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Mittwoch, 3. Juni 2026

Es braucht keine Moral

Es braucht keine Moral. 
Es braucht Menschlichkeit. 

Es braucht keine Urteile. 
Es braucht Erlaubnis.

Es braucht keine Ideale. 
Es braucht Echtheit.

Es braucht kein Ziel. 
Es braucht die Wahrheit des Moments.

Es braucht keine Handlung. 
Es braucht das Damit- und Darin-Dasein.

Es braucht kein „weg davon“. 
Es braucht das „in Beziehung damit gehen“.

Wenn Heilung im Sinne von Ganzwerdung, vollständig werden, Selbstwerdung, passieren soll, dann braucht es eine Haltung, die Raum ist und gibt. Sowohl mir selbst gegenüber als auch Menschen gegenüber, die in der Heilung begleitet werden. 

Das ist keine weitere, schöne Theorie. Es ist erforscht und erprobt, am eigenen Leib ausprobiert. Pure Selbsterfahrung. Sowohl in der Begegnung mit mir selbst, als auch in der Begleitung von Menschen.

Ich sehe und erlebe wieder und wieder - und das tatsächlich schon seit so vielen Jahren - das Wunder, das geschieht, wenn alles da sein darf. Das Wunder des Mitgefühls. Das Wunder der adäquaten, menschlichen Reaktion auf jegliche Unnatürlichkeit in der Kindheit. Das Wunder das geschieht, wenn subtile Nöte einen Namen bekommen und benannt werden. Das Wunder, wenn gesprochen wird, was stattdessen hätte sein müssen, wenn es gesund hätte sein sollen. Das Wunder, wenn innere Kinder eine Stimme bekommen und endlich gehört werden. Das Wunder, wenn die Wahrheit erwacht, wenn Erinnerung an die Urnatur passiert, wenn unterdrückte Anteile leben dürfen. Das Wunder des Entdeckens und Erkundens des eigenen Innenraums, wenn alle Sinne nach innen gerichtet werden und sich auf einmal neue Welten auftun, plötzlich etwas anfängt Sinn zu machen, was bisher nur unterschwellig da war.

Das Wunder, das nur geschehen kann, wenn der echte Moment einen bezeugenden, mitfühlenden Raum der allumfassenden Liebe, der göttlichen Wahrheit und des menschlichen Verstehens bekommt, wenn sich in Anwesenheit göttlicher Menschlichkeit alles ausbreiten darf, was gerade im Inneren lebendig ist.

Und eins ist klar: Ich werde wohl niemals damit fertig, zutiefst dankbar und demütig im Angesicht all dessen zu sein. Der größte Segen ist, das tatsächlich erleben zu dürfen. Selbst und immer wieder mit. Halleluja!



Donnerstag, 28. Mai 2026

Ich denke nicht in Fehlern oder Schuld

Ich denke nicht in Fehlern. Ich glaube schon gar nicht an Fehler. Weder ich noch jemand anders, noch das Leben an sich macht Fehler.

Ich denke nicht in Schuld. Ich denke, wenn überhaupt, in Ursache und Wirkung, in Aktion und Reaktion und vor allem in absoluter Sinnhaftigkeit.

Tatsächlich geht es gar nicht wirklich ums Denken. Es fühlt sich eher an, als wäre ich außerhalb dieser Erfahrungsräume, als wären sie auch überhaupt nicht mehr betretbar für mich. Interessant ist, dass mir das früher sehr wohl vertraut war. Ich weiß das, ich kann es aber nicht mehr fühlen. Nichts davon ist mehr in mir lebendig oder wieder wach zu rufen. Wie ausgelöscht.

Mein ganzes Sein kennt heute weder Fehler noch Schuld. Wenn Menschen davon sprechen, bin ich höchst irritiert. Es ist befremdlich für mich. Diese Prinzipien oder Ideen, oder wie immer man es nennen könnte, sind mir fremd und haben nach meinem Empfinden rein gar nichts mit unserer wahren Natur zu tun. Ich kann so überhaupt nicht in die Welt schauen. Ich habe diesen Blick nicht.

Fehler und Schuld sind für meine Begriffe zwei Erscheinungen, die nur in der Illusion der Trennung auftauchen können und mit dem Gewahrsein darüber, wer und was ich wirklich bin sofort verschwinden müssen. Es geht gar nicht anders. Beides gleichzeitig kann aus meiner Sicht nicht existieren.

Ich sehe und beobachte wie diese zwei Überzeugungen oder Grundannahmen eine heilsame Selbstbegegnung unmöglich machen. Egal, ob ich die Schuld bei mir oder bei anderen sehe, egal, ob ich die Fehler bei mir oder bei anderen sehe, ist es ein Nein zu etwas, was existiert. Wenn ich mich innerhalb von der Idee von Fehlern und/oder Schuld bewege, wird der Beobachter in mir immer ein Bewerter sein, der in gut und schlecht einteilt, der verbietet oder anstrebt. Innerhalb dieser Ideen werde ich nie ganz da sein dürfen, werden immer Anteile und Seiten von mir abgetrennt. Innerhalb von Fehlern und Schuld findet bei all dem äußerem Kampf letztlich immer Selbstgewalt und innerer Kampf statt.

Es gibt aus meiner Sicht Schmerz, der erst aufhören kann, wenn eine Lebenslüge durchschaut ist. Der Schmerz aus Schuld und Fehlerhaftigkeit gehört für mich genau in diese Kategorie.



Mittwoch, 19. November 2025

Alles darf da sein?

In welcher Haltung bin ich mir gegenüber gerade da? Es ist so wichtig, das wieder und wieder und wieder zu überprüfen. Ist es wirklich eine alles erlaubende, sein lassende Haltung, die sich dem hingibt, was da ist, egal was es ist und wie lange es dauert, oder will ich mit meiner Hinwendung z. B. zur Wut in Wahrheit eine Veränderung bewirken?

Wende ich mich dem, was in mir los ist, zu, damit es schnell wieder weg geht? Darf es wirklich da sein oder in Wahrheit bitte nur kurz?

Will ich es tatsächlich erleben, wahrnehmen, erforschen, ganz verkörpern, ihm folgen und es zu mir nehmen oder will ich es bearbeiten, transformieren, passend machen, weg haben?

Maria Sanchez bringt es mit den folgenden Worten aus ihrem Buch "Die revolutionäre Kraft des Fühlens" vortrefflich auf den Punkt:

"Zu sagen »Alles darf da sein« ist leicht, aber das sind erst einmal nur Worte oder Konzepte. Es gilt zu überprüfen, ob wir tatsächlich Wut in uns genauso behandeln wie Freude. Wenn dem so wäre, bestünde in uns nicht der Wunsch, unsere Wut zu transformieren, während wir dies beim Empfinden von Freude nicht wollen. Wir könnten unserer Wut dann vorurteilsfrei begegnen und ihrem innewohnenden Prozess folgen, statt zu versuchen, sie irgendwohin zu bewegen. Die wiederkehrende Frage ist also: Wer in uns will was in uns transformieren und vor allem warum?"

Und egal, was bei dieser letzten Frage an Antworten kommt, es ist okay und vor allem ist das die eigentliche Wahrheit. Dem kann ich dann wahrhaft begegnen. So sieht es gerade in mir aus. Dann begegne ich nicht der Wut, sondern vielleicht dem Teil in mir, der die Wut eben nicht will. Aus seiner Sicht völlig berechtigt. Dann hör ich ihm zu. Und gleichzeitig kann ein anderer Teil auftauchen, der den Teil, der die Wut nicht will, völlig scheiße findet, der toben will und um sich beißen. Ebenfalls aus seiner Position völlig berechtigt. Beides kann parallel in mir stattfinden (und noch vieles mehr), sich völlig widersprechen und dennoch zeitgleich wahr sein.

Nichts davon ist verkehrt und nichts daran muss anders sein oder werden. DAS ist dieser eine Moment jetzt. Wow! Was für ein komplexes Erleben. Das meint "alles darf da sein".


