aber irgendwie gehen sie eher durch, wie sie durch einen Geist gehen würden. Sie treffen nicht mehr auf Materie. Sie spürt sie kaum noch. Nur mehr ein Hauch, wenn überhaupt. Sie ist durchlässig dafür geworden. Sieht wie sie vorne „eintreten“ und hinten einfach wieder rauskommen, ohne dass etwas geschehen wäre. Kein Schmerz. Keine Relevanz für sie.

Jetzt fragt sie sich, warum sie überhaupt da steht. Es ist wie ein Aufwachen aus etwas, wieder zu Sinnen kommen und bemerken, wo man sich gerade befindet. Sie schüttelt kurz den Kopf, wie um ganz wach zu werden und die Sinne neu zu kalibrieren. „Das ist ja alles völlig verrückt“, denkt sie. Sie ist jetzt auch älter. Anfang zwanzig vielleicht.

Sie schaut zur Mutter. Sieht ihren leeren, wahnhaften, schmerzerfüllten, verzerrten Blick. Das Feuern findet statt, egal, wer da steht und ob da jemand steht. Es hat nichts mit mir zu tun. Sie, die Mutter, sieht mich nicht im Ansatz, nimmt keine Notiz von mir. Sie klagt die ganze Welt für ihren Schmerz an. Alles und jeder steht direkt unter Anklage durch bloße Existenz. Und nichts und niemand wird ihr nahe kommen dürfen, schon gar nicht sie selbst. Nur kann sie nicht ganz von sich weg und das ist das Problem. Der eigentliche Kampf gegen sich ist in ihr und davor kann sie nie flüchten. Er ist immer da und immer aktiv. Das Leid daraus wird rausgefeuert. Das ist das, was rund um die Uhr, Tag ein, Tag aus stattfindet. Die Hölle. In ihr.

Und meine Ich-Seite? Die junge Frau? Sie steht noch da und scheint sich irgendwie aufzulösen. Wie wenn sie aus dem Bild verblasst, verschwindet, wie ein Hologramm langsam unsichtbar wird. Es war nie wirklich Teil dieser Realität. Wohl irgendwie da, aber in Wahrheit nicht in der gleichen Dimension anwesend. Deswegen auch eigentlich unverwundbar und letztlich unbeeindruckt von allem, was da „passiert“ ist.

Jetzt ist sie ganz verschwunden meine junge Erwachsene. Die Mutter steht alleine. Es ist als wäre nie jemand da gewesen. Ich schaue nur noch als Beobachter von weiter weg und leicht oben. Meinen Anteil, der da gestanden hat, fühle ich in meiner Brust, im Herz, zurückgekommen. Es ist, als wäre nichts gewesen. Jetzt ist auch das Bild weg. Ich bin ich. Jetzt. Hier. Spüre die ehemals Kleine in mir. Warm. Wiedergekehrt von einer Reise. Voller Erfahrungen, die sie mitbringt, in sich trägt, in mich trägt.

Gänsehaut. Stille, friedliche Gänsehaut, die ein Ende bezeugt und irgendwie auch einen Anfang, ein Neu-Sein. Ruhe. Das Gewesene fühlt sich wie ein blasse Erinnerung von weit weg an. Ein vergilbtes Foto aus einer längst vergangenen Zeit, verschwommen, nicht richtig zu erkennen und auch total unwichtig für das Jetzt. Ein Windstoß wirbelt es auf und trägt es weg. Ich wende den Blick ab, dreh mich um und geh meiner Wege.



Freitag, 3. Juli 2026

Ohne Ich kein Wir - ein inneres Kind begreift

"Ich hab versucht, mit Menschen über ein Wir zu sprechen, die noch nicht mal im Ich angekommen waren."
Die Erkenntnis hatte gerade eine Kleine von mir und die knallt so richtig rein. Also die Erkenntnis... Es wird so schnell so deutlich, was von Erwachsenen zu erwarten ist, die noch nicht mal bei sich selbst angekommen sind, die von einem Ich, IHREM Ich überhaupt gar nichts wissen, mit sich selbst Null Komma Null in Verbindung sind.

Wie sollen diese Menschen ein Gefühl für jemand anderen und einen gemeinsamen Raum haben, wenn sie noch nicht mal ein Gefühl für sich selbst haben? Wie sollen sie begreifen, um was es mir als Kind geht und was ich für meine Entwicklung brauche, wenn sie keine Idee davon haben, was sie eigentlich bräuchten und was ihnen fehlt und was das hier überhaupt alles soll dieses Leben?

