Posts mit dem Label Eigenverantwortung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Eigenverantwortung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 29. Juli 2026

Mein Leben hat endlich Platz!

Frei von irgendwelchen bindungstraumatischen Abhängigkeiten. Frei von irgendwie allem. Entheddert. Entmischt. Sortiert.

Nicht nur für eine kurze Zeit oder irgendwie nebenbei, trotz alle dem oder mit diesem "jetzt erst recht".

Der Raum muss nicht mehr erkämpft werden, mühevoll saubergehalten oder geteilt mit den Ansprüchen/Problemen der "Bezugspersonen". Ich brauche nichts mehr von ihnen, um in mein Leben zu kommen. Ich bin nicht mehr für die verantwortlich, die ich gebraucht hätte. Ich muss nicht mehr dafür sorgen, dass sie ihren Job machen oder überhaupt erst dazu befähigen.

Der Raum steht komplett mir zur Verfügung. Es gibt keine Notwendigkeit mehr, das Chaos, die Baustellen der Beziehungspersonen reinzunehmen. Ihre unbearbeiteten Akten landen nicht mehr auf meinem Schreibtisch. Niemand in mir hat noch einen Annahmeautomatismus oder eine Bearbeitungspflicht.

Es war auch diesbezüglich dieser 10. Juli. Ich hatte an anderer Stelle berichtet. Da hat das geendet. Ab da hatte ich endlich tatsächlich die Hände frei und Raum und komplett mich für mich. Mein Leben hing nicht mehr von irgendeiner Bewusstheit der anderen ab. Bis dahin gehörte mein innerer Raum nicht komplett mir und mein Leben irgendwie auch nicht.

Mir wurden wieder und wieder Akten zur Prüfung reingereicht, nur um wieder und wieder festzustellen, dass sie mir nicht gehörten. Der Zustrom hörte nicht auf. Dauerbeschäftigung. Das Ergebnis war immer das gleiche: Nicht meins. Und dennoch kamen neue und ich "musste" mich damit beschäftigen.

Bis zu diesem Tag.

Seither sprudelt es unablässig in mir. Pure Lebensfreude. Tatsächliche Freiheit. Der Raum gehört mir. Da ist nur mehr meins. Mein Leben gehört mir bzw. IHM. Hummeln im Arsch. Flausen im Kopf. Vorfreude, ohne zu wissen worauf. Einfach so.

Das ewige "mir mein Leben stehlen müssen", die Lücken finden, die schönen Momente stibitzen, bevor das Doofe, Schwere wieder kommt, mir Platz erkämpfen müssen, immer wieder "eingefangen" werden und das Damokles-Schwert "Du wirst schon noch sehen!" sind verschwunden.

Mein Leben gehört komplett mir! Zum allerersten Mal!!! Unbeeinflusst. Ganz und gar. Endlich hab ich tatsächlich einfach so Platz und Zeit und Raum für mich und meins.

ZUM ALLERERSTEN MAL! 🥲🥲🥲🙏🏼🙏🏼🙏🏼🙏🏼🙏🏼🔥🔥🔥🔥🔥


Dienstag, 28. Juli 2026

Listen to yourself, not the news

Hör dir selbst zu, nicht den Nachrichten.

In mir ist alles, was relevant ist. Dort finde ich nicht nur alles, was ich tatsächlich wissen muss, durch das mir selbst zuhören, wird es überhaupt erst möglich, anderen, dem Leben, allen Wesen, der Natur wirklich zuhören zu können. Rein. Ohne Filter und Verzerrung, ohne emotionale Aufladung aus der Vergangenheit. Das wahrnehmend, was tatsächlich gerade im Jetzt da ist.

Ich selbst, in der offenen Begegnung mit mir, dem ehrlichen Hinschauen und Zuhören meiner selbst, bin immer Dreh- und Angelpunkt für die echte, tiefe Begegnung mit allem anderen.

Nachrichten werden irrelevant. Das Gelenkt- und Bespieltwerden von außen verschwindet. Ich bin mein eigener Herr und mein eigener Weiser. In mir ist jede Antwort zu finden, die der Moment gerade braucht. Gespeist vom Leben selbst, das ich dann klar und eindeutig in mir wahrnehme, höre, sehe, fühle und ihm folge. IHM folge, indem ich mir folge.

Ich bin der Schlüssel für all das. Das Zumirhingehen und mir aufrichtig interessiert und zugewandt begegnen. Es kann gar nicht anders sein.

Listen to yourself, not the news.


 

Samstag, 4. Juli 2026

Nein! Ich möchte mich selbst genießen...

 "Nein! Ich möchte mich selbst genießen und du störst mich die ganze Zeit dabei." 

Wie oft es in der Kindheit die Wahrheit gewesen wäre und so dran, diesen Satz zu den Erwachsenen zu sagen! Im Grunde ist genau das so oft in seligen Momenten passiert: Ich wurde in meinem wohligen mit mir sein gestört, rausgerupft und mit den Problemen der anderen behelligt. Probleme, die ich ohne die anderen gar nicht erst gehabt hätte. 

Ich war und bin so gerne mit mir. Menschen, die mit sich selbst überhaupt nicht gut da sein können, stören meinen Genuss mit mir und ich darf in jedem Moment weise wählen, ob ich mein Mitmirsein stören lassen will.

Ich merke, wie ich es manchmal regelrecht einlade und dem Chaos Raum gebe mit Nachfragen, auf für mich völlig unverständliche Aussagen, auf Gewurschtel von Ideen und unerfassten Gefühlen. Statt einfach zu sagen: "Da kann ich gerade nichts mit anfangen."

Ich will die gewurschtelte Antwort, die es meistens nur noch schlimmer für mich macht, nämlich gar nicht hören und doch kommt so schnell eine Frage a la "Und was willst du jetzt damit sagen?" und dann schau ich den anderen auch noch auffordernd und abwartend an. Zack! Bin ich mittendrin im Chaos, das nicht mir gehört. 

Und vielleicht ist es sogar wahrer, wenn ich sagen würde: "Da WILL ich gerade nichts mit anfangen. Ich will nämlich mich und mein Wohlsein mit mir genießen. Und da will ich gerade überhaupt nicht weg."

Ich weiß um die Teile, die bei Gewurschtel von anderen nur all zu gerne zugreifen. Die haben das Knäuel schneller in der Hand, als ich gucken kann. Sie wissen ja auch, dass sie sehr wohl verstehen können, wenn der andere sich nur klar bekommt und sie könnten sogar noch helfen zu klären und sie wollen ja auch soooo gerne Verbindung. Ich kann sie verstehen und doch möchte ich eine bewusste Wahl etablieren. Die Pause zwischen Gewurschtel und Zugreifen und prüfen, ob ich nicht viel lieber einfach Zeit mit mir verbringen mag.

Ein schlichtes "Nein, ich möchte nicht gestört werden" platzieren.

 

Nachtrag 05.07.2026: 

Ich bemerke gerade, dass dieser Satz so ziemlich das andere Ende von "ich will durch den Kugelhagel zum anderen hin" ist. Krasse Entwicklung. Und natürlich möchte ich eigentlich Kontakt und Verbindungen, in denen ich mich weiterhin genießen kann, mit Menschen, die sich ebenfalls gerne selbst haben und sich genießen. Unter all dem ist Traurigkeit. Tiefe Traurigkeit, weil keine wohlwollende, freudvolle, lebendige, liebevolle Nähe möglich war. Nähe, in der ich mich hätte behalten dürfen. Nähe, in der ich nicht ständig angegriffen werde. Nähe mit jemanden, der sich selber liebt. Wenn ich mir vorstelle, wie sich eine Mutter angefühlt hätte, die sich selber liebt und wie sie dann mit mir umgegangen wäre, könnte ich Sturzbäche weinen. Das kommt nach all den Jahren der Selbstbegegnung zum ersten Mal so richtig bezüglich meiner Mutter durch. Zum ersten Mal ein Ansatz von Vermissen und Beweinen von dem, was nicht war und zum ersten Mal ein Gefühl dafür, wie es hätte sein müssen. Da bin ich vorher noch nie wirklich rangekommen. Das brennt ganz schön. Puh!


 

Mittwoch, 1. Juli 2026

Es gibt keine Täter mehr

Der Weg hat sich so unfassbar gelohnt. Lohnt sich noch. Der Weg ins Sein. In die Ganzheit. In die Wahrheit. Jede durchwanderte, durchfühlte, erforschte, berührte, genommene, durchlebte und erlöste Untiefe. Jede Hölle, die im Anerkennen von allem, was sie für mich bedeutet hat, zum allergrößten Segen wurde und einer endlos tiefen Mitgefühlsbefähigung, wie nur das eigene Erfahren und Durchdringen es zu tun vermag.

