Mittwoch, 17. April 2019

Leuchte mit uns!

Menschen, die leuchten, haben auf mich eine magische Anziehungskraft. Wenn ich sehe, dass jemand nur so strahlt, so richtig von innen heraus, dann brauch ich mit demjenigen kein einziges Wort reden, ich mag ihn einfach. Ich hab ihn gerne um mich. Ich muss grinsen und alles in mir tanzt und feiert und jubiliert, einfach nur, weil der andere so eine geile Ausstrahlung hat. So geht es mir eigentlich immer, wenn ich Mischa Miltenberger sehe. Da kann ich nicht nicht grinsen. Und selbst wenn ich vor dem Gespräch noch so müde und erschöpft war, es dauert keine fünf Minuten und in mir britzelt es. Da werden Lebensgeister geweckt. Immer wieder. 

Seine Freude, seine Energie färbt voll auf mich ab und macht was mit mir. Da kommt was in mir zum Schwingen. Mein System geht voll in Resonanz und alles in mir signalisiert ERINNERN. Ich erinner mich an meine wahre Essenz, an meine eigentliche Schwingung. Da dockt was an. So fühlt sich Leben wirklich an. Freude ist unsere Urschwingung.

Als ich heute Nacht (ich konnte mal wieder nicht so richtig schlafen) dieses Bild hier kreiert habe, rumgespielt und getüftelt habe, musste ich eins ums andere Mal einfach nur grinsen.
Ich meine schaut euch mal dieses Leuchten von uns beiden an! Kann man da ernsthaft noch schlechte Laune haben oder sich Sorgen machen, wenn man diese zwei Paar Scheinwerfer sieht? Da sind aber alle Lampen an.

Und jetzt frage ich euch: Habt ihr Bock? Habt ihr Bock mit uns zu leuchten? Habt ihr Bock euch von uns anstecken zu lassen? Diese Energie noch zu potenzieren und um ein Vielfaches zu steigern? Habt ihr Lust auf einen Energiebooster der Extraklasse?

Wir haben für unser Retreat "Herz trifft Mut" noch genau drei Plätze frei. In einem Monat findet es statt (18.-19. Mai) in der wunderschönen Lüneburger Heide, irgendwo im Nirgendwo in einem magischen Seminarhaus mit ganz zauberhaften "Herbergseltern". Ein Gesamtgefüge, das die Explosion in die eigene Größe schon fast unumgänglich macht.

Mischa und ich wollen unser Strahlen teilen. Wir wollen euch anstecken mit unserer Lebensfreude, mit unserem Licht, mit unserer Leichtigkeit, mit unserer Radikalität, mit unserer Entschlossenheit, dieses Leben zu rocken und zu einem einzigen Fest zu machen.

Bist du dabei? Schaffen wir es wieder ein fettes, freudiges AUSGEBUCHT auf unsere Ausschreibungsseite zu zimmern? Ich fände es grenzgenial und ich weiß auch, dass genau das passieren wird. Mal sehen, wer unsere Hammertruppe, die jetzt schon angemeldet ist, noch komplettiert. Wer will wohl mit uns leuchten?

(Nähere Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier!)


Dienstag, 16. April 2019

Bleib dran!

Heute vor 4 Jahren hab ich angefangen zu bloggen, meine Geschichte zu erzählen, über meinen Weg zu schreiben, hab mich mit meiner Wahrheit sichtbar gemacht. Die Seite eingerichtet hatte ich schon länger, geschrieben bis zu dem Tag noch nichts.

Was hatte ich für Zweifel, ob das, was ich zu sagen habe, überhaupt jemanden interessiert. Ich hatte Angst, was meine Familie denkt, was die Freunde denken, die ehemaligen Kollegen. Ich hatte Angst vor Anfeindungen, vor Shitstorm, davor ausgelacht zu werden. Ich hatte Angst, meine größten Träume zu äußern, meine Visionen, ohne, dass ich schon groß "Erfolge" vorzuweisen hatte. Was, wenn ich mich doch täuschen würde und voll zum Horst mache?

Das Bedürfnis zu schreiben, mich zu zeigen, andere mit meiner Geschichte zu inspirieren, war aber größer als all die Ängste. Ich konnte gar nicht anders, als diesem Brennen in mir zu folgen. Wo mich das letztlich hinführen würde, konnte ich nicht wissen. Alles, was zählte, war, dass ich endlich diesem Drang nachgab, dass ich es endlich tat.

Und so habe ich am 16.04.2015 meinen ersten Artikel geschrieben, bin eingetaucht in eine neue Welt.
Vier Jahre später blicke ich auf mein heutiges Leben, blicke wieder zurück zum Startschuss meines Blogs, blicke wieder ins Jetzt und mir verschlägt es schier den Atem.

Ich habe mir ein Online-Business aufgebaut, ohne dass ich das je wollte. Der Blog hat nach wie vor nur vier Follower, dafür hab ich auf Facebook ein Netzwerk, das einfach nur fantastisch ist. Mein Schreiben hat sich verlagert. Der Blog ist mehr eine Sammelstelle meiner Werke als wirklich etwas Lebendiges. Lebendig ist es auf meiner Facebook-Seite. Lebendig ist es aber vor allem in mir.

Ich bin mittlerweile nicht nur Blogautorin, sondern auch Buchautorin, Seminarleiterin, Speakerin, Coach, Heilerin der Herzen und vor allem - und das ist das Allerwichtigste - durch und durch, mit jeder Zelle ich. Ich bin komplett in jedem Moment einfach ich.

Mein Leben explodiert auf eine Weise, die ich mir immer gewünscht habe. Damals, als ich die ersten Worte getippt und veröffentlicht habe, hab ich davon nur geträumt. Es waren gefühlt kühne Träume und niemand konnte mir versichern, dass das alles mal was wird. Es nun zu erleben, dass es was geworden ist - nämlich richtig geil - ist ein unbeschreibliches Gefühl. So schön, befriedigend, erfüllend, warm, tief, lebendig.

Genau heute will ich dir deswegen sagen: Bleib dran! Bleib dran und behalte deine Sehnsucht im Fokus. Mach es nicht mehr unter deiner Würde. Mach es nicht mehr ohne Lebendigkeit. Sei es dir wert! Dieser Moment, wenn das Leben dann nämlich wirklich abhebt, ist wahrlich jede Mühe wert. Bleib dran und lass dir vom Leben zeigen, wie geil es sein kann.

Tu dir selbst diesen großen Gefallen und hör niemals auf, an dich zu glauben.

Montag, 15. April 2019

Wir brauchen keine Sicherheit

Ich muss das Thema Sicherheit nochmal aufgreifen. Es drängt mich. So oft höre ich: "Ich würde ja gerne, aber..." und dann kommen Argumente wie die Verantwortung für die Kinder, das Geld, das gebraucht wird und das nun mal von dir kommen muss, weil du Alleinverdiener bist, die Verantwortung für die kranke Oma, die pflegebedürftige Mutter. Geld, Sicherheit, Sicherheit, Geld, Verantwortung.

Egal, was ins Feld geführt wird, die Aussage ist die gleiche: "Es geht nicht. Ich kann mein Leben nicht verändern. Ich kann es mir nicht leichter machen. Ich kann nicht machen, was ich eigentlich wirklich will."

Das Geld, die Sicherheit, die wir damit verbinden, unser Pflichtbewusstsein gegenüber anderen, das erfüllt werden will, das alles "brauchen" wir nicht wirklich. Es sind die Gefühle, die wir nicht wollen, wenn wir das Geld nicht mehr haben, wenn wir die Sicherheit nicht mehr haben, wenn wir nicht mehr unsere vermeintliche "Pflicht" erfüllen und für andere Sicherheit bieten.

Wir wollen die Ungewissheit nicht, die damit verbunden ist. Wir wollen die Anteile in uns nicht, die wir damit leben würden. Wir wollen nicht unzuverlässig sein, wir wollen andere nicht im Stich lassen, wir wollen nicht schwach sein, wir wollen nicht versagen, nicht klein beigeben, wir wollen kein Schmarotzer sein, wir wollen kein Egoist sein, wir wollen nicht arm sein, wir wollen keine schlechte Mutter sein, keine schlechte Tochter, wir wollen nicht undankbar sein, nicht unlogisch, nicht faul, nicht unklar, nicht leichtsinnig, wir wollen nicht derjenige sein, der andere enttäuscht, wir wollen nicht aus der Reihe tanzen, wir wollen nicht auffallen, wir wollen nicht, dass über uns geredet wird, wir wollen keinen Liebesentzug erfahren, wir wollen keinen Konflikt mit unseren Mitmenschen, wir wollen nicht unbequem sein, kein Quertreiber, wir wollen nicht anecken, niemandem auf den Schlips treten, wir wollen nicht, dass wir nicht wissen, wie es weitergeht, wir wollen es uns nicht zu leicht machen, wir wollen nicht um Hilfe bitten, wir wollen nicht zugeben, dass wir es nicht alleine schaffen, dass wir nicht mehr können, wir wollen im Gegenzug selbst nicht enttäuscht werden.

Wir wollen nicht, wir wollen nicht, wir wollen nicht und aus dieser Vermeidungsstrategie heraus sagen wir, dass wir Sicherheit brauchen. Das ist nicht die Wahrheit.

Wir wollen ganz oft nicht einsehen, dass wir Verantwortung tragen, die gar nicht die unsere ist. Wir wollen nicht glauben, dass es irgendwo auf dieser großen Welt mindestens einen Menschen gibt, der in einer ganz ähnlichen Lebenssituation ist wie wir, der schon mal gekonnt hat, was wir nicht zu können glauben. Irgendwo da draußen ist einer, der hat genau das schon gemacht, was du so gerne würdest, aber angeblich nicht kannst.

Du kannst. Immer. Ende der Geschichte. Du kannst, du bist nur nicht bereit die Konsequenzen zu erfahren. Und dann ist die Frage nicht, ob du kannst, sondern ob du wirklich willst, ob du wirklich bereit bist für alles, was deine Entscheidung bedeutet und nach sich zieht. Ob du bereit bist, ALLES zu fühlen, was dann gefühlt werden will.

Die Schnappatmung, die Unsicherheit, die Ohnmacht, die Minderwertigkeit, die Schuld, die Scham, die Kleinheit, die Verzweiflung, die Ablehnung, die Andersartigkeit, den Liebesentzug, die Angriffe, die Verurteilungen (die eigene und die der anderen), die Schwäche, die Ungewissheit, die Unklarheit, die Abhängigkeit, die Bedürftigkeit, den Schmerz.

Seinen Weg zu gehen ist wahrlich nicht immer Zuckerschlecken, so oft kommt Gegenwind, so oft muss man für sich einstehen und ein klares NEIN an andere senden, so oft erfüllt man nicht mehr die Ansprüche der anderen, so oft wird es unangenehm. Keine Frage. Aber sag nicht, du kannst nicht. Frag dich lieber, was du nicht fühlen willst, was du nicht sein willst, was du vermeiden willst, dann bist du ehrlich zu dir.

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Freitag, 12. April 2019

Sicherheit oder Lebendigkeit?


