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Samstag, 27. September 2025

Unversehrt sein wollen ist keine Tat

Es wird so unfassbar oft verdreht und derjenige, der seine Grenzen wahren will und muss, wird als der Täter hingestellt. Meist wird die Geschichte zu spät angefangen zu erzählen und nur die Wehr hergenommen und nicht angeschaut und anerkannt, was überhaupt dazu geführt hat. Bei Kindern genau so wie bei Erwachsenen.

Ich kenne es von mir und meinen Verdrehungen aus der Kindheit. Mir wurde mein Nein verboten und erzählt, dass ich die Gefühle der anderen verletze, wenn ich mich nicht (emotional) missbrauchen lasse, wenn ich meine Integrität gewahrt haben will, meine Unversehrtheit. Mein Unversehrtseinwollen wurde mir als Tat angekreidet. Genau so muss es formuliert werden, um die Krassigkeit dessen deutlich zu machen, was da eigentlich läuft.

Es vergeht kein Tag, an dem mir dieses Phänomen nicht irgendwo begegnet. Oft unscheinbare Kleinigkeiten. Es hat sich als so "normal" etabliert und fast niemand erkennt die krasse Gewalt, die damit passiert. Gerade wenn es um emotionale Gewalt und Erpressung geht. Halleluja!

Ich muss und darf mich wehren. Mich wehren ist keine Gewalt. Es ist die (leider) nötige Selbst-Verteidigung. Dass das nötig ist, ist schon das eigentliche Problem. Da gilt es hinzuschauen. Warum bin ich denn überhaupt in der Situation, mich verteidigen zu müssen?

Ich weiß, wie viele Übungsfelder es gebraucht hat, meine Wut zu verstehen und mir selbst die volle Erlaubnis zur Verteidigung zu geben, ohne mich als Täter zu fühlen und die Taten dahin zu packen, wo sie wirklich hingehören. 🔥❤️🔥

Ich muss mich nicht fragen, ob mein Schmerz richtig war oder ich mich vielleicht doch verfühlt habe. DAS hat gerade weh getan und das Au müsste eigentlich natürlicher Weise reichen, damit der andere innehält.

Selbst-Verteidigung ist keine Gewalt. Unversehrt sein wollen - vor allem meine ich hier emotional - ist kein Verbrechen!


(Mir ist bewusst wie tricky das ist, weil viele Au rufen, wenn eine Wunde berührt wird, die nicht berührt werden sollte. Deswegen wurde ich ja immer zum Täter erklärt. Da ist dann auch Schmerz, der allerdings vorher schon da war und nicht aus der tatsächlichen Situation kommt. Das soll jetzt hier allerdings nicht Thema sein.)


Dienstag, 2. September 2025

Wenn der Zweifel das Nein verhindert

Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will. (Jean-Jacques Rousseau)


Das Zitat berührt mich im Herzen. So sehr! Nicht tun müssen, was ich nicht will! Ja!!! Ja zum Nein!!! Mein Nein ist meine Freiheit!

Nein sagen. Ich kann es „eigentlich“ echt gut. Und doch, manchmal hakt es da tatsächlich noch in mir, gerade wenn es ums Zuhören geht. Wenn gesprochen wird, ohne die Verbindung zum Herzen, ohne die eigene Berührtheit, ohne Selbstkontakt und ich der Angesprochene bin, der Empfänger des Ganzen. Wenn es vom anderen nur Worte sind, die er selbst nicht spürt. Ich nicht gespürt werde. Der Moment nicht gespürt wird. Der gemeinsame Raum und was darin JETZT wirklich wesentlich ist, nicht gespürt wird.

In meinen eigenen Räumen, die ich immer wieder für Begegnung aufmache, hab ich mir die Erlaubnis zu meinem Nein erarbeitet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es war ein Weg, brauchte viele Übungsfelder und Herausforderungen. Da ist es mittlerweile selbstverständlich.

In meiner Beziehung mit Christian hab ich mir die Erlaubnis zum Nein erarbeitet. Erarbeitet nicht deswegen, weil er es mir nicht einräumen wollte, sondern erarbeitet deswegen, weil es Teile in mir gab, die nicht durften, denen es als Kind verboten war, ihren Raum zu haben, Grenzen zu haben, sich vor emotionalem Missbrauch zu schützen, die zuhören mussten, herhalten und brav aushalten, bis es vorüber war und der andere mich nicht mehr "brauchte".

In Begegnung mit Menschen "in freier Wildbahn" - also außerhalb von klar vereinbarten Räumen und Beziehungen - die zu Monologen neigen, jede Chance nutzen, um mit ihren Wortschwällen loszulegen, die das Feingefühl einer Dampfwalze haben, mir das Missbräuchliche sofort offensichtlich ist und mein Nein beim anderen eher Angriff und Empörung auslöst, ist meine Erlaubnis zum Nein und sogar zur Unfreundlichkeit und zum kompletten Ignorieren des anderen auch da. Kein Ding. Und ich genieße meine Brummigkeit und mein Knurren, die den anderen automatisch auf Abstand halten, sogar.

Bei mir hängt es, wenn mir der andere wichtig ist, wenn ich spüre, dass da eine Sensibilität und Verletzlichkeit da ist, wenn ich mit meinem Nein und dem "mir geht es gerade nicht gut in unserem Kontakt" einen wunden Punkt treffen würde. Wenn ich das Gefühl in ihm auslösen würde, dass er was falsch gemacht hat oder falsch ist. Wenn ich ein Minderwertigkeitsgefühl auslösen würde. Dann gibt es da wie ein Verbot in mir, Stopp sagen zu dürfen. Dann darf ich nicht für mich sorgen, dann darf ich mich nicht schützen. Dann darf ich nicht unterbrechen. Dann muss ich es über mich ergehen lassen und warten bis es vorbei ist. So zumindest tickt dieser Anteil in mir.

Er bringt mich in eine Handlungsunfähigkeit und ein Ausgeliefertsein. Alles in mir weiß, dass da was nicht stimmt, dass es gerade unwesentlich ist und der andere nicht fühlend präsent, abgetrennt von sich selbst und damit von mir und dem Raum. Da ist Unwohlsein. Da ist Unruhe. Da ist vielleicht sogar Langeweile. Der Bauch ist eng. Ich spann mich an. Beiß die Zähne aufeinander, verziehe das Gesicht. Aber sagen darf ich nichts.

Wenn ich dem weiter nachspüre, dann fühlt es sich an, als dürfte dieser Anteil nicht der Auslöser, der Verursacher von Schmerz sein, mit dem der andere dann nicht umzugehen weiß. Etwas in mir scheint zu spüren, dass der andere sich darin nicht halten könnte und ich deswegen mein Leid in Kauf nehmen muss, weil der andere seinen Schmerz nicht erträgt. Ich fange ihn ab den Schmerz des anderen. Ich trage etwas für den anderen. Ich ERtrage etwas für den anderen. Ich kann es sogar. Ich bin robuster. Das ist wahr. Und dennoch geht es mir schlecht, ich stelle meinen Raum zur Verfügung, damit der andere nicht an seiner Wunde berührt wird, damit er darunter nicht zusammenbricht und damit ich nicht die Enttäuschung in den Augen des anderen sehe, wenn ich seine Erwartungen nicht erfülle. Ein Blick, der mir alle Verantwortung für das Wohlbefinden des anderen und meine Rücksichtslosigkeit vermittelt. Ein Blick, der sagt: „Ich leide und DU könntest das so leicht ändern.“ Dass ich dafür etwas tun müsste, was ich nicht will, wobei ich mich nicht wohl fühle, ist dem anderen völlig egal. SEINE kurzfristige Erleichterung zählt. Ich komme mit meinen Bedürfnissen und meiner Unversehrtheit darin nicht vor. Und alles in mir fühlt, dass ich das alles ertragen könnte, aushalten, von ihm weghalten. Da kommt auch eine Stimme, die sagt: „Ach komm, stell dich doch nicht so an. Es ist doch eigentlich gar nichts. Was du wieder hast?“ Pfui Teufel wird mir schlecht.

Ich hab die ganze Zeit die Beziehung zu meinem Vater sehr präsent. Und da kommt mir wieder der Satz von neulich: „Ich sehe dich (mit deinem Schmerz) und ich trage dich nicht weiter.“ Gleichzeitig merke ich, dass ich den Punkt noch nicht ganz erwischt habe, was diesen Teil nicht Nein sagen lässt. Da ist immer noch Starre, Ausharren, Schweigen, Handlungsunfähigkeit. Wie wenn immer noch ein Verbot wirkt. Oder das Schlimme daran von mir selbst noch nicht anerkannt ist. Wie wenn mein Unwohlsein noch keine Berechtigung zugesprochen bekommen hat. Mhmmm… Der letzte Satz löst Berührung in mir aus. Da kommt etwas in Gang. Die Tränen steigen auf und die Kleine sagt: „Das ist voll schlimm“ und will sich in starke Arme werfen, Arme von jemandem, der sieht und versteht, der das alles auch erkennt und anerkennt.

