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Mittwoch, 29. Juli 2026

Mein Leben hat endlich Platz!

Frei von irgendwelchen bindungstraumatischen Abhängigkeiten. Frei von irgendwie allem. Entheddert. Entmischt. Sortiert.

Nicht nur für eine kurze Zeit oder irgendwie nebenbei, trotz alle dem oder mit diesem "jetzt erst recht".

Der Raum muss nicht mehr erkämpft werden, mühevoll saubergehalten oder geteilt mit den Ansprüchen/Problemen der "Bezugspersonen". Ich brauche nichts mehr von ihnen, um in mein Leben zu kommen. Ich bin nicht mehr für die verantwortlich, die ich gebraucht hätte. Ich muss nicht mehr dafür sorgen, dass sie ihren Job machen oder überhaupt erst dazu befähigen.

Der Raum steht komplett mir zur Verfügung. Es gibt keine Notwendigkeit mehr, das Chaos, die Baustellen der Beziehungspersonen reinzunehmen. Ihre unbearbeiteten Akten landen nicht mehr auf meinem Schreibtisch. Niemand in mir hat noch einen Annahmeautomatismus oder eine Bearbeitungspflicht.

Es war auch diesbezüglich dieser 10. Juli. Ich hatte an anderer Stelle berichtet. Da hat das geendet. Ab da hatte ich endlich tatsächlich die Hände frei und Raum und komplett mich für mich. Mein Leben hing nicht mehr von irgendeiner Bewusstheit der anderen ab. Bis dahin gehörte mein innerer Raum nicht komplett mir und mein Leben irgendwie auch nicht.

Mir wurden wieder und wieder Akten zur Prüfung reingereicht, nur um wieder und wieder festzustellen, dass sie mir nicht gehörten. Der Zustrom hörte nicht auf. Dauerbeschäftigung. Das Ergebnis war immer das gleiche: Nicht meins. Und dennoch kamen neue und ich "musste" mich damit beschäftigen.

Bis zu diesem Tag.

Seither sprudelt es unablässig in mir. Pure Lebensfreude. Tatsächliche Freiheit. Der Raum gehört mir. Da ist nur mehr meins. Mein Leben gehört mir bzw. IHM. Hummeln im Arsch. Flausen im Kopf. Vorfreude, ohne zu wissen worauf. Einfach so.

Das ewige "mir mein Leben stehlen müssen", die Lücken finden, die schönen Momente stibitzen, bevor das Doofe, Schwere wieder kommt, mir Platz erkämpfen müssen, immer wieder "eingefangen" werden und das Damokles-Schwert "Du wirst schon noch sehen!" sind verschwunden.

Mein Leben gehört komplett mir! Zum allerersten Mal!!! Unbeeinflusst. Ganz und gar. Endlich hab ich tatsächlich einfach so Platz und Zeit und Raum für mich und meins.

ZUM ALLERERSTEN MAL! 🥲🥲🥲🙏🏼🙏🏼🙏🏼🙏🏼🙏🏼🔥🔥🔥🔥🔥


Dienstag, 21. Juli 2026

Heil(ich)räume - via Zoom

Ich mag da sein.
Wieder und wieder.
Mit euch. Für euch.
Für mich. Für uns.
Für Gott. Mit Gott.
Fürs Leben.
Damit es geschehen kann.

Da ist gerade so ein Zug drauf.

Deswegen eröffne ich auch diese Woche Räume. Räume zum Geschehenlassen. Räume zum Sein, zum Fühlen, zum Erinnern, zum Erkennen, zum Verstehen, zum Schweigen, für eben genau das, was gerade sein soll in diesem gemeinsamen Feld, im Miteinander.

Ich lade euch ein. Ich rufe zusammen.

Von Herzen, mit Herz
🩷 Anja 🩷


Anmeldung Donnerstag | 23.07. | 10 Uhr
Anmeldung Freitag | 24.07. | 19 Uhr
Anmeldung Sonntag | 26.07. | 10 Uhr


👉🏼 Mein Wirken, dieser Raum, hat keinen festen Preis. Ich wünsche mir ein feines, aufrichtiges Erspüren der Stimmigkeit und Ordnung für Geldliebefluss, Wertschätzung, Ausgleich in meine Richtung.

Danke für dein Handeln nach Intuition! 🙏🏼

Bankverbindung:
Revolut Bank UAB (Zweignied. Deutschland)
IBAN: DE37 1001 0178 1975 4331 26
BIC: REVODEB2

www.paypal.me/AnjaReiche


PS: Und wieder mag ich sagen, dass genau das auch immer in einer 1:1-Begegnung mit mir stattfinden kann. Wenn das für dich stimmiger ist, als in einer Gruppe, melde dich gerne per Mail (mail@anja-reiche.de).

Donnerstag, 16. Juli 2026

Turning-Point?

Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich voll Lust hatte, ein Video aufzunehmen, von mir zu berichten und in Gänze sicht- und fühlbar zu sein. Heute ist es passiert. 🙃 Es wollte gesprochen werden und hat sich von selbst entfaltet.

Ich mag euch mitnehmen zu mir hin, in mich hinein, dahin, wo ich gerade stehe und wie ich da bin. Es fühlt sich nach einem Turning-Point an, nach Vollendung und Neubeginn. Etwas ist vollbracht. Etwas Neues, was wahrscheinlich unten drunter immer da war, pulsiert in mir. Der Weg war so unfassbar lang.

Ich lade euch ein, diesen Moment mit mir zu teilen. ❤️

PS: Der Ton ist am Anfang sehr leise. Nach ca. 1 Minute wird es besser. Mit Headset müsste alles recht gut zu hören. Zumindest war das bei mir so, als ich reingehört habe.




Dienstag, 7. Juli 2026

Was könnte sinnvoller sein, als das eigene Menschsein komplett zu verkörpern

Manchmal würde ich gerne transportieren, wie gut es mir in all dem geht. Wie wohltuend, satt und voll dieses Mitmirsein in allen Umständen und unter allen Umständen sich in mir drin anfühlt. Wie viel Lebenskraft, Berührbarkeit, Leichtigkeit, Zufriedenheit, Selbstintimität und Freude das alles freisetzt. Wie krass fein die Anbindung wird, wie klar die Antworten vom Leben IN mir zu spüren sind, wie viel Stabilität und Robustheit das mit sich bringt, genauso wie Flexibilität und Gelassenheit.

Man mag es meinen Texten zufolge, die sich oft mit der Erforschung der schmerzhaften Landschaften in mir befassen, vielleicht nicht glauben, aber ich lache unfassbar oft aus tiefstem Herzen Tränen. Das alles ist nicht schwer oder trübsinnig für mich. Ganz im Gegenteil. Es ist ein einziges Empowerment! Das Leben kann mir durch meine eigene Nähe zu mir so sehr nah kommen, in mich fließen und sich durch mich durch bewegen.

Töne, Klänge, Worte, Beobachtungen, alles findet direkt in mir drin statt. Die Schwingungen sind so stark und wogend wahrzunehmen und davon bin ich so schnell so berührt. Gleichzeitig stelle ich fest, dass Geräusche, die mich früher total gestört und wie weg von mir gebracht haben, diesen Effekt nicht mehr haben. Wie wenn dieses "mich dem ausgeliefert fühlen" durch die Begleitung der inneren Kinder eben ausgeheilt wird. Die Berührbarkeit nimmt extrem zu und das "dem Leben ausgeliefert sein" extrem ab, obwohl ich überhaupt nichts mehr unter Kontrolle habe.

Manchmal macht es mich traurig, naja eher betroffen, wie schnell sich Menschen von dieser tiefen Selbstbegegnung abgeschreckt fühlen, sich abwenden, es als unsinnig, schwermütig, als unnötiges Kreisen um immer das Gleiche betrachten oder gar als krank, lebens- oder weltfremd. Dabei könnten sie sich selbst dabei gewinnen. Eine Nähe, die unten drunter ja doch immer fehlt, egal, was materielle Erfolge vielleicht stattdessen erzählen. Ein Ich, das nicht nur in der Schönwetterlage von einem selbst gemocht wird. Was ist lohnenswerter und sinnvoller als sich selbst nah zu sein und das auch noch gerne, egal, was in mir los ist? Vor allem, was ist wahrhaftiger, als mit dem zu sein, was in mir wirklich gerade lebendig ist? Was ist ehrlicher, als genau das in den Kontakt mit anderen zu bringen? Und was ist sinnvoller, als sich selbst tatsächlich ganz und gar zu leben? Das eigene Menschsein komplett zu verkörpern und damit tatsächlich den Himmel auf die Erde zu bringen?

Ich mag da auf jeden Fall nicht mehr weg. Ich mag jede innere Landschaft in mir. Nichts in meinem Leben war je richtiger und wertvoller als genau das. Schick sieht das auf den ersten Blick freilich nicht aus. Aber für schick bin ich auch nicht hier, sondern für echt.

Eigentlich weiß ich gar nicht so recht, warum ich das schreibe. Wahrscheinlich weil das eben gerade in mir da war. Mehr Grund braucht es ja nicht.😉Auf jeden Fall zwinker ich innerlich all jenen verschmitzt und verschwörerisch zu, die gerade ganz genau verstehen, von was ich hier rede. Danke, dass es euch gibt.😊🙏❤



Freitag, 3. Juli 2026

Ohne Ich kein Wir - ein inneres Kind begreift

"Ich hab versucht, mit Menschen über ein Wir zu sprechen, die noch nicht mal im Ich angekommen waren."
Die Erkenntnis hatte gerade eine Kleine von mir und die knallt so richtig rein. Also die Erkenntnis... Es wird so schnell so deutlich, was von Erwachsenen zu erwarten ist, die noch nicht mal bei sich selbst angekommen sind, die von einem Ich, IHREM Ich überhaupt gar nichts wissen, mit sich selbst Null Komma Null in Verbindung sind.