Mit dem Anerkennen dessen, dass bei den Erwachsenen meiner Kindheit überhaupt keine Individuation stattgefunden hat, keine Selbstfindung, ist für die Kleine auf einmal so sonnenklar, dass da nichts zu wollen ist, nichts "zu holen", nichts zu erwarten, nichts Brauchbares da, weder für meine Entwicklung, noch für ein Wir, für gemeinsam Leben geschehen lassen.

Ohne Ich kein Wir. Ohne Ich kein Gott. Ohne Ich kein Fluss. Ohne Ich keine Anbindung. Ohne Ich keine Ordnung. Ohne Ich kein Raum. Ohne Ich kein höherer Sinn. Ohne Ich fehlt einfach ALLES. Das ALLES.

Die Kleine erlebt sich auf einmal nicht mehr als klein. Die Erwachsenen sind keine Erwachsenen mehr. Die Kleine hat verstanden, dass sie damals schon so viel weiter entwickelt war, als alle anderen zusammen. Die Größenverhältnisse haben sich verschoben. Die "Erwachsenen" sind miniklein. Meine Kleine hat sich hunderte Meter weit über alles ausgedehnt. DAS ist ihr Bewusstsein damals schon gewesen.

Alles, was diese "Erwachsenen" jemals von sich gegeben haben, erscheint plötzlich in ganz anderem Licht. Es ist fast lachhaft. Die Kleine schnaubt nur belustigt. Das Bild sieht aus, als würde sie auf eine kleine Lego-Landschaft schauen und die winzigen Figuren mit hohen Stimmchen aus der Ferne große Reden schwingen hören. Wer könnte das ernst nehmen? Meine Kleine auf jeden Fall nicht mehr. Sie ist völlig unbeeindruckt von all dem, hört gar nicht mehr hin und schaut auch gar nicht mehr hin. Sie hat das Interesse verloren. Das ist ja totenlangweilig, was die da brabbeln. Das Spiel ist langweilig. Da reizt nichts mehr dran.

Sie steht auf und geht. In ihr Leben, auf ihrem Weg. Im Gehen wird die Kleine erwachsen, wird älter, kommt in meinem jetzigen Alter an. Sie ist straight ihren Weg gegangen. Ohne Vertun. Ohne Kompromisse. Sie hat sich nicht aufhalten lassen. Von keinem einzigen Unkenruf, der von der Seite reingerufen wurde. Sie hatte ihren Blick auf etwas am Horizont gerichtet und darauf ging sie unentwegt zu, wie die Hirten damals dem Stern gefolgt sind.

Es ist, als hätte sie die Wahrheit am Horizont gesehen. Die Wahrheit über das Menschsein, über ein gesundes Ich, über Miteinander, über ein echtes Wir und das große Ganze hier. Das war ihr Leitstern. Und jetzt sitzt sie an ihrem Platz, im Schneidersitz, die Augen zu, total selig und beseelt, erfüllt, wissend, angekommen, satt, höchst zufrieden, empfangend, jedes einzelne neue Jetzt empfangend, präsent, warm, bereit, gelassen. Das verkörpernd, was sie schon immer geahnt hat.



Mittwoch, 1. Juli 2026

Es gibt keine Täter mehr

Der Weg hat sich so unfassbar gelohnt. Lohnt sich noch. Der Weg ins Sein. In die Ganzheit. In die Wahrheit. Jede durchwanderte, durchfühlte, erforschte, berührte, genommene, durchlebte und erlöste Untiefe. Jede Hölle, die im Anerkennen von allem, was sie für mich bedeutet hat, zum allergrößten Segen wurde und einer endlos tiefen Mitgefühlsbefähigung, wie nur das eigene Erfahren und Durchdringen es zu tun vermag.

Ganz in meinen Schuhen stehen, ganz bei mir und in meinem Erleben stehen. Frei von Schuldzuweisung an mich oder andere, frei von Vorwurf, mit einem wachen "so ist es gewesen". Was damals gewesen ist oder eben nicht gewesen ist, hat DAS - in vollem Ausmaß jetzt durchfühlbar - für mich bedeutet.

Und ich bemerke eine Veränderung. Der Weg wurde tatsächlich mehr und mehr zum Sein. Die Prozesse laufen weit schneller, der immer größer gewordene Fühlraum, die Reife, Tiefe und Weisheit kommen zum Tragen und tatsächlich ist eines am bemerkenswertesten: Es gibt keine Täter mehr.

So vollkommen und dermaßen das Meine anzuerkennen und komplett und immerzu erstmal Mitgefühl für mich zu haben, den Kleinen in mir Vorrang vor allem anderen zu geben, hat dazu geführt, dass meine Not nicht mehr die Sicht auf die Not hinter den "Taten" der anderen versperrt. Die so wertvollen Offenbarungen der Dynamiken und heftigen Nöte, Gefühle und Dilemmas, hinter den Handlungen, die als Kind die Hölle für mich bedeutet haben, die vor allem Christian und Miriam mir zuteil haben werden lassen, haben das Übrige dazu beigetragen.

