Dienstag, 16. Juli 2019

Wo ist die Magie hin?

Wann haben wir eigentlich aufgehört, Wunder in Erwägung zu ziehen? Wann ist uns die Magie abhanden gekommen?

So ziemlich jeder, der etwas Neues anfangen will, ein sogenanntes Risiko eingeht, weil er nicht weiß, wie die ganze Sache endet, wo sie hinführt und ob sie "gut" ausgeht, kommt mit diesem Horrorszenario "obdachlos unter der Brücke" um den Dreh. Krass.

Ich nehme mich davon nicht aus. Auch ich hab gelitten wie sonstwas unter dieser Pseudo-Existenzangst. Vor was fürchten wir uns, dass wir uns sogar in unserer Existenz bedroht fühlen? Vom Kein-Geld-Haben stirbt man nicht. Weiß ich tatsächlich aus eigener Erfahrung.


Die Erde hat sich weiter gedreht, als mein Geldbeutel leer war und der Dispo komplett ausgereizt. Mein Herz hat immer noch geschlagen und geatmet hab ich auch noch. Zwar meist in Schnappatmung, aber das Leben ging tatsächlich weiter. Von all den Sorgen, die ich mir gemacht habe, ist - Überraschung - keine wirklich wahr geworden.

Warum ziehen wir immer alles, was schief gehen kann, selbstverständlich in Erwägung und nennen es realistisch, während wir alles ausschließen, was Gutes passieren könnte und tun dieses Gute auch noch als Träumerei ab?

Das Leben hat so viel mehr auf Lager, als die zwei, drei begrenzten Möglichkeiten, die unserem Verstand gerade einfallen. Diese unfassbare Intelligenz, die allem innewohnt, hat echt mehr auf dem Kasten, als dieses "obdachlos unter der Brücke".

Wann lassen wir die Zügel los? Wann werden wir wieder zügellos und hören auf, dem Leben ins Handwerk zu pfuschen? Wann trauen wir uns endlich wieder selbst über den Weg, uns und unserer Intuition, unserer Größe? Dem Leben? Unserer eigenen Weisheit? Der allumfassenden Bewusstheit, der Kraft, die dieses unendliche Universum zusammenhält, am Laufen hält?

Wann springen wir von dieser Brücke in den Fluss des Lebens und lassen uns endlich wieder tragen, anstatt drüber nachzudenken, unter dieser Brücke zu wohnen und sehnsuchtsvoll aufs Wasser zu starren?

Also ich kann dieses Springen und sich tragen lassen sehr empfehlen. Das ist das Intelligenteste, was ich je gemacht habe. An Wunder glauben ist für mich der eigentliche Realismus.

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

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