Dienstag, 5. Februar 2019

Ich achte und ehre mich

Wie oft bin ich früher hochgeschreckt aus dem Schlaf, voller Anspannung und hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen, ohne dass tatsächlich konkret etwas anstand.

Ich habe diese Grundspannung quasi mit der Muttermilch eingesogen und wahrscheinlich schon vor meiner Geburt in jeder Zelle gespeichert. Müssen, müssen, müssen, leisten, logisch sein, vernünftig sein, machen, tun, etwas bezwecken. Alles musste immer einen Sinn haben. Das, was man getan hat, musste sichtbar sein. Und es musste anstrengend sein. Nur dann zählte es was, nur dann war es wertvoll. Wenn etwas einfach nur Spaß machte, konnte es nichts Gescheites sein. Spaß durfte man zwischendurch schon mal haben, aber nur kurz und dann musste man wieder dem Ernst des Lebens folgen.

Wie oft habe ich mir als Kind und Jugendliche schöne Momente gestohlen. Habe heimlich gelesen, wenn ich eigentlich putzen sollte, habe gemalt, wenn ich vorgab zu lernen. Sobald ich dann die Schritte meiner Mutter auf der Treppe hörte, habe ich so getan als würde ich was tun. Immer in Hab-Acht-Stellung, immer mit einem Ohr gelauscht, nie ganz entspannt.

Dieses altbekannte Gefühl von Anspannung, immer auf der Hut sein, etwas tun, was man eigentlich nicht durfte, ist in den letzten Tagen nochmal präsent. Nicht, dass ich mich angetrieben fühle. Ganz im Gegenteil. Heilung geschieht. Es fließt ab, das, was da so lange gespeichert war. Es ist überflüssig, gehört nicht mehr zu mir. Ich bin eine andere geworden, habe mir andere Werte zugelegt, denn die Tage, an denen ich mir die schönen Momente stehlen musste, sind Gott sei Dank vorbei.

Auch hier durfte ich mir in den letzten Jahren vieles wieder erlauben. Langeweile, Müßiggang, Genuss, Freude, Leichtigkeit, faul sein. Das alles durfte ich erst wieder lernen.

In diesen herausfordernden Tagen des neuen Jahres geht die Reinigung genau in diese Tiefe. Was wir nicht mehr sind und wahrscheinlich nie wirklich waren, verlässt unser Energiesystem. Um das zu bemerken, flackert es nochmal kurz auf, Erinnerungen kommen, der Körper reinigt sich. Alte Schwere geht. Der Körper gleicht sich dem an, was im Geiste, im Inneren schon längst da ist.

Tatsächlich genieße ich es so sehr, völlig im Einklang mit mir zu sein. Jeder Zustand, jede Regung darf da sein. Ich bin so klar damit, wenn ich tagelang nur fühle, schlafe, sitze, liege, schreibe, lese, bin und nur das mache, was stimmig ist, was mir Freude bereitet, auf was ich wirklich Lust habe. Kein Leistungsgedanke mehr, sondern ein liebevolles Hinspüren, was mir gerade gut tut, was ich gerade brauche, was gerade dran ist. Eine Achtsamkeit wie sie ausgeprägter noch nie war. Ich achte und ehre mich in jedem Moment.

Mir so wertschätzend gegenüber zu sein, ist eine so wunderbare Erfahrung. So in Harmonie mit allem, mit den Zyklen, Phasen, Rhythmen. Die Jahreszeit, das Wetter, die Stimmung alles ist perfekt, passt zusammen, harmoniert. Ich schwinge mit, fließe, fühle, bin. Mittendrin und genau richtig. 🙏💫💝🌀

Foto: Canva


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