Samstag, 2. Februar 2019

Geborgenheit

Heute floss mal wieder alter Schmerz. Ich konnte diesen Druck aus der Kindheit spüren, diese Anspannung, das Gefühl, wie es war, liefern zu müssen, mich anzupassen, mich hinten anzustellen mit meinen Bedürfnissen.

Diese innere Anspannung, dieser Unmut, wenn ich wusste, dass ich gleich noch was erledigen muss, eine Pflicht, die mir auferlegt wurde und eigentlich überhaupt keine Lust hatte. Dieses Gefühl wenn mir etwas total zuwider war und ich es trotzdem tun musste.

Da war dieses Brennen in meiner Seele, das immer dann da war, wenn ich einfach nur SEIN wollte. Wenn ich mich danach sehnte, dass mein bloßes Sein reichen würde. Ich wollte nichts müssen. Ich wollte nichts machen. Ich wollte einfach nur sein.

Da lag ich heute Nachmittag auf dem Sofa, eingekuschelt in eine Decke und dennoch war mir kalt, richtig von innen heraus kalt. Ich spürte die Wärme der Decke, die Weichheit und plötzlich wurde mir klar, was ich damals gebraucht hätte: Geborgenheit! Einen Ort, an dem ich einfach nur sein hätte können. Ohne Anforderungen, ohne Ansprüche, ohne Leistungserwartung, ohne Druck, ohne Pflichten, ohne Strafen. Ich hätte einfach nur sein wollen und so damit genug sein wollen für meine Familie.

Ich hab den Schmerz bewusst da sein lassen, hab geweint, gegähnt (ein sicheres Transformationszeichen bei mir), mein kleines Mädchen gehalten und nach 10 Minuten war es auch wieder gut.

Diesen Ort, an dem ich sein kann, an dem ich diese Geborgenheit heute erfahre, den habe ich in mir. Das wurde mir nochmal richtig bewusst. Ich habe über die letzten Jahre ausgemistet. Habe alles MÜSSEN rausgeworfen. Ich bin jetzt diejenige, die mich sein lässt, die mich annimmt, mit allem, auch mit dem Schmerz von früher. Ich bin diejenige, die mir jetzt erlaubt, komplett ich zu sein. Und das tue ich wirklich und wahrhaftig. Daran gibt es nichts mehr zu rütteln. Da bin ich konsequent und radikal. Da gibt es keine Kompromisse mehr auf meine Kosten.

Ich sorge für mich, schaffe mir meinen Raum, in dem ich mich rundum wohl fühle. Ich bin mir genug. Ich bin genug. Mehr als genug. 

Geborgenheit ist ein Ort in mir, den ich selbst erschaffe.

Bild: Anja Reiche

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