Dein Job macht dich nicht mehr zufrieden. Er ist ok. Mehr aber auch nicht. Zwar nicht wirklich schlimm, aber auch nicht wirklich deine höchste Freude. Er ist komfortabel. Du bekommst jeden Monat dein Geld, kannst dir gewissen Luxus leisten, was du dafür tun musst, ist schon ganz in Ordnung. Aber erfüllend ist das alles nicht. Dir fehlt die Leidenschaft. Dir fehlt der Sinn. Dir fehlt das Leuchten in den Augen. Die Energie. Die Begeisterung. Die Befriedigung. Da ist eine ungestillte Sehnsucht in dir. Du fragst dich, ob das so wirklich alles gewesen sein soll in diesem Leben. Etwas in dir sagt dir ganz klar, dass da mehr sein muss.

Aber was willst du stattdessen? Was könnte dir mehr Freude bereiten? Wo könntest du besser aufgehoben sein? Was könnte dir mehr liegen? Wo würdest du lieber arbeiten wollen? Wie würdest du deine Tage besser, sinnvoller, erfüllender verbringen können? Was könnte das Leben noch für dich in der Tasche haben?

Auf all diese Fragen hast du keine Antworten. Nicht eine. Vielleicht eine Ahnung, aber nichts Konkretes. Da gibt es noch keinen Plan B. Kein Ziel, das du stattdessen anstreben könntest. Solange du diesen Plan B nicht hast, kannst du auch nicht kündigen, glaubst du. Du brauchst ja das Geld. Du brauchst die Sicherheit. Du musst erst wissen, wo es stattdessen hingehen soll, bevor du die eine Tür hinter dir zumachst. So ist es doch, oder?

Also sitzt du in der Zwickmühle, treibst dahin im drögen Alltagssumpf, der dein Herz so gar nicht höher schlagen lässt. Mal kannst du es gut haben, dass dein Leben so dahinplätschert, dann wieder macht es dich schier wahnsinnig, dass du keine Alternative hast, dass du nicht weißt, wo es für dich langgehen sollen. Du verkümmerst. Du verwelkst langsam aber sicher. Du wirst immer unruhiger. Du beginnst dir Stress zu machen. Du versuchst diesen Plan B mit aller Gewalt zu erzwingen, entwirfst vielleicht einen Businessplan, gehst ganz logisch und sachlich vor und brichst dir dabei fast einen ab. Mit Freude und Leichtigkeit hat das auch nichts zu tun.

Was wäre, wenn das Ziel nicht dieser Plan B wäre? Was wäre, wenn du keine Sicherheit brauchst, sondern einfach nur mehr Leben, mehr fühlen, mehr erLeben, mehr Erfahrungen machen? Was wäre, wenn du dem falschen Ziel hinterherjagst? Könnte es sein, dass dein Navi falsch programmiert ist?
Was wäre, wenn das Ziel nicht "Sicherheit" hieße, sondern ganz einfach "Lebendigkeit"? Was macht diese Vorstellung mit dir? Sei ganz ehrlich zu dir selbst. Lass dein Herz diese Frage beantworten. Brauchst du wirklich Sicherheit oder doch eher Lebendigkeit?

Wenn Lebendigkeit das neue Ziel wäre in deinem Navi, die neue Ausrichtung, was kämen dir da plötzlich für Ideen? Würdest du dann immer noch einen Businessplan erstellen wollen? Fühlt sich das lebendig an? Oder würdest du dann eher wieder deiner Freude folgen, neugierig Dinge ausprobieren, spielerisch, leicht, kindlich? Auch mal was riskieren, unlogisch sein, verrückt, leichtsinnig, mutig?
Ich glaube, wenn du einfach immer dahin gehst, wo du dich lebendig fühlst, dann kannst du deinen Weg gar nicht verfehlen, dann kannst du dich gar nicht verfehlen. Wenn du dich zwischen Dingen entscheiden musst, und damit meine ich schon die kleinsten Kleinigkeiten, und die Frage ist, was gibt mir Leben, wo fühle ich mich lebendig, dann kannst du ganz schnell eine Wahl treffen, dann weißt du ganz schnell wo du richtig bist. Nimmt es mir Leben oder gibt es mir Leben?

Wenn das alles ist, worauf es in jedem Moment zu achten gilt, wenn das der einzige Wegweiser ist, dem es zu folgen gilt, dann ist das Leben plötzlich wieder leicht. Dann brauchen wir nicht lange überlegen. Und dann könnte es tatsächlich passieren, dass wir mit all dem Spaß plötzlich ein Business haben, das wir so gar nicht geplant hatten. Ganz ausversehen und vor lauter Leben ist es uns noch nicht mal aufgefallen.


Und was ist jetzt mit dem sicheren Job, fragst du dich? Da frag ich dich: "Willst du Sicherheit oder Lebendigkeit?"

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Dienstag, 9. April 2019

Nur weil es mit gut geht, heißt das noch lange nicht, dass es anderen dafür schlecht gehen muss

So manche Bemerkungen und Kommentare auf meine Beiträge (bei Facebook) haben mich in letzter Zeit nicht kalt gelassen. Was mich doch sehr verwundert hat. Kommentare, die in die Richtung gingen: "Ja, du konntest deinen Weg ja nur gehen, weil dein Partner arbeiten ging." Oder "Wenn das jeder machen würde und würde sich nur um sich kümmern, dann würde ja das System zusammenbrechen. Es braucht halt auch die Vernünftigen, die eben nicht so egoistisch sind und sich nur um sich kümmern, die die Zähne zusammenbeißen und fürs Allgemeinwohl sorgen."
Normalerweise stehe ich voll über solchen Sprüchen. Mein Weltbild ist ein anderes und ich habe da eine komplett andere Einstellung. Gleichzeitig durfte ich feststellen, dass da eine Wut hochkam. Etwas hat mich total genervt und ich konnte es nicht richtig greifen. Also bin ich tauchen gegangen. Tiefseelentauchen bei mir selbst. Wie so oft.

Was ich dann gefunden habe, war so unterschwellig, so subtil, so schwer zu erkennen und gleichzeitig so simpel und logisch, dass ich es unbedingt erzählen will. Ich glaube nämlich, dass ganz viele ähnliche Altlasten haben.

Ich habe Schuldgefühle gefunden - uralt, mit der Muttermilch eingesogen. Schuldgefühle, die so überflüssig sind und die mich echt wütend gemacht haben. Es waren nämlich Schuldgefühle, die mir eingeredet wurden von Kindesbeinen an. Manchmal tatsächlich ausgesprochen, immer aber zumindest unterschwellig vorhanden.

Meine Eltern haben sich für ihre Kinder krumm gemacht. Wir sollten es mal besser haben als sie. Sie haben sich alles vom Mund abgespart, damit wir gut versorgt sind. Sie haben geackert und geschuftet, waren eigentlich nie wirklich "da", immer im Tun, immer beschäftigt, hatten keine Zeit für Zwischenmenschliches, Nähe, Zuhören. Arbeiten war angesagt und das alles nur "für die Kinder". Das heißt die Botschaft, die da mitschwang war: Damit du es gut haben kannst, müssen wir leiden.

Da wurde eine Schuld zugewiesen. Latent. Da schwang was mit. Kinder haben Augen im Kopf und ganz viel Feingefühl. Klar, es war sooo gut gemeint und dennoch ist es für die Kinder eine Last, die sie nie wollten. Ich wollte nicht, dass meine Eltern für mich leiden. Ich wollte nicht, dass sie sich krumm machen, verbiegen, sich verbieten, Freude zu haben, es leicht zu haben, nur weil sie uns materiell versorgen wollten. So viel mehr hätten wir Kinder davon gehabt, wenn die Eltern gut für sich gesorgt hätten und nicht nur gut für uns. Was für ein Vorbild! 🙈

Kein Kind, kein Mensch will es wirklich, dass es anderen schlecht geht, damit es ihm gut gehen kann. Und diese Schuld ist in so vielen von uns gespeichert. Wie viele haben den Satz gehört: "Dir soll es mal besser gehen." Eigentlich wollten uns die Eltern das Leben erleichtern. Tatsächlich haben sie uns eine Last mitgegeben. Dieses grundsätzlich schlechte Gewissen. Diese Grundannahme, dass es automatisch anderen schlecht gehen muss, wenn es einem selbst gut geht. Manche erlauben sich daher schon gar nicht, dass es ihnen gut gehen darf, weil es dann auch keinem anderen schlecht gehen muss.

Deswegen haben mich diese Kommentare so getriggert. Da wurde meine alte Schuld angetickt. Nur weil ich es mir so gut gehen lasse, leiden andere für mich. Mir könnte es nicht so gut gehen, wenn andere nicht in den sauren Apfel beißen würden.

Was für ein Blödsinn und ich bin wirklich froh, dass ich diesem Blödsinn auf den Grund gegangen bin. Nun kann ich meinem kleinen inneren Mädchen endlich sagen, dass das eine ganz große Lüge ist und dass es ihr gut gehen darf, dass andere eben nicht dafür oder deswegen leiden müssen.

Wir sind nicht schuld, wenn andere sich für das Aufopfern entscheiden. Mit dieser Entscheidung haben wir nichts zu tun. Das ist das eine. Das andere ist, dass Hilfe annehmen, nicht automatisch bedeutet, dass diese Hilfe dem Helfenden weh tut. Es gibt auch positive Unterstützung aus der Liebe heraus. Die dürfen wir gerne annehmen.

Uns kann es allen gut gehen. Allen auf einmal. Niemand hat aus der Leichtigkeit und Freude des anderen einen Nachteil. Ganz im Gegenteil sogar. Aus der Leichtigkeit und Freude jedes einzelnen hat die Welt ganz viel. Wenn jeder gut für sich sorgt, sind alle gut versorgt.

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Samstag, 6. April 2019

Das "Luxusproblem" Selbstfindung

Wo kämen wir denn hin, wenn plötzlich nur noch jeder machen würde, was ihm gefällt?

Ich weiß nicht, wie oft mir diese Frage im Laufe meines Lebens und vor allem im Laufe meiner "Selbstfindung und Selbstverwirklichung" über den Weg gelaufen ist.

Wieso kommen so viele so schnell zu dem Schluss, dass dann alles zusammenbrechen würde? Wieso gehen wir davon aus, dass dann nur noch Sodom und Gomorra herrschen würde, dass plötzlich alle Firmen leer wären, niemand mehr zur Arbeit ginge, das komplette System zusammenbrechen würde? Ich kann es wirklich nicht nachvollziehen.

Man muss sich mal überlegen, was hinter all diesen Horrorszenarien für eine Grundüberzeugung liegt: Alles, was getan werden "muss", damit wir einkaufen können, damit der Müll beseitigt wird, damit öffentliche Toiletten sauber sind, tun Menschen ungerne. Wir nehmen an, dass dann ganz vieles liegen bleiben würde, weil das keiner mehr machen will. Wir gehen davon aus, dass man Menschen dazu zwingen muss, sowas zu tun. Und wenn es nicht wenigstens ein paar "Vernünftige" geben würde, die die Zähne zusammenbeißen und eben nicht so egoistisch sind, nur an sich zu denken, dann sähen wir alt aus, dann gäbe es den großen Crash.