Ganz in meinen Schuhen stehen, ganz bei mir und in meinem Erleben stehen. Frei von Schuldzuweisung an mich oder andere, frei von Vorwurf, mit einem wachen "so ist es gewesen". Was damals gewesen ist oder eben nicht gewesen ist, hat DAS - in vollem Ausmaß jetzt durchfühlbar - für mich bedeutet.

Und ich bemerke eine Veränderung. Der Weg wurde tatsächlich mehr und mehr zum Sein. Die Prozesse laufen weit schneller, der immer größer gewordene Fühlraum, die Reife, Tiefe und Weisheit kommen zum Tragen und tatsächlich ist eines am bemerkenswertesten: Es gibt keine Täter mehr.

So vollkommen und dermaßen das Meine anzuerkennen und komplett und immerzu erstmal Mitgefühl für mich zu haben, den Kleinen in mir Vorrang vor allem anderen zu geben, hat dazu geführt, dass meine Not nicht mehr die Sicht auf die Not hinter den "Taten" der anderen versperrt. Die so wertvollen Offenbarungen der Dynamiken und heftigen Nöte, Gefühle und Dilemmas, hinter den Handlungen, die als Kind die Hölle für mich bedeutet haben, die vor allem Christian und Miriam mir zuteil haben werden lassen, haben das Übrige dazu beigetragen.

Mit den echten Gefühlen hinter den Handlungen meines (damaligen) Gegenübers, die bis dahin immerzu so überhaupt nicht nachvollziehbar und höchst verwirrend für mich waren, hat ein Begreifen stattgefunden, wie noch nie. Und damit einhergehend eine Selbstbildkorrektur nach der anderen. Die kindlich falschen Rückschlüsse über mich und aber auch über die anderen wurden korrigiert, Urteile zurückgenommen und mit der Wahrheit des Moments ersetzt, die mir bis dahin noch nie jemand mit diesen Verwundungen und Überlebensstrategien gezeigt hat.

Nun ist da eine Art Vollständigkeit, die komplett neu ist. Ein Frieden und eine Entspannung, die nur da sein können, wenn es "da draußen" keinen "Feind" oder "Täter" mehr gibt. Da ist kein "die und wir" mehr, das eine unüberbrückbare Kluft zwischen sich trägt. Die beiden so dermaßen unterschiedlichen Innenwelten sind verbunden, die Trennung ist aufgehoben. Es ist geschaut und anerkannt und vor allem zutiefst verstanden und mitgefühlt.

Mein "safe place" ist jetzt überall. Natürlich erstmal in mir, aber es gibt "da draußen" nichts mehr, was mich ob des totalen Unverständnisses in Nöte bringt, weil ich nicht damit umzugehen wüsste. Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Angriffe, Unnahbarkeit, innerlich abwesende Menschen - meine Kinder, die das erfahren haben, sind betreut UND ich kenne jetzt das "dahinter" und damit hat es per se seinen Schrecken für mich verloren.

Während ich das tippe, kommt eine unglaubliche Berührung, Demut und Dankbarkeit, so eine Ehrfurcht vor dem Weg vor der Bereitschaft, weil not-wendig, immer wieder dem scheinbaren Endgegner zu begegnen und zu bleiben, bis es tatsächlich durchdrungen, begriffen, erfasst und erlöst ist. Bis die Wahrheit offenbar ist. Mit der Wahrheit kommt direkt dieser enorme Frieden.

Keinen Millimeter von diesem fucking herausfordernden Weg würde ich hergeben wollen. Nichts hätte mich dahin bringen können, wo ich jetzt bin, als genau DAS und genau SO.

HALLELUJA!!! Wildes, brennendes, starkes Herz! 🔥❤️🔥 Danke an alle, die es dafür gebraucht hat.


  

Montag, 29. Juni 2026

Es gibt genau eine echte Verantwortung

Es gibt genau eine Verantwortung, die ich habe: Ich habe die Verantwortung für meine Bewusstheit, die Verantwortung für mein Bewusstsein, die Verantwortung für meine Reifung und Ganzwerdung, die Verantwortung für meine Anbindung, die Verantwortung für ein Leben aus der Anbindung. Ich habe die Verantwortung für den Ausdruck meines wahren Wesens. Das ist die einzige Verantwortung, die ich dem Leben gegenüber habe - die Verantwortung mein wahres, göttliches Wesen zu sein.

Verantwortung, die Druck und Pflichten meint, die vom Außen vorgegeben sind, ist keine Verantwortung. Verantwortung meint nicht, brav sein und anderen nutzen. Verantwortung meint nicht, sich selbst komplett zu vergessen und nur für andere da zu sein. Verantwortung meint nicht, keinen eigenen Willen und keine eigenen Gefühle haben zu dürfen. Verantwortung heißt nicht, die anderen vor mich selbst zu stellen, dem „Gemeinwohl“ zu dienen und dabei selbst drauf zu gehen. Das alles wollen Menschen von anderen, wenn sie selbst nicht verbunden sind, nicht in sich zu Hause, nicht mit der Quelle eins. Das ist eine Idee von Verantwortung, die der Trennung entspringt. Wenn ich mich selbst nicht gehalten und versorgt fühle, sicher und geborgen, dann will ich das andere dafür sorgen, dass ich mich so fühle.

Damit bin ich immer vom Außen abhängig. Und damit geht automatisch einher, dass ich das Außen kontrollieren will, dass ich es dazu bringen will, dass meine Erfüllung geschieht. Das kann niemals die letzte Wahrheit sein. Das ist alles, nur keine Freiheit, kein Frieden, keine Eigenmacht und vor allem keine eigene Größe. Darin weiß ich nicht, wer und was ich eigentlich wirklich bin. Das ist nicht Ausdruck von „wer und was ich wirklich bin“. Das wird meinem wahren Wesen nicht im Ansatz gerecht.

Ich sehe Frauen, die meinen sie bräuchten Sicherheit von einem Mann, damit sie erblühen können und ein ruhiges Nervensystem haben. Ich sehe Männer, die meinen sie bräuchten einen 100% sicheren, authentischen Raum von einer Frau, damit sie endlich mit all ihren Gefühlen da sein können. Beide Bedürfnisse gehören für mich komplett in die Kindheit. Da stimmt das. Da gehört das hin und da hätte das sein müssen. Als Erwachsene/r ist das aber nicht mehr wahr. Mein sicherer Raum ist da, wo ich ganz da bin. Nur weil jemand mit meinen Gefühlen nicht umgehen kann und dadurch in Not kommt, heißt das nicht, dass ich nicht da sein kann. Doch kann ich sehr wohl. Deswegen muss ich es nicht verdrängen und mich auch nicht verlassen. Das Gefühl muss nicht weg. Der andere muss nicht weg. Ich muss nicht weg. Ich kann bei mir und meinem Innenerleben bleiben, auch wenn der andere deswegen angetickt ist und es gerne anders hätte. Solange keine Gefahr für Leib und Leben besteht, kann ich in diesem Raum mit meinen Gefühlen da sein. Mit mir darin sein.

Ich brauche vielleicht für den Heilungsweg als Überbrückung sichere Räume, aber nicht grundsätzlich, um als Erwachsene/r mein Leben leben zu können, mich entfalten zu können, da sein zu können, meine Gefühle zum Ausdruck bringen zu können. Daran kann ich mich letztlich nur selbst hindern.

Es ist nicht wahr, dass Frauen etwas grundsätzlich von Männern brauchen, damit sie erblühen können. Es ist nicht wahr, dass Männer grundsätzlich etwas von Frauen brauchen, damit sie da sein können. Da gibt es faktisch keine naturgegebene Abhängigkeit. Jungs brauchen etwas von ihrer Mutter. Mädchen brauchen etwas von ihrem Vater. Wenn diese inneren Kinder nachträglich versorgt sind, können sich Männer und Frauen in einer nie gekannten, neuen, freien Weise begegnen, ganz ohne Ansprüche und Brauchen. Reif und in sich ganz.

Und bis dahin kann jede Begegnung nur dazu hergenommen werden, die inneren Kinder aufzuspüren, die noch unerfüllte Bedürfnisse haben. Beziehungen dienen nicht dazu, endlich das perfekte Umfeld zu bekommen, das ich als Kind gebraucht hätte. Es gilt nicht einen bestimmten Status Quo zu erhalten und deswegen Ausschau zu halten nach dem Mann oder der Frau, die mir endlich das gibt, damit ich mich leben kann.

