Donnerstag, 25. Juni 2026

Ich bin die, die beides kennt

Gerade sind sie mir begegnet. Ich konnte sie fühlen. All die Frauen aus meiner Ahnenlinie - stellvertretend für so viele andere - die ihr wahres Wesen nicht leben konnten. Vereinnahmt und gefangen im Tun, im Leisten, im Außen, im Bestimmt-Sein vom Materiellen, eingeschnürt von Druck. 

Für keine gab es Raum, weich zu sein, in sich zu hören, in sich hineinzuspüren. Kein Raum für den eigenen Rhythmus, Zyklen, Hingabe. Kein Leben von innen nach außen. Kein Platz für Innenwelten, Emotionen, Feinsinnigkeit, Übersinnliches, Informationen aus dem All-Sein, dafür, mit etwas schwanger zu gehen und es dann zu gebären, wenn es nun mal reif ist. Alles gesteuert von dem, was ihnen als Verstand und Vernunft erzählt wurde, als Verantwortung verkauft wurde. Alles gesteuert von einem Umfeld, dass in der Trennung existierte und diese Trennung als die Wahrheit anerkannt hatte.

Ich hatte in meinen Körper, in mein Wesen gespürt und diese Weichheit und Hingabe wahrgenommen, die pure Weiblichkeit, die um ihrer selbst und das Große weiß, um ihren Platz darin weiß. Das Wesen, das das Leben empfängt und gebiert. Das Wesen, das in seiner Kraft steht und keinen Millimeter von sich abrückt, bei sich bleibt und dafür steht, egal, was im Außen los ist, was jemand oder etwas stattdessen wollen würde. In tiefem, steten Selbstkontakt, das verkörpernd, was da ist, nichts anderes wollend.

Gleichzeitig nahm ich auch etwas wahr, das verhärtet, steif, verkümmert, vertrocknet, eng, rau, stumpf, ja regelrecht abgestorben und tot war. Es passte nicht zu meinem Wesen, dem Wesen, als das ich mich wahrnehme. Als ich fragte, was dieses Harte, Steife, Tote in mir ist, taten sich die Schleusen auf. Ich weinte bitterlich. Es fühlte sich wie das Erbe all meiner Ahninnen an, all der Frauen aus meiner Linie, die nicht in den Genuss dessen kamen, wo ich mich in mir befinde. Als wäre ihr „Schicksal“ noch als Erinnerung in mir da. Ich konnte beides gleichzeitig in mir befühlen. Sowohl das eine als auch das andere und was das Jeweilige bis in die letzte Konsequenz bedeutet. Alter Schwede!!! Es lag regelrecht als Fühlprobe nebeneinander.

Was für ein Kontrast!!! Ich hab geweint. So sehr geweint. All das beweint. Diese Verschwendung so zauberhafter Wesen, die die Erde schon verlassen haben und nie zum Ausdruck kommen konnten. Verloren in einer Maschinerie, dominiert von Lügen über sich und das Leben, nicht zur Erinnerung gekommen. Ich schau zu denen, die noch da sind, in einem Körper und von Weiblichkeit, diesem weiblichen, göttlichen Menschsein, das ich in mir fühle, überhaupt keine Ahnung haben. Keine Idee von Selbstmitgefühl, von Milde, von Raum für jede Emotion, davon heiligstes Schöpfungswesen zu sein. Vereinnahmt von Umständen, wahrer, tiefer Selbstkontakt nicht existent, die Verwundungen nicht erlöst, der Alltag ein Versuch, sie nicht zu berühren. Unbewusstes Wundenmanagement, der Versuch immerzu zu funktionieren, irgendwie die Kontrolle zu behalten, den Kopf über Wasser zu halten, sich an Identifikationen klammernd, die die echten, tiefen, heftigen Gefühle im Zaum halten sollen und die Illusion eines „guten“, sicheren Lebens aufrechthaltend. Machen. Leisten. Funktionieren. Tun. Wissen. Regeln. Selber machen.

Daneben der innere Ort, an dem ich mich befinde. Welten! Welten dazwischen! Andere Universen! Und auf einmal wird mir bewusst, was ich da vollbracht habe. WO ich mich da rausbewegt habe. Mir wird die Größe und Tragweite dessen total bewusst. Ich weine. Ich huste. Ich kotze energetisch. Ich habe mich da raus bewegt und nicht nur das: Ich stehe. In meinem So-Sein. In meinem Gewahrsein. Weich. Flexibel. Lebendig. Erfüllt. Von mir selbst erfüllt. Vom Leben erfüllt. Vom Fluss. Aufrecht. Aufgeweicht. Durchlebt und durchwirkt. Durchdrungen. Ich habe mich nicht nur auf den Weg gemacht, ich bin gelandet. In mir.

Ich bin die, die beides kennt. Die Lüge und die Wahrheit. Das Alte und das Neue. Die Trennung und die Verbundenheit. Das Harte und das Weiche. Kontrolle und Hingabe. Enge und Raum. Die Dominanz der Materie und das Leben aus dem Sein. Todes Vegetieren und pure Lebendigkeit. Ödnis und Göttlichkeit. Beides kann ich fühlen, die Bedeutung bis ins Letzte erfassen. Beides kenne ich aus dem Erleben und Erfahren. Es ist wahrlich in mir vereint.

Ich würde nie, nie, nie wieder zurückwollen. Das würde heißen, mich verlassen bzw. unterdrücken zu müssen, hart gegen mich selbst zu sein. Es würde heißen, meiner inneren Wahrheit nicht folgen zu können, ja sie noch nicht mal zu hören. Es würde heißen, dass Gefühle und das, was in mir lebendig ist, keinen Raum hat. Es würde heißen, dass ich mich dem Leben verwehre und ES nicht durch mich auf die Erde kann. Es würde heißen, Gott nicht zu verkörpern. Es würde heißen, mich außerhalb der Ordnung zu befinden. Es würde die absolute Sinnlosigkeit und Leere für mich bedeuten, den größten Schmerz überhaupt: Die Trennung. Von allem.

Ich habe die beweint, die sich selbst nie kennengelernt haben, sich nie in der Tiefe begegnet sind, nicht in den Genuss ihres zauberhaften, kraftvollen Wesens gekommen sind. Und ich habe mich geehrt, für das, was ich da vollbracht habe. Halleluja!

Ich bin tatsächlich die aus meiner Ahnenreihe, die beides kennt.

Demut. Staunen. Dankbarkeit. Ehrfurcht.

Ich knie nieder. Vor allen. Auch vor mir.



(Ich mag sagen, dass ich damit nicht zum Ausdruck bringen möchte, dass irgendein Weg besser oder schlechter ist oder dass daran etwas nicht stimmt. Jeder Weg war so, wie er hat sein sollen. Ist so, wie er sein soll. All die Frauen hätten sich nicht finden müssen. Es ist schlicht das, was sich mir vorhin offenbart hat, was in mir lebendig war, was ich befühlen und durch mich durch bewegen durfte.)