Jetzt weint es. In warmen Armen. Christians Arme. Fühlend verstanden und begriffen. Gehalten. Schützend umfangen. Erfasst und bestätigt. DAS hat immer gefehlt. Dass da mal jemand von außen drauf schaut und die Verdrehungen erkennt, sie bestätigt. Da war immer der Zweifel. Himmel!!!!! Der Zweifel war das Problem. Jetzt weint es noch mehr. Jetzt fließt es richtig. Der Zweifel hat mich nicht Nein sagen lassen. Ich könnte mich täuschen. Ich könnte dem anderen unrecht tun. Ich könnte unfair sein. Ich könnte das alles einfach nur falsch verstanden haben, mich täuschen mit meinem Unwohlsein. Das Problem könnte bei mir liegen. Keine Möglichkeit für einen Abgleich. Niemand da, der ehrlich reflektiert und Seins zu sich nimmt. Niemand da, der außerhalb von all den Mustern und Dynamiken da ist, mit Feingefühl und die Situation tatsächlich erfasst, die Sachlage erkennt. Kein Referenzpunkt, kein wahrhaftiger Bezugspunkt, kein Wahrnehmungsabgleich möglich. Ich allein mittendrin in all den Verdrehungen und immer die „Gefahr“, dass ich falsch liege mit dem Gefühl, dass da etwas sowas von nicht stimmt. Ich war ja die Einzige damit.

Und jetzt fällt mir etwas ein, was mir heute Morgen so klar wurde. Wir alle waren im Grunde als Kind Opfer einer riesigen Verschwörung. Die Verschwörung der Unmenschlichkeit. Alle waren unmenschlich und abgetrennt da, unnatürlich und haben uns kleinen, fühlenden, berechtigterweise alarmschlagenden Wesen weis machen wollen, dass wir uns täuschen, dass so halt Leben geht und unsere Probleme mit dieser schreienden Unmenschlichkeit nur an uns lägen. Das einzige fühlende, menschliche Wesen weit und breit und der Fehler wurde uns zugeschrieben. Darin waren sich alle einig. Eltern, Schule, Ärzte, Kirche, etc… DAS ist Gaslighting im ganz großen Stil und eine Verschwörung, die sich seit Generationen durchgezogen hat. Möglich gemacht durch Trauma. Halleluja!

Da wird mir wieder bewusst, wie wichtig es ist, uns gegenseitig die Welt wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen und uns gegenseitig saubere Spiegel zu sein, die wir als Kind nie hatten. Mit dieser Bestärkung wird das Nein ermöglicht, das es so dringend braucht, um all diesen Missbrauchs-Wahnsinn zu beenden. Donnerwetter! Was für ein Prozess und was für eine Erleichterung, wenn der Punkt getroffen ist. DANKE!!!!!


Sonntag, 24. August 2025

Das schlimmste Sich-Verlassen?

Ist das schlimmste Sich-Verlassen das "etwas vor sich selbst verbergen"? Ich hatte nie die Strategie, etwas vor mir selbst zu verbergen. Wenn ich mein Innerstes auch nicht anderen zeigen konnte, in mir hab ich es bei mir gehabt. Ich war mit mir mit dem da. Bin dann lieber von anderen weg, damit ich in mir mit mir sein konnte.

In der Begleitung von Menschen begegnet mir immer wieder das Phänomen, innerlich von sich selbst wegzugehen und etwas tatsächlich vor sich selbst verbergen zu müssen. Etwas, das so ungeliebt ist, dass es nicht wahr sein darf, versteckt werden muss und zwar nicht nur vor anderen, sondern auch und vor allem vor sich selbst.

Ab da gilt alles der Aufrechterhaltung eines bestimmten Selbstbildes, das den versteckten Aspekt nicht beinhaltet und ein ganz starker Kampf im Innersten gegen sich selbst. DAS darf nicht entdeckt werden, schon gar nicht von sich selbst. DAS darf nicht wahr sein. Ich muss und will anders sein, als DAS.

Dieser beschriebene innere Kampf in einem Menschen ist in meinem Erleben der Grund, warum sie für mich unerreichbar sind. Sie sind im Krieg mit sich. Augen, die mich nicht sehen, weil sie nur unverwandt nach innen gerichtet sind, mit dem Kampf und dem "sich selbst täuschen" beschäftigt.

Ich hatte vor mir selbst nie etwas zu verbergen und konnte sehr lange Zeit nicht verstehen - überhaupt nicht verstehen - warum die meisten Menschen nicht einfach sagen, was los ist. Man kann doch mit allem umgehen. Ich wusste von diesem Phänomen des "etwas vor sich selbst verbergen müssens" lange nichts.

Mit diesem Wissen, dem so wertvollen Teilen von Betroffenen und dem Ergründen und Erfühlen der Hintergründe und Anteile, verstehe ich im Nachgang mal wieder sooo viel mehr in meinem Leben, kann Erfahrungen in Begegnung nochmal anders einordnen und verstehe einmal mehr, mit was ich als Kind und auch ganz oft als Erwachsene zu kämpfen hatte - mit den Kämpfen der anderen gegen sich selbst. Es hatte nichts mit mir zu tun. Überhaupt nichts! Und oft wurde an mir von ihnen das bekämpft, was sie an sich so gar nicht haben wollten. Wieder hat das nichts mit mir zu tun und natürlich hat etwas in mir es persönlich genommen und auf sich bezogen. Wie hätte ich es als Kind anders deuten sollen?

Ich hatte keine Chance da jemanden zu erreichen. Da durchzudringen. Gesehen zu werden. Angenommen zu werden wie ich bin. Der andere konnte und wollte sich ja noch nicht einmal selbst sehen und annehmen, wie hätte er es mir gegenüber leisten sollen? Halleluja!!! Da gehen ganze Kronleuchter an.

Die anderen waren im Krieg gegen sich selbst und sind nie daraus zurückgekehrt.



Samstag, 16. August 2025

Das Leben ist zyklisch

In den meisten Fällen gehen wir davon aus, dass das Leben linear verläuft. Ein Trend setzt sich fort. Meistens ein eher negativer. Sätze wie "wehret den Anfängen" oder "das dürfen wir gar nicht erst einreißen lassen" zeugen von dieser Haltung.

Das "Gute" - so sind viele überzeugt - verschwindet ganz bald wieder, aber das Unangenehme, das Unerwünschte, das bleibt. Das setzt sich fest. Dagegen müssen wir auf jeden Fall was tun. Das können wir so nicht sein lassen. Wenn das erstmal eingerissen ist, dem werden wir nicht mehr Herr...

Körperliche Symptome, unangenehme Gefühle oder Empfindungen, die Tatsache, dass das Geld weniger wird - wie oft habe ich diesbezüglich Äußerungen gehört, wie "wenn ich jetzt schon Rückenschmerzen habe, wie soll das erst mit 80 sein?" oder "wenn ich erst einmal anfange zu weinen, höre ich nie wieder auf" oder "ich muss aufpassen, dass ich nicht in die Depression rutsche, da komm ich nie wieder raus" oder "gegen diese Antriebslosigkeit muss ich was tun" oder "jetzt muss ich mal wieder was tun, das Geld wird knapp".

Da ist die Idee einer linearen Fortsetzung eines momentanen Zustandes. Die Vergangenheit bzw. Gegenwart wird auf die Zukunft übertragen. Es wird die Schlussfolgerung einer notwendigen Gegenbewegung gezogen, dagegen steuern müssen, etwas ändern wollen oder gar nicht erst erfahren wollen und verhindern müssen.

Ich wurde genau so erzogen. Unkenrufe, Warnungen, tun müssen, aufpassen, wissen müssen, nicht leichtsinnig sein, die Kontrolle behalten. Fit sein müssen. Fleißig sein müssen. Immer direkt eingreifen. Nicht krank sein dürfen. Nicht schwach sein dürfen. Nicht ohne Geld sein dürfen. Nicht faul sein dürfen. Nicht nicht wissen dürfen. Etc...

Das ist so elendig anstrengend, so ermüdend, so unnatürlich, so zermürbend und irgendwie auch unmöglich. Zu so vielem wird dadurch Nein gesagt.