Wie sollen diese Menschen ein Gefühl für jemand anderen und einen gemeinsamen Raum haben, wenn sie noch nicht mal ein Gefühl für sich selbst haben? Wie sollen sie begreifen, um was es mir als Kind geht und was ich für meine Entwicklung brauche, wenn sie keine Idee davon haben, was sie eigentlich bräuchten und was ihnen fehlt und was das hier überhaupt alles soll dieses Leben?

Mit dem Anerkennen dessen, dass bei den Erwachsenen meiner Kindheit überhaupt keine Individuation stattgefunden hat, keine Selbstfindung, ist für die Kleine auf einmal so sonnenklar, dass da nichts zu wollen ist, nichts "zu holen", nichts zu erwarten, nichts Brauchbares da, weder für meine Entwicklung, noch für ein Wir, für gemeinsam Leben geschehen lassen.

Ohne Ich kein Wir. Ohne Ich kein Gott. Ohne Ich kein Fluss. Ohne Ich keine Anbindung. Ohne Ich keine Ordnung. Ohne Ich kein Raum. Ohne Ich kein höherer Sinn. Ohne Ich fehlt einfach ALLES. Das ALLES.

Die Kleine erlebt sich auf einmal nicht mehr als klein. Die Erwachsenen sind keine Erwachsenen mehr. Die Kleine hat verstanden, dass sie damals schon so viel weiter entwickelt war, als alle anderen zusammen. Die Größenverhältnisse haben sich verschoben. Die "Erwachsenen" sind miniklein. Meine Kleine hat sich hunderte Meter weit über alles ausgedehnt. DAS ist ihr Bewusstsein damals schon gewesen.

Alles, was diese "Erwachsenen" jemals von sich gegeben haben, erscheint plötzlich in ganz anderem Licht. Es ist fast lachhaft. Die Kleine schnaubt nur belustigt. Das Bild sieht aus, als würde sie auf eine kleine Lego-Landschaft schauen und die winzigen Figuren mit hohen Stimmchen aus der Ferne große Reden schwingen hören. Wer könnte das ernst nehmen? Meine Kleine auf jeden Fall nicht mehr. Sie ist völlig unbeeindruckt von all dem, hört gar nicht mehr hin und schaut auch gar nicht mehr hin. Sie hat das Interesse verloren. Das ist ja totenlangweilig, was die da brabbeln. Das Spiel ist langweilig. Da reizt nichts mehr dran.

Sie steht auf und geht. In ihr Leben, auf ihrem Weg. Im Gehen wird die Kleine erwachsen, wird älter, kommt in meinem jetzigen Alter an. Sie ist straight ihren Weg gegangen. Ohne Vertun. Ohne Kompromisse. Sie hat sich nicht aufhalten lassen. Von keinem einzigen Unkenruf, der von der Seite reingerufen wurde. Sie hatte ihren Blick auf etwas am Horizont gerichtet und darauf ging sie unentwegt zu, wie die Hirten damals dem Stern gefolgt sind.

Es ist, als hätte sie die Wahrheit am Horizont gesehen. Die Wahrheit über das Menschsein, über ein gesundes Ich, über Miteinander, über ein echtes Wir und das große Ganze hier. Das war ihr Leitstern. Und jetzt sitzt sie an ihrem Platz, im Schneidersitz, die Augen zu, total selig und beseelt, erfüllt, wissend, angekommen, satt, höchst zufrieden, empfangend, jedes einzelne neue Jetzt empfangend, präsent, warm, bereit, gelassen. Das verkörpernd, was sie schon immer geahnt hat.



Donnerstag, 18. Juni 2026

Wenn die "feste" Bezugsgröße ein Chamäleon ist

Da ist keine feste Bezugsgröße. Die Menschen, auf die ich mich beziehe, sind völlig inkonsistent. Sie verkörpern in ihrer eigenen Zerrissenheit unbewusst so viele „Wahrheiten“ gleichzeitig, die sich völlig widersprechen oder manchmal einfach wie nicht mehr da sind - von jetzt auf gleich - und entsprechend bekomme ich immer wieder Rückmeldung. Alles, was ich glaubte, verstanden zu haben, worauf ich weiter aufbaue und wovon ich ausgehe, ist im nächsten Moment weggefegt. Die ganze Beziehung auf einmal nicht mehr da. Ich dachte, ich hätte Halt, da wäre jemand, den ich einschätzen kann. Ich habe geglaubt, dass er das, was er vorgibt zu sein, auch ist und zwar ganz.

Stattdessen - und das kann ich erst aus heutiger Sicht sagen - waren da ständig unterschiedliche Anteile aktiv, die völlig gegensätzlich aufgetreten sind. Da war zwar für mich als Kind rein äußerlich immer der gleiche Mensch, aber er war in keiner Sekunde der, wie in der Sekunde davor. Ich begreife gerade in einem völlig neuen Ausmaß, was es als Kind bedeutet, fragmentierte, zersplitterte, zerrissene, hochgradig verletzte Eltern zu haben, die davon noch nicht mal im Ansatz etwas wissen oder ahnen. Puh!

Jedes Mal, wenn das passiert, also quasi nachträglich immer wieder alles anders ist, worin wir uns bis dahin in meinem Erleben einig waren, ist es für mich als Kind, als würde ich jäh aus der Grundannahme von Beziehung und Sicherheit gerissen. Von jetzt auf gleich ist da wieder nichts. War da eben noch ein Gegenüber, das ich zu kennen schien und auf das ich referiert habe, ist da auf einmal eine große Unbekannte, ein Fremder. Das ist so gruselig, immer wieder festzustellen, dass ich den anderen überhaupt nicht kenne. Immer wieder muss ich mich fragen, was das denn bis dahin dann bitteschön gewesen ist? Mit wem war ich da die ganze Zeit? Ich, lost in space. Mit einem Satz ALLES weg, was nur ansatzweise (m)eine Welt hätte sein können.

Das Wesen, das konstant und stabil da sein müsste, damit ich Orientierung finde und mich und die Welt kennenlernen kann, ja, das Wesen, das für mich die Welt VERKÖRPERT, ist ein Chamäleon. Ich möchte schreien. Ich möchte den anderen schütteln, so lange, bis er wach und ganz da ist und zwar dauerhaft, die Farbe, sein Wesen behält. Für dieses Kind, dem diese Wechselhaftigkeit und Widersprüchlichkeit ständig entgegnet, entfaltet sich der Horror in Dauerschleife. Das, worauf ich mich beziehe, ist im nächsten Moment weg, nicht mehr wahr oder mir wird gesagt, ich hätte das falsch verstanden, was manchmal sogar für länger unser Konsens war.

Immer wieder fange ich von vorne an. Immer wieder gehe ich erneut vom Besten aus, davon, dass es aber ab jetzt stabil ist. Was für eine notwendige, kindliche Illusion! Und immer wieder wird genau diese Illusion zerstört. Immer wieder kommt die fucking harte Realität, die Wahrheit der Kindheit: Diese stabile Bezugsgröße, die ich als Kind so dringend bräuchte, gibt es nicht.

Jetzt steht da dieses Kind, wie vom Donner gerührt. Der letzte Satz im vorigen Absatz dringt irgendwie durch. Kurze Panik, kurz Schwindel, ein hektisches, suchendes Umherschauen, die Frage: „Ja, aber… und jetzt?“ Dann wird es ruhig. Eine Art Besinnung und Zentrierung. Der Blick geht von außen nach innen. Der Anteil spürt sich selbst. Die Füße auf dem Boden. Fühlt in sich hinein und nimmt etwas sehr Stetes und Stabiles wahr. Da ist ein Halt im Inneren, entlang der Wirbelsäule eine Art Aufgerichtetsein, eine Art Anbindung und Verbindung. Im Solarplexus ein Referenzgefühl wie für das echte Bauchgefühl, das innere Navi. Die Kleine ist gefühlt gleichzeitig alle Altersstufen von acht bis zwölf. Die Zeitspanne, in der ich wohl am meisten um Greifbarkeit und Konsistenz im Außen gekämpft habe. Ich hätte gerne die Kontrolle darüber gehabt. Das wird mir auch gerade klar. Kontrolle über die Konsistenz meiner Bezugspersonen. Himmel!!!!

Nun steht da dieses mehraltrige Kind und erfasst sich selbst, die Tatsache, dass in ihr schon etwas ist, was sie nicht mehr über das Außen erlangen muss. Sie hat es mitgebracht. Es ist schon funktionsfähig. Tränen steigen auf. Unendliche Erleichterung! Es keucht und seufzt voller Erlösung und Dankbarkeit! Weint! Stöhnt! Oh Gott sei Dank! Der Horror hat ein Ende! Die wahren Bezugspunkte sind in ihr, in mir! Jetzt lacht sie unter Tränen! Was für ein Geschenk! Das alles geschieht gerade, während ich hier tippe. Mir laufen die Tränen genau wie ihr! Homecoming! Das ist einfach nur nach Hause kommen! Die verzweifelte Suche im Außen ist überflüssig geworden.