 

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Das unerkannte Vermissen der inneren Heimat

Ich werde nicht müde, das alles immer wieder zu betonen und zu wiederholen. Diese Welt ist voll von "weg von - hin zu"-Bestrebungen, von Angeboten, die versprechen, endlich einen Wunschzustand zu erreichen, voll von Verurteilung, von antreibenden Slogans. Ich sehe so viele, die in diesem Streben gewaltvoll mit sich umgehen, ohne es zu bemerken, ja sogar ganz im Gegenteil der Meinung sind, sie würden gut für sich sorgen, die aber eigentlich nur mit dem inneren Kritiker auf sich schauen und sich nicht beobachten können, ohne sich gleichzeitig zu bewerten und zu verurteilen. Das Ganze ist so normal und allgegenwärtig, dass es ihnen nicht auffällt, dass die Gewalt daran nicht als solche erkannt wird.

Auf Deutsch: die Welt ist voll von Selbst-Gewalt, die aus dem Bestreben resultiert, anders sein zu wollen/müssen, voll von der Angst, "es" niemals zu schaffen. Der Angst, es nicht zu schaffen, sich selbst endlich leben zu können und deswegen voll von Härte, in dem Versuch es doch hinzubekommen.

Dieses "sich leben können" wird definiert über ein Wunschbild, wie man sein sollte, sein möchte oder eigentlich ist, aber es nicht auf die Straße bringt. Und das weicht meist gehörig von dem ab, wie es gerade tatsächlich ist.

Das ganze Tun ist ein einziges Streben weg von allem, was dem Menschen dabei scheinbar im Weg steht und hin zu allem, was der Erfüllung angeblich dient.

Das ganze Tun ist eine Flucht aus dem Moment und damit weg von all den heimatlosen Anteilen samt ihren Gefühlen, Nöten und emotionalen Katastrophen, mit denen sie schon in der Kindheit allein gelassen wurden.

Jedes "es anders haben wollen, als es gerade in mir drin ist" ist im Grunde ein weiterer Verrat an einem inneren Kind, das immer noch versucht, endlich wahrgenommen zu werden, endlich da sein zu dürfen, endlich bei jemandem landen zu können mit dem, was in ihm emotional gerade da ist. Mir dreht es alles um, wenn ich dann höre oder lese, dass das ja nur das Ego ist oder der innere Schweinehund oder der hinderliche Verstand, der wieder irgendwas will. Es könnte weiter nicht von der Wahrheit weg sein und es tut mir in der Seele weh, diese hochgradig verletzten Anteile so behandelt und so verkannt zu sehen.

Die wenigsten sind sich dessen bewusst, dass dieses Streben hin zu, eigentlich eine Flucht vor sich selbst ist, ein weiteres im Stich lassen der Anteile, die uns am dringendsten brauchen. Dass dieses "sich leben" erstmal und vor allem meint, da voll und ganz anzukommen, wo ich innerlich gerade bin. Bei meiner emotionalen Wahrheit. Die Suche im Außen kann aufhören, wenn ich innerlich bei mir selbst landen kann.

Ich muss nirgends mehr hin. Ich muss nicht anders werden, anders fühlen, nichts mehr schaffen. Ich darf erstmal alles anerkennen, was so lange nicht sein durfte.

Den meisten fehlt etwas, sie suchen nach "unbestimmt" und ihnen ist nicht klar, dass das, was es am meisten braucht, was dieses Fehlen ausmacht, eine innere Heimat für sich selbst ist, die wir als Kind nicht erlebt haben.

Ich begegne dieser inneren Zerrissenheit und den Anteilen in mir, die etwas empfunden haben und von außen aber die Botschaft bekommen haben, dass das nicht okay ist, in letzter Zeit sehr oft. Die Urwunde, wieder und wieder. Diese innere Spannung, die Not, die daraus entstanden ist, wenn das, was in mir fühlbar da ist, nicht zu dem passte, was mir meine Bezugspersonen rückgemeldet haben, dieses nicht wissen wohin damit in mir, mit mir, wenn ich in Kontakt mit den anderen bleiben möchte, ist kaum in Worte zu fassen. Unglaublich, mit was wir da als Kinder wieder und wieder konfrontiert wurden. Das waren keine einmaligen Angelegenheiten. Das war täglich Brot. Wiederholung in Dauerschleife. Ein Schrecken ohne Ende.

Diese Anteile brauchen endlich eine Anlaufstelle. Diese Anteile wollen endlich sein dürfen. Diese Anteile wollen nicht schon wieder hören, dass das, was sie fühlen nicht okay ist, dass sie besser anders sein sollten. Sie wollen, dass das Leid endlich aufhört und das tut es sofort, wenn ich sie sehe und endlich fühle, was sie damals gefühlt haben und dann erfahren haben in all der Zurückweisung, wenn sie endlich emotional bei mir landen können. Dann hat ihr Leid ein Ende und ich wieder mehr Entspannung und Frieden im System. Echten, natürlichen, nachhaltigen Frieden. Das Rennen und Streben, das Suchen und die Unruhe weichen. Die Wurzel all dessen ist erkannt und genau da kann der Wahnsinn endlich enden. Die Wüste ist zu Ende. Die Dürre, das Dürsten trifft auf lebendiges Wasser. Meine verlorenen Anteile kehren zurück nach Hause, an die Quelle der Liebe. Sie dürfen endlich, endlich mit ihrer gefühlten Wahrheit da sein.

Deswegen, ich werde nicht müde, das immer wieder zu betonen, darauf hinzuweisen. Es geht um zu viel. Für diese Anteile geht es um alles.

 

Nachtrag: 

Ich mag noch sagen, diese Anteile, die draufhauen, die beurteilen, bewerten, es anders haben wollen, sind auch Anteile, die unsere liebevolle Zuwendung und Offenheit brauchen. Auch sie sind entstanden, damit wir überleben konnten. Sie haben uns in der Kindheit durchgebracht und einen großartigen Job gemacht. Auch sie mag ich anerkennen und ehren und genauso erforschen wie alle anderen Anteile auch. Mit ihnen ist nichts verkehrt. Ich darf ihnen gut zuhören.



Sonntag, 5. Oktober 2025

Der Moment ist mir heilig

Ich bin da, wo ich bin. Es fühlt sich an, wie es sich anfühlt und das ist gerade mit viel Traurigkeit verbunden, mit tatsächlicher Ohnmacht, mit einem Schmerz, der aus der gegenwärtigen Situation rührt. Ganz echt aus der Gegenwart. Es sind also insgesamt keine erhebenden Gefühle.

Wenn ich mich frage, ob ich es anders haben will, ob etwas anders sein sollte, ob ich etwas verändern müsste, kommt direkt ein klares Nein. Es ist, wie es ist. Und es wird so lange so sein, bis es anders sein wird. Auch wenn ich mich damit mitteile, möchte ich keine Lösung, keine Begründung, keinen Vorteil davon hören oder für was es gut ist. Ich will es pur und roh nehmen und anerkennen, wie es ist. Es ganz verkörpern und erfahren, was DAS gerade alles für mich bedeutet. Was es für mich heißt, dass der andere so da ist, wie er da ist. Wie ich mich damit fühle, was damit möglich oder eben unmöglich ist. Ich nehme meine Bedürfnisse darin war, die gerade nicht erfüllt werden und fühle wieder, wie sich das für mich anfühlt.

Meine Erfahrung ist, dass es auch als Kind nicht immer unbedingt eine Veränderung gebraucht hätte. Was meiner Kleinen im Nachhinein immer am meisten hilft, ist die Anerkennung dessen, was das alles für sie bedeutet hat und damit gesehen und bezeugt werden, voll erfasst und mitbekommen werden. Von mir als Erwachsene jetzt. Das Schlimmste war meistens, darin allein gewesen zu sein und nicht nur, was die Gefühle angeht, die ein "damit gehalten sein" gebraucht hätten, sondern auch mit der Wahrnehmung alleine gewesen zu sein und darin nicht bestätigt zu werden. Eine scheußliche, grausame Version von "Ich sehe was, was du nicht siehst".