Etwas in mir wusste wohl, dass das alles nicht die Wahrheit sein kann. Etwas in mir hat mir gesagt, dass das Leben ganz anders angelegt ist. Etwas in mir hat mich auf die Reise geschickt und es herausfinden lassen. Was passiert denn, wenn ich aufhöre zu kontrollieren, einzugreifen und die Dinge einfach sein lasse, geschehen lasse, mich hingebe?

Überraschung! Das Leben verläuft nicht linear. Das Leben verläuft zyklisch. Jede Phase geht zu Ende. Jedes Gefühl geht vorbei. Jedes Weinen verebbt. Jede Antriebslosigkeit weicht neuer Kraft. Jedes Chaos wird zur Ordnung. Auf jedes Nichtwissen folgt Klarheit. Jedes Symptom, das ich je hatte, ging auch wieder. Wenn das Geld weg ist, kommt neues. Jeder Moment verstreicht und wird neu, anders.

Ich wurde von Menschen gewarnt und erzogen, die es nie selbst ausprobiert haben, was passiert, wenn... Sie haben sich nie eingelassen aufs Leben. Sie haben sich nie vollständig hingegeben. Sie haben kontrolliert und mir von Horrorszenarien erzählt, die nur Scheinriesen in ihrem Inneren waren, teils übernommen von Ahnen, teils angeeignet durch eigenes Trauma, aber nie die Wahrheit über das Leben.

Ich hab's eigenhändig ausprobiert. Ich hab immer wieder den Fuß in die Luft gesetzt und erfahren, dass sie trägt. Ich habe mich jeder Phase voll und ganz hingegeben, ja dazu gesagt, sie voll verkörpert und jeden Widerstand dazu aufgespürt und ebenfalls anerkannt. Nichts bleibt gleich, wenn ich mich voll und ganz hingebe, absichtslos, voll einverstanden.

Das ist Leben. So ist mein Leben. Hingabe. Keine Kontrolle. Nicht eingreifen. Und siehe da die Zyklen offenbaren sich. Der negative Trend setzt sich nicht fort. Das "Gute" muss nicht festgehalten werden.

In diesem Wissen, mit dieser Gewissheit, nehme ich Symptome wahr und lasse sie da sein. Mit dieser Gewissheit geben wir das letzte, jetzt gerade zur Verfügung stehende Geld aus. Mit dieser Gewissheit, lasse ich Menschen sein und los. Mit dieser Gewissheit, fühle ich bereitwillig jedes Gefühl, nehme alles wahr, kann mir alles anschauen.

Um die Erfahrung zu machen, dass das Leben tatsächlich zyklisch ist, muss ich bereit sein, durch das scheinbar Unaushaltbare durchzugehen, muss bereit sein, in jede Erfahrung hineinzugehen und darin zu bleiben, mich ganz drauf einzulassen. Wenn ich nicht reingehe, mache ich nicht die Erfahrung, dass es auf der anderen Seite wieder herausgeht. Diesen Schritt kann mir niemand abnehmen.

Ich bin unendlich froh, dass ich es getan habe. Wieder und wieder. Reingehen. Hingabe. Drinsein. Damit einverstanden sein. Das "Danach" erfahren können. Dieser Frieden, diese Leichtigkeit, diese Gelassenheit, diese Ruhe, diese Erfüllung, dieses Einverstandensein mit allem, was ist, diese Gewissheit, dass es weiter geht, dieses urteilsfreie Daseinkönnen, was sich dadurch automatisch einstellt, ist unbeschreiblich. Das ist für mich die Wahrheit über das Leben. SO fühlt sich das echte Leben an.

Jeder Moment ist richtig. Jede Erfahrung wertvoll. Ich bin tatsächlich sicher und getragen. Wohl behütet und versorgt. Es kommt. Es geht. Keine Phase ist besser oder schlechter als die andere. Der Tod so richtig, wie das Leben. Ein Abschied so wertvoll, wie ein Willkommen. Ein leerer Geldbeutel so korrekt wie ein voller. Erschöpft sein so berechtigt, wie voller Energie sein.

Jede Phase eines Zyklus' ist in der Ordnung. Ich bin die Einzige, die den Zuständen und Umständen eine Bedeutung beimessen könnte. Lasse ich es sein, ist es, wie es ist. Und eins ist sicher: Es wird wieder anders.



Dienstag, 12. August 2025

Die meisten sprechen, um nicht zu fühlen

Manchmal landen unter meinen Beiträgen Kommentare, mit denen kann ich im ersten Moment überhaupt nichts anfangen und frage mich ernsthaft, ob derjenige meinen Text überhaupt gelesen hat. Bei näherer Betrachtung und Befühlung gehen mir immer wieder ein paar Lichter mehr auf. Das mag ich gerade mit euch teilen.

Ich bin manchmal mit meiner Aussage die Bedrohung. Der andere will ein ganz bestimmtes Bild von sich haben und meine Aussage stört dieses Bild gewaltig. Oder der andere will auf eine ganz bestimmte Art behandelt werden, will Rücksicht und nicht an seinen Wunden berührt werden. Meine Aussage lässt blicken, dass ich das nicht tun würde. Da muss interveniert werden.

Die Kommentare sind im Grunde sehr seltsame Selbstoffenbarungen. Es geht eigentlich überhaupt nicht um mich und den Inhalt, den ich geteilt habe. Es geht um ihre eigene Haut. Da springt was an.

Ich merke immer wieder, dass ich versuche die Menschen beim Wort zu nehmen. Die Worte wörtlich zu nehmen. Es muss für mich im Zuhören und Antworten bei den meisten mehr um die Schwingung statt um die Worte gehen. Ich nehme die Worte der anderen zu wichtig, weil ich von mir ausgehe. Ich meine das, was ich sage. Mein Sprechen kommt aus meinem Spüren, aus meinem Fühlen. Die Worte drücken exakt mein Innen aus. Innen und Außen sind konkruent. Die meisten anderen meinen nicht, was sie sagen. Sie sprechen, um NICHT zu fühlen, um Gefühle zu vermeiden, wieder wegzumachen, wegzuargumentieren. Das "vergesse" ich gerne.

In den besagten Kommentaren wird deutlich, dass derjenige in dem Moment überhaupt nicht fühlt und erfasst von was ich rede, sondern er ist in seinem Angeticktsein da, auf Rechtfertigung, auf Angriff, auf Verteidigung, auf Vonsichweisen oder auf "mir sagen, dass ich das falsch sehe".

Nur denke ich mir die Sachen nicht aus. Das sind keine Ideen und Konzepte. Ich fühle, was da ist. Erspüre das energetische Muster und Gefüge und davon spreche oder schreibe ich dann. Ich spreche und schreibe aus dem Kontakt mit mir und dieses Ich nimmt das Wesen der Sache war, sieht innere Bilder.

In diesem Beobachten, was da ist, erfahre ich selbst unglaublich viel Neues, mir erschließen sich Zusammenhänge und Ereignisse, Verhaltensweisen, Muster, Nöte, Absichten. Das könnte ich mir im Leben nicht ausdenken oder zusammenreimen. Ich bin Wahrnehmende, Beobachtende. Das teile ich mit, wenn es stimmig ist, mit genau den Worten, die ausdrücken, was ich beobachte. Diese Worte kommen nicht von mir. Sie sind da. Oder wenn sie noch nicht direkt da sind, teste ich aus, bis das richtige Wort mit dem Beobachteten zusammenpasst. Achtsam. Fein. Behutsam. Bedacht. Weise gewählt.

Viele wollen schlicht nicht hören, was tatsächlich da ist. Das, was die Wahrheit des Moments ist, wird abgelehnt. Dann wird mir manchmal gesagt, ich bin unsensibel. Ich werde zum Problem erklärt. Ich kann für das Wahrzunehmende nichts. Ich bin Übermittler von dem, was energetisch eh schon Wahrheit ist und dazu stehe ich.

Ich bin nicht hier, um zu schweigen. Ich darf oft gar nicht schweigen.

Es ist für mich allerdings immer wieder enorm wichtig, solche schrägen Situationen auseinander zu nehmen und eben auch da zu erspüren, was untendrunter die Wahrheit ist. Wer ist wie da und was passiert hier eigentlich wirklich? Mich zerlege ich sowieso bis ins letzte Fitzelchen. Ich darf und muss immer wieder den anderen genauer unter die Lupe nehmen. Dadurch verstehe ich im Nachgang auch noch so viele andere Situationen, die mir bis dahin ein Rätsel waren.

Es ist tatsächlich die Zeit, in denen sich die Schleier lüften und offenbar wird, was so lange im Verborgenen lag. Für mich gilt das vor allem für Zwischenmenschliches. Damit einher geht immer wieder eine krasse Selbstbildkorrektur von mir. So viele Lügen, die mir über mich erzählt wurden, geben sich als genau das zu erkennen - als Lügen. Erzählt von Menschen, die nicht in der Lage waren, ihre Gefühle zu sich zu nehmen.

Ich verstehe jeden Tag so viel mehr. Halleluja! Was für eine Befreiung, wenn die Dinge gerade gerückt werden und endlich der Wahrheit entsprechen.


 

Freitag, 8. August 2025

Du darfst beißen!

Dir wurde verboten, dich zu wehren. Du hättest dich wehren müssen. Da waren Grenzüberschreitungen und Ungerechtigkeiten ohne Ende. Du hast nicht beißen dürfen und hättest beißen müssen. Sie haben dir dein berechtigtes Nein nicht erlaubt. Sie haben dich deiner Macht beraubt, dir deinen Selbstschutz verboten. Sie haben dich ausgeliefert immer wieder. Sie haben dich damit verraten, ans Messer geliefert, geopfert.

In mir ist Empörung. Fassungslosigkeit. Wut. Etwas in mir steht auf, baut sich auf, in die volle Größe, stellt sich neben dich, vor dir hin, vor deinen Jungen und brüllt wie ein Löwe, gibt einen Hieb mit der Pranke, fletscht die Zähne und bleibt knurrend, schützend vor dir stehen.

"Hier ist Feierabend! An der Stelle ist es zu Ende! Schluss jetzt! Verschwindet! Ein für alle Mal! Seht zu, dass ihr Land gewinnt!" spricht es durch mich.

Du hast dein Recht auf dein Nein, deine Grenze, deinen Raum, deine Ruhe, deine Sachen. Die Zeit des Ertragenmüssens, Dulden, des Kriegs gegen dich Selbst ist vorbei.

Es brüllt nochmal in mir. Ein Machtwort. 🦁🔥🔥🔥🔥🔥

Du darfst beißen! 🦁🦁🦁🦁

 


Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht."

Ein Satz, der seit gestern unglaublich viel in mir bewegt. Ein Satz, der mich noch stabiler stehen lässt. Mitfühlen ja, sehen, anerkennen. Übernehmen, nein. Klar abgrenzend, gerade wenn ich merke und so deutlich spüre, dass mir jemand die Verantwortung für seine Gefühle geben will, dass da Erwartungen und Anforderungen sind, Schuldzuweisungen und auch aufrecht erhalten werden. Wenn ich den Schmerz so deutlich spüre, den ich berührt habe, für den ich aber nicht die Ursache bin.

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht weiter."

So musste ich diesen Satz in mir abwandeln, um die Wahrheit in Bezug auf meinen Vater auszudrücken. Da gab es einen Teil in mir, der dieses Tragenmüssen immer noch als seine Aufgabe sah und bei jedem gesunden Nein meiner Erwachsenen ein schlechtes Gewissen hatte, Schuldgefühle, Zweifel. "Wir können ihm doch mal eben gut tun. Es fällt uns doch so leicht," sagte dann die Kleine zu mir.

Dieser Ausdruck von Mitgefühl in dem Satz, dieses "Ja, ich sehe dich mit deinem Schmerz" an meinen Vater gerichtet, brachte ihr irgendwie die Möglichkeit dann Nein zu sagen. Warum auch immer, kann die Kleine jetzt tatsächlich den Schmerz des Vaters wahrnehmen UND ihn sein lassen. Da ist Ruhe, Klarheit und ein schlichtes Nein.

"Ich sehe dich, aber ich trage dich nicht weiter." An dieser Stelle endet das alte Spiel, die falsche Verantwortung, das schlechte Gewissen wieder einmal mehr noch tiefer.

Ausatmen.
Aufatmen.
Erleichterung.
Wieder mehr Ordnung.
Wieder mehr Ent-wicklung.
Wieder mehr Ich.
Halleluja!


 

Samstag, 2. August 2025

Ganz, ganz oft bist nicht du das Problem

Du bist nicht anstrengend. Du stößt auf Ungereimtheiten und sprichst das an.

Du bist nicht nervig. Du willst Klarheit und Stringenz.

Du bist nicht schwer von Begriff. Der andere ist nicht verstehbar. Du willst verstehen und fragst nach.

Du bist nicht zu viel. Du willst nicht zu viel. Der andere ist nicht da. Du forderst zu recht Präsenz, willst den anderen greifen, begreifen und fühlen.

Du bist nicht komisch oder kompliziert. Du stolperst über den Müll der anderen, den sie in euren gemeinsamen Raum stellen.

Du kannst es nicht einfach mal gut sein lassen, weil es verdammt noch mal nicht gut ist.

Du bist nicht falsch. Du reagierst gesund auf die innere Abwesenheit des anderen, auf Widersprüchlichkeiten, auf Verdrehungen, auf unklare Räume, auf Unwesentliches, Abgetrenntes. Wehrst dich gegen Schuldzuweisungen, falsche Schlussfolgerungen, Projektionen, verbale Gewalt und Ungerechtigkeiten.

Du bist nicht das Problem. Du zeigst nur an, dass da was nicht stimmt, nicht in der Ordnung ist, das Gesagte nicht zu dem passt, was wahrnehmbar im Raum ist.

Du reagierst, wenn deine Würde verletzt wird, deine Grenzen überschritten werden, du übergangen wirst oder dir nicht die Wahrheit gesagt wird, etwas verschwiegen wird, unausgesprochene Absichten im Raum sind, Manipulation stattfindet.

Das Meiste, was in meinem Leben zu meinem Problem erklärt wurde, für das ich falsch gemacht wurde, waren in Wahrheit die Baustellen der anderen, mit denen ich schon zu kämpfen hatte, lange bevor ich auch nur einen Mucks gesagt habe.

Meine Wahrnehmung und meine körperlichen Reaktionen darauf waren immer richtig. Nichts davon hab ich mir eingebildet. Ich werde wieder und wieder darin bestätigt und das geht nur, wenn jeder radikal ehrlich da ist und reflektiert.

Du bist auf die Ehrlichkeit und die Reflexionsfähigkeit der anderen angewiesen, wenn eine Situation wirklich geklärt und aufgeklärt werden soll. Du spürst, wenn Wahrheit gesprochen wird, wenn es stimmt, was der andere sagt, wenn es übereinstimmt, wenn das, was schwingt, zu dem passt, was gesagt und getan wird.

Ganz, ganz oft bist nicht du das Problem, du stößt lediglich auf das unaufgeräumte Zeug der anderen.


Sonntag, 29. Juni 2025

Egoismus - bin ich egoistisch, wenn ich mich um mich kümmere?

Egoismus ist nicht einfach nur ein schlechter Charakterzug. Er ist für meine Begriffe eine mögliche und logische Folge von Trauma. Meistens fürchten allerdings die „falschen“ Menschen, egoistisch zu sein, nämlich die, die sich um sich kümmern, um ihre emotionale Reifung und Bewusstwerdung. Ich mag das Ganze mal ein wenig auffächern und beleuchten und auch so einiges geraderücken. Der Text hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er basiert auf meinen ganz persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen.

Ein Mensch, der früh traumatisiert wurde und daher im Wesen zersplittert, fragmentiert ist, der in der Entwicklung zu einem emotional gesunden, ganzheitlichen Menschen gestoppt wurde, ist meist zu weiten Teilen in einer Bewusstheit da, die nur Versorgung und Zugehörigkeit als Lebenssinn kennt. Die zentralen Fragen sind: "Wie bekomme ich das, was ich brauche?" und "Was muss ich tun, um dazuzugehören?" Danach wird alles bemessen und jede Handlung ausgerichtet. Diesen Zielen wird alles untergeordnet.

Es gibt so viele Lücken in der kindlichen Versorgung, viele Bedürfnisse, die überhaupt nicht gestillt wurden, Mangel und Fehlen überall, die auch im Erwachsenenalter alles überwiegen und noch erfüllt werden sollen.

Nun gibt es zwei verschiedene Arten von Überlebensstrategien mit einem dysfunktionalen, unterversorgenden Umfeld als Kind. Der Externalisierer versucht alles, was fehlt, im Außen zu bekommen. Sein Fokus liegt auf den anderen. Er verortet dort sowohl Problem als auch Lösung. Er spürt und reflektiert sich selbst kaum. Er reift nicht wirklich nach. Er kennt keine Verantwortung. Er bleibt zu weiten Teilen das brauchende Kind, auch als Erwachsener.

Der Internalisierer nimmt sich von Kindesbeinen an selbst in die Verantwortung - für sich und alle anderen gleich mit. Er sucht immer in sich. Sowohl Problem als auch Lösung, auch für alle anderen, deren Unfähigkeit er registriert. Er kennt sich in und auswendig. Er reift emotional sehr schnell, viel zu schnell, aus der Not. Verantwortung ist sein zweiter Vorname. Braucher und Versorger sind geboren. "Egoist" und "Empath".

Der Braucher sieht nur Versorger. Das Wohlergehen der anderen spielt keine Rolle. Ein kleines Kind braucht Versorgung und fragt sich nicht, wie die Versorger das hinbekommen. Die anderen werden nicht als Mensch gesehen, nicht als eigenständiges Wesen mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, sondern lediglich als Bedürfniserfüller. Egoisten, unterversorgte, kleine Kinder in erwachsenen Körpern oder anders ausgedrückt emotional unreife Erwachsene, sind nicht in der Lage, sich in einen anderen hineinzuversetzen, hineinzufühlen. Sie können keinen anderen Blickwinkel einnehmen, als den ihren und haben daher keine Idee davon, was ihr Handeln für den anderen gerade bedeutet.

Der Internalisierer reift wie gesagt meist schnell nach, weil er sich um sich kümmert, sich in Frage stellt und immer zu „an sich arbeitet“ (oft zu viel und versucht die Probleme der anderen gleich mit in sich zu erlösen – kindliche Muster). Er wird innerlich tatsächlich in weiten Teilen erwachsen. Deswegen mag ich ihn als den emotional reiferen Erwachsenen bezeichnen.

Für diese Menschen - ich zähle mich dazu - ist es extrem wichtig, nicht mitleidig diesen "armen", unterversorgten Braucher-Wesen helfen zu wollen, weil die Not doch aber so deutlich spürbar ist und deswegen alles für sie zu tun, oder weil vielleicht Druck aufgebaut wird, Erwartungshaltungen zu spüren sind. Solange kein erwachsener Beobachter im anderen zugegen ist und der kindliche Anteil des anderen meinen (emotional reiferen) Erwachsenen anspricht und mit einem Versorger gleichsetzt, helfe ich nicht, ich erzeuge und fördere weiter Abhängigkeit. Ich werde in dem Fall einfach nur benutzt. Es findet eine kurze Befriedigung der Bedürftigkeit beim anderen statt, aber keine Nachreifung und Bewusstwerdung. Das Spiel ginge bis in die Ewigkeit. So wie früher. Für den emotional unreifen Menschen gibt es keinen Grund, sich zu bewegen. Es funktioniert ja.

Solche Kontakte fühlen sich für emotional gereifte Menschen nicht umsonst auslaugend, unbefriedigend, anstrengend und schal an. Ihr Wesen, ihr Befinden spielen darin keine Rolle. Es fließt alles von ihnen weg und nichts zu ihnen hin. Es ist nicht ausgeglichen. Sie füttern ein schwarzes Loch, wie sie es in der Kindheit schon getan haben.

Es ist enorm wichtig genau in solchen Kontakten, seine Grenzen deutlich zu machen, Nein zu sagen und den anderen auf sich selbst zurück zu werfen. Es ist vielleicht sogar immer wieder relevant, wenn es denn stimmig ist, dem anderen zu signalisieren, dass sich sein Verhalten gerade richtig widerlich anfühlt und den eigenen emotionalen Schmerz zum Ausdruck zu bringen, wenn z. B. im Miteinander gerade Manipulation stattfindet.

Die emotional unreifen Menschen brauchen im Grunde ehrliches Feedback und müssen erfahren, dass es andere, eigenständige Wesen gibt, die eigene Bedürfnisse, Gefühle und Grenzen haben. Das ist die eigentliche "Hilfe", die wir geben können. Eine ehrliche, aufrichtige Rückmeldung, die genauso direkt und vielleicht krass ist, wie sich das Verhalten des emotional unreifen Menschen für uns tief fühlende Wesen anfühlt.

Dem anderen so dann aber doch irgendwie helfen zu wollen und ihn zu mehr Bewusstheit zu bewegen, ist verführerisch, sollte aber dennoch nicht die Prämisse sein. Diese inneren Retter-Anteile kann ich mir direkt anschauen und nach Hause holen. Es geht viel mehr darum, schlicht meine Wahrheit zu sprechen und meine Integrität zu wahren, mich nicht benutzen und instrumentalisieren zu lassen, nicht von den Nöten der anderen steuern zu lassen. Die Rückmeldung dient lediglich dem authentischen Ausdruck meiner inneren Wahrheit.

Frei. Absichtslos. Für mich. Aus meinem Inneren des jeweiligen Moments gesprochen und gehandelt. In der Übereinstimmung mit meinem Körperempfinden, BEVOR vielleicht die Gedanken kommen, die Prägungen aus der Kindheit, die mich ja genau zu so einer Form des emotionalen Missbrauchs erzogen haben und mir gesagt haben, ICH wäre die Egoistische, wenn ich mich nicht benutzen lassen würde.

Interessanterweise wird Menschen, die anfangen, gesund Nein zu sagen, dann Egoismus vorgeworfen und zwar genau von denen, die nicht mehr beliefert werden, also von den eigentlichen Egoisten, die die Bedürfniserfüllung immer noch im Außen suchen.

Mich um meine seelische Gesundheit zu kümmern, meine Integrität zu wahren, unversehrt bleiben wollen, Grenzen haben dürfen und mich aus missbräuchlichen, manipulativen Strukturen zu befreien, aus dysfunktionalen Systemen und Beziehungen, ist kein Egoismus. Es ist Selbstschutz. Mich nicht mehr benutzen lassen wollen, ist kein Egoismus. Das ist ein natürliches, gesundes Bedürfnis. Das kranke Verhalten liegt beim anderen. Nicht bei mir. Ich will lediglich ein eigenständiges Wesen sein dürfen, das vom anderen als Wesen wahrgenommen, erkannt und respektiert wird.

Der Egoismus, der mir vorgeworfen wird, den ich mir vielleicht innerlich sogar selber vorwerfe, ihn befürchte, ist die Verteidigung meiner Wesensgrenzen, die die eigentlichen Egoisten, in dem Ansinnen mich zu benutzen, nicht sehen und wahren.

Das ist alles kein Vorwurf, keine Anklage, sondern eine Richtigstellung der Verdrehungen, die so weit verbreitet und gebräuchlich sind. Die Angst, egoistisch zu sein, andere im Stich zu lassen, hält viele herzensgute, tief empathische, weitsichtig, wohlwollende Menschen in unglaublich giftigen, missbräuchlichen Feldern.

Die Angst, ein schlechter Mensch zu sein, haben meistens die, die wahrlich keinen Grund dazu haben und viel zu viel mit sich machen lassen. Sie haben im Grunde Angst, deswegen ein schlechter Mensch zu, weil sie sich nicht mehr missbrauchen lassen wollen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Damit will ich es bewenden lassen. Es war mir ein großes Anliegen.



Sonntag, 13. April 2025

Ich habe die Pflicht, weniger Zumutung zu sein

Sie haben mir gesagt, wo ich die Zumutung für sie bin. Wo ich ihnen das Leben schwer mache. Wo ich widerlich bin. Wo sie wegen mir traurig oder enttäuscht sind, oder sich anderweitig verletzt oder belästigt fühlen.

Sie haben mich auf meine "Verfehlungen" hingewiesen mit der klaren Aufforderung, das zu ändern, damit sie es nicht mehr so schwer mit mir haben.

Diesen Beschwerden über mich böses Kind musste ich nachkommen. Ich hatte die Pflicht, das zu beheben. Die Beschwerde durfte unter keinen Umständen in Frage gestellt werden. Erwachsene durften sowieso nicht in Frage gestellt werden. Ihre Untaten durften nicht benannt werden. Das hat mich direkt zum Täter gemacht.

Die Kleine stand unter Dauerbeschuss. Eins ums andere Mal wurde ihr gesagt, was alles nicht mit ihr stimmt und dass es damit die anderen echt schwer haben.

Ich hab sie heute gefunden diese Kleine, die all diese Beschwerden nicht zurückweisen darf, die sich die Vorwürfe zu Herzen nehmen muss, den Fehler in sich beheben muss, die Mängel beseitigen, die Anklage annehmen und es besser machen, damit es den anderen leichter ist mit ihr. Sie hat die Pflicht, ein besserer Mensch zu werden. Und wenn sie sich den Beschwerden nicht annimmt, nicht an sich arbeitet, dann entzieht sie sich ihrer Verantwortung, ist egoistisch und unmöglich, kaltherzig und rücksichtslos. Trägt ganz klar die Schuld dafür, dass es den anderen dann halt nicht besser geht. Sie hätte es in der Hand. So einfach. Sie könnte einfach endlich braver sein, hören, lieber sein, weniger stören. Die Fünfjährige, die überhaupt nicht weiß, wie ihr geschieht. Die alles will, nur niemandem weh tun. Schon gar nicht absichtlich.

"Wenn sich jemand über mich beschwert, habe ich die Pflicht weniger Zumutung für denjenigen zu sein." Das hat bis vorhin ein Anteil in mir geglaubt. Wahrscheinlich glaubt dieser Anteil sogar die Pflicht zu haben, überhaupt weniger Zumutung zu sein. Pfoah! Leck mich am Arsch... Das darf erstmal begriffen werden.

Und das alles unter dem Deckmäntelchen der Liebe. Sie meinten es ja nur gut mit mir. Wohl eher mit sich...



Dienstag, 11. März 2025

Lieber lebendig #2 - Sicher in der Bedrohung

Eine weitere Begegnung ohne Absicht. Reinspringen ins Nichtwissen, um hinterher festzustellen, dass es wohl um die Sicherheit in der Unsicherheit ging. Darum, dass die Bedrohung nicht verschwunden sein muss, damit ich mich sicher fühlen kann in diesem Leben.

Wir laden euch ein. Wir nehmen euch mit in unseren Lieber-Lebendig-Raum.


PS: Ich habe das Gespräch mit dem Handy aufgezeichnet. Die Sprecheransicht wechselt ständig zwischen Michael und mir, was ich persönlich als sehr irritierend empfinde. Nun ist es aber so geworden. Vielleicht magst du ja einfach nur hören und fühlen ohne Schauen.


Hier geht es zum Video-Podcast: https://creators.spotify.com/pod/show/anja-reiche/episodes/Lieber-lebendig-2---Sicher-in-der-Bedrohung-e300nv6


 

Dienstag, 4. März 2025

Verstehen hat meistens nichts mit Wollen zu tun

Ich hab lange gedacht, dass mich der Andere verstehen könnte, wenn er denn bloß wollte, dass es Absicht ist, Verweigerung, bewusste Erniedrigung, oder gar grundlegendes Desinteresse.

Das war meine Überzeugung: Wenn er wirklich wollen würde, könnte er. Was natürlich Wut und Enttäuschung mit sich gebracht hat, Frust und Schmerz, Trauer und Unzufriedenheit. Ich versteh doch auch immer alle, fühle tief mit, erfasse, interessiere mich, will wissen, frage nach, so lange, bis ich es wirklich erfasst habe.

Heute habe ich auf all das eine komplett andere Sicht. Mir ist bewusst geworden, dass es in den meisten Fällen nicht am Wollen liegt, sondern am Können. An der Befähigung. Die Welten, die ich in mir erforscht habe, hat derjenige, der mich nicht verstanden hat, meistens noch nicht im Ansatz betreten. Wir teilen nicht nur nicht ähnliche Erfahrungshorizonte. Die tiefe und weite des Bewusstseins, der Bewusstseinsentwicklung ist nicht im Ansatz vergleichbar. Manche Wahrnehmungsebenen gibt es beim Anderen einfach noch nicht.

Selbstreflexion ist eine Befähigung, die nicht von Geburt an da ist. Sie kommt im Laufe einer gesunden Entwicklung irgendwann hinzu, wenn es um mehr geht, als um das kindliche Überleben oder Dazugehören. Dann, wenn der Fokus von der Belieferung im Außen ins Innen gerichtet wird, das eigene Ich erforscht wird. Danach kommt irgendwann der Schritt, dass festgestellt wird, dass es nicht nur das eigene Ich gibt, sondern dass jeder ein eigenes Ich hat, das die Welt ganz anders erfahren kann als ich. Dann erst kann ich mich mehr und mehr in Bezug zu anderen setzen, kann mich in Relation setzen, kann vielleicht andere Blickwinkel einnehmen, vergleichen.

Wenn die eigene Innenerforschung, das Verstehen von sich selbst und vor allem das eigene Fühlen und Mitfühlen mit sich selbst nicht stattfindet, kann auch kein Verstehen und Mitfühlen mit einem anderen stattfinden. Es geht schlicht nicht. Ich kann mich so gut erklären, versuchen auszudrücken, was ich meine, fühle, denke, wenn es im anderen nicht landen kann, weil kein Resonanzfeld da ist, die Innenwelt nicht erschlossen ist, bringt das alles nichts. Der Andere kann noch so sehr wollen - und das habe ich oft genug erlebt und gespürt, dass der Andere WIRKLICH WILL - und es gelingt dennoch nicht.

Hinzu kommt, dass Unbewusstheit über sich selbst zur Folge hat, dass auch von Trauma, verzerrter Sicht, von Schleiern und Filtern, von Begrenzungen und hinderlichen Überzeugungen nichts gewusst wird und derjenige davon ausgeht, dass jeder die Welt so sieht oder sehen muss, wie er selbst. Also auch ich. Da wird es drei Mal nichts mit "mich wirklich verstehen". Das geht nicht. Bei aller Liebe nicht. Der andere geht ja davon aus, dass ich so ticke wie er, und er deswegen schon alles über mich weiß. Und wenn ich abweichende Sichtweisen habe, dann wirkt das eher befremdlich und bedrohlich, als dass es Neugier weckt. Da wird eher versucht, mich wieder auf Spur zu bringen, als mich zu verstehen.

Als ich begriffen habe, dass es tatsächlich meistens nicht am Wollen liegt, ob der andere mich versteht, dass es keine Absicht ist, sondern meist eine Unfähigkeit und das alles nichts mit mir zu tun hat, also keine Aussage über mich ist oder die Wichtigkeit von mir, hat sich etwas in mir sehr beruhigt.

Tatsächlich war das "wenn er wollte, könnte er" eine kindliche Überzeugung, die berechtigt war, aber falsch. Natürlich bin ich als Kind davon ausgegangen, dass der Erwachsene mich verstehen können muss und wenn er mich doch nicht versteht, er nur nicht will. Natürlich habe ich als Kind gedacht, dass das was mit mir zu tun haben muss, dass ich ihm nicht wichtig genug bin oder dass er mich - aus welchen Gründen auch immer - ärgern will, Machtspiele betreibt oder böswillig ist. Ich konnte das als Kind alles nur auf mich beziehen. Größer war meine Welt nicht.

Heute ist sie größer. Meine Welt. Minimal 😉. Gott sei Dank. Und ich sehe, Verstehen hat ganz viel mit Können, also mit Befähigung zu tun.



Freitag, 21. Februar 2025

Ich finde Sterben nicht dramatisch

"Ich finde Sterben nicht dramatisch." Der Satz war gerade da. Von mir. In einer Unterhaltung per Chat. Es war ein Geplänkel, witzig, hin und her.

Eine Einrichtung hat heute wegen Personalnot (deren Wort dafür) zu. Ich fand die Formulierung krass. Christian schrieb "besser Not als tot". Daraufhin erwiderte ich "vielleicht Not wegen tot" und er meinte mit einem Zwinkersmiley, Drama wäre ja sonst eher seins.

Und dann war da dieser Satz von mir. Sofort. Ich finde Sterben nicht dramatisch. Er ist zutiefst wahr für mich. Sterben ist völlig in Ordnung. Sterben im Sinne von: Den Körper verlassen. Die Form ändern. In die geistige Welt eingehen. Also im Grunde (wo) anders weiterleben.

Es ist für mich schlicht ein Übergang. Ein Wechsel der Ebenen. Alles, was zu diesem Wechsel "führt", ihn auslöst, ist für mich total legitim. Ein simpler, stiller, letzter Atemzug. Eine sogenannte "Krankheit", ein Unfall, eine freie Entscheidung. Andere äußere Umstände. Für mich stimmt jeder Weg und jede Wahl.

Meine tief gefühlte Wahrheit ist, und sie wurde mir von Seelen von "Verstorbenen" bestätigt (inklusive einer "Kinderseele", die abgetrieben wurde), dass immer alles stimmt, keine Seele vor ihrer Zeit geht. Dass es kein Scheitern gibt. Dass es kein "gegen eine Krankheit den Kampf verloren haben" gibt. Es gibt kein "der Mensch sollte noch hier sein". Kurz gesagt, es gibt daran und darin keine Fehler. Es ist aus höherer Sicht immer alles richtig.

Natürlich kann ich den Schmerz und die Trauer verstehen, den Schock, die Wut, die Ohnmacht und all die anderen Gefühle, die bezüglich dessen auftauchen können. Sie wollen gesehen und anerkannt werden. Die menschliche Erfahrung ganz gefühlt werden. Keine Frage. Ich will hier keine Gefühle wegreden. Auf keinen Fall. Und gleichzeitig sehe ich, wie viel Leid daraus resultiert, dass ein fettes Nein zu den Umständen und Tatsachen da ist, ein großer Widerstand, ein Kampf dagegen, ein "es anders haben wollen", es verhindern wollen, es als falsch betrachten.

Vor Jahren hab ich einen Text geschrieben mit dem Titel "Wann haben wir aufgehört, sterben zu dürfen?" Ich liebe diesen Text noch heute. Schon alleine die Überschrift sagt alles. Hier kommt keiner lebend raus. Also schon lebendig im Sinne des ewigen Bewusstseins, aber halt nicht mit einem lebenden Körper. Das Tod ist bei der Geburt schon inklusive. Das hat aber irgendwie fast keiner auf dem Schirm. Leben und Tod gehen Hand in Hand. Sie sind Geschwister.

Der Körper ist eine Leihgabe für gewisse Erfahrungen, die nun mal nur mit Körper gehen und das können mitunter krasse Erfahrungen sein. Hergeben müssen wir ihn allemal. So wie wir nun mal alles Materielle hierlassen müssen. Sterben üben noch zu Lebzeiten, Hingabe und Loslassen, macht für meine Begriffe ein Leben vor dem Tod erst möglich. Den Tod anerkennen als unabdingbaren, erforderlichen Teil des Lebens, mit allen Gefühlen und Phasen, ist im Grunde ganz undramatisch.

Leben ist. Der Tod ist. Mehr nicht. Weniger auch nicht.

Da bleibt also die Frage, wer in dir wehrt sich dagegen? Welcher Anteil will es anders haben? Wer in dir ist im Widerstand? Wer will festhalten? Wer verurteilt die Umstände? Diese Anteile wollen gesehen, gefühlt und geborgen werden. Da ist der Tod eine wunderbare Gelegenheit, selber zu heilen. Der Tod bringt Leben. 



Mittwoch, 12. Februar 2025

Vom Internalisieren und Externalisieren

Immer nur mich selbst zu hinterfragen und den Fehler bei mir zu suchen, ist genauso toxisch und ungesund, wie immer nur bei den anderen zu schauen. Beides sind Extreme. Beides blendet einen wesentlichen Teil aus, der aber zum Ganzen dazu gehört. Es braucht immer den Gesamtkontext.

Wenn Menschen nur bei anderen schauen und fordern und selbst unantastbar sind, nicht in Frage zu stellen, nennt man das gerne Narzissmus und sagt, das wäre toxisch.

Wie nennt sich das aber, wenn ich umgekehrt nur bei mir schaue, alles von mir zerlege, alles in Frage stelle, auch gesunde Reaktionen von mir als "Wunde" deute und den anderen komplett ausblende? Hat das auch einen Namen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es genauso hochgradig ungesund ist, toxisch, giftig für mich selbst, selbstzerstörerisch und unnatürlich, wie "Narzissmus".

Beides sind nach meinem Verständnis Überlebensstrategien aus der Kindheit, hervorgerufen von der Nichterfüllung der kindlichen Bedürfnisse. Die einen fordern ab da das Nichterhaltene immerzu von allen möglichen Menschen, ob die zuständig sind oder nicht. Den eigenen Kindern, den Partnern, den Kollegen, dem Chef, den Politikern, etc. Sie haben noch etwas zu bekommen und dafür sind ganz klar die anderen zuständig. Alle "Fehler", die ja da sein müssen, sonst wären ihre Bedürfnisse ja erfüllt, sind im außen zu suchen. Sie externalisieren. Den Blick als Erwachsene nach innen zu richten und bei sich zu schauen, sich selbst mit in die Gleichung zu nehmen, kennen sie nicht.

Die anderen sehen den Grund der Nichterfüllung der kindlichen Bedürfnisse bei sich. Der Fehler muss in ihnen liegen. Sie machen etwas nicht richtig, übersehen etwas bei sich, sind falsch, nicht liebenswert, oder was auch immer. Sie suchen ab sofort immer nur bei sich, fordern von sich alles, treiben sich zu Höchstleistungen an und sind ihr eigener schärfster Kritiker. Sie müssen es irgendwie selbst hinbekommen. Alles alleine machen. Sie internalisieren. Den Blick als Erwachsene nach außen zu richten und die anderen mit in die Gleichung zu nehmen, kennen sie nicht.

Zu letzterer Gruppe gehörte ich. Ich schreibe bewusst in der Vergangenheit, weil es seit Jahren mein Learning ist, eben meinen Blick auch mal auf die anderen zu richten, die mit an einer Situation beteiligt sind, die sich seltsam anfühlt.

Ich kann und muss ALLES reflektieren. Sowohl mich, als auch die gesamte Situation mit allen Beteiligten. Ich kann nichts aus dem Kontext gerissen betrachten. Weder mein Verhalten, noch das Verhalten des anderen. Weder nur meine Gefühle, noch nur die Gefühle des anderen.

Es gilt mein Feld, meine Absicht, meine Haltung, mein Innenleben zu erforschen, so wie das Feld, die Absicht, die Haltung, das Innenleben des anderen mit auf den Tisch zu legen. Anders geht es für meine Begriffe nicht.

Beim Schreiben wird mir nochmal so richtig schön deutlich, wie gut diese beiden unterschiedlichen Überlebensstrategien miteinander "harmonieren". Einer, der nur bei sich den Fehler sucht, kann natürlich "gut" mit jemandem sein, der den Fehler immer nur beim anderen sucht. Das passt "hervorragend" zusammen. Keiner von beiden ist besser oder schlechter. Keiner von beiden ist aus meiner Sicht in Wahrheit Opfer oder Täter. Sie haben unterschiedliche Überlebensstrategien gewählt. Ich hab da kein Urteil. Das sind wertfreie Beobachtungen, die mir total helfen, so vieles zu verstehen.

Wenn ich das Spiel durchschaut habe, kann ich ganz unaufgeregt und klar zu jeder ungesunden Forderung eines anderen Nein sagen und das nicht mehr mitmachen.

Wenn ich das Spiel durchschaut habe, kann ich ganz unaufgeregt und klar zu jeder ungesunden Forderung an mich selbst Nein sagen und das nicht mehr mit mir machen.

Und tatsächlich habe ich überhaupt keine Ahnung, warum ich das schreibe. Das wollte wohl so.



Donnerstag, 2. Januar 2025

Von Vorwürfen und Schuldzuweisungen

In letzter Zeit rechne ich bei jedem Kommentar auf social media mit Anfeindungen, mit Vorwürfen, mit Schuldzuweisungen, mit Bewertungen, mit Verurteilung, mit ausgedrückter Ablehnung, ja sogar mit Hass und Bekämpfung. Tatsächlich passiert es auch. Öfter als gewohnt.

Es gab diese Phasen immer wieder. Sogar Hetze hat es schon gegeben. Es scheint in Wellen zu gehen und immer wieder "nötig" zu sein, um weiter zu heilen.

Ich beobachte mich darin. Es macht viel mit mir. Tatsächlich ist es eine Herausforderung, es als Aussage desjenigen über sich selbst zu sehen und es nicht persönlich zu nehmen. Ich muss mich regelrecht daran erinnern, dass ich nicht gemeint bin, sondern gerade als Projektionsfläche diene.

Etwas in mir nimmt es sofort zu sich, nimmt den Vorwurf, die Schuld und denkt, dass der andere recht hat. Dass ich tatsächlich unmöglich bin, eine Zumutung, dass der andere unter mir oder wegen mir leidet. Etwas in mir glaubt tatsächlich, dass ich etwas an meinem Verhalten ändern müsste, dass ich zu weit gegangen bin, zu offen bin, zu viele Gefühle habe, dass ich anstrengend bin und ein Täter. Wankelmütig, sprunghaft, herrisch, kalt. Oder zu sülzig, verklärt, naiv, unvernünftig, nicht ganz bei Sinnen, völlig neben der Spur, weltfremd, dumm, unprofessionell, vom Leben keine Ahnung habe, andere belästige, ausnutze, mir Vorteile auf Kosten anderer verschaffe.

Diese Aufzählung könnte ich wahrscheinlich noch ewig weiter führen. Alles Dinge, die ich als Kind gehört habe, oder mir durch Blicke vermittelt wurden, emotionale Botschaften zwischen den Zeilen oder schlicht Rückschlüsse, die ich selbst gezogen habe in meiner kindlichen Logik, die alles auf sich bezieht.