Mit den echten Gefühlen hinter den Handlungen meines (damaligen) Gegenübers, die bis dahin immerzu so überhaupt nicht nachvollziehbar und höchst verwirrend für mich waren, hat ein Begreifen stattgefunden, wie noch nie. Und damit einhergehend eine Selbstbildkorrektur nach der anderen. Die kindlich falschen Rückschlüsse über mich und aber auch über die anderen wurden korrigiert, Urteile zurückgenommen und mit der Wahrheit des Moments ersetzt, die mir bis dahin noch nie jemand mit diesen Verwundungen und Überlebensstrategien gezeigt hat.

Nun ist da eine Art Vollständigkeit, die komplett neu ist. Ein Frieden und eine Entspannung, die nur da sein können, wenn es "da draußen" keinen "Feind" oder "Täter" mehr gibt. Da ist kein "die und wir" mehr, das eine unüberbrückbare Kluft zwischen sich trägt. Die beiden so dermaßen unterschiedlichen Innenwelten sind verbunden, die Trennung ist aufgehoben. Es ist geschaut und anerkannt und vor allem zutiefst verstanden und mitgefühlt.

Mein "safe place" ist jetzt überall. Natürlich erstmal in mir, aber es gibt "da draußen" nichts mehr, was mich ob des totalen Unverständnisses in Nöte bringt, weil ich nicht damit umzugehen wüsste. Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Angriffe, Unnahbarkeit, innerlich abwesende Menschen - meine Kinder, die das erfahren haben, sind betreut UND ich kenne jetzt das "dahinter" und damit hat es per se seinen Schrecken für mich verloren.

Während ich das tippe, kommt eine unglaubliche Berührung, Demut und Dankbarkeit, so eine Ehrfurcht vor dem Weg vor der Bereitschaft, weil not-wendig, immer wieder dem scheinbaren Endgegner zu begegnen und zu bleiben, bis es tatsächlich durchdrungen, begriffen, erfasst und erlöst ist. Bis die Wahrheit offenbar ist. Mit der Wahrheit kommt direkt dieser enorme Frieden.

Keinen Millimeter von diesem fucking herausfordernden Weg würde ich hergeben wollen. Nichts hätte mich dahin bringen können, wo ich jetzt bin, als genau DAS und genau SO.

HALLELUJA!!! Wildes, brennendes, starkes Herz! 🔥❤️🔥 Danke an alle, die es dafür gebraucht hat.


  

Samstag, 27. Juni 2026

Liebe ist das ALLES

Vorhin waren da noch Worte dazu. Jetzt sind da keine mehr. Nur mehr ein tiefes Fühlen von genau dem. Ein Gewahrsein. Ein "das sein". Diese Liebe sein. Darin sein. Sie in mir. Ich in ihr. Diese Liebe ist für mich Gott. Das ALLES.

Oder wie Natalie (ihr Nachname ist mir tatsächlich unbekannt) es kürzlich so treffend und einleuchtend formuliert hat: "Warum sollte ich etwas verurteilen, was ist? Durch die Verurteilung hört es ja nicht automatisch auf, zu existieren!"

Nachtrag 03.07.26:

Ich meine damit die Anwesenheit von allem IN mir. IN mir darf alles da sein. Das mag ich gerade nochmal betonen! Ausdrücklich. Diese "allumfassende" Liebe wird so oft zur größten Gewalt gegen sich selbst, wenn sie so verstanden wird, dass ich vom anderen alles da sein lassen soll, ohne irgendwelche "negativen" Gefühle haben zu dürfen. IN mir darf alles anwesend sein! 🔥❤️🔥

 


Donnerstag, 25. Juni 2026

Wenn du als Kind gewusst hättest...

“Wenn du als Kind gewusst hättest, dass nicht du falsch bist, sondern deine Eltern noch zu lernen und Arbeit mit sich haben - wie hätte das deine Welt verändert?” Alexandra Köhler in "Echte Nähe zum Kind"


Diese Frage hat mich vorhin beim Blättern im Buch angesprungen und so einige innere Kinder von mir wurden auf einmal hellwach. Was DAS für eine Information gewesen wäre!?!? Was das für eine heilsame Information IST!!!

