Montag, 2. Februar 2026

Das Schlimme ist nicht das, was da ist

Als Kind bräuchte ich Hilfe, mich dem zuzuwenden, was es in mir empfindet. Als Erwachsene fehlt mir dann erstmal die Kompetenz.

Dieser Druck, den das erzeugt, dass ich mich dem in mir nicht zuwenden kann, ist enorm. Einem Tiger im Käfig gleich. Voller Unruhe. Nichts ist richtig. Alles, was von außen kommt, verstärkt nur das eh schon große Unwohlsein. Da ist Gereiztheit und ein "aus der Haut fahren wollen", es in mir nicht wirklich aushalten.

Es ist, als würde ich durch ein Haus voller Zimmer eilen und doch ist kein Raum der richtige, kein Raum, der wirklich Raum ist, Raum hat, Raum gibt. Der Raum, den ich bräuchte für das, was in mir ist. Den Raum, den ich suche, gibt es trotz all der Zimmer nicht.

Als Kind hätten die Erwachsenen dieser Raum sein müssen. Als Erwachsene sollte ich es eigentlich für mich sein und kann es doch manchmal trotz all der Erfahrung nicht gleich, wenn da ein Anteil ist, der noch nichts von meiner Erwachsenen weiß.

Und wieder stelle ich mit Erstaunen und Faszination zugleich fest, dass das Schlimme für mich nie wirklich das ist, was tatsächlich in mir los ist, sondern der Zustand, in dem ich mich dem (noch) nicht zuwenden kann. Das ist das Unaushaltbare, das, was quält und drückt und mich fast verrückt macht.

Bin ich dann in das Stadium im Prozess gekommen, in dem ich mich mir wirklich zuwenden kann, ist es einfach nur erleichternd. Endlich kann es fließen. Endlich ist der Raum in mir da. Der Druck, das Unwohlsein verschwinden fast sofort. Die Tränen laufen in Strömen. Alles entspannt sich in mir. Ich kann wieder atmen. Ich erkenne. Sehe. Verstehe. Begreife. Fühle zutiefst. Verkörpere voll und ganz. Die entsprechenden Bilder laufen durch.

Ich bin endlich in Kontakt mit dem, was in mir gerade lebendig ist und das ist einfach nur wunderschön, auch wenn es noch so arg ist. Ich hab mich wieder. Bin bei mir. Gott sei Dank!