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Samstag, 25. Juli 2026

Ich ringe nicht mehr um die Wahrheit

Ich berichte seit über 10 Jahren von meinem Weg, den Weg in die Wahrheit, die Wahrheit über mich, über das Leben, wie es gedacht ist.

Die ganze Zeit fühlte es sich an, als würde ich von unterwegs berichten, selbst nicht wissend, nur grob ahnend, wo er mich hinführt, was es dafür braucht, was das bedeutet, diesen Weg zu gehen. Ein Berichten von meinen Erfahrungen, Irrungen und Wirrungen, den Wendungen, Erkenntnissen, Korrekturen, den Durststrecken, Zweifeln und erneuten Durchbrüchen. Während ich selbst mittendrin war.

Seit ungefähr zwei Wochen fühlt es sich total verändert an. Als würde ich jetzt ganz anders von meinem Weg erzählen. Eher rückblickend. Das verkörpernd, wo er mich hingeführt hat, das Ziel kennend.

An diesem 10. Juli 2026 ist etwas passiert. Ich habe aufgehört, um die Wahrheit zu ringen und festgestellt, dass ich sie BIN. An diesem Tag ist nach gefühlt 500 Anteilen der letzte aus dem Krieg nach Hause gekommen, weil ich etwas begriffen habe. Ich hatte unzählige solcher Prozesse, aber nach dem fühlte sich etwas grundsätzlich komplett anders an.

Als Kind reichte es nicht, die Wahrheit zu sein, um die eigene innere Wahrheit und Unschuld zu wissen. Ich wurde dennoch völlig ungerecht wie die Schuldige an dem Leid meiner Mutter und aller anderen Erwachsenen behandelt. Abgestraft, ermahnt, verächtlich angeschaut, zur Räson gerufen, obwohl ich nichts Falsches getan hatte, meine Wut berechtigt war oder das, was ich sagte oder tat, gar nicht das meinte, was der andere darin sah. Ich wurde verkannt und hab die Welt nicht verstanden. Wie konnte es sein, dass der andere mich so komplett falsch wahrnahm, obwohl er erwachsen, bewusst und bei klarem Verstand war? Warum konnte er mich nicht fühlen?

Dass ich tatsächlich mit all dem, was fälschlicherweise über mich behauptet wurde, gar nicht gemeint bin, blieb mir unbekannt. Die Anklagen galten überhaupt nicht mir. Der andere sah das alles nicht wirklich in MIR. Er war weder erwachsen, noch reif, noch bewusst, noch nahm er MICH ansatzweise tatsächlich war. Er drückte seinen Schmerz völlig verkrüppelt und unreif in Aussagen über mich aus. Die Aussagen über mich waren emotional komplett aufgeladen mit Gefühlen, die überhaupt nicht zu mir gehörten, nicht in unsere Beziehung. Natürlich dachte ich, ich bin gemeint und der andere schreibt mir das tatsächlich zu, was er da von sich gibt.

Dass da vorher schon eine unfassbare Not war und in ganz anderen Situationen am Tag schon ausgelöst war, blieb mir ebenfalls unbekannt. Ich habe immer versucht, das, was dann aktuell passierte, die heftigen Gefühle des anderen und das, was ich "getan" oder gesagt hatte, überein zu bekommen und es gelang mir kein einziges Mal. Es machte hinten und vorne keinen Sinn. Und jedes Mal wollte ich die Anklage von mir weg haben, wollte, dass ich korrekt wahrgenommen wurde, dass es in die Ordnung kommt. Jedes Mal, jeden Tag zig Mal über so viele Jahre habe ich um die Wahrheit gerungen. Ich wollte das aufklären. Wieder und wieder. Wurde nie damit fertig. War mit nichts anderem beschäftigt. Hatte ständig dieses Chaos in der Hand, was nicht das meine war. Alles vergeblich. Alles unendlich unbefriedigend. Es stapelte sich meterhoch, hörte nicht auf? Es fand nichts anderes statt und vor allem nicht mein Leben.

Mit dem Begreifen, dass der andere das alles, was mir "vorgeworfen" wird, gar nicht wirklich an mir wahrnimmt, sondern sich einfach nur irgendwie Luft macht, weil da vorher schon unglaublich viel angetickt war, was überhaupt nicht kommuniziert wurde und schon gar nichts mit mir und der Gegenwart zu tun hat, hat etwas grundsätzlich verändert.

Auf einmal war Ruhe in mir. Kein Bedürfnis mehr, die Anklage abzuweisen. Es richtig zu stellen. Aufzuklären. Ich hab einfach nicht mehr reagiert, weil ich mich nicht angesprochen gefühlt habe. Wenn ich gar nicht gemeint bin, muss ich nichts korrigieren. Sonst hab ich mich immer direkt gemeint gefühlt. Zum ersten Mal erlebe ich es seither, dass nichts mehr in mir anspringt, obwohl ich scheinbar angesprochen werde.

In den Tagen danach habe ich erst gemerkt, wie sehr mich dieses mich so falsch verstanden fühlen, ständig angekackt werden für etwas, was ich nicht gemeint oder gemacht habe, dieses als Blitzableiter dienen, mich ständig wehren müssen, verkannt werden und die Welt nicht mehr verstehen untergründig traurig gemacht hat. Endlos traurig. Eigentlich mein Leben lang war da dieser traurige, betrübte, beschwerte Teil, der es einfach nie schön mit den engsten Vertrauten haben konnte. Nie waren die anderen mit ihm in der Gegenwart, nie in der Wahrheit. Ständig zwei unvereinbare Welten. Ich nie in meinem Leben.

Und nach diesem Erkennen und Begreifen am 10.07.26 (ich musste mir dieses Datum einfach aufschreiben) war ich plötzlich frei. Frei und vor allem unabhängig davon, ob ich richtig erkannt werde. Ich war auf einmal ganz bei mir und vor allem erleichtert, weil die "Wahrnehmungen" des anderen in Wahrheit gar nicht an mir zu finden waren. Ich war auf einmal in meiner Wahrheit, hatte irgendwie endlich recht bekommen und konnte so viel nachträglich verstehen und anders betrachten. Auf einmal war ich in meinem Leben. In meiner Leichtigkeit. In meiner Freude. Sie wird vom inneren Chaos der anderen nicht mehr getrübt. Ich bin da nicht mehr rauszureißen und vor allem bin ich nicht ständig damit beschäftigt, die Wahrheit zu benennen und den anderen damit erreichen zu wollen. Da ist Raum und Platz und Zeit für MICH und das Leben, das durch mich in die Welt möchte.

Ich ringe nicht mehr um die Wahrheit. Ich BIN sie. Und das reicht komplett, damit mein Leben stattfinden kann.

Tatsächlich kommt mir genau das vor, wie ein Finale. Da angekommen, wohin ich die ganze Zeit unterwegs war, ohne es hätte sagen zu können.

Jetzt erzähle ich anders von meinem Weg. Schaue anders auf die einzelnen Etappen und Herausforderungen. Wissend. Wissend wo er mich hingebracht hat. In mein Leben. In meinen Raum. In meine Wahrheit. In meinen Fluss. In meine Freude. In meine Tiefe. In meine Ganzheit. An meinen Platz. 




Samstag, 4. Juli 2026

Nein! Ich möchte mich selbst genießen...

 "Nein! Ich möchte mich selbst genießen und du störst mich die ganze Zeit dabei." 

Wie oft es in der Kindheit die Wahrheit gewesen wäre und so dran, diesen Satz zu den Erwachsenen zu sagen! Im Grunde ist genau das so oft in seligen Momenten passiert: Ich wurde in meinem wohligen mit mir sein gestört, rausgerupft und mit den Problemen der anderen behelligt. Probleme, die ich ohne die anderen gar nicht erst gehabt hätte. 

Ich war und bin so gerne mit mir. Menschen, die mit sich selbst überhaupt nicht gut da sein können, stören meinen Genuss mit mir und ich darf in jedem Moment weise wählen, ob ich mein Mitmirsein stören lassen will.

Ich merke, wie ich es manchmal regelrecht einlade und dem Chaos Raum gebe mit Nachfragen, auf für mich völlig unverständliche Aussagen, auf Gewurschtel von Ideen und unerfassten Gefühlen. Statt einfach zu sagen: "Da kann ich gerade nichts mit anfangen."

Ich will die gewurschtelte Antwort, die es meistens nur noch schlimmer für mich macht, nämlich gar nicht hören und doch kommt so schnell eine Frage a la "Und was willst du jetzt damit sagen?" und dann schau ich den anderen auch noch auffordernd und abwartend an. Zack! Bin ich mittendrin im Chaos, das nicht mir gehört. 

Und vielleicht ist es sogar wahrer, wenn ich sagen würde: "Da WILL ich gerade nichts mit anfangen. Ich will nämlich mich und mein Wohlsein mit mir genießen. Und da will ich gerade überhaupt nicht weg."