All die verwirrenden, schrägen, verletzenden, höchst irritierenden Situationen wirken mit der Info an die inneren Kinder, dass mit ihnen alles in bester Ordnung ist und die Eltern, die Erwachsenen noch einiges zu lernen und an innerer Arbeit zu tun haben, gleich ganz anders. Es wird direkt in ein anderes Licht gerückt. Der Umstand ist anerkannt, dass da ganz viel nicht stimmt, nicht in der Ordnung ist und nicht so, wie es gehören würde, wie es gedacht ist. Auf einmal ist es nicht mehr "einfach richtig", was die Erwachsenen machen, weil sie halt die Erwachsenen sind.

Es ist, als würden die inneren Kinder über den wahren Zustand der Eltern aufgeklärt werden und ab da wüssten sie Bescheid, wüssten sie, was Phase ist und wie sie alles einzuordnen haben. Sie kämen nicht auf die Idee, sich von den Eltern das Leben erklären zu lassen oder sich verunsichern zu lassen. Sie würden ihnen ihre Weisheit kundtun und zwar in vollster Überzeugung und unverrückbar. Auf einmal wären sie die Lehrer und zwar die besten und wahrhaftigsten. Sie haben auf einmal keinerlei Zweifel mehr an sich.

Alles ist zurecht gerückt. Jeder steht an dem Platz, an dem er sich tatsächlich gerade befindet, was emotionale Reife, Bewusstheit und geistige Gesundheit angeht. Keine Rollen mehr, keine Hierarchien, keine Masken, die etwas anderes vormachen. Einfach die Wahrheit über die menschlichen Zustände, die Verfassung der Großen.

Diese Frage hat für mich so einen Aha-Effekt. Wie wenn meine inneren Kinder sagen würden: "Ach so! Na dann! Jetzt versteh ich das alles. Deswegen ist das hier so komisch. Dann brauch ich mich davon ja nicht beeindrucken zu lassen."

Ich bin unglaublich gespannt, was die Frage mit euch macht. 😍



Donnerstag, 4. Juni 2026

Gottes Intelligenz ist nie nicht da

In den absurdesten Momenten flüstert ER mir zu: "Vertrau der dem innewohnenden Weisheit!" Sie ist vielleicht nicht direkt sichtbar, so gar nicht und war rückblickend doch immer da. Gottes Weisheit ist immer da. Sie ist nie nicht da. Oder wie Kathi sagen würde: "Was ist daran richtig, was ich noch nicht sehen kann?"

Genau in den haarsträubendsten Situationen werden innere Kinder berührt, die ich sonst niemals gefunden hätte. In den widrigsten Umständen entsteht Klarheit für mich, über mich, geschieht Selbsterkenntnis und Heilung.

Mit der Gewissheit, dass daran irgendetwas wichtig und richtig für mich sein muss, weil es sonst nicht da wäre, halte ich automatisch Ausschau nach der Intelligenz Gottes und was er sich dabei wohl gedacht hat. Ich halte Herz und Augen auf für das Geschenk, das unweigerlich darin verborgen liegt. Und vor allem fälle ich mit diesem Blick kein Urteil über mich, das sagt, dass ich etwas falsch gemacht haben muss, weil ich sonst nicht in dieser Situation wäre oder das es falsch wäre, in der Situation zu bleiben. Zum Forschen, Erfahren und Geschenke finden, kann ich überall sein.

Es braucht "nur" den Raum für die Entfaltung von alledem, die Kontaktbereitschaft damit. Diese Bereitschaft habe ich in der Intelligenz Gottes immer. Seine Brillanz und Perfektion in der Orchestrierung, sein Timing und seine Güte in all dem hauen mich immer wieder um.

DAS ist für mich die Herrlichkeit Gottes in der Erfahrung.


Donnerstag, 28. Mai 2026

Ich denke nicht in Fehlern oder Schuld

Ich denke nicht in Fehlern. Ich glaube schon gar nicht an Fehler. Weder ich noch jemand anders, noch das Leben an sich macht Fehler.

Ich denke nicht in Schuld. Ich denke, wenn überhaupt, in Ursache und Wirkung, in Aktion und Reaktion und vor allem in absoluter Sinnhaftigkeit.

Tatsächlich geht es gar nicht wirklich ums Denken. Es fühlt sich eher an, als wäre ich außerhalb dieser Erfahrungsräume, als wären sie auch überhaupt nicht mehr betretbar für mich. Interessant ist, dass mir das früher sehr wohl vertraut war. Ich weiß das, ich kann es aber nicht mehr fühlen. Nichts davon ist mehr in mir lebendig oder wieder wach zu rufen. Wie ausgelöscht.