Ich bin immer wieder erstaunt über solche Ansichten. Wieso glauben wir so sehr, dass man "vernünftig" sein muss, dass Freude zu nichts als Ärger führt, dass Menschen es "ausnutzen" würden, wenn man sie "frei" lassen würde? Und das dickste Ding ist, die die solche Befürchtungen äußern, sind selbstverständlich die "Vernünftigen", die das nur von den anderen befürchten. Sie selbst würden ja ihren Beitrag selbstverständlich leisten, aber die anderen... Da kann man sich halt nicht drauf verlassen. Da muss schon Zucht und Ordnung herrschen. Für die anderen muss es Regeln geben. So krass, das immer wieder zu beobachten.

Jeder will hier seinen Beitrag leisten, aber so wie es ihm liegt und nicht so wie er muss. Niemand will hier eigentlich zu etwas gezwungen werden, was er nicht tun will. Jeder will im Prinzip die Freiheit haben, dass zu tun, was er liebt. Warum sollte das in den Ruin führen? Warum kann es nicht sein, dass sich das Universum etwas dabei gedacht hat, uns so unterschiedlich zu machen und sich das alles von alleine sortieren und regeln würde, weil hier jeder seinen Platz hat. Weil hier jeder gebraucht wird und zwar so, wie er gedacht ist und nicht so, wie andere meinen, dass er zu sein hat.

In der Natur braucht es auch keinen Chef, der sagt, welcher Vogel welches Lied zu pfeifen hat. Niemand sagt dem Gras, dass es jetzt zu wachsen hat. Das passiert alles von alleine, aus einer höheren Intelligenz heraus. Jeder von uns hat komplett unterschiedliche Neigungen, Gaben, Talente, Vorlieben. Nicht alle, werden dann plötzlich Coach oder liegen den lieben langen Tag in der Hängematte. Wir sind so bunt, jeder tut was anderes gerne, dass sich das ganz automatisch neu sortieren würde. Es würden nur noch die Brot backen, die es lieben Brot zu backen. Es würden nur noch die im Büro arbeiten, die es absolut lieben, diese Arbeit zu machen.

Viele trauen der Gattung Mensch (sich selbst immer ausgenommen) diese höhere Intelligenz nicht zu. Viele trauen der Natur, von der wir nun mal Teil sind, nicht zu, dass sie sich selbst regelt.

Ich sag euch was: Ich traue jedem Menschen das Beste zu. Ich traue jedem zu, dass er sein höchsten Potential entfalten würde, wenn man nur an ihn glaubt und ihn lassen würde. Jeder würde aus meiner Sicht seinen Teil beitragen, wenn die Herzen geheilt wären, die inneren Kinder gesättigt, wenn wir uns gegenseitig beflügeln würden statt beschneiden, wenn wir uns alle wachsen sehen wollten.
Und das alles kann nur passieren, wenn sich jeder erstmal um sich selbst kümmert, wenn jeder erstmal bei sich schaut, seine Wunden heilt und die komplette Verantwortung für sich und sein Leben zurück zu sich selbst nimmt. Dann kann diese Welt funktionieren.

Wenn jeder das Luxusproblem "Selbstfindung" lösen würde, hätten wir ganz viele Alltagsprobleme nicht mehr und zwar die wirklich grundsätzlichen.

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Donnerstag, 4. April 2019

Was, wenn erstmal du dran bist?

So viele scheinen gerade in den Startlöchern zu stehen. So viele wollen sich und ihre Gabe in die Welt bringen und gleichzeitig will es manchmal nicht so richtig laufen. Alles, was man anfasst, wird erstmal nichts, verläuft sich im Sande, es kommt nicht zustande.

Da fragt man sich manchmal schon, ob man sich vielleicht in seiner Vision und dem, was man tun will, seiner Herzensangelegenheit getäuscht hat. Gerade wenn man dafür vielleicht eine Festanstellung gekündigt hat, kommt man schnell in die Versuchung, das Ganze als Himmelfahrtskommando abzutun und sich wieder einen Job suchen zu wollen. Läuft ja doch nicht.

Doch auch eine neue Stelle fühlt sich eventuell voll schräg an. Also zurück ins alte Leben geht es nicht mehr. Das neue Leben mag sich aber noch nicht so richtig entfalten. Die neue Tätigkeit nicht auftun, nicht anlaufen. Vertrackte Situation!

Was, wenn du aber einfach an dem Punkt bist, dass vielleicht erstmal du dran bist? Nicht du mit deinem Herzensprojekt, sondern du als Wesen. Vielleicht darfst du dich erstmal ordentlich um dich kümmern? Heilen? Erstmal verschnaufen? Dich zurückziehen? Gut für dich sorgen? Wieder zu atem kommen nach all den Jahren des Funktionierens? Vielleicht läuft dein Herzensbusiness deswegen nicht, weil es noch gar nicht wieder dran ist, wieder ins Tun zu kommen? Vielleicht ist erstmal SEIN dran?

Aus meiner eigenen Geschichte kann ich sagen, bei mir war es genau so. 2009 hab ich gekündigt und wollte selbstverständlich nahtlos, direkt durchstarten. Sofort den großen Erfolg auf MEINE Weise. Ich wollte sofort den ganz großen Wurf. Ich wollte direkt abheben, weitermachen. Von wegen besinnen und Luft holen. Pf... Ich doch nicht.

Das Leben wollte es anders. Das Leben hat mir mal so eine richtig fette, grooooße, ganz laaaange Pause verschrieben. Jahre!!! Und wie oft hab ich versucht diese Pause abzukürzen, weil das geht ja wohl gar nicht, dass ich so lange "nichts" mache. Wobei das natürlich nicht stimmte, mit dem nichts machen. Ich hab halt Innenschau betrieben, mich erforscht, 24/7.

Alles, was ich anfangen wollte, hat einfach nicht funktioniert. Ich konnte es drehen und wenden wie ich wollte, es wurde nichts. Noch nicht mal als die Vernunft kam und mir sagte, dass ich mir jetzt doch wieder einen Job suchen sollte, hab ich einen bekommen.

Warum kann ich heute ganz genau sagen. Ich brauchte Zeit für meine Heilung. Ich brauchte Zeit, überhaupt erstmal zu begreifen und zu erfassen, wer ich denn eigentlich wirklich bin. Ich brauchte Zeit für Häutung, fürs Herausschälen. Ich brauchte Zeit, um all das abzulegen, was ich nicht bin. Wenn nur ein Projekt geklappt hätte, wenn ich nur einen Job bekommen hätte, wäre ich in den alten Mustern weitergelaufen, ich hätte NICHTS verstanden, weiterfunktioniert und wäre dann später vielleicht noch härter aufgeschlagen. Es war genau richtig, dass das alles nichts wurde.

Diese Zeit, die ich hatte - und ich hab diese Zeit so oft verflucht, weil ich ja "nichts" getan habe - die war so extrem nötig und richtig. Ich hab erstmal richtig begriffen, wer ich eigentlich bin und was ich wirklich wirklich brauche. Ich habe meinen Rhythmus gefunden in jeglicher Hinsicht. Ich habe herausgefunden, wie mein Tag sein muss, damit es mir gut geht. Wie mein Business sein muss, damit es mir gut geht. Ich hab ein Puzzleteil, ein Steinchen nach dem anderen gefunden und zusammengesetzt. Nach und nach und ganz in Ruhe.

Manchmal braucht es ein Vakuum, eine Stille, ein Nichtstun, einfach SEIN, um Platz zu machen für das, was da kommen will. Nur in den seltensten Fällen klappt das nahtlos vom herkömmlichen Leben auszusteigen und direkt in die Selbstverwirklichung überzugehen und sofort auch davon leben zu können.

In der Zeit, in der ich eben nicht "davon" leben konnte und dennoch daran festgehalten habe, ist mir noch etwas Entscheidendes klar geworden. Ich will nicht einfach "davon" leben können. Ich will vor allem "dafür" leben und das Geld wurde erstmal zweitrangig. Als mir das Geld auch noch egal war und ich mir trotzdem treu geblieben bin, hat auch das funktioniert. Welch Überraschung.
Also, was ist, wenn jetzt einfach du dran bist? Wenn du dich erholen darfst? Heilen? Dich um dich selbst kümmern darfst und auch das Geld dich daran nicht hindern kann? Was wäre, wenn?

Mittwoch, 3. April 2019

Radikale Erlaubnis


Diese zwei Worte habe ich gerade "zufällig" gelesen und sie machen was mit mir. Sie machen sogar ziemlich viel mit mir. Da ist unfassbar viel Kraft drin, Entschlossenheit, Klarheit, Bums. Da ist etwas Grundsätzliches, Entscheidendes.

Stell dir nur mal vor, du gibst dir für dein komplettes SEIN, für alles, was gerade in deinem Leben ist, für alles, was dich gerade ausmacht, für jede Sehnsucht, für jede Eigenart, für deine tiefste innere Wahrheit die radikale Erlaubnis. Stell dir vor, du erlaubst dir ALLES, was dir gut tut. Jeden Traum, jede Vision, jede Neigung, jeden "UnSinn". 

Stell dir vor, du erlaubst dir jede Krankheit, jeden Makel, jede Schwäche, jegliche Unzulänglichkeit, jeden "Fehler". Stell dir vor, du erlaubst dir radikal dich selbst. Stell dir vor, du gibst dir selbst die radikale Erlaubnis zu sein, auf allen Ebenen, in jeglicher Hinsicht, egal, was das bedeuten mag.
 
Ich finde diese Vorstellung hat etwas von einer Explosion, von einem Befreiungsschlag, von einem gewaltigen Ausbruch in der Größenordnung eines Urknalls.

Ich gebe mir die radikale Erlaubnis, komplett ich zu sein. Mit allen Meinungen, Neigungen, Überzeugungen, mit meiner gesamten tiefsten Wahrheit und Weisheit. Ich erlaube meiner Seele die komplette Entfaltung.

Es ist ein Bild, wie wenn sie damit allumfassend in jede Zelle Einzug halten kann, wie wenn sie durch nichts mehr ausgebremst oder gehemmt wird. Sie fährt komplett in mich ein, kann durch mich wirken, ohne dass ich noch irgendwie im Weg stehen würde mit irgendwelchen Abers, Einwänden, Ängsten, Bedenken.

Ich erlaube meiner Seele radikal die Führung. Ich erlaube meinem Bewusstsein, mich komplett zu durchdringen. Ich erlaube dem Leben radikal, durch mich zu wirken. Ich erlaube mir, mich radikal hinzugeben.

Radikal ist so ein schönes Wort. Ich liebe es und im für mich richtigen Kontext, hat es so viel Power wie nur wenige Worte sie haben. Da bleiben keine Fragen mehr offen. Radikalität lässt keinen Platz für Fragezeichen, für vielleicht und "mal sehen". Radikal ist einfach radikal. Ganz oder gar nicht.
Wenn es um mich und mein wahres Wesen geht, bin ich so gerne radikal. Alles andere geht für mich nicht mehr. Ich bin radikal ich selbst. Ich folge radikal meiner Intuition. Ich mute mich radikal zu. Ich spreche radikal meine Wahrheit. Ich gebe mir die radikale Erlaubnis ich zu sein. So schön! Da bleiben keine Fragen mehr offen. Da gbit es nur noch Antworten.