Auch heute hat es noch einen Schmerz, wenn meine Wahrnehmung des Wahrzunehmenden als Idee oder Konstrukt betitelt werden. Mein tiefes Fühlen und Sehen als Theorie abgestempelt und gesagt wird, dass das ja nun wirklich keiner wissen kann. Das tut immer wieder weh und wird dem, was es tatsächlich ist, so gar nicht gerecht. Natürlich braucht die Wahrheit des Moments grundsätzlich keinen verstehenden Empfänger und dennoch ist es unnatürlich, damit alleine zu sein und jedes Mal eine Art Schock, ein Stich, ein Schmerz, der für meine Begriffe eine gesunde Reaktion auf Abgetrenntheit ist.

Aber ich schweife ab und irgendwie doch nicht. Tatsächlich merke ich gerade wie gut es dazu passt. Denn wieder geht es darum, eine Erfahrung ganz zu machen, mit allen Gefühlen, die dieser Moment, der Umstand gerade für mich bedeuten. Dieses volle und ganze "es ist, wie es ist".

Frei von Schuld. Es ist Ursache und Wirkung. Den Moment anzuerkennen und ganz zu haben, es tatsächlich ownen, mir zu eigen machen, fühlt sich an wie eine Segnung, etwas Heiliges. Es wegreden oder beschwichtigen ist in meinem Empfinden nach wie Schändung dessen, was ist.

Der Moment ist mir heilig. Egal, was er birgt. Es gibt nämlich auch schon gar nichts anderes, als den Moment. Er ist der wert- und kraftvollste "Aufenthaltsort" und ich schätze jeden, der mit mir genau darin da sein mag und nirgends anders hin will.

Da, im Moment, in diesem Jetzt, liegt alle Lebenskraft gebündelt und bringt etwas zum Ausdruck, worin ich mich erfahren kann und will. Dieses satte Gefühl von voll und ganz darin sein - ich liebe es tatsächlich. Nicht wissen, wieso, weshalb, warum, nur dass es ist, wie es ist und ich bin DA. Vollkontakt mit dem Jetzt. 

Amen.



Samstag, 4. Oktober 2025

Echtes Forschen ist ergebnisoffen

Wenn ich mir selber wirklich und wahrhaftig auf die Schliche kommen will (das klingt schon fast grob), wissen will, was in mir wirkt und warum, wenn ich mich ganz und gar durchdringen und wirklich kennenlernen möchte - sowohl in meinem momentanen Ist-Zustand, als auch in meinem Urzustand - muss ich bereit sein, ALLES an mir entdecken zu dürfen.

Wenn ich mir selbst begegnen will - genau JETZT - dann darf es nichts geben, was nicht sein darf. Ich muss alles an mir (vor)finden dürfen. Eine echte Intimität mit mir selbst darf vor mir selbst nichts verbergen.

Wenn ich davon ausgehe - und das tue ich persönlich - dass das hier auf der Erde in erster Linie eine Forschungsreise ist, eine Ent-Deckungsreise in immer mehr Bewusstheit, dann braucht es vor allem Offenheit, sowohl Ergebnisoffenheit (ich weiß nämlich nicht, wo meine Reise mich hinführt und was dabei zutage kommt) als auch die Offenheit/Bereitschaft, allem ins Auge zu blicken, was derzeit existiert, vor allem IN mir.

Diese Nähe mit mir selbst während dieser Reise, diese tiefe Loyalität mir selbst gegenüber, diese Liebe und Milde, mit der ich auf mich schaue, mich halte und begleite, das wahrhafte Mitfühlen mit mir selbst und tatsächlich wirklich an meiner Seite stehen, mit mir stehen, für mich stehen und gehen, berührt mich immer wieder so sehr. Diese tiefe, echte Liebe zu mir in allen Umständen und Situationen, für alle Anteile und Gefühle, für jeden Gedanken und jeden Impuls, ist wohl das, was ich als bedingungslose Liebe mir selbst gegenüber bezeichnen würde. Ich selbst bin mein stärkster Verbündeter und mein größter Fürsprecher, mein eigener Freisprecher und Erlauber, mein größter Fan und mein sicherster Hafen. Dieses Gefühl von tiefster Verbundenheit mit mir selbst ist unbeschreiblich und erlaubt eine echte Reise.

In dieser Haltung kann ich wirklich und wahrhaftig ALLEM begegnen, sowohl in mir als auch im Außen, weil ich in mir gut damit sein kann, gut mit mir da sein kann.

Ich bemerke immer wieder staunend, wie viele Menschen ein bestimmtes Bild von sich haben, in das dann so viel nicht hineinpasst, was aber auch an und in ihnen ist. Ich beobachte die Gewalt, die Härte gegen sich selbst, wenn das auftaucht, was nicht sein darf. Ich sehe den Kampf gegen das Ungewollte und das verbissene Streben nach dem, was stattdessen sein soll. Ein wirkliches Entdecken der derzeitigen Verfassung und dann des reinen, ursprünglichen Wesens ist so unmöglich. Das Erreichen eines Idealbildes ist nun mal nicht das wahre Naturell.

Ich hab mich früher selbst mit großer Härte angefasst. Es ist nicht so, dass ich es nicht kenne. Ich hab das gemacht, weil ich dachte, ich müsste irgendwo reinpassen, in das mein Wesen aber so gar nicht wollte. Mich hat es über die Maßen erleichtert, mir endlich erlauben zu können, was eh da war, und nur andere an mir falsch fanden. Das meine ich gerade nicht.

Tatsächlich beobachte ich eine noch ganz andere Härte sich selbst gegenüber und die kenne ich selbst nicht. Nämlich, dass es vor sich selbst nicht sein darf, was aber da ist. Also der Maßstab sind nicht, wie bei mir früher, die anderen, sondern der Richter ist in denjenigen selber und die Dinge müssen vor sich selbst verborgen werden. Da hört das echte Forschen dann ganz schnell auf. Da gibt es Dinge, die dürfen unter keinen Umständen berührt werden.

Mir kommt es weiterhin so vor, dass dieses "sich selbst verurteilen" schon angefangen hat, bevor überhaupt auch nur ein prägender Kontakt mit einem Menschen hier auf der Erde stattgefunden hat und all die schrecklichen Erfahrungen, die dann kamen, tatsächlich schon Folgen des eigenen Grundurteils waren, des Sichselbstverlassens. Die Erfahrungen in der Kindheit sind nicht minder schlimm und dennoch ist diese Sachlage eine ganz andere, wenn es um Ursache und Wirkung geht, um echte, tiefe Heilung an der Wurzel und eben das ehrliche Hinschauen zu sich selbst, was für Heilung unabdingbar ist.

Sie wollen sich selbst nicht und doch ist es genau das, was sie ihr Leben lang am meisten und am schmerzvollsten vermissen. Es ist ein selbstgebauter Teufelskreis. Jede Selbstzuwendung eine Scheinzuwendung, die einem idealisierten Selbstbild dient. Es ist kein echtes Forschen hin zum eigenen Wesen, kein echtes Herausfindenwollen, wer und was man wirklich ist. Das Urteil steht ja schon und das tut so weh, dass wir da bitte nicht hinschauen. Alles, aber nicht das. Dass dieses Urteil über sich selbst schon eine Lüge ist, ein Irrglaube und nicht die Wahrheit über das wahre Wesen, ist ihnen bis dato unbekannt. Die Katze beißt sich wieder in den Schwanz.

Ich schreibe das, weil sich mir dieses Phänomen mehr und mehr erschließt und weil mir damit mehr und mehr klar wird, mit welchem Mysterium ich es in meiner Kindheit zu tun hatte und was das für mich als erwachsenen, sich selbst tief fühlenden Mitmenschen bedeutet. Ich verstehe damit immer mehr meine Chancenlosigkeit - früher und heute - und wo ich meine eigene Hinwendung zum anderen ganz schnell sein lasse, weil er sich selbst nicht will, sondern immerzu ein bestimmtes Selbstbild verteidigt, das ganz viel ausschließt, was aber da ist.

"Meine Klarheit ist meine Macht." Danke, Kathi, für diesen Satz.



Donnerstag, 3. Juli 2025

Verletzlichkeit ist wahr. Unverwundbarkeit auch.

Verletzlichkeit ist wahr. Dagegen anzukämpfen ist sinnlos. Und doch tun es die meisten. Gefühle, und vor allem die, die als unangenehm empfunden werden, scheinen bedrohlich. Doch das Bedrohliche sind nicht die Gefühle. Das Bedrohliche ist auch nicht die Verletzlichkeit. Verletzlichkeit drückt im Grunde nur aus, dass uns etwas weh tun kann, dass wir seelischen Schmerz empfinden können. Verletzlichkeit beschreibt eigentlich nur die Fähigkeit, tief zu fühlen und wahrzunehmen. Alles. Eben auch das, was etwas in mir macht, was nicht meiner wahren Natur entspricht, was gegen meine Bedürfnisse geht, nicht ausdrückt, wer ich wirklich bin, was nicht in der Ordnung ist.

Das Bedrohliche sind nicht die Gefühle. Wir sind zum Fühlen gemacht. Das Bedrohliche ist, dass wir nie gelernt haben, mit heftigen Gefühlen umzugehen, sicher damit da zu sein. Die Gefühle wurden nicht begleitet. Wir waren damit alleine. Verlassen. Sie konnten als Kind nicht komplett durchlaufen. Sie blieben stecken, weil unsere kleinen, unreifen Nervensysteme keine Hilfe bekommen haben und selbst dazu noch nicht in der Lage waren.

Das Bedrohliche ist die Überforderung damit. Das Bedrohliche ist, die Ohnmacht, die wir deswegen erleben. Das Bedrohliche ist die damit verbundene Einsamkeit. Das Bedrohliche ist die Idee, dass es nie wieder aufhört, dass es wieder für immer so bleibt. Dass wir bleiben müssen, obwohl es so schrecklich ist. Das sind die kindlichen Erfahrungen und Verknüpfungen, die wir mit heftigen Gefühlen haben. Wir wollten uns NIE WIEDER so fühlen. Wir wollten das nie wieder erleben. Schmerzvolle Situationen, die heftigen Gefühle daraus, die Überforderung damit. Deswegen wollen die meisten die Verletzlichkeit nicht wahr haben.

Die Wahrheit ist, wir können Verletzlichkeit nicht vermeiden. Wir SIND schon verletzt. Unsere zarten, schützenswerten und schutzpflichtigen Wesen wurden nicht "sachgemäß" behandelt. Wir waren ausgeliefert und wären darauf angewiesen gewesen, dass die Erwachsenen ihre Pflicht tun und uns erkennen, einen sicheren Raum bieten, in dem wir unversehrt gedeihen können. Doch genau die, die unsere Verletzlichkeit berücksichtigen hätten müssen, haben uns weh getan. Die unfassbaren Gefühle, die das in uns ausgelöst hat, wurden nicht begleitet. Das wäre wiederum ihre Aufgabe gewesen. Doch wie hätten sie können? Sie fühlten sich nicht. Sie fühlten uns nicht. Also war der erste Schock, dass uns die verletzt haben, die uns hätten schützen sollen und der zweite Schock, dass sie uns mit den grausligen Gefühlen daraus dann auch noch alleine lassen. Diese Erlebnisse sind noch offen in uns. Nicht zu Ende gefühlt.

Die Wahrheit ist also, es ist schon geschehen. Es gibt nichts mehr zu vermeiden. Die Katastrophe war schon. Es gilt lediglich sie jetzt komplett zu fühlen und die Wunden nun richtig zu versorgen. Jetzt sind wir dazu in der Lage. Jetzt können wir uns selbst den sicheren Raum geben. Jetzt können wir uns selbst darin begleiten oder uns Unterstützung darin holen.

Jetzt können wir anerkennen, dass es so war. Anerkennen, dass wir verletzlich sind. Den Kampf gegen unsere Sensibilität aufgeben. Nahbar, berührbar und offen sein. Wir sind nicht mehr ausgeliefert. Wir können unsere Grenzen selber wahren. Und heute können uns Gefühle nicht mehr umbringen.

Ja, es kann wieder etwas weh tun. Natürlich. Es darf so sein.

In der Anerkennung dessen, was es heißt vollumfänglich Mensch zu sein und dem Erkennen von unserem wahren, übermenschlichen, göttlichen Wesen gleichzeitig, liegt für mich die größte Freiheit und größte Kraft. Menschliche Begrenzung und göttliche Unbegrenzheit sind gleichzeitig wahr. Das zu verkörpern ist für mich die Meisterschaft. Mich beiden Wahrheiten hingeben.

Das Anerkennen der Verletzung offenbart die Unverwundbarkeit. Das Erkennen der Unverwundbarkeit kann helfen, die Verletzung anerkennen zu können.

Ja, ich bin verletzlich. Ja, ich bin ewiglich unverwundbar. Ja, ich kann wieder etwas erleben, was weh tut und ja, mein Wesen bleibt dennoch unversehrt. Ich bin bei mir. Ich weiß, wer und was ich in Wahrheit bin.


Sonntag, 22. Juni 2025

Nicht ich bin fehl, mir hat was gefehlt

Ich liebe es, Barbara zuzuhören. Diese kraftvolle Klarheit. Diese bemerkenswerte Wucht (Danke, Sylvia, für dieses so treffende Wort) in jeder fein erspürten Formulierung. Ein Sprechen aus dem Ergründen in sich, aus dem konkreten Moment, aus dem jetzigen Erleben, aus dem wahrhaftigen, leibhaftigen Punkt.

Manchmal muss ich mitschreiben, aufschreiben, was da aus ihr fließt und - Gott sei Dank - hab ich ihre Erlaubnis davon zu teilen, wenn ich den Impuls habe.

Die folgende Mitschrift wollte ich schon ewig mit euch teilen. Die Worte vibrieren nach wie vor in mir, berühren mich tief und wirken, bewirken, was auch immer. Ein Klingen, ein Summen, ein tiefes JA. Immer wieder kommen mir die Tränen. Mein System meldet Wahrheit. Das Gesprochene verströmt nach meinem Empfinden so eine Wärme, so eine Weisheit, so eine Milde, so viel Liebe und sie bezeugen den Weg der Heilung. Sie erzählen von Quantensprüngen und Befreiungsschlägen, von Paradigmenwechsel und der fühlenden Rückeroberung des Selbst.

Und nun lade ich euch ein. Lest und fühlt selbst:

"Nicht ich bin fehl, sondern das hat immer gefehlt... mich im Wundsein ernst nehmen... jetzt die Wunden für wahr nehmen und da sein lassen in und trotz allem/n... weil ich weiß, dass mit meinem Weich- und Menschlichsein alles in Ordnung ist.

Mich wund wahr und da haben wollen.

Es geht nicht mehr darum "wo ist für die Wunde Platz", sondern ich bin da und da wo ich bin, ist die Wunde.

Manchmal wird die Wunde weggeschickt. Und das ist nicht mehr so schlimm wie emotionale Ablehnung bisher war, weil ich weiß, dass ich meine Wahrheit bin. Und das auch irgendwie nicht mehr so persönlich nehm', sondern die können halt mit Wundsein nicht sein.

Irgendwo ist immer Raum, wo ich atmen kann.

Ich muss meine Begegnung mit mir nicht mehr unterbrechen für andere."

Barbara Klaus

DANKE!!! Danke für dich. Es ist mir eine Ehre, mit dir hier zu sein, Weggefährten, Schwestern. Es ist ein Segen, dich an meiner Seite zu wissen und an deiner Seite sein zu dürfen. ❤️🙏🔥




Donnerstag, 19. Juni 2025

Bevor ich nichts mehr will, muss ich erst mal was wollen dürfen

Ich hab gestern von der Hingabe an das, was ist, geschrieben und ich mag unterstreichen, dass ich auf dem Weg die inneren Kinder nicht vergessen will und darf. Die Anteile in mir, die nicht das bekommen haben, was sie wirklich gebraucht hätten, deren Bedürfnisse nicht befriedigt wurden, die nie das bekommen haben, was wirklich für sie stimmte und in dem Moment richtig und wichtig gewesen wäre, die im Mangel groß geworden sind, die vielleicht immer teilen mussten und nichts für sich haben durften, deren Sachen nie sicher waren, kaputt gemacht wurden oder ihnen wieder weggenommen wurden, die nie an erster Stelle standen, deren Bedürfnisse immer nachgelagert waren oder sogar als störend empfunden wurden.

All die unbefriedigten, ausgehungerten und zu Recht fordernden, lechzenden, schreienden, inneren Kinder will ich nicht übersehen und schon gar nicht übergehen. Was viele als das Ego bezeichnen, das sterben muss, sehe ich als verletztes Kind, das gesehen werden will, das endlich wahrgenommen werden will mit dem, was in ihm tobt, das durch meine Hinwendung heilen darf.

Diese Lücken der Bedürfniserfüllung aus der Kindheit haben wir wohl alle auf irgendeine Art und Weise. Ganz individuell hat den meisten irgendwas gefehlt, was so wichtig und erforderlich gewesen wäre. Dieser Mangel wirkt als Erwachsener immer noch. Das klaffende Loch im Inneren ist da und wahr.

Wenn diese Anteile hören, dass sie sich doch bitte mit dem zufrieden geben sollen, was gerade da ist und dass sie nichts mehr für sich persönlich wollen sollen, dann setzt sich für sie der Horror der Kindheit fort. Sie gehen auf die Barrikaden. Zu Recht. Mit ihnen mag ich in den Kontakt gehen, sie endlich hören und erhören, sie sehen und halten, trösten und ihnen sagen, dass sie recht haben, immer hatten und dass sie gebraucht hätten. So viel mehr.

Ich mag sie nicht wieder übergehen. Das würde meinen inneren Krieg nur fortsetzen. Ich mag sie nicht zwingen nichts mehr zu wollen, weil sie verdammt nochmal wirklich noch was brauchen. Von mir. Ein ernst genommen werden. Liebe, Verständnis, Mitgefühl, das gesehen werden in ihrer Not, das Bezeugen von all dem, die Erlaubnis und Bestätigung haben wollen zu dürfen, brauchen zu dürfen und die Erinnerung daran, dass das Leben, Gott nicht so unachtsam ist, wie die Eltern damals. Sie haben nicht in der Ordnung gehandelt, haben mich nicht gesehen und wirklich erkannt. Dieser "Macht" bin ich nicht mehr ausgeliefert. Mit der hab ich es nicht mehr zu tun. Ich werde gesehen. Vom Leben, vom All-Bewusstsein, von Gott und bin erkannt, bekomme, was ich wirklich brauche, um zurück zu mir zu kommen, was Wesentlich ist für meine Erfahrungen, für mein Wachstum, für mein Gedeihen, für meine Blüte. Diese Macht meint es wirklich gut mit mir und meint mich wirklich.

Dann braucht es kein persönliches Wollen mehr. Das Leben weiß es besser. Die Kinder in mir sind versorgt und in Sicherheit, geborgen, und wissen wieder um die Wahrheit. Sie dürfen was wollen. Ich bin da für sie. Und die Erwachsene, die ich bin, kann sich dann hingeben, ganz und gar, dem Leben, dem Höheren.

Dieser eine Schritt dazwischen darf für meine Begriffe nicht fehlen. Bevor ich (als Erwachsene) nichts mehr will, muss ich (meine inneren Kinder) erstmal was wollen dürfen und auch anerkennen, dass die Erwachsene Bedürfnisse hat, mich erinnern, dass mich das Leben damit sieht, dass sie vom Leben selbst kommen, das nach Leben strebt und dass alles, was ich wirklich wirklich brauche, da ist.

Ich darf wollen, bevor ich nichts mehr will.


 

Montag, 12. Mai 2025

Ich bin von mir selbst nicht mehr wegzubekommen

Mit uns ist alles im Raum, was sie nicht wollen, was sie nicht wahrhaben wollen, was sie nicht sehen wollen, was sie nicht fühlen wollen, was sie nicht anerkennen wollen. Weil wir bewusst damit da sind.

Auf einmal sind da Schmerz und Verletzlichkeit, Weichheit, Offenheit, Tiefe, Komplexität, Vielschichtigkeit, Nähe, Intimität, Ohnmacht, Endlichkeit, Schwäche, Wunden, Missbrauch, Blut, Hingabe, Annahme, Geschehenlassen, Kontrollverlust, Seinlassen, Einlassen, Trauer, Tod, Vergänglichkeit, Bedürfnisse, Brauchen, Hilflosigkeit, rohe Natur, Wildheit, das Unbezähmbare, das Anschmiegsame, das Sehende, das Sehnende, das Fühlende, Göttlichkeit, brennende, lodernde Herzen. Liebe. Trotz allem. In all dem. Mit all dem. Aus all dem. Durch all das. Liebe zu uns selbst und zum Leben. Zutiefst. Geschliffene Diamanten. Große, reine Wesen, deren Schatten zum Fundament ihrer Kraft geworden sind. Weil gesehen und durchleuchtet. Weil hingeschaut, nicht weggeschaut. Weil gefühlt und integriert, was scheinbar unaushaltbar war.

Sind wir da, bebt die Erde. Rüttelt es an den Grundfesten, bleibt nichts verborgen, nichts ungesehen, nichts unbemerkt. Das Innerste kommt in Wallung. Rollen fallen. Masken bröseln. Institutionen wanken. Verdrängtes kommt zum Vorschein. Abgelehntes steht mitten im Raum. Mit uns. Durch uns. In uns. Fassaden sind nicht aufrechtzuerhalten. Schubladen und Schablonen, Konzepte und Normen versagen, wenn wir als ganzer Mensch da sind, als menschlicher Mensch, berührbar und berührend, im Selbstkontakt und auch beim Gegenüber einen Menschen fordern. Status und Besitz zählen nicht, beeindrucken nicht, zeigen keine Wirkung. Menschlichkeit ist gefragt und nichts anderes. Wir lassen es nicht gelten.

Früher hab ich mich dafür falsch gemacht. War darauf bedacht, niemanden unangenehm zu berühren. Hab mich leicht gemacht. Unkompliziert. Hab geschwiegen. Die anderen reden lassen. Mich versucht anzupassen. Nicht zu stören. Die Begrenzungen und Verbote, die Tabus und Regeln aus Nöten als meine Begrenzung akzeptiert. Mich dafür verraten. Obwohl mir kotzschlecht dabei war.

Heute ist das anders. Ich bleibe bei mir und für mich da, unterbreche Gerede, das gefühllos und wesenlos ist, sage, was ich fühle und was mein Körper zurückmeldet, freundlich, aber bestimmt, klar und deutlich, ohne Abmilderung oder Beschönigung. Ich lächle nicht, wenn ich es nicht fühle. Ich nicke nicht, wenn es nicht meine Wahrheit ist. Ich lache nicht über Dinge, die ich nicht witzig finde. Lasse mich nicht blenden, verwirren oder ablenken. Bleibe am Punkt. Bei dem, was fühlbar da ist. Meine Reaktionen sind direkt und ehrlich. Meine Antworten auch.

Ich gebe meinen Raum und meine Zeit nicht mehr sinnlos her. Halte nicht aus und halte nicht durch. Halte nicht still und bin nicht mehr still, nur damit sich niemand auf den Schlips getreten fühlt, der meterlang und -breit am Boden schleift, bestehend aus dem, was nicht berührt werden darf.

Meine Verantwortung gilt mir. Eine andere übernehme ich nicht mehr. Ich umschiffe keine Wunden mehr. Ich erlaube mir, sie zu berühren, wenn das dadurch geschieht, dass ich in meiner Wahrheit existiere, mein Innenerleben teile, nach meinem Empfinden handle, reinen Impulsen nachgehe, ausspreche, was ich wahrnehme, aufrichtig Ja und Nein sage, bei mir bleibe. Radikal. Unter allen Umständen. Das ist meine Wahl. Das ist mein Wille. DA sein. Gekommen, um zu bleiben. Unverrückbar. Ich bin von mir selbst nicht mehr wegzubekommen. Ich bleibe mit mir da. GANZ.

Danke, Barbara, für dein DaSein, für uns. 🔥❤️🔥




Freitag, 4. April 2025

Du bist dein gutes Recht

Ich will nicht, dass du irgendetwas für mich tust, was dir nicht gut tut, weil vielleicht etwas in dir glaubt, dass du musst. Und wenn meine Not scheinbar noch so groß ist. Lass mich stehen. Verlass dich nicht für mich.

Ich möchte nichts von dir, für dass du dich verlassen musst. Ich will dich ganz bei dir. Ganz für dich da. Etwas anderes würde ich nie von dir verlangen.

Meine Gefühle sind nicht deine Verantwortung. Meine Bedürfnisse müssen nicht von dir erfüllt werden.

Ich mag dich freisprechen von der Bürde, die dir einst auferlegt wurde, als dir als Kind vermittelt wurde, für die Gefühle und Bedürfnisse der Erwachsenen verantwortlich zu sein. Als dir beigebracht wurde, dich hinten anzustellen, zu liefern, gegen dein Innerstes zu handeln und dir erzählt wurde, dass das Liebe wäre.

Liebe, die will, dass du gegen dich gehst, dass du dich komplett vergisst und es nur darauf ankommt, dass es dem anderen gut geht, ist keine Liebe. Das ist Missbrauch im Deckmantel der Moral. Emotionale Erpressung, die an dein "Menschsein", an dein großes Herz appelliert. Das ist Manipulation von dir für die Zwecke der anderen.

Natürlich willst du als Kind und auch als Erwachsener, dass es dem anderen gut geht. Natürlich! Du bist ein fühlendes Wesen mit einem großen, offenen Herzen. Das darf aber dich nicht vergessen.

Sie haben dir beigebracht, dass du nicht zuerst an dich denken darfst, dass du selbst in deinem Herzen keinen Platz für dich haben darfst, dass das egoistisch ist. Sie wollen, dass du ihnen in dir Platz machst und dass du selbst dafür gehst, aus dir raus.

Das ist eine Lüge. Es braucht dich bei dir, in dir und für dich da.

Ich mag dich heute stellvertretend freisprechen, dich aus dieser falschen, viel zu großen Verantwortung entlassen. Ich mag dich zu dir selbst zurück einladen.

Du darfst dich behalten. Du darfst nach deiner Stimmigkeit handeln. Du darfst Nein sagen, auch und gerade dann, wenn Druck ausgeübt wird, Schuld zugewiesen, Forderungen gestellt werden, dir ein schlechtes Gewissen eingeredet wird.

Ich stell mich neben dich. Ich stell mich hinter dich. Ich stehe dir zur Seite, während du für dich einstehst und deinen eigenen Raum wieder einnimmst, das, was dir immer zugestanden hätte, wieder bewohnst und verteidigst. Das ist dein Recht.

DU bist dein gutes Recht! 



Montag, 24. März 2025

Was, wenn die Dunkelheit doch bleibt?

Ich bin's gewohnt, dass die Katastrophe über mir hereinbricht, dunkle Zeiten, Schmerzen, Entbehrung. Ich hab es tausendfach erlebt, dass das, was möglich wäre, nicht gelebt werden kann. Dass es einzig meine Wahrheit im Herzen bleibt. Ich meine mit gewohnt nicht, dass ich davon ausgehe. Ich meine mit gewohnt, dass ich es vielfach erlebt habe und damit umgehen kann, dass es mich nicht erschüttert, dass ich standhaft darin bin, bei mir bleibe.

Ich bin es gewohnt, nicht verstanden zu werden, alleine zu sein mit meiner Wahrheit, mit meinen Werten, mit meiner Tiefe, mit dem vielen Fühlen und Sehen. Ich kenne es, weit und breit die Einzige zu sein, die innerlich dazu verpflichtet ist, wahrhaftig zu sein. Nicht lügen zu können, nicht betrügen zu können, nicht manipulieren zu können, nicht zu meinem persönlichen Vorteil handeln zu können. Fuck integer sein zu müssen und alle anderen müssen es offenbar nicht, können an sich und ihrer innersten Wahrheit vorbei. Ich kenne das alles nur zu gut. Das alles sehenden Auges und fühlenden Herzens zu erleben ist mir nicht neu. Bei vollem Bewusstsein, wissend, was da gerade geschieht.

Ich kann improvisieren. Ich bin mir selbst genug. Ich kann Krisen blind meistern. Ich weiß, was es heißt, alleine Schmerzen zu erdulden, Heilungsprozesse durchlaufen zu lassen, nur das Nötigste zu haben. Eben zu überleben. Auf mich allein gestellt. Ich kenn das alles. Die Aussicht darauf bedroht mich nicht. Es wäre einfach ein weiteres Mal von dem, was ich eh schon kenne.

In den letzten Stunden ist etwas in mir gestorben. Obwohl mein Gefühl ist, dass jetzt die Zeit ist, das mögliche Potential zu leben und erlösende Erfahrungen zu machen (was ich ja schon mache), muss ich in Erwägung ziehen, dass ich wieder der Zeit voraus bin, dass es wieder in diesem Leben eben nichts wird, dass es wieder eben nur die Wahrheit im Herzen bleibt. Dass ein weiteres Leben die Dunkelheit bleibt um mich herum oder eben wieder noch größer wird. Dass ich ein weiteres Leben allein um das Licht weiß und die von denen ich dachte, dass sie auch darum wüssten, wieder mit in der Dunkelheit versinken. Vergessen, wer und was sie sind. Ein weiteres Mal "Es hätte so schön sein können". Ein weiteres Mal, bei dem ich in jedem Moment damit rechnen muss, alleine zu sein oder gar angefeindet, missverstanden, weggesperrt, getötet zu werden. Es könnte wieder passieren. Ja.

Und tatsächlich durfte ich merken, es macht mir keine Angst. Wenn es so wäre, wäre es so. Ich kenne es. Ich kann es. Es reicht tatsächlich, wenn ich um mich weiß, um Gott, darum, wie es gedacht ist. Mich selbst werde ich niemals verlieren und falls doch, ist auch das so.

Natürlich kann ich mir Schöneres vorstellen. Natürlich dachte ich, ich würde es erleben. Natürlich weiß ich was gehen könnte. Ich kenne nicht viele, die größer im Sinne von allumfassender denken können, als ich. Eigentlich ist mir noch keiner begegnet. Und gleichzeitig kann es in diesem Leben mal wieder ganz anders sein. Es kann sein, dass die Welt, wie ich sie im Herzen trage, wieder nicht erfahrbar sein wird und das, was schon davon erfahrbar war, wieder verschwindet.

In mir ist es ruhig. Der Tod scheint gestorben. Viel alter Schmerz ist geflossen. Da ist gerade kein Wollen. Kein Hinstreben zu etwas. Keine Idee davon, etwas zu initiieren, auf die Beine stellen zu wollen. Nichts. Einfach nichts. Ein schönes Nichts, wie ich finde. Es fühlt sich nach sweet surrender an. Wirklich sweet. Gar nicht bittersweet. Es ist kein Aufgeben im Sinne von Verzagen und Verbittern. Einfach irgendwie nüchtern und etwas tief in mir ist befriedet.



Mittwoch, 19. Februar 2025

Ganz und gar in meinen Schuhen stehen

Für mich ist es das eine, die anderen so zu lassen wie sie sind. Natürlich kann und darf ich sie nicht ändern. Das andere ist - und das ist für mich persönlich essentiell - anzuerkennen, was das Verhalten der anderen für mich bedeutet hat. Meinen Schmerz zu sehen und zu nehmen und ganz und gar in meinen Schuhen zu stehen, ist für mich sehr oft die Heilung und Erlösung. Ganz bei mir sein und mit mir.

Dafür muss ich das Verhalten der anderen betrachten, erfassen, benennen, verstehen. Ohne Entschuldigungen für sie zu finden. Ohne sie dafür zu verurteilen.

Hinschauen. Feststellen. Und das, wie es für mich war, wie es sich für mich dargestellt hat, wie ich es erlebt habe, komplett anerkennen. Mitgefühl mit mir selbst. Und in dem Moment NUR mit mir.

Lange Zeit hatte ich viel zu schnell und eigentlich fast nur Verständnis für die anderen. Habe ihre Wunden gesehen, habe verstanden, warum sie nicht besser oder anders können. Darin hab ich mich vergessen. Ganz oft. Ganz und gar.

Meine Heilung und Erlösung ist es, ganz und gar in meinen Schuhen zu stehen, durch meine Augen zu schauen und zu erkennen, was DAS (was immer DAS gerade ist) für mich bedeutet hat. Was es für mich hieß, DAMIT konfrontiert zu sein. DIESE Erfahrung mit den anderen zu machen. Mich selbst darin halten und mir zur Seite stehen. Dem Teil, der diese Erfahrung(en) gemacht hat.

Ich bin für mich da.



Dienstag, 18. Februar 2025

Selbstsicher

Ich genüge mir.
Bin sicher in und mit mir.
Das heißt nicht, dass ich nichts und niemanden mehr brauche. Das tue ich sehr wohl.
Es heißt vor allem, dass ich mich in der Lage fühle, aus mir heraus, alles zu wissen und tun zu können, was für mich relevant ist.

Ich vertraue meiner Anbindung zutiefst. Meiner inneren Führung. Der mir innewohnenden Weisheit und Kraft, der durch mich wirkenden kosmischen Intelligenz, der Macht, die mich durchströmt und belebt.

Ich vertraue mir und meinen Impulsen.
Ich bin mir meiner sicher.
Vertraue meiner Wahrnehmung.
Vertraue dem großen Ganzen, dessen Teil ich bin.

Alles wird zur rechten Zeit da sein, wenn ich da bin. Wahrnehmend. Spürend. Achtsam. Online. Tuned.

Auf mich kommt es an. Mich selbst im Wesen erkannt. Wissend wer und was ich bin, in was eingebettet. Der Rest ergibt sich.

Deswegen.
Ich genüge mir.
Bin alles, was ich wirklich und zuerst brauche.
Alles andere erfolgt daraus.
Aus mir.
Durch mich hindurch.

Ein Segen diese Tatsache. 



Ich hab mich - das reicht

Stille.
Schweigen.
Mit mir sein.
In mir.
Mich fühlen.
Mich hören.
Mich sehen.
Reflektieren.
Realisieren.
Verstehen.

Höchstens etwas rausgeben.
Nichts aufnehmen.
Kommunikation und Austausch auf Null.

Keine Impulse für Handlungen.
Nichts zeichnet sich ab, keine Tendenz wie und wo es weitergeht.

Da, wo ich bin, ganz sein.
Bis es fertig ist.
Dieses scheinbare Nichts.
Ohne ein Morgen.
Nur jetzt.
Abgetaucht.
Füße still halten.
Geschehen lassen.

Ich werde wissen, wann es abgeschlossen ist und etwas anderes sein soll. Bis dahin muss ich nichts anderes wissen. Kein Stück.

Ich verkörpere meine gefühlte Wahrheit.
In jedem Moment.

Jetzt gerade heißt diese Wahrheit vom Schweigen zu schreiben, von der Leere, die so voll ist, aus der heraus es aber nichts zu tun gibt.

Ich bin da.
Sehr wach.
Beobachtend.
Lassend.
Gleich-gültig.
Schweigsam.
Annehmend.
Nicht wissend und doch verstehend.
Tief sehend.
Zustimmend.

Ja, so ist es gerade.

Ich hab mich.
Ganz.
Nah.

Das reicht.
Voll. 



Sonntag, 10. November 2024

Mir mein Nein erlauben

Mir mein Nein erlauben und sprechen. Ein Nein zu einem Kontakt. Auf meine Übelkeit hören, die Abstoßung signalisiert und sich deutlich von der Übelkeit einer alten Angst unterscheidet. Ein Nein, diese Übelkeit der Abstoßung, ist gesund. Es bedeutet nicht, dass ich da noch ein Thema habe. Es sind direkte und adäquate Reaktionen auf Schwingung. Auf Disharmonie. Auf ein Wegwollen, das zu Recht da ist.

Es tut mir unfassbar gut, Türen für den Moment zuzumachen. Nicht einfach nur nicht zu reagieren, in der Hoffnung, dass der andere von mir ablässt, sich nicht mehr meldet, sondern mein Nein tatsächlich zu platzieren. Klar. Ohne Begründung. Ohne, dass ich es verstehen müsste. "Da ist ein Nein in mir", fertig.

Mhmmm... Ich genieße das gerade sehr. Im Grunde so einfach und gleichzeitig ein Weg bis hierhin. Puh!

 


Dienstag, 4. Juni 2024

Wut braucht Wirkung

Eine sich abgrenzen wollende Wut, eine Wut über Ungerechtigkeit, eine Wut über erfahrene Missstände, eine Wut wegen Nichterfüllung von Bedürfnissen bräuchte als Kind Wirkung, damit sich das Kind gesund entwickeln kann. Diese Wut ist da und verlangt eigentlich Veränderung, anderes Verhalten der Erwachsenen, der Bezugspersonen. Diese Wut zeigt an, dass da was nicht stimmt in der Versorgung, im System, in der Natur des Miteinander. Dafür ist diese Wut da. Gott gegeben und völlig zweckmäßig und richtig.

Meine Wut hat als Kind keine Wirkung gezeigt. All meine Versuche, auf o. g. Missstände aufmerksam zu machen, verliefen im Sande, prallten ab oder wurden gar verurteilt und bestraft. Ich wurde damit stehengelassen, nicht ernst genommen. Die Wut war aber da, diese Energie, die Wirkung fordert, die vor allem eigentlich Selbstwirksamkeit erfahren lässt und das Erleben ermöglichen sollte, sich wehren zu können, etwas einfordern zu können, etwas bewegen zu können, etwas verändern zu können. Folge war das Gefühl und Erleben von entsetzlicher Ohnmacht.

Ich hab sie gegen mich gerichtet diese Wut (und immer wieder auch gegen andere, gegen die ich mir Chancen ausrechnen konnte), um überhaupt etwas damit zu machen und in irgendeiner Weise Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Auch in anderen Situationen von Ohnmacht kam dann diese rasende Wut, die nie Platz hatte an der richtigen Stelle, die nie Wirkung fand, wo sie eine hätte finden müssen und mit der ich nicht umzugehen wusste. Diese krasse Energie, die nicht unverrichteter Dinge bleiben möchte, die bewegen will. Ich hab Fingernägel gekaut, an der Nagelhaut geknippelt bis es blutete, Grinde abgekratzt, später mit Vorliebe Pickel gedrückt. Mit all dem hab ich mich ein Stück abreagiert, diese Wut kanalisiert, verwendet und mich dabei selbst verletzt. Eine sehr schräge Form, Selbstwirksamkeit zu erleben. Damals die einzig mögliche.

