Dienstag, 9. August 2022

Der Aber-Glaube

Der Aber-Glaube, der Glaube an das "Ja, aber..."

Das Wort Aberglaube kennt wahrscheinlich jeder. Heute kam in einem wunderbaren Austausch dieser Aspekt, diese Deutung, dieses Wortspiel zum Vorschein. Der Glaube an das "Ja, aber".

WOW! Aberglaube auf diese Weise betrachtet, haut nochmal so richtig rein, wie ich finde.

Man könnte es auch gleichsetzen mit: "Für jede Lösung ein Problem."

Oder:

"Willst du recht haben, oder glücklich sein?"

Es gibt Menschen, die sind regelrecht beratungsresistent. Die wollen an ihr ABER glauben. Die wollen festhalten an alten Mauern, an alten Weltbildern, an den Problemen, an den Begrenzungen in ihrem Kopf, weil es scheinbar Sicherheit bietet.

Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn ein bisher für wahr befundenes Weltbild, eine Ansicht, eine Meinung plötzlich wankt, wenn an den Grundfesten gerüttelt wird. Ich kenne diese Momente, wenn man plötzlich nicht mehr weiß, was man glauben soll. Wenn man haltlos und völlig verloren umherschwirrt im Nichtwissen, wenn alles Kopf steht und man gar nicht mehr weiß, was denn nun stimmt.

Das kann sehr bedrohlich sein. Das kann so bedrohlich sein, dass derjenige, der dieses Wanken ausgelöst hat, sogar als Gefahr angesehen wird und vernichtet werden muss. Ich kann das total verstehen, voll nachempfinden.

Und gleichzeitig ist es so sinnvoll, wie den Spiegel zu putzen, wenn man darin sieht, dass man einen Fleck im Gesicht hat.

Die andere Weltsicht ist nicht das Problem. Derjenige, der die andere Weltsicht in den Ring wirft, ist nicht das Problem. Es sind die Gefühle von Ohnmacht und Unsicherheit, von Verwirrung und Orientierungslosigkeit, die die Bedrohung ausmachen. Es sind die Konsequenzen, die es nach ziehen würde, wenn der andere recht hätte.

Stefan Hiene hat es neulich so schön auf den Punkt gebracht. Es gibt nur eine Art von Flucht und das ist die Flucht vor den eigenen Gefühlen.

Die Bedrohung, ja gar die Todesangst, die ein anderes Weltbild, eine andere Sicht, ein Lösungsansatz auslösen kann, ist ja nicht real. Sie ist faktisch nicht vorhanden und doch wird es so empfunden. Es geht direkt, gefühlt, um Leben und Tod.

Da kommt ein "Ja, aber" gerade recht. Es hilft die Bedrohung fürs Erste zu entkräften. Es hilft, das alte Weltbild erstmal wieder zu erhalten, zu stabilisieren und zu bewerkstelligen, dass das Wanken aufhört.

Letztlich ist es Augenwischerei. Diese Art von Aber-Glaube kommt Scheuklappen gleich. Es blendet alles Neue und Unbekannte, ja gar Unerhörte und Ungeheuerliche aus. Was nicht sein darf, kann nicht sein.

Die Fragen allerdings bleiben: Was wäre, wenn der andere recht hat? Was wäre, wenn mein Weltbild wirklich überholt ist? Was wäre, wenn ich mich mal auf das Gedankenspiel einlasse und wirklich wie im Spiel mal davon ausgehe, dass es stimmt, was der andere sagt? Was löst das in mir aus? Was würde das für mein Leben, für meine Entscheidungen, für mein Empfinden, für mein Handeln, für mein Gefühl von Sicherheit bedeuten?

Was bleibt, wenn im Außen alles wegbricht? Wer bin ich ohne Besitz?

Wer bin ich, wenn es wahr wäre, dass es eine Quelle neben Gott gibt, die Unbeseeltes hervorbringt?

Wer bin ich, wenn die Erde eine Scheibe wäre und der Mond ein Raumschiff? Wer bin ich, wenn es Außerirdische gäbe, die die Menschheit aussaugt und manipuliert?

Wer bin ich, wenn die Geschichte über meine Krankheit nicht stimmt? Wer bin ich, wenn ich mir eingestehen würde, dass mich meine Beziehung langweilt? Wer bin ich, wenn ich mir eingestehe, dass ich eigentlich gar nichts leisten möchte? Wer bin ich, wenn ich mir eingestehe, dass ich gerade keine Zeit mit meinen Kindern/Eltern verbringen will?