Dienstag, 2. April 2019

Danke, geliebter Körper!

Gefühle fühlen, den Körper fühlen, weinen, gähnen, atmen. Gerade finden wieder regelrechte Entladungen statt. In Form von Emotionen, Nervenschmerzen, Muskelkrämpfe, Entzündungen. Alles plötzlich, heftig, explosiv. Das Kollektiv arbeitet auf Hochtouren. Unser Energie-System, der Körper ackert und leistet Großartiges.

Es ist mal wieder Befreiung auf tiefster Ebene angesagt. Alte Krusten platzen auf. Schichten lösen sich. Angestautes kommt in Fluss. Und das mit einer Kraft, dass man manchmal meinen könnte, es ist alles zu spät. 💥💥💥🔥🔥🔥

Das ist an sich nichts Neues. Es findet quasi jeden Tag statt und trotzdem gibt es Tage, da findet das verdichtet statt. So wie gestern und heute zum Beispiel. Da sind Symptome. Mal ziept es hier, mal ziept es da. Mal kracht es richtig. Müdigkeit, Gereiztheit, Watte im Kopf, keine Lust zu reden.

Der Körper will Ruhe. Meiner zumindest. Mein Geist will Ruhe. Hingeben, fühlen, da sein lassen, sein. Ich sorge gut für mich, schlafe viel, ziehe mich zurück. Ich bin mit mir. Ich bin für mich da. Mehr braucht es nicht. Nur meine Liebe für mich selbst. Der Rest geschieht von alleine. Tausend kleine Tode sterben und den Körper machen lassen. Was für eine Intelligenz hinter all dem!

Danke, geliebter Körper, dass du das alles mit mir machst, dass du mir auf dieser Reise so treu dienst, dass ich durch dich und mit dir so viel erfahren darf. 🙏🙏🙏❤️

Samstag, 30. März 2019

Ein Hoch auf die Wut, auf den heiligen Zorn

In mir brennt es. Es lodert. Und das ist gut so. Es ist heiliger Zorn. Absolut heilig. Er fühlt sich großartig an. Mächtig. Kraft spendend. Belebend. Bebend bis in die letzte Zelle. Alles in mir vibriert.

Ich spüre die Drachenkraft in mir, den Drachen, der Feuer speit. Meine Klarheit ist das Feuer. Und ich werde es nicht mehr bei mir, in mir halten, zurückhalten. Ich kann es nicht ändern, wenn sich jemand an meinem Feuer brennt. An meiner Klarheit brennt.

Was ich sage, meine ich tatsächlich auch. Ich spreche nicht durch die Blume. Nein, ich gehöre verdammt nochmal zu der seltenen Gattung Mensch, die meint, was sie sagt.

Ich spreche meine Wahrheit schon alleine deswegen, weil ich es mir schuldig bin. Viel zu oft und viel zu lange, habe ich mich versteckt, zurückgehalten, verbogen, war vorsichtig und wollte nur niemandem zu nahe treten. Viel zu oft, hatte ich Angst vor Ablehnung, hab ich an mir gezweifelt, habe Schuld angenommen, die nicht die meine ist. Habe Verantwortung übernommen, die nicht die meine ist.

Das hat mir nicht gut getan. In mir bäumt sich die Bärin auf und brüllt. In mir fletscht der Wolf seine Zähne und knurrt. In mir sträubt sich das Fell des Löwen, bereit zum Sprung. Da ist die Kriegerin, deren Augen blitzen und Funken sprühen.

Ich werde mich nicht mehr ducken. Ich werde mich nicht mehr zurückhalten. Was im tiefsten Inneren meine Wahrheit ist, weise und rein erspürt, das vertrete ich auch. Klar und deutlich. Und ich lasse sie mir nicht mehr absprechen.

Ich stehe nicht mehr zur Verfügung, die Themen anzunehmen und zu meinen zu machen, die andere in mich hineinprojizieren. Ich bin nicht mehr bereit, Erwartungen zu erfüllen, ob ausgesprochen oder unausgesprochen. Ich bin nicht dazu da, zwischen den Zeilen zu lesen und zu erahnen, was der andere vielleicht wirklich meint und will. Ich nehme mein Gegenüber beim Wort und wenn das Wort nicht mit dem Gefühl übereinstimmt, dann kann ich da einfach nichts dafür. Für mich ist ein Ja, ein Ja und ein Nein, ein Nein.

Die Zeiten, in denen ich anderen gefallen wollte, in denen ich auf biegen und brechen gemocht werden wollte, sind vorbei. Mir reicht es, dass ich mir genüge, dass ich mir morgens im Spiegel in die Augen schauen kann und dass ich das, was ich da sehe, mit Liebe anblicken kann. Und das kann ich weiß Gott.

Hier und heute gebe ich mir erneut das Versprechen, mir treu zu sein. Ich verspreche mir, in jedem Moment echt zu sein, aus tiefster Seele ehrlich zu mir und zu anderen, frei, frei von der Leber weg ich selbst. Das ist die einzige Verantwortung, die ich habe. Die Verantwortung für mich selbst. Ich schaue bei mir, ich reflektiere, ich prüfe mich. Immer wieder. Radikal. Für alles andere, stehe ich nicht zur Verfügung. Für alles andere habe ich keinen Auftrag.

Warum ich das schreibe? Diese Wut ist echt. Würde ich behaupten, dass ich jetzt nicht wütend wäre, wäre das eine Lüge. Ich schreibe, weil ich mich genau so zeigen will. Weil die Wut ein so wichtiger Teil vom Leben ist. Weil die Wut wieder ihren Platz in der Welt haben darf. Weil die Wut heilig ist und weil ich sie feiern will. Wut bringt Klarheit. Wut ist Lebensenergie. Wenn wir sie unterdrücken, frisst sie uns auf. Wut braucht Raum. Wut braucht Ausdruck. Wut will fließen. Das hier zu schreiben, hilft beim Fließen, beim Ausdrücken.

Und nein, ich muss diese Wut nicht wegoptimieren. Ich muss sie nicht so lange fühlen, bis sie sich auflöst. Ich muss nicht das Thema bearbeiten, damit der Trigger weg ist und die Wut überflüssig ist. Sie wird wieder kommen und wieder und wieder und das ist gut so. Wir wollen die Freude ja auch nicht wegoptimieren. Sie kommt auch wieder und wieder und wieder. Die Wut will einfach nur da sein dürfen, gefühlt werden, Achtung bekommen. Wut ist nichts besser oder schlechter als Freude. Deswegen feier ich sie hiermit. Und zwar so richtig. Der Auslöser ist Nebensache. Für den Auslöser kann ich nur dankbar sein.

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Mittwoch, 27. März 2019

Seit ich nichts mehr erreichen will, erreiche ich alles

Da ist diese kritische Stimme im Kopf, die sagt: "Ja, wenn du nichts mehr erreichen willst, dann tritt Stillstand ein. Dann liegst du nur noch antriebslos auf dem Sofa und verkommst."

Da ist diese Befürchtung, dass die ganze Welt verkommt, wenn jeder nur noch das tut, was ihm Freude macht. Ja, wo kämen wir denn da hin? Und von nichts kommt ja auch nichts. Wir brauchen zu Essen, wir brauchen Geld.

Kennst du das? Kennst du diese Gedanken? Es ist immer wieder das gleiche. Auf der einen Seite wollen wir es leicht und einfach, aber zu leicht soll es dann auch wieder nicht sein. Sonst kommt ja der Schlendrian rein.

Ich hätte früher die gleichen Bedenken ins Feld geführt. Ich habe mir nicht vorstellen können, wie dieses Leben leicht gehen soll. Wie es gehen soll, wenn ich nur noch der Freude folge. Das kann ja gar nicht funktionieren. Es gibt doch immer irgendwas, auf das man keine Lust hat. Irgendwas ist doch immer. 😉

Tatsächlich hätte ich nie vermutet wie einfach dieses Leben wirklich funktionert. Ich wollte es schon immer leicht und einfach, aber dass es SO einfach ist, das war mir bei Weitem nicht klar.

Wir haben da einen grundlegend falschen Gedanken. Wir gehen davon aus, dass der Mensch, wenn er die Freiheit hat, das zu tun, was er will, nur noch faul in der Hängematte liegt. Dass der Mensch nur durch Druck und Angst, durch Ziele Antrieb verspürt. Nur Disziplin und Ehrgeiz bringen uns vorwärts. Diese Grundannahme ist aber gänzlich verkehrt.

Der Mensch hat einen tiefen Drang nach Selbstwirksamkeit. Er will sich erfahren. Er will wirken. Er will sehen und erleben, dass er etwas kann, dass er etwas beitragen kann, dass er etwas in die Welt bringen kann. Er will einen Sinn.

Vielleicht mag es sein, dass viele, die gerade ihren Job an den Nagel gehängt haben, erstmal Wochen oder Monate zufrieden sind, wenn sie nichts tun müssen. Das ist nur normal, haben wir doch über Jahre geleistet, unmenschlich viel geleistet. Da braucht es erstmal den Gegenpol. Aber das bleibt nicht ewig so. Dann kommt da dieser Drang, dieses Sehnen, diese Lust, etwas zu tun. Die kommt immer. Die hat nämlich jeder.

Wenn wir dann das tun, auf was wir richtig Lust haben, dann sind wir leistungsfähig wie selten zuvor. Wenn ich sage, dass ich nur das mache, was sich für mich stimmig anfühlt, dann heißt das nicht, dass ich nichts mehr tue. Ich mache Werbung. Ich gebe Veranstaltungen. Ich gebe Coachings. Ich hab ein Buch geschrieben. Ich schreibe Posts was das Zeug hält. Ich tue sogar sehr viel. Und ich mache sogar meine Steuererklärung, putze, mach den Haushalt. Aber alles dann, wenn ich richtig Lust drauf habe. Ja, ich habe irgendwann Lust auf meine Steuererklärung. Ja, ich habe irgendwann Lust auf putzen.

Ich zwing mich ganz einfach zu nichts mehr. Für alles kommt der richtige Moment und dann geht es einfach von der Hand, dann flutscht es. Dann bin ich im Flow. Und ja, dieses Tun führt auch dazu, dass ich Geld generiere. Nur weil ich sage, dass ich nur noch meiner Freude folge, heißt das nicht, dass ich von Luft und Liebe lebe. Nein, dieses "der Freude folgen" ist sehr materiell und von dieser Welt. Ich bin nicht nur Licht und Liebe und rede mir das alles schön. Weit gefehlt.

Nichts mehr erreichen wollen, heißt nicht, dass ich keine Visionen habe. Ich habe so viele Visionen und ich vertraue mir und dem Leben so sehr, dass ich weiß, dass ich in jedem Moment das Richtige tun werde, damit sie sich realisieren. Ich acker dafür nicht. Ich streng mich dafür nicht an. Ich lasse sie los und folge dann meinen Impulsen. Dann ist Platz für Wunder. Dann hat das Leben den Raum, den es braucht, um dich zu unterstützen und in Leichtigkeit und Freude dahinzubringen, wo deine Vision bereits ist.