Das Einzige, nach dem ich immer und überall Ausschau halte, bin ich. Ich nehme alles her, um mich selbst zu erkennen, das Unbewusste bewusst zu machen, Fehlendes aus der Kindheit zu ergründen, das zu erkennen, was gar nicht ich bin. Umso mehr ich in mir lande, umso mehr lande ich in der Anbindung zu allem und einer so enormen Grundsicherheit, die mir nichts und niemand im Außen geben könnte.

Das ist die einzige Verantwortung die ich wirklich habe. Ich in meinem Gewahrsein über mich. Ich in der Quelle. Ich aus der Quelle. Ich, die Quelle selbst.


(Und diese Verantwortung habe ich vor allem dann, wenn ich Kinder habe. In dieser Bewusstheit, Reife, feinen Tieffühligkeit und Freiheit werde ich automatisch und intuitiv alles tun, was das Kind für seine Entfaltung braucht. Es geht gar nicht anders. Diese Reife lässt mich komplett im Moment sein und der weiß alles.)



Montag, 15. Juni 2026

Vom kindlichen Versuch, die Kontrolle zu bekommen

Ich mag eine weitere "Donnerschlag-Erkenntnis" der letzten Tage mit euch teilen.

Vom kindlichen Versuch, in Begegnung mit anderen die Kontrolle über Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und meine Unschuld zu bekommen - also irgendwie über die Bewusstheit des anderen.

Hier geht es zur Audio: https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2695


 

Freitag, 29. Mai 2026

Ich richte mich selbst nicht

Ich richte mich selbst nicht, ich werde den Richterspruch von anderen nicht als mir zugehörig anerkennen. Und schon gar nicht, werde ich aus dem Urteil der anderen ein Selbsturteil machen.

Ich behandle mich selbst nicht so. Ich werde es nicht zulassen, dass andere mich so behandeln bzw ich mich so behandle wegen ihnen.

🔥❤️🔥


 

Freitag, 24. April 2026

Den anderen erreichen wollen führt zu Ohnmacht

Es rattert ordentlich weiter.

Den anderen erreichen wollen führt mich letztlich, automatisch und unweigerlich in eine Ohnmachtsposition. Es liegt nicht in meiner Hand, ob "mir" das gelingt, ob das gelingt.

Bei mir bleiben kann ich immer, meint: Das liegt immer in meiner Hand, damit bin ich sowohl in meiner Macht als auch in meiner einzigen Verantwortung, in meiner Kraft, an meinem Platz, in meiner Gegenwärtigkeit und Selbstwirksamkeit, an dem Ort, von dem aus ich tatsächlich agieren kann. Für mich.

 


 

Mittwoch, 25. März 2026

Klarheit bringt meine Grenzen zum Vorschein

In aller Klarheit kann ich recht einfach meinen Raum einnehmen und wahren. Meist ist es der Zweifel an mir und meinen Wahrnehmungen, der mich etwas erdulden lässt, was nicht stimmig für mich ist.

Umso mehr die Verwirrungen, Verdrehungen und Umkehrungen in mir aufgedeckt werden, umso weniger lasse ich mit mir machen, was mir nicht entspricht, umso weniger dulde ich im Umgang.

Mit der Klarheit und den inneren Korrekturen nimmt die Toleranz dessen ab, was mich zum Selbstverrat bewegen möchte. Die Toleranz dessen, dass ich unmenschlich und unwürdig behandelt werde und vor allem selbst gegen mein Innerstes agiere.

Wenn ich weiß, wo ich innerlich selbst stehe, gut im Kontakt mit mir bin, weiß, dass ich ein schützenswertes, liebenswertes Wesen bin und vor allem auch klar erkennen kann, wie mein Gegenüber gerade jetzt hier in der Gegenwart mit mir da ist, wird es sehr einfach, laut und deutlich Nein zu sagen, klar für mich einzutreten, Position zu beziehen, Stellung ZU MIR.

Klarheit bringt meine Grenzen ganz automatisch zum Vorschein.



Mittwoch, 18. Februar 2026

Uns wurde in der Kindheit eine erdrückende Macht zugesprochen

Die meisten wurden in ihrer Kindheit mit einer ungesunden Allmachtsfantasie ausgestattet. Uns wurde von den Eltern eine Macht zugewiesen, zugesprochen, zugeschoben, die uns überhaupt nicht gehört. Uns wurde erzählt, dass wir es in der Hand haben, ob für die anderen eine Welt einstürzt. Emotional. Das emotionale Wohlbefinden der Eltern und anderer Erwachsener lag anscheinend in unserer Hand. Unser Verhalten, unser SoSein schien darüber zu entscheiden, wie es ihnen geht. Das wurde uns wieder und wieder vermittelt.

Oft wussten wir noch nicht mal, mit was wir das ganze Entsetzen auslösen konnten, aber wir taten es offenbar. Es passierte ja wieder und wieder und die Botschaft war immer die gleiche: Wegen DIR geht es mir so.

Wir waren verantwortlich – schuld – wenn sie traurig waren, enttäuscht, schlaflose Nächte hatten, sich Sorgen machen mussten, wütend oder ohnmächtig „wegen uns“ waren, nicht mehr weiter wussten, verzweifelt, ratlos waren. Wir alleine waren anscheinend befähigt für Wohl oder Weh der Eltern zu sorgen. Darin kam es nicht vor, dass es da womöglich eine eigene Verantwortung für sie gäbe, dass sie selber für ihr emotionales Wohlbefinden zuständig wären. Das wurde nicht vermittelt. Nicht im Ansatz.

Es schien immer wieder so zu sein, dass wir das Leben anderer auf eine unangenehme Weise beeinflussen konnten, zu der nur wir in der Lage sind. Da gab es keine höhere Ordnung. Da gab es keinen Blickwinkel, der von einer Weisheit sprach, in der immer das Richtige geschieht, auch wenn es grad weh tat. (Damit meine ich, was Kinder in Eltern auslösen, nicht was Eltern Kindern zufügen.) Da gab es keinen Gott, keine höhere Macht, keine wirkende Intelligenz, in die wir alle eingewoben sind.

Wir waren für den Schmerz der Erwachsenen verantwortlich, den wir gar nicht ursächlich bewirkt hatten. Gleichzeitig waren sie aber nicht für den Schmerz verantwortlich, den sie in uns tatsächlich verursacht haben. Also wenn wir Schmerzen hatten, emotional wie auch körperlich, waren wir ebenfalls selber schuld.

Die ganze Welt auf unseren Schultern. Die der Eltern. So wie unsere eigene. Im Grunde wurde uns als Kind gesagt, wir wären auf eine sehr schräge Weise Gott oder sogar mächtiger als er.

Natürlich hat sich in uns abgespeichert, dass wir vorsichtig sein müssen, übervorsichtig, dass wir uns zurückhalten müssen, zügeln, dass wir ganz viel falsch machen können, Erwachsenen und uns selbst ursächlich Schmerz zufügen können und deshalb unglaublich aufpassen müssen, alles im Auge behalten müssen, für andere mitdenken und -fühlen, ja, dass wir eine zerstörerische Urgewalt sind oder zumindest eine in uns tragen. Natürlich ist da die Idee, dass für alles „Unheil“ – ob im Umfeld oder bei uns selbst – die Ursache in uns zu suchen ist.

Der Druck dieser unwahren Allmachtszuweisung ist fürchterlich, ja eben erdrückend und vor allem so unfassbar weit von der Wahrheit entfernt. Diese krasse Lebenslüge macht Beziehungen erst toxisch. Die einen nehmen die Schuld nur zu gerne und die anderen haben die Nase voll von der Schuld und weisen ALLES von sich, auch die eigene Verantwortung. Die Wunde ist die gleiche. Nur der Umgang damit ein völlig anderer.

Für mich ist eines wahr: Es ist nicht möglich als Kind bei den Eltern einen emotionalen Schmerz ursächlich zu setzen. Umgekehrt schon. Es ist nicht möglich als Erwachsener (ohne Einsatz von körperlicher Gewalt oder Waffengewalt) bei einem anderen Erwachsenen einen emotionalen Schmerz ursächlich zu setzen. (Etwas in mir überlegt und prüft und scannt alle Eventualitäten und gleichzeitig bleibt diese Wahrheit in mir da.)