Mein ganzes Sein kennt heute weder Fehler noch Schuld. Wenn Menschen davon sprechen, bin ich höchst irritiert. Es ist befremdlich für mich. Diese Prinzipien oder Ideen, oder wie immer man es nennen könnte, sind mir fremd und haben nach meinem Empfinden rein gar nichts mit unserer wahren Natur zu tun. Ich kann so überhaupt nicht in die Welt schauen. Ich habe diesen Blick nicht.

Fehler und Schuld sind für meine Begriffe zwei Erscheinungen, die nur in der Illusion der Trennung auftauchen können und mit dem Gewahrsein darüber, wer und was ich wirklich bin sofort verschwinden müssen. Es geht gar nicht anders. Beides gleichzeitig kann aus meiner Sicht nicht existieren.

Ich sehe und beobachte wie diese zwei Überzeugungen oder Grundannahmen eine heilsame Selbstbegegnung unmöglich machen. Egal, ob ich die Schuld bei mir oder bei anderen sehe, egal, ob ich die Fehler bei mir oder bei anderen sehe, ist es ein Nein zu etwas, was existiert. Wenn ich mich innerhalb von der Idee von Fehlern und/oder Schuld bewege, wird der Beobachter in mir immer ein Bewerter sein, der in gut und schlecht einteilt, der verbietet oder anstrebt. Innerhalb dieser Ideen werde ich nie ganz da sein dürfen, werden immer Anteile und Seiten von mir abgetrennt. Innerhalb von Fehlern und Schuld findet bei all dem äußerem Kampf letztlich immer Selbstgewalt und innerer Kampf statt.

Es gibt aus meiner Sicht Schmerz, der erst aufhören kann, wenn eine Lebenslüge durchschaut ist. Der Schmerz aus Schuld und Fehlerhaftigkeit gehört für mich genau in diese Kategorie.



Dienstag, 3. März 2026

Eine Reise durch meine Zahnprozesse - erlösende Kapitulation

Das Thema Zähne und die Wahrheit über Zähne und deren Symptome beschäftigt mich schon seit vielen Jahren. In den letzten Wochen war es immer wieder sehr intensiv da. Alter Schmerz, kindliche Nöte, totale Überforderung. Ich hab mich durchgefühlt. Schicht um Schicht. Die Erkenntnisse sind so essentiell für mich.

Gerade heute gab es eine Art tiefste Kapitulation in dem Zusammenhang. Ein innerer Anteil hat aufgegeben.

Ich mag euch mitnehmen auf meine innere 🦷-Reise der letzten Wochen bis zum Ergeben heute. Ich lade euch ein. ❤️

PS: Ich merke gerade wie die Audio im Grunde eine Erweiterung und Fortsetzung zu meinem Text von gestern ist. "In Gott wurzeln"...

Hier geht es zur Audio:  https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2652

 


Montag, 2. März 2026

In Gott wurzeln

Ich hab DICH vermisst. In der Kindheit. Unendlich vermisst. Konnte DICH nirgends da draußen finden. Nichts hätte ich mehr gebraucht, als DEINE Gegenwart, den Raum, der DU bist, gelebt, präsentiert durch Menschen, zu finden in meinem Zuhause der Kindheit.

Aber da warst DU nicht. Ich konnte DICH in keinem antreffen. Niemand hat DICH verkörpert. In keinem konnte ich DIR begegnen. DU hast mir so gefehlt. Nirgends hatte ich den Halt, um meine Wurzeln zu schlagen. Nirgends fester Grund. Nur Geröll. Nur notdürftige Scheinstabilität. Leere. Substanzlosigkeit. Gottlosigkeit. Der Schmerz darüber im Kiefer gespeichert, die Zähne symbolisch ohne Wurzeln, ohne gutes Fundament.

Jetzt hab ich DICH wieder und kann umso mehr spüren, wie sehr DU mir als Kind gefehlt hast, wie sehr ich DICH vermisst habe, wie sehr ich es gebraucht hätte, in DIR zu wurzeln.

In Gott wurzeln. Mit DIR und in DIR groß werden, DEINEN Halt spüren, DEINE Liebe, DEINE Wärme, DEIN Michumgeben, eingebettet sein in DIR, zu jeder Zeit um DICH wissen, DICH spüren und hören.

Ich weine. Ich weine für die Haltlosigkeit der Kleinen. Ich weine für die Leere von damals. Ich weine, weil das Vermissen, das Fehlen von früher endlich einen Namen hat. Ich weine vor Erleichterung, weil jetzt alles richtig ist, ich endlich wieder in DICH hineingesunken da sein kann.

