Freitag, 10. April 2026

Ich kann nirgends anders hin und will nirgends anders hin

Ich mag euch mitnehmen, wie es nach diesem Auftun des Abgrundes weiterging, wie die Zeit der totalen Destabilisierung war und wo ich jetzt bin.
Eine Erkenntnis aus dem inneren Schwimmen

Mir wurde noch einmal extremst bewusst, dass die "Wahrnehmung" meiner Mutter von mir letztlich über alles bestimmt hat. Ich wurde nach ihrer Fasson behandelt und nicht danach, wer ich wirklich bin. Was sie in mir gesehen hat - die Bestätigung ihrer Wunde - hat sie zu meinem SoSein erklärt.

Die Rückmeldungen von ihr an mich als Kind, Jugendliche, als junge Erwachsene waren, ich bin falsch und unehrlich. Ich spiele ein falsches Spiel. Ich bin scheinheilig. Zu allen kann ich scheiß freundlich sein, nur bei ihr zeig ich mein wahres Gesicht. "Außen hui, innen pfui", ein Ausspruch, der sehr oft von ihr kam. Immer mit diesem unkenden, vorwurfsvollen, anklagenden "Du wirst schon noch sehen"-Tonfall. Und gefühlt war auch Verachtung dabei. 

Etwas in mir wollte in diesem ganzen Prozess der letzten Tage immer wieder - natürlich -, dass dieses fiese Gefühl der Isolation aufhört. Der absoluten Ohnmacht. Des Entsetzens. Dieses "Ich kann nicht machen, dass ich anders fühle, der andere muss doch zur Besinnung kommen"-Entsetzen".

Es zeigte sich ein inneres Bild. Eine 16-Jährige, die einen blutverschmierten Giftstachel zwischen Daumen und Zeigefinger hält. Sie hatte ihn sich schon rausgezogen, fragte sich, was sie jetzt damit machen soll. Etwas in ihr zögerte. Sie konnte ihn nicht einfach wegschmeißen. Etwas Schlimmes könnte passieren. Sie wollte gerade Gott fragen, was sie damit machen soll, ob sie ihn weglegen dürfte, da war er schon da, nahm ihr den Stachel aus der Hand, zertrat ihn nachdrücklich und vehement, riss sie in ihre Arme und sagte leise und unendlich gütig: "Hör auf mit dem Scheiß."

Was diese 16-Jährige hat zögern lassen, dieses drohende Schlimme, wollte dennoch noch erforscht werden. Es fühlte sich soooo groß an. Also schrieb ich mich durch.

"Was passiert, wenn ich den Giftstachel wegschmeiße?

Wäre das leichtfertig? Darf ich das? Verpasse ich was? Vermassel ich mir was? Geschieht dann etwas irreparables für mich? Vertue ich eine einmalige Chance?

Die könnten etwas wissen, was ich nicht weiß. Und nur über sie komme ich an die wichtigen "Informationen". Als ob sie vielleicht zu etwas Zugang hätten, was mir verborgen ist und nur über sie erreichbar ist. Den Zugang zum Leben. Den Zugang zur Wahrheit. Zur Wahrhaftigkeit. Den Zugang zu meinem Leben. Zu meinem Glück. 🔥🔥🔥 Da geht's lang!

Das ewige Damoklesschwert meiner Mutter: "Du wirst schon noch sehen, was du davon hast! Irgendwann denkst du an mich."

Als wenn ich es irgendwann schrecklich bereuen müsste, nicht auf sie gehört zu haben."


Sie (alle, die diesen Zweifel in mir berührt haben) sprechen aus der Trennung, nicht aus der Quelle. Ihre Augen sind kalt. Es herrscht kriegerische Atmosphäre. Da ist keine Wärme. Da ist kein Wohlwollen mir gegenüber. Alles, was sie mir "sagen", wird förmlich ausgespuckt, mir entgegen geschleudert. Der Ton ist messerscharf. Vorwurf und Anklage schwingen mit.

Da wird mir (der 16-Jährigen) klar, meine Mutter war nicht ansatzweise mit sich verbunden. Meinem Teeny gehen die Augen auf. Sie spürt aus welchem "Raum" das kommt und dass daraus keine Wahrheit kommen KANN. Sie kann die Ursache für den Nichtgleichklang zum ersten Mal im anderen verorten. Der andere ist getrennt von sich.

Dann klingelt es ganz gewaltig:

Ich war/bin schon da, wo sie mich hätten hinbringen sollen (bzw. mir helfen, mich darin zurecht zu finden) und dann sagen sie mir: "Du wirst schon sehen!"

Ich gehe tiefer.

Ist es im Grunde die Verunsicherung, ob ich wirklich bei mir, bei Gott und wahrhaftig bin? Genau das!

Christian sprach mir in erwähntem Moment meine Wahrhaftigkeit ab. Meine Mutter tat genau das. Sie hat mich ständig im ganz Grundsätzlichen für falsch erklärt. DAS ist der Giftstachel gewesen, der da "installiert" wurde. Ich hab dennoch getan, was für mich stimmig ist und gleichzeitig war immer wieder der Zweifel, der schwelte. Eben das drohende, unkonkrete, namenlose Unheil, das mir immer prophezeit wurde. Christian hat mir diesen Stachel, der schon so oft berührt wurde, final gezeigt. Gott sei Dank!

Was da als Kind geschieht ist eigentlich unsäglich und im Ausmaß nur fühlend zu begreifen: Sie sagt mir, dass ich woanders hin muss, als ich gerade bin, nämlich bei mir. Damit bin ich falsch. Da soll ich weg. Das bringt mich als Kind in eine unglaubliche, unmögliche, unmenschliche Situation und eine riesige, existenzielle Not, die mit einem (Über)Leben jenseits jeglicher materieller Versorgung zu tun hat: Mein Sosein wird für falsch erklärt! Mein Beimirsein für unmenschlich erklärt und für eine Zumutung für andere. Mir wird orakelt, dass mich genau das in Teufelsküche bringen wird, ohne zu wissen, was das bedeutet, aber es wird unweigerlich so sein. Als ob das nicht schon arg genug wäre, führt es eben auch zu absoluter Isolation. Damit ist keine Verbindung zur Mutter möglich. Außerdem ist da dauerhaft in mir allergrößtes Unverständnis, wie das alles zusammenpassen soll. Ständig Fragen, Diskrepanz von innen und außen. Die Rückmeldungen von außen passen überhaupt nicht zu meinem Inneren. In all dem werde ich alleine gelassen und noch mehr für falsch erklärt, für aufsässig, unmöglich, kalt. Ich habe nie verstanden, was sie meint und was sie da von mir will, was mir vorgeworfen wird, wo ihr Problem ist (oder das mir zugedachte). Bis heute hat dieser Anteil versucht, das Problem der anderen ernsthaft zu verstehen. Vergeblich. Bis jetzt.

Christian sagte mir in grandioser Reinszenierung genau das, was meine Mutter im Grunde immerzu vermittelt hat, dass ich nicht bei mir bin und dass ich nicht bei Gott bin. Er sprach mir in dem Moment das bei mir sein ab, meine Verbindung mit mir und er wüsste ganz genau wo ich bin (weg) und dass ich das Problem habe, dass ich der Grund für unsere Dissonanz bin. Mein Beimirsein fühlte sich für ihn unstimmig an, nicht wahr.

Die Wahrheit ist und war es in dem Moment auch: Ich kann nirgends anders hin und ich will nirgends anders hin. Das Dilemma meiner Kindheit komplett auf den Punkt wiederholt und zum ersten Mal benannt, zutiefst begriffen und den Giftstachel ursächlich identifizieren können, dessen Gift ich schon so oft begegnet bin. Zum ersten Mal den ursprünglichen Horror bewusst gefühlt und in mir halten können, darin bei mir sein und tief verstehen und letztlich mit dem Licht der Wahrheit anerkennen können.

Nach dem Begreifen und dem tiefen Fühlen, was da als Kind von mir verlangt wurde, was das für mich im Erleben bedeutet hat, dass da immer noch dieser Giftstachel des Zweifels war und welcher ganz grundsätzlichen, essentiellen Natur dieser Zweifel war, nach dieser Prüfung, wo ich jetzt verortet bin und der wiederholten Antwort "in mir", ist da Ruhe. Ich bin da, wo ich sein soll. Da, wo sie mich hätten hinbringen sollen, aber selber nicht waren. Ich bin gut mit mir, in mir. Ich hab mit mir, in mir, kein Problem, keinen Widerspruch. Ganz im Gegenteil. Da ist ein sattes, tiefes, friedliches Wohlgefühl. Es ist wahr, dass ich nirgendwo anders hin will und auch gar nicht kann. Und wenn alles um mich herum wegbricht deswegen: Da geh ich nicht weg! Nicht weg von mir. Nicht aus meiner Verbindung. Für nichts und niemanden. Damals nicht für meine Mutter. Und auch jetzt nicht für Christian.

Danke für die so intensive Revision.