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Mittwoch, 25. März 2026

Klarheit bringt meine Grenzen zum Vorschein

In aller Klarheit kann ich recht einfach meinen Raum einnehmen und wahren. Meist ist es der Zweifel an mir und meinen Wahrnehmungen, der mich etwas erdulden lässt, was nicht stimmig für mich ist.

Umso mehr die Verwirrungen, Verdrehungen und Umkehrungen in mir aufgedeckt werden, umso weniger lasse ich mit mir machen, was mir nicht entspricht, umso weniger dulde ich im Umgang.

Mit der Klarheit und den inneren Korrekturen nimmt die Toleranz dessen ab, was mich zum Selbstverrat bewegen möchte. Die Toleranz dessen, dass ich unmenschlich und unwürdig behandelt werde und vor allem selbst gegen mein Innerstes agiere.

Wenn ich weiß, wo ich innerlich selbst stehe, gut im Kontakt mit mir bin, weiß, dass ich ein schützenswertes, liebenswertes Wesen bin und vor allem auch klar erkennen kann, wie mein Gegenüber gerade jetzt hier in der Gegenwart mit mir da ist, wird es sehr einfach, laut und deutlich Nein zu sagen, klar für mich einzutreten, Position zu beziehen, Stellung ZU MIR.

Klarheit bringt meine Grenzen ganz automatisch zum Vorschein.



Samstag, 14. März 2026

"Glücklich der, der überhaupt ein Symptom hat"

 

"Die Entfremdung ist so groß, dass noch nicht mal mehr ein Konflikt empfunden wird, wenn etwas fehlt. Glücklich der, der überhaupt ein Symptom hat." 

 frei nach Erich Fromm 


Diese sinngemäße Aussage von Erich Fromm hat neulich voll bei mir eingeschlagen. So kurz und doch Tiefenwirkung bei mir. Er spricht von den "Normalen", den Angepassten, die funktionieren können, ohne dass in ihnen etwas in einen Konflikt gerät.

Ich hab mich oft gefragt, wie Menschen "so etwas" über sich ergehen lassen können. Die Antwort ist einfach, logisch und entsetzlich zugleich: Die Entfremdung von sich selbst ist groß genug.

Da gibt es kein natürliches Empfinden mehr dafür, wie sich Menschlichkeit anfühlen müsste, keine Sensibilisierung für psychische, emotionale, verbale, ja oft sogar körperliche Gewalt, für Unmenschlichkeit, wenn sie ihnen passiert.

Es geht nicht um Gewalt, Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit "da draußen in der Welt". Es geht um das, was ihnen jetzt gerade im Miteinander tatsächlich widerfährt.

Gesunde Menschen reagieren mit Empörung, mit einem Stopp, innerem und/oder äußerem Widerstand, wenigstens mit körperlichen Symptomen und "Krankheit", die laut Fromm von Gesundheit zeugt. Hier ist die Entfremdung von sich selbst nicht so weit fortgeschritten. Hier wird - Gott sei Dank - noch ein innerer Konflikt empfunden. Etwas meldet, dass hier etwas falsch läuft, grundsätzlich falsch und wider die menschliche Natur.

Ich mag es nochmal mit meinen eigenen Worten formulieren:

"Die Entfremdung von sich selbst
ist bei den meisten so groß, dass noch nicht mal mehr ein innerer Konflikt empfunden wird, wenn Unmenschliches geschieht."

Ein Hoch auf die Menschen mit Symptomen, inneren Konflikten, innerem Aufruhr, die eben nicht alles mitmachen können, mit sich machen lassen können. Die nicht einfach funktionieren können, die Fragen haben und auch stellen. Die Stopp sagen (müssen), weil der Körper streikt. Deren Körper und Psyche aufbegehren.

Es sind die Aufschreie der Überreste der Menschlichkeit. Der Würde. Der Urnatur. Es ist die letzte Bastion, der Teil in uns, der die Fahne des wahren Selbstes weiter hoch hält. Und er wird stehen bleiben. Wir sind nicht für Entfremdung gekommen. Ganz im Gegenteil. Wir sind für die Rückerinnerung hier.


 

Montag, 2. Februar 2026

Was nicht da sein darf, kann nicht erforscht werden

Eine Erinnerung (an mich selbst)

Etwas erforschen, was mich unangenehm berührt, was ich lieber wegschieben würde, was ich lieber nicht hätte, bedeutet zu allererst, den Anteil zu bemerken und anzuerkennen, der es eben genau nicht will, der überfordert ist, der in Angst und Panik gerät, sich dem nicht gewachsen fühlt. Er ist Dreh- und Angelpunkt. Er braucht mich im Grunde am meisten, bevor ich mich überhaupt dem Symptom (den Begriff meine ich seeeehr weit gefasst) zuwenden kann. Dieser Anteil verhindert den echten Kontakt, weil es meist für ihn ums nackte (emotionale) Überleben geht.

Etwas erforschen bedeutet, damit in Kontakt zu gehen, es innerlich in die Hand zu nehmen, in Beziehung zu gehen, mich davon berühren zu lassen, es anzuschauen, diesem Etwas zuzuhören, ihm tatsächlich zu begegnen und mich in diesem Kontakt zu beobachten. Das Erforschen beinhaltet eben auch all die Teile, die dagegen sind. Sie wollen nach Hause - zu mir.

Wenn ich etwas kategorisch verneine, ob Symptom oder Anteil, ohne vorher eine Beziehung dazu gehabt zu haben, existiert es getrennt von mir und ich muss es mit Kraftaufwand von mir fernhalten. Es wird wieder kommen. Es will Inklusion. Es will gesehen und anerkannt werden in der bloßen Existenz. Mit jedem Auftauchen scheint es zu sagen: "Mich gibt es auch. Sieh hin."

Wenn ich eine geklärte Beziehung dazu habe, kann ich immer noch Nein sagen und dieses Nein wird ruhig und klar sein, keine Kraft kosten und einfach SEIN.

Ich kann mich sehr schnell prüfen, ob die Beziehung zum Symptom bzw. zum Anteil geklärt ist. Ein innerlich aufgebrachtes "damit will ich nichts zu tun haben" schiebt meist etwas weg, was sich bedrohlich anfühlt. Ein "Nein", das eher von einem Schulterzucken geprägt ist und mit einem "ich wüsste nicht wofür" einhergeht, spricht schon eine ganz andere Sprache. Es hat keine Ladung mehr.

Es gibt auch die Scheinakzeptanz, die sagt: "Ja, ja, das darf da sein" und innerlich geht der Satz eigentlich weiter mit "damit will ich aber nichts zu tun haben, lass mich in Ruhe damit".

Wenn ich tatsächlich mit etwas im Frieden bin, dann kann ich mich davon berühren lassen, in Kontakt gehen oder hinschauen. Dann darf es da sein. Es kann neben mir existieren, weil es durch die Beziehung erspürt ein Teil von mir ist. Es ist mir nicht fremd und damit keine Bedrohung mehr.

Erforschen ist für mich Beziehungsarbeit, die Möglichkeit zur Klärung all dessen in mir, was eben noch unergründet ist und deswegen Unsicherheit auslösen kann. Erforschtes Gebiet macht keine Angst mehr. Ich hab mich dazu in Bezug gesetzt. Wenn ich weiß, womit ich es zu tun habe (in mir und um mich), ist der Spuk vorbei. Es hat keine Macht mehr über mich, ohne dass ich das angestrebt habe. Es geschieht einfach irgendwann in der Begegnung.


 

Dienstag, 9. Dezember 2025

Meine Freiheit liegt im Seinlassen

Meine Freiheit liegt darin, das innere Chaos/die Themen der anderen liegen lassen zu dürfen, sein zu lassen. Ich muss es weder aufgreifen, noch darum kreisen. Das kann da sein und ich darf in meiner Mitte bleiben, mit allen meinen Sinnen bei mir, mein eigenes Zentrum sein.

Es ist nicht mehr wahr, dass mein ganzes Leben vom Chaos der anderen beeinflusst wird und ich keinen Schritt gehen kann, ohne an den Schlingen und Ösen der emotionalen Unordnung des nahen Umfelds hängen zu bleiben.

Es ist nicht mehr wahr, dass ihre Tabus meine Begrenzung sind. Es ist nicht mehr wahr, dass mir ihre viel zu kleine Welt genügen muss/soll, dass ihre Welt gleichzeitig die meine bedeutet.

Es ist nicht wahr, dass ich darauf angewiesen bin, dass sie ihre inneren Sachen aufräumen, damit ich mein Leben leben kann, in meiner, DER Ordnung da sein kann. Diese Abhängigkeit und Not-wendigkeit gibt es nicht mehr.

Ich bin mein Anker. Ich bin mein Halt. Ich bin mein eigener Gradmesser und Richtwert. Ich bin meine Welt. Ich bin mein eigenes Zentrum und Empfänger der Wahrheit des Moments. Ich bin in meiner Ordnung. Ich bin in der Ordnung. Ich bin in Ordnung. Es genügt, wenn ich bei mir bin.

Allen meinen Anteilen, die dennoch um das Chaos der anderen kreisen, die damit etwas machen wollen/glauben zu müssen, die davon berührt werden, eine Abhängigkeit davon spüren, dadurch in Not kommen, wende ich mich zu, sehe sie darin, nehme sie wahr und ernst. Sie finden in mir ihre wahre und einzig not-wendige Anlaufstelle.

Für meine Ordnung braucht es nur mehr mich. Wenn es sich anders anfühlt, stimmt etwas nicht, sind Traumalügen am Wirken. Dann darf ich dem nachgehen. In Wahrheit bin ich frei.



Montag, 24. November 2025

eigen-ständig

Prozess-Schreiben 23.11.25:

Heute fühlt es sich an, als wäre alles umsonst gewesen, als würde all dieses "mich hin zu mir bewegen und ich sein" nichts gebracht haben. In mir schon. Äußerlich überhaupt nichts. Ich bin mit dem gleichen Chaos, dem nicht in der Ordnung sein, der gleichen Schwere, Verworrenheit, Nichtverbindung und Trostlosigkeit um mich herum konfrontiert, wie in der Kindheit. (Wohlgemerkt sind das sehr, sehr subjektive Eindrücke, ausgelöst durch kleinste Kleinigkeiten vom Außen und nicht im Mindesten Ausdruck des tatsächlichen Gesamtbildes der Gegenwart.)

Was nützt es mir, wenn ich noch so sehr in mir in der Ordnung bin und im Außen ist sie nicht erfahrbar, nicht mit den engsten Bezugspersonen? Um mich rum regiert der Wahn, im Miteinander keine Harmonie erfahrbar.

Ich sitze im Chaos und bin da. Und jetzt?