Dieser Anteil in mir, der all das selbst glaubt oder/und befürchtet, dass die anderen damit recht haben, weiß nichts davon, dass ich einfach nur unangenehme Gefühle in anderen ausgelöst habe, für die ich aber nicht verantwortlich bin. Dieser Teil nimmt sofort die Verantwortung dafür zu sich. Sofort! Er weiß nicht, dass der andere für seine Gefühle selbst zuständig ist.

"Oh, da ist jemand aufgebracht wegen mir, enttäuscht von mir, ich muss was anders machen! Ich war wieder so und so... Ich muss das sofort korrigieren oder abstellen, mich erklären oder es wieder gut machen."

Letztlich ist ein Vorwurf nur das vor die Füße werfen der Verantwortung des anderen, ein unreflektiertes Hinwerfen, Hinrotzen und Austeilen, ein Nichtzusichnehmen. Mir wird suggeriert, ich hätte eine Grenze überschritten, obwohl ich nur von mir spreche. Dass der andere dann angreift, mich angeht, meine Grenzen überschreitet, wird nicht bemerkt, auch von meinem inneren Anteil nicht. Dieser Teil kennt seine Unschuld noch nicht. Er hat die Verdrehungen noch nicht begriffen. Da darf noch etwas richtig gestellt werden.

Mir hilft es gerade, das alles zu beleuchten, zu beschreiben, was da eigentlich vor sich geht. Es zu betrachten und zu befühlen. Damit bin ich jetzt noch etwas, lass es sacken und wirken. Beobachte und ergründe. 



Donnerstag, 28. November 2024

Der eigentliche Umweg ist, die Abkürzung zu suchen

Neulich bekam ich mal wieder eine Einladung als Speaker zu einem Kongress. Gefragt waren all meine Tools und Methoden und vor allem meine Abkürzungen auf dem Weg, "mein Ding" zu machen. 🙈🙈🙈 Hätte der Veranstalter sich nur ansatzweise mit meinem Sein und Wirken befasst, wüsste er, dass er genau DAS von MIR nicht bekommt.

Dieser Weg, dieses Sein hat keine Abkürzung. Jeder Versuch, diese Abkürzung zu finden und gewisse Dinge, Ereignisse, Erfahrungen und Gefühle zu umschiffen, ist für mich der eigentliche Umweg, den ich mir getrost sparen kann.

Sein mit dem, was ist. Erforschen, wer in mir denn hier die Abkürzung will. Was will ich mit der Abkürzung, dem Tool, der Methode tatsächlich erreichen oder vermeiden? Wer in mir ist mit dem JETZT nicht einverstanden? Wer in mir hat Angst vor welchen künftigen Ereignissen? Was wäre das Verlockende an der scheinbaren Abkürzung? Wo wünsche ich mich hin und warum will ich weg von dem, wie es jetzt ist?

Das sind für mich die Fragen, die es da eigentlich zu beantworten gibt. Und denen widme ich mich. Natürlich. Das ist der Weg, der für mich stimmt. Da, wo ich bin, bin ich richtig. Denen in mir zuhören, die da gerade nicht sein wollen, ist meine Aufgabe. Das Jetzt birgt die größten Schätze. Wir haben auch gar nichts anderes als das Jetzt.

Stefan Hiene schrieb heute morgen den folgenden Satz: "Der Umweg ist der eigentliche Weg der Erkenntnis" und meinte damit, dass eben das Scheitern, das, was wir vermeiden wollen, die wichtigsten Erkenntnisse birgt.

Vermutlich meinen wir das Gleiche und dennoch ist für mich der Weg der Erkenntnis eben genau kein Umweg. Das vermeintliche Scheitern würde ich niemals als Umweg bezeichnen. Und ich würde das, was da passiert schon gar nicht Scheitern nennen. Es ist wie es ist und ich habe die Chance mit diesem "so ist es gerade" da zu sein. Der Weg der Erkenntnis ist für mich das wahre Sein im Jetzt. Bewusstwerdung darüber, was da ob der Umstände in mir passiert. Ganz ohne Abkürzung. Ganz ohne irgendwo hin zu wollen. Ganz ohne Ausschau danach zu halten, ob das Gras auf der anderen Seite vielleicht grüner ist. Und wenn in mir etwas die Fühler nach "woanders" ausstreckt, dann bin ich mit diesem Etwas. Genau da. Das könnte man dann "ich mach mein Ding" nennen. 😁😉



Samstag, 9. November 2024

Bedürfnis, Bedürftigkeit, Opferhaltung

Ein Bedürfnis ist noch lange keine Bedürftigkeit und Bedürftigkeit ist noch lange keine Opferhaltung.

Ja, meine Erwachsene hat tatsächlich Bedürfnisse. Ganz natürlich aus sich heraus. Es gibt Ansprüche, die grundsätzlich erfüllt sein müssen, damit es mir wirklich gut geht.

Ja, meine inneren Kinder sind bedürftig. Sonst wären sie nicht Kinder geblieben. Da gibt es diese Lücken, die Löcher, das Unerfüllte. Ich darf sie bemerken. Die Kinder damit wahrnehmen. Mich damit wahrnehmen. Ich darf mit meiner Bedürftigkeit, dem Schmerz des Fehlens in Kontakt gehen. Das heißt noch lange nicht, dass ich im Opfermodus bin. Ganz im Gegenteil. Das ist tatsächlich sehr erwachsen und reif.

Ich will nämlich nicht die Erfüllung im Außen, von anderen. DIE müssen nicht das nachholen, was Mama und Papa hätten leisten müssen. Aber ich darf es in mir wahrnehmen, benennen, mit in den Raum nehmen und damit da sein, mich darin halten. Meine Bedürftigkeiten haben Berechtigung und vor allem Beachtung verdient. Von mir.

Der Opfermodus ist für meine Begriffe eben ein unbewusstes Wollen vom anderen, ein Wollen von dem, was die Eltern hätten übernehmen müssen. Der Opfermodus IST das unbewusste agieren, sonst wäre es kein Opfermodus. Sobald das Wirkprinzip erkannt ist, bin ich ja eben nicht mehr unbewusst und kann gar kein Opfer mehr sein. Da ist ein beobachtendes Bewusstsein in mir, das wahrnimmt. Dann bin ich ja schon in der Reflexion und in der Wahrnehmung dessen. Dann ist es ja schon erkannt.

Mehr dazu gibt es in meiner Audio hier: https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2190

Danke Annette und Miriam fürs Liefern der Puzzleteile. 🙏🏼😊❤



Montag, 14. Oktober 2024

Vom fiesen Aufwachgefühl

Ich wollte schon die ganze Zeit zum "Aufwachgefühl" am Morgen was sagen. Jetzt hab ich es endlich gemacht, weil mir dieses Thema in den letzten Tagen vermehrt begegnet ist.

Meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu einem fiesen Gefühl am Morgen, nicht hochzukommen, nicht aufstehen wollen und/oder sich direkt wieder aufs Bett am Abend freuen, verstimmt sein, sehr gedrückt, obwohl eigentlich nichts passiert ist.

Hier geht es zur Audio: https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2158


 

Sonntag, 13. Oktober 2024

Die Wahrnehmende kann nichts für das Wahrgenommene

Die Wahrnehmende kann nichts für das Wahrgenommene. Ich fühle es zwar in mir - wo sonst soll meine Wahrnehmung stattfinden - aber es gehört mir deswegen noch lange nicht. 🔥❤️🔥

Wenn ich Unrecht sehe, heißt das noch lange nicht, dass ich das Unrecht bin.

Wenn etwas in mir anfängt, das Wahrgenommene für meins, für mich zu halten, ist das immer mit einer ganz bestimmten Verwirrung verbunden. Der Anteil, der genau weiß, dass das nicht stimmt, ist im Konflikt mit dem Anteil, der es fälschlicherweise zu sich nehmen will.

Da ist das untrügliche Gefühl von "Hier stimmt was nicht" und das hatte bisher immer recht.

(In Ergänzung zu meinem Text von gestern zur Seherin.)

 



Montag, 7. Oktober 2024

Wie das Wahrnehmen von Projektionen (m)ein falsches Selbstbild geprägt hat

Ich glaube das ist die bisher tiefste und wichtigste Erkenntnis für mich darüber, wie mein falsches Selbstbild in der Kindheit entstanden ist. Es ist nicht maßgeblich das, was mir tatsächlich über mich erzählt wurde, sondern ich habe angefangen, die Projektionen auf mich, die ich bei anderen wahrgenommen habe, als die Wahrheit über mich zu glauben.

Hier geht es zur Audio:  https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/2144