Samstag, 13. Juni 2026

Boden unter den Füßen

Ich fühle mich, als hätte ich wieder Boden unter den Füßen. Nach einem Drahtseilakt von unfassbarer Dauer in schwindelerregender Höhe, ohne Netz und doppelten Boden, ohne Sicherungsleine, zu zweit unterwegs.

Annette meinte einmal, dass unsere "Reise" - also die von Christian und mir - sie an einen Drahtseilakt erinnert und manchmal könnte sie einfach nicht hinsehen. Ich kann es verstehen. Dieses Bild von diesem Drahtseil war so treffend für mich und hat sich sofort vor meinem inneren Auge ausgebreitet. Völlig stimmig.

Das Seil ist gespannt von einem Berggipfel zu einem anderen. Dazwischen eine schier unendliche Distanz. Einer kommt von links, der andere von rechts. Wir bewegen uns aufeinander zu. Jeder Schritt von einem von uns versetzt das Seil ordentlich in Schwingung. Der andere muss ausbalancieren. Wir schwanken, rudern manchmal mit den Armen. Höchste Konzentration. Jede Bewegung muss sitzen. Manchmal stehen wir beide eine Zeit lang still, zum Atmen, Neusortieren, Orientieren - oder in meinem Fall, um mir die Haare zu raufen, zu schreien und kurz mal zu verzweifeln. Umkehren war dennoch nie eine Option, runterfallen übrigens auch nicht. 😉

Seit gestern oder vorgestern ist da bei mir diese Veränderung in den inneren Bildern und eben auch in mir - nach unzähligen weiteren Erkenntnissen, geborgenen inneren Kindern und endlosem Begreifen, von dem ich euch so gerne erzählen wollte und doch kam kein Wort aus mir raus.

Ich hab wieder Boden unter den Füßen. Tatsächlich seh ich erstmal nur mich. Das Seil liegt zwischen meinen Füßen auf der Erde. Wie ich da runtergekommen bin und wo Christian ist, kann ich darin im Moment nicht sehen. Nur spüre ich meine innere Wandlung. Da ist das Empfinden, dass etwas Grundlegendes geschafft ist. Da ist eine neue, ruhige Sicherheit. Bislang war ich mir "nur" dessen sicher, dass meine Erlösung gewiss ist. Das war mir immer klar. Für meine Heilung ist in all dem alles perfekt orchestriert. Die Sicherheit in meinen eigenen Prozessen, in der inneren Führung, das war immer da. Das war und ist auch das Einzige, was wirklich in meiner Verantwortung liegt. Um mehr hatte ich mich nicht zu kümmern. Um weniger auch nicht. Es ging nicht um das Wir. Es ging immer nur um meinen einen nächsten Schritt oder die Auswirkungen seiner Schritte bei mir. Damit hatte ich wahrlich genug zu tun und darin war und bin ich mir sicher.

Und jetzt ist da noch etwas anderes sicher, das ich noch nicht wirklich greifen kann. Kurz war da das Bild, dass sowohl Christian als auch ich in einer alles entscheidenden Sicherheitsöse eingehakt haben. Bisher war da eben keine Sicherung. Und es ist wohlgemerkt die gleiche Öse. Wir müssen beide da gewesen sein. Eine kurze Bildsequenz, ohne dass ich mehr von der Umgebung oder den Umständen hätte sehen können. Irgendwas ist da beieinander, was unbedingt zusammenkommen musste. Dieses Einhaken ist unumkehrbar und war essentiell.

Tatsächlich habe ich bislang nicht wirklich eine Ahnung, was das bedeutet, was da anscheinend geschehen ist. Aber es ist. Ich bin nicht mehr auf dem Drahtseil. Ich steh am Boden. Etwas ist geschafft. Da ist diese Ruhe, eine Art namenlose Gewissheit. In mir nickt es und lächelt wissend. Und während ich das tippe, ist Christian aufgetaucht. Steht mir am Boden gegenüber. Ich grinse ihn spitzbübisch an. Er lächelt mit Tränen in den Augen zurück. Wir umarmen uns. Da ist etwas beieinander. Ja. ❤️❤️



Donnerstag, 28. Mai 2026

Ich denke nicht in Fehlern oder Schuld

Ich denke nicht in Fehlern. Ich glaube schon gar nicht an Fehler. Weder ich noch jemand anders, noch das Leben an sich macht Fehler.

Ich denke nicht in Schuld. Ich denke, wenn überhaupt, in Ursache und Wirkung, in Aktion und Reaktion und vor allem in absoluter Sinnhaftigkeit.

Tatsächlich geht es gar nicht wirklich ums Denken. Es fühlt sich eher an, als wäre ich außerhalb dieser Erfahrungsräume, als wären sie auch überhaupt nicht mehr betretbar für mich. Interessant ist, dass mir das früher sehr wohl vertraut war. Ich weiß das, ich kann es aber nicht mehr fühlen. Nichts davon ist mehr in mir lebendig oder wieder wach zu rufen. Wie ausgelöscht.

Mein ganzes Sein kennt heute weder Fehler noch Schuld. Wenn Menschen davon sprechen, bin ich höchst irritiert. Es ist befremdlich für mich. Diese Prinzipien oder Ideen, oder wie immer man es nennen könnte, sind mir fremd und haben nach meinem Empfinden rein gar nichts mit unserer wahren Natur zu tun. Ich kann so überhaupt nicht in die Welt schauen. Ich habe diesen Blick nicht.

Fehler und Schuld sind für meine Begriffe zwei Erscheinungen, die nur in der Illusion der Trennung auftauchen können und mit dem Gewahrsein darüber, wer und was ich wirklich bin sofort verschwinden müssen. Es geht gar nicht anders. Beides gleichzeitig kann aus meiner Sicht nicht existieren.

Ich sehe und beobachte wie diese zwei Überzeugungen oder Grundannahmen eine heilsame Selbstbegegnung unmöglich machen. Egal, ob ich die Schuld bei mir oder bei anderen sehe, egal, ob ich die Fehler bei mir oder bei anderen sehe, ist es ein Nein zu etwas, was existiert. Wenn ich mich innerhalb von der Idee von Fehlern und/oder Schuld bewege, wird der Beobachter in mir immer ein Bewerter sein, der in gut und schlecht einteilt, der verbietet oder anstrebt. Innerhalb dieser Ideen werde ich nie ganz da sein dürfen, werden immer Anteile und Seiten von mir abgetrennt. Innerhalb von Fehlern und Schuld findet bei all dem äußerem Kampf letztlich immer Selbstgewalt und innerer Kampf statt.

Es gibt aus meiner Sicht Schmerz, der erst aufhören kann, wenn eine Lebenslüge durchschaut ist. Der Schmerz aus Schuld und Fehlerhaftigkeit gehört für mich genau in diese Kategorie.



Freitag, 10. April 2026

Ich kann nirgends anders hin und will nirgends anders hin

Ich mag euch mitnehmen, wie es nach diesem Auftun des Abgrundes weiterging, wie die Zeit der totalen Destabilisierung war und wo ich jetzt bin.
Eine Erkenntnis aus dem inneren Schwimmen

Mir wurde noch einmal extremst bewusst, dass die "Wahrnehmung" meiner Mutter von mir letztlich über alles bestimmt hat. Ich wurde nach ihrer Fasson behandelt und nicht danach, wer ich wirklich bin. Was sie in mir gesehen hat - die Bestätigung ihrer Wunde - hat sie zu meinem SoSein erklärt.

Die Rückmeldungen von ihr an mich als Kind, Jugendliche, als junge Erwachsene waren, ich bin falsch und unehrlich. Ich spiele ein falsches Spiel. Ich bin scheinheilig. Zu allen kann ich scheiß freundlich sein, nur bei ihr zeig ich mein wahres Gesicht. "Außen hui, innen pfui", ein Ausspruch, der sehr oft von ihr kam. Immer mit diesem unkenden, vorwurfsvollen, anklagenden "Du wirst schon noch sehen"-Tonfall. Und gefühlt war auch Verachtung dabei. 

Etwas in mir wollte in diesem ganzen Prozess der letzten Tage immer wieder - natürlich -, dass dieses fiese Gefühl der Isolation aufhört. Der absoluten Ohnmacht. Des Entsetzens. Dieses "Ich kann nicht machen, dass ich anders fühle, der andere muss doch zur Besinnung kommen"-Entsetzen".

Es zeigte sich ein inneres Bild. Eine 16-Jährige, die einen blutverschmierten Giftstachel zwischen Daumen und Zeigefinger hält. Sie hatte ihn sich schon rausgezogen, fragte sich, was sie jetzt damit machen soll. Etwas in ihr zögerte. Sie konnte ihn nicht einfach wegschmeißen. Etwas Schlimmes könnte passieren. Sie wollte gerade Gott fragen, was sie damit machen soll, ob sie ihn weglegen dürfte, da war er schon da, nahm ihr den Stachel aus der Hand, zertrat ihn nachdrücklich und vehement, riss sie in ihre Arme und sagte leise und unendlich gütig: "Hör auf mit dem Scheiß."

Was diese 16-Jährige hat zögern lassen, dieses drohende Schlimme, wollte dennoch noch erforscht werden. Es fühlte sich soooo groß an. Also schrieb ich mich durch.

"Was passiert, wenn ich den Giftstachel wegschmeiße?

