Sonntag, 26. April 2026

Es geht nicht um besser oder schlechter

Vorgestern hab ich über die Ohnmacht geschrieben, die damit einhergeht den anderen erreichen zu wollen. Mir ist danach, noch etwas klar zu stellen.

Ich mag ausdrücklich sagen, dass ich damit nicht vermitteln will, dass es Ohnmacht zu vermeiden gilt. Ganz im Gegenteil: Die (zwischen)menschliche Ohnmacht darf vollumfänglich gefühlt und anerkannt werden, die Teile, die in der Kindheit an der Unerreichbarkeit der Bezugspersonen gelitten haben und immer noch darauf warten, dass da endlich mal jemand wirklich präsent da ist, verstehend und fühlend gegenwärtig, die dürfen begleitet werden. Deren Ohnmacht gilt es komplett zu fühlen. So war es.

Wenn ich als Erwachsene bemerke, dass ich in dieser Ohnmachtsposition bin, darf ich mich fragen, wie es mir damit geht, wer in mir unbedingt zum anderen durchdringen will. Damit bin ich wieder bei mir und an dem "Ort", an dem ich tatsächlich agieren kann und bei demjenigen, der jetzt als Erwachsene für diese Anteile zuständig ist.

Mir ist es wichtig zu betonen, dass (Eigen)Macht nicht besser ist als Ohnmacht. Es geht darum, zu bemerken, wo ich innerlich gerade bin. Es geht um Bewusstheit, nicht um Wertung. Es geht darum, da mit mir zu sein, wo ich mich innerlich tatsächlich gerade befinde, und nicht darum, in ein anderes Gefühl zu kommen.

Wenn ich mir als Erwachsene einfach sage: "Ach, ich muss den anderen ja gar nicht erreichen, ich hab ja mich" und ein inneres Kind in mir schreit und tobt und vom anderen gehört werden will, dann bringt mich das kognitive Wissen alleine nicht weiter. Damit würde ich wieder das Kind überhören und übergehen und nur erwachsen tun, mir aber letztlich selbst gewaltvoll begegnen.

Es reicht nicht, mir zu sagen: "Ach, ich geh wieder in meine Macht". Es braucht die Begegnung mit den "abhängigen" Teilen in mir, mit denen, die glauben vom anderen was zu brauchen. Diese Selbstzuwendung bringt mich automatisch in eine Handlungsfähigkeit mitten in der Ohnmacht, ohne dass das das Ziel gewesen wäre.

Es geht nicht um besser oder schlechter. Es geht darum, mir meiner bewusst zu sein. Ich in meinem Gewahrsein für mich und das, was in mir vorgeht, wer und was in mir gerade lebendig ist und damit in Beziehung gehen. Dauerhaft. Das ist "The place to be" für mich. Alles andere macht für mich keinen Sinn. Ich bei mir. Das mag in einer Begegnung mit jemandem nicht direkt gelingen. Danach bekommt es auf jeden Fall den nötigen Raum. Weil ich gar nicht anders kann und weil ich es auch gar nicht anders will.