Brauche ich ein "Ja, aber"? Ja, aber das geht ja nicht? Ja, aber das wäre ja viel zu einfach? Ja, aber wenn das jeder machen würde? Ja, aber so kann das gar nicht sein? Ja, aber das war schon immer so? Ja, aber das macht man doch nicht? Ja, aber das darf man doch nicht? Ja, aber dann will ich auf dieser Welt nicht mehr leben?

Was wäre, wenn ich all diese Gedanken, die ich sonst mit einem "Ja, aber" wegwischen würde, mal zulassen würde? Was fühlt es dann in mir? Was denkt es dann in mir? Wer wäre ich dann?

DAS ist für mich der wahre Mut. DAS sind für mich die Chancen zur wahren Selbsterkenntnis. DAS ist für mich der Weg in die Freiheit. Wenn alles sein darf und ich damit im Frieden bin.

DANKE, Brigitte!!! Was für ein Geschenk! ❤


Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Montag, 8. August 2022

Männer, ich sehne mich nach euch

Ich wünsche mir so sehr Männer für diesen heiligen Raum der Verbindung.

Ich mag euch Kerle dabei haben. Ich mag die Bereicherung durch euch genießen, eure Sichtweisen und euer Erleben hören. Ich mag euch feiern und hochachtungsvoll lauschen. Ich mag euch ehren. Euren Weg, eure Herausforderungen, eure Gefühle, eure Gedanken, eure Schatten, euer Licht.

Ich mag euch lieben. Euer Sein, was auch immer das gerade bedeutet. Ich mag euch bedingungslose Annahme schenken.

Ich wünsche mir ehrliche Begegnung zwischen den Geschlechtern.

Ich wünsche mir für unser "Experiment Ehrlichkeit" beide Qualitäten.

Mein Herz sagt mir, dass es da Männer gibt, die schon am Überlegen sind, die hadern und noch zögern. Ich spüre es förmlich.

Ich wünsche mir den letzten Schritt, den Mut zur Anmeldung, das Ja zu diesem Experiment.

Ich sehne mich nach euch.


Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Samstag, 6. August 2022

Reisebericht einer Wanderschamanin #5

Die Ereignisdichte ist unglaublich hoch. Seit ich vor nicht mal einer Woche aus dem Allgäu aufgebrochen bin, sind so viele Sachen passiert und Begegnungen geschehen, dass es schon wieder für drei Leben reicht.

Ich lade euch ein und nehme euch mit in all mein Staunen und Erleben, in meine Erfahrungswelt.

Hier geht es zur Sprachnachricht auf meinem Telegram-Kanal.


Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Donnerstag, 4. August 2022

Ich habe gesehen, dass ich Liebe bin

Ich will alles lieben. Und ich tu es einfach. Aus tiefstem Herzen und mit voller Inbrunst. Ich liebe diese Welt in diesem Zustand. Ich schaue hin und liebe was das Zeug hält. Nichts bleibt ausgenommen. Kein "Ja, aber das nicht"!

Ich liebe die Angst, die Ohnmacht, die Verwirrung, die Verirrung, die Wut, die Dunkelheit, den Hass, die Trennung, das Unbeseelte, Aliens, den Teufel persönlich.

Ich liebe Tränen, die Verzweiflung, das Bittere. Ich sehe es. Registriere. Sehe die Schönheit im Hässlichen. Verstehe jedes Urteil. Sehe den Gitterstab und bin damit. Präsent. Bezeuge. Ja, das gibt es auch. Ja, das existiert. Alles. Und es ist in Ordnung. Es ist in der Ordnung. Wie könnte es außerhalb sein?

Diese Liebe passiert einfach. Die kann ich nicht machen und eigentlich ist es auch "nur" Präsenz, kein aktives Tun und schon gar nicht, um zu... Um zu transformieren, um etwas zu eliminieren, um etwas zu erreichen, um die Energie hoch zu halten, um, um, um... Nein. So ist dieses Lieben nicht. Diese Liebe ist. Punkt.

Alles darf sein. Ich darf sein. Ich KANN sein. Neben allem. Damit. Mittendrin. Außenvor. Egal. Gleich-gültig.

Alles, was existiert, ändert nichts an meiner Essenz. Nichts kann ändern, was ich im Wesen bin. Ich bin Quell-Energie in Form. Liebe im Ausdruck.

