Dienstag, 29. Januar 2019

Was will noch integriert werden?

Heute bin ich wieder sanft, tief, liebevoll, weich. Ich liebe es all diese Facetten zu haben, zu spüren, auszuleben. Ich liebe dieses hin und her, diesen Tanz zwischen den Polen, das Auskosten der vollen Bandbreite. Gestern diese extreme Power, die Kraft, das eher Derbe und heute ganz mild und zart und fein.

Ich bin das alles. Laut und leise, stark und schwach, derb und liebevoll, verwirrt und klar. Da gibt es keinen Aspekt, der besser wäre als der andere. Ich will alles, alles will mich.  

Vorgestern hat sich dann auch bezüglich meiner Oma und der extremen Grantigkeit herrliche Klarheit eingestellt. Im Prinzip zeigt ihr Leben nämlich ganz deutlich was passiert, wenn man eben nur eine Seite lebt. Erst in den jungen Jahren dieses ständige Fügen und Anpassen, alles über sich ergehen lassen, sich unterordnen, alles schlucken, sich nicht wehren (können). Und dann fordert das Leben Ausgleich. Wir können nie dauerhaft nur die eine Seite leben. Das Leben will alles. Und dann kommt der extreme Umschwung in die andere Richtung. Dann kam bei ihr dieser machtvolle Part, andere in die Schranken weisen, Unterwerfung fordern, das Sagen haben wollen, jedem sagen, was er zu tun und zu lassen hat. Ganz knallhart und ohne Rücksicht auf Verluste, die Meinung kundtun. 

Für mich war es plötzlich so klar. Es war, wie wenn ich von außen drauf schaue und mir das Leben einen Film zeigt. Kein Aspekt, kein Gebaren ist besser oder schlechter als das andere. Es ist in Ordnung, sich manchmal zu fügen und unterzuordnen. Es ist in Ordnung, bei anderer Gelegenheit klar für sich einzustehen und lautstark seine Meinung zu vertreten. Gefügig sein ist genauso in Ordnung wie gallig und giftig sein.  

Ich glaube, wenn wir dieses Wogen annehmen, dieses hin und her, dieses auf und ab, das hell und dunkel, schwer und leicht, derb und sanft, groß und klein und alles bereitwillig ausleben und zulassen, dann werden, sind und bleiben wir gesund. 

Ich glaube, es ging wirklich nur noch einmal darum, alle Aspekte zu sehen, zu fühlen und zu integrieren, auch in unser Familiensystem. Die Grantigkeit wieder in den Kreis aufzunehmen, alles Verurteilte und Abgelehnte wieder reinholen, wieder an die Hand nehmen, wieder reinlassen, zulassen, sich dafür zu öffnen. 

Es ist ein Bild von Gestalten, die im Kreis stehen. Eine jede Figur steht für einen Wesenszug, für einen Anteil, für ein Gefühl. Manche wurden im Laufe der Zeit ausgeschlossen aus diesem Kreis, wurden verbannt, an den Rand gestellt oder ganz aus dem Raum geschickt. Vielleicht, weil "sowas" in der Familie noch nie geduldet wurde, vielleicht, weil ich persönlich irgendwann beschlossen habe, so aber nicht sein zu wollen. Diese Anteile dürfen jetzt wieder in den Kreis aufgenommen werden. Liebevoll und aus tiefstem Herzen darf hier Vergebung stattfinden und dürfen alle Urteile zurückgenommen werden.  

Es gibt nichts zu verurteilen. Die Frage ist eher, wo kann ich genau diesen Aspekt gut gebrauchen? Wo kann ich - in diesem Fall - diese Galligkeit gut gebrauchen? Wann ist es sinnvoll, dem anderen so richtig deutlich die Meinung zu sagen? Das ist nicht immer verkehrt. Es ist sogar sehr gesund, wenn man es kann. Es gilt also, sich hier die berühmte Scheibe abzuschneiden. Es gilt den Kreis wieder zu vervollständigen.  

Dieser Blick macht sanft. Dieser Blick macht verständnisvoll. Dieser Blick öffnet für die vielen bunten Farben des Lebens. Er macht weit für die Fülle an Seinszuständen, für die Fülle, aus der wir wählen können. Dieser Blick nimmt jedes Urteil zurück. Dieser Blick macht ganz und heil. ❤️🙏❤️

Foto: Canva

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