"Nein! Ich möchte mich selbst genießen und du störst mich die ganze Zeit dabei."
Wie oft es in der Kindheit die Wahrheit gewesen wäre und so dran, diesen Satz zu den Erwachsenen zu sagen! Im Grunde ist genau das so oft in seligen Momenten passiert: Ich wurde in meinem wohligen mit mir sein gestört, rausgerupft und mit den Problemen der anderen behelligt. Probleme, die ich ohne die anderen gar nicht erst gehabt hätte.
Ich war und bin so gerne mit mir. Menschen, die mit sich selbst überhaupt nicht gut da sein können, stören meinen Genuss mit mir und ich darf in jedem Moment weise wählen, ob ich mein Mitmirsein stören lassen will.
Ich merke, wie ich es manchmal regelrecht einlade und dem Chaos Raum gebe mit Nachfragen, auf für mich völlig unverständliche Aussagen, auf Gewurschtel von Ideen und unerfassten Gefühlen. Statt einfach zu sagen: "Da kann ich gerade nichts mit anfangen."
Ich will die gewurschtelte Antwort, die es meistens nur noch schlimmer für mich macht, nämlich gar nicht hören und doch kommt so schnell eine Frage a la "Und was willst du jetzt damit sagen?" und dann schau ich den anderen auch noch auffordernd und abwartend an. Zack! Bin ich mittendrin im Chaos, das nicht mir gehört.
Und vielleicht ist es sogar wahrer, wenn ich sagen würde: "Da WILL ich gerade nichts mit anfangen. Ich will nämlich mich und mein Wohlsein mit mir genießen. Und da will ich gerade überhaupt nicht weg."
Ich weiß um die Teile, die bei Gewurschtel von anderen nur all zu gerne zugreifen. Die haben das Knäuel schneller in der Hand, als ich gucken kann. Sie wissen ja auch, dass sie sehr wohl verstehen können, wenn der andere sich nur klar bekommt und sie könnten sogar noch helfen zu klären und sie wollen ja auch soooo gerne Verbindung. Ich kann sie verstehen und doch möchte ich eine bewusste Wahl etablieren. Die Pause zwischen Gewurschtel und Zugreifen und prüfen, ob ich nicht viel lieber einfach Zeit mit mir verbringen mag.
Ein schlichtes "Nein, ich möchte nicht gestört werden" platzieren.
Nachtrag 05.07.2026:
Ich bemerke gerade, dass dieser Satz so ziemlich das andere Ende von "ich will durch den Kugelhagel zum anderen hin" ist. Krasse Entwicklung. Und natürlich möchte ich eigentlich Kontakt und Verbindungen, in denen ich mich weiterhin genießen kann, mit Menschen, die sich ebenfalls gerne selbst haben und sich genießen. Unter all dem ist Traurigkeit. Tiefe Traurigkeit, weil keine wohlwollende, freudvolle, lebendige, liebevolle Nähe möglich war. Nähe, in der ich mich hätte behalten dürfen. Nähe, in der ich nicht ständig angegriffen werde. Nähe mit jemanden, der sich selber liebt. Wenn ich mir vorstelle, wie sich eine Mutter angefühlt hätte, die sich selber liebt und wie sie dann mit mir umgegangen wäre, könnte ich Sturzbäche weinen. Das kommt nach all den Jahren der Selbstbegegnung zum ersten Mal so richtig bezüglich meiner Mutter durch. Zum ersten Mal ein Ansatz von Vermissen und Beweinen von dem, was nicht war und zum ersten Mal ein Gefühl dafür, wie es hätte sein müssen. Da bin ich vorher noch nie wirklich rangekommen. Das brennt ganz schön. Puh!
























