Dienstag, 14. Februar 2017

Wir werden mit Licht geflutet

Ich weiß ja nicht, wie es euch heute geht, aber bei mir geht die Post ab. Die Empfindungen sind so extrem, dass ich manchmal kaum Luft bekomme, das Gefühl habe aus den Latschen zu kippen und ohnmächtig zu werden, weil es körperlich kaum auszuhalten ist, was da in mich einströmt und gleichzeitig aus mir heraus katapultiert wird.

Eben saß ich einfach nur da und habe gefühlt. Es ist eh gerade nichts anderes möglich. Ich wollte wissen, was da los ist. Da war eine unsägliche Wut, gefühlt in meinen Zähnen gespeichert, die so heftig war, dass ich kaum atmen konnte. Mein Gesicht verzog sich, ich fletschte die Zähne und hatte das innere Bild, dass ich jedem die Zähne zeige und jeden anknurre, der mir auch nur im Entferntesten zu nahe kommt, der was von mir will, was ich nicht will. Diese Wut, die über Generationen da war, aber nicht gelebt werden durfte, nicht da sein durfte. Die Wut darüber in eine Form gepresst worden zu sein, in die man gar nicht passt und nicht gehört. Diese Wut hat sich heute Bahn gebrochen, hat sich aus mir gelöst, aus den Zähnen, aus meinem gesamten Körper und ist explosionsartig aus mir heraus geschossen mit einem imaginären Knall. Alles in mir vibrierte und tut es noch. Gefühlt ist da eine extrem hohe Schwingung, die alles Alte aufbricht, wie eine Nuss, deren Schale aber nicht von außen geknackt wird, sondern aus eigener Kraft mit einem Riesenschwall Energie von innen heraus explodiert.

Und dann war da plötzlich dieser Satz in meinem Kopf. "Wir werden mit Licht geflutet!" Genauso fühlt es sich an. Dieses Licht, diese extrem hochschwingende Energie, die gerade in uns einfließt, lässt keinen Platz mehr für Altlasten, für Blockaden, für niederschwingende Emotionen, die sich festgesetzt haben. Es ist, wie wenn diese Energie, dieses Licht wie mit einem Kompressor in uns reingeblasen wird und uns alles wegfliegt, was wir nicht sind, wie wenn alles aus unseren Poren schießt, was uns hinderlich ist. Es geht gar nicht anders. Mich würde es nicht wundern, wenn wir in den nächsten Tagen Pickel bekommen würden wie in der besten Teenyzeit oder wir Durchfall haben und den Scheiß so loswerden. Reinigung auf allen Kanälen, weil sich der Dreck nicht mehr halten kann, zu hoch sind die Schwingungen, die uns jetzt ausmachen.

Dieses Licht macht Platz in uns, weitet uns und lässt uns im wahrsten Sinne des Wortes in unsere wahre Größe explodieren. Wir werden wieder noch größer und noch weiter, noch lichter und heller, noch freier und reiner und heiler, noch mehr wir.

Wie immer in solchen Phasen sorge ich gut für mich, schlafe, wenn ich müde bin, egal welche Tageszeit, esse, nach was mir gerade ist, mache nur das, was wirklich dran ist, zwinge mich zu nichts.

So heftig habe ich diese Energien noch nie wahrgenommen. Ich genieße sie in vollen Zügen. Mein Körper darf sich wieder und wieder an die Schwingungserhöhung anpassen. Und auch wenn das manchmal echt unangenehm ist, so kann ich mir fast nichts Schöneres vorstellen, als ständig weiter zu wachsen.

Kommt gut durch diese faszinierende Zeit und achtet euch und eure Bedürfnisse!

Herzensgrüße von mir
Anja

Foto: Anja Reiche



Sonntag, 12. Februar 2017

Wer oder was ist Gott?

In meinem Artikel Die großen Fragen des Lebens habe ich angekündigt, dass ich in nächster Zeit all diese beantworten will und euch erzählen will, was ich so generell über das Leben glaube. Gott, den Tod, Himmel und Hölle, etc. Den Artikel habe ich Anfang September letzten Jahres geschrieben und seither keine Frage davon beantwortet. ;) War irgendwie nicht dran... 