Es gilt für meine Begriffe, diese falsche Macht als unwahr zu erkennen und die wahre Macht und Ordnung anzuerkennen.



Montag, 19. Januar 2026

Das gesunde Ich kommt vor dem Wir

Es gibt Menschen, die lösen sich in Gemeinschaft regelrecht auf und richten all ihre Handlungen und Aussagen an den anderen aus, stellen ihre eigenen Bedürfnisse beiseite, ja nehmen sie vielleicht gar nicht mehr wahr. Nehmen sich als eigenes Wesen gar nicht mehr wahr. Sie schauen ganz automatisch, dass es vor allem den anderen gut geht. Ich komm da auch her.

Ein Relikt aus einer Kindheit, in der es galt zu funktionieren, nützlich zu sein, die unangenehmen Gefühle der anderen zu vermeiden, lieb zu sein, niemanden in den Erwartungen zu enttäuschen oder aufzubringen. Die Eltern, die Familie, der Betrieb, die Gesellschaft standen über allem und vor allem vor ihnen in der Relevanz und Wichtigkeit.

Erwachsene, die es in der Kindheit erlebt haben, dass alle anderen und alles andere vor ihnen kommen, existieren in Gruppen manchmal gar nicht mehr, können sie selbst nur alleine sein, können sich selbst nur alleine hören. Sie haben regelrecht ein schlechtes Gewissen, wenn sie eigene Bedürfnisse haben. Noch schlimmer wird es, wenn diese vielleicht gerade nicht mit den Bedürfnissen anderer harmonieren.

Doch der Weg der Selbstwerdung ist essentiell für ein gesundes Wir. Individuation ist essentiell für zuträgliche, menschliche, würdevolle Gemeinschaft. Es braucht das gesunde Ich, das sich selbst behalten darf, wenn andere zugegen sind. Dieses Ich ist ganz natürlich ein Beitrag. Für sich und für andere.

 


 

Montag, 24. November 2025

eigen-ständig

Prozess-Schreiben 23.11.25:

Heute fühlt es sich an, als wäre alles umsonst gewesen, als würde all dieses "mich hin zu mir bewegen und ich sein" nichts gebracht haben. In mir schon. Äußerlich überhaupt nichts. Ich bin mit dem gleichen Chaos, dem nicht in der Ordnung sein, der gleichen Schwere, Verworrenheit, Nichtverbindung und Trostlosigkeit um mich herum konfrontiert, wie in der Kindheit. (Wohlgemerkt sind das sehr, sehr subjektive Eindrücke, ausgelöst durch kleinste Kleinigkeiten vom Außen und nicht im Mindesten Ausdruck des tatsächlichen Gesamtbildes der Gegenwart.)

Was nützt es mir, wenn ich noch so sehr in mir in der Ordnung bin und im Außen ist sie nicht erfahrbar, nicht mit den engsten Bezugspersonen? Um mich rum regiert der Wahn, im Miteinander keine Harmonie erfahrbar.

Ich sitze im Chaos und bin da. Und jetzt?

Ich stelle fest, dass gerade nichts in mir noch etwas von Christian will. Tatsächlich gar nichts. Da ist nicht einmal mehr ein Vermissen. Es ist wie es ist. Kein Warten. Kein Wollen. Kein Zetern. Kein Andershabenwollen. Es ist viel mehr die totale Anerkennung der "Vollkatastrophe" und die einzige Frage gilt mir: Und jetzt?

Es ist noch nicht einmal die Frage, was ich damit (mit dem Zustand des Außens) anfangen soll. Ich will gar nichts mehr damit anfangen. Ich hab es nicht mehr in der Hand, also im tatsächlichen Sinn. Der Teil in mir, der die ganze Zeit damit etwas anfangen wollte/dachte, dass er müsste, hat es aus der Hand gelegt. Anscheinend. Das fällt mir gerade erst auf. Ich hab's nicht mitbekommen. Er will es auch überhaupt nicht mehr nehmen der Teil. Nichts wäre gerade absurder. Ist ja alles nicht seins. Er hat sich schon umgedreht, ist mit der Aufmerksamkeit ganz wo anders. Mit sich. In sich versunken.

Anscheinend hat alles in mir kapituliert. Ich erwarte überhaupt nichts mehr. Weder vom Leben, noch von Menschen. Keine Nähe. Kein Verstehen. Kein zusammen Wirken. Keine Harmonie. Keine Verschmelzung. Ganz im Gegenteil. Ich bin bei mir mit allen meinen Sinnen. Auf mich besonnen. Wie der Anteil. Interessant. Bei mir. Fertig.

Ich werde sehen.


Fortsetzung 24.11.25:

"Da sind wir ja weit gekommen", sagt da jemand in mir. Die 16-Jährige.

Es fühlt sich an, wie wieder mit nichts dastehen. Vor allem mit niemandem. Alles auf Anfang. Auf Null. Ich steh mit nichts da, alleine, und hab doch alles, was ich brauche. Nicht wie damals, als ich von zu Hause ausgezogen bin. Da hatte ich zwar alles Materielle, aber mich nicht und keine Ahnung, wie Leben tatsächlich funktioniert. Da stand ich tatsächlich - innerlich eigentlich zutiefst verzweifelt und doch gehen müssend - mit nichts da. Keinen blassen Schimmer von mir und vom Leben. Alles, was in der Kindheit an innerer, emotionaler Reifung tatsächlich hätte passieren sollen, ist ausgeblieben und vor allem stand ich da mit der Idee, ich alleine (ohne Anbindung an was Größeres, ohne Einbettung) müsste alles wissen, machen, regeln. Jetzt, heute, fühlt sich dieses "wieder mit nichts dastehen" anders an. Ganz anders. Ich hab vielleicht materiell "nichts", aber mich und - Gott sei Dank - Gott und das tiefe Wissen, wie Leben geht, auf was es tatsächlich ankommt. Halleluja!!!

Ich steh wieder alleine da. Ja. Stehe für mich, auf eigenen Beinen. Stabil. Es gibt nur mehr mich als Bezugsperson für alles, was in mir los ist. Es braucht keine andere, gesunde Bezugsperson mehr, wie das in der Kindheit nötig gewesen wäre. So viele Kinder in mir wollten noch eine gesunde, tatsächlich für sie brauchbare Bezugsperson im Außen bekommen. Endlich, bitte, und Christian hat’s einfach nicht „geliefert“. So schrecklich schön heilsam.

Ich brauch mich jetzt nur mehr zu mir in Beziehung zu setzen, mich auf mich (Gott) beziehen. Natürlich steh ich "alleine" da - mit mir. So gehört das. Ein Partner ist keine Bezugsperson im eigentlichen (kindlichen) Sinne. Ich bin die Bezugsperson für meine inneren Anteile und meine einzige, tiefe, intime, lebenslange Beziehung, der einzige Mensch, der mich verstehen und nachvollziehen muss, auch und vor allem, wenn es einen Partner gibt.

Ja, es gibt natürlich auch von außen helfende Hände, Schultern zum Anlehnen, starke Arme, die halten, ganze Wesen, die zuhören und mich voll begreifen. Keine Frage. Total notwendig und gleichzeitig fühlt es sich gerade so an, dass das alles dazu führt, im wahrsten Sinne des Wortes „eigen-ständig“ zu sein. Reif. Nachgereift. Er-Wachsen. Eben all das, was eigentlich schon in der Kindheit hätte passieren müssen. Zentriert in mir und gleichzeitig tief verbunden mit dem All-Einen. Von dieser tiefen, weiten Mitte aus, ist eine ganz andere Begegnung - mit wem auch immer - möglich.

Das klingt alles nicht neu und dennoch so unfassbar bedeutend, in neue Tiefen vorgedrungen, weitere so arg verzweifelte Anteile in mir erreicht oder besser sie mich. Endlich jemand da. Es hat so unfassbar viel gebraucht, dass sie überhaupt zum Vorschein kamen. So viel Verwurschtelung über so lange Zeit… Was für ein krasser Prozess und natürlich keine Ahnung, wo genau ich mich insgesamt befinde. Der Umgang damit und das Zurechtfinden darin hat definitiv ein neues Level erreicht. Wow. Was für eine Heilbeziehung. Donnerlippchen.



Donnerstag, 13. November 2025

Heiliges Mitmirsein

In mir bewegen sich Welten. Ach was! Universen!!! So krasse Durchbrüche durch Urwundennot! So viel Aufwachen in mich hinein, so viel Großes, Monumentales, Essentielles, Grundsätzliches, Bahnbrechendes, Heiliges, Heilsames.