Ich stelle fest, dass gerade nichts in mir noch etwas von Christian will. Tatsächlich gar nichts. Da ist nicht einmal mehr ein Vermissen. Es ist wie es ist. Kein Warten. Kein Wollen. Kein Zetern. Kein Andershabenwollen. Es ist viel mehr die totale Anerkennung der "Vollkatastrophe" und die einzige Frage gilt mir: Und jetzt?

Es ist noch nicht einmal die Frage, was ich damit (mit dem Zustand des Außens) anfangen soll. Ich will gar nichts mehr damit anfangen. Ich hab es nicht mehr in der Hand, also im tatsächlichen Sinn. Der Teil in mir, der die ganze Zeit damit etwas anfangen wollte/dachte, dass er müsste, hat es aus der Hand gelegt. Anscheinend. Das fällt mir gerade erst auf. Ich hab's nicht mitbekommen. Er will es auch überhaupt nicht mehr nehmen der Teil. Nichts wäre gerade absurder. Ist ja alles nicht seins. Er hat sich schon umgedreht, ist mit der Aufmerksamkeit ganz wo anders. Mit sich. In sich versunken.

Anscheinend hat alles in mir kapituliert. Ich erwarte überhaupt nichts mehr. Weder vom Leben, noch von Menschen. Keine Nähe. Kein Verstehen. Kein zusammen Wirken. Keine Harmonie. Keine Verschmelzung. Ganz im Gegenteil. Ich bin bei mir mit allen meinen Sinnen. Auf mich besonnen. Wie der Anteil. Interessant. Bei mir. Fertig.

Ich werde sehen.


Fortsetzung 24.11.25:

"Da sind wir ja weit gekommen", sagt da jemand in mir. Die 16-Jährige.

Es fühlt sich an, wie wieder mit nichts dastehen. Vor allem mit niemandem. Alles auf Anfang. Auf Null. Ich steh mit nichts da, alleine, und hab doch alles, was ich brauche. Nicht wie damals, als ich von zu Hause ausgezogen bin. Da hatte ich zwar alles Materielle, aber mich nicht und keine Ahnung, wie Leben tatsächlich funktioniert. Da stand ich tatsächlich - innerlich eigentlich zutiefst verzweifelt und doch gehen müssend - mit nichts da. Keinen blassen Schimmer von mir und vom Leben. Alles, was in der Kindheit an innerer, emotionaler Reifung tatsächlich hätte passieren sollen, ist ausgeblieben und vor allem stand ich da mit der Idee, ich alleine (ohne Anbindung an was Größeres, ohne Einbettung) müsste alles wissen, machen, regeln. Jetzt, heute, fühlt sich dieses "wieder mit nichts dastehen" anders an. Ganz anders. Ich hab vielleicht materiell "nichts", aber mich und - Gott sei Dank - Gott und das tiefe Wissen, wie Leben geht, auf was es tatsächlich ankommt. Halleluja!!!

Ich steh wieder alleine da. Ja. Stehe für mich, auf eigenen Beinen. Stabil. Es gibt nur mehr mich als Bezugsperson für alles, was in mir los ist. Es braucht keine andere, gesunde Bezugsperson mehr, wie das in der Kindheit nötig gewesen wäre. So viele Kinder in mir wollten noch eine gesunde, tatsächlich für sie brauchbare Bezugsperson im Außen bekommen. Endlich, bitte, und Christian hat’s einfach nicht „geliefert“. So schrecklich schön heilsam.

Ich brauch mich jetzt nur mehr zu mir in Beziehung zu setzen, mich auf mich (Gott) beziehen. Natürlich steh ich "alleine" da - mit mir. So gehört das. Ein Partner ist keine Bezugsperson im eigentlichen (kindlichen) Sinne. Ich bin die Bezugsperson für meine inneren Anteile und meine einzige, tiefe, intime, lebenslange Beziehung, der einzige Mensch, der mich verstehen und nachvollziehen muss, auch und vor allem, wenn es einen Partner gibt.

Ja, es gibt natürlich auch von außen helfende Hände, Schultern zum Anlehnen, starke Arme, die halten, ganze Wesen, die zuhören und mich voll begreifen. Keine Frage. Total notwendig und gleichzeitig fühlt es sich gerade so an, dass das alles dazu führt, im wahrsten Sinne des Wortes „eigen-ständig“ zu sein. Reif. Nachgereift. Er-Wachsen. Eben all das, was eigentlich schon in der Kindheit hätte passieren müssen. Zentriert in mir und gleichzeitig tief verbunden mit dem All-Einen. Von dieser tiefen, weiten Mitte aus, ist eine ganz andere Begegnung - mit wem auch immer - möglich.

Das klingt alles nicht neu und dennoch so unfassbar bedeutend, in neue Tiefen vorgedrungen, weitere so arg verzweifelte Anteile in mir erreicht oder besser sie mich. Endlich jemand da. Es hat so unfassbar viel gebraucht, dass sie überhaupt zum Vorschein kamen. So viel Verwurschtelung über so lange Zeit… Was für ein krasser Prozess und natürlich keine Ahnung, wo genau ich mich insgesamt befinde. Der Umgang damit und das Zurechtfinden darin hat definitiv ein neues Level erreicht. Wow. Was für eine Heilbeziehung. Donnerlippchen.



Donnerstag, 13. November 2025

Heiliges Mitmirsein

In mir bewegen sich Welten. Ach was! Universen!!! So krasse Durchbrüche durch Urwundennot! So viel Aufwachen in mich hinein, so viel Großes, Monumentales, Essentielles, Grundsätzliches, Bahnbrechendes, Heiliges, Heilsames.

Immer wieder steht mir innerlich der Mund vor Staunen offen. Immer wieder muss ich rückblickend neu auf mein Leben blicken, es mit dem Erkannten neu betrachten. Es ist so viel auf einmal. Es ist so komplex und vielschichtig. Ich würde das alles so gerne teilen, weil es so unfassbar wichtig ist, und doch kommt im Moment kein Wort.

Es fühlt sich ein wenig an, wie Wochenbett. Es gilt damit mit mir zu sein, mit all dem Neugeborenen. Realisieren. Integrieren. Verarbeiten. Begreifen. Bestaunen. Fühlen. Ganz Verkörpern. Es in Fleisch und Blut lassen.

Ich hab so ein Bedürfnis einfach nur bei mir, für mich zu sein. Ich spreche mit fast niemandem. Ich kann nicht. Da kommt nix. Eben kein Wort. Wie wenn mich im Moment alles nur DAVON wegbringen würde und das geht nicht. Auf keinen Fall.

Zwischendurch fühlt es sich an, als würde ich langsam wieder auftauchen und mit dem Neuen in mir mit anderen in Begegnung gehen wollen, mich erfahren, ausprobieren und vor allem all das teilen, mein eigenes Staunen in die Welt tragen und genau so schnell, wie der Moment kommt, geht er wieder. Zehn Minuten später will ich mich schon wieder einkuscheln, schweigen und mich genießen.

So ist es gerade. So lass ich mich.

 


Samstag, 11. Oktober 2025

Der letzte Kampf war auch mein erster

Ich glaub, ich bin angekommen. Anders als man das gemeinhin meint. Angekommen an der tiefsten Urwunde. An der Urverletzung, die unter allen anderen Verletzungen lag, unter allen Traumaschichten, unter Wut, Kampf, Empörung.

Angekommen am Urdilemma. Durchgestorben bis in die unterste Schicht. Rausgekommen am Ursprung von allem: Die dauerhafte Erfahrung als Kind, mit meiner emotionalen Ganzheit nicht landen zu können, damit keinen Platz zu haben im Umfeld, damit und darin schon gar nicht sein und forschen zu dürfen. In mir seiend. Bei mir bleibend.

Ich mag euch mitnehmen.

Meine Erfahrungen als Kind waren folgende:

• Das, was in meinem Körper los ist, wird nicht mit mir erkundet. Niemand kommt in meine Welt und hilft mir, mich zu begreifen. Gefühle, Empfindungen, innerliche Zustände und Atmosphären bleiben ungeklärt, unerklärt, unbenannt, unbegriffen.

• Ich kann keinen Umgang mit dem erfahren, was in mir los ist. Ich weiß nicht, was ich damit machen soll. Da ist Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit, Überforderung damit.

• Ich bin mit meinem Empfinden ganz alleine. Die anderen scheinen das weder zu kennen noch zu haben.

• Mir wird gesagt, dass ich anders empfinden soll, wie ich es gerade tue, dass meine Gefühle nicht begründet sind, dass es erstrebenswerter wäre, wenn ich anders empfinden würde, anders wäre. Dass das vielleicht sogar richtiger ist.

• Mein Empfinden ist dennoch da und passt überhaupt nicht zu dem, was mir erzählt wird. Dauerhafte Irritation und Verwirrung. Dauerhafte Zerrissenheit. Dauerhaft passt mein Innen nicht zum Außen.

• Ich muss von meinem Empfinden weggehen, mich damit/darin verlassen und eine Wahrheit von außen akzeptieren, die ich nicht fühle. Ich soll mich entsprechend dieser Wahrheit von außen verhalten, ihr folgen, so handeln, als wäre sie meine. Ich soll sie anerkennen und mich ihr fügen, obwohl etwas in mir völlig konträr dazu ist.

• Das Ganze geschieht in der Kindheit nicht ab und zu. Das Ganze ist dauerhaft, weil ich mit Menschen umgeben bin, die sich selbst nicht fühlen, die abgetrennt sind und das Gleiche mit sich machen mussten. Natürlich verlangen sie es von mir. Sie können mir nur den Fühl- und Selbsterforschungsraum zur Verfügung stellen, den sie selbst haben. Sie können an mir nur das akzeptieren, was sie sich selbst an Gefühlen und Empfindungen zugestehen.

• Ich komme in Not, weil sie ihren Nöten nicht begegnen wollen/können bzw. nicht mal ahnen, dass sie Nöte und Wunden haben.

• Dieses Dilemma mit allen Facetten und Auswüchsen ist dauerhaft in mir aktiv. Ich bin darin alleine. Von allen verlassen oder besser gesagt, es war noch nie jemand da. Ich wurde nicht verlassen. Es war von Anfang an verlassen SEIN. Keine Menschen, kein Gott, maximale Trennung von außen und dann die erwartete Trennung von mir selbst. Kurz: Horror als Grundzustand.

Über die Jahre habe ich meine Innenwelten nachträglich selbst erforscht. Das getan, was damals die Eltern mit mir zusammen hätten tun sollen. Mein Empfinden gelernt zu verstehen, Begriffe dafür gefunden, mich begriffen. Ich kenne meine Welt in und auswendig und erschließe sie mir immer weiter, feiner, detaillierter.