Ich weiß um die Teile, die bei Gewurschtel von anderen nur all zu gerne zugreifen. Die haben das Knäuel schneller in der Hand, als ich gucken kann. Sie wissen ja auch, dass sie sehr wohl verstehen können, wenn der andere sich nur klar bekommt und sie könnten sogar noch helfen zu klären und sie wollen ja auch soooo gerne Verbindung. Ich kann sie verstehen und doch möchte ich eine bewusste Wahl etablieren. Die Pause zwischen Gewurschtel und Zugreifen und prüfen, ob ich nicht viel lieber einfach Zeit mit mir verbringen mag.

Ein schlichtes "Nein, ich möchte nicht gestört werden" platzieren.

 

Nachtrag 05.07.2026: 

Ich bemerke gerade, dass dieser Satz so ziemlich das andere Ende von "ich will durch den Kugelhagel zum anderen hin" ist. Krasse Entwicklung. Und natürlich möchte ich eigentlich Kontakt und Verbindungen, in denen ich mich weiterhin genießen kann, mit Menschen, die sich ebenfalls gerne selbst haben und sich genießen. Unter all dem ist Traurigkeit. Tiefe Traurigkeit, weil keine wohlwollende, freudvolle, lebendige, liebevolle Nähe möglich war. Nähe, in der ich mich hätte behalten dürfen. Nähe, in der ich nicht ständig angegriffen werde. Nähe mit jemanden, der sich selber liebt. Wenn ich mir vorstelle, wie sich eine Mutter angefühlt hätte, die sich selber liebt und wie sie dann mit mir umgegangen wäre, könnte ich Sturzbäche weinen. Das kommt nach all den Jahren der Selbstbegegnung zum ersten Mal so richtig bezüglich meiner Mutter durch. Zum ersten Mal ein Ansatz von Vermissen und Beweinen von dem, was nicht war und zum ersten Mal ein Gefühl dafür, wie es hätte sein müssen. Da bin ich vorher noch nie wirklich rangekommen. Das brennt ganz schön. Puh!


 

Kugelhagel - Mit aller Macht auf Abstand gehalten

Es ist ein Gefühl "drin zu hängen" und darin irgendwie damit umgehen zu wollen. Das Darinsein ist nicht richtig, nicht die letzte Wahrheit. Warum bin ich IN IHREM Krieg? Warum bin ich nicht außen vor? Also selbst wenn ich angekackt werde, kann ich außen vor und unbeeindruckt sein.

Was ist dafür notwendig, außen vor zu sein? Wer steht da noch mittendrin?

Da ist eine Kleine, die im Kugelhagel der Mutter steht. Ihr direkt gegenüber. Die abgefeuerten Kugeln halten die Kleine auf Abstand. Sie kann der Mutter nicht näher kommen, so sehr sie sich auch dagegen stemmt.

Mein Problem ist das "da durch kommen wollen und endlich zu ihr hin". In dem Bild ist so deutlich zu erkennen, dass die Mutter diese Nähe gar nicht will. Sie würde wie Feuer brennen, also die Nähe. Sie würde mich im Leben nicht ganz nah lassen und schon gar nicht in sich hinein. Deswegen darf das Abfeuern auf mich nicht aufhören. Das ist ihre einzige Chance. Würde es eine kleine Pause oder Unterbrechung geben, eine geringere Dichte der Kugeln, würde ich mich sofort auf sie zu bewegen und ihr damit zu nah kommen.

Sie hält mich auf Abstand, wegen ihrem Schmerz, zu dem sie nicht will und schreit mich die ganze Zeit an, dass ich schuld bin an der Distanz, weil ich so unmenschlich, ignorant und kaltherzig bin, ihr ständig weh tue. Dabei stehe ich in ihrem Kugelhagel und sie hält mich fern. Sie will meine Nähe nicht wirklich. Nicht mit allem, was es bedeuten würde. Sie will meine Nähe, ohne ihren Schmerz fühlen zu müssen. Sie will mich ohne sich.

Diese Kleine sehe ich zum ersten Mal von außen, als Beobachter. Sonst hab ich wohl immer durch ihre Augen geschaut und eben - war mittendrin.

Die Kleine hat inzwischen innegehalten. Das Erkennen und Überreißen der ganzen Situation, der Blick von außen hat etwas verändert. Sie stemmt sich nicht mehr gegen den Druck und den Schmerz der Kugeln. Da ist kein Hinbewegenwollen zur Mutter mehr. Die Kleine steht einfach da. Die Kugeln fliegen immer noch. Sie scheinen sie auch noch zu treffen, aber irgendwie gehen sie eher durch, wie sie durch einen Geist gehen würden. Sie treffen nicht mehr auf Materie. Sie spürt sie kaum noch. Nur mehr ein Hauch, wenn überhaupt. Sie ist durchlässig dafür geworden. Sieht wie sie vorne „eintreten“ und hinten einfach wieder rauskommen, ohne dass etwas geschehen wäre. Kein Schmerz. Keine Relevanz für sie.

Jetzt fragt sie sich, warum sie überhaupt da steht. Es ist wie ein Aufwachen aus etwas, wieder zu Sinnen kommen und bemerken, wo man sich gerade befindet. Sie schüttelt kurz den Kopf, wie um ganz wach zu werden und die Sinne neu zu kalibrieren. „Das ist ja alles völlig verrückt“, denkt sie. Sie ist jetzt auch älter. Anfang zwanzig vielleicht.

Sie schaut zur Mutter. Sieht ihren leeren, wahnhaften, schmerzerfüllten, verzerrten Blick. Das Feuern findet statt, egal, wer da steht und ob da jemand steht. Es hat nichts mit mir zu tun. Sie, die Mutter, sieht mich nicht im Ansatz, nimmt keine Notiz von mir. Sie klagt die ganze Welt für ihren Schmerz an. Alles und jeder steht direkt unter Anklage durch bloße Existenz. Und nichts und niemand wird ihr nahe kommen dürfen, schon gar nicht sie selbst. Nur kann sie nicht ganz von sich weg und das ist das Problem. Der eigentliche Kampf gegen sich ist in ihr und davor kann sie nie flüchten. Er ist immer da und immer aktiv. Das Leid daraus wird rausgefeuert. Das ist das, was rund um die Uhr, Tag ein, Tag aus stattfindet. Die Hölle. In ihr.

Und meine Ich-Seite? Die junge Frau? Sie steht noch da und scheint sich irgendwie aufzulösen. Wie wenn sie aus dem Bild verblasst, verschwindet, wie ein Hologramm langsam unsichtbar wird. Es war nie wirklich Teil dieser Realität. Wohl irgendwie da, aber in Wahrheit nicht in der gleichen Dimension anwesend. Deswegen auch eigentlich unverwundbar und letztlich unbeeindruckt von allem, was da „passiert“ ist.

Jetzt ist sie ganz verschwunden meine junge Erwachsene. Die Mutter steht alleine. Es ist als wäre nie jemand da gewesen. Ich schaue nur noch als Beobachter von weiter weg und leicht oben. Meinen Anteil, der da gestanden hat, fühle ich in meiner Brust, im Herz, zurückgekommen. Es ist, als wäre nichts gewesen. Jetzt ist auch das Bild weg. Ich bin ich. Jetzt. Hier. Spüre die ehemals Kleine in mir. Warm. Wiedergekehrt von einer Reise. Voller Erfahrungen, die sie mitbringt, in sich trägt, in mich trägt.

Gänsehaut. Stille, friedliche Gänsehaut, die ein Ende bezeugt und irgendwie auch einen Anfang, ein Neu-Sein. Ruhe. Das Gewesene fühlt sich wie ein blasse Erinnerung von weit weg an. Ein vergilbtes Foto aus einer längst vergangenen Zeit, verschwommen, nicht richtig zu erkennen und auch total unwichtig für das Jetzt. Ein Windstoß wirbelt es auf und trägt es weg. Ich wende den Blick ab, dreh mich um und geh meiner Wege.



Freitag, 3. Juli 2026

Ohne Ich kein Wir - ein inneres Kind begreift

"Ich hab versucht, mit Menschen über ein Wir zu sprechen, die noch nicht mal im Ich angekommen waren."
Die Erkenntnis hatte gerade eine Kleine von mir und die knallt so richtig rein. Also die Erkenntnis... Es wird so schnell so deutlich, was von Erwachsenen zu erwarten ist, die noch nicht mal bei sich selbst angekommen sind, die von einem Ich, IHREM Ich überhaupt gar nichts wissen, mit sich selbst Null Komma Null in Verbindung sind.

Wie sollen diese Menschen ein Gefühl für jemand anderen und einen gemeinsamen Raum haben, wenn sie noch nicht mal ein Gefühl für sich selbst haben? Wie sollen sie begreifen, um was es mir als Kind geht und was ich für meine Entwicklung brauche, wenn sie keine Idee davon haben, was sie eigentlich bräuchten und was ihnen fehlt und was das hier überhaupt alles soll dieses Leben?

Mit dem Anerkennen dessen, dass bei den Erwachsenen meiner Kindheit überhaupt keine Individuation stattgefunden hat, keine Selbstfindung, ist für die Kleine auf einmal so sonnenklar, dass da nichts zu wollen ist, nichts "zu holen", nichts zu erwarten, nichts Brauchbares da, weder für meine Entwicklung, noch für ein Wir, für gemeinsam Leben geschehen lassen.

Ohne Ich kein Wir. Ohne Ich kein Gott. Ohne Ich kein Fluss. Ohne Ich keine Anbindung. Ohne Ich keine Ordnung. Ohne Ich kein Raum. Ohne Ich kein höherer Sinn. Ohne Ich fehlt einfach ALLES. Das ALLES.

Die Kleine erlebt sich auf einmal nicht mehr als klein. Die Erwachsenen sind keine Erwachsenen mehr. Die Kleine hat verstanden, dass sie damals schon so viel weiter entwickelt war, als alle anderen zusammen. Die Größenverhältnisse haben sich verschoben. Die "Erwachsenen" sind miniklein. Meine Kleine hat sich hunderte Meter weit über alles ausgedehnt. DAS ist ihr Bewusstsein damals schon gewesen.

Alles, was diese "Erwachsenen" jemals von sich gegeben haben, erscheint plötzlich in ganz anderem Licht. Es ist fast lachhaft. Die Kleine schnaubt nur belustigt. Das Bild sieht aus, als würde sie auf eine kleine Lego-Landschaft schauen und die winzigen Figuren mit hohen Stimmchen aus der Ferne große Reden schwingen hören. Wer könnte das ernst nehmen? Meine Kleine auf jeden Fall nicht mehr. Sie ist völlig unbeeindruckt von all dem, hört gar nicht mehr hin und schaut auch gar nicht mehr hin. Sie hat das Interesse verloren. Das ist ja totenlangweilig, was die da brabbeln. Das Spiel ist langweilig. Da reizt nichts mehr dran.

Sie steht auf und geht. In ihr Leben, auf ihrem Weg. Im Gehen wird die Kleine erwachsen, wird älter, kommt in meinem jetzigen Alter an. Sie ist straight ihren Weg gegangen. Ohne Vertun. Ohne Kompromisse. Sie hat sich nicht aufhalten lassen. Von keinem einzigen Unkenruf, der von der Seite reingerufen wurde. Sie hatte ihren Blick auf etwas am Horizont gerichtet und darauf ging sie unentwegt zu, wie die Hirten damals dem Stern gefolgt sind.

Es ist, als hätte sie die Wahrheit am Horizont gesehen. Die Wahrheit über das Menschsein, über ein gesundes Ich, über Miteinander, über ein echtes Wir und das große Ganze hier. Das war ihr Leitstern. Und jetzt sitzt sie an ihrem Platz, im Schneidersitz, die Augen zu, total selig und beseelt, erfüllt, wissend, angekommen, satt, höchst zufrieden, empfangend, jedes einzelne neue Jetzt empfangend, präsent, warm, bereit, gelassen. Das verkörpernd, was sie schon immer geahnt hat.



Donnerstag, 2. Juli 2026

Sie hätten sich komplett auf mich einlassen müssen

Gerade vorhin bin ich einem Fehlen auf die Spur gekommen, etwas, das nicht war, aber hätte sein müssen. Es ist wieder und wieder herausfordernd, das klarzubekommen, zu greifen, zu benennen, was gefehlt hat.

Ich hätte es gebraucht, dass der andere sich komplett auf mich einlässt und von meinem Innenerleben berühren lässt. Sie hätten meines voll an sich ranlassen müssen, MICH voll an sich ranlassen, darauf eingehen, was in mir ist, es aufgreifen, durch sich durch bewegen. Sie hätten mit meinem im Vollkontakt sein müssen! Ein Wir-Raum, in dem meines durchbewegt werden kann, egal, was das gerade ist und vor allem dann, wenn es das Miteinander betrifft, darin entsteht.

Stattdessen waren sie auf der Flucht vor genau dem und letztlich natürlich eigentlich vor sich. Sie waren nicht in der Lage, liebender, fühlender, weiter Raum zu sein. Sie waren unberührbar für meines. Sie sind mit meinem Inneren nicht in Beziehung gegangen.

Hier geht es zur entsprechenden Audio: https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2718


 

Mittwoch, 1. Juli 2026

Es gibt keine Täter mehr

Der Weg hat sich so unfassbar gelohnt. Lohnt sich noch. Der Weg ins Sein. In die Ganzheit. In die Wahrheit. Jede durchwanderte, durchfühlte, erforschte, berührte, genommene, durchlebte und erlöste Untiefe. Jede Hölle, die im Anerkennen von allem, was sie für mich bedeutet hat, zum allergrößten Segen wurde und einer endlos tiefen Mitgefühlsbefähigung, wie nur das eigene Erfahren und Durchdringen es zu tun vermag.

Ganz in meinen Schuhen stehen, ganz bei mir und in meinem Erleben stehen. Frei von Schuldzuweisung an mich oder andere, frei von Vorwurf, mit einem wachen "so ist es gewesen". Was damals gewesen ist oder eben nicht gewesen ist, hat DAS - in vollem Ausmaß jetzt durchfühlbar - für mich bedeutet.

Und ich bemerke eine Veränderung. Der Weg wurde tatsächlich mehr und mehr zum Sein. Die Prozesse laufen weit schneller, der immer größer gewordene Fühlraum, die Reife, Tiefe und Weisheit kommen zum Tragen und tatsächlich ist eines am bemerkenswertesten: Es gibt keine Täter mehr.

So vollkommen und dermaßen das Meine anzuerkennen und komplett und immerzu erstmal Mitgefühl für mich zu haben, den Kleinen in mir Vorrang vor allem anderen zu geben, hat dazu geführt, dass meine Not nicht mehr die Sicht auf die Not hinter den "Taten" der anderen versperrt. Die so wertvollen Offenbarungen der Dynamiken und heftigen Nöte, Gefühle und Dilemmas, hinter den Handlungen, die als Kind die Hölle für mich bedeutet haben, die vor allem Christian und Miriam mir zuteil haben werden lassen, haben das Übrige dazu beigetragen.

Mit den echten Gefühlen hinter den Handlungen meines (damaligen) Gegenübers, die bis dahin immerzu so überhaupt nicht nachvollziehbar und höchst verwirrend für mich waren, hat ein Begreifen stattgefunden, wie noch nie. Und damit einhergehend eine Selbstbildkorrektur nach der anderen. Die kindlich falschen Rückschlüsse über mich und aber auch über die anderen wurden korrigiert, Urteile zurückgenommen und mit der Wahrheit des Moments ersetzt, die mir bis dahin noch nie jemand mit diesen Verwundungen und Überlebensstrategien gezeigt hat.

Nun ist da eine Art Vollständigkeit, die komplett neu ist. Ein Frieden und eine Entspannung, die nur da sein können, wenn es "da draußen" keinen "Feind" oder "Täter" mehr gibt. Da ist kein "die und wir" mehr, das eine unüberbrückbare Kluft zwischen sich trägt. Die beiden so dermaßen unterschiedlichen Innenwelten sind verbunden, die Trennung ist aufgehoben. Es ist geschaut und anerkannt und vor allem zutiefst verstanden und mitgefühlt.

Mein "safe place" ist jetzt überall. Natürlich erstmal in mir, aber es gibt "da draußen" nichts mehr, was mich ob des totalen Unverständnisses in Nöte bringt, weil ich nicht damit umzugehen wüsste. Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Angriffe, Unnahbarkeit, innerlich abwesende Menschen - meine Kinder, die das erfahren haben, sind betreut UND ich kenne jetzt das "dahinter" und damit hat es per se seinen Schrecken für mich verloren.

Während ich das tippe, kommt eine unglaubliche Berührung, Demut und Dankbarkeit, so eine Ehrfurcht vor dem Weg vor der Bereitschaft, weil not-wendig, immer wieder dem scheinbaren Endgegner zu begegnen und zu bleiben, bis es tatsächlich durchdrungen, begriffen, erfasst und erlöst ist. Bis die Wahrheit offenbar ist. Mit der Wahrheit kommt direkt dieser enorme Frieden.

Keinen Millimeter von diesem fucking herausfordernden Weg würde ich hergeben wollen. Nichts hätte mich dahin bringen können, wo ich jetzt bin, als genau DAS und genau SO.

HALLELUJA!!! Wildes, brennendes, starkes Herz! 🔥❤️🔥 Danke an alle, die es dafür gebraucht hat.


  

Montag, 29. Juni 2026

Es gibt genau eine echte Verantwortung

Es gibt genau eine Verantwortung, die ich habe: Ich habe die Verantwortung für meine Bewusstheit, die Verantwortung für mein Bewusstsein, die Verantwortung für meine Reifung und Ganzwerdung, die Verantwortung für meine Anbindung, die Verantwortung für ein Leben aus der Anbindung. Ich habe die Verantwortung für den Ausdruck meines wahren Wesens. Das ist die einzige Verantwortung, die ich dem Leben gegenüber habe - die Verantwortung mein wahres, göttliches Wesen zu sein.

Verantwortung, die Druck und Pflichten meint, die vom Außen vorgegeben sind, ist keine Verantwortung. Verantwortung meint nicht, brav sein und anderen nutzen. Verantwortung meint nicht, sich selbst komplett zu vergessen und nur für andere da zu sein. Verantwortung meint nicht, keinen eigenen Willen und keine eigenen Gefühle haben zu dürfen. Verantwortung heißt nicht, die anderen vor mich selbst zu stellen, dem „Gemeinwohl“ zu dienen und dabei selbst drauf zu gehen. Das alles wollen Menschen von anderen, wenn sie selbst nicht verbunden sind, nicht in sich zu Hause, nicht mit der Quelle eins. Das ist eine Idee von Verantwortung, die der Trennung entspringt. Wenn ich mich selbst nicht gehalten und versorgt fühle, sicher und geborgen, dann will ich das andere dafür sorgen, dass ich mich so fühle.

Damit bin ich immer vom Außen abhängig. Und damit geht automatisch einher, dass ich das Außen kontrollieren will, dass ich es dazu bringen will, dass meine Erfüllung geschieht. Das kann niemals die letzte Wahrheit sein. Das ist alles, nur keine Freiheit, kein Frieden, keine Eigenmacht und vor allem keine eigene Größe. Darin weiß ich nicht, wer und was ich eigentlich wirklich bin. Das ist nicht Ausdruck von „wer und was ich wirklich bin“. Das wird meinem wahren Wesen nicht im Ansatz gerecht.

Ich sehe Frauen, die meinen sie bräuchten Sicherheit von einem Mann, damit sie erblühen können und ein ruhiges Nervensystem haben. Ich sehe Männer, die meinen sie bräuchten einen 100% sicheren, authentischen Raum von einer Frau, damit sie endlich mit all ihren Gefühlen da sein können. Beide Bedürfnisse gehören für mich komplett in die Kindheit. Da stimmt das. Da gehört das hin und da hätte das sein müssen. Als Erwachsene/r ist das aber nicht mehr wahr. Mein sicherer Raum ist da, wo ich ganz da bin. Nur weil jemand mit meinen Gefühlen nicht umgehen kann und dadurch in Not kommt, heißt das nicht, dass ich nicht da sein kann. Doch kann ich sehr wohl. Deswegen muss ich es nicht verdrängen und mich auch nicht verlassen. Das Gefühl muss nicht weg. Der andere muss nicht weg. Ich muss nicht weg. Ich kann bei mir und meinem Innenerleben bleiben, auch wenn der andere deswegen angetickt ist und es gerne anders hätte. Solange keine Gefahr für Leib und Leben besteht, kann ich in diesem Raum mit meinen Gefühlen da sein. Mit mir darin sein.

Ich brauche vielleicht für den Heilungsweg als Überbrückung sichere Räume, aber nicht grundsätzlich, um als Erwachsene/r mein Leben leben zu können, mich entfalten zu können, da sein zu können, meine Gefühle zum Ausdruck bringen zu können. Daran kann ich mich letztlich nur selbst hindern.

Es ist nicht wahr, dass Frauen etwas grundsätzlich von Männern brauchen, damit sie erblühen können. Es ist nicht wahr, dass Männer grundsätzlich etwas von Frauen brauchen, damit sie da sein können. Da gibt es faktisch keine naturgegebene Abhängigkeit. Jungs brauchen etwas von ihrer Mutter. Mädchen brauchen etwas von ihrem Vater. Wenn diese inneren Kinder nachträglich versorgt sind, können sich Männer und Frauen in einer nie gekannten, neuen, freien Weise begegnen, ganz ohne Ansprüche und Brauchen. Reif und in sich ganz.

Und bis dahin kann jede Begegnung nur dazu hergenommen werden, die inneren Kinder aufzuspüren, die noch unerfüllte Bedürfnisse haben. Beziehungen dienen nicht dazu, endlich das perfekte Umfeld zu bekommen, das ich als Kind gebraucht hätte. Es gilt nicht einen bestimmten Status Quo zu erhalten und deswegen Ausschau zu halten nach dem Mann oder der Frau, die mir endlich das gibt, damit ich mich leben kann.

Das Einzige, nach dem ich immer und überall Ausschau halte, bin ich. Ich nehme alles her, um mich selbst zu erkennen, das Unbewusste bewusst zu machen, Fehlendes aus der Kindheit zu ergründen, das zu erkennen, was gar nicht ich bin. Umso mehr ich in mir lande, umso mehr lande ich in der Anbindung zu allem und einer so enormen Grundsicherheit, die mir nichts und niemand im Außen geben könnte.

Das ist die einzige Verantwortung die ich wirklich habe. Ich in meinem Gewahrsein über mich. Ich in der Quelle. Ich aus der Quelle. Ich, die Quelle selbst.


(Und diese Verantwortung habe ich vor allem dann, wenn ich Kinder habe. In dieser Bewusstheit, Reife, feinen Tieffühligkeit und Freiheit werde ich automatisch und intuitiv alles tun, was das Kind für seine Entfaltung braucht. Es geht gar nicht anders. Diese Reife lässt mich komplett im Moment sein und der weiß alles.)



Donnerstag, 25. Juni 2026

Wenn du als Kind gewusst hättest...

“Wenn du als Kind gewusst hättest, dass nicht du falsch bist, sondern deine Eltern noch zu lernen und Arbeit mit sich haben - wie hätte das deine Welt verändert?” Alexandra Köhler in "Echte Nähe zum Kind"


Diese Frage hat mich vorhin beim Blättern im Buch angesprungen und so einige innere Kinder von mir wurden auf einmal hellwach. Was DAS für eine Information gewesen wäre!?!? Was das für eine heilsame Information IST!!!

All die verwirrenden, schrägen, verletzenden, höchst irritierenden Situationen wirken mit der Info an die inneren Kinder, dass mit ihnen alles in bester Ordnung ist und die Eltern, die Erwachsenen noch einiges zu lernen und an innerer Arbeit zu tun haben, gleich ganz anders. Es wird direkt in ein anderes Licht gerückt. Der Umstand ist anerkannt, dass da ganz viel nicht stimmt, nicht in der Ordnung ist und nicht so, wie es gehören würde, wie es gedacht ist. Auf einmal ist es nicht mehr "einfach richtig", was die Erwachsenen machen, weil sie halt die Erwachsenen sind.

Es ist, als würden die inneren Kinder über den wahren Zustand der Eltern aufgeklärt werden und ab da wüssten sie Bescheid, wüssten sie, was Phase ist und wie sie alles einzuordnen haben. Sie kämen nicht auf die Idee, sich von den Eltern das Leben erklären zu lassen oder sich verunsichern zu lassen. Sie würden ihnen ihre Weisheit kundtun und zwar in vollster Überzeugung und unverrückbar. Auf einmal wären sie die Lehrer und zwar die besten und wahrhaftigsten. Sie haben auf einmal keinerlei Zweifel mehr an sich.

Alles ist zurecht gerückt. Jeder steht an dem Platz, an dem er sich tatsächlich gerade befindet, was emotionale Reife, Bewusstheit und geistige Gesundheit angeht. Keine Rollen mehr, keine Hierarchien, keine Masken, die etwas anderes vormachen. Einfach die Wahrheit über die menschlichen Zustände, die Verfassung der Großen.

Diese Frage hat für mich so einen Aha-Effekt. Wie wenn meine inneren Kinder sagen würden: "Ach so! Na dann! Jetzt versteh ich das alles. Deswegen ist das hier so komisch. Dann brauch ich mich davon ja nicht beeindrucken zu lassen."

Ich bin unglaublich gespannt, was die Frage mit euch macht. 😍



Donnerstag, 18. Juni 2026

Wenn die "feste" Bezugsgröße ein Chamäleon ist

Da ist keine feste Bezugsgröße. Die Menschen, auf die ich mich beziehe, sind völlig inkonsistent. Sie verkörpern in ihrer eigenen Zerrissenheit unbewusst so viele „Wahrheiten“ gleichzeitig, die sich völlig widersprechen oder manchmal einfach wie nicht mehr da sind - von jetzt auf gleich - und entsprechend bekomme ich immer wieder Rückmeldung. Alles, was ich glaubte, verstanden zu haben, worauf ich weiter aufbaue und wovon ich ausgehe, ist im nächsten Moment weggefegt. Die ganze Beziehung auf einmal nicht mehr da. Ich dachte, ich hätte Halt, da wäre jemand, den ich einschätzen kann. Ich habe geglaubt, dass er das, was er vorgibt zu sein, auch ist und zwar ganz.

Stattdessen - und das kann ich erst aus heutiger Sicht sagen - waren da ständig unterschiedliche Anteile aktiv, die völlig gegensätzlich aufgetreten sind. Da war zwar für mich als Kind rein äußerlich immer der gleiche Mensch, aber er war in keiner Sekunde der, wie in der Sekunde davor. Ich begreife gerade in einem völlig neuen Ausmaß, was es als Kind bedeutet, fragmentierte, zersplitterte, zerrissene, hochgradig verletzte Eltern zu haben, die davon noch nicht mal im Ansatz etwas wissen oder ahnen. Puh!