Immer wieder steht mir innerlich der Mund vor Staunen offen. Immer wieder muss ich rückblickend neu auf mein Leben blicken, es mit dem Erkannten neu betrachten. Es ist so viel auf einmal. Es ist so komplex und vielschichtig. Ich würde das alles so gerne teilen, weil es so unfassbar wichtig ist, und doch kommt im Moment kein Wort.

Es fühlt sich ein wenig an, wie Wochenbett. Es gilt damit mit mir zu sein, mit all dem Neugeborenen. Realisieren. Integrieren. Verarbeiten. Begreifen. Bestaunen. Fühlen. Ganz Verkörpern. Es in Fleisch und Blut lassen.

Ich hab so ein Bedürfnis einfach nur bei mir, für mich zu sein. Ich spreche mit fast niemandem. Ich kann nicht. Da kommt nix. Eben kein Wort. Wie wenn mich im Moment alles nur DAVON wegbringen würde und das geht nicht. Auf keinen Fall.

Zwischendurch fühlt es sich an, als würde ich langsam wieder auftauchen und mit dem Neuen in mir mit anderen in Begegnung gehen wollen, mich erfahren, ausprobieren und vor allem all das teilen, mein eigenes Staunen in die Welt tragen und genau so schnell, wie der Moment kommt, geht er wieder. Zehn Minuten später will ich mich schon wieder einkuscheln, schweigen und mich genießen.

So ist es gerade. So lass ich mich.

 


Montag, 6. Oktober 2025

Der einzige "Fehler" ist, dass ich denke, da wäre einer

Ein intensiver Prozess hat in den letzten Stunden einen Anteil zutage gebracht, der immer wieder an seiner Unschuld gezweifelt hat. Er wurde verletzt und verletzt und konnte für all die Verletzungen nichts und dennoch war da ein Zweifel an sich selbst. Ich mag euch mit auf die Reise nehmen und teilen, was sich bisher an Glaubenssätzen, Dynamiken und Erkenntnissen gezeigt hat:

Da war die kindliche Idee: Ich bin erst unschuldig, wenn der andere Seins nimmt.

Noch stimmiger und richtiger ist: Meine Unschuld ist erst dann wirksam, wenn der andere Seins nimmt. Da ist sie ja schon die Unschuld. Das ist genau das, was mich an- und umtreibt, dass ich zum Großteil um meine Unschuld weiß.

Im Grunde rufe ich (der Anteil) mit jeder Aktion und in jeder Auseinandersetzung immer nur: "ICH BIN UNSCHULDIG!!!! Siehst du es endlich auch? Ich kann für deine Wunden nichts."

Dieser Teil will, dass meine Unschuld anerkannt wird und dass sich damit auch das Verhalten des anderen mir gegenüber ändert.

Mir wurde erzählt, dass mein Schmerz mein Verschulden ist oder der andere nicht anders kann, als mir aus 1000 Gründen weh zu tun. Also per se keine Verantwortung dafür hat. Also entweder bin ICH schuld an meinem Schmerz oder halt keiner und ich muss mich damit abfinden, dass es halt weh tut.

Dieses „nicht anders können“ der Erwachsenen aus meiner Kindheit ist eine krasse Opferhaltung. Dieses eigene Opfersein machte sie automatisch zum Täter, was sie überhaupt nicht so empfanden, und für diese Taten mussten sie sich dann auch nicht verantworten. Weder vor sich noch vor mir. Sie hatten ja keine andere Wahl. Da ist riesige Wut in mir über diese Art der Verantwortungslosigkeit und der schlichten Hinnahme, dass mir weh getan wurde. Es fühlt sich an wie ein „sich aus der Affäre ziehen“. Ich musste für alles gerade stehen, auch für das der anderen und die anderen mussten für nichts gerade stehen. Das ist nicht nur ungerecht. Das ist Hochverrat aus den eigenen Reihen. Den schwächsten ans Messer liefern.

Was hinzu kommt ist, dass ich als Kind natürlich bemerkt habe, dass es dem anderen offensichtlich schlecht ging, ganz grundsätzlich, und ich hab mich immer gefragt, ob ich nicht doch etwas damit zu tun habe.

Dieses Gefühl „etwas“ an den Umständen noch nicht begriffen zu haben, noch nicht gesehen oder verstanden, war und ist immer wieder der Punkt, an dem ich mich verunsichern lasse und selbst an meiner Unschuld zweifle. Genau da könnte nämlich der Punkt sein, wo ich doch schuld bin. Schuld, dass es dem anderen schlecht geht. Schuld, dass er mir deswegen weh tun muss. Die Wahrheit ist, dass alles, was ich noch nicht begriffen habe, im anderen liegt. Ich habe den anderen noch nicht begriffen und auch noch nicht gegriffen, weil er sich nicht greifen lassen will. Er verschleiert, argumentiert, verwirrt, versteckt sich hinter Rollen und scheinbaren Zwängen. Er tritt mit seinen ganz eigenen Entscheidungen, sich all dem zu beugen, mit seiner Angst, mit seiner empfundenen Ohnmacht, mit dem empfundenen Minderwert nicht in Erscheinung. Er macht sich stattdessen groß in seiner Rolle mit der Übermacht, der er eigentlich unterliegt, im Rücken. Er gibt seinen Druck an mich weiter, ohne selbst darin „angreifbar“ zu sein.

Ich bin greifbar, werde zur Verantwortung gezogen, soll als Kind etwas übernehmen, zu dem die Erwachsenen nicht in der Lage sind: Verantwortung. Auch heute bin ich greifbar, ich bin von mir selbst begriffen und zutiefst erforscht, bereit immer weiter zu forschen und zu 100 % in meiner Verantwortung. (Danke für jede ehrlich erspürte Rückmeldung dazu, jeden Wahrnehmungsabgleich, ohne die ich nicht so hier stehen könnte!) Damals wie heute mache ich die Erfahrung: Der andere will sich weder selbst greifen, weil er nicht sehen und fühlen will, was da dann wäre und möchte sich auch nicht von anderen/mir begreifen lassen, weil dann klar wäre, dass er für seine Handlungen Verantwortung übernehmen müsste und klar wäre, dass mein Schmerz etwas mit ihm zu tun hat. Ganz konkret mit ihm.

Immer wieder ist da in den letzten Tagen krasse Übelkeit in mir und es spürt sich an, wie etwas, das mir reingedrückt wurde, das ich fressen musste, was tunlichst da wieder raus muss. Hierzu kam der Satz: "Nimm du das Schlechte an mir." Wie wenn mir gerade von meiner Mutter alles reingedrückt wurde, was sie an „schlechten“ Eigenschaften nicht an sich haben wollte, damit sie es an mir bekämpfen konnte.

Es gibt ziemlich viel auszukotzen und eine Wahrheit, die Gott sei Dank, so langsam bei diesem Anteil landet: ICH BIN UNSCHULDIG! Und das muss ich nicht beweisen. Vor allem mir selbst gegenüber kann ich aufhören, die Unschuld immer wieder erst aufs Neue beweisen zu müssen. Und ich kann aufhören, im Müll der anderen, meinen Fehler finden zu wollen, um dann nach stundenlangem Suchen festzustellen, dass das alles gar nicht mir gehört. Der einzige Fehler ist, dass ich denke, da wäre einer und den ganzen Misthaufen des anderen überhaupt erst in die Hand nehme.

Meine Kleine beruhigt sich mehr und mehr. Ein jahrzentelanger Schmerz kann da sein. Ein Kampf mehr findet wohl gerade beginnend ein Ende.

(Danke von Herzen, Michael, dass du mal wieder zur genau richtigen Zeit sowas von DA warst, mir Raum bist und hältst, mich in Frage stellst und mein mich in Frage stellen in Frage stellst. Danke für deine Klarheit, dein Vertrauen, dein mich Sehen und Erfassen, dein Forschen und deine Offenheit. Danke für diesen unfassbar wertvollen Dienst.❤️)



Dienstag, 2. September 2025

Wenn der Zweifel das Nein verhindert

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will. (Jean-Jacques Rousseau)


Das Zitat berührt mich im Herzen. So sehr! Nicht tun müssen, was ich nicht will! Ja!!! Ja zum Nein!!! Mein Nein ist meine Freiheit!

Nein sagen. Ich kann es „eigentlich“ echt gut. Und doch, manchmal hakt es da tatsächlich noch in mir, gerade wenn es ums Zuhören geht. Wenn gesprochen wird, ohne die Verbindung zum Herzen, ohne die eigene Berührtheit, ohne Selbstkontakt und ich der Angesprochene bin, der Empfänger des Ganzen. Wenn es vom anderen nur Worte sind, die er selbst nicht spürt. Ich nicht gespürt werde. Der Moment nicht gespürt wird. Der gemeinsame Raum und was darin JETZT wirklich wesentlich ist, nicht gespürt wird.

In meinen eigenen Räumen, die ich immer wieder für Begegnung aufmache, hab ich mir die Erlaubnis zu meinem Nein erarbeitet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es war ein Weg, brauchte viele Übungsfelder und Herausforderungen. Da ist es mittlerweile selbstverständlich.

In meiner Beziehung mit Christian hab ich mir die Erlaubnis zum Nein erarbeitet. Erarbeitet nicht deswegen, weil er es mir nicht einräumen wollte, sondern erarbeitet deswegen, weil es Teile in mir gab, die nicht durften, denen es als Kind verboten war, ihren Raum zu haben, Grenzen zu haben, sich vor emotionalem Missbrauch zu schützen, die zuhören mussten, herhalten und brav aushalten, bis es vorüber war und der andere mich nicht mehr "brauchte".

In Begegnung mit Menschen "in freier Wildbahn" - also außerhalb von klar vereinbarten Räumen und Beziehungen - die zu Monologen neigen, jede Chance nutzen, um mit ihren Wortschwällen loszulegen, die das Feingefühl einer Dampfwalze haben, mir das Missbräuchliche sofort offensichtlich ist und mein Nein beim anderen eher Angriff und Empörung auslöst, ist meine Erlaubnis zum Nein und sogar zur Unfreundlichkeit und zum kompletten Ignorieren des anderen auch da. Kein Ding. Und ich genieße meine Brummigkeit und mein Knurren, die den anderen automatisch auf Abstand halten, sogar.

Bei mir hängt es, wenn mir der andere wichtig ist, wenn ich spüre, dass da eine Sensibilität und Verletzlichkeit da ist, wenn ich mit meinem Nein und dem "mir geht es gerade nicht gut in unserem Kontakt" einen wunden Punkt treffen würde. Wenn ich das Gefühl in ihm auslösen würde, dass er was falsch gemacht hat oder falsch ist. Wenn ich ein Minderwertigkeitsgefühl auslösen würde. Dann gibt es da wie ein Verbot in mir, Stopp sagen zu dürfen. Dann darf ich nicht für mich sorgen, dann darf ich mich nicht schützen. Dann darf ich nicht unterbrechen. Dann muss ich es über mich ergehen lassen und warten bis es vorbei ist. So zumindest tickt dieser Anteil in mir.

Er bringt mich in eine Handlungsunfähigkeit und ein Ausgeliefertsein. Alles in mir weiß, dass da was nicht stimmt, dass es gerade unwesentlich ist und der andere nicht fühlend präsent, abgetrennt von sich selbst und damit von mir und dem Raum. Da ist Unwohlsein. Da ist Unruhe. Da ist vielleicht sogar Langeweile. Der Bauch ist eng. Ich spann mich an. Beiß die Zähne aufeinander, verziehe das Gesicht. Aber sagen darf ich nichts.

Wenn ich dem weiter nachspüre, dann fühlt es sich an, als dürfte dieser Anteil nicht der Auslöser, der Verursacher von Schmerz sein, mit dem der andere dann nicht umzugehen weiß. Etwas in mir scheint zu spüren, dass der andere sich darin nicht halten könnte und ich deswegen mein Leid in Kauf nehmen muss, weil der andere seinen Schmerz nicht erträgt. Ich fange ihn ab den Schmerz des anderen. Ich trage etwas für den anderen. Ich ERtrage etwas für den anderen. Ich kann es sogar. Ich bin robuster. Das ist wahr. Und dennoch geht es mir schlecht, ich stelle meinen Raum zur Verfügung, damit der andere nicht an seiner Wunde berührt wird, damit er darunter nicht zusammenbricht und damit ich nicht die Enttäuschung in den Augen des anderen sehe, wenn ich seine Erwartungen nicht erfülle. Ein Blick, der mir alle Verantwortung für das Wohlbefinden des anderen und meine Rücksichtslosigkeit vermittelt. Ein Blick, der sagt: „Ich leide und DU könntest das so leicht ändern.“ Dass ich dafür etwas tun müsste, was ich nicht will, wobei ich mich nicht wohl fühle, ist dem anderen völlig egal. SEINE kurzfristige Erleichterung zählt. Ich komme mit meinen Bedürfnissen und meiner Unversehrtheit darin nicht vor. Und alles in mir fühlt, dass ich das alles ertragen könnte, aushalten, von ihm weghalten. Da kommt auch eine Stimme, die sagt: „Ach komm, stell dich doch nicht so an. Es ist doch eigentlich gar nichts. Was du wieder hast?“ Pfui Teufel wird mir schlecht.

Ich hab die ganze Zeit die Beziehung zu meinem Vater sehr präsent. Und da kommt mir wieder der Satz von neulich: „Ich sehe dich (mit deinem Schmerz) und ich trage dich nicht weiter.“ Gleichzeitig merke ich, dass ich den Punkt noch nicht ganz erwischt habe, was diesen Teil nicht Nein sagen lässt. Da ist immer noch Starre, Ausharren, Schweigen, Handlungsunfähigkeit. Wie wenn immer noch ein Verbot wirkt. Oder das Schlimme daran von mir selbst noch nicht anerkannt ist. Wie wenn mein Unwohlsein noch keine Berechtigung zugesprochen bekommen hat. Mhmmm… Der letzte Satz löst Berührung in mir aus. Da kommt etwas in Gang. Die Tränen steigen auf und die Kleine sagt: „Das ist voll schlimm“ und will sich in starke Arme werfen, Arme von jemandem, der sieht und versteht, der das alles auch erkennt und anerkennt.

Jetzt weint es. In warmen Armen. Christians Arme. Fühlend verstanden und begriffen. Gehalten. Schützend umfangen. Erfasst und bestätigt. DAS hat immer gefehlt. Dass da mal jemand von außen drauf schaut und die Verdrehungen erkennt, sie bestätigt. Da war immer der Zweifel. Himmel!!!!! Der Zweifel war das Problem. Jetzt weint es noch mehr. Jetzt fließt es richtig. Der Zweifel hat mich nicht Nein sagen lassen. Ich könnte mich täuschen. Ich könnte dem anderen unrecht tun. Ich könnte unfair sein. Ich könnte das alles einfach nur falsch verstanden haben, mich täuschen mit meinem Unwohlsein. Das Problem könnte bei mir liegen. Keine Möglichkeit für einen Abgleich. Niemand da, der ehrlich reflektiert und Seins zu sich nimmt. Niemand da, der außerhalb von all den Mustern und Dynamiken da ist, mit Feingefühl und die Situation tatsächlich erfasst, die Sachlage erkennt. Kein Referenzpunkt, kein wahrhaftiger Bezugspunkt, kein Wahrnehmungsabgleich möglich. Ich allein mittendrin in all den Verdrehungen und immer die „Gefahr“, dass ich falsch liege mit dem Gefühl, dass da etwas sowas von nicht stimmt. Ich war ja die Einzige damit.

Und jetzt fällt mir etwas ein, was mir heute Morgen so klar wurde. Wir alle waren im Grunde als Kind Opfer einer riesigen Verschwörung. Die Verschwörung der Unmenschlichkeit. Alle waren unmenschlich und abgetrennt da, unnatürlich und haben uns kleinen, fühlenden, berechtigterweise alarmschlagenden Wesen weis machen wollen, dass wir uns täuschen, dass so halt Leben geht und unsere Probleme mit dieser schreienden Unmenschlichkeit nur an uns lägen. Das einzige fühlende, menschliche Wesen weit und breit und der Fehler wurde uns zugeschrieben. Darin waren sich alle einig. Eltern, Schule, Ärzte, Kirche, etc… DAS ist Gaslighting im ganz großen Stil und eine Verschwörung, die sich seit Generationen durchgezogen hat. Möglich gemacht durch Trauma. Halleluja!

Da wird mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, uns gegenseitig die Welt wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen und uns gegenseitig saubere Spiegel zu sein, die wir als Kind nie hatten. Mit dieser Bestärkung wird das Nein ermöglicht, das es so dringend braucht, um all diesen Missbrauchs-Wahnsinn zu beenden. Donnerwetter! Was für ein Prozess und was für eine Erleichterung, wenn der Punkt getroffen ist. DANKE!!!!!