Mit dem, was ich herausgefunden habe und jetzt verstehe, was da immer in mir los war und warum, was meine Nöte ausgemacht hat, meine Einsamkeit, meinen Druck und die Verzweiflung, wenn mein Innenerleben nicht zu dem gepasst hat, was die anderen von sich gegeben haben und von mir als Konsequenz daraus erwartet haben, kam natürlich die Wut, die Empörung, das Entsetzen, ein Aufschrei nach dem nächsten in mir, immer wieder Fassungslosigkeit darüber, was da mit mir getrieben wurde und was ich mit mir hab machen lassen (müssen), schlicht, weil ich keine Worte dafür hatte, es nicht begriffen und erkannt hatte.

Diese Wut, die nachträglich natürlich kommt, dann aber nicht mehr Wirkung zeigen kann, kein Stopp mehr damit gesetzt werden kann, weil es einfach rum ist, zu spät, ist so fies und widerlich und für mich sehr herausfordernd. Ich fühle sie durch und durch, berechtigt und in der Intensität, die zur Situation gehört, und kann sie nicht mehr platzieren, damit nichts mehr bewirken an der richtigen Stelle, weil der Moment vorüber ist. Ich hab mir darin Luft gemacht, ihr Raum gegeben, Ausdruck, sie zusammen mit der Ohnmacht gefühlt, anerkennend, mich komplett davon ergreifen lassen. Kinder darin aufgespürt, die Erwachsene darin erkannt. Jedes Mal. Wieder und wieder und wieder.

Und darunter? Unter all den Schichten? Die Urwunde. Der Schmerz von all den Momenten, in denen ich mich hab stehen lassen müssen als Kind. Aufgetaucht ist meine Fünfjährige, die jetzt erfährt, wie recht sie hatte mit ihren Empfindungen. Es fühlt sich an, als würde alles, was ich mir die letzten Jahre erschlossen habe, genau da hin fließen. Zu ihr. Und alles tausend Mal unterstreichen, was sie eh schon gefühlt hat und aber keine Chance, keine Worte, keinen Überblick hatte, die Zusammenhänge einfach nicht erfassen konnte. Natürlich nicht. Jetzt weiß sie bescheid.

Es ist, wie wenn ich das Puzzle, das ich über die Jahre zusammengesetzt habe, das Gesamtbild, in dem alle Beteiligten mit ihren "Rollen" inklusive mir entschlüsselt sind, vor ihr ausbreite und sie sich und alles endlich verstehen kann. All das Leid, die Verwirrung, die Verzweiflung, die Kämpfe, die Irritationen, alles, was es eben bedeutet hat, wenn meine emotionale Gesamtheit nicht ansatzweise landen kann.

Und damit kam das Beweinen. Das Beweinen dessen, dass es war wie es war. Ein anerkennendes, bezeugendes, zutiefst verstehendes Weinen. Das Weinen danach. Das Weinen, das möglich ist, wenn etwas vorbei ist. Es ist nicht mehr das Mittendrin-Weinen, das da ist, wenn etwas gerade geschieht oder sich etwas erschließt und zum ersten Mal erfasst und berührt wird. Das Weinen danach und darüber ist anders. Nicht minder tief, aber ruhiger irgendwie. Umfassender. Ganzheitlicher. Größer.

Gefühlt ist da ein riesengroßer Bogen geschlagen. Der letzte Kampf, den ich in den letzten Jahren als Erwachsene erlebt habe - mir einen emotionalen Landeplatz bei engen Bezugspersonen "erarbeiten müssen" - war auch mein erster Kampf, der erste meines Lebens. Diese Fünfjährige hat (spätestens) damit angefangen, in ihrem Umfeld darum zu kämpfen, dass sie mit ihrem Empfinden Platz haben kann. Sie hat aufmerksam gemacht, sie hat sich gewehrt, sie hat versucht zu erklären, sie hat vehement von sich gewiesen, sie hat versucht, die anderen dazu zu befähigen, wollte deren emotionale Gefäße weiten, sie mit sich in Kontakt bringen, ihnen ihre Verantwortung klar machen. Natürlich ohne Erfolg.

Was für ein starkes, schlaues, zähes Mädchen. Sie hat sich nie ganz verlassen. Sie hat nicht wirklich angefangen gegen sich selbst zu kämpfen, sondern im Außen dafür, dass sie Raum bekommt. Sie musste hart werden, in dem Bemühen einen sicheren Rahmen zu schaffen, in dem sie endlich weich und verletzlich sein kann. Sie wollte nie hart sein. Ganz im Gegenteil. Sie wollte einfach nur in ihrer fühlenden Ganzheit da sein, mit ihrem ganzen, weiten Wesen, mit ihrem offenen, großen Herzen und nicht ständig die emotionale Begrenztheit und Zerstückelung der anderen, als ihre Grenzen akzeptieren müssen, nicht ständig Pfeile und Messer abbekommen, die andere in ihrem Kampf gegen sich selbst auf sie abgefeuert haben.

Das war (?) der Kampf meines Lebens. Immer. Wenn ich keinen Erfolg hatte und gehen konnte, bin ich gegangen. Überall. Die emotionale Heimatlosigkeit ist geblieben. Der Landeplatz hat wieder gefehlt. Ich war gut mit mir da, war mir selber dieser Landeplatz mehr und mehr geworden, aber das schien nie zusammen mit engen Bezugspersonen zu gehen. Nie war deren Welt groß genug für meine. Nie konnten sie in meine innere Welt, in meine emotionale Welt, ich musste für ein Minimum an Kontakt in ihre, was mir sehr leicht fiel, schon immer. Die Sehnsucht nach einem Raum, in den ich hineinpasse, während ich emotional komplett bei mir bin und bleiben kann, blieb.

Das große Bild liegt also vor mir. Vor mir als Erwachsene. Vor der Fünfjährigen. Darin alle Schichten, Facetten, Zusammenhänge, Dynamiken, Gefühle, Herausforderungen, mit denen ich im Zuge dieses Kampfes je zu tun hatte. Der Grund für den Kampf an sich, ebenfalls aufgeschlüsselt. Das ganze "Spiel". Der Urkampf. Das Grunddilemma und alles, was darauf aufgebaut hat. Durchdrungen, durchfühlt, in umgekehrter Reihenfolge.

Es war in Wahrheit nie richtig und natürlich, dass ich das, was ich empfunden habe, meine gefühlte, emotionale Wahrheit, verlassen musste, um einer anderen von außen zu folgen. So war es nie gedacht vom ursprünglichen Leben. Mein pures Empfinden, das da war, war nie das Problem. Diese Verknüpfung von „mein Empfinden führt zu Problemen im Außen und bringt damit wiederum mich in Schwierigkeiten“ ist nicht korrekt. Es ist nicht korrekt, dass das Problem, das die anderen damit hatten, letztlich zu meinem wurde. Es ist richtig, dass ich in und bei mir bleibe. Einfach nur richtig.

Da ist Ehrfurcht. Staunen. Betroffenheit. Mitgefühl. Stolz. Eine gewisse Heiligkeit und unglaublich viel Ruhe. Es fühlt sich groß an, was da "geschieht", geschehen ist, was das bedeutet. Es wird Auswirkungen haben - dessen bin ich mir sicher - von denen ich noch keine Ahnung habe.

Es ist erstaunlich und irgendwie so bezeichnend, dass ausgerechnet jetzt, an diesem Wochenende, an dem sich dieser unglaublich große Kreis geschlossen hat, meine Bank, bei der ich mein Konto habe, seit ich 16 Jahre alt bin, eine Fusion vollzieht und ich eine neue Kontonummer bekomme. Das erste Mal in meinem Leben. Das Bankkonto, das ich damals eröffnet habe, als ich meine Ausbildung begonnen habe und damit meine erste „Flucht“, gibt es nicht mehr. Ich wollte damals einfach nur Geld verdienen, um möglichst schnell von zu Hause ausziehen zu können, weg von dem Feld, das mir so gar kein emotionaler Landeplatz sein konnte. Mit diesem Bankkonto ist unglaublich viel verbunden. Genau dieser Kampf. Meine schier endlose Suche. Mein ganzes „altes“ Leben, das doch die Basis von allem Neuen ist. So auch nun mit dem Konto. Die kleine Bank wird in eine größere integriert. Das Alte geht in etwas Neues über, ist darin unweigerlich enthalten und dennoch wird es ganz anders weitergehen.

Da bin ich also. Im Grunde ist nichts anders und gleichzeitig irgendwie alles. Eine Welle, in der ich mich (ein großer (?) Teil von mir) Zeit meines Lebens befunden habe, hat mich gefühlt ausgespuckt und an Land gespült. Ich hab Boden unter den Füßen, weiß endlich wieder, wo oben und unten ist. Der Kopf schwirrt noch ein wenig. Mir ist noch etwas schwummrig von dem Wirbel. Aber da ist fester Boden. So fühlt es sich gerade an.

Damit will ich es für den Moment bewenden lassen. Ich danke jedem Einzelnen, der dazu beigetragen hat – angenehm und unangenehm – das alles zu durchdringen, jede Schicht zu berühren, zu nehmen und da durch zu kommen. Endloser Dank für diesen Dienst. Endloser, ewiger Dank.



Montag, 6. Oktober 2025

Der einzige "Fehler" ist, dass ich denke, da wäre einer

Ein intensiver Prozess hat in den letzten Stunden einen Anteil zutage gebracht, der immer wieder an seiner Unschuld gezweifelt hat. Er wurde verletzt und verletzt und konnte für all die Verletzungen nichts und dennoch war da ein Zweifel an sich selbst. Ich mag euch mit auf die Reise nehmen und teilen, was sich bisher an Glaubenssätzen, Dynamiken und Erkenntnissen gezeigt hat:

Da war die kindliche Idee: Ich bin erst unschuldig, wenn der andere Seins nimmt.

Noch stimmiger und richtiger ist: Meine Unschuld ist erst dann wirksam, wenn der andere Seins nimmt. Da ist sie ja schon die Unschuld. Das ist genau das, was mich an- und umtreibt, dass ich zum Großteil um meine Unschuld weiß.

Im Grunde rufe ich (der Anteil) mit jeder Aktion und in jeder Auseinandersetzung immer nur: "ICH BIN UNSCHULDIG!!!! Siehst du es endlich auch? Ich kann für deine Wunden nichts."

Dieser Teil will, dass meine Unschuld anerkannt wird und dass sich damit auch das Verhalten des anderen mir gegenüber ändert.

Mir wurde erzählt, dass mein Schmerz mein Verschulden ist oder der andere nicht anders kann, als mir aus 1000 Gründen weh zu tun. Also per se keine Verantwortung dafür hat. Also entweder bin ICH schuld an meinem Schmerz oder halt keiner und ich muss mich damit abfinden, dass es halt weh tut.

Dieses „nicht anders können“ der Erwachsenen aus meiner Kindheit ist eine krasse Opferhaltung. Dieses eigene Opfersein machte sie automatisch zum Täter, was sie überhaupt nicht so empfanden, und für diese Taten mussten sie sich dann auch nicht verantworten. Weder vor sich noch vor mir. Sie hatten ja keine andere Wahl. Da ist riesige Wut in mir über diese Art der Verantwortungslosigkeit und der schlichten Hinnahme, dass mir weh getan wurde. Es fühlt sich an wie ein „sich aus der Affäre ziehen“. Ich musste für alles gerade stehen, auch für das der anderen und die anderen mussten für nichts gerade stehen. Das ist nicht nur ungerecht. Das ist Hochverrat aus den eigenen Reihen. Den schwächsten ans Messer liefern.

Was hinzu kommt ist, dass ich als Kind natürlich bemerkt habe, dass es dem anderen offensichtlich schlecht ging, ganz grundsätzlich, und ich hab mich immer gefragt, ob ich nicht doch etwas damit zu tun habe.

Dieses Gefühl „etwas“ an den Umständen noch nicht begriffen zu haben, noch nicht gesehen oder verstanden, war und ist immer wieder der Punkt, an dem ich mich verunsichern lasse und selbst an meiner Unschuld zweifle. Genau da könnte nämlich der Punkt sein, wo ich doch schuld bin. Schuld, dass es dem anderen schlecht geht. Schuld, dass er mir deswegen weh tun muss. Die Wahrheit ist, dass alles, was ich noch nicht begriffen habe, im anderen liegt. Ich habe den anderen noch nicht begriffen und auch noch nicht gegriffen, weil er sich nicht greifen lassen will. Er verschleiert, argumentiert, verwirrt, versteckt sich hinter Rollen und scheinbaren Zwängen. Er tritt mit seinen ganz eigenen Entscheidungen, sich all dem zu beugen, mit seiner Angst, mit seiner empfundenen Ohnmacht, mit dem empfundenen Minderwert nicht in Erscheinung. Er macht sich stattdessen groß in seiner Rolle mit der Übermacht, der er eigentlich unterliegt, im Rücken. Er gibt seinen Druck an mich weiter, ohne selbst darin „angreifbar“ zu sein.

Ich bin greifbar, werde zur Verantwortung gezogen, soll als Kind etwas übernehmen, zu dem die Erwachsenen nicht in der Lage sind: Verantwortung. Auch heute bin ich greifbar, ich bin von mir selbst begriffen und zutiefst erforscht, bereit immer weiter zu forschen und zu 100 % in meiner Verantwortung. (Danke für jede ehrlich erspürte Rückmeldung dazu, jeden Wahrnehmungsabgleich, ohne die ich nicht so hier stehen könnte!) Damals wie heute mache ich die Erfahrung: Der andere will sich weder selbst greifen, weil er nicht sehen und fühlen will, was da dann wäre und möchte sich auch nicht von anderen/mir begreifen lassen, weil dann klar wäre, dass er für seine Handlungen Verantwortung übernehmen müsste und klar wäre, dass mein Schmerz etwas mit ihm zu tun hat. Ganz konkret mit ihm.

Immer wieder ist da in den letzten Tagen krasse Übelkeit in mir und es spürt sich an, wie etwas, das mir reingedrückt wurde, das ich fressen musste, was tunlichst da wieder raus muss. Hierzu kam der Satz: "Nimm du das Schlechte an mir." Wie wenn mir gerade von meiner Mutter alles reingedrückt wurde, was sie an „schlechten“ Eigenschaften nicht an sich haben wollte, damit sie es an mir bekämpfen konnte.

Es gibt ziemlich viel auszukotzen und eine Wahrheit, die Gott sei Dank, so langsam bei diesem Anteil landet: ICH BIN UNSCHULDIG! Und das muss ich nicht beweisen. Vor allem mir selbst gegenüber kann ich aufhören, die Unschuld immer wieder erst aufs Neue beweisen zu müssen. Und ich kann aufhören, im Müll der anderen, meinen Fehler finden zu wollen, um dann nach stundenlangem Suchen festzustellen, dass das alles gar nicht mir gehört. Der einzige Fehler ist, dass ich denke, da wäre einer und den ganzen Misthaufen des anderen überhaupt erst in die Hand nehme.

Meine Kleine beruhigt sich mehr und mehr. Ein jahrzentelanger Schmerz kann da sein. Ein Kampf mehr findet wohl gerade beginnend ein Ende.

(Danke von Herzen, Michael, dass du mal wieder zur genau richtigen Zeit sowas von DA warst, mir Raum bist und hältst, mich in Frage stellst und mein mich in Frage stellen in Frage stellst. Danke für deine Klarheit, dein Vertrauen, dein mich Sehen und Erfassen, dein Forschen und deine Offenheit. Danke für diesen unfassbar wertvollen Dienst.❤️)



Dienstag, 16. September 2025

Schwächt es dich oder stärkt es dich

Schwächt es dich oder stärkt es dich? Ich meine langfristig. Manche Erfahrungen/Situationen/Umstände scheinen auf den ersten Blick abstrus, anstrengend, herausfordernd und dennoch stärken sie auf längere Sicht.

Auch wenn es zwischendurch echt haarsträubend ist, so dienen sie dem Wachstum, der Erkenntnis, der Heilung, der Bewusstwerdung und ich kann immer wieder deutlich spüren, wie sie mich reifen lassen, meinen Blick schärfen, mich begreifen und verstehen lassen. Wie ich immer selbstbewusster, ganzer, voller, aufgerichteter, klarer und kraftvoller werde.

Ja, es gibt Umstände und Situationen, die sind insgesamt über kurz oder lang schlicht zu verlassen, wenn ich die Prämisse habe, ganz zu mir zu kommen, in meine Kraft, und dennoch wird es auch da erst möglich sein, wenn jede Erfahrung gemacht ist und die "Anziehung", das Bleibenwollen, das Wiederhingehen aufhört, "von alleine", nach dem alles erledigt ist, wenn ich wach darin da bin. (Also dieses „von alleine“ beinhaltet, dass die Lernaufgaben gemacht sind.😉) Dann verlasse ich genau genommen nicht wirklich Umstände und Situationen, sondern bin schlicht fertig mit der Erfahrung und die Umstände verlassen mich.

Die entscheidende Frage ist also: Bin ich in meinem Erleben wach und bewusst? Da, wo ich mich befinde? Bin ich tatsächlich da, wo ich mich befinde, bei meinen Gefühlen und dem, was wirklich geschieht oder bin ich in einer Geschichte und ignoriere mein echtes Fühlen und Empfinden?

Keine Erfahrung ist an sich verkehrt. Keine Erfahrung stärkt oder schwächt per se. Die Frage ist, ob ich darin ganz da bin, mich mitbekomme, für mich sorgen kann, mich selbst begleiten und halten. Das entscheidet darüber, ob sie mir dient oder mir schadet. Ob sie mich stärkt oder schwächt. Nicht die Erfahrung an sich, sondern wie ich darin da bin: mit mir oder ohne mich.

Es gibt aus meiner Sicht im übergeordneten Sinne keine sinnlosen Erfahrungen, keine überflüssigen, keine, die zu lange dauern oder nicht hätten sein sollen. Irdisch, menschlich bedeutet das halt dann entsprechend was, je nach Bewusstheit, je nach übergeordneter Wahl, je nach irdischer Wahl.

Das Leben bringt mich niemals in Schwierigkeiten. Es führt mich dahin, wo ich wachsen kann/könnte und hält mich so lange, bis der Prozess vollendet ist. Wie bin ich darin da? Führt mich gerade das kleine Ich und möchte kurzfristig ein gutes Gefühl, gelenkt von Absicht und Ergebnissen, von Angst, innerhalb einer Geschichte oder führt mich die höhere Weisheit? Was ist der Maßstab? Wachstum, Reflexion, Bewusstwerdung, Selbsterkenntnis, Reifung, Veränderung, Leben, langfristige Erstarkung? Oder Vermeidung, Kontrolle, Angst, Anhaftung, Behaltenwollen, Wegschauen, Ignorieren, Selbstbetrug, Überleben, Selbstgewalt?

Das beobachtende, präsente Bewusstsein, der Blickwinkel, die Haltung entscheiden darüber, was ich in der Erfahrung erfahre, ob sie mich bereichert oder auslaugt. Ob ich wachse oder verkümmere. Ob ich fühle oder leide. Ob ich mich selbstwirksam oder ohnmächtig erlebe, frei oder gefangen.

Und ich mag nochmal sagen, keine dieser Erfahrungen ist zu verurteilen. Kein Bewusstheitsgrad ist besser oder schlechter als der andere. Es ist. Unterschiedliche Blickwinkel, unterschiedliche Erfahrungen, gleich gültig. Ursache, Wirkung. Ausrichtung, Konsequenz.



Dienstag, 2. September 2025

Wenn der Zweifel das Nein verhindert

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will. (Jean-Jacques Rousseau)


Das Zitat berührt mich im Herzen. So sehr! Nicht tun müssen, was ich nicht will! Ja!!! Ja zum Nein!!! Mein Nein ist meine Freiheit!

Nein sagen. Ich kann es „eigentlich“ echt gut. Und doch, manchmal hakt es da tatsächlich noch in mir, gerade wenn es ums Zuhören geht. Wenn gesprochen wird, ohne die Verbindung zum Herzen, ohne die eigene Berührtheit, ohne Selbstkontakt und ich der Angesprochene bin, der Empfänger des Ganzen. Wenn es vom anderen nur Worte sind, die er selbst nicht spürt. Ich nicht gespürt werde. Der Moment nicht gespürt wird. Der gemeinsame Raum und was darin JETZT wirklich wesentlich ist, nicht gespürt wird.

In meinen eigenen Räumen, die ich immer wieder für Begegnung aufmache, hab ich mir die Erlaubnis zu meinem Nein erarbeitet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es war ein Weg, brauchte viele Übungsfelder und Herausforderungen. Da ist es mittlerweile selbstverständlich.

In meiner Beziehung mit Christian hab ich mir die Erlaubnis zum Nein erarbeitet. Erarbeitet nicht deswegen, weil er es mir nicht einräumen wollte, sondern erarbeitet deswegen, weil es Teile in mir gab, die nicht durften, denen es als Kind verboten war, ihren Raum zu haben, Grenzen zu haben, sich vor emotionalem Missbrauch zu schützen, die zuhören mussten, herhalten und brav aushalten, bis es vorüber war und der andere mich nicht mehr "brauchte".

In Begegnung mit Menschen "in freier Wildbahn" - also außerhalb von klar vereinbarten Räumen und Beziehungen - die zu Monologen neigen, jede Chance nutzen, um mit ihren Wortschwällen loszulegen, die das Feingefühl einer Dampfwalze haben, mir das Missbräuchliche sofort offensichtlich ist und mein Nein beim anderen eher Angriff und Empörung auslöst, ist meine Erlaubnis zum Nein und sogar zur Unfreundlichkeit und zum kompletten Ignorieren des anderen auch da. Kein Ding. Und ich genieße meine Brummigkeit und mein Knurren, die den anderen automatisch auf Abstand halten, sogar.

Bei mir hängt es, wenn mir der andere wichtig ist, wenn ich spüre, dass da eine Sensibilität und Verletzlichkeit da ist, wenn ich mit meinem Nein und dem "mir geht es gerade nicht gut in unserem Kontakt" einen wunden Punkt treffen würde. Wenn ich das Gefühl in ihm auslösen würde, dass er was falsch gemacht hat oder falsch ist. Wenn ich ein Minderwertigkeitsgefühl auslösen würde. Dann gibt es da wie ein Verbot in mir, Stopp sagen zu dürfen. Dann darf ich nicht für mich sorgen, dann darf ich mich nicht schützen. Dann darf ich nicht unterbrechen. Dann muss ich es über mich ergehen lassen und warten bis es vorbei ist. So zumindest tickt dieser Anteil in mir.

Er bringt mich in eine Handlungsunfähigkeit und ein Ausgeliefertsein. Alles in mir weiß, dass da was nicht stimmt, dass es gerade unwesentlich ist und der andere nicht fühlend präsent, abgetrennt von sich selbst und damit von mir und dem Raum. Da ist Unwohlsein. Da ist Unruhe. Da ist vielleicht sogar Langeweile. Der Bauch ist eng. Ich spann mich an. Beiß die Zähne aufeinander, verziehe das Gesicht. Aber sagen darf ich nichts.

Wenn ich dem weiter nachspüre, dann fühlt es sich an, als dürfte dieser Anteil nicht der Auslöser, der Verursacher von Schmerz sein, mit dem der andere dann nicht umzugehen weiß. Etwas in mir scheint zu spüren, dass der andere sich darin nicht halten könnte und ich deswegen mein Leid in Kauf nehmen muss, weil der andere seinen Schmerz nicht erträgt. Ich fange ihn ab den Schmerz des anderen. Ich trage etwas für den anderen. Ich ERtrage etwas für den anderen. Ich kann es sogar. Ich bin robuster. Das ist wahr. Und dennoch geht es mir schlecht, ich stelle meinen Raum zur Verfügung, damit der andere nicht an seiner Wunde berührt wird, damit er darunter nicht zusammenbricht und damit ich nicht die Enttäuschung in den Augen des anderen sehe, wenn ich seine Erwartungen nicht erfülle. Ein Blick, der mir alle Verantwortung für das Wohlbefinden des anderen und meine Rücksichtslosigkeit vermittelt. Ein Blick, der sagt: „Ich leide und DU könntest das so leicht ändern.“ Dass ich dafür etwas tun müsste, was ich nicht will, wobei ich mich nicht wohl fühle, ist dem anderen völlig egal. SEINE kurzfristige Erleichterung zählt. Ich komme mit meinen Bedürfnissen und meiner Unversehrtheit darin nicht vor. Und alles in mir fühlt, dass ich das alles ertragen könnte, aushalten, von ihm weghalten. Da kommt auch eine Stimme, die sagt: „Ach komm, stell dich doch nicht so an. Es ist doch eigentlich gar nichts. Was du wieder hast?“ Pfui Teufel wird mir schlecht.

Ich hab die ganze Zeit die Beziehung zu meinem Vater sehr präsent. Und da kommt mir wieder der Satz von neulich: „Ich sehe dich (mit deinem Schmerz) und ich trage dich nicht weiter.“ Gleichzeitig merke ich, dass ich den Punkt noch nicht ganz erwischt habe, was diesen Teil nicht Nein sagen lässt. Da ist immer noch Starre, Ausharren, Schweigen, Handlungsunfähigkeit. Wie wenn immer noch ein Verbot wirkt. Oder das Schlimme daran von mir selbst noch nicht anerkannt ist. Wie wenn mein Unwohlsein noch keine Berechtigung zugesprochen bekommen hat. Mhmmm… Der letzte Satz löst Berührung in mir aus. Da kommt etwas in Gang. Die Tränen steigen auf und die Kleine sagt: „Das ist voll schlimm“ und will sich in starke Arme werfen, Arme von jemandem, der sieht und versteht, der das alles auch erkennt und anerkennt.

Jetzt weint es. In warmen Armen. Christians Arme. Fühlend verstanden und begriffen. Gehalten. Schützend umfangen. Erfasst und bestätigt. DAS hat immer gefehlt. Dass da mal jemand von außen drauf schaut und die Verdrehungen erkennt, sie bestätigt. Da war immer der Zweifel. Himmel!!!!! Der Zweifel war das Problem. Jetzt weint es noch mehr. Jetzt fließt es richtig. Der Zweifel hat mich nicht Nein sagen lassen. Ich könnte mich täuschen. Ich könnte dem anderen unrecht tun. Ich könnte unfair sein. Ich könnte das alles einfach nur falsch verstanden haben, mich täuschen mit meinem Unwohlsein. Das Problem könnte bei mir liegen. Keine Möglichkeit für einen Abgleich. Niemand da, der ehrlich reflektiert und Seins zu sich nimmt. Niemand da, der außerhalb von all den Mustern und Dynamiken da ist, mit Feingefühl und die Situation tatsächlich erfasst, die Sachlage erkennt. Kein Referenzpunkt, kein wahrhaftiger Bezugspunkt, kein Wahrnehmungsabgleich möglich. Ich allein mittendrin in all den Verdrehungen und immer die „Gefahr“, dass ich falsch liege mit dem Gefühl, dass da etwas sowas von nicht stimmt. Ich war ja die Einzige damit.

Und jetzt fällt mir etwas ein, was mir heute Morgen so klar wurde. Wir alle waren im Grunde als Kind Opfer einer riesigen Verschwörung. Die Verschwörung der Unmenschlichkeit. Alle waren unmenschlich und abgetrennt da, unnatürlich und haben uns kleinen, fühlenden, berechtigterweise alarmschlagenden Wesen weis machen wollen, dass wir uns täuschen, dass so halt Leben geht und unsere Probleme mit dieser schreienden Unmenschlichkeit nur an uns lägen. Das einzige fühlende, menschliche Wesen weit und breit und der Fehler wurde uns zugeschrieben. Darin waren sich alle einig. Eltern, Schule, Ärzte, Kirche, etc… DAS ist Gaslighting im ganz großen Stil und eine Verschwörung, die sich seit Generationen durchgezogen hat. Möglich gemacht durch Trauma. Halleluja!

Da wird mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, uns gegenseitig die Welt wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen und uns gegenseitig saubere Spiegel zu sein, die wir als Kind nie hatten. Mit dieser Bestärkung wird das Nein ermöglicht, das es so dringend braucht, um all diesen Missbrauchs-Wahnsinn zu beenden. Donnerwetter! Was für ein Prozess und was für eine Erleichterung, wenn der Punkt getroffen ist. DANKE!!!!!


Donnerstag, 21. August 2025

Es geht ums Erinnern

Ich kann nichts werden. Ich bin es bereits. Ich hab wahrscheinlich gründlich vergessen, dass ich es bin. Es gilt lediglich, mich zu erinnern.

Ich bin, was ich suche. Ich bin, nach was ich mich sehne zu sein, doch während ich von der Abwesenheit ausgehe oder glaube erst dahin kommen zu müssen, kann ich nicht wahrnehmen, dass ich schon da bin, dass ich es bereits bin.

Alles, was mich von der Erfahrung abhält, ist die Idee der Trennung davon.

Das "Doofe" ist, dass wir als Kinder Erfahrungen gemacht haben, die so überhaupt nicht adäquat gespiegelt haben, wer wir wirklich sind und aus diesen Erfahrungen haben wir - "leider" - natürlich Rückschlüsse über uns gezogen oder uns wurde direkt eine Lüge nach der nächsten über uns erzählt, ohne dass wir selbst Rückschlüsse ziehen mussten.

Auf meinem Weg des Erinnerns habe ich erfahren wie unterschiedlich sich Lüge und Wahrheit über mich in mir anfühlen und zu unterscheiden gelernt. Selbstbildkorrektur. Selbstbildkorrektur. Und wieder Selbstbildkorrektur war/ist dran.

Für mich ist es wahr: It's all about remembering who you really are.

Es geht nur und ausschließlich darum, mich zu erinnern, wer und was ich wirklich bin, den Teilen in mir von der Wahrheit zu erzählen, die im Irrtum leben.

Wenn ich um mich und mein wahres Sein weiß, fühle ich mich nicht unwürdig, wertlos, ungeliebt, unnütz, ausgeschlossen, vergessen, unerfüllt, sinnlos, unsicher, arm, etc., egal wie die Umstände sind.

Ich bin nicht erpressbar, nicht manipulierbar. Ich bin unerschütterlich in mir. Als Individuum eingebettet ins große Ganze.


 

Dienstag, 19. August 2025

Die Feuerfrauen

Da sind wir also wieder – in einem Kreis, in dem die Wahrheit das Gesetz ist, in unserem Kreis. Der heilige Kreis der Schwestern. Die Schwesternschaft ist gefühlt noch einmal anders wiedergeboren. Wiederbelebt. Zurückerobert. In der Meisterschaft. Mit aller Ernsthaftigkeit. Hat noch mehr Kraft und vor allem Stimme bekommen. Eine neue Stufe ist erreicht. Gott sei Dank!

Wir erzählen uns gegenseitig von der Wahrheit, wenn eine droht von der Lüge verschluckt zu werden. Wir erinnern uns an unsere Würde, wenn bei einer das alte Gift des Zweifels wieder wirkt und sie droht zu vergessen, wer sie in Wahrheit ist. Wir reichen uns gegenseitig die Hand, wenn eine strauchelt, behalten uns im Blick, setzen uns weinend zusammen, sind gemeinsam bestürzt, bezeugen gegenseitig das Unrecht, fühlen tief das Gesehene, das Geschehene und doch sind wir gleichzeitig wach, beobachtend, schlicht sehend, klar, neutral, bei uns. Niemand ist außer sich. Wir fühlen verankert, präsent und bewusst.

Wir retten nicht. Wir wollen es nicht ändern. Wir erlösen durch Seinlassen. Die Erlösung ist logische Konsequenz des Erkennens von einem Zweiten, des (Mit)Fühlens, des Benennens und Anerkennens.
Wir gehen nicht gemeinsam unter, ziehen uns nicht runter. Wir durchwandern und erschließen miteinander unsere Tiefen. Es braucht ein zweites, fühlendes Wesen da unten.
Wir jammern nicht. Wir fühlen das, was der Moment bereithält und erfordert, erwachsen durch.
Wir reden uns nicht nach dem Mund. Wir gleichen Wahrnehmung ab.
Wir folgen keinen Konzepten und wir bauen auch keine neuen. Wir erspüren die Energien im Raum, die Natur eines Wesens, die Qualität einer Verbindung, die energetischen Zusammenhänge eines Systems, das, was eben spürbar da ist.

Wir tun, was getan werden will. Gehen an die dunkelsten, unwirtlichsten Orte, weil wir spüren, dass es stimmt, dass es dran ist, dass das Leben das von uns will, oft ohne zu wissen, wozu das gut. Wir sind da und bereit.

Wir folgen nicht den Annehmlichkeiten, Bequemlichkeiten, Vorzügen, der Norm oder Etikette. Wir folgen nicht der kurzfristigen Erfüllung von unreflektiertem Begehren oder kindlichem Weghabenwollen. Wir folgen der Stimmigkeit, dem tiefen inneren Ruf, auch wenn es noch so unbequem wird.

Wir leben unsere Ganzheit, unser Feuer genauso wie unsere Sanftheit. Was wir sehen, was in uns wahrnehmbar ist, liegt in unserer Verantwortung und bedarf eines weisen Umgangs. Sprechen? Handeln? Schweigen? Sehen? Anerkennen? Je nachdem. Und doch ist gerade jetzt sehr oft unsere Stimme gefragt. Wir fordern Echtheit und Ehrlichkeit ein. Wir fordern Menschlichkeit ein. Wahrhaftigkeit. Die Kongruenz von Innen und Außen. Natürlichkeit. Wir benennen das, was nicht in der Ordnung ist. Wir benennen das, was nicht wahrhaftig ist. Was die anderen daraus machen, liegt nicht in unserer Hand. Wir können nur sagen: „Hier stimmt was nicht.“ Wo keine Bereitschaft zu Tiefe, Reinheit, wahrhafter Begegnung und Wesentlichkeit ist, gehen wir weg.

Wir diskutieren uns unser Feuer nicht weg. Wir beruhigen uns nicht gegenseitig. Wir erinnern uns gegenseitig an unser Feuer, feuern uns an, geben uns einander die Erlaubnis dafür, sprechen uns frei, erheben uns. Da ist Freude am Feuer, an der eigenen Kraft und Klarheit, am Klang der volltönenden Stimme, am Tosen und Toben, am Zürnen und ganz Verkörpern, da ist Bereitschaft zu jedem Aspekt des Seins, Annahme eines jeden Gefühls, ein Ja zu jeder Facette, Wissen um die Stärke, die aus der Ganzheit resultiert.

Mal sind wir der Sturm selber, mal das ruhende, sehende Auge des Sturms. Je nachdem, als was wir gebraucht werden, was unser innerer Ruf, unsere innere Wahrheit gerade ist.

Wir saugen uns gegenseitig das Gift aus, ziehen die Stachel aus dem Fleisch. Rücken die Dinge gerade, ins rechte Licht, beschauen gemeinsam, korrigieren unsere verzerrten Selbstbilder, finden zurück in die Wahrheit, in die Natürlichkeit, zu uns.

Wir sind einander reine Spiegel. Wir erkennen ineinander das Geschenk, das wir sind. Erkennen unsere Unschuld, unsere Reinheit, die Göttlichkeit, die Liebe, die wir sind, das wahre Wesen. Wir erkennen den Segen im jeweils anderen. Miteinander gehen zu können, dem anderen lauschen zu dürfen, die Felder durch einander erweitern zu können, ist Segen. Wir sind einander Licht und Wärme, Halt und Ermutigung, Erweiterung und Ergänzung.

In der zurückgewonnen, ursprünglichen Reinheit sind wir die unbefleckte Empfängnis, können das Leben selbst rein empfangen, die Dinge rein wahrnehmen, ohne Filter, ohne Verzerrung, ohne blinde Flecken. Wahre Ganzheit.

Damit sind wir Gradmesser für Menschlichkeit. Führend in unklaren Räumen und Beziehungen. Roh, direkt, am Puls des Moments, Seismografen, frei von Wissen, aus dem reinen Gefühl, aus dem unverfälschten Fühlen geben wir Rückmeldung, reagieren menschlich.

Wir haben uns wieder. Stehen nicht mehr alleine. Sind nun tief verstanden, gesehen und erkannt in den Herausforderungen dessen, was es heißt in dieser Welt die Liebe zu sein. Wir haben uns gegenseitig wahr werden lassen. Wir erschaffen mit jedem Schritt ins Ungewisse gemeinsam einen Weg, den wir eigentlich gar nicht kennen, Schritte aus tiefstem Herzen erfühlt und daher in allergrößter Sicherheit. Der Weg führte uns auf diese Weise zusammen. Wo er uns noch hinführt, werden wir sehen, beim Gehen. Auf jeden Fall hat unser Sein Bedeutung und Wirkkraft, ich glaube mehr als wir jetzt schon erahnen.

Danke, dass wir wieder da sind. Beieinander! Füreinander! Miteinander! Die Feuerfrauen.

"Dass wir das erleben dürfen, dass wir nicht so weit verstreut sind, dass wir einander jetzt nahe sein können und Kraft und Licht und Wahrheit halten können.“ Barbara

Ja, ein Wunder und doch so natürlich.

(Dieser Text ist im Grunde ein Gemeinschaftswerk aus unserem gemeinsamen Ergründen und Sprechen, Befühlen und Ergänzen, über Wochen beobachtet, zusammengetragen, erschlossen und jetzt von mir getippt. DANKE Barbara, DANKE Maike, DANKE Kathi!)



Mit einer übergeordneten Wahrheit wird ganz oft das eigene Feuer gelöscht

Mit einer übergeordneten Wahrheit von den eigenen Gefühlen wegzugehen, ist nicht spirituell und das ist auch nicht reif oder weise. Das ist Gewalt gegen mich selbst. Ich verlasse mich, wenn ich sofort zu dieser höheren Wahrheit gehe und nicht vollumfänglich erfasse, was eigentlich in mir los ist. Damit diskutiere ich mir quasi selbst meine eigenen, echten Gefühle weg, verpasse noch dazu eine Gelegenheit, mir tiefer zu begegnen, noch mehr über mich zu erfahren und - und das ist für mich fast das Schlimmste - ich gehe von meiner gesunden, angebrachten Wut weg, lösche mein eigenes Feuer und nehme mir meine eigene Autorität.

"Oh, er kann es halt gerade nicht besser." Verdammt noch mal. Ich wurde gerade von jemandem innerlich verlassen. Das tut weh. Das macht was mit mir. Und das gilt es wahrzunehmen. Für wahr zu nehmen, anzuerkennen und in mir fühlend bewusst zu haben. DAS bedeutet das gerade für mich. Ich kann den anderen nicht mehr erreichen. Ich bin alleine, obwohl jemand da ist. Es kann gerade keine Verbindung stattfinden und das liegt nicht an mir. Ich bin ohnmächtig und das Ganze ist tatsächlich furchtbar traurig. So richtig, richtig traurig. Und da ist der Wunsch in mir, dass es anders ist. Da ist das grundsätzliche Bedürfnis das so nicht zu wollen. Das ist nicht das, wie ich mir ein Miteinander vorstelle. Ich bin zu Präsenz in der Lage. Ich will mit Menschen sein, die das auch sind. Diese Präsenz ist gerade nicht da. Das ist nicht änderbar. Ich spüre in mir nach, was ich jetzt mit dieser Tatsache anfangen möchte. Ich könnte gehen. Ich könnte all das aussprechen. Ich könnte einfach sitzen bleiben und all das wahrnehmen und fühlen. Anerkennen, dass es jetzt gerade so ist und dass ich das dazu fühle, was ich eben fühle. Ich beobachte meine Gedanken, ohne sie zu zensieren. Ich bin bei mir. Und ja, der andere kann es gerade nicht besser, das heißt aber nicht, dass ich meine Gefühle nicht haben darf, dass ich nichts sagen darf, dass ich es hinnehmen muss und damit klarkommen muss, dass ich keine abweichenden Bedürfnisse haben darf. Auch wenn sie jetzt nicht erfüllbar sind, nehme ich wahr, dass sie da sind und bügel nicht über mich selbst drüber.

"Das sind ja auch Gottes Geschöpfe." Ja, das ist wahr. Aber sie verhalten sich gerade nicht so, als würden sie das wissen. Sie handeln aus der Trennung. Sie befinden sich in der Trennung und deswegen sind sie zu Gewalt in der Lage, ohne es zu bemerken. ICH bemerke diese Gewalt und das macht was mit mir. SO fühlt es sich an, wenn ich Gewalt beobachte, Unrecht, Unterdrückung, Ignoranz, Achtlosigkeit. Das geht nicht spurlos an mir vorüber. Ich bin ein fühlendes Wesen, das voll in der Verbindung ist und ALLES wahrnimmt, wie wenn es mir geschieht. So sind wir eigentlich angelegt und nur wenn ich mich selber abtrenne, verlasse und dumpf mache, von mir weg gehe, bin ich in der Lage zu sagen: Ach, das sind doch auch Gottes Geschöpfe. In dem Moment habe ich mich verlassen, wenn eigentlich Schmerz in mir ist. Wenn Wut in mir ist, die voll berechtigt ist. Seelenwut, die da ist, wenn etwas nicht in der Ordnung ist. Wenn es in mir brodelt und tobt, mir es schier das Herz zerreißt, bei dem Anblick, wenn zum Beispiel ein Vater sein weinendes Kind anschreit und fragt, ob es ihn eigentlich verarschen will. In solchen Momenten bin ich ganz bei mir. Fühle mich, während ich beobachte. Fühle und sehe die Not des Kindes, des Schutzbefohlenen, das hilflos ausgeliefert ist, das nicht verstanden wird, das null erfasst wird und niedergebügelt und dadurch noch mehr in Not kommt und darin wieder nicht erfasst wird. Ich sehe darin das, was mir so oft passiert ist, verstehe mich dadurch noch besser. Mit solchen krassen Situationen war ich tausendfach konfrontiert. DAS ist mir widerfahren. Jetzt sehe ich es von außen, vollziehe nach, begreife mich. Ich sehe dieses Kind. Ich sehe mich. Und ich kenne auch das Fühlen des Erwachsenen. Ich war früher genauso da. Dachte, dass Kinder einfach nur kleine Erwachsene sind und mich testen wollen, verarschen, mit Kalkül foppen und reizen und an der Nase herumführen können. Auch das nehme ich wahr und bin erschüttert, erinnere mich an Situationen mit meinen Nichten, bin betroffen und muss feststellen, ich wusste es nicht besser. Ich konnte es nicht besser. Das war damals meine Wahrheit. Und gleichzeitig bin ich jetzt betroffen darüber, sehe, fühle, was tatsächlich gewesen ist, was die Zwerge gebraucht hätten von mir, was mein Verhalten für sie bedeutet hat, erkenne nachträglich ihre Lage an, sehe meine Verblendung, meine Abtrennung, wie viele Lügen ich über Menschsein geglaubt hatte, erkenne meine Überforderung, meine Ängste, meine Engstirnigkeit, mein Kontrollbedürfnis, meine unfassbare Ohnmacht. Ja, so war es. Und in all dem bin ich in meiner Ganzheit da, ohne auch nur irgendwas von mir abzuschneiden.

Für mich ist es essentiell zu erfassen, was tatsächlich die Wahrheit des Moments ist. Wie geht es mir denn tatsächlich? Und wozu um Gottes Willen braucht es diese spirituelle Phrase wirklich? Wer in mir spricht? Will ich mich selbst beruhigen und meine Wut abmildern? Will ich damit meiner Ohnmacht begegnen?

Ich kann von mir sagen, dass es sau gut tut, voll im Feuer da zu sein. ALLES in mir zu fühlen, was gerade da ist und vor allem BEI mir und IN mir zu sein und zu bleiben, keinen Millimeter von mir wegzugehen. DAS bedeutet das gerade für mich. Verständnis für MICH zu haben. Und eins mag ich in dem Zuge noch ergänzen: So oft sind Trigger keine wahren Trigger, sondern gesunde, adequate Reaktionen auf krankes Verhalten von anderen mir gegenüber. Es gibt nichts zu integrieren oder anzuschauen, es gilt ganz klar Position zu beziehen und MIT dieser Wut FÜR meine Integrität, Würde und Bedürfnisse dazustehen. Ich mag mich nicht mehr abmildern und ich werde fuchsteufelswild, wenn ich bei anderen beobachte, wie sie ihre gesunde Wut wegargumentieren oder darin den Fehler suchen.



Dienstag, 12. August 2025

Die meisten sprechen, um nicht zu fühlen

Manchmal landen unter meinen Beiträgen Kommentare, mit denen kann ich im ersten Moment überhaupt nichts anfangen und frage mich ernsthaft, ob derjenige meinen Text überhaupt gelesen hat. Bei näherer Betrachtung und Befühlung gehen mir immer wieder ein paar Lichter mehr auf. Das mag ich gerade mit euch teilen.

Ich bin manchmal mit meiner Aussage die Bedrohung. Der andere will ein ganz bestimmtes Bild von sich haben und meine Aussage stört dieses Bild gewaltig. Oder der andere will auf eine ganz bestimmte Art behandelt werden, will Rücksicht und nicht an seinen Wunden berührt werden. Meine Aussage lässt blicken, dass ich das nicht tun würde. Da muss interveniert werden.

Die Kommentare sind im Grunde sehr seltsame Selbstoffenbarungen. Es geht eigentlich überhaupt nicht um mich und den Inhalt, den ich geteilt habe. Es geht um ihre eigene Haut. Da springt was an.

Ich merke immer wieder, dass ich versuche die Menschen beim Wort zu nehmen. Die Worte wörtlich zu nehmen. Es muss für mich im Zuhören und Antworten bei den meisten mehr um die Schwingung statt um die Worte gehen. Ich nehme die Worte der anderen zu wichtig, weil ich von mir ausgehe. Ich meine das, was ich sage. Mein Sprechen kommt aus meinem Spüren, aus meinem Fühlen. Die Worte drücken exakt mein Innen aus. Innen und Außen sind konkruent. Die meisten anderen meinen nicht, was sie sagen. Sie sprechen, um NICHT zu fühlen, um Gefühle zu vermeiden, wieder wegzumachen, wegzuargumentieren. Das "vergesse" ich gerne.

In den besagten Kommentaren wird deutlich, dass derjenige in dem Moment überhaupt nicht fühlt und erfasst von was ich rede, sondern er ist in seinem Angeticktsein da, auf Rechtfertigung, auf Angriff, auf Verteidigung, auf Vonsichweisen oder auf "mir sagen, dass ich das falsch sehe".

Nur denke ich mir die Sachen nicht aus. Das sind keine Ideen und Konzepte. Ich fühle, was da ist. Erspüre das energetische Muster und Gefüge und davon spreche oder schreibe ich dann. Ich spreche und schreibe aus dem Kontakt mit mir und dieses Ich nimmt das Wesen der Sache war, sieht innere Bilder.

In diesem Beobachten, was da ist, erfahre ich selbst unglaublich viel Neues, mir erschließen sich Zusammenhänge und Ereignisse, Verhaltensweisen, Muster, Nöte, Absichten. Das könnte ich mir im Leben nicht ausdenken oder zusammenreimen. Ich bin Wahrnehmende, Beobachtende. Das teile ich mit, wenn es stimmig ist, mit genau den Worten, die ausdrücken, was ich beobachte. Diese Worte kommen nicht von mir. Sie sind da. Oder wenn sie noch nicht direkt da sind, teste ich aus, bis das richtige Wort mit dem Beobachteten zusammenpasst. Achtsam. Fein. Behutsam. Bedacht. Weise gewählt.

Viele wollen schlicht nicht hören, was tatsächlich da ist. Das, was die Wahrheit des Moments ist, wird abgelehnt. Dann wird mir manchmal gesagt, ich bin unsensibel. Ich werde zum Problem erklärt. Ich kann für das Wahrzunehmende nichts. Ich bin Übermittler von dem, was energetisch eh schon Wahrheit ist und dazu stehe ich.

Ich bin nicht hier, um zu schweigen. Ich darf oft gar nicht schweigen.

Es ist für mich allerdings immer wieder enorm wichtig, solche schrägen Situationen auseinander zu nehmen und eben auch da zu erspüren, was untendrunter die Wahrheit ist. Wer ist wie da und was passiert hier eigentlich wirklich? Mich zerlege ich sowieso bis ins letzte Fitzelchen. Ich darf und muss immer wieder den anderen genauer unter die Lupe nehmen. Dadurch verstehe ich im Nachgang auch noch so viele andere Situationen, die mir bis dahin ein Rätsel waren.

Es ist tatsächlich die Zeit, in denen sich die Schleier lüften und offenbar wird, was so lange im Verborgenen lag. Für mich gilt das vor allem für Zwischenmenschliches. Damit einher geht immer wieder eine krasse Selbstbildkorrektur von mir. So viele Lügen, die mir über mich erzählt wurden, geben sich als genau das zu erkennen - als Lügen. Erzählt von Menschen, die nicht in der Lage waren, ihre Gefühle zu sich zu nehmen.

Ich verstehe jeden Tag so viel mehr. Halleluja! Was für eine Befreiung, wenn die Dinge gerade gerückt werden und endlich der Wahrheit entsprechen.


 

Montag, 11. August 2025

Das, was ich fühle und empfinde, KANN niemanden verletzen

Rücksicht auf die Gefühle von anderen nehmen wollen, meint meistens, sie zu vermeiden. Das ist keine reife Empathie, das ist Schmerzvermeidung, Wundenmanagement, falsche Rücksichtnahme, die sehr wahrscheinlich beinhaltet, dass ich mich selbst verbiege, Themen ausspare, nicht meine Wahrheit spreche, nicht sage, was ich tatsächlich empfinde, weil es den anderen "verletzen" könnte.

Das, was ich fühle und empfinde, KANN niemanden verletzen. Es kann Verletzungen berühren, ja, die waren aber vor mir schon da. Ich bin nicht Verursacher der Wunde, ich komm bloß dran.

Will ich Gefühle vermeiden, Rücksicht nehmen, übernehme ich Verantwortung, die nicht meine ist. Bewege mich in Angelegenheiten, die nicht zu meinen gehören und ich bin nicht in meiner Wahrheit da.

Was tatsächlich verletzt ist, wenn jemand seine Gefühle in eine Aussage über den anderen packt, über sein Sein, und derjenige nicht in der Lage ist, zu reflektieren und zu bemerken, dass das nicht die Wahrheit des Moments ist. Wie in der Kindheit tausendfach passiert. Ich bekomme in mein offenes, filterloses Wesen einen Giftstachel nach dem nächsten geschoben mit Unwahrheiten über mich, weil der andere nicht die Verantwortung für seine Gefühle übernimmt. "Du bist anstrengend." Die Wahrheit wäre: "Es ist gerade anstrengend für mich." Ein himmelweiter Unterschied in der Botschaft.

In derlei Aussagen über den anderen, die eigentlich Aussage über mich sein müssten, passieren tatsächlich Verletzungen. Nicht aber, wenn ich meine Gefühle und Empfindungen ausdrücke und eine Aussage über mich treffe.

Auf was will ich also Rücksicht beim anderen nehmen und warum? Und will ich wirklich auf die Gefühle des anderen "Rücksicht nehmen" oder will ich eher auf meine Gefühle "Rücksicht nehmen" und vermeiden, wie ich mich fühle, wenn ich im anderen Gefühle ausgelöst habe?

Was ist die Motivation? Um was geht es dabei wirklich? Und wie sehr bin ich dabei in der Wahrheit über mich selbst, kann bei mir bleiben und das, was es tatsächlich in mir fühlt, ganz und ehrlich zum Ausdruck bringen? Oder tue ich mir bei dem Versuch, Rücksicht auf den anderen zu nehmen, eher selber ordentlich weh?



 

Voll und ganz über mich entscheiden können

Voll und ganz über mich entscheiden können und dürfen, das war und ist in meiner Ursprungsfamilie nicht vorgesehen. Es wird erwartet, dass ich die Bedürftigkeiten und Wünsche zur Schmerzvermeidung der anderen berücksichtige.

Ich darf schon machen, was ich will, aber dann sind sie halt beleidigt oder angefressen, voller unausgesprochener Vorwürfe und Schmerz. Ich kann nicht wirklich frei wählen. Manche Fragen dulden kein Nein. Manche Antworten dürfen nicht sein.

Dass in diesem Verhalten ich nicht vorkomme, ich keine Rolle spiele, hab ich schon sehr oft formuliert. Dass dieses Verhalten, diese Haltung beinhaltet, dass ich nicht voll und ganz über mich selbst entscheiden kann, kam heute erst so richtig bei mir an.

In dieser Familie ist es nicht vorgesehen, dass ich für mich wähle und diese Entscheidungen unabhängig von der Familie sein können. Es kommt in ihrer Vorstellung nicht vor, dass sie in meinen Entscheidungen keine Rolle spielen. Es kommt nicht vor, dass ich komplett über mich selbst verfüge, tatsächlich meine eigenen Wege gehe und ein komplett eigenes Leben habe. Völlig losgelöst von ihnen.

Diese Formulierung von Cindy heute, dass sie voll und ganz über sich entscheiden will und zwar in jeder Sekunde, hat's bei mir nochmal riiiiichtig klingeln lassen. Ich durfte nie wirklich, wahrhaftig und aufrichtig über mich entscheiden. Ich hab das im Kontakt mit meiner Familie nie erlebt, dieses Gefühl, dass ich nur mir gehöre, dass es mal nur um mich und mein Wohlergehen, meine Integrität, meine Wahl ging, ohne emotionale Aufladung mit ihren Themen, ohne versuchte Einflussnahme, ohne Bedenken, ohne Stories, die fühlbar mitschwangen, ohne Bewertungen. Ich hab nie wirklich offene Fragen gestellt bekommen, die zu einer/meiner Antwort einluden. Sie waren immer suggestiv, eingefärbt, aufgeladen, voreingenommen, ein bestimmtes Ergebnis inkludiert oder eben die vorgefertigte Meinung.

Frei wählen können und erleben, dass es wirklich und aufrichtig akzeptiert wird. Wirklich sein gelassen werden. Nur mir gehören bzw. dem Leben. Wirklich, ohne Kontrollfragen auf Schubladentauglichkeit oder Norm, das eigene Leben zugetraut und gegönnt bekommen. Wirklich frei gelassen werden, ohne das noch unterschwellig oder offenkundig was von mir gewollt wird, ohne Ansprüche, Erwartungen und Filter.

Voll und ganz über mich entscheiden dürfen, über mich selbst verfügen, zu jeder Zeit, egal, was das bedeutet, egal, worauf meine Wahl fällt. Entscheidungen erwachsen und reif akzeptiert bekommen, allen voran mein Nein. So ist es eigentlich gedacht in Beziehung. So fühlt es sich richtig an. Das hat da immer gefehlt. Jetzt hat die Lücke einen Namen. Danke.


 

Sonntag, 10. August 2025

Wir haben gerade nichts miteinander zu schaffen

Ich hab das immer wieder in mir bewegt, diese Sache mit dem "selbstverständlichen" Kontakt mit der Familie, mit "Freunden" und Bekannten von früher oder allen möglichen anderen Lebensbereichen. Irgendwie will mir das nicht so richtig in den Sinn. Irgendwas stimmt da grundsätzlich für mich nicht. Ich mag meine Gedanken mal mit euch teilen.

Ich verstehe Leben so, dass ich mit den Menschen bin, mit denen es gerade relevant und wesentlich ist, mit denen es etwas zu bewegen, beleuchten gibt, mit denen es Fäden hin und her zu reichen gibt, mit denen gerade Vereinbarungen spürbar aktiv sind, nichts Ausgedachtes, sondern Wahrnehmbares. Da ist Anziehung. Da ist Zug drauf. Da liegt Kraft drauf. Da wird im Miteinander so richtig was bewegt. Da soll ich sein. Da geschieht das Leben durch mich. Da bin ich an meinem Platz.

Und wie von all dem unberührt und unbeeindruckt scheint es so was wie ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, dass "man" als Erwachsener mit der biologischen Familie und "Freunden" Feste feiert, sich regelmäßig trifft, telefoniert und Sachen unternimmt. Egal, ob das stimmig ist oder nicht, ob mich das erfüllt oder nicht, ob das dran ist oder nicht: Das wird so gemacht. Das gehört sich so. Das wird nicht in Frage gestellt. Es kommt mir vor wie eine Parallelwelt.

Ich kann damit nichts anfangen. Aber so was von gar nichts. Und ich kann es auch nicht so tun, nicht mitmachen.

Welchen Sinn sollte das haben? Also selbst wenn mich meine Familie bis ins Tiefste verstehen und begreifen würde und wir uns wirklich und wahrhaftig begegnen könnten, so könnte ich dennoch nur mit ihnen Kontakt haben, wenn es was zu schaffen gäbe und nicht weil "man" halt einfach Kontakt hat.

Es gibt gerade nichts zu tun und damit meine ich im übergeordneten Sinne. Tatsächlich fühlt es sich seit Langem auch so an, wie wenn die Beziehungen erfüllt sind und alles getan ist, wofür wir uns einst verabredet haben. Grundsätzlich sagt mir mein Gefühl, dass unserer Natur nach dieses Eltern-Kind-Setting tatsächlich irgendwann erfüllt ist. Es ist vollbracht.

In den meisten Fällen meiner Beobachtung kommt es mir allerdings so vor, als hätte die natürliche Abnabelung, die Initiation ins Erwachsen- und Entwachsensein nie stattgefunden. Als würde da künstlich etwas weiter am Leben erhalten werden, was eigentlich schon lange überlebt und überdauert ist, nicht mehr in der Ordnung. Als würden sich die meisten über diese Sicherung durch Gemeinschaft in ihrem Bewusstsein nicht hinausentwickeln. Nie wirklich hinaus ins Leben gehen. Nie wirklich von der Familie unabhängig werden und sich selbst in Gottes Hand geben. Nie wirklich reif werden.

Wie gesagt, in meinem ganz persönlichen Fall kann ich sagen, dass es sich für mich bezüglich meiner Ursprungsfamilie seit geraumer Zeit fertig anfühlt. So richtig vollendet. Mission completed.

Es gibt nichts zu schöpfen, nichts miteinander zu schaffen. Wir haben nichts miteinander zu schaffen, nichts zu ERrschaffen. It's done. Vielleicht ändert sich das mal wieder. Ich werde es merken. Gerade würde ich sagen nein.

Ich bin mit den Menschen, mit denen ich Wesentliches tue, wesentlich bin. Das ist veränderlich, wogt und bewegt sich. Verbindungen werden intensiver dann wieder weniger intensiv. Immer wie es stimmt. Fließend, lebendig und immer kraftvoll, weil genau richtig. Nirgends anders soll ich jeweils sein. So ist es in der Ordnung. Das ist das, was für mich zählt. Über der Ordnung steht für mich nichts. NICHTS. Auch nicht die Familie. Der Ordnung unterliegt für mich alles.

Soweit meine Gedanken, meine Beobachtungen, mein Spüren und Erspüren in diesem Moment.



Freitag, 8. August 2025

Du darfst beißen!

Dir wurde verboten, dich zu wehren. Du hättest dich wehren müssen. Da waren Grenzüberschreitungen und Ungerechtigkeiten ohne Ende. Du hast nicht beißen dürfen und hättest beißen müssen. Sie haben dir dein berechtigtes Nein nicht erlaubt. Sie haben dich deiner Macht beraubt, dir deinen Selbstschutz verboten. Sie haben dich ausgeliefert immer wieder. Sie haben dich damit verraten, ans Messer geliefert, geopfert.

In mir ist Empörung. Fassungslosigkeit. Wut. Etwas in mir steht auf, baut sich auf, in die volle Größe, stellt sich neben dich, vor dir hin, vor deinen Jungen und brüllt wie ein Löwe, gibt einen Hieb mit der Pranke, fletscht die Zähne und bleibt knurrend, schützend vor dir stehen.

"Hier ist Feierabend! An der Stelle ist es zu Ende! Schluss jetzt! Verschwindet! Ein für alle Mal! Seht zu, dass ihr Land gewinnt!" spricht es durch mich.

Du hast dein Recht auf dein Nein, deine Grenze, deinen Raum, deine Ruhe, deine Sachen. Die Zeit des Ertragenmüssens, Dulden, des Kriegs gegen dich Selbst ist vorbei.

Es brüllt nochmal in mir. Ein Machtwort. 🦁🔥🔥🔥🔥🔥

Du darfst beißen! 🦁🦁🦁🦁

 


Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht."

Ein Satz, der seit gestern unglaublich viel in mir bewegt. Ein Satz, der mich noch stabiler stehen lässt. Mitfühlen ja, sehen, anerkennen. Übernehmen, nein. Klar abgrenzend, gerade wenn ich merke und so deutlich spüre, dass mir jemand die Verantwortung für seine Gefühle geben will, dass da Erwartungen und Anforderungen sind, Schuldzuweisungen und auch aufrecht erhalten werden. Wenn ich den Schmerz so deutlich spüre, den ich berührt habe, für den ich aber nicht die Ursache bin.

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht weiter."

So musste ich diesen Satz in mir abwandeln, um die Wahrheit in Bezug auf meinen Vater auszudrücken. Da gab es einen Teil in mir, der dieses Tragenmüssen immer noch als seine Aufgabe sah und bei jedem gesunden Nein meiner Erwachsenen ein schlechtes Gewissen hatte, Schuldgefühle, Zweifel. "Wir können ihm doch mal eben gut tun. Es fällt uns doch so leicht," sagte dann die Kleine zu mir.

Dieser Ausdruck von Mitgefühl in dem Satz, dieses "Ja, ich sehe dich mit deinem Schmerz" an meinen Vater gerichtet, brachte ihr irgendwie die Möglichkeit dann Nein zu sagen. Warum auch immer, kann die Kleine jetzt tatsächlich den Schmerz des Vaters wahrnehmen UND ihn sein lassen. Da ist Ruhe, Klarheit und ein schlichtes Nein.

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht weiter." An dieser Stelle endet das alte Spiel, die falsche Verantwortung, das schlechte Gewissen wieder einmal mehr noch tiefer.

Ausatmen.
Aufatmen.
Erleichterung.
Wieder mehr Ordnung.
Wieder mehr Ent-wicklung.
Wieder mehr Ich.
Halleluja!


 

Mittwoch, 6. August 2025

Ohne Rechte

Er hatte seine Rechte abgegeben. An den Stiefvater mit Aufforderung von der eigenen Mutter, die das ebenfalls getan hatte. Er wollte nicht, hatte zu recht Zweifel, alles in ihm sträubte sich, doch sie gab ihm zu verstehen, dass es so sein musste. Und er tat es. Mit einem schrecklichen, mulmigen Gefühl, aber er tat es. Er war gerade vier Jahre alt.

Ab dem Moment hatte er nichts mehr zu wollen. Ab dem Moment konnten seine Bedürfnisse nur in Bezug auf andere existieren. Er musste es schaffen, dass sein Wollen und Handeln zum Vorteil von anderen war, er musste sich verkaufen, seine Bedürfnisse für andere attraktiv klingen lassen.

Ab da war er behindert. Kein Schritt ohne Erlaubnis. Handeln nur als Reaktion auf das Außen. Er durfte nur wollen, was die anderen ihm zudachten. Auf Gedeih und Verderb der Gunst der anderen ausgeliefert. Kein eigenes Selbst. Kein eigenes Leben. Keine Eigeninitiative. Eine leere Hülle, die funktioniert. Kraftlos. Entmachtet. Eine Spielfigur auf dem Spielfeld der anderen, die beliebig bewegt werden kann.

Er hatte kein Leben mehr, das er in die Hand nehmen konnte. Er hatte eingewilligt, dem Stiefvater zu dienen, nicht mehr Gott. Er hatte eingewilligt zu schweigen und alles mitzumachen. Er hatte an jenem Tag seine Seele verkauft.