Samstag, 22. Juni 2019

Wahre Liebe lässt sein - mich und andere

Wenn ich glaube, ein bestimmtes Verhalten von anderen zu brauchen, damit es mir besser geht, bin ich auf dem Holzweg. Jegliches Wohlbefinden, wofür ich andere brauche, jegliche Zufriedenheit, jegliche Bedürfnisbefriedigung, die von anderen abhängig ist, ist eine Lüge und nur eine kurzfristige Befriedigung an der Oberfläche.

Wenn ich scheinbar andere brauche, damit mein Leben funktioniert, dann ist das nicht die Wahrheit, dann darf ich nochmal ganz genau hinschauen. Irgendwo gibt es da einen Irrglauben.

Wir dürfen selbst dafür sorgen, dass es uns gut geht. Niemand ist dafür verantwortlich unser Leid zu lindern, unsere Päckchen mitzutragen, unser Leben zu ordnen. Wenn jemand oder etwas unser Leben "stört", unsere Ordnung stört, dann gibt es irgendwo noch eine Verstrickung, eine Unwahrheit. Wenn etwas im Außen uns tatsächlich stören kann, uns unseren inneren Frieden "rauben" kann, dann war der Frieden noch nicht echt.

Es gibt diesen schönen Satz: "Alles, was die Seele aufrüttelt, ist Glück.". Alles, was uns durchzurütteln vermag, zeigt uns, wo wir noch nicht in der Balance sind, wo wir vielleicht noch Ängste, Widerstände oder andere unterdrückte Gefühle haben, wo wir eben noch nicht frei sind. Wo wir glauben, noch etwas von außen zu brauchen, von anderen, vom Leben, von Vorgesetzten, dem Partner, der Freundin, dem Nachbarn.

Eigenverantwortung ist das Zauberwort. Selbstfürsorge. Ich darf für mich sorgen und mir alles geben und erlauben, was ich brauche. Ich darf dafür sorgen, dass es mir gut geht. Ich darf Frieden in meinem Inneren machen. Ich darf meine Themen selbst lösen. Ich darf aufhören, von anderen zu fordern. Ich darf aufhören, zu glauben, dass irgendjemand für irgendwas in meinem Leben zuständig wäre. Entweder der andere gibt mir etwas aus freien Stücken oder eben nicht. Es gibt nichts einzufordern, es gibt keine Schuld, es gibt keine Verpflichtungen. Und so handhabe ich es auch mit dem Geben. Entweder ich gebe aus freien Stücken und weil ich wirklich will, oder ich lasse es bleiben. Ich gebe nicht, weil es sich so gehört, weil man es erwartet oder weil da "noch eine Rechnung offen ist".

Ich sage nichts, weil der andere es hören will. Ich sage es, weil ich es meine. Ich schweige nicht, nur weil ich weiß, dass der andere meine Worte unbequem finden könnte. Ich schweige, wenn es für mich stimmig ist. Versteht mich nicht falsch. Ich respektiere voll und ganz mein Gegenüber, aber ich handle nicht gegen meine eigene Wahrheit.

Oft genug habe ich die Wahrheit und die Bedürfnisse von anderen über die meinen gestellt. Ich habe mich verraten und verkauft, klein gemacht, weil ich nicht anecken wollte, wollte am besten jedem gefallen und absolut vermeiden, dass jemand enttäuscht von mir ist oder sauer auf mich.

Noch heute ist es teilweise eine Herausforderung, wenn ich weiß, dass jemand, der mir nahe steht, gerade nicht gut auf mich zu sprechen ist. Doch dieses unangenehme Gefühl bringt mich nicht mehr dazu, mich und meine Wahrheit zu verraten. Ich bleibe stehen und vor allem bleibe ich mir treu. Ich verlasse mich nicht mehr für andere. Ich bleibe bei mir, in mir und in meiner Größe.

Begegnungen mit Menschen, das Zusammenleben mit Menschen, die komplett in ihrer Verantwortung sind, ebenfalls in ihrer Größe, die jeden und alles so sein lassen können, die selbst für sich sorgen und klar und ehrlich kommunizieren, die in der Lage sind, zu reflektieren und bei sich zu bleiben, sind so ein großes Geschenk. Das Leben ist plötzlich so einfach. Ich muss nicht aufpassen, was ich sage, ich muss nicht aufpassen, was ich tue oder nicht tue. Ich darf einfach sein, unzensiert, ohne Einschränkung.

Wahre Liebe lässt frei. Mich und andere. Wahre Liebe fühlt sich leicht an. Wahre Liebe stellt keine Bedingungen. Wahre Liebe lässt sein. Mich und andere. Wahre Liebe braucht nichts. Wahre Liebe weiß, dass alles da ist, dass ich alles in mir finde, jeder in sich. Immer.


Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

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