Wäre das leichtfertig? Darf ich das? Verpasse ich was? Vermassel ich mir was? Geschieht dann etwas irreparables für mich? Vertue ich eine einmalige Chance?

Die könnten etwas wissen, was ich nicht weiß. Und nur über sie komme ich an die wichtigen "Informationen". Als ob sie vielleicht zu etwas Zugang hätten, was mir verborgen ist und nur über sie erreichbar ist. Den Zugang zum Leben. Den Zugang zur Wahrheit. Zur Wahrhaftigkeit. Den Zugang zu meinem Leben. Zu meinem Glück. 🔥🔥🔥 Da geht's lang!

Das ewige Damoklesschwert meiner Mutter: "Du wirst schon noch sehen, was du davon hast! Irgendwann denkst du an mich."

Als wenn ich es irgendwann schrecklich bereuen müsste, nicht auf sie gehört zu haben."


Sie (alle, die diesen Zweifel in mir berührt haben) sprechen aus der Trennung, nicht aus der Quelle. Ihre Augen sind kalt. Es herrscht kriegerische Atmosphäre. Da ist keine Wärme. Da ist kein Wohlwollen mir gegenüber. Alles, was sie mir "sagen", wird förmlich ausgespuckt, mir entgegen geschleudert. Der Ton ist messerscharf. Vorwurf und Anklage schwingen mit.

Da wird mir (der 16-Jährigen) klar, meine Mutter war nicht ansatzweise mit sich verbunden. Meinem Teeny gehen die Augen auf. Sie spürt aus welchem "Raum" das kommt und dass daraus keine Wahrheit kommen KANN. Sie kann die Ursache für den Nichtgleichklang zum ersten Mal im anderen verorten. Der andere ist getrennt von sich.

Dann klingelt es ganz gewaltig:

Ich war/bin schon da, wo sie mich hätten hinbringen sollen (bzw. mir helfen, mich darin zurecht zu finden) und dann sagen sie mir: "Du wirst schon sehen!"

Ich gehe tiefer.

Ist es im Grunde die Verunsicherung, ob ich wirklich bei mir, bei Gott und wahrhaftig bin? Genau das!

Christian sprach mir in erwähntem Moment meine Wahrhaftigkeit ab. Meine Mutter tat genau das. Sie hat mich ständig im ganz Grundsätzlichen für falsch erklärt. DAS ist der Giftstachel gewesen, der da "installiert" wurde. Ich hab dennoch getan, was für mich stimmig ist und gleichzeitig war immer wieder der Zweifel, der schwelte. Eben das drohende, unkonkrete, namenlose Unheil, das mir immer prophezeit wurde. Christian hat mir diesen Stachel, der schon so oft berührt wurde, final gezeigt. Gott sei Dank!

Was da als Kind geschieht ist eigentlich unsäglich und im Ausmaß nur fühlend zu begreifen: Sie sagt mir, dass ich woanders hin muss, als ich gerade bin, nämlich bei mir. Damit bin ich falsch. Da soll ich weg. Das bringt mich als Kind in eine unglaubliche, unmögliche, unmenschliche Situation und eine riesige, existenzielle Not, die mit einem (Über)Leben jenseits jeglicher materieller Versorgung zu tun hat: Mein Sosein wird für falsch erklärt! Mein Beimirsein für unmenschlich erklärt und für eine Zumutung für andere. Mir wird orakelt, dass mich genau das in Teufelsküche bringen wird, ohne zu wissen, was das bedeutet, aber es wird unweigerlich so sein. Als ob das nicht schon arg genug wäre, führt es eben auch zu absoluter Isolation. Damit ist keine Verbindung zur Mutter möglich. Außerdem ist da dauerhaft in mir allergrößtes Unverständnis, wie das alles zusammenpassen soll. Ständig Fragen, Diskrepanz von innen und außen. Die Rückmeldungen von außen passen überhaupt nicht zu meinem Inneren. In all dem werde ich alleine gelassen und noch mehr für falsch erklärt, für aufsässig, unmöglich, kalt. Ich habe nie verstanden, was sie meint und was sie da von mir will, was mir vorgeworfen wird, wo ihr Problem ist (oder das mir zugedachte). Bis heute hat dieser Anteil versucht, das Problem der anderen ernsthaft zu verstehen. Vergeblich. Bis jetzt.

Christian sagte mir in grandioser Reinszenierung genau das, was meine Mutter im Grunde immerzu vermittelt hat, dass ich nicht bei mir bin und dass ich nicht bei Gott bin. Er sprach mir in dem Moment das bei mir sein ab, meine Verbindung mit mir und er wüsste ganz genau wo ich bin (weg) und dass ich das Problem habe, dass ich der Grund für unsere Dissonanz bin. Mein Beimirsein fühlte sich für ihn unstimmig an, nicht wahr.

Die Wahrheit ist und war es in dem Moment auch: Ich kann nirgends anders hin und ich will nirgends anders hin. Das Dilemma meiner Kindheit komplett auf den Punkt wiederholt und zum ersten Mal benannt, zutiefst begriffen und den Giftstachel ursächlich identifizieren können, dessen Gift ich schon so oft begegnet bin. Zum ersten Mal den ursprünglichen Horror bewusst gefühlt und in mir halten können, darin bei mir sein und tief verstehen und letztlich mit dem Licht der Wahrheit anerkennen können.

Nach dem Begreifen und dem tiefen Fühlen, was da als Kind von mir verlangt wurde, was das für mich im Erleben bedeutet hat, dass da immer noch dieser Giftstachel des Zweifels war und welcher ganz grundsätzlichen, essentiellen Natur dieser Zweifel war, nach dieser Prüfung, wo ich jetzt verortet bin und der wiederholten Antwort "in mir", ist da Ruhe. Ich bin da, wo ich sein soll. Da, wo sie mich hätten hinbringen sollen, aber selber nicht waren. Ich bin gut mit mir, in mir. Ich hab mit mir, in mir, kein Problem, keinen Widerspruch. Ganz im Gegenteil. Da ist ein sattes, tiefes, friedliches Wohlgefühl. Es ist wahr, dass ich nirgendwo anders hin will und auch gar nicht kann. Und wenn alles um mich herum wegbricht deswegen: Da geh ich nicht weg! Nicht weg von mir. Nicht aus meiner Verbindung. Für nichts und niemanden. Damals nicht für meine Mutter. Und auch jetzt nicht für Christian.

Danke für die so intensive Revision.



Sonntag, 5. April 2026

Alle Aufbrüche führten näher zu mir

Den ganzen Tag hab ich schon überlegt und hingespürt, warum mir denn der 05.04. so besonders erscheint, ein Datum von Bedeutung. Also nicht speziell heute sondern etwas Spezielles, was ich mit diesem Datum verbinde.

Jetzt eben hat es klick gemacht und ich hab mir innerlich die Hand auf die Stirn geklatscht: Am 05.04.2022 bin ich losgefahren, aufgebrochen und nie zurückgekehrt. Dieser Tag hat ein Ende besiegelt, von dem ich zu der Zeit noch nichts wusste. The point of no return. Wohlgemerkt einer von so einigen.

Und wie jedes Mal wusste ich nicht, wo mich das alles hinführt. Ich wusste nur, ich muss es tun. Ich muss los. Ich muss weiter. Ob das damals die Unterzeichnung des Aufhebungsvertrages eines unkündbaren Jobs war, ob das der Wegzug aus der alten Heimat war, das "mich selbst entlassen" aus dem Krankenhaus ohne die empfohlene OP, oder eben heute vor 4 Jahren das Verlassen jeglichen festen Zuhauses und aller bis dahin gekannter "Sicherheiten" und "Planbarkeiten" inklusive Partnerschaften und Beziehungen.

Nie wusste ich, was kommt. Nie gab es ein wirkliches Ziel, ein konkretes Stattdessen. Es gab nur "das nicht (mehr)". Und es ist jedes Mal verdammt gut gewesen, dass ich nicht die leiseste Ahnung hatte, was da auf mich zukommt und was dieser Weg tatsächlich bedeutet, was er mir abverlangt, was ich innerlich alles zu bewältigen hatte. Wahrlich kein Zuckerschlecken und dennoch das Erfüllendste, was es für mich gibt: Ganz und gar MEIN Leben mit genau EINER Sicherheit. Das Leben selbst, das für mich ist, weil es für sich ist. Leben, das nach Leben strebt und in dem immer alles für mich ist, Sinn hat, ich gewollt bin, ich ES zum Ausdruck bringe.

Ich bin mir selbst endlos dankbar für jeden Aufbruch, für jedes Weiterziehen und Tiefergehen, jegliches Dranbleiben, auch wenn es noch so unkomfortabel war. Und das hat ja kein Ende. Das gilt heute genau so.

Mein Sinn ist klar. Meine Führung ist klar, das, was über allem steht. Ich bin darin klar verortet, weiß um meinen Platz und die Zusammenhänge. Damit ist jeder Umstand annehmbar. Auch im größten Nebel bin ich IN mir verortet und darin wiederum gehalten im Großen. Ich muss im Außen nichts sehen. Ich sehe in mir. Ich fühle. Ich höre innerlich.

All meine Aufbrüche und Bewegungen im Außen haben diese Sinne geschärft, mich nach innen geführt. Ich bin immer "nur" zu mir unterwegs gewesen. Der beste Ort, an dem ich je angekommen bin.