Jedes Mal, wenn das passiert, also quasi nachträglich immer wieder alles anders ist, worin wir uns bis dahin in meinem Erleben einig waren, ist es für mich als Kind, als würde ich jäh aus der Grundannahme von Beziehung und Sicherheit gerissen. Von jetzt auf gleich ist da wieder nichts. War da eben noch ein Gegenüber, das ich zu kennen schien und auf das ich referiert habe, ist da auf einmal eine große Unbekannte, ein Fremder. Das ist so gruselig, immer wieder festzustellen, dass ich den anderen überhaupt nicht kenne. Immer wieder muss ich mich fragen, was das denn bis dahin dann bitteschön gewesen ist? Mit wem war ich da die ganze Zeit? Ich, lost in space. Mit einem Satz ALLES weg, was nur ansatzweise (m)eine Welt hätte sein können.

Das Wesen, das konstant und stabil da sein müsste, damit ich Orientierung finde und mich und die Welt kennenlernen kann, ja, das Wesen, das für mich die Welt VERKÖRPERT, ist ein Chamäleon. Ich möchte schreien. Ich möchte den anderen schütteln, so lange, bis er wach und ganz da ist und zwar dauerhaft, die Farbe, sein Wesen behält. Für dieses Kind, dem diese Wechselhaftigkeit und Widersprüchlichkeit ständig entgegnet, entfaltet sich der Horror in Dauerschleife. Das, worauf ich mich beziehe, ist im nächsten Moment weg, nicht mehr wahr oder mir wird gesagt, ich hätte das falsch verstanden, was manchmal sogar für länger unser Konsens war.

Immer wieder fange ich von vorne an. Immer wieder gehe ich erneut vom Besten aus, davon, dass es aber ab jetzt stabil ist. Was für eine notwendige, kindliche Illusion! Und immer wieder wird genau diese Illusion zerstört. Immer wieder kommt die fucking harte Realität, die Wahrheit der Kindheit: Diese stabile Bezugsgröße, die ich als Kind so dringend bräuchte, gibt es nicht.

Jetzt steht da dieses Kind, wie vom Donner gerührt. Der letzte Satz im vorigen Absatz dringt irgendwie durch. Kurze Panik, kurz Schwindel, ein hektisches, suchendes Umherschauen, die Frage: „Ja, aber… und jetzt?“ Dann wird es ruhig. Eine Art Besinnung und Zentrierung. Der Blick geht von außen nach innen. Der Anteil spürt sich selbst. Die Füße auf dem Boden. Fühlt in sich hinein und nimmt etwas sehr Stetes und Stabiles wahr. Da ist ein Halt im Inneren, entlang der Wirbelsäule eine Art Aufgerichtetsein, eine Art Anbindung und Verbindung. Im Solarplexus ein Referenzgefühl wie für das echte Bauchgefühl, das innere Navi. Die Kleine ist gefühlt gleichzeitig alle Altersstufen von acht bis zwölf. Die Zeitspanne, in der ich wohl am meisten um Greifbarkeit und Konsistenz im Außen gekämpft habe. Ich hätte gerne die Kontrolle darüber gehabt. Das wird mir auch gerade klar. Kontrolle über die Konsistenz meiner Bezugspersonen. Himmel!!!!

Nun steht da dieses mehraltrige Kind und erfasst sich selbst, die Tatsache, dass in ihr schon etwas ist, was sie nicht mehr über das Außen erlangen muss. Sie hat es mitgebracht. Es ist schon funktionsfähig. Tränen steigen auf. Unendliche Erleichterung! Es keucht und seufzt voller Erlösung und Dankbarkeit! Weint! Stöhnt! Oh Gott sei Dank! Der Horror hat ein Ende! Die wahren Bezugspunkte sind in ihr, in mir! Jetzt lacht sie unter Tränen! Was für ein Geschenk! Das alles geschieht gerade, während ich hier tippe. Mir laufen die Tränen genau wie ihr! Homecoming! Das ist einfach nur nach Hause kommen! Die verzweifelte Suche im Außen ist überflüssig geworden.



Prozess-Schreiben

von der essentiellen Notwendigkeit als Kind einen universellen Fühl-Fließ-Raum zur Verfügung zu haben

Ich staune, wo mich dieses Schreiben hingeführt hat. Ich bin immer noch ganz baff und fasziniert und überwältigt. Bis zum Ende lesen lohnt sich für meine Begriffe voll:

Immer wieder im Stich gelassen. Enttäuschung. Traurigkeit. Ich bleibe mit meinem zurück und alleine.

Reizbarkeit. Ich (er)trage zu viel zu lange und werde selbst darin nicht gesehen mit dem, was das alles für mich bedeutet.

Die Auswirkungen, die der desolate Zustand des anderen und seine Entscheidungen daraus ständig auf mich haben, werden von ihm nicht erfasst und finden auch keinen angemessenen Raum, wenn ich es ansprechen möchte. Immer hat er genug mit sich zu tun. In mir stapelt es sich meterhoch und der, den ich dafür ansprechen muss, weil es innerhalb unserer Beziehung geschieht, unser Miteinander betrifft, den Alltag, das Jetzt, das Praktische, entzieht sich. Ich stehe alleine da. Mein Unmut wird nicht nur nicht gehört, ich kann ihn noch nicht mal an der richtigen Stelle platzieren. Dazu kommt es erst gar nicht.

Umgekehrt werde ich zugelabert mit Sachinformationen, Belanglosigkeiten und Nebensächlichem. Oder tatsächlich platziert er seine Themen bei mir, was das wiederum mit mir macht, hat dann wieder keinen Raum.

Alles, was mich betrifft - meine Belange, mein Erleben, Gefühle, Bedürfnisse, Fragen, die ich habe - ist zuviel.

Wenn ich nützlich bin, existiere ich für den anderen. Wenn ich was brauche, gibt es mich nicht. Dann kommt direkt das Stopp.

In der Not zieht der andere das Seine durch, was Auswirkungen auf mich hat. Wie es mir darin ergeht, bekommt allerdings keinen Raum. Dafür hat er keine Kapazitäten.

Da ist Wut. Unfassbare Wut und ein "Ich hab die Schnauze sowas von voll".

Auch fühlt es sich an wie ersticken. Immer nur einatmen. Nie ausatmen können. Alles an Ausdruck und Gefühlen drin behalten müssen, die beim Gegenüber landen müssten. Immer wenn ich anfangen will, kommt die Bremse, die Unterbrechung, das Weggehen des anderen.

Ich hab mich in meinem Erleben in der Beziehung total klar, nur nützt mir das nichts ohne den anderen.

Der Fluss kann nicht fließen. Es fließt nicht zwischen uns. Die Emotionen fließen nicht.

Das Angestaute, die Energie der Gefühle (E-motion) bräuchte einen Landeplatz, einen Entladeplatz bzw einen Fühl-Fließ-Raum, der groß genug ist, dass sich meine Gefühle, meine Energien darin bewegen können, ein Raum der das aushält, der selber fließt. Ich bin als Kind wie eine übervolle Batterie, die einen Abnehmer bräuchte. Das ist dieses "Erstickungsgefühl". Die Eltern/Erwachsenen haben ihren Job nicht gemacht in der Unterstützung meines Fließens.

Da ist der Teil in mir, der so sehr Entladung und Insfließenkommen braucht. Es atmet auf einmal auf. Tief ein und aus. Die Schultern sinken. Etwas landet in mir. Sinkt in meinen Unterleib, in meinen Schöpfungsraum, in mein inneres Universum. Da ist unbegrenzter Raum - leer und voller Ätherinformation zugleich. Weite und Weisheit gleichzeitig vorhanden. Hier kann geschehen. Empfangen werden und sich entfalten. Was immer es gerade braucht - der Raum weiß und ist entsprechend da.

Der Anteil ist da jetzt und endlich kann er atmen, kann Weite und Weisheit gleichzeitig spüren, Halt und Raum im selben Moment. Er befindet sich mitten im Fluss, im Leben, in der Wahrheit, in mir, in Gott, in der Schöpfung selbst. Er und der Raum sind eins. Er und der VATER sind eins. Er und die MUTTER sind eins. Und doch gehört er sich ganz selbst in aller Freiheit für sein eigenes Sein und ist gleichzeitig im gütigsten Großen geborgen.

Pfoah! Fett! So deutlich! So klar. So wahr! SO hätte das als Kind sein MÜSSEN! SO hätte es sich zutragen und anfühlen müssen! Mir verschlägt es schier die Sprache. Das ist unfassbar GROSS. Aaaalter!!! Gerade wünsche ich mir, dass ihr das sehen und fühlen könnt, was ich gerade innerlich sehe und fühle. Halleluja!!! Ich werd nicht mehr (oder eben gerade doch)! Pfoah!!! 🥹🥹🥹🙏🏼🙏🏼🙏🏼🙏🏼😭😭😭😭😭😍😍😍😍😍😇😇😇😇😇😇😭😭😭😭😭😭😭 Ich bin so dankbar!



Mittwoch, 17. Juni 2026

Das Bedürfnis, als Sehende gesehen zu werden

Die Not, der Schmerz, der aus etwas resultiert, was NICHT passiert ist, aber hätte sein müssen, ist immer wieder so schwer zu greifen. Wie soll ich etwas benennen, was NIE gewesen ist? Etwas, was natürlicher Weise hätte selbstverständlich da sein müssen, hat einfach nicht stattgefunden und seine Auswirkungen gehabt, mich mit etwas zurückgelassen, was ich natürlich nicht wirklich greifen und schon gar nicht handeln kann.

Es ist so subtil dieses Gefühl, dass da etwas nicht stimmt. Ich könnte noch nicht mal direkt sagen, dass es da ein Bedürfnis von mir gibt, das nicht erfüllt wurde. Wie auch? Da ist eher erstmal eine gewisse Unruhe, etwas in mir schaut sich suchend und irritiert um, weiß mit der Situation nicht umzugehen.

Ich wurde als Kind Zeuge von unzähligen Situationen, in denen Erwachsene aus meinem direkten Umfeld aus ihren Verletzungen heraus mit anderen interagiert haben. Sie fühlten sich z. B. angegriffen und bedroht, ohne dass die Bedrohung tatsächlich im Raum war. Sie gingen den anderen an, ohne dass das im Jetzt berechtigt gewesen wäre. Ich war irgendwie mittendrin, hab das gesehen, realisiert, dass das alles total aneinander vorbeigeht, dass das der Wahrheit des Moments nicht gerecht wird und wusste nicht damit umzugehen. Jeder blieb in seiner Geschichte, glaubte das, wie er es erlebt hatte. Nichts wurde geklärt, sortiert, aufgeräumt.

Und ich war mittendrin und kam doch darin nicht vor. Ich war mit meiner Wahrnehmung alleine, konnte mich nicht positionieren, weil ich eh nicht gehört wurde. Es war niemand für mich ansprechbar, weder für meine Wahrnehmung empfänglich, noch für das, was meine Position als Sehende in all dem bedeutet hat, wie ich mich darin fühle, das alles zu erleben und nirgends eine Anlaufstelle zu haben. Ich war die Sehende, die nicht gesehen wurde. Niemand hat mich in all dem überrissen. Sie haben ja noch nicht mal sich mitbekommen. Es hätte erstmal erfolgen müssen, dass sie mit sich in Kontakt kommen, um dann überhaupt erst mit mir und meiner Lage in Kontakt kommen zu können. Aussichtslos.

Heute bin ich dem auf den Grund gegangen, was DAS eigentlich für mich bedeutet hat, was ich wirklich gebraucht hätte und dass das NIE stattgefunden hat. In all dem hat es mich nie gegeben. Ich wurde nicht wahrgenommen, nicht mit meiner Wahrnehmung, nicht mit meinem Empfinden darin, dass ich sehe, was die anderen nicht sehen. Niemand hat auch nur ansatzweise in meine Richtung geschaut. Wie auch? Sie waren ja in ihrem Notprogramm und hielten es für die Wahrheit. Ihre Not dominierte alles und ließ keinen Raum dafür, sich mir zuzuwenden und mich zu begleiten.

Pure, schreckliche Einsamkeit, Schmerz, Ohnmacht, eine Form von Nichtexistenz, obwohl ich da bin, Unzufriedenheit, weil das der Wahrheit des Moments nicht gerecht wurde, was sich da zugetragen hat. Ich hab die anderen überrissen, aber mich hat in meinem Überreißen keiner überrissen. Niemand da, der mich als Sehenden darin hätte sehen können. Und genau DAS hätte ich gebraucht: Dass jemand die komplette Situation erfasst mit allen Schieflagen der Beteiligten, mich in meinem Erleben inklusive, meine Position und Lage DARIN und zwar voll und ganz.

Dieses Bedürfnis war nach wie vor offen. Da es mir in solchen Situationen noch nie passiert ist, dass meine Lage erkannt wurde und ich mitfühlend gesehen wurde, wusste ich bis heute nicht, was sich da für mich so seltsam anfühlt. Jetzt weiß ich es. Was für eine Erleichterung!



Montag, 15. Juni 2026

Vom kindlichen Versuch, die Kontrolle zu bekommen

Ich mag eine weitere "Donnerschlag-Erkenntnis" der letzten Tage mit euch teilen.

Vom kindlichen Versuch, in Begegnung mit anderen die Kontrolle über Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und meine Unschuld zu bekommen - also irgendwie über die Bewusstheit des anderen.

Hier geht es zur Audio: https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2695


 

Sonntag, 14. Juni 2026

Über die kindliche Erfahrung, dass mein Sein keine Wirkung hat

Ich hab mal versucht, das, was ich gestern Abend geschrieben habe, noch weiter zu befühlen. Dann ist etwas aus meinem eigenen Prozess der letzten Tage in den Vordergrund getreten, was geteilt werden wollte: Die kindliche Erfahrung, dass mein Sein, die größte Kraft, die es gibt, die Göttlichkeit, keine Wirkung hat. Und am Ende schlug sich der Bogen dennoch zum Anfang meiner Nachricht.

Ich mag euch mitnehmen in mein Innerstes. 🙏🏼❤️✨💫✨

https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2694


 

Samstag, 13. Juni 2026

Boden unter den Füßen

Ich fühle mich, als hätte ich wieder Boden unter den Füßen. Nach einem Drahtseilakt von unfassbarer Dauer in schwindelerregender Höhe, ohne Netz und doppelten Boden, ohne Sicherungsleine, zu zweit unterwegs.

Annette meinte einmal, dass unsere "Reise" - also die von Christian und mir - sie an einen Drahtseilakt erinnert und manchmal könnte sie einfach nicht hinsehen. Ich kann es verstehen. Dieses Bild von diesem Drahtseil war so treffend für mich und hat sich sofort vor meinem inneren Auge ausgebreitet. Völlig stimmig.

Das Seil ist gespannt von einem Berggipfel zu einem anderen. Dazwischen eine schier unendliche Distanz. Einer kommt von links, der andere von rechts. Wir bewegen uns aufeinander zu. Jeder Schritt von einem von uns versetzt das Seil ordentlich in Schwingung. Der andere muss ausbalancieren. Wir schwanken, rudern manchmal mit den Armen. Höchste Konzentration. Jede Bewegung muss sitzen. Manchmal stehen wir beide eine Zeit lang still, zum Atmen, Neusortieren, Orientieren - oder in meinem Fall, um mir die Haare zu raufen, zu schreien und kurz mal zu verzweifeln. Umkehren war dennoch nie eine Option, runterfallen übrigens auch nicht. 😉

Seit gestern oder vorgestern ist da bei mir diese Veränderung in den inneren Bildern und eben auch in mir - nach unzähligen weiteren Erkenntnissen, geborgenen inneren Kindern und endlosem Begreifen, von dem ich euch so gerne erzählen wollte und doch kam kein Wort aus mir raus.

Ich hab wieder Boden unter den Füßen. Tatsächlich seh ich erstmal nur mich. Das Seil liegt zwischen meinen Füßen auf der Erde. Wie ich da runtergekommen bin und wo Christian ist, kann ich darin im Moment nicht sehen. Nur spüre ich meine innere Wandlung. Da ist das Empfinden, dass etwas Grundlegendes geschafft ist. Da ist eine neue, ruhige Sicherheit. Bislang war ich mir "nur" dessen sicher, dass meine Erlösung gewiss ist. Das war mir immer klar. Für meine Heilung ist in all dem alles perfekt orchestriert. Die Sicherheit in meinen eigenen Prozessen, in der inneren Führung, das war immer da. Das war und ist auch das Einzige, was wirklich in meiner Verantwortung liegt. Um mehr hatte ich mich nicht zu kümmern. Um weniger auch nicht. Es ging nicht um das Wir. Es ging immer nur um meinen einen nächsten Schritt oder die Auswirkungen seiner Schritte bei mir. Damit hatte ich wahrlich genug zu tun und darin war und bin ich mir sicher.

Und jetzt ist da noch etwas anderes sicher, das ich noch nicht wirklich greifen kann. Kurz war da das Bild, dass sowohl Christian als auch ich in einer alles entscheidenden Sicherheitsöse eingehakt haben. Bisher war da eben keine Sicherung. Und es ist wohlgemerkt die gleiche Öse. Wir müssen beide da gewesen sein. Eine kurze Bildsequenz, ohne dass ich mehr von der Umgebung oder den Umständen hätte sehen können. Irgendwas ist da beieinander, was unbedingt zusammenkommen musste. Dieses Einhaken ist unumkehrbar und war essentiell.

Tatsächlich habe ich bislang nicht wirklich eine Ahnung, was das bedeutet, was da anscheinend geschehen ist. Aber es ist. Ich bin nicht mehr auf dem Drahtseil. Ich steh am Boden. Etwas ist geschafft. Da ist diese Ruhe, eine Art namenlose Gewissheit. In mir nickt es und lächelt wissend. Und während ich das tippe, ist Christian aufgetaucht. Steht mir am Boden gegenüber. Ich grinse ihn spitzbübisch an. Er lächelt mit Tränen in den Augen zurück. Wir umarmen uns. Da ist etwas beieinander. Ja. ❤️❤️



Mittwoch, 3. Juni 2026

Es braucht keine Moral

Es braucht keine Moral. 
Es braucht Menschlichkeit. 

Es braucht keine Urteile. 
Es braucht Erlaubnis.

Es braucht keine Ideale. 
Es braucht Echtheit.

Es braucht kein Ziel. 
Es braucht die Wahrheit des Moments.

Es braucht keine Handlung. 
Es braucht das Damit- und Darin-Dasein.

Es braucht kein „weg davon“. 
Es braucht das „in Beziehung damit gehen“.

Wenn Heilung im Sinne von Ganzwerdung, vollständig werden, Selbstwerdung, passieren soll, dann braucht es eine Haltung, die Raum ist und gibt. Sowohl mir selbst gegenüber als auch Menschen gegenüber, die in der Heilung begleitet werden. 

Das ist keine weitere, schöne Theorie. Es ist erforscht und erprobt, am eigenen Leib ausprobiert. Pure Selbsterfahrung. Sowohl in der Begegnung mit mir selbst, als auch in der Begleitung von Menschen.

Ich sehe und erlebe wieder und wieder - und das tatsächlich schon seit so vielen Jahren - das Wunder, das geschieht, wenn alles da sein darf. Das Wunder des Mitgefühls. Das Wunder der adäquaten, menschlichen Reaktion auf jegliche Unnatürlichkeit in der Kindheit. Das Wunder das geschieht, wenn subtile Nöte einen Namen bekommen und benannt werden. Das Wunder, wenn gesprochen wird, was stattdessen hätte sein müssen, wenn es gesund hätte sein sollen. Das Wunder, wenn innere Kinder eine Stimme bekommen und endlich gehört werden. Das Wunder, wenn die Wahrheit erwacht, wenn Erinnerung an die Urnatur passiert, wenn unterdrückte Anteile leben dürfen. Das Wunder des Entdeckens und Erkundens des eigenen Innenraums, wenn alle Sinne nach innen gerichtet werden und sich auf einmal neue Welten auftun, plötzlich etwas anfängt Sinn zu machen, was bisher nur unterschwellig da war.

Das Wunder, das nur geschehen kann, wenn der echte Moment einen bezeugenden, mitfühlenden Raum der allumfassenden Liebe, der göttlichen Wahrheit und des menschlichen Verstehens bekommt, wenn sich in Anwesenheit göttlicher Menschlichkeit alles ausbreiten darf, was gerade im Inneren lebendig ist.

Und eins ist klar: Ich werde wohl niemals damit fertig, zutiefst dankbar und demütig im Angesicht all dessen zu sein. Der größte Segen ist, das tatsächlich erleben zu dürfen. Selbst und immer wieder mit. Halleluja!



Sonntag, 31. Mai 2026

Ich werde nicht weichen

Das ist gerade der absolut passende Ausdruck meines inneren Prozesses.


Als Kind musste ich dem gottlosen, unmenschlichen Wahnsinn des direkten Umfeldes meinen Raum überlassen. In Meinem sein konnte ich nur alleine. Ich musste also entweder darauf warten/dafür sorgen, dass mein Umfeld zu Sinnen kommt oder ich musste - sobald ich konnte - gehen.

Heute gibt es nicht mehr nur entweder oder. Heute gibt es die Möglichkeit in Meinem zu sein und zu stehen, egal wie das direkte Umfeld beschaffen ist. Niemand muss zu Sinnen kommen. Ich muss aber dem Wahnsinn auch nicht mehr Raum geben. Ich bleibe und stehe in Meinem. Diskussionslos und alternativlos gleichermaßen.

Ich werde nicht mehr weichen und dem Wahnsinn mein Feld überlassen. Ich muss nicht mehr weichen. Ich muss nicht alleine irgendwo hin. Mein Leben findet genau jetzt in mir statt und nichts und niemand kann es bewerkstelligen, dass ich meinen Raum vereinnahmen lasse. Meinen Raum erfülle, belebe und begeistere ich. Stopp und Nein sind meine steten Begleiter und auch die stehen nicht zur Diskussion.

🔥❤️🔥

Sonntag, 26. April 2026

Es geht nicht um besser oder schlechter

Vorgestern hab ich über die Ohnmacht geschrieben, die damit einhergeht den anderen erreichen zu wollen. Mir ist danach, noch etwas klar zu stellen.

Ich mag ausdrücklich sagen, dass ich damit nicht vermitteln will, dass es Ohnmacht zu vermeiden gilt. Ganz im Gegenteil: Die (zwischen)menschliche Ohnmacht darf vollumfänglich gefühlt und anerkannt werden, die Teile, die in der Kindheit an der Unerreichbarkeit der Bezugspersonen gelitten haben und immer noch darauf warten, dass da endlich mal jemand wirklich präsent da ist, verstehend und fühlend gegenwärtig, die dürfen begleitet werden. Deren Ohnmacht gilt es komplett zu fühlen. So war es.

Wenn ich als Erwachsene bemerke, dass ich in dieser Ohnmachtsposition bin, darf ich mich fragen, wie es mir damit geht, wer in mir unbedingt zum anderen durchdringen will. Damit bin ich wieder bei mir und an dem "Ort", an dem ich tatsächlich agieren kann und bei demjenigen, der jetzt als Erwachsene für diese Anteile zuständig ist.

Mir ist es wichtig zu betonen, dass (Eigen)Macht nicht besser ist als Ohnmacht. Es geht darum, zu bemerken, wo ich innerlich gerade bin. Es geht um Bewusstheit, nicht um Wertung. Es geht darum, da mit mir zu sein, wo ich mich innerlich tatsächlich gerade befinde, und nicht darum, in ein anderes Gefühl zu kommen.

Wenn ich mir als Erwachsene einfach sage: "Ach, ich muss den anderen ja gar nicht erreichen, ich hab ja mich" und ein inneres Kind in mir schreit und tobt und vom anderen gehört werden will, dann bringt mich das kognitive Wissen alleine nicht weiter. Damit würde ich wieder das Kind überhören und übergehen und nur erwachsen tun, mir aber letztlich selbst gewaltvoll begegnen.

Es reicht nicht, mir zu sagen: "Ach, ich geh wieder in meine Macht". Es braucht die Begegnung mit den "abhängigen" Teilen in mir, mit denen, die glauben vom anderen was zu brauchen. Diese Selbstzuwendung bringt mich automatisch in eine Handlungsfähigkeit mitten in der Ohnmacht, ohne dass das das Ziel gewesen wäre.

Es geht nicht um besser oder schlechter. Es geht darum, mir meiner bewusst zu sein. Ich in meinem Gewahrsein für mich und das, was in mir vorgeht, wer und was in mir gerade lebendig ist und damit in Beziehung gehen. Dauerhaft. Das ist "The place to be" für mich. Alles andere macht für mich keinen Sinn. Ich bei mir. Das mag in einer Begegnung mit jemandem nicht direkt gelingen. Danach bekommt es auf jeden Fall den nötigen Raum. Weil ich gar nicht anders kann und weil ich es auch gar nicht anders will.


 

Freitag, 24. April 2026

Den anderen erreichen wollen führt zu Ohnmacht

Es rattert ordentlich weiter.

Den anderen erreichen wollen führt mich letztlich, automatisch und unweigerlich in eine Ohnmachtsposition. Es liegt nicht in meiner Hand, ob "mir" das gelingt, ob das gelingt.

Bei mir bleiben kann ich immer, meint: Das liegt immer in meiner Hand, damit bin ich sowohl in meiner Macht als auch in meiner einzigen Verantwortung, in meiner Kraft, an meinem Platz, in meiner Gegenwärtigkeit und Selbstwirksamkeit, an dem Ort, von dem aus ich tatsächlich agieren kann. Für mich.

 


 

Donnerstag, 23. April 2026

Den anderen erreichen wollen und mich dafür verlassen

Mein persönliches Kryptonit: Den anderen erreichen wollen! Es ist die allergrößte Versuchung, mich dafür zu verlassen. Dabei kann ich mir den Umweg sparen. Ich darf mich direkt behalten, direkt bei mir bleiben, auch und gerade, wenn mich der andere nicht versteht.

Oder wie Jutta es mal so treffend formuliert hat: Für meine Wahrheit braucht es keinen verstehenden Empfänger. (Mit Wahrheit ist das eigene Innenerleben gemeint)

Ich bemerke die Kinder in mir, die endlich landen wollen, die gehört und begriffen werden wollen, die jemanden tatsächlich erreichen wollen, weil sie endlich erfasst werden wollen. Und zwar richtig, ohne Interpretation, ohne Unterstellungen, ohne falsche Urteile, ohne Bewertung, ohne dafür bekämpft zu werden, für das, was sie empfinden, ohne als Feind, Angreifer oder Bedrohung empfunden zu werden, die man in den Griff bekommen muss.

Die Kinder, die einfach sagen wollen, wie sie sich in der Beziehung (mit den Eltern) fühlen und dass es ihnen damit und darin überhaupt nicht gut geht. Sie wollen erleben, dass das einfach Raum hat und es anerkannt wird.

Und jetzt als Erwachsene, kann ich direkt bei mir bleiben. Es geht gar nicht mehr darum, den anderen zu erreichen. Meine inneren Kinder, die das noch wollen, begleite ich.


Freitag, 10. April 2026

Ich kann nirgends anders hin und will nirgends anders hin

Ich mag euch mitnehmen, wie es nach diesem Auftun des Abgrundes weiterging, wie die Zeit der totalen Destabilisierung war und wo ich jetzt bin.
Eine Erkenntnis aus dem inneren Schwimmen

Mir wurde noch einmal extremst bewusst, dass die "Wahrnehmung" meiner Mutter von mir letztlich über alles bestimmt hat. Ich wurde nach ihrer Fasson behandelt und nicht danach, wer ich wirklich bin. Was sie in mir gesehen hat - die Bestätigung ihrer Wunde - hat sie zu meinem SoSein erklärt.

Die Rückmeldungen von ihr an mich als Kind, Jugendliche, als junge Erwachsene waren, ich bin falsch und unehrlich. Ich spiele ein falsches Spiel. Ich bin scheinheilig. Zu allen kann ich scheiß freundlich sein, nur bei ihr zeig ich mein wahres Gesicht. "Außen hui, innen pfui", ein Ausspruch, der sehr oft von ihr kam. Immer mit diesem unkenden, vorwurfsvollen, anklagenden "Du wirst schon noch sehen"-Tonfall. Und gefühlt war auch Verachtung dabei. 

Etwas in mir wollte in diesem ganzen Prozess der letzten Tage immer wieder - natürlich -, dass dieses fiese Gefühl der Isolation aufhört. Der absoluten Ohnmacht. Des Entsetzens. Dieses "Ich kann nicht machen, dass ich anders fühle, der andere muss doch zur Besinnung kommen"-Entsetzen".

Es zeigte sich ein inneres Bild. Eine 16-Jährige, die einen blutverschmierten Giftstachel zwischen Daumen und Zeigefinger hält. Sie hatte ihn sich schon rausgezogen, fragte sich, was sie jetzt damit machen soll. Etwas in ihr zögerte. Sie konnte ihn nicht einfach wegschmeißen. Etwas Schlimmes könnte passieren. Sie wollte gerade Gott fragen, was sie damit machen soll, ob sie ihn weglegen dürfte, da war er schon da, nahm ihr den Stachel aus der Hand, zertrat ihn nachdrücklich und vehement, riss sie in ihre Arme und sagte leise und unendlich gütig: "Hör auf mit dem Scheiß."

Was diese 16-Jährige hat zögern lassen, dieses drohende Schlimme, wollte dennoch noch erforscht werden. Es fühlte sich soooo groß an. Also schrieb ich mich durch.

"Was passiert, wenn ich den Giftstachel wegschmeiße?

Wäre das leichtfertig? Darf ich das? Verpasse ich was? Vermassel ich mir was? Geschieht dann etwas irreparables für mich? Vertue ich eine einmalige Chance?

Die könnten etwas wissen, was ich nicht weiß. Und nur über sie komme ich an die wichtigen "Informationen". Als ob sie vielleicht zu etwas Zugang hätten, was mir verborgen ist und nur über sie erreichbar ist. Den Zugang zum Leben. Den Zugang zur Wahrheit. Zur Wahrhaftigkeit. Den Zugang zu meinem Leben. Zu meinem Glück. 🔥🔥🔥 Da geht's lang!

Das ewige Damoklesschwert meiner Mutter: "Du wirst schon noch sehen, was du davon hast! Irgendwann denkst du an mich."

Als wenn ich es irgendwann schrecklich bereuen müsste, nicht auf sie gehört zu haben."


Sie (alle, die diesen Zweifel in mir berührt haben) sprechen aus der Trennung, nicht aus der Quelle. Ihre Augen sind kalt. Es herrscht kriegerische Atmosphäre. Da ist keine Wärme. Da ist kein Wohlwollen mir gegenüber. Alles, was sie mir "sagen", wird förmlich ausgespuckt, mir entgegen geschleudert. Der Ton ist messerscharf. Vorwurf und Anklage schwingen mit.

Da wird mir (der 16-Jährigen) klar, meine Mutter war nicht ansatzweise mit sich verbunden. Meinem Teeny gehen die Augen auf. Sie spürt aus welchem "Raum" das kommt und dass daraus keine Wahrheit kommen KANN. Sie kann die Ursache für den Nichtgleichklang zum ersten Mal im anderen verorten. Der andere ist getrennt von sich.

Dann klingelt es ganz gewaltig:

Ich war/bin schon da, wo sie mich hätten hinbringen sollen (bzw. mir helfen, mich darin zurecht zu finden) und dann sagen sie mir: "Du wirst schon sehen!"

Ich gehe tiefer.

Ist es im Grunde die Verunsicherung, ob ich wirklich bei mir, bei Gott und wahrhaftig bin? Genau das!

Christian sprach mir in erwähntem Moment meine Wahrhaftigkeit ab. Meine Mutter tat genau das. Sie hat mich ständig im ganz Grundsätzlichen für falsch erklärt. DAS ist der Giftstachel gewesen, der da "installiert" wurde. Ich hab dennoch getan, was für mich stimmig ist und gleichzeitig war immer wieder der Zweifel, der schwelte. Eben das drohende, unkonkrete, namenlose Unheil, das mir immer prophezeit wurde. Christian hat mir diesen Stachel, der schon so oft berührt wurde, final gezeigt. Gott sei Dank!

Was da als Kind geschieht ist eigentlich unsäglich und im Ausmaß nur fühlend zu begreifen: Sie sagt mir, dass ich woanders hin muss, als ich gerade bin, nämlich bei mir. Damit bin ich falsch. Da soll ich weg. Das bringt mich als Kind in eine unglaubliche, unmögliche, unmenschliche Situation und eine riesige, existenzielle Not, die mit einem (Über)Leben jenseits jeglicher materieller Versorgung zu tun hat: Mein Sosein wird für falsch erklärt! Mein Beimirsein für unmenschlich erklärt und für eine Zumutung für andere. Mir wird orakelt, dass mich genau das in Teufelsküche bringen wird, ohne zu wissen, was das bedeutet, aber es wird unweigerlich so sein. Als ob das nicht schon arg genug wäre, führt es eben auch zu absoluter Isolation. Damit ist keine Verbindung zur Mutter möglich. Außerdem ist da dauerhaft in mir allergrößtes Unverständnis, wie das alles zusammenpassen soll. Ständig Fragen, Diskrepanz von innen und außen. Die Rückmeldungen von außen passen überhaupt nicht zu meinem Inneren. In all dem werde ich alleine gelassen und noch mehr für falsch erklärt, für aufsässig, unmöglich, kalt. Ich habe nie verstanden, was sie meint und was sie da von mir will, was mir vorgeworfen wird, wo ihr Problem ist (oder das mir zugedachte). Bis heute hat dieser Anteil versucht, das Problem der anderen ernsthaft zu verstehen. Vergeblich. Bis jetzt.

Christian sagte mir in grandioser Reinszenierung genau das, was meine Mutter im Grunde immerzu vermittelt hat, dass ich nicht bei mir bin und dass ich nicht bei Gott bin. Er sprach mir in dem Moment das bei mir sein ab, meine Verbindung mit mir und er wüsste ganz genau wo ich bin (weg) und dass ich das Problem habe, dass ich der Grund für unsere Dissonanz bin. Mein Beimirsein fühlte sich für ihn unstimmig an, nicht wahr.

Die Wahrheit ist und war es in dem Moment auch: Ich kann nirgends anders hin und ich will nirgends anders hin. Das Dilemma meiner Kindheit komplett auf den Punkt wiederholt und zum ersten Mal benannt, zutiefst begriffen und den Giftstachel ursächlich identifizieren können, dessen Gift ich schon so oft begegnet bin. Zum ersten Mal den ursprünglichen Horror bewusst gefühlt und in mir halten können, darin bei mir sein und tief verstehen und letztlich mit dem Licht der Wahrheit anerkennen können.

Nach dem Begreifen und dem tiefen Fühlen, was da als Kind von mir verlangt wurde, was das für mich im Erleben bedeutet hat, dass da immer noch dieser Giftstachel des Zweifels war und welcher ganz grundsätzlichen, essentiellen Natur dieser Zweifel war, nach dieser Prüfung, wo ich jetzt verortet bin und der wiederholten Antwort "in mir", ist da Ruhe. Ich bin da, wo ich sein soll. Da, wo sie mich hätten hinbringen sollen, aber selber nicht waren. Ich bin gut mit mir, in mir. Ich hab mit mir, in mir, kein Problem, keinen Widerspruch. Ganz im Gegenteil. Da ist ein sattes, tiefes, friedliches Wohlgefühl. Es ist wahr, dass ich nirgendwo anders hin will und auch gar nicht kann. Und wenn alles um mich herum wegbricht deswegen: Da geh ich nicht weg! Nicht weg von mir. Nicht aus meiner Verbindung. Für nichts und niemanden. Damals nicht für meine Mutter. Und auch jetzt nicht für Christian.

Danke für die so intensive Revision.