Donnerstag, 12. März 2026

Schreibende Selbsterforschung

Vom Teil in mir, der die Unfähigkeit der Erwachsenen schlicht nicht akzeptiert

Ich hab gerade einen Teil in mir gefunden, der die Unfähigkeit der "Erwachsenen" nicht akzeptiert und auch nicht akzeptieren will. Er beharrt darauf, mit dem Erwachsenen sprechen zu können, spricht auch nur den Erwachsenen an.

Obwohl klar ersichtlich ist, dass mein Gegenüber gerade aus dem Schmerz, aus der Wunde, aus dem verletzten Kind spricht und überhaupt kein innerer Erwachsener zugegen ist, völlig klar ist, dass ein Gespräch, ein Miteinander so unmöglich ist, bleibt der Teil in mir da und akzeptiert genau das, was eh schon ist, nicht. Er akzeptiert nicht die kindlichen Antworten, das kindliche Verhalten, die kindliche Beschränkung des anderen.

Er ist unglaublich stur und unnachgiebig. Er weiß genau, dass es anders geht, dass es möglich wäre, dass da irgendwo tief drin im anderen ein Erwachsener ist, sein MUSS. Dieser Teil ist gereizt und genervt von dem ständigen "Mimmimmimmi", der Unsicherheit, der Unentschlossenheit, dem Nichtwissen, was sie wollen, dem Sichnichtkennen der anderen, dem Leidigen, dem Ohnmächtigen, davon, dass deren Not ALLES beeinflusst, dominiert und überlagert.

Dieser Teil empfindet auch Verachtung und Geringschätzung. Immerzu scheint er zu sagen: "Ich kann es doch auch. Ich bin der Beweis, dass es geht. Ich krieg mich doch auch mit, kann logisch und nachvollziehbar sein, greifbar und konkret. Was ich sage, meine ich und weiß auch noch, dass ich es gesagt habe. Ich bin stringent, mir meiner bewusst. Hör auf rumzueiern und komm mal in die Puschen! Butter bei die Fische! Können wir jetzt endlich das nehmen, was eh schon laut schreiend mitten im Raum ist? So schwer kann das doch nicht sein?! Erwachsen und moralisch überlegen tun, gleichzeitig die fetteste Überforderung und Unzulänglichkeit überspielen, von mir Respekt fordern, von mir den Erwachsenen fordern und selbst nicht erwachsen sein können. Das ist brutal unehrlich! Ein riesiges, mieses Theater und genau davon hab ich die Nase gestrichen voll. Du willst erwachsen behandelt werden? Dann SEI erwachsen! Du willst für voll genommen werden? Dann nimm dich selbst (für) voll!"

Es ist die Tatsache, dass der andere seine Schwäche, die so deutlich spürbar ist, nicht zugeben will. Es darf nicht benannt werden. Es wird abgewehrt, überspielt und wenn ich dann wütend reagiere, wird mit dem Finger auf mich gezeigt und gefragt, wie ich nur so sein kann. Er tut erwachsen. Ich darf den Erwachsenen aber nicht einfordern. Ich hab auf die Schwäche des anderen kein Urteil. Das hat er selber und zwar übelst. Dem Teil in mir geht die Hutschnur über das Theater hoch, nicht wegen der Schwäche an sich.

Gerade frage ich mich, was der Teil braucht. Er steht da wie paralysiert, scheint sich nicht von der Stelle bewegen zu können, starrt auf den anderen und faucht wie wild. Er hat noch gar nicht wahrgenommen, dass ich ihn wahrnehme. Er steht da in diesem ewig aussichtslosen Kampf, der noch nie was gebracht hat, außer Frust. Alles Fordern hat nie etwas gebracht. Alles „wissen, dass es möglich wäre“ hat nichts genützt. Alles „es vormachen und zeigen, dass es geht“ hat nichts beim anderen verändert.