Donnerstag, 26. Februar 2026

Wenn ein "Ich möchte nicht" nicht sein durfte

Die Genialität der Überlebensstrategien wird dich retten. Dein Innerstes lässt dich nicht im Stich. Wenn ein "Ich möchte nicht" früher nicht gegolten hat, wird es zum "Ich kann nicht" kommen.

Etwas in dir wird dafür sorgen, dass der Verrat an dir durch die Bezugspersonen (der unweigerlich mit der Zeit zum Selbstverrat wird), die dein Nein hätten akzeptieren müssen, ein Ende finden wird. "Bis hierhin und nicht weiter", wird dieser Anteil sagen, "wir haben uns schon genug übergangen. Jetzt ist Schluss."

Der Anteil, der nicht mehr kann, hat so sehr seine Berechtigung. Er will dich nicht an deinem Leben hindern. Er will dich schützen - vor dem Schmerz, den es bedeutet, gegen sein Innerstes gehen zu müssen, vor dem Sichverlassen, Sichübergehen, vor dem Benutztwerden.

Unter der "Erschöpfung" liegt Schmerz, Wut, Traurigkeit und vor allem so viel Lebensenergie, die dieser Teil nie mehr gegen sich verwenden möchte.



Samstag, 15. November 2025

Ich wollte die anderen, um mich zu bekommen

Ich mag euch mal wieder mitnehmen auf eine Innenreise von mir, durch die ich mich erst kürzlich geschrieben habe und die ich gerade so ergänzt habe, dass es hoffentlich nachvollziehbar ist. Es ist eine Innenreise, die fühlbar gezeigt hat, wie unfassbar wichtig und essentiell als Kind Schlüssigkeit und Verstehbarkeit der Erwachsenen ist und was es tatsächlich bedeutet, wenn das nicht gegeben ist. Angefangen hat es mit sehr kindlichen Sätzen, die immer wieder in mir aufgetaucht sind:

„Wenn ich den anderen nicht verstehe, hab ich das Problem. Wenn der andere nicht verstehbar ist, habe ich das Problem. Wenn ich nicht verstanden werde, hab ich das Problem.“

„Niemand setzt sich mit mir und damit auseinander. Ich bleibe verwirrt zurück.“

Wieso ist verstehen für diesen Teil so wichtig?

Das Begreifen der Welt. Transparenz. Schlüssigkeit. Mich in mir und dann, damit, in der Welt zurechtfinden. Ich muss mich und die Welt begreifen für einen sicheren Platz in mir und in ihr.

Mir wurde als Kind durch die Unverstehbarkeit der Erwachsenen tatsächlich die Verbindung zum Leben verwehrt. Mein Selbst, mein Rhythmus, mein Platz, das große Ganze, Verbundenheit, Sicherheit. Meine Göttlichkeit. Mein wahres Sein. Um das natürlich finden zu können, hätte ich Verbindung, Verstehen und Greifbarkeit gebraucht, Schlüssigkeit, Nachvollziehbarkeit, Stringenz. Die reife Präsenz der Erwachsenen. Ihre Stimmigkeit. Ihre eigene Anbindung an den Kosmos und ihren Platz darin. Darüber und dadurch hätte ich mich und meinen Platz, meine Verbundenheit mit allem, was ist, bekommen können.

Unstimmigkeiten und Widersprüchen kann ich als Kind nicht vertrauen und in mir selbst hatte ich noch keine Antworten. Das heißt, ich war völlig verloren, unsicher, im Grunde immerzu in Gefahr. Das Bisschen, was ich geglaubt hatte, verstanden zu haben, wurde mit dem nächsten Widerspruch in einer elterlichen Aussage wieder eingerissen. Ich stand wieder völlig entsetzt vor dem Nichts. Das hat sich tagtäglich immerzu wiederholt. Jeder Versuch, sie beim Wort zu nehmen, ernst zu nehmen, weil ich sie ernst nehmen können MUSS als Kind, ist gescheitert. Ich stand immerzu völlig verzweifelt vor meinen minütlich einstürzenden Welten. Keine Chance, mich in all dem zurechtzufinden, mich und die Welt zu verstehen. Die Vollkatastrophe für mich. Für die Eltern eine flüchtige Aussage, die im nächsten Moment schon wieder vergessen war.

"Du verwehrst mir nicht nur dich, sondern damit vor allem mir mich selbst!" ist der eigentliche Satz der Kleinen (vorwiegend) an die Mutter gerichtet.

Ich (der Anteil in mir) versuchte bis heute mit all meinem Verstehen wollen, nicht wirklich den anderen zu verstehen, sondern mich zu bekommen. Ich wollte im Grunde gar nicht den anderen. Ich wollte mich. Als Kind hätte ich die anderen wirklich dafür gebraucht. Jetzt, als die Erwachsene, die ich bin, hab ich mich ja schon. Der Anteil wusste das nur nicht.

Was für eine Erleichterung jetzt zu wissen, dass ich im Grunde nie wirklich die anderen erreichen wollte, sondern mit ihrer Hilfe mich selbst finden wollte. Ich wollte mich. Wenn also heute jemand nicht erreichbar ist, bedeutet das nicht automatisch, dass ich mich wieder nicht haben kann. Halleluja! Was für eine krasse, fiese, entsetzliche, kindliche Verknüpfung: „Wenn der andere (auf Dauer) nicht verstehbar/erreichbar ist, kann ich mich nicht haben.“ Wie gut, dass das nicht mehr die Wahrheit ist.

Ich brauch die Erreichbarkeit der anderen nicht mehr und schon gar nicht die Verstehbarkeit. Ich bin nicht mehr darauf angewiesen, dass sie "logisch" sind (und mir adäquat und korrekt die Welt erklären können). Ich bin auch nicht mehr darauf angewiesen, dass sie mir mich sauber spiegeln.

Ich hab mich ja schon längst. Ich hab meine Verbindung und Anbindung. Ich finde mich in mir und in der Welt hervorragend zurecht. Ich bin mit mir sicher. Ich hab das Problem der Kleinen im Grunde schon lange gelöst und jetzt auch ihre zugehörige Not beendet. Was für ein Gefühlssturm! Was für eine lange nicht erkannte Verzweiflung in all dem! Die Kleine, die so sehr auf die Verstehbarkeit der Bezugspersonen, auf das sichere Sichbeziehenkönnen, angewiesen war, wurde fühlend nach Hause geholt.

Danke für all die „fürchterlichen“ Auslöser und Fingerzeige, für all die schrecklichen Wiederholungen der Not, bis der Groschen endlich gefallen ist und die Zeit der Erkenntnis reif war. Puh!

 

Nachtrag:
Ich weiß nicht, ob ansatzweise zum Ausdruck kommt, was das alles für (m)ein Kind bedeutet, wie sehr es da tatsächlich um ALLES geht, um Leben und Tod, und zwar sein geistiges Leben, tiefste Heimat in sich selbst finden können, die Anbindung an die Schöpfung, also spirituelle Heimat, die eigene Wahrheit über das geistige Wesen. Es geht nicht nur um Zugehörigkeit und versorgt werden, also Überleben im körperlichen Sinne. Es geht auch nicht "nur" um emotionale Versorgung. Es geht um die komplette Existenz auf allen Ebenen. Darum hab ich verzweifelt gekämpft. Alter Schwede. Das ist so eine fette Hausnummer. Diese Not nochmal zu fühlen, diese Verzweiflung, diese Unmöglichkeit in all dem. Es unmöglich gemacht zu bekommen als Kind. Holy shit!


Donnerstag, 23. Oktober 2025

Die Einheitserfahrung ist Bonus

Als ich losgegangen bin, zu mir hin, angefangen habe, jeden Stein auf links zu drehen und jeden Winkel meines Innersten zu erkunden, blieb es nicht aus, dass ich mich mit den größeren Fragen des Lebens auseinandersetzen musste.

Mir war klar, wenn ich mich wirklich begreifen will, muss ich das Bild größer fassen. Wenn "ich" einen Sinn ergeben soll, braucht es mehr als dieses Leben, mehr als die Materie, mehr als das, was mir vom Leben, von Gott, vom Menschsein erzählt wurde. Solange es Widersprüche gibt, ist entweder das Bild nicht vollständig oderund es sind Lügen am Start und so lange gebe ich keine Ruhe.

Parallel zur Erweiterung des "Ich-in-der-Welt-Bildes" fand das tief in mich Eintauchen statt. Ich begegnete allem in mir, nahm jeden Auslöser im Außen her, um das Ausgelöste in mir zu betrachten, zu fühlen, sich ent-wickeln und entfalten zu lassen. Selbstzuwendung als Grundhaltung, nicht als Notfallprogramm.

Ich wollte mich, mit Haut und Haaren, mit allen Abgründen, Anteilen, Farben und Facetten, und vor allem mit der vollen Wahrheit. Sowohl die Wahrheit über den jeweiligen - oft erschütternden, tief verletzten, verwahrlosten - inneren Ist-Zustand, als auch die Urwahrheit, mein wahres Wesen, mein Naturell, meine Gaben.

Unerschrocken - das trifft es nach wie vor. Ich war und bin unerschrocken beim Forschen und Hinschauen. Dieser Zug zu mir hin, dieses mich ganz und gar wollen, egal, was es dafür braucht, ist mir wohl in die Wiege gelegt, Gott gegeben, unverrückbar.

Nun, was soll ich sagen?

Die Suche nach mir hat mir mich und das ganze Universum beschert und mich unweigerlich zu Gott geführt, zum All-Bewusstsein, zu tiefer Verbundenheit mit mir und allem, was ist. Ich wollte weder Erleuchtung, noch Nirwana, noch Einheitserfahrung oder Transzendenz. Ich wollte mich in aller Konsequenz, ohne zu wissen, was das bedeutet und was dieser Weg mir abverlangen würde.

Die emotionale Heilung und Reifung ist kein Pappenstiel. Sie führt direkt hin zu und durch Wunden, Trauma, Bindungstrauma, die Urwunde. Wenn ich mich ganz will, gehört das dazu. Ganz heißt halt ganz.

Einheitserfahrung gibt es auch ohne die emotionale Selbstzuwendung und dennoch wird es niemals das Gleiche sein, niemals so warm, so erfüllend, so voll, so liebevoll und mitfühlend sich selbst und anderen gegenüber und vor allem niemals so verbindend mit sich, dem Leben und den Mitmenschen. Das ist so fühlbar für mich.

In wahre, tiefe Beziehung zu allem, was ist, komm ich nur durch die wahre, tiefe Beziehung zu mir selbst. Das weiß ich heute. Dass ich diesen Weg beschreiten sollte, war wohl Vorsehung. Ich hatte ja keine Ahnung. Aber eine sehr deutliche Stimme in mir, die wohl wusste, was ich hier soll. Gott sei Dank!

Warm ist es in mir und mit mir. Wunderbar warm, voll und satt. Ich mag mir nah sein, egal was ich fühle. 




Dienstag, 16. September 2025

Schwächt es dich oder stärkt es dich

Schwächt es dich oder stärkt es dich? Ich meine langfristig. Manche Erfahrungen/Situationen/Umstände scheinen auf den ersten Blick abstrus, anstrengend, herausfordernd und dennoch stärken sie auf längere Sicht.

Auch wenn es zwischendurch echt haarsträubend ist, so dienen sie dem Wachstum, der Erkenntnis, der Heilung, der Bewusstwerdung und ich kann immer wieder deutlich spüren, wie sie mich reifen lassen, meinen Blick schärfen, mich begreifen und verstehen lassen. Wie ich immer selbstbewusster, ganzer, voller, aufgerichteter, klarer und kraftvoller werde.

Ja, es gibt Umstände und Situationen, die sind insgesamt über kurz oder lang schlicht zu verlassen, wenn ich die Prämisse habe, ganz zu mir zu kommen, in meine Kraft, und dennoch wird es auch da erst möglich sein, wenn jede Erfahrung gemacht ist und die "Anziehung", das Bleibenwollen, das Wiederhingehen aufhört, "von alleine", nach dem alles erledigt ist, wenn ich wach darin da bin. (Also dieses „von alleine“ beinhaltet, dass die Lernaufgaben gemacht sind.😉) Dann verlasse ich genau genommen nicht wirklich Umstände und Situationen, sondern bin schlicht fertig mit der Erfahrung und die Umstände verlassen mich.

Die entscheidende Frage ist also: Bin ich in meinem Erleben wach und bewusst? Da, wo ich mich befinde? Bin ich tatsächlich da, wo ich mich befinde, bei meinen Gefühlen und dem, was wirklich geschieht oder bin ich in einer Geschichte und ignoriere mein echtes Fühlen und Empfinden?

Keine Erfahrung ist an sich verkehrt. Keine Erfahrung stärkt oder schwächt per se. Die Frage ist, ob ich darin ganz da bin, mich mitbekomme, für mich sorgen kann, mich selbst begleiten und halten. Das entscheidet darüber, ob sie mir dient oder mir schadet. Ob sie mich stärkt oder schwächt. Nicht die Erfahrung an sich, sondern wie ich darin da bin: mit mir oder ohne mich.

Es gibt aus meiner Sicht im übergeordneten Sinne keine sinnlosen Erfahrungen, keine überflüssigen, keine, die zu lange dauern oder nicht hätten sein sollen. Irdisch, menschlich bedeutet das halt dann entsprechend was, je nach Bewusstheit, je nach übergeordneter Wahl, je nach irdischer Wahl.

Das Leben bringt mich niemals in Schwierigkeiten. Es führt mich dahin, wo ich wachsen kann/könnte und hält mich so lange, bis der Prozess vollendet ist. Wie bin ich darin da? Führt mich gerade das kleine Ich und möchte kurzfristig ein gutes Gefühl, gelenkt von Absicht und Ergebnissen, von Angst, innerhalb einer Geschichte oder führt mich die höhere Weisheit? Was ist der Maßstab? Wachstum, Reflexion, Bewusstwerdung, Selbsterkenntnis, Reifung, Veränderung, Leben, langfristige Erstarkung? Oder Vermeidung, Kontrolle, Angst, Anhaftung, Behaltenwollen, Wegschauen, Ignorieren, Selbstbetrug, Überleben, Selbstgewalt?

Das beobachtende, präsente Bewusstsein, der Blickwinkel, die Haltung entscheiden darüber, was ich in der Erfahrung erfahre, ob sie mich bereichert oder auslaugt. Ob ich wachse oder verkümmere. Ob ich fühle oder leide. Ob ich mich selbstwirksam oder ohnmächtig erlebe, frei oder gefangen.

Und ich mag nochmal sagen, keine dieser Erfahrungen ist zu verurteilen. Kein Bewusstheitsgrad ist besser oder schlechter als der andere. Es ist. Unterschiedliche Blickwinkel, unterschiedliche Erfahrungen, gleich gültig. Ursache, Wirkung. Ausrichtung, Konsequenz.



Sonntag, 10. August 2025

Wir haben gerade nichts miteinander zu schaffen

Ich hab das immer wieder in mir bewegt, diese Sache mit dem "selbstverständlichen" Kontakt mit der Familie, mit "Freunden" und Bekannten von früher oder allen möglichen anderen Lebensbereichen. Irgendwie will mir das nicht so richtig in den Sinn. Irgendwas stimmt da grundsätzlich für mich nicht. Ich mag meine Gedanken mal mit euch teilen.

Ich verstehe Leben so, dass ich mit den Menschen bin, mit denen es gerade relevant und wesentlich ist, mit denen es etwas zu bewegen, beleuchten gibt, mit denen es Fäden hin und her zu reichen gibt, mit denen gerade Vereinbarungen spürbar aktiv sind, nichts Ausgedachtes, sondern Wahrnehmbares. Da ist Anziehung. Da ist Zug drauf. Da liegt Kraft drauf. Da wird im Miteinander so richtig was bewegt. Da soll ich sein. Da geschieht das Leben durch mich. Da bin ich an meinem Platz.

Und wie von all dem unberührt und unbeeindruckt scheint es so was wie ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, dass "man" als Erwachsener mit der biologischen Familie und "Freunden" Feste feiert, sich regelmäßig trifft, telefoniert und Sachen unternimmt. Egal, ob das stimmig ist oder nicht, ob mich das erfüllt oder nicht, ob das dran ist oder nicht: Das wird so gemacht. Das gehört sich so. Das wird nicht in Frage gestellt. Es kommt mir vor wie eine Parallelwelt.

Ich kann damit nichts anfangen. Aber so was von gar nichts. Und ich kann es auch nicht so tun, nicht mitmachen.

Welchen Sinn sollte das haben? Also selbst wenn mich meine Familie bis ins Tiefste verstehen und begreifen würde und wir uns wirklich und wahrhaftig begegnen könnten, so könnte ich dennoch nur mit ihnen Kontakt haben, wenn es was zu schaffen gäbe und nicht weil "man" halt einfach Kontakt hat.

Es gibt gerade nichts zu tun und damit meine ich im übergeordneten Sinne. Tatsächlich fühlt es sich seit Langem auch so an, wie wenn die Beziehungen erfüllt sind und alles getan ist, wofür wir uns einst verabredet haben. Grundsätzlich sagt mir mein Gefühl, dass unserer Natur nach dieses Eltern-Kind-Setting tatsächlich irgendwann erfüllt ist. Es ist vollbracht.

In den meisten Fällen meiner Beobachtung kommt es mir allerdings so vor, als hätte die natürliche Abnabelung, die Initiation ins Erwachsen- und Entwachsensein nie stattgefunden. Als würde da künstlich etwas weiter am Leben erhalten werden, was eigentlich schon lange überlebt und überdauert ist, nicht mehr in der Ordnung. Als würden sich die meisten über diese Sicherung durch Gemeinschaft in ihrem Bewusstsein nicht hinausentwickeln. Nie wirklich hinaus ins Leben gehen. Nie wirklich von der Familie unabhängig werden und sich selbst in Gottes Hand geben. Nie wirklich reif werden.

Wie gesagt, in meinem ganz persönlichen Fall kann ich sagen, dass es sich für mich bezüglich meiner Ursprungsfamilie seit geraumer Zeit fertig anfühlt. So richtig vollendet. Mission completed.

Es gibt nichts zu schöpfen, nichts miteinander zu schaffen. Wir haben nichts miteinander zu schaffen, nichts zu ERrschaffen. It's done. Vielleicht ändert sich das mal wieder. Ich werde es merken. Gerade würde ich sagen nein.

Ich bin mit den Menschen, mit denen ich Wesentliches tue, wesentlich bin. Das ist veränderlich, wogt und bewegt sich. Verbindungen werden intensiver dann wieder weniger intensiv. Immer wie es stimmt. Fließend, lebendig und immer kraftvoll, weil genau richtig. Nirgends anders soll ich jeweils sein. So ist es in der Ordnung. Das ist das, was für mich zählt. Über der Ordnung steht für mich nichts. NICHTS. Auch nicht die Familie. Der Ordnung unterliegt für mich alles.

Soweit meine Gedanken, meine Beobachtungen, mein Spüren und Erspüren in diesem Moment.



Donnerstag, 5. Juni 2025

Für echte, tiefe Beziehung muss ich mich selber wollen

Ich kenne viele Menschen, die wirklich eine Beziehung wollen, sich eine Partnerschaft wünschen, den anderen wollen und genau an einem Punkt scheitern: an sich selbst. Sie wollen zwar jemand anderen, aber irgendwie sich selbst nicht. Nicht in der Tiefe.

Für echte, tiefe Beziehung müssten sie sich selbst begegnen, ihren Wunden, ihren Schatten, ihren verletzten Anteilen, ihren größten Ängsten und Nöten. Und da hört es ganz oft auf. Der Punkt, an dem es dann nicht weitergeht - zumindest nicht mit jemandem, der bereit ist, in alle Tiefen zu tauchen und sich mit weniger nicht mehr zufrieden gibt. Der Punkt, an dem über kurz oder lang eine Trennung kommen wird. Wenn es wieder und wieder unbequem wird, die Trigger berührt werden, auf einmal heftigste Gefühle und Überforderung da sind, die alten Verteidigungs- oder Angriffsmechanismen greifen, die Überlebensstrategien abgespult werden und dann die Bedrohung durch den anderen letztlich zu groß wird. Nicht erkennend, dass die Bedrohung eigentlich in ihnen selbst ist und nicht wirklich vom anderen ausgeht.

Es wird nicht ausbleiben, dass in einer Beziehung Bindungstrauma berührt wird. Mir ist noch niemand begegnet, der nicht auf die ein oder andere Weise ein gebranntes Kind ist, selbst wenn er noch so beteuert hat, dass die Kindheit großartig war und er die besten Eltern der Welt hat. Beim genaueren Hinsehen waren die Abgründe dann doch erschreckend groß.

Wenn ich nicht bereit bin, dem in mir zu begegnen und tatsächlich der Wahrheit über meine tiefsten Bindungsprägungen ins Auge zu sehen, wird eine Beziehung nur an der Oberfläche bleiben können, keine Intimität möglich sein und es sich im Miteinander letztlich nur um Wundenmanagement handeln, das Regeln braucht.

Dass sich der andere wirklich selbst will, kann ich nicht machen. Der Wunsch nach sich selbst muss für meine Begriffe schon vor der Beziehung da sein und sogar über dem Wunsch nach Partnerschaft stehen. Dann kann die Beziehung der Selbstbegegnung dienen. Ganz wunderbar sogar. Dann kann sie all die Geschenke entfalten, die eine Begegnung mit einem anderen wachen Wesen mit sich bringen kann. Das volle Potential des Miteinanders kann sich entfalten. Dann kann wirklich Heilung passieren. Wenn Selbstbegegnung und das Hinwollen zu sich, zum wahren Wesen, zum Kern, zur Essenz an erster Stelle stehen, passiert Intimität und echte Verbindung ganz von alleine. Sie sind quasi Bonusmaterial zum eigenen Selbst.

Ich mag nur mehr mit Menschen sein, die sich auch selbst wollen, mit Haut und Haar und jedem blinden Fleck. Alles berührbar. In ihm. In mir. Alles darf angeschaut und angefasst werden. Alles hinterfragt und erforscht werden. Gegenseitig. Keine Tabus. Kein Aussparen von Themen. Kein Umschiffen. Alles auf den Tisch, was eben gerade da ist. Gemeinsam sein in aller Offenheit, mit allem Respekt für den Weg des anderen. Den gemeinsamen Raum erspürend und gestaltend. Immer wieder auch klärend. Irritationen benennen. Sprechen aus dem Jetzt. Wahrnehmungen teilen. Körperreaktionen offenbaren. Über sich selbst staunen, vielleicht auch entsetzt sein. Gemeinsam Freude am Selbst haben, was immer dieses Selbst gerade empfindet, denkt oder fühlt. Das wollend, was lebendig ist.



Sonntag, 27. April 2025

Die Pflicht wurde nicht erfüllt

„Wenn du in Beziehung bist, hast du nicht die Wahl, dich weiterzuentwickeln. Du hast die Pflicht!“ – Alexandra Köhler

Der Satz hat heute Morgen so richtig bei mir reingeknallt. Er war die Finalisierung einer Spurensuche in mir, die gestern Nacht begann. Dazu gleich mehr. Zurück zu diesem Ausspruch von Alexandra, der meine Welt vom Kopf auf die Füße gestellt hat.

Unter Weiterentwicklung verstehe ich in dem Fall vor allem Selbstbegegnung. Ich habe in Beziehung verdammt nochmal die Pflicht, mir selbst zu begegnen, meine Themen anzuschauen, die Verantwortung für meine Gefühle zu übernehmen und in mir aufzuräumen, unbequemen Wahrheiten über mich selbst und meinen Urwunden ins Auge zu sehen. Ich habe die Pflicht, alles, was mir in Beziehungen an Trauma um die Ohren fliegt, anzugehen, in Besitz zu nehmen, als das Meine anzuerkennen und mich auch tatsächlich darum zu kümmern. Meint, die aufgerissene Wunde tatsächlich in die Heilung zu bringen.

Ein Nein zu dieser Form der Selbstwerdung, der Selbstbegegnung, der Ent-wicklung ist eine Totalverweigerung von tatsächlicher Begegnung mit dem anderen. Ein Nein zu wahrer Intimität. Ein Nein zu echter Nähe. Im Grunde ist es Betrug. Ich betrüge den anderen um mich selbst und tue so, als würde ich Beziehung wollen.

Ich bin wie gesagt seit gestern Nacht auf Spurensuche. Ich bin einer Wut auf der Spur, einem Groll, einem Zürnen, das mit vergangenen „Beziehungen“ zu tun hat. Das Wort Beziehung muss ich tatsächlich in Anführungszeichen setzen, weil sich im Nachgang einfach rausstellt, dass in manchen Fällen genau die besagte Totalverweigerung stattgefunden hat unter dem Deckmäntelchen des Engagements, des Wollens und Tuns.

Ich muss feststellen, dass ich getäuscht wurde, mich hab täuschen lassen. Dass ich betrogen wurde, um den anderen. Dass mir falsche Versprechen gegeben wurden, die nur scheinbar eingehalten wurden. Mir wurde gesagt, dass der andere auch Beziehung will, in Beziehung sein will mit mir. Was dafür nötig war, nämlich mit sich selbst in Beziehung zu gehen, wurde nicht getan. In all dem „Machen und Tun“ und sich angeblich Bemühen und dem „Hinschauen“ hat echtes Hinschauen nicht stattgefunden. Die Begegnung mit dem eigenen Schmerz bis in die letzte Konsequenz ist nicht passiert. Der Tod wurde nicht gestorben. Die Wunden blieben bestehen und sollten berücksichtigt werden – von mir. Es sollte Wundenmanagement betrieben werden. Ich sollte Verständnis haben. Das Herz blieb zu. Der dunkle Keller verschlossen. Der Mensch unantastbar. Die Schatten weiter am Wirken.

Ich bin geblieben. Seeeehr lange. Ich hab mich blenden lassen, hatte falsches Verständnis für ihr „nicht besser können“, ihr Ausweichen, hab mir selbst Erklärungen geliefert, hab ihnen das scheinbare Bemühen abgekauft, hab unterstützt wo ich konnte, habe mich an jedem Krümel unverhältnismäßig gefreut, dachte dann noch ich wäre zu anspruchsvoll, zu harsch, zu fordernd. Hab den „Fehler“ bei mir gesucht. Hab mir erzählt, dass ich besser Raum geben muss, noch milder sein muss, weicher, wohlwollender.

Die Wut, der Groll, das Zürnen gilt ihnen wie mir gleichermaßen. Ich war da. Emotional erreichbar. Hab meine Arbeit wirklich gemacht. Sie waren nicht da. Emotional unerreichbar. Sind der wahren Arbeit ausgewichen. Ich bin geblieben. „Zu lange“. Was sich erst hinterher so anfühlt – zu lange. Es war natürlich genau richtig. Ich sehe erst jetzt klar. Und mit diesem Klarsehen kommen die zugehörigen Gefühle. Gott sei Dank! Die Wut ist so berechtigt und sie gehört genau in diese Beziehungen. Ich wurde getäuscht und missbraucht. Ich habe mich täuschen und missbrauchen lassen.

Es geht nicht um Schuld. Es geht um Erkennen und Benennen und darum, die Gefühle zu fühlen - meine. Es geht um Klarheit, um Richtigstellung, um Korrektur des verzerrten Blickes. Meines verzerrten Blickes. Jetzt sehe ich, was in Wahrheit da ist, da war, was ich bis dahin nicht sehen konnte und wollte.

