Samstag, 31. August 2019

Erwartungen haben vor allem mit warten zu tun

Im Moment sehe ich mich einer großen Herausforderung gegenüber. Ich bekomme unzählige Nachrichten auf allen Kanälen. Im Messenger türmen sie sich geradezu. Dann ist da noch Whats-App. Da sind Emails, privat und geschäftlich. Und natürlich Kommentare auf Facebook, die ich besonders liebe, weil ich den öffentlichen Austausch am meisten mag. Da haben so viele andere auch etwas davon. Einige haben bestimmt schon bemerkt, dass ich manchmal über einen Kommentar auf Facebook besser zu erreichen bin, als in einer Nachricht. ;)

Das Ding ist, wenn ich die Erwartung an mich selbst habe, auf alle Nachrichten wirklich zu antworten und das auch noch zeitnah, dann mache ich den ganzen Tag nichts mehr anderes. Ich beobachte mich und immer, wenn ich es nicht tue - also das Antworten - dann ist das wie eine Notiz im Hinterkopf, die mir sagt: "Das musst du aber noch machen."

Diese eigene Erwartung an mich selbst, dass ich jedem antworten muss, erzeugt Stress. Es führt dazu, dass ich das Gefühl habe, dass immerzu etwas unerledigt ist, offen ist, auf der To-Do-Liste steht. Ich bin nicht wirklich im Moment, da zieht etwas an mir. Ich warte darauf, dass ich es tue.

Was würde denn passieren, wenn ich es ganz neutral betrachte? Mir schreiben Menschen. Sie lassen ihre Gedanken da. Haben vielleicht auch Fragen an mich. Möchten eventuell einen Termin ausmachen. Und dann passiert etwas ganz Interessantes. Nämlich schon alleine diese Tatsache, dass da etwas "an meiner Haustür abgegeben wird", löst den Impuls aus, dass ich jetzt handeln muss. Und das stimmt nicht. Es stimmt einfach nicht. Da wurde was dagelassen, ja, aber ich muss es nicht zu meinem machen, nicht zu meiner Ver-Antwort-ung machen.

Jetzt werden einige von euch aufschreien und rufen: "Ja, aber das gehört sich doch! Die warten doch auf Antwort!" Genau, sie warten. Sie er-warten. Sie glauben, mich zu brauchen, damit ihr Leben in irgendeiner Form weitergehen kann. Und auch das stimmt nicht. Niemand ist davon abhängig, ob ich antworte, ob es wirklich einen Termin bei mir gibt, ob das angefragte Projekt dann tatsächlich stattfindet.

Sie warten auf mich. Er-warten. Ich warte. Darauf, dass ich endlich reagiere. Er-warte, dass ich den Er-wartungen der anderen nachkomme. Alle warten nur noch. Das ist Stillstand. Wir können genau jetzt aufhören zu warten, zu er-warten. Alle. Beide Seiten.

Ich lasse mein Gefühl entscheiden. Ich entscheide nach Gefühl, ob ich Nachrichten lesen möchte. Ich entscheide nach Gefühl, ob ich dann antworten will. Manchmal kann ich nämlich gar nicht. Da ist alles schwarz in mir, kein Gedanke formt sich. Also lass ich es. Alles andere wäre erzwungen und nicht ehrlich. Mein Gefühl, meine Intuition ist so großartig und weise, da kann ich es gar nicht falsch machen. Für alle wird genau das Richtige passieren.

Ich weiß, dass das ziemlich krass ist und manche würden vielleicht sogar sagen, es wäre geschäftsschädigend. Ich sage, es ist einfach nur ehrlich. Ehrlich mag ich.

Schreibt mir gerne weiter. Am liebsten ohne Erwartungen. ;)

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

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