Mittwoch, 20. August 2025

Kein "um zu" mehr

Mein Leben hat sich in den letzten 20 Jahren zu einer Konsequenz hin entwickelt, die ich manchmal verteufelt habe. Ich komme keinen Millimeter an meiner innersten Wahrheit vorbei. Ich kann nur tun, was tatsächlich rein ist, 100% in Übereinstimmung mit meinem Innersten und keine Absicht hat. Das war mit Anfang zwanzig natürlich eine andere Hausnummer als jetzt, aber da fing es an, dass das Funktionieren einfach nicht mehr funktionierte, dass es in mir rebellierte, wenn etwas nicht in Übereinstimmung mit meiner Integrität war.

Ich hab mir manchmal gewünscht, dass ich mich eeeetwas mehr fügen oder anpassen könnte, mal einen Schwupps an mir vorbei könnte, um schlicht dazu zu gehören. Es ging nicht. Wenn ich es doch probiert habe, hat mich mein Körper sofort rausgeholt. Er war IMMER spätestens die Notbremse.

Es war also meine Herausforderung und mein Weg, mich selbst darin zu halten, dass ich keine "um zus" mehr ausagieren konnte, andere bedienen oder für mich selbst zweckmäßig handeln konnte. Da kamen die inneren Anteile und verletzten Kinder zum Vorschein, die das tun mussten, was stimmte, dann aber eben mit Konsequenzen zu rechnen hatten, befürchteten nicht mehr dazu zu gehören, ausgestoßen zu werden, beschuldigt zu werden, oder eben unter der Brücke zu landen, weil ich in kein System mehr passte, das zum "Geldverdienen" gut war.

Für viele andere ist es die Challenge, die "um zus" sein zu lassen und die inneren Kinder zu halten, die es so sehr gewohnt sind, absichtsvoll zu handeln, lieb und nett zu sein, zu beeinflussen, zu betteln, weil sie nur so ansatzweise an etwas gekommen sind, was sie so sehr gebraucht hätten. Da ist es die Aufgabe, sich um die inneren Kinder zu kümmern, die liefern wollen, die fordern, die kein Nein dulden, die brauchen und ALLES dafür tun. Es ist die Herausforderung, das bei sich zu behalten, was ein "um zu" hat und die Anteile in der Not zu versorgen.

Das heißt nicht, dass es keine erwachsenen Wünsche und Bedürfnisse mehr gibt. Ganz im Gegenteil, es ist sogar essentiell zu erkennen, dass es erwachsene Wünsche und Bedürfnisse gibt, die berechtigt sind, die menschlich sind, die geäußert werden dürfen. Ob ich damit frei und absichtslos da bin, merke ich daran, ob es ok wäre, wenn der andere Nein sagt. Wenn ich das, was ich brauche genau jetzt von genau der einen Person will und es nicht denkbar ist, dass es nicht stattfindet oder wann anders, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ein inneres Kind am Start ist, um das ich mich kümmern darf.

Wenn ich mein Bedürfnis äußern kann, weiß, dass es mir grundsätzlich zusteht und ich es haben darf, dass es aber nicht unbedingt jetzt und genau von dieser einen Person zu erfüllen ist, dann bin ich erwachsen da. Frei. Absichtslos. Das ist für mich der große Unterschied zwischen Bedürftigkeit und Bedürfnis. Zwischen Betteln und Wunsch. Ist der andere eingeladen wirklich frei nach seiner Stimmigkeit und Integrität Ja oder Nein zu sagen?

In meinem Leben war es immer eher so, dass ich diejenige war, die bei den "Bedürfnissen" der anderen nicht frei Ja oder Nein sagen durfte, weil es eben emotional aufgeladene Bedürftigkeiten waren, bei denen ein Nein ordentlich Gefühle auslöst. Ich selbst durfte also nicht Nein sagen, hatte aber ohne Murren zu akzeptieren und zu verstehen, dass die anderen fast nur Nein zu mir sagten. Mir fällt es deswegen nicht schwer, nicht zu versuchen, etwas zu bekommen. Es hatte keinen Wert. Selbst nach berechtigten Bedürfnissen fragen, wurde schnell als Betteln bezeichnet.

Ich musste lernen, dass es berechtigte Bedürfnisse überhaupt gibt und dass mir das auch zusteht, wenn ich aus meiner Integrität Nein zu anderen sage, in dem prägenden Fall zu den Eltern. Ich hätte bekommen müssen, ohne geben zu müssen und mein Nein zu ihren Bedürftigkeiten hätte keine negativen Konsequenzen für mich haben dürfen.

Als Erwachsener ist jedes eigene "um zu" im Grund überflüssig. Jede Angst vor negativen Konsequenzen, wenn ich die "um zus" der anderen nicht erfüllen mag, auch. Das Einzige, was es zu tun gibt, ist in beiden Fällen, die inneren Kinder zu versorgen, die da jeweils auf den Plan treten. Die, die was bekommen wollen und die, die Konsequenzen vermeiden wollen.



Montag, 11. August 2025

Das, was ich fühle und empfinde, KANN niemanden verletzen

Rücksicht auf die Gefühle von anderen nehmen wollen, meint meistens, sie zu vermeiden. Das ist keine reife Empathie, das ist Schmerzvermeidung, Wundenmanagement, falsche Rücksichtnahme, die sehr wahrscheinlich beinhaltet, dass ich mich selbst verbiege, Themen ausspare, nicht meine Wahrheit spreche, nicht sage, was ich tatsächlich empfinde, weil es den anderen "verletzen" könnte.

Das, was ich fühle und empfinde, KANN niemanden verletzen. Es kann Verletzungen berühren, ja, die waren aber vor mir schon da. Ich bin nicht Verursacher der Wunde, ich komm bloß dran.

Will ich Gefühle vermeiden, Rücksicht nehmen, übernehme ich Verantwortung, die nicht meine ist. Bewege mich in Angelegenheiten, die nicht zu meinen gehören und ich bin nicht in meiner Wahrheit da.

Was tatsächlich verletzt ist, wenn jemand seine Gefühle in eine Aussage über den anderen packt, über sein Sein, und derjenige nicht in der Lage ist, zu reflektieren und zu bemerken, dass das nicht die Wahrheit des Moments ist. Wie in der Kindheit tausendfach passiert. Ich bekomme in mein offenes, filterloses Wesen einen Giftstachel nach dem nächsten geschoben mit Unwahrheiten über mich, weil der andere nicht die Verantwortung für seine Gefühle übernimmt. "Du bist anstrengend." Die Wahrheit wäre: "Es ist gerade anstrengend für mich." Ein himmelweiter Unterschied in der Botschaft.

In derlei Aussagen über den anderen, die eigentlich Aussage über mich sein müssten, passieren tatsächlich Verletzungen. Nicht aber, wenn ich meine Gefühle und Empfindungen ausdrücke und eine Aussage über mich treffe.

Auf was will ich also Rücksicht beim anderen nehmen und warum? Und will ich wirklich auf die Gefühle des anderen "Rücksicht nehmen" oder will ich eher auf meine Gefühle "Rücksicht nehmen" und vermeiden, wie ich mich fühle, wenn ich im anderen Gefühle ausgelöst habe?

Was ist die Motivation? Um was geht es dabei wirklich? Und wie sehr bin ich dabei in der Wahrheit über mich selbst, kann bei mir bleiben und das, was es tatsächlich in mir fühlt, ganz und ehrlich zum Ausdruck bringen? Oder tue ich mir bei dem Versuch, Rücksicht auf den anderen zu nehmen, eher selber ordentlich weh?



 

Voll und ganz über mich entscheiden können

Voll und ganz über mich entscheiden können und dürfen, das war und ist in meiner Ursprungsfamilie nicht vorgesehen. Es wird erwartet, dass ich die Bedürftigkeiten und Wünsche zur Schmerzvermeidung der anderen berücksichtige.

Ich darf schon machen, was ich will, aber dann sind sie halt beleidigt oder angefressen, voller unausgesprochener Vorwürfe und Schmerz. Ich kann nicht wirklich frei wählen. Manche Fragen dulden kein Nein. Manche Antworten dürfen nicht sein.

Dass in diesem Verhalten ich nicht vorkomme, ich keine Rolle spiele, hab ich schon sehr oft formuliert. Dass dieses Verhalten, diese Haltung beinhaltet, dass ich nicht voll und ganz über mich selbst entscheiden kann, kam heute erst so richtig bei mir an.