Sie lagen mir am Herzen. Ich ihnen nicht. Sie lagen sich selbst am Herzen, haben die eigenen Vorteile und Annehmlichkeiten lieber genommen, als echte Begegnung. Haben Unangenehmes in sich nicht berühren wollen, sich selbst nicht berühren wollen und damit sich für mich unberührbar gemacht. Ich hatte keine Chance, obwohl mir diese in Aussicht gestellt wurde. Ich hatte nicht irgendwelche Forderungen. Ich wollte sie beim Wort nehmen. Sie haben ihr Wort gebrochen. Das gilt es anzuerkennen. Ich hab alles von mir reingegeben, mein ganzes Wesen, mein offenes Herz. Wie verabredet. Sie nicht. Ich wurde betrogen. Um sie. Um ihr wahres Wesen. Um versprochene Beziehung. Die beteuerte Bereitschaft für eine Beziehung mit mir blieb ein Lippenbekenntnis. Sie waren immer nur dann gerne mit mir, so lange es bequem für sie war, sie Vorteile hatten, die Wunden nicht berührt wurden.

Ich wurde benutzt. Hab mich benutzen lassen. Die ausgehängte Möhre, der ich nachgelaufen bin, war echte Nähe. Sie kam nie. Das darf ich jetzt begreifen und fühlen.



Dienstag, 15. April 2025

Schreiben und sprechen im Selbstkontakt

Wenn ich im Prozess bin, ist schreiben oder sprechen oft der Weg, mir näher zu kommen. Dem Ausdruck zu geben, was da ist. Für mich. Hin zu mir. Auf den Kern zu. An die Wurzel. Sichtbar machen. Greifbar für mich selbst. Mich mir selbst erklären. Das Subtile bekommt plötzlich Form, Bilder und Namen. Ich verstehe, begreife, was da ist. Es steigt auf. Ich schaue hin.

Manchmal schreibe ich, weil ich schon weiß, was da ist, was der Kern ist, wer ich gerade bin, was mich bewegt und genau das eine Form will. In Worten da sein will. Außerhalb von mir da sein will. Ein Kind, das ich in die Welt gebäre. Ein Ausdruck von meinem "genau jetzt so sein". Das hat keine Absicht, außer zu sein. Es will nichts. Weder von mir noch von anderen.

Ich gehe weder beim Schreiben noch beim Sprechen weg von mir, weg vom Moment. Keine "Geschichte" führt weg von meinem Inneren. Ganz im Gegenteil. Das, was ich ausdrücke, ist das, was jetzt gerade spürbar, sichtbar da ist, aufsteigt in mir. Ich würde es nicht sagen, wenn ich es nicht jetzt gerade fühlen würde, wenn es mich nicht beschäftigen würde.

Der Unterschied ist für mich deutlich zu spüren, ob jemand ÜBER etwas redet und nichts davon fühlt oder ob das, was gesprochen wird, tatsächlich in dem Moment aus dem Selbstkontakt kommt, aus der inneren Lebendigkeit, aus der eigenen Berührtheit, aus der Verbindung mit sich selbst.

Bei ersterem werde ich sofort müde und will weg oder unterbrechen. Ich kann und will es nicht ertragen oder über mich ergehen lassen. Bei zweiterem bin ich hellwach und präsent und will mehr davon.

Auch wenn ich mal unwesentlich bin, werde ich sofort müde, kann Sätze nicht beenden, einen Gedanken nicht aussprechen. Ich unterbreche mich selbst. Halte inne. Schweige. Energetische Sackgasse. Nicht wichtig.

Warum ich das schreibe? Weil es gerade da ist in der Selbstbeoachtung, in der Außenbeobachtung, die der Selbsterkenntnis dient. Weil ich beobachte, welche Worte vom Menschen wegführen und welche hin. Wer aus der Berührung und dem Moment spricht und wer nicht. Wer das verkörpert, was er schreibt und wer nur davon redet. Und wie ich in all dem da bin. Eine Selbsterforschungsreise aus dem Moment...


 

Freitag, 21. März 2025

Mir mehr glauben als den anderen

Es ist das eine, zu wissen wer und was ich bin. Das andere ist, es auch zurückgespiegelt zu bekommen, gesehen und erkannt zu sein, entsprechend behandelt zu werden.

Die letzten Monate gab es immer wieder Gelegenheit zu erfahren und zu fühlen, wie es ist, wenn ich von schmutzigen Spiegeln reflektiert werde. Eins der größten Probleme der Kindheit. Vielleicht sogar DAS größte. Das, was tiefste Wunden schlägt, zu größter Irritation und Verunsicherung führt und ein super verzerrtes, schmerzendes Selbstbild entstehen lässt. Einen Krieg mit uns selbst beginnt. Denn etwas in uns weiß, dass da etwas nicht stimmt und dennoch bin ich aufgrund der Abhängigkeit gezwungen, das irgendwie zu kompensieren. Auf unsere Kosten. Wir mussten uns verleugnen, abspalten, uns selbst bekämpfen, dämpfen, runterregulieren, (maß)regeln. Als Kind nicht sauber gespiegelt worden zu sein, ist daher auch eins der größten Probleme im Erwachsenenleben.

Ich habe angefangen zu glauben, dass der Schmutz im Spiegel der anderen der meine wäre. Ich kann mich nicht richtig sehen. Ich weiß überhaupt nicht wer ich wirklich bin. Ich glaube die allergrößten Lügen über mich.

Deswegen könnte ich ausflippen, wenn ich generalisierte Sätze höre wie: "Alles, was du siehst, ist auch in dir". Eine spirituelle Wahrheit, die allerdings im falschen Kontext große Verwirrung und Leid bringen kann. So einfach und immer eindeutig ist der Satz für meine Begriffe nicht zu nehmen.

Ich weiß, was es bedeutet, in unklaren Feldern zu sein und nur Projektionen als Rückmeldung über mich zu bekommen. DAS sind ganz bestimmt nicht meine Baustellen. Meine Baustelle ist, zu erkennen, dass es nicht meine Baustelle ist, dass es schmutzige Spiegel gibt, dass ich mit Filtern betrachtet werde und nicht wirklich gesehen werde. Dass der Dreck, den ich sehe, nicht mir gehört.

Ich kenne den Unterschied im Körpergefühl, wenn mir tatsächlich sauber ein Schatten von mir gespiegelt wird oder aber wenn ich verkannt werde. Ein himmelweiter Unterschied im Innenerleben, in den Körperreaktionen. Das Problem beim schmutzig gespiegelt werden ist - und das ist dann tatsächlich meine Baustelle - dass ein Großteil in mir weiß, dass ich verkannt werde, ein kleiner Teil aber glaubt bzw. befürchtet, der andere könnte doch recht haben. Das ist ein unglaublich großer Schmerz. Ein großer innerer Konflikt zwischen Anteilen. Eine große Diskrepanz zwischen meiner tiefsten inneren Wahrheit und der Rückmeldung von außen. Da stimmt etwas gewaltig nicht.

Wenn dann so eine spirituelle Weisheit daherkommt, die sagt, dass ich DAS bin, dass der andere Recht hat, dann gehe ich einen Krieg gegen mich selbst ein, gegen mein Wesen, meine Integrität, meine innere Weisheit, mein Gefühl für mich selbst.

Ja, ich bin natürlich alles, aber habe ich das gerade in dem Moment mit dem anderen in der Begegnung wirklich zum Ausdruck gebracht??? Ich MUSS in Erwägung ziehen, dass ich gerade nicht adäquat und sauber gespiegelt werde. Ich muss mir als Internalisierer und Jedes-Problem-in-mir-finden-Woller erlauben, dass ich mir mehr glaube, als den anderen, den Externalisierern und Jedes-Problem-beim-anderen-finden-Wollern.

Ich darf mich um die Anteile kümmern, die sich noch verunsichern lassen, die Anteile, die Lügen glauben. Ich darf den Schmerz anerkennen - und alle anderen Gefühle, die damit einhergehen wie Wut, Enttäuschung, Trauer - den es bedeutet, nicht überrissen zu werden, verkannt, verurteilt, Projektionsfläche zu sein, nicht wahrgenommen zu werden, im Umgang mit anderen, in Beziehungen nicht erfahren zu können, wer und was ich wirklich bin. Ich darf mein Selbstbild korrigieren. Ich darf den Wunsch wahrnehmen, von dieser Welt, meinem Umfeld, dem Leben selbst, sauber gespiegelt zu bekommen, wer und was ich bin.

Es ist hoch an der Zeit, mir selbst über mich mehr zu glauben, als den anderen.



Dienstag, 18. Februar 2025

Selbstsicher

Ich genüge mir.
Bin sicher in und mit mir.
Das heißt nicht, dass ich nichts und niemanden mehr brauche. Das tue ich sehr wohl.
Es heißt vor allem, dass ich mich in der Lage fühle, aus mir heraus, alles zu wissen und tun zu können, was für mich relevant ist.

Ich vertraue meiner Anbindung zutiefst. Meiner inneren Führung. Der mir innewohnenden Weisheit und Kraft, der durch mich wirkenden kosmischen Intelligenz, der Macht, die mich durchströmt und belebt.

Ich vertraue mir und meinen Impulsen.
Ich bin mir meiner sicher.
Vertraue meiner Wahrnehmung.
Vertraue dem großen Ganzen, dessen Teil ich bin.

Alles wird zur rechten Zeit da sein, wenn ich da bin. Wahrnehmend. Spürend. Achtsam. Online. Tuned.

Auf mich kommt es an. Mich selbst im Wesen erkannt. Wissend wer und was ich bin, in was eingebettet. Der Rest ergibt sich.

Deswegen.
Ich genüge mir.
Bin alles, was ich wirklich und zuerst brauche.
Alles andere erfolgt daraus.
Aus mir.
Durch mich hindurch.

Ein Segen diese Tatsache.