Ich bemerke diese Neigung zur Selbstverletzung heute noch. Stück für Stück bekommt die selbstverteidigende, Missstände anzeigende Wut einen konstruktiven Platz in meinem Leben. Da, wo sie hingehört. Wird von mir weg als Schutzschild verwendet, vor mich gestellt, wo sie hingehört, und nicht nach innen gegen mich gerichtet.

Meine Kleine erfährt, dass wir was ausrichten können. Die angestaute Wutladung baut sich ab, der Druck lässt nach. Es kommt mehr und mehr Gelassenheit. Ich hab zwar damals erfahren, dass ich nichts ausrichten kann, aber das ist nicht die letzte Wahrheit über das Leben selbst. Ich habe aus diesen kindlichen Erfahrungen der Ohnmacht die falschen, generalisierten Schlüsse gezogen.

Die Wahrheit ist: Meine Wut hat Wirkung. ICH habe Wirkung. Mein Nein zählt und wird gehört. Ein Stop wird akzeptiert. Das Benennen von Missständen wird gehört und ich erfahre Veränderung im Miteinander. Alles kommt wieder in die Natürlichkeit.

Halleluja! DAS ist die Wahrheit!



Dienstag, 26. März 2024

Kann ich mein inneres Kind wirklich selbst versorgen?

Mhmmm 🥰🥰🥰 Ich bin so dankbar, dass das Seelenlesen wieder so intensiv Teil meines Wirkens ist und vor allem, dass es jetzt wirk-lich vielen Menschen zugänglich ist.

Gleichzeitig feier ich es sehr, dass damit noch mehr deutlich und sichtbar wird, wie ich mir selbst begegne, wie meine inneren Prozesse ablaufen. Denn das, was da in der Begegnung mit anderen geschieht, ist nichts anderes als das, wie es bei mir selbst abläuft. Es freut mich so sehr, dass es dafür jetzt noch mehr Beispiele und "Anschauungsmaterial" gibt.

In dieser Audio mag ich auch noch eine Frage aufgreifen, die in dem Zusammenhang gestellt wurde: "Können wir unseren inneren Kindern das geben, was wir selbst gerade ja eben nicht verkörpern?"

Ich wünsche euch viel Freude beim Lauschen. ❤️

Hier geht es zur Audio: https://t.me/AnjaReiche_herzradikal/1984




Dienstag, 27. Februar 2024

Das Spiegelgesetz ist keine Einbahnstraße

Zum viel besagten Spiegelgesetz... Das Ding ist keine Einbahnstraße.🔥


Mit dem Satz will ich vor allem zum Ausdruck bringen, dass man nicht immer "den Fehler", bei sich suchen muss, sondern dass es durchaus sein kann, dass der andere gerade auf mich projiziert. Ich hab lange, lange Zeit vergessen, dass sowas in zwei Richtungen gilt und oft genug versucht, die Themen der anderen in mir zu lösen. ❤ Ich wurde förmlich dazu erzogen, zu glauben, wenn Beziehung nicht funktioniert, dass das meine Schuld ist, ohne zu bemerken - wie auch als Kind - dass der andere keine Verantwortung für seine Gefühle und Verletzungen übernimmt. Für mich war es essentiell zu begreifen, dass Beziehung keine Einbahnstraße ist und dass es ZWEI in der vollkommenen Verantwortung und Wahrhaftigkeit braucht. Zwei, die sich in der Beziehung wirklich selbst begegnen und erforschen wollen. Mir wurde so unfassbar viel in die Schuhe geschoben, was nicht das meine war. Und ich beobachte immer wieder, wie sich Menschen quälen, sich anstrengen, Beziehungen "hinzubekommen", in denen nur einer wirklich reflektiert. Ich sehe Menschen, die in Therapie sind, um mit denen auszukommen, die eine Therapie bräuchten. Für mich war es so, so wichtig zu erkennen, dass es Dinge gibt, die tatsächlich nicht mir gehören. Das zu erkennen, gehörte sehr wohl mir. 😉❤


Samstag, 24. Februar 2024

Gib dem Aufmerksamkeit, was wachsen soll?

Echt? Warum?

Ich halte es für "sinnvoll", weil natürlich, wohlwollend mir selbst gegenüber und authentisch, dem Aufmerksamkeit zu geben, was sich zeigt, was damit auch gesehen und benannt werden will, was in die Bewusstheit möchte, sonst wäre es nicht da. Durch das Hinschauen und Hinspüren muss es nicht mehr unerkannt im Untergrund sein Unwesen treiben, bis es endlich bemerkt wird und ins Licht der Erlösung darf. Es kann aufhören immer wieder anzuklopfen und darf seinen Platz einnehmen in der Ganzheit meines Seins.

Ich gebe dem Aufmerksamkeit, was eh schon da ist, in mir lebendig. Es wird nicht verschwinden, in dem ich es ignoriere und mich dem "Licht" zuwende.

Und bei dir? Wer in dir möchte sich denn unbedingt aufs "Gute" konzentrieren, damit es sich mehren möge? Wer in dir möchte denn das "Schlechte" unbedingt vermeiden und was ist dieses Schlechte überhaupt? Ist es ein Teil, der Angst vor Mangel, Krankheit, der ewigen Depression, dem inneren Schweinehund, Armut, Ohnmacht, Kontrollverlust hat? Angst vor dem Hass, dem Biest in dir, der Anteil, der Angst vor der Angst selbst hat? Der Anteil, der endlich richtig sein möchte, gemocht, anerkannt, erfolgreich, belohnt, gut?

Ich kann's verstehen. Ein altes Programm. Ein innerer Anteil, der den Auftrag hat, dafür zu sorgen, das du die Erwartungen der anderen erfüllst, um endlich zu bekommen, was du so dringend brauchst, an was es dir als Erwachsener immer noch mangelt. Die Lücke gibt es wirklich. Nur schließt sie sich dadurch nicht, das "Böse" zu verbannen. Die Lücke schließt sich durch liebevolle Zuwendung dir selbst gegenüber in einem jeden Zustand und mit jedem Gedanken. Radikale Annahme von allem in dir.

Sag mir eins: Bringt dich dieses "sich aufs Gute konzentrieren" - was immer dieses Gute sein mag - hin zu dir, in die liebevolle Verbindung mit dir, wie du gerade bist oder führt es dich weg von dir und dem, was gerade tatsächlich in dir stattfindet? Bringt es dich näher an dein wahres Sein, deine Natur oder eher zu einem gewünschten Scheinbild von dir, das erst noch werden muss und dem du seit Jahren hinterher läufst wie der Esel der Karotte?

Fühlt es sich anstrengend an oder entspannt sich alles in dir und du kannst ausatmen? Musst du es künstlich aufrecht erhalten, dieses Gute im Fokus zu behalten oder fällt es dir leicht? Wird dieser Fokus schnell gestört und du musst "falsche" Gedanken immer wieder wie lästige Fliegen abschütteln?

Ich halte nicht viel von einem Fokus auf etwas, das nicht mit dem übereinstimmt, was in mir da ist. Wenn da Angst ist, ist da Angst. Wenn da Trauer ist, ist da Trauer. Wenn ich jemanden nicht mag, mag ich ihn nicht. Wenn ich fluche, fluche ich. Wenn ich lache, lache ich.

Ich mag dich einladen, dich sein zu lassen und wenn das nicht geht, zu beobachten, was dann da in dir los bricht. Die Stimmen zu hören, die dich vielleicht antreiben wollen, die dich und deine Gefühle und Gedanken korrigieren wollen. Beobachten, ohne etwas damit machen zu müssen. Vielleicht alles aufschreiben, was es da in dir spricht und denkt und fühlt. Ohne Wertung und wenn da Wertung ist, auch die wahrnehmen und notieren.

Ich mag dich einladen, dich zu erforschen anstatt dich zu verbiegen. Dich anzuschauen statt zu korrigieren. Ich mag dich ermutigen, zu deinem wahren Wesen zurückkehren, zu deiner Ganzheit und die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was wirklich wachsen und erblühen soll, was wirklich wesentlich ist: Du selbst.