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Dienstag, 26. März 2019

Nie mehr etwas tun, "um zu"...


Gerade feier ich mal wieder meine Freiheit und das in einer Tiefe und Intensität, wie ich es schon lange nicht mehr gemacht habe oder vielleicht sogar noch nie.

Kürzlich bin ich meiner "alten Welt" begegnet. Einer Welt, in der ich mit jeder Faser zuhause war. Eine Welt, in der ich Dinge getan habe, "um zu". Um Geld zu verdienen, um einen bestimmten Eindruck zu erwecken, um souverän zu wirken, professionell, geschäftsmäßig. Ich habe Dinge getan, um andere Dinge zu erreichen. Das krasse ist ja, dass ich mir dessen damals überhaupt nicht bewusst war. Es war ja normal. Das hat ja so ziemlich jeder gemacht. Das gehörte sich so. Das war das Leben, so dachte ich.

Heute bin ich davon so weit weg, wie ich nur weg sein kann und dieser unfassbar große Kontrast hat mich tatsächlich geschockt, so richtig geschockt. Innerlich bin ich total sprachlos. Ich kann diesen alten Druck, diese Enge in der Brust, dieses viel zu feste Korsett förmlich nochmal spüren, das ich damals getragen haben. Ein Korsett aus Vorgaben, Ideen, Normen, Pflichten, Glaubenssätzen, Anstrengungen, Leistungsdruck, Erwartungshaltungen. Wenn ich nur dran denke, kann ich kaum mehr tief atmen. Es schnürt mir die Luft ab. Was war das für ein Stress! Was war das für eine Enge. Für ein Zwang. Für ein ständiger, immerwährender Druck, ein Suchen im Außen. Ein steter Versuch, andere für meine Belange zu beeinflussen, zu manipulieren. Immer diese Frage, wie ich andere dazu bekomme, das zu machen, was mir zuträglich ist, wie ich sie dazu kriege, in meinem Plan mitzuspielen.

Dieser Glaube, Dinge tun zu müssen, um andere Dinge zu erreichen, macht so viel kaputt. Das, was ich dann nämlich gerade tue, weil ich denke, ich müsste, um an ein bestimmtes Ziel zu kommen, fühlt sich so schwer an, so bitter. Es ist ein notwendiges Übel und alle, die daran beteiligt sind, sind Mittel zum Zweck. Sie werden instrumentalisiert, benutzt. Da geht es nicht um den Menschen, da geht es um mein Ziel dahinter. Es ist eine Beleidigung für alle. Für die Sache, für die Menschen, für das Ergebnis. Nichts und niemand hat diesen Umgang verdient. Bevor ich mit dieser Haltung, etwas fertige, etwas erschaffe, lasse ich lieber alles liegen und stehen und tue nichts. Jegliche Schöpfung hat weit mehr Respekt verdient, Achtung, Demut.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Zeit im Network-Marketing. Wie gruselig, einfach Kontakte zu knüpfen, mit dem Wissen und dem Hintergrund, dass ich demjenigen nur was verkaufen will. Der Mensch an sich ist völlig unwichtig.

Und was das auch mit einem selbst macht. Man ist nur eine Hülle. Man funktioniert. Wie eine Maschine. Ganz rational. Die Vorgaben zählen, die Zahlen sind entscheidend. Wo bleibt die Leidenschaft? Wo bleiben die leuchtenden Augen? Wo bleibt das Brennen in mir, das Feuer, das mich erfüllt und gleichzeitig andere ansteckt? Wo bleibt meine Seele? Wo bleibt das Nährende? Das Erfüllende? Die Zufriedenheit? Die Weite? Die Leichtigkeit? Der Genuss? Die Freude? Die Neugier? Der Spieltrieb? Das, was mich eigentlich ausmacht und antreibt? Wo bleibe ich als Mensch, wenn ich mich für "sowas" verkaufe? Fürs Business? Fürs Geld machen?

Ganz ehrlich, so ein Geld will ich nicht, nie mehr. Das ist saures Geld mit ganz schrecklicher Energie. Dafür bin ich im übertragenen Sinne über Leichen gegangen. Es war ein totes Geschäft. Da sind sich nicht Menschen begegnet, sondern Objekte. Mich schüttelt es richtig bei dem Gedanken.

Für mich ist einmal mehr klar geworden, wie radikal ehrlich ich mir selbst gegenüber schon lange bin und auch bleiben werde. Auf diese Leere habe ich keine Lust mehr. Niemals mehr werde ich mich verraten für einen Zweck dahinter. Niemals mehr tue ich etwas, was mir nicht 100 Prozent entspricht und ich bin bereit jegliche Konsequenz, die das mit sich bringt, anzunehmen, zu tragen. Ich bin mir dessen bewusst, dass sich dadurch manche Wege trennen, dass ein manches "Geschäft" nicht zu stande kommt. Es ist mir egal. Ich bin mir wichtiger. Mein Frieden, meine Echtheit, meine Werte.

Wenn ich etwas tue, dann mit absoluter Überzeugung, Hingabe und Freude. Da geht es um die Sache an sich und nicht um das, was vielleicht dabei rauskommt. Gott sei Dank, sind diese Zeiten lange vorbei. Gott sei Dank, hatte ich den Mut, diesen Weg zu gehen. Gott sei Dank bin ich heute da, wo ich bin!!! Bei mir! Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes zu Sinnen gekommen. Radikal ehrlich! Radikal echt! Und dafür feier ich mich jetzt. So richtig richtig! Danke Leben für diese krasse Rückschau!

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Montag, 25. März 2019

Ich erlaube mir, alles zu sein

Alles, was ich an mir und anderen ablehne, darf ich mir erlauben. Alles, was ich auf keinen Fall sein möchte, darf ich mir erlauben. Alles, was andere auf keinen Fall von mir denken sollen, darf ich mir erlauben.

Ich darf alles sein. Ich darf mir alles zugestehen. Es gibt nichts zu vermeiden. Wir sind immer ALLES. Wir tragen alles in uns. Wir sind die Summe aller Einzelteile. Es gibt nichts, was wir nicht sind. Wenn wir dagegen ankämpfen, entsteht Stress und Druck, Widerstand und damit Leid.

Ich darf fies sein, ungerecht, laut, depressiv, kleinlich, anstrengend, giftig, kleinkariert, besserwisserisch, überheblich, aufdringlich, übergriffig, forsch, unfreundlich, faul, dick, gefräßig, schüchtern, abhängig, unordentlich, hinterhältig, berechnend, rechthaberisch, beleidigt, beleidigend, zickig, launisch, unpünktlich, unzuverlässig, egoistisch, ängstlich, langweilig, orientierungslos, unklar, unfertig, fordernd, unehrlich. Einfach ALLES, was man sich denken kann. ALLES!!!

Wenn ich mir alles zugestehe, bin ich frei. Dann kann ich wirklich wählen. Dann gibt es nichts mehr zu verbergen, zu verheimlichen, zu vermeiden, auszumerzen. Ich DARF es, muss es aber nicht wollen. Ich könnte, wenn ich wollte, weil es ok wäre.

Für mich hat diese Haltung so viel verändert. Sie macht mich weich. Sie nimmt Druck. Ich darf SEIN. Es ist immer alles richtig. Ich bin richtig. So einfach!

(Ich hab jetzt noch fiese Gänsehaut vom Foto aussuchen!!!🙈🐍)

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Sonntag, 24. März 2019

Einsam unter Menschen oder Sei bereit, genug zu sein

Irgendwie habe ich das starke Gefühl, dass im Moment das Thema Zugehörigkeit extrem präsent ist. So viele sehnen sich nach Heimat, nach Familie, nach Ankommen, nach Partnerschaften, nach Freundschaften. Und das nicht einfach irgendwo oder irgendwie, sondern wirklich echt. Wir wollen dazugehören mit allem, was uns ausmacht und nicht nur teilweise. Wir wollen komplett so sein wie wir sind und so vollumfänglich angenommen werden, dazugehören, sein dürfen, unter Gleichgesinnten sozusagen.

Wir haben schon so oft offensichtlich, scheinbar dazugehört. Da sind unsere Ursprungsfamilien, da sind Freundeskreise, da sind Arbeitskollegen, Sportvereine, Nachbarn. Zu all diesen Kreisen gehören wir irgendwie dazu und irgendwie doch wieder nicht. Kennt ihr das Gefühl von Einsamkeit, obwohl man unter Menschen ist? Man kann mitten in einer Gruppe von Menschen sein, die man alle kennt, mit denen man auch redet, sich austauscht und trotzdem gehört man nicht wirklich dazu, trotzdem dockt da nichts an. Irgendwas fehlt, vielleicht die Tiefe, vielleicht Offenheit, vielleicht hat ein ganz essentieller Teil von uns keinen Raum dort unter diesen Menschen. Vielleicht müssen wir einen Teil verbergen, ausblenden.

Auch ich habe kürzlich wieder diese Erfahrung gemacht. Einsam unter Menschen. Umgeben von mir bekannten Personen, die ich über Jahre kenne und dennoch stellt sich kein Gefühl der Zugehörigkeit ein. Das, was uns verbindet ist weit weniger als das, was wir eben nicht gemeinsam haben.
Einsamkeit ist generell ein krasses Gefühl. Es ist ein Verlassensein, ein Abgeschnittensein. Wir haben und fühlen keine Verbindung, keine Anbindung. Da ist eine scheinbare Trennung. Es ist eine Art Haltlosigkeit, ein Umhertreiben ohne Wurzeln. Es verunsichert und es ist eine Urwunde. So viele von uns haben als Kind die Erfahrung gemacht, dass wir so wie wir sind, nicht dazugehören können. Wir waren zu laut, zu leise, zu anstrengend, zu fordernd, zu empfindlich, zu unordentlich, zu unzuverlässig, zu faul, zu unlogisch, zu verträumt, zu aufmüpfig, zu wenig ehrgeizig, zu, zu, zu. Uns wurde vermittelt, dass wir erst anders werden müssen, um dazugehören zu können. Wir waren noch nicht "richtig".

Im Moment scheint unsere größte Sehnsucht zu sein, dazuzugehören eben und genau WEIL wir so sind wie wir sind. Wir wollen uns nicht mehr verbiegen, nicht mehr anpassen. Wir wollen einfach wir selbst sein und so irgendwo dazugehören. Und dann ist da diese Angst: Ist das überhaupt möglich? Ist es wirklich möglich, dass wir zu einer Gruppe dazugehören können, wenn wir einfach wir selbst sind? Können wir wirklich SO gemocht werden? Reichen wir? Genügen wir? Soll das wirklich gut genug für andere sein? Soll uns wirklich jemand einfach so gut finden? Ohne dass wir ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen? Ohne Anstrengung? Ohne Bedingungen?

Ich sage dir, ja, das geht. Ja, genau das reicht. Du reichst. Du bist genug. Du darfst einfach du sein und das genügt. Auch wenn du noch nicht oft oder vielleicht sogar noch nie diese Erfahrung gemacht hast, es ist möglich. Ziehe in Erwägung, dass es Menschen gibt, die genau DICH mögen können. Sei es ein Partner, seien es Freunde oder sei es ein Arbeitsumfeld. Es gibt sie. Für dich. Irgendwo bist genau DU richtig.

Sei kompromisslos du selbst. Stehe zu dem, was du bist. Zeige dich damit und öffne dich für den Gedanken, dass diese Menschen in dein Leben treten dürfen. Entscheide dich dafür, jetzt diese Erfahrung machen zu wollen. Mach, wenn nötig, mutig Türen hinter dir zu. Löse dich aus Verbindungen, die dir nicht mehr zuträglich sind, vielleicht nie waren. Schaffe Platz für Neues. Und dann schau neugierig zu, wie sich das Leben vor dir entfaltet. Halte Ausschau und sei bereit. Sei bereit in Verbindungen, in Beziehungen, in Freundschaften, komplett du sein zu dürfen. Sei bereit, für dein SoSein gefeiert zu werden. Sei bereit, genug zu sein.

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Samstag, 23. März 2019

Zuverlässig bist du, wenn du dich selber nicht verlässt

Kürzlich hat mich eine sehr interessante Frage erreicht. Wie wichtig ist mir Zuverlässigkeit? Empfinde ich das Halten an Worte und Zeiten als Wertschätzung meines Wesens bzw. meiner Zeit?
Die Frage ist so spannend, dass ich sie tatsächlich hier öffentlich beantworten will. Ich stelle mal wieder fest, dass ich da meine ganz eigene Sicht der Dinge habe.

Mein oberstes Gebot ist es, dass mein Gegenüber das tut, was wirklich für ihn dran. Das ist auch mein eigenes Gebot. Ich tue nur das, was wirklich stimmig für mich ist. 

Meine Klienten dürfen in letzter Sekunde absagen, ohne dass ich dafür trotzdem Geld will, weil ja der Termin vereinbart war. Wenn ich mich mit jemandem zum Kaffee verabrede, dann schließen wir uns immer kurz vorher nochmal kurz, ob es auch für jeden passt, ob es wirklich noch dran ist. Auch da darf in letzter Minute abgesagt werden.

Nichts ist für mich schlimmer, als eine erzwungene Begegnung. Jeder soll um Gottes Willen das tun dürfen, was gerade dran ist. Wenn das beinhaltet, dass eine "Vereinbarung" nicht eingehalten wird, dann ist das so. Was wäre das für ein Zusammentreffen, wenn eine Partei so gar keine Lust darauf hat, wenn derjenige viel lieber jetzt wo anders wäre, als bei mir? Mir liegt es am Herzen, dass die Freude der Wegweiser ist, das gute Gefühl bei allem, was man tut.

Wirklich zuverlässig ist jemand für mich, wenn ich weiß, dass er gut für sich sorgt, dass er nichts über sich ergehen lässt, dass er voll und ganz bei dem ist, was er gerade tut oder sagt. Am liebsten sind mir Menschen, die immer geraderaus sagen, was sie denken und das darf in fünf Minuten schon wieder ganz anders sein. Wir sind in keinem Moment der gleiche Mensch. Wenn ich für etwas eine Zusage bekomme, z. B. für ein Interview, für eine Zusammenarbeit oder Ähnliches, dann weiß ich, dass diese Zusage in diesem Moment stimmig ist und dass es passieren kann, dass es zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr passt.

Was habe ich schon mit Menschen gefeiert, weil wir gemeinsame Termine abgesagt haben. Wir haben uns gefeiert, weil wir den Mut hatten, offen zu sein. Und witzigerweise war es immer für beide Seiten passend, wenn einer äußerte, dass es sich irgendwie jetzt nicht mehr rund anfühlt.

Wenn ich etwas vereinbare, dann immer mit dem Wissen und der Bereitschaft, dass es auch anders kommen kann. Ich fühle mich deswegen nicht minder wertgeschätzt. Überhaupt nicht. Ich feier jeden, der den Mumm hat, zu seinem Bauchgefühl zu stehen und Termine abzusagen, Vereinbarungen dann doch nicht einzuhalten.

In dem Moment hält er eine viel wichtigere Vereinbarung ein. Nämlich die Vereinbarung mit sich selbst. Er ist sich treu, er verlässt sich nicht, nur weil er zuverlässig sein will und das ist alles, was hier zählt. 
Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Freitag, 22. März 2019

Wirklich stark bin ich, wenn ich auch schwach sein darf

Bei aller Energie und Kraft, die ich habe, liebe ich es, weich zu sein, zart, verletzlich, zerbrechlich, weit, offen, nahbar. Ich liebe es, Menschen zu berühren und das gelingt vor allem deswegen, weil ich berührbar bin. Ich zeige mich mit meinem Schmerz, ich zeige mich in meiner Kleinheit, ich zeige mich, wenn ich weine, wenn mich etwas bewegt. Ich zeige mich mit meinen Themen. Ich spreche über jedes Gefühl, das ich habe, sage offen, was gerade los ist. Echte Nähe, echte Verbindung, eine Verbindung auf Herzebene findet dann statt, wenn auf beiden Seiten absolute Offenheit besteht.

Früher hatte ich sooo große Angst verletzt zu werden. Ich hatte dicke Mauern um mich gebaut. Angriff war meine beste Verteidigung. Lieber habe ich Menschen vorsorglich verprellt, als mich wirklich zu zeigen und sie nah an mich ranzulassen. Ich war oft grob, schroff und schnodderig, habe dumme Witze gerissen, meist auf Kosten der anderen, nur damit keine allzu große Nähe entstand.

Mit so einem Verhalten findet keine tiefe Begegnung statt. So ein Verhalten schreckt andere ab und genau das wollte ich. Dafür habe ich allerdings auch einen hohen Preis gezahlt: Ich war abgeschnitten. Abgeschnitten von mir selbst, abgeschnitten von anderen. Ich habe Masken getragen, eine Rolle gespielt. Oft habe ich mich einsam gefühlt, richtig einsam. Eigentlich wollte ich nur gemocht werden, doch mein Verhalten hat das den anderen nicht wirklich leicht gemacht. Ich habe die Starke gemimt, die Taffe, die alles im Griff hat. Ich wollte selbstbewusst wirken, die Kontrolle behalten und hatte dabei so sehr Angst, ausgelacht zu werden, ausgeschlossen zu werden, verurteilt zu werden, für das, was ich eigentlich wirklich war: Zerbrechlich, sensibel, höchst gefühlvoll, sentimental, fein, zart, total verunsichert und ziemlich verloren.

Als ich angefangen habe, mir das alles zuzugestehen, meine weiche, weibliche Seite, als ich mehr und mehr zu mir stand, mit allem, was gerade da war, hat mich das enorm erleichtert. Ich musste niemandem mehr etwas vormachen. Ich musste keinen Schein mehr wahren. Ich musste kein Trugbild mehr aufrechthalten. Ich war bereit, alles zu fühlen. Auch eventuelle Ablehnung. Die Sehnsucht, einfach ich zu sein, war irgendwann größer als die Angst vor Verletzung.

Diese immer größer werdende Freiheit, die damit einherging, ist unbezahlbar. Die Nähe, die daduch stattfinden kann, ist ein riesiges Geschenk. Die Stärke, die dadurch wirklich entsteht, weil es nichts mehr zu verheimlichen gilt, weil ich da stehe, immer, mit allen Emotionen, in jeder Lebenslage und mich zeige, ist echte Stärke und keine gespielte. Wirklich stark bin ich, wenn ich meine Schwäche kenne und liebe. Wirklich nahbar bin ich nur, wenn ich bereit bin, alles zu fühlen.

Verletzen kann mich niemand. Mir kann nur gezeigt werden, dass ich bereits verletzt bin. Niemand kann ein Gefühl in mich hinleigen. Er kann mir nur zeigen, dass es schon da ist. Wenn so etwas passiert, mag das erstmal unangenehm sein und gleichzeitig ist es ein weiterer wichtiger Schritt in noch mehr Freiheit, in noch mehr Nähe, in noch mehr Offenheit. Was soll mir schon schlimmeres geschehen, als das ich mich selbst erkenne?

Nie mehr würde ich zurückwollen hinter die scheinbar schützenden Mauern. Ich bleibe da stehen, weit, komplett offen, nackt, bereit, alles zu fühlen, ALLES, denn das ist das Leben. Ich bin bereit, von jedem gesehen zu werden. Ich lasse jeden in mein Herz schauen, in meine Seele, in mein Innerstes. Das ist Anbindung. Das ist Verbindung. Drunter mache ich es nicht mehr. Danke für jeden, der mir genauso begegnet. Ihr seid so kostbare Geschenke!!!


Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche


Donnerstag, 21. März 2019

Online-Retreat "Erwachen & Selbstverwirklichung in der Partnerschaft"

Jana und ich haben da was ausgeheckt. Es ist mal wieder Zeit, ans Eingemachte zu gehen, das Nähkästchen aufzumachen. Erwachen & Selbstverwirklichung in der Partnerschaft ist ein Thema das aktueller und brisanter nicht sein könnte.

Immer mehr Menschen werden wach, werden bewusster, finden zurück zu sich selbst und in ihre Kraft. Dieser Weg ist eine Herausforderung. Will er in der Partnerschaft gegangen werden, ist die Herausforderung noch größer.

Wie reagiert der Partner auf meine Veränderung?
Was ist, wenn der Partner nicht mitgeht?
Wie ehrlich und authentisch kann ich meinem Partner gegenüber sein?
Wie viel Raum kann ich mir nehmen?
Wie kann ich gut für mich sorgen und gleichzeitig den Partner nicht aus den Augen verlieren?
Wie bekomme ich das hin mit der Selbstverwirklichung auch und gerade in Sachen Herzensbusiness?


Dieses Feld sorgt oft für Spannung, für Reibung, für Diskussion. Immer wieder kommen wir an den Punkt, wo wir alles in Frage stellen, auch die Beziehung.

Jana und ich leben seit Jahren jeweils in einer Partnerschaft mit einem Mann. Jana und ich leben unseren Ruf, wir bauen beide unser Business auf. Unsere Männer begleiten uns auf unserem Weg ins Erwachen, in die Berufung. An all unseren Erfahrungen wollen wir euch teilhaben lassen, mit euch eure Situation entdecken, erkunden, vielleicht Missverständnisse ausräumen und das Thema Partnerschaft ganz neu beleuchten. Erwachen in der Partnerschaft ist ein steter Prozess, ein Weg, eine Challenge, ein ganz großes Wunder, ein Geschenk.

Geht mit uns auf diese wunderbare Reise, stellt uns all eure Fragen, teilt mit uns eure Erfahrungen. Männer wie Frauen sind herzlich eingeladen. Gerne auch Paare, gleich in welcher Konstellation. Wir freuen uns auf euch!!!

Jana & Anja

Sonntag, 31.03.2019, 14-17 Uhr
via Zoom, Einloggen 10 Minuten vor 14 Uhr
Preis pro Person: 120 EUR
Bezahlung vorab per PayPal
Anmeldung per Mail an mail@anja-reiche.de
Max. Teilnehmerzahl: 10-12

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Dienstag, 19. März 2019

Wir haben immer eine Wahl!