In dieser Familie ist es nicht vorgesehen, dass ich für mich wähle und diese Entscheidungen unabhängig von der Familie sein können. Es kommt in ihrer Vorstellung nicht vor, dass sie in meinen Entscheidungen keine Rolle spielen. Es kommt nicht vor, dass ich komplett über mich selbst verfüge, tatsächlich meine eigenen Wege gehe und ein komplett eigenes Leben habe. Völlig losgelöst von ihnen.

Diese Formulierung von Cindy heute, dass sie voll und ganz über sich entscheiden will und zwar in jeder Sekunde, hat's bei mir nochmal riiiiichtig klingeln lassen. Ich durfte nie wirklich, wahrhaftig und aufrichtig über mich entscheiden. Ich hab das im Kontakt mit meiner Familie nie erlebt, dieses Gefühl, dass ich nur mir gehöre, dass es mal nur um mich und mein Wohlergehen, meine Integrität, meine Wahl ging, ohne emotionale Aufladung mit ihren Themen, ohne versuchte Einflussnahme, ohne Bedenken, ohne Stories, die fühlbar mitschwangen, ohne Bewertungen. Ich hab nie wirklich offene Fragen gestellt bekommen, die zu einer/meiner Antwort einluden. Sie waren immer suggestiv, eingefärbt, aufgeladen, voreingenommen, ein bestimmtes Ergebnis inkludiert oder eben die vorgefertigte Meinung.

Frei wählen können und erleben, dass es wirklich und aufrichtig akzeptiert wird. Wirklich sein gelassen werden. Nur mir gehören bzw. dem Leben. Wirklich, ohne Kontrollfragen auf Schubladentauglichkeit oder Norm, das eigene Leben zugetraut und gegönnt bekommen. Wirklich frei gelassen werden, ohne das noch unterschwellig oder offenkundig was von mir gewollt wird, ohne Ansprüche, Erwartungen und Filter.

Voll und ganz über mich entscheiden dürfen, über mich selbst verfügen, zu jeder Zeit, egal, was das bedeutet, egal, worauf meine Wahl fällt. Entscheidungen erwachsen und reif akzeptiert bekommen, allen voran mein Nein. So ist es eigentlich gedacht in Beziehung. So fühlt es sich richtig an. Das hat da immer gefehlt. Jetzt hat die Lücke einen Namen. Danke.


 

Sonntag, 10. August 2025

Wir haben gerade nichts miteinander zu schaffen

Ich hab das immer wieder in mir bewegt, diese Sache mit dem "selbstverständlichen" Kontakt mit der Familie, mit "Freunden" und Bekannten von früher oder allen möglichen anderen Lebensbereichen. Irgendwie will mir das nicht so richtig in den Sinn. Irgendwas stimmt da grundsätzlich für mich nicht. Ich mag meine Gedanken mal mit euch teilen.

Ich verstehe Leben so, dass ich mit den Menschen bin, mit denen es gerade relevant und wesentlich ist, mit denen es etwas zu bewegen, beleuchten gibt, mit denen es Fäden hin und her zu reichen gibt, mit denen gerade Vereinbarungen spürbar aktiv sind, nichts Ausgedachtes, sondern Wahrnehmbares. Da ist Anziehung. Da ist Zug drauf. Da liegt Kraft drauf. Da wird im Miteinander so richtig was bewegt. Da soll ich sein. Da geschieht das Leben durch mich. Da bin ich an meinem Platz.

Und wie von all dem unberührt und unbeeindruckt scheint es so was wie ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, dass "man" als Erwachsener mit der biologischen Familie und "Freunden" Feste feiert, sich regelmäßig trifft, telefoniert und Sachen unternimmt. Egal, ob das stimmig ist oder nicht, ob mich das erfüllt oder nicht, ob das dran ist oder nicht: Das wird so gemacht. Das gehört sich so. Das wird nicht in Frage gestellt. Es kommt mir vor wie eine Parallelwelt.

Ich kann damit nichts anfangen. Aber so was von gar nichts. Und ich kann es auch nicht so tun, nicht mitmachen.

Welchen Sinn sollte das haben? Also selbst wenn mich meine Familie bis ins Tiefste verstehen und begreifen würde und wir uns wirklich und wahrhaftig begegnen könnten, so könnte ich dennoch nur mit ihnen Kontakt haben, wenn es was zu schaffen gäbe und nicht weil "man" halt einfach Kontakt hat.

Es gibt gerade nichts zu tun und damit meine ich im übergeordneten Sinne. Tatsächlich fühlt es sich seit Langem auch so an, wie wenn die Beziehungen erfüllt sind und alles getan ist, wofür wir uns einst verabredet haben. Grundsätzlich sagt mir mein Gefühl, dass unserer Natur nach dieses Eltern-Kind-Setting tatsächlich irgendwann erfüllt ist. Es ist vollbracht.

In den meisten Fällen meiner Beobachtung kommt es mir allerdings so vor, als hätte die natürliche Abnabelung, die Initiation ins Erwachsen- und Entwachsensein nie stattgefunden. Als würde da künstlich etwas weiter am Leben erhalten werden, was eigentlich schon lange überlebt und überdauert ist, nicht mehr in der Ordnung. Als würden sich die meisten über diese Sicherung durch Gemeinschaft in ihrem Bewusstsein nicht hinausentwickeln. Nie wirklich hinaus ins Leben gehen. Nie wirklich von der Familie unabhängig werden und sich selbst in Gottes Hand geben. Nie wirklich reif werden.

Wie gesagt, in meinem ganz persönlichen Fall kann ich sagen, dass es sich für mich bezüglich meiner Ursprungsfamilie seit geraumer Zeit fertig anfühlt. So richtig vollendet. Mission completed.

Es gibt nichts zu schöpfen, nichts miteinander zu schaffen. Wir haben nichts miteinander zu schaffen, nichts zu ERrschaffen. It's done. Vielleicht ändert sich das mal wieder. Ich werde es merken. Gerade würde ich sagen nein.

Ich bin mit den Menschen, mit denen ich Wesentliches tue, wesentlich bin. Das ist veränderlich, wogt und bewegt sich. Verbindungen werden intensiver dann wieder weniger intensiv. Immer wie es stimmt. Fließend, lebendig und immer kraftvoll, weil genau richtig. Nirgends anders soll ich jeweils sein. So ist es in der Ordnung. Das ist das, was für mich zählt. Über der Ordnung steht für mich nichts. NICHTS. Auch nicht die Familie. Der Ordnung unterliegt für mich alles.

Soweit meine Gedanken, meine Beobachtungen, mein Spüren und Erspüren in diesem Moment.



Freitag, 8. August 2025

Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht."

Ein Satz, der seit gestern unglaublich viel in mir bewegt. Ein Satz, der mich noch stabiler stehen lässt. Mitfühlen ja, sehen, anerkennen. Übernehmen, nein. Klar abgrenzend, gerade wenn ich merke und so deutlich spüre, dass mir jemand die Verantwortung für seine Gefühle geben will, dass da Erwartungen und Anforderungen sind, Schuldzuweisungen und auch aufrecht erhalten werden. Wenn ich den Schmerz so deutlich spüre, den ich berührt habe, für den ich aber nicht die Ursache bin.

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht weiter."

So musste ich diesen Satz in mir abwandeln, um die Wahrheit in Bezug auf meinen Vater auszudrücken. Da gab es einen Teil in mir, der dieses Tragenmüssen immer noch als seine Aufgabe sah und bei jedem gesunden Nein meiner Erwachsenen ein schlechtes Gewissen hatte, Schuldgefühle, Zweifel. "Wir können ihm doch mal eben gut tun. Es fällt uns doch so leicht," sagte dann die Kleine zu mir.

Dieser Ausdruck von Mitgefühl in dem Satz, dieses "Ja, ich sehe dich mit deinem Schmerz" an meinen Vater gerichtet, brachte ihr irgendwie die Möglichkeit dann Nein zu sagen. Warum auch immer, kann die Kleine jetzt tatsächlich den Schmerz des Vaters wahrnehmen UND ihn sein lassen. Da ist Ruhe, Klarheit und ein schlichtes Nein.

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht weiter." An dieser Stelle endet das alte Spiel, die falsche Verantwortung, das schlechte Gewissen wieder einmal mehr noch tiefer.

Ausatmen.
Aufatmen.
Erleichterung.
Wieder mehr Ordnung.
Wieder mehr Ent-wicklung.
Wieder mehr Ich.
Halleluja!