In Gott wurzeln. Nachträglich. Rückwirkend. Die Kleine kommt heim. Zurück zu DIR. Zu mir. Die Dunkelheit und Düsternis von damals haben ein Ende. Licht und Wärme ziehen ein in das Kinderherz, in das Kinderzimmer. Da ist nicht mehr nur ein Schutzengelbild an der Wand und darüber hinaus graue, kalte, beängstigende Einsamkeit und Unstimmigkeit. Jetzt ist alles erfüllt von DIR. Die Kleine weiß und fühlt die Wahrheit, DEINE Wahrheit, DEINE Gegenwart, DEINE Liebe, DEIN Wohlwollen, DEINE Wärme, Güte und Weisheit.

Dieses Mädchen geht sicher und stabil in der Welt, ihren Weg, DEINEN Weg. Sie leuchtet regelrecht und strahlt, sie ist erfüllt und ihre Augen funkeln wissend. Endlich hat alles den Sinn, die Ordnung, um die sie immer irgendwie gewusst hat, sie aber nirgends in der Welt, in ihrem Umfeld, in ihrem Leben finden konnte.

In Gott verwurzelt. Sie. Endlich. Zu Hause. Danke für diese heilige Korrektur.


 

Mittwoch, 18. Februar 2026

Uns wurde in der Kindheit eine erdrückende Macht zugesprochen

Die meisten wurden in ihrer Kindheit mit einer ungesunden Allmachtsfantasie ausgestattet. Uns wurde von den Eltern eine Macht zugewiesen, zugesprochen, zugeschoben, die uns überhaupt nicht gehört. Uns wurde erzählt, dass wir es in der Hand haben, ob für die anderen eine Welt einstürzt. Emotional. Das emotionale Wohlbefinden der Eltern und anderer Erwachsener lag anscheinend in unserer Hand. Unser Verhalten, unser SoSein schien darüber zu entscheiden, wie es ihnen geht. Das wurde uns wieder und wieder vermittelt.

Oft wussten wir noch nicht mal, mit was wir das ganze Entsetzen auslösen konnten, aber wir taten es offenbar. Es passierte ja wieder und wieder und die Botschaft war immer die gleiche: Wegen DIR geht es mir so.

Wir waren verantwortlich – schuld – wenn sie traurig waren, enttäuscht, schlaflose Nächte hatten, sich Sorgen machen mussten, wütend oder ohnmächtig „wegen uns“ waren, nicht mehr weiter wussten, verzweifelt, ratlos waren. Wir alleine waren anscheinend befähigt für Wohl oder Weh der Eltern zu sorgen. Darin kam es nicht vor, dass es da womöglich eine eigene Verantwortung für sie gäbe, dass sie selber für ihr emotionales Wohlbefinden zuständig wären. Das wurde nicht vermittelt. Nicht im Ansatz.

Es schien immer wieder so zu sein, dass wir das Leben anderer auf eine unangenehme Weise beeinflussen konnten, zu der nur wir in der Lage sind. Da gab es keine höhere Ordnung. Da gab es keinen Blickwinkel, der von einer Weisheit sprach, in der immer das Richtige geschieht, auch wenn es grad weh tat. (Damit meine ich, was Kinder in Eltern auslösen, nicht was Eltern Kindern zufügen.) Da gab es keinen Gott, keine höhere Macht, keine wirkende Intelligenz, in die wir alle eingewoben sind.

Wir waren für den Schmerz der Erwachsenen verantwortlich, den wir gar nicht ursächlich bewirkt hatten. Gleichzeitig waren sie aber nicht für den Schmerz verantwortlich, den sie in uns tatsächlich verursacht haben. Also wenn wir Schmerzen hatten, emotional wie auch körperlich, waren wir ebenfalls selber schuld.

Die ganze Welt auf unseren Schultern. Die der Eltern. So wie unsere eigene. Im Grunde wurde uns als Kind gesagt, wir wären auf eine sehr schräge Weise Gott oder sogar mächtiger als er.

Natürlich hat sich in uns abgespeichert, dass wir vorsichtig sein müssen, übervorsichtig, dass wir uns zurückhalten müssen, zügeln, dass wir ganz viel falsch machen können, Erwachsenen und uns selbst ursächlich Schmerz zufügen können und deshalb unglaublich aufpassen müssen, alles im Auge behalten müssen, für andere mitdenken und -fühlen, ja, dass wir eine zerstörerische Urgewalt sind oder zumindest eine in uns tragen. Natürlich ist da die Idee, dass für alles „Unheil“ – ob im Umfeld oder bei uns selbst – die Ursache in uns zu suchen ist.

Der Druck dieser unwahren Allmachtszuweisung ist fürchterlich, ja eben erdrückend und vor allem so unfassbar weit von der Wahrheit entfernt. Diese krasse Lebenslüge macht Beziehungen erst toxisch. Die einen nehmen die Schuld nur zu gerne und die anderen haben die Nase voll von der Schuld und weisen ALLES von sich, auch die eigene Verantwortung. Die Wunde ist die gleiche. Nur der Umgang damit ein völlig anderer.

Für mich ist eines wahr: Es ist nicht möglich als Kind bei den Eltern einen emotionalen Schmerz ursächlich zu setzen. Umgekehrt schon. Es ist nicht möglich als Erwachsener (ohne Einsatz von körperlicher Gewalt oder Waffengewalt) bei einem anderen Erwachsenen einen emotionalen Schmerz ursächlich zu setzen. (Etwas in mir überlegt und prüft und scannt alle Eventualitäten und gleichzeitig bleibt diese Wahrheit in mir da.)

Es gilt für meine Begriffe, diese falsche Macht als unwahr zu erkennen und die wahre Macht und Ordnung anzuerkennen.



Montag, 2. Februar 2026

Was nicht da sein darf, kann nicht erforscht werden

Eine Erinnerung (an mich selbst)

Etwas erforschen, was mich unangenehm berührt, was ich lieber wegschieben würde, was ich lieber nicht hätte, bedeutet zu allererst, den Anteil zu bemerken und anzuerkennen, der es eben genau nicht will, der überfordert ist, der in Angst und Panik gerät, sich dem nicht gewachsen fühlt. Er ist Dreh- und Angelpunkt. Er braucht mich im Grunde am meisten, bevor ich mich überhaupt dem Symptom (den Begriff meine ich seeeehr weit gefasst) zuwenden kann. Dieser Anteil verhindert den echten Kontakt, weil es meist für ihn ums nackte (emotionale) Überleben geht.

Etwas erforschen bedeutet, damit in Kontakt zu gehen, es innerlich in die Hand zu nehmen, in Beziehung zu gehen, mich davon berühren zu lassen, es anzuschauen, diesem Etwas zuzuhören, ihm tatsächlich zu begegnen und mich in diesem Kontakt zu beobachten. Das Erforschen beinhaltet eben auch all die Teile, die dagegen sind. Sie wollen nach Hause - zu mir.

Wenn ich etwas kategorisch verneine, ob Symptom oder Anteil, ohne vorher eine Beziehung dazu gehabt zu haben, existiert es getrennt von mir und ich muss es mit Kraftaufwand von mir fernhalten. Es wird wieder kommen. Es will Inklusion. Es will gesehen und anerkannt werden in der bloßen Existenz. Mit jedem Auftauchen scheint es zu sagen: "Mich gibt es auch. Sieh hin."

Wenn ich eine geklärte Beziehung dazu habe, kann ich immer noch Nein sagen und dieses Nein wird ruhig und klar sein, keine Kraft kosten und einfach SEIN.

Ich kann mich sehr schnell prüfen, ob die Beziehung zum Symptom bzw. zum Anteil geklärt ist. Ein innerlich aufgebrachtes "damit will ich nichts zu tun haben" schiebt meist etwas weg, was sich bedrohlich anfühlt. Ein "Nein", das eher von einem Schulterzucken geprägt ist und mit einem "ich wüsste nicht wofür" einhergeht, spricht schon eine ganz andere Sprache. Es hat keine Ladung mehr.

Es gibt auch die Scheinakzeptanz, die sagt: "Ja, ja, das darf da sein" und innerlich geht der Satz eigentlich weiter mit "damit will ich aber nichts zu tun haben, lass mich in Ruhe damit".

Wenn ich tatsächlich mit etwas im Frieden bin, dann kann ich mich davon berühren lassen, in Kontakt gehen oder hinschauen. Dann darf es da sein. Es kann neben mir existieren, weil es durch die Beziehung erspürt ein Teil von mir ist. Es ist mir nicht fremd und damit keine Bedrohung mehr.

Erforschen ist für mich Beziehungsarbeit, die Möglichkeit zur Klärung all dessen in mir, was eben noch unergründet ist und deswegen Unsicherheit auslösen kann. Erforschtes Gebiet macht keine Angst mehr. Ich hab mich dazu in Bezug gesetzt. Wenn ich weiß, womit ich es zu tun habe (in mir und um mich), ist der Spuk vorbei. Es hat keine Macht mehr über mich, ohne dass ich das angestrebt habe. Es geschieht einfach irgendwann in der Begegnung.


 

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Es ist nichts mehr übrig

Es ist nichts mehr übrig. Kein Streben hin zu. Keine Ideen. Keine Vorstellungen. Keine Deutungen von Wahrzunehmendem. Kein Wollen.

„Es ist nichts mehr übrig.“ Der Satz war die letzten Tage immer wieder fühlbar so präsent.