Nun möchte ich damit anfangen, denn der Glaube, den ich mittlerweile über das Leben habe, ist so enorm wichtig für meinen inneren Frieden, für mein Wohlgefühl, dafür, in mir ruhen zu können und dafür, in meiner Kraft zu sein. Dadurch habe ich erkannt, wer ich eigentlich wirklich bin. Das Beste, was mir je passiert ist. ♥

Mein Gott von früher

Meine Suche nach Gott begann mit Anfang zwanzig. Rückblickend habe ich bemerkt, dass diese Suche und die damit einhergehende, grundlegende Veränderung meines Weltbildes der Dreh- und Angelpunkt sind, wenn es darum geht, wieder in seine Macht zu kommen und zurück zu sich selbst zu finden. Nichts war für mich wichtiger als mein Weltbild gründlich auf links zu drehen. Diese neue Sicht der Dinge ermöglichte mir erst alle weiteren Schritte der Heilung, weil sie dadurch erst „logisch“ und denkbar waren.

Aufgewachsen bin ich mit einem evangelischen, christlichen Weltbild. Das Gute daran ist, dass ich von Anfang an glaubte und wohl auch irgendwie wusste, dass es eine Art „höhere“ Macht gibt, die wir Gott nennen. Auch Engel waren von Kindesbeinen an für mich real. Nicht weil ich sie wahrnehmen und mit ihnen sprechen konnte wie heute, sondern es war eher ein inneres Wissen. Das war schon mal gut. Der Rest von diesem Glauben eher nicht so. ;) 

Der Gott, der mir vermittelt wurde, erwartete gewisse Verhaltensweisen. Es durften keine Witze über ihn gemacht werden. Generell durfte man in der Kirche keine Freude haben, sondern musste immer ernst und seriös sein. Mit allen Predigten, an die ich mich so erinnere, verbinde ich immer den gedanklichen mahnend erhobenen Zeigefinger. Nur alleine weil man existiert, so wurde mir vermittelt, ist man schon Sünder. Man kommt da gar nicht dran vorbei. Das verunsichert schon ziemlich, muss ich sagen. Bei allen Beichtgottesdienstes, an denen ich teilgenommen habe, wusste ich nicht wirklich, was ich zu beichten hätte und dennoch musste es doch da was geben, weil sich doch keiner von der Sünde freisprechen kann. Wie bescheuert! Die Sache mit dem Fegefeuer hat mir schon ziemlich Angst gemacht, vor allem weil so unklar war, was denn nun eigentlich dazu führt, dass man dazu vom jüngsten Gericht verteufelt wird. (Schönes Wortspiel! ;)) Mir war nie ganz klar, was dieser Gott denn nun gut findet und was nicht. Deswegen waren mir Kirchen auch lange irgendwie unheimlich. Ich fühlte mich immer, wie wenn ich da unter noch strengerer Beobachtung stand. Ziemlich stressig das Ganze.

Zum Gottesdienst musste man in unserer Familie schon alleine deswegen, damit die Nachbarn nicht reden. Der Rest war eigentlich gar nicht so wichtig. Also ganz so streng erzogen wurde ich dahingehend nicht. Das meiste der christlichen Prägungen lief eher über Predigten, Religionsunterricht und dem heißgeliebten Präparanden- und Konfirmandenunterricht ab. Das zu meiner Ausgangslage in Sachen Gott.

Lange war mir der Glaube ziemlich schnuppe. Nachdem ich konfirmiert hatte, sah ich Kirchen nur noch auf Hochzeiten, Taufen und an Weihnachten von innen. Doch wie gesagt, mit Anfang zwanzig machte ich mich auf die Suche nach meinem eigenen Glauben, weil ich allzu viele Fragen hatte.

Mir wollte es nicht in den Kopf, dass nur Menschen in den Himmel kommen (sofern es diesen gibt), die an Jesus glauben. Das war für mich so unlogisch. Was war denn dann mit all den Religionen, in denen es keinen Jesus gab? Hatten die schon nur deswegen Pech, weil sie mit dem falschen Glauben groß geworden sind? Das machte für mich alles keinen Sinn. Aber das war nicht das einzige, was sich für mich nicht rund und stimmig anfühlte.

Warum sollte ich von vorne herein ein Sünder sein, nur weil Adam und Eva, dessen Existenz mal dahingestellt sei, irgendwas getan oder eben nicht getan haben. Was hatte denn bitte ich damit zu tun?

Dann die Schöpfungsgeschichte… Das hatte ich als Kind in der Schule schon nicht verstanden. Wie ist denn nun die Welt entstanden? Urknall oder die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel? Was ist denn nun wahr? Und wieso passt die Theorie von Wissenschaft und Religion nicht zusammen?

Warum steht ein Papst oder ein Pfarrer oder sonst irgendein Geistlicher Gott näher als ich? Was qualifiziert sie dazu? Ein Theologiestudium? Wieso brauch ich denn Mittelsmänner zu Gott? Warum glauben diese Menschen Gott besser zu verstehen als andere?

Und wenn der Papst, wie das neulich der Fall war, mal eben beschließt, dass Katholische in Ausnahmefällen