Jetzt verändert sich die Atmosphäre von dem inneren Bild. Die Anspannung weicht. Er nimmt den Blick vom anderen weg, kickt gefrustet und resigniert ein Steinchen mit dem Fuß weg. Da ist Traurigkeit unter dem Frust, Einsamkeit, Hilflosigkeit und Ohnmacht. Die Wahrheit ist, dass er daran nichts machen, nie was machen konnte. Wenn sich der andere verschanzen will, dann will er sich verschanzen. Der Teil scheint sich jetzt abgewandt zu haben. Der Fokus liegt auf ihm selbst und seinen Gefühlen. Er ist jetzt ganz mit sich, schaut im Außen nichts mehr an. Er schaut nach innen. Fühlt sich wohl mit sich in all diesen Gefühlen. Da ist ein Frieden in all dem. Auf einmal scheint es völlig irrelevant, ob jemand da ist. Er hat sich. Satt und voll und ganz. Vollkontakt mit sich selbst. Größtmögliche Nähe und Wohlsein in sich selbst. Jeder noch so krasse Anteil ist herzlich willkommen und sie wissen darum.

Dieses vorwurfsvolle an die anderen gerichtete „ich kann es doch auch“ von vorhin wird zum milden, selbstzugewandten „ich kann es und das reicht völlig“. Was für ein Segen, dass ich es kann, dass ich so für mich und mit mir da sein kann, nichts vor mir selbst verbergen muss, alles in mir willkommen ist und ein Zuhause hat. Jetzt scheint mir der Teil zuzuzwinkern. Er weiß, dass ich ihn gesehen habe, bedankt sich für den Raum und das „so sein dürfen“. Er ist höchst zufrieden und befriedet.

Halleluja! 


Nachtrag:

Irgendwas in mir hat nochmal angefangen zu wuseln. Es rumort. Es möchte den anderen am liebsten zerrupfen. Da ist Angriffslust. Es möchte provozieren. Den anderen durch Provokation herauslocken, zum Ausbruch echter Gefühle bringen, die Unerreichbarkeitsschale knacken, die Kontrollmauer zum Einsturz bringen. Diese fuck Kontrolle! 

Der Teil hat die Scheinsouveränität so endlos satt. Dieses aalglatte Ausweichen und "nicht greifbar sein". Dieses Verstecken. Diese fuck leere Hülle ohne Substanz. Dieses Labbrige, Verschreckte. 

Beim letzten Wort überschwemmt mich gerade Mitgefühl. Verschreckt! Der andere ist zutiefst verschreckt! Höchst verängstigt und schwerstverletzt. Total überfordert mit sich selbst, komplett am Umfeld ausgerichtet. Ausgelöscht. Aufgelöst. Eben: Substanzlos. Im Grunde gibt es ihn gar nicht, hat es nie gegeben. Da ist nichts, was mir im Ansatz die Stirn bieten könnte. Alle "Stärke" resultiert aus Machtdemonstration aufgrund von Hierarchie und Rollen. Aus Unterdrückung von mir. Aus künstlichem, anstrengenden, angestrengtem Aufplustern. Aus "sich entziehen". Ohne Rolle, ohne Hierarchie, ohne Unterdrückung bleibt da genau nichts. Ein hilfloser Wurm. Ich meine das nicht abwertend. Überhaupt nicht. Sie wissen um den Wurm, glauben das als letzte Wahrheit, nichts entgegen zu setzen zu haben und wollen genau das vor sich und anderen um jeden Preis verbergen. Sich entziehen ist der einzige Selbstschutz, den es für sie gibt. 🤯😱 Aaaalter! 

Der letzte Satz knallt gerade richtig rein!!! Diese Wahrheit! 

Gefühlt landet das gerade alles bei meinem wütenden Anteil und das macht was. Da ist ein Staunen. Ein Innehalten. Ein Neuschauen. Rückblickend nochmal Situationen betrachten. Mitgefühl. Milde. Betroffenheit. Tränen steigen auf. Es möchte um sie weinen. Aufrichtiges Beweinen. Puh! Was für eine Achterbahn! 🎢