Nichts mehr übrig. Weder was mein „Wirken“ angeht oder irgendwas, was man gemeinhin Beruf oder Berufung nennen könnte, Zusammenarbeiten, Co-Kreationen, Geldverdienen, Lebenssinn, Selbstverwirklichung, etc. noch was Ehe, Beziehung, Mann/Frau-Sein betrifft.

Da ist nur mehr Sein. Der Moment. Einheit in mir. Harmonie. Kein Teil in mir streckt die Arme aus und will außerhalb von mir nach etwas greifen. Jetzt wo ich das Nichtmehrgreifen fühlen kann, wird so deutlich wie sehr das Greifenwollen vorher da war. Es ist soooo verrückt, diesen krassen Kontrast zu spüren und vorher nicht in der Lage gewesen zu sein, das überhaupt zu bemerken. Es war ja so „normal“ für mich, dass da immer dieser innere Zug da war.

Und jetzt?

Ich bin. In mir eine unglaubliche, nie gekannte Ruhe. Frieden. Einverstanden sein.

Morgen? Übermorgen? Definitionen von irgendwas? Pläne? Hintergründe?
Schulterzucken! Alles irrelevant.

Die letzten Jahre - vor allem die nun beinahe drei Jahre mit Christian - hat eine unglaubliche Läuterung stattgefunden. Ein einziges großes Sterben von unbewussten Ideen, von soooo vielem, was wirkte und aber nicht stimmte, nicht übereinstimmte mit der reinen Wahrheit. Es hat sich vor allem gezeigt, was wir nicht sind, was ich nicht bin.

Es hat eine Reifung und Klärung in mir und zwischen uns stattgefunden, die ihresgleichen sucht. Es haben sich Höllen und Untiefen in mir aufgetan, von denen ich niemals vermutet hätte, dass sie da sind.

Übrig ist ein weiter, freier Raum. Stille. Hingabe. Harmonie. Präsenz. Ein Einklang in mir, unter dem nichts mehr unruhig vibriert und seinen Platz sucht. Kein Stress solcherart mehr im System. Kein Untergrundrauschen. Keine Fragen, die über den Moment hinausgehen. Kein Wissenwollen. Kein Suchen. Kein Drängen. Keine Befürchtungen, etwas zu verpassen. Nämlich mich. Was, wie ich heute weiß und sagen kann, alles inneren Kindern gehörte, die versuchten, ihren Platz in der Welt zu finden, auf diese und jene Verwirklichung nach wir vor gewartet haben, auf eine ganz bestimmte Art des Ankommens.

Ich beobachte diese nachhaltige, einträchtige Ruhe in mir nun schon einige Wochen. Alles in mir ist an Ort und Stelle. Da wo ich gerade bin mit dem, wie es gerade ist. Diese Nachhaltigkeit beeindruckt mich wirklich am meisten. Da scheint etwas am Fundament geschehen zu sein, ganz grundsätzlich. Es gibt kein hin und her zwischen alt und neu. Die Unruhe flammt nicht mehr auf, das Getriebensein. Zumindest bisher nicht.

Und all das hab ich nicht angestrebt. Ich war nicht auf der Suche nach Ruhe und Frieden. Ich war und bin ja immer voll einverstanden mit allem Wogen und jeder Welle. Da ist was passiert, von dem ich überhaupt nicht wusste, dass es das gibt. Gerade jetzt, wo ich das schreibe, fällt mir ein Satz von Kathi ein, der passender nicht sein könnte: „Ich liebe es, wenn genau das Richtige dabei rauskommt.“

Was dieses Richtige ist, davon hab ich vortrefflich so gar keine Ahnung. Ich weiß es vorher nie. Das weiß ich staunender Weise immer erst dann, wenn es da ist, ohne dass ich es je wollte.

Es ist wohl das friedlichste und erfüllteste Weihnachten, das ich je hatte, so sehr beschenkt vom Leben mit Desillusionierung. Im Grunde habe ich nichts von dem bekommen, was ich (Anteile) dachte, dass sein müsste. Es wurde eher ganz viel weggenommen, ganz viel hat eben nicht stattgefunden und dafür das, was wirklich relevant war. Was für ein Segen! Was für ein großer, großer Segen!

 

Nachtrag:
Im Grunde kann ich dieses untergründige Streben auf eine einzige Frage reduzieren, die immer unter allem da war: Wann geht es denn endlich los (mein Leben)?

Nachtrag 2:
Mich fasziniert es so dermaßen, dass das alles irgendwie nach nichts Neuem klingt, was ich da geschrieben habe, und dennoch so komplett alles Erleben in mir verändert. Mir war danach, ein paar Worte dazu zu sagen: https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2620