Ich bin die Einzige, die mich einsperren kann, die mich "negativ" beeinflussen kann. Die die Illusion erzeugen kann, dass etwas mächtiger ist als mein Ursprung.

Ich liebe jeden Gitterstab, den ich mir augenscheinlich mal selbst gesetzt habe. Weiß ich doch um meine Herkunft, um mein Sein und bin unbeeindruckt von den scheinbaren Gefahren und Schranken. Der Schleier ist gefallen. Das Spiel durchschaut. Ich erkannt.

Ich habe gesehen, dass ich Liebe bin.


Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Mittwoch, 3. August 2022

Präsenz ist die höchste Form der Liebe

Dieser Satz war neulich nachts einfach da. Aus dem Nichts. Ich lag im Bett, sinnierte in der Stille so vor mich hin.

"Präsenz ist die höchste Form der Liebe."

Ich spürte hin. Ist das wahr für mich? Stimmt das? Ich konnte nicht widersprechen. Da war schlicht nur Frieden und Ruhe. Wow!!!

Mit jemandem präsent sein, da sein, volle Aufmerksamkeit im Moment, im Miteinander. Was könnte es für ein größeres Geschenk geben? Könnte ich mehr lieben, als so? Auf diese Art?

Meine Erfahrung zeigt mir, dass Heilung, körperlich wie psychisch, in der schlichten Präsenz passiert, in dem Dasein mit dem, was ist. Das Geschenk kann ich mir selbst machen. Das Geschenk kann ich anderen machen. Das ist Liebe. Das ist aus meiner Sicht die Heilung eines jeden Traumas. Wenn alles in der schlichten Präsenz da sein darf.

Diese Form der Liebe ist für mich auch in Beziehung, in Partnerschaft die Form, die ich immer mehr lebe. Präsent sein mit dem was gerade da ist. Bei mir. Beim anderen. Mitteilen. Nichts damit machen müssen. Ich nicht. Der andere nicht.

Wie sich das in einer "Freundschaft" anfühlt, innerhalb der Seelenfamilie darf ich schon länger erfahren und erleben. Wie sich das in einer Partnerschaft anfühlt, was das wirklich bedeutet, welches Geschenk das ist, darf ich seit einigen Wochen ganz intensiv erfahren. Heilige Verbindung.

Ich war lange selbst nicht dazu fähig, in Partnerschaft den anderen sein zu lassen, konnte eben nicht präsent sein mit dem, was ist, hab Strategien entwickelt, um eigene Gefühle zu vermeiden, wollte Lösungen, wollte Veränderung, wollte bestimmtes Verhalten. Mir das im Nachgang anzuschauen und einzugestehen, obwohl ich dachte, ich wäre in der Annahme, ist krass. Und doch kann ich es nicht leugnen. Ich wollte verändern. Punkt. Ich habe mich selbst immer wieder verlassen und mich in den Angelegenheiten des anderen aufgehalten. Punkt. Ich war nicht einfach nur präsent. Das verletzte Kind war aktiv und wollte kontrollieren.

Jetzt erlebe ich mich komplett anders in einer Partnerschaft. Ich sterbe, ja, immer wieder, gebe frei, radikal, staune, heile. Beobachte mich. Prüfe mich. Ich will pure Präsenz. Ich will komplette Freigabe. Ich will Bedingungslosigkeit. Drunter mache ich es nicht mehr. Was es dafür aufzuräumen gibt, wird eben aufgeräumt. Fixierungen und Anhaftungen werden ins Licht der Präsenz geholt, werden gesehen und realisiert und schmelzen dann von ganz alleine, weil sie da sein dürfen, weil sie benannt werden dürfen.

Ich sag ja, Präsenz ist Heilung. Präsenz ist Transformation. Präsenz ist die höchste Form der Liebe. Für mich. Für andere. Was für eine Gnade, das erleben und erfahren zu dürfen. Das schenken zu dürfen, zu können. Das geschenkt zu bekommen.

Was dadurch für eine Nähe und Intimität entsteht, ist kaum in Worte zu fassen. 🥰🙏🏼❤️💎 Danke für einen jeden, der sich in schlichter Präsenz übt.


Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

Montag, 1. August 2022

Wahrheit sprechen ist nicht gleich Meinung geigen

Meine Wahrheit sprechen, heißt nicht, dass ich jedem ständig sage, was ich von ihm halte. Dieses Missverständnis tritt immer wieder auf, wenn es um radikale Ehrlichkeit geht.

Meine Wahrheit sprechen, heißt mitteilen, was es in mir fühlt, denkt, wie sich mein Körper verhält. Ich rede von mir. Es ist eine einzige Selbstoffenbarung.

Ja, ich beziehe mich auf andere, aber nur in dem Maße, als das ich sage: "Das, was du gerade sagst oder tust, löst xy in mir aus." Oder: "Gerade ist da die Idee/Vorstellung, dass du mir nicht zuhörst."

Ich hab so viel schon in meinem Leben über mich ergehen lassen, ohne mitzuteilen, was das mit mir macht. Ich hab mich im Kontakt mit anderen schon so unglaublich oft ohnmächtig gefühlt. Ich hab alles geschluckt oder habe versucht, es wegzutransformieren, wegzuatmen, wegzudiskutieren.

Wie oft hab ich Monologen von anderen zugehört, die null von sich reden, die nichts von sich preisgeben, die über andere reden, gute Ratschläge geben, Predigten halten, sich über etwas aufregen, ohne in der Eigenverantwortung zu sein. Die reden, ohne ein Wort über sich selbst gesagt zu haben. Die körperlich da sind, aber nicht präsent.

Ich habs über mich ergehen lassen, weil ich ja höflich bin, nett. Man unterbricht doch niemanden. Ich möchte ja auch aussprechen dürfen. Dieses scheiß Gutmenschentum ist für Menschen, die generell mehr Verständnis und Mitgefühl für andere als für sich selbst haben, echt verhängnisvoll.

Das Ding ist, zuhören müssen ist eine Grenzüberschreitung. Da dringt tatsächlich etwas in mich ein, in meine Ohren, in meinen Geist, was ich nicht möchte. Ich vergewaltige mich regelrecht in diesem Moment selbst, wenn alles in mir STOPP schreit und ich es aber nicht ausspreche.

Umso mehr ich mich in den letzten Monaten ehrlich mitteile und direkt, ungefiltert sage, was im Kontakt mit anderen in mir vorgeht, umso mehr merke ich, wie oft ich Krieg gegen mich selbst geführt habe, weil ich all das drin behalten habe. Geschluckt. Bis es mich regelrecht fast zerrissen hätte.

Und die Hauptsache, so stelle ich immer mehr erstaunt fest, ist es noch nicht mal Grenzen zu setzen, sondern dass zu externalisieren und rauszulassen, was in mir vorgeht. DAS ist für mich gerade Heilung. Ich hab das früher alles drin behalten und versucht mit Grenzen die unangenehmen Gefühle zu vermeiden, die da eben ausgelöst werden. Ich wollte also schon im Vorfeld dafür sorgen, dass mit Vermeidung bestimmter Kontakte und Umstände, bestimmte Gefühle nicht passieren.

Was ist denn, wenn ich im Kontakt wirklich sage, dass ich mich gerade unwohl fühle, dass da Ohnmacht ist, dass da die Idee ist, dass ich bis zum Ende zuhören muss, obwohl mich der Inhalt des Gespräches überhaupt nicht interessiert? Was ist denn, wenn ich wirklich jemanden unterbreche und direkt sage, dass ich fertig mit zuhören bin, gerade dann, wenn es eine Situation ist, wo ich mich faktisch nicht umdrehen und gehen kann?

Ich merke regelrecht, wie mutig ich plötzlich in jede Begegnung gehen mag und kann, weil ich weiß, dass ich jederzeit sagen kann und werde, was tatsächlich in mir passiert. Ich verlasse mich nicht mehr, in dem Versuch fieberhaft herausfinden zu müssen, wie ich den anderen jetzt regulieren könnte, wie ich es mildern könnte oder wie ich es schaffen kann, die Situation zu verlassen.

Ich bleibe bei mir. Spüre in mich hinein. Höre meinen inneren Stimmen zu und äußere genau das, was da ist. Körperempfindungen, Gefühle, Gedanken, in dem Wissen, dass das meins ist. In dem Wissen, dass generell weder ich noch der andere etwas mit dem machen muss, was in mir los ist. In dem Wissen, dass es für alles, was in mir stattfindet und was ich mitteile, keinen verstehenden Empfänger braucht. Mit der Erlaubnis mir selbst gegenüber, dass ich STOPP sagen darf und unterbrechen, wenn ich das brauche.

Ich spreche FÜR mich. Mehr nicht. Aber eben auch nicht weniger.

Diese Art von FÜR mich sprechen, ist gerade so eine Offenbarung und Heilung, dass ich es eigentlich gar nicht in Worte fassen kann.


Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche