Ich fühle mich, als hätte ich wieder Boden unter den Füßen. Nach einem Drahtseilakt von unfassbarer Dauer in schwindelerregender Höhe, ohne Netz und doppelten Boden, ohne Sicherungsleine, zu zweit unterwegs.
Annette meinte einmal, dass unsere "Reise" - also die von Christian und mir - sie an einen Drahtseilakt erinnert und manchmal könnte sie einfach nicht hinsehen. Ich kann es verstehen. Dieses Bild von diesem Drahtseil war so treffend für mich und hat sich sofort vor meinem inneren Auge ausgebreitet. Völlig stimmig.
Das Seil ist gespannt von einem Berggipfel zu einem anderen. Dazwischen eine schier unendliche Distanz. Einer kommt von links, der andere von rechts. Wir bewegen uns aufeinander zu. Jeder Schritt von einem von uns versetzt das Seil ordentlich in Schwingung. Der andere muss ausbalancieren. Wir schwanken, rudern manchmal mit den Armen. Höchste Konzentration. Jede Bewegung muss sitzen. Manchmal stehen wir beide eine Zeit lang still, zum Atmen, Neusortieren, Orientieren - oder in meinem Fall, um mir die Haare zu raufen, zu schreien und kurz mal zu verzweifeln. Umkehren war dennoch nie eine Option, runterfallen übrigens auch nicht. 😉
Seit gestern oder vorgestern ist da bei mir diese Veränderung in den inneren Bildern und eben auch in mir - nach unzähligen weiteren Erkenntnissen, geborgenen inneren Kindern und endlosem Begreifen, von dem ich euch so gerne erzählen wollte und doch kam kein Wort aus mir raus.
Ich hab wieder Boden unter den Füßen. Tatsächlich seh ich erstmal nur mich. Das Seil liegt zwischen meinen Füßen auf der Erde. Wie ich da runtergekommen bin und wo Christian ist, kann ich darin im Moment nicht sehen. Nur spüre ich meine innere Wandlung. Da ist das Empfinden, dass etwas Grundlegendes geschafft ist. Da ist eine neue, ruhige Sicherheit. Bislang war ich mir "nur" dessen sicher, dass meine Erlösung gewiss ist. Das war mir immer klar. Für meine Heilung ist in all dem alles perfekt orchestriert. Die Sicherheit in meinen eigenen Prozessen, in der inneren Führung, das war immer da. Das war und ist auch das Einzige, was wirklich in meiner Verantwortung liegt. Um mehr hatte ich mich nicht zu kümmern. Um weniger auch nicht. Es ging nicht um das Wir. Es ging immer nur um meinen einen nächsten Schritt oder die Auswirkungen seiner Schritte bei mir. Damit hatte ich wahrlich genug zu tun und darin war und bin ich mir sicher.
Und jetzt ist da noch etwas anderes sicher, das ich noch nicht wirklich greifen kann. Kurz war da das Bild, dass sowohl Christian als auch ich in einer alles entscheidenden Sicherheitsöse eingehakt haben. Bisher war da eben keine Sicherung. Und es ist wohlgemerkt die gleiche Öse. Wir müssen beide da gewesen sein. Eine kurze Bildsequenz, ohne dass ich mehr von der Umgebung oder den Umständen hätte sehen können. Irgendwas ist da beieinander, was unbedingt zusammenkommen musste. Dieses Einhaken ist unumkehrbar und war essentiell.
Tatsächlich habe ich bislang nicht wirklich eine Ahnung, was das bedeutet, was da anscheinend geschehen ist. Aber es ist. Ich bin nicht mehr auf dem Drahtseil. Ich steh am Boden. Etwas ist geschafft. Da ist diese Ruhe, eine Art namenlose Gewissheit. In mir nickt es und lächelt wissend. Und während ich das tippe, ist Christian aufgetaucht. Steht mir am Boden gegenüber. Ich grinse ihn spitzbübisch an. Er lächelt mit Tränen in den Augen zurück. Wir umarmen uns. Da ist etwas beieinander. Ja. ❤️❤️
