Donnerstag, 24. Januar 2019

Du darfst dich anderen zumuten

Was ich in den letzten Tagen so an Texten rausgehauen habe, was ich da so geäußert habe an krasser Meinung, hätte ich mich früher niemals getraut.

Viel zu sehr hatte ich Angst, dass ich vielleicht nicht mehr gemocht werde. Dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Dass ich vielleicht zu weit gegangen sein könnte. Dass ein Shitstorm über mir hereinbricht.

Vor allem als ich mich dann wirklich auf den Weg zurück zu mir gemacht habe, Dinge plötzlich hinterfragt habe und dann auch angefangen habe, sie wirklich anders zu machen, aufgehört habe, einfach zu funktionieren, da hatte ich die meiste Angst vor Ablehnung. Der bisherige Freundeskreis, die Menschen, die quasi mein altes Ich kannten, was sollten die denn wohl denken? Oh Gott, wenn die mitbekommen, wie ich jetzt drauf bin, dann erklären sie mich für bescheuert, dann bin ich unten durch.

Irgendwann fing ich an zu bloggen, fing an, meine Geschichte auch noch öffentlich zu erzählen. Ich hatte so oft Schnappatmung, hatte so viele Bedenken, dass ich schlecht über meine Familie reden könnte, wenn ich meine Wahrheit erzähle. Ich hatte Angst vor fiesen Kommentaren und natürlich davor, dass ich anderen dadurch lästig sein könnte.

Menschen, die anfangen umzudenken, können für andere tatsächlich lästig sein. Die, die einfach alles beim alten belassen wollen, fühlen sich schnell bedroht. Da rüttelt plötzlich jemand an den Grundfesten ihres Lebens. Da hört plötzlich jemand auf, zu funktionieren. Da ist plötzlich ein Quertreiber, ein Querulant. Das ist ungemütlich.

Tatsächlich hat man mehrmals vermutet, ich wäre in einer Sekte. Tatsächlich kamen manchmal fiese Kommentare. Tatsächlich ist es mal passiert, dass ein damals guter Freund zu mir sagte, entweder würde ich aufhören, so anstrengende Sachen zu posten oder er müsste mich bei Facebook ausblenden. Das waren aber wirklich eher die Ausnahmen.

Fakt ist, dass wir uns oft viel zu viele Gedanken umsonst machen. Das ist das eine.

Das andere ist, für mich gab es irgendwann keine Alternative mehr. Ich MUSSTE raus mit meiner Geschichte. Ich MUSSTE und wollte es in Kauf nehmen, dass vielleicht die ein oder andere Freundschaft zerbricht, dass mich manche nicht mehr mögen, nichts mehr mit mir anfangen können. Ich wäre erstickt, hätte ich mich deswegen verleugnet.

Umkehren war und ist keine Option. Für andere auf meine Wahrheit verzichten, ist keine Option. Mich der Welt nicht zuzumuten, ist keine Option. Nicht echt sein, ist keine Option. Lieber laufe ich Gefahr, eine Zumutung zu sein, als mich noch einmal zu verleugnen.

Foto: Canva

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