Kürzlich hatte ich eine sehr interessante und für mich sehr selten gewordene Erfahrung. Ich sah mich plötzlich in einer Diskussion in großer Runde über faire und unfaire Arbeitgeber. Ich sag es gleich vorweg: Es waren nicht viele Menschen anwesend, die mein Weltbild teilen. 🙈

Wie ich halt so bin und denke, habe ich gesagt, dass es den "unfairen" Arbeitgeber an sich eigentlich gar nicht gibt. Es mag miserable Arbeitsbedingungen geben, unmenschliches Verhalten und gleichzeitig treffen jeden Tag die Mitarbeiter die Entscheidung da wieder hinzugehen. Sie wählen, dass sie das mit sich machen lassen. Wieder und wieder und wieder. Es gibt ja immer die, die machen und die, die es mit sich machen lassen. Für mich gibt es da nicht DEN Schuldigen. Da spielen zwei Seiten mit.

Naja, wie es zu erwarten war, hat es nicht lange gedauert und es kam das Killerargument überhaupt: "Ich muss da ja hin, ich brauch das Geld. Einen anderen Job finde ich nicht, dafür bin ich zu alt." Eigentlich sind das ja schon zwei Killerargumente. Das Geld und das Alter. Kernaussage bleibt aber die gleiche, nämlich: "Ich habe keine Wahl." Leider flogen dann weitere Beispiele von Lebenssituationen, in denen man augenscheinlich keine Wahl hat, nur so durch den Raum und ich hatte keine Gelegenheit mehr - und auch keine Lust - da näher drauf einzusteigen und mal genauer hinzuschauen.

Deswegen tue ich das jetzt hier. Dieses Thema kommt nämlich wahrscheinlich sehr vielen sehr bekannt vor, gerade denen, die eher alternativ denken und sich öfter in solchen Debatten wiederfinden und vielleicht auch untergehen. Ich liefer euch jetzt mal ein paar "Gegenargumente".

Einen ungeliebten Job machen zu müssen, weil man das Geld braucht, ist aus meiner Sicht eine Illusion. Ja, Geld erleichtert in unserem System das Leben enorm. Nur weil ich aber meinen Job kündige, ohne einen neuen zu haben, dann vielleicht arbeitslos bin und weniger Geld bekomme, heißt das aber nicht, dass ich KEIN Geld habe. Ich habe dann weniger Geld.

Das Problem ist, dass ich glaube, mit weniger Geld nicht leben zu können. Ich will meinen Lebensstandard unbedingt halten. Da liegt der Knackpunkt. Ich hätte die Möglichkeit zu kündigen. Ich hätte die Möglichkeit, einen ganz anderen Job zu machen, vielleicht außerhalb von meinem eigentlichen Beruf. Ich hätte die Möglichkeit umzuziehen. Ich hätte die Möglichkeit, mich arbeitslos zu melden. Ich hätte die Möglichkeit, andere Menschen um Hilfe zu bitten, nach Geld zu fragen. Ich hätte die Möglichkeit, das Haus zu verkaufen und in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Ich hätte sogar die Möglichkeit, auszuwandern und in einer Höhle zu leben, wie Stefan Hiene das einst gemacht hat. Ich könnte im Wohnwagen leben, im Tiny-Haus oder in einer WG. Ich könnte Versicherungen kündigen, das Auto verkaufen und generell die Lebenshaltungskosten auf ein Minimum senken. Es gibt unzählige Menschen, die mit sehr wenig Geld auskommen. Es gibt Menschen, die komplett ohne Geld auskommen.

Das Entscheidende ist, ob ich dazu bereit bin. Es gibt soooo viele Alternativen, so viele Möglichkeiten. Nur will ich die nicht. Der Arbeitgeber (die anderen) soll gefälligst dafür sorgen, dass es mir besser geht. Wenn der nur anders wäre, wenn ich nur jünger wäre, wenn die Welt nur nicht so ungerecht wäre, dann ginge es mir besser. So zu denken, ist ein Gefängnis. Ich bin komplett in der Ohnmacht. Wenn die anderen für mein Wohl zuständig sind, habe ich wirklich keine Wahl. Fakt ist aber, dass niemand für mich zuständig ist. Niemand ist dafür verantwortlich, dass es mir besser geht. Dafür darf ich selbst sorgen.

Indem ich mich dafür entscheide, dass ich meinen ungeliebten Job behalte, weil ich das Geld will, habe ich eine Wahl getroffen. Ich will meine Komfortzone nicht verlassen. Und dann darf ich aufhören zu jammern. Es ist meine Entscheidung.

Wenn ich die Dinge wirklich in die Hand nehmen will und mein Leben zum besseren verändern will, würde das bedeuten, dass ich meine Komfortzone verlassen muss. Es könnte unbequem werden. Niemand sagt, dass das einfach wird. Die Leute könnten reden. Ich könnte krumm angeschaut werden, verurteilt. Ich falle aus der Norm. Ich bin plötzlich anders als die meisten. Und vor allem, falle ich meiner eigenen Verurteilung zum Opfer, meinem eigenen Wertesystem.

Wer bin ich denn, wenn ich mich arbeitslos melde? Wer bin ich, wenn ich um Hilfe bitte? Wer bin ich, wenn ich nach Geld frage? Wer bin ich, wenn ich planlos bin, wenn ich vielleicht gar nicht weiß, was ich stattdessen will oder am liebsten sogar ganz aus dem herkömmlichen System austeigen will? Wenn ich es leicht haben will? Darf ich das? Macht "man" das?

Da liegt der Hase im Pfeffer. Wenn ich aus der Komfortzone rausgehe, wenn ich aus der Opferhaltung rausgehe, wenn ich aufhöre, anderen die Schuld für meine Umstände in die Schuhe zu schieben, dann muss ich mir selbst begegnen. Dann muss ich mich mit mir selbst auseinandersetzen. Und das ist echt unbequem. Da gibt es so einiges zu fühlen.

Generell deutet die Wahrnehmung, dass ich in Sachen Job keine Wahl habe, ziemlich krass darauf hin, dass ich mir das Thema Ohnmacht mal anschauen darf. Dieses Gefühl habe ich dann wahrscheinlich nicht nur diesbezüglich. Dieses Gefühl läuft mir dann wahrscheinlich auch immer wieder in anderen Situationen über den Weg. Ich fühle mich immer wieder ungerecht behandelt, übervorteilt, benachteiligt, verkannt, nicht gesehen, nicht wertgeschätzt, flippe aus, wenn es andere scheinbar leichter haben als ich, wenn sich andere nicht so anstrengen müssen, wo ich es doch so schwer habe. Die Jobsituation ist nur das Symptom. Die Wurzel des Ganzen liegt wo anders.

Eins muss klar sein, die äußeren Umstände sind tatsächlich nie wirklich das Problem. Was es mit mir macht, ist entscheidend und was ich daraus mache. Da kann ich immer ansetzen. Da habe ich immer Handlungsmöglichkeiten und da, in meinem Inneren, bei meinen Gefühlen, bei meinen Überzeugungen, in meiner Art zu denken, bei meinem Glauben, wie die Welt ist, ist auch der einzige Ort, an dem ich die Lösung finde. Für alles! Und da bin ich auch kein Opfer mehr, sondern Schöpfer.

Die Wahrheit ist, ich habe immer eine Wahl und wenn ich nur wähle, wie ich mit dem Unabänderlichen umgehen möchte.

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Freitag, 15. März 2019

Auf einem Spielplatz kann man keine Fehler machen

Sei bereit, zu scheitern. Sei bereit, Fehler zu machen. Wieder und wieder und wieder. Woher kommt eigentlich dieser Hang zur Perfektion?

Warum glauben wir, schon lesen und schreiben können zu müssen, wenn wir in die Schule kommen? Warum glauben wir, schon perfekt Englisch sprechen zu müssen, wenn wir einen Kurs belegen? Warum glauben wir, dass wir versagt haben, wenn es in der Beziehung knallt, wenn es streit gibt, Reibung, Diskussion? Warum glauben wir, erst unser Wirken in die Welt bringen zu können, wenn wir "fertig" ausgebildet sind, wenn wir gut genug sind, wenn wir alles wissen und können, wenn unsere eigenen Themen durch sind? Warum glauben wir, auf dem Weg in die Bewusstheit versagt zu haben, wenn wir wieder getriggert werden, wenn uns wieder jemand hochschießen kann?

Dieses Leben ist ein einziges Probieren, ein Erfahrung sammeln, ein Spielen, Forschen, Entdecken. Wir sind NIE fertig! Diese Entwicklung wird NIE aufhören.

Ist das nicht großartig? Diese wundervolle Entdeckungsreise, dieses Wachstum und neu werden, es hört nie auf!!! Worauf sollen wir also warten?

Lasst uns da raus gehen und Fehler machen. Lasst uns die Welt entdecken, jeden Tag neu. Lasst uns Beziehungen und Freundschaften erforschen. Lasst uns neue Dinge versuchen und gnadenlos untergehen. Lasst uns hinfallen und dann wieder einen neuen Versuch starten. Irgendwann haben wir den Dreh schon raus. Wenn es links rum nicht funktioniert, dann halt rechts rum, oder mitten durch. Scheiß egal, irgendwann haben wir es durchschaut. Irgendwann haben wir das Rätsel gelöst.

Irgendwann haben wir rausgefunden, wie die Beziehung mit diesem oder jenem Menschen funktioniert. Irgendwann haben wir rausgefunden, wie diese wiederkehrende Herausforderung mit unserem Kind zu handeln ist. Irgendwann ahnen wir, wie wir gerade Wirken wollen. Irgendwann können wir die Fremdsprache.

Und dann suchen wir uns neue Aufgaben, neue Herausforderungen. Alles andere wäre langweilig und würde nicht unserer Natur entsprechen. Das heißt, dass wir ständig irgendwo in unserem Leben neu anfangen. Es gibt immer wieder Dinge, die wir noch nicht kennen, die wir zum ersten Mal machen.

Wieso sollten wir von Anfang an wissen, wie es geht? Wieso sollten wir nicht versuchen dürfen? An einem Zauberwürfel schraubt man mitunter Jahre. Und? Ist das schimm? Nein, es ist spannend.

Lasst uns das Leben wieder zu dem machen, was es wirklich ist: Ein riesiger Abenteuerspielplatz, auf dem wir nichts falsch machen können. Spielen und Ausprobieren kann man nicht falsch. Lasst uns die Knie aufschlagen. Lasst uns hinfallen. Lasst uns die Klamotten dreckig machen und dabei den Spaß unseres Lebens haben.

Ich bin am Start und du?


Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche




Donnerstag, 14. März 2019

Über die Überheblichkeit


Mit diesem Thema durfte ich mich auf meinem Weg schon des öfteren beschäftigen. Gerade wenn man sich mit der Wahrnehmung von Dingen befasst, die eben nicht greifbar, sichtbar, beweisbar sind, kommt schnell die Frage auf: Bin ich jetzt überheblich, weil ich dem anderen Sachen über sich sage, die er vielleicht gerade nicht in Worte fassen kann? Weiß ich es jetzt besser als er? Ist das jetzt anmaßend, wenn ich äußere, was ich wahrnehme und wie ich glaube, fühle, dass die Dinge gelagert sind? Kann ich jetzt einfach daherkommen und ihm auf den Kopf zu sagen, wo der Hase im Pfeffer liegt?

Eins ist mir auf diesem Weg schon länger klar, wenn sich jemand überhaupt die Frage stellt, ob er überheblich ist, dann ist er es meistens eh nicht. Schon alleine in der Lage zu sein, sich diese Frage zu stellen, zeigt, dass man reflektiert und sich selbst hinterfragt. Das nur mal am Rande...

Weil das Thema im Moment wieder allgegenwärtig scheint, wollte ich nochmal tiefer einsteigen.
Heute habe ich das Wort "Überheblichkeit" tatsächlich mal nachgeschlagen. Was macht denn nun Überheblichkeit aus? Es geht vor allem darum, dass der Mensch, der sich überheblich zeigt, sich über andere stellt, es besser weiß, dahingehend, dass er andere Meinungen nicht akzeptieren kann, andere erniedrigt, damit er sich größer fühlt. Um das Selbstwertgefühl von solchen Menschen ist es meist nicht gut bestellt. Dieses Verhalten dient häufig dazu, die eigene, gefühlte Unzulänglichkeit zu kaschieren. Aha, interessant.

Und wie ist das jetzt bei mir?

1. Ich stelle fest, an Selbstwertgefühl mangelt es mir schon mal nicht.

2. Ich brauche es nicht, andere zu erniedrigen, ganz im Gegenteil, mir ist daran gelegen, ihnen ihre Größe zu zeigen.

3. Nur weil ich meine Wahrheit spreche, hinspüre und sage, was ich fühle, heißt das nicht, dass ich überheblich bin. Ich spreche nur für mich. Der andere darf eine ganz andere Wahrnehmung haben. Beides ist richtig. Ich bin in der Lage, und das gerade in Coachings, eine Fährte, eine Idee sofort wieder fallen zu lassen, wenn ich merke, dass es der andere gerade überhaupt nicht nehmen kann, es nicht andockt sozusagen. Deswegen ist meine Wahrheit nicht falsch. Wir haben gerade nur nicht die gleiche und in der Arbeit mit Menschen geht es vor allem darum, deren Wahrheit zu finden, nicht meine. Ich gehe mit ihnen auf Entdeckungsreise.

4. Außerhalb von Coachings hab ich diese meine feine Wahrnehmung natürlich trotzdem. Das bin ich einfach. Das kann und will ich nicht abspalten oder ausblenden. Ich sehe Themen und gleichzeitig habe ich nicht den Anspruch, diese immer auszusprechen. Wenn ich das dann doch tue, spüre ich vorher hin, ob das gerade meine Aufgabe ist. Wenn nicht, bin ich still. Hier gilt es weise zu handeln. Hört sich gut an, oder? Gelingt mir aber nicht immer. Dann höre ich mich reden, obwohl ich mir gerade gesagt habe, dass ich die Klappe halten sollte.

5. Im Laufe der Zeit habe ich mir erlaubt, auch überheblich sein zu dürfen. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, es besser zu wissen als der andere. Gerade in meiner Partnerschaft passiert mir das wieder und wieder. Lange habe ich mich dafür verurteilt und gescholten. Irgendwann dachte ich mir, dass das ja auch nichts bringt. Aus dem Widerstand heraus gibt es nun mal keine positive Veränderung. Das alte Lied... Ja, manchmal bin ich überheblich. Ich bin ein Mensch. Und das darf so sein. Es gibt ja schließlich auch immer noch mein Gegenüber, das mich dann wirklich gerne darauf hinweisen darf. Und das bringt mich zum nächsten Punkt.

6. Hier hat mir meine Freundin Silvia vorhin den entscheidenden Wink gegeben. Danke dafür!!! Ob ich mich nun absichtlich oder unabsichtlich über andere stelle, eins ist entscheidend: Das geht nur, wenn es der andere mit sich machen lässt. Und schon ist da die ganze Tragik draußen. Schon brauch ich nicht mehr groß überlegen und jedes Wort auf die Goldwaage legen, übertrieben vorsichtig sein. Ich kann nur Täter sein, wenn der andere bereitwillig die Opferrolle übernimmt. Wenn meine Größe, meine Wahrheit alleine dazu ausreicht, dass sich der andere klein fühlt, dann liegt das nicht in meiner Hand. Und ich bin weiß Gott achtsam und feinfühlig und gleichzeitig manchmal auch die Dampfwalze. Mensch eben. Wichtig ist, dass ich bei mir bleibe.

7. Betrachten wir mal die umgekehrte Situation. Wann erlebe ich Menschen als überheblich? Ganz ehrlich? Gar nicht mehr. Zumindest nicht in Bezug auf mich. Wenn jemand mir gegenüber seine Wahrheit spricht oder mich kritisiert, dann reflektiere ich, prüfe die Kritik darauf, ob ich mir etwas davon annehmen möchte. Und wenn das nicht der Fall ist, dann ist das nicht der Fall. Mit jeder Kritik, mit jeder Wahrheit von anderen legt mir jemand einen Stift hin und ich kann entscheiden, ob ich ihn zu meinem mache und einstecke oder ob ich ihn einfach liegen lasse. Ist der andere deswegen überheblich? Nein. Weil ich ihn nicht dazu mache. Damit Überheblichkeit möglich wird, braucht es immer zwei. Den, der sich in seiner Größe zeigt (ob gespielt oder echt ist erstmal egal), mit seiner Wahrheit zeigt und den, der sich daneben klein macht oder fühlt. Bleiben beide in ihrer Größe, mit ihrer Wahrheit, stehen da einfach zwei Große. Fertig.

Und mein Fazit? Ich bin ein Mensch. Ich bin bunt. Ich bin ALLES und von allem auch das Gegenteil. Ich bin nicht hier, um perfekt zu sein. Ich bin hier, um Erfahrungen zu machen. Überheblichkeit hin oder her, letztlich ist es einfach eine Erfahrung.

Vielleicht hat euch mein Exkurs ein wenig geholfen. Vielleicht aber auch gar nicht oder vielleicht sogar getriggert. Man weiß es nicht. Auf jeden Fall ist das meine aktuelle Sicht der Dinge und die kann morgen schon wieder ganz anders sein.
 
Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche


Mittwoch, 13. März 2019

Zeit heilt keine Wunden

Heute morgen bin ich über einen Artikel zu emotionalem Missbrauch "gestolpert". Tatsächlich bin ich gestolpert, denn ich bin gedanklich hängen geblieben und habe inne gehalten.

Ich selbst habe emotionalen Missbrauch erlebt. Man mag es nicht glauben, aber es ist so. Erst kürzlich hat mir jemand gesagt, dass er gar nicht glauben kann, dass so etwas Teil meiner Geschichte sein soll. Jemand, der so lebensbejahend ist, wie ich, kann unmöglich emotionalen Missbrauch erlebt haben. Doch. Genau das habe ich erlebt. Mehr über meine Erfahrungen könnt ihr hier lesen.

Und heute morgen habe ich mich daran erinnert und durfte feststellen, dass dieses Thema überhaupt kein Thema mehr für mich ist. Es spielt überhaupt keine Rolle mehr. Es beeinflusst mich nicht mehr, nicht im Geringsten. Mal wieder darf ich erfahren, dass wir aussteigen können aus unseren alten Geschichten, egal, was wir erlebt haben. Es gibt immer einen Weg der Heilung. Dieser Weg muss nicht lange dauern. Er muss nicht umso viel mehr Zeit brauchen, je größer die Verletzung war.

Zeit spielt keine Rolle. Der Grad der Verletzung spielt keine Rolle. Bewusstheit spielt eine Rolle. Unsere Entschlossenheit spielt eine Rolle. Unser Glaube spielt eine Rolle. Fühlen wir uns in der Lage, uns aus den alten Geschichten zu befreien? Fühlen wir uns stark genug, machtvoll genug?
Fakt ist, dass wir die Macht besitzen. Ein jeder von uns. Wir tragen alles in uns, um die Veränderung zu bewirken, um Frieden zu machen, um frei zu werden bzw. zu begreifen, dass wir frei SIND. Immer.

Nicht die Vergangenheit hält uns fest, sondern höchstens wir die Vergangenheit. Wir sind jeden Moment nur einen Wimpernschlag von einer neuen Wirklichkeit entfernt, einen Gedanken von der Freiheit.

Nicht Zeit heilt Wunden, unsere Bewusstheit tut es.

Geliebter Mann, ich verneige mich vor dir!

Geliebter Mann, ich verneige mich vor dir, gehe vor dir auf die Knie und biete dir meine empfindlichste Stelle dar - meinen Nacken. Ich tue das, weil ich dir vertraue, weil ich weiß, dass du mir nichts tun wirst. Ich tue es, weil es an der Zeit ist. Ich lege dir mein Vertrauen zu Füßen, wissend, dass du achtsam damit umgehst, wissend, dass du dir der Kostbarkeit bewusst bist.

Ich will dich in Liebe loslassen, alles loslassen an Vorstellungen und Erwartungen. So oft habe ich gezogen und gezerrt, bin vorgeprescht und habe dir meine Wahrheit erzählt, bevor du überhaupt in der Lage warst, dir ein eigenes Bild zu machen. Du darfst Zeit haben, Zeit und Raum für dein eigenes Tempo, deine eigene Wahrheit.

Wir sind unterschiedlich du und ich. Ich weiß nicht viel von deinem bisherigen Weg, von deinem Schmerz, von deinen Herausforderungen, von deinen Kämpfen, die du ausgetragen hast, den Kämpfen in dir. Ich kann nur ahnen, dass das nicht immer leicht gewesen ist. Ich weiß nicht viel von deinen Sehnsüchten, Träumen, deinen tiefsten Wünschen. Ich weiß nicht viel von dem, was du wirklich brauchst. Wir wissen manchmal so wenig voneinander.

Hier und heute lasse ich das Bild fallen, das ich von dir zu haben glaubte. Ich sehe dich an und nehme neu Maß. Ich sehe dich mit Augen, die dich zum ersten Mal sehen und wahrnehmen. Frei von alten, meist überlieferten Filtern.

Du bist ein König, warst es immer. Nur hat man es dir wahrscheinlich nie gesagt. Genau so wenig, wie man mir gesagt hat, dass ich eine Königin bin. Vielleicht hab ich mich einfach schneller erinnert und meinte dann, dir helfen zu müssen. Ich weiß es nicht...

Was ich aber weiß ist, dass ich dir vertrauen kann und vor allen Dingen will. Deswegen knie ich hier, deswegen lasse ich los. Du und ich wir können es nicht falsch machen. Wir können es neu machen in tiefster Liebe und größtem Vertrauen, mit Achtung und Respekt, Wertschätzung und Eigenverantwortung und damit kann es nur richtig sein. Und jetzt gehe ich, lasse dich, lasse mich, lasse uns. Mehr gibt es nicht zu tun, alles andere geschieht von alleine, weil es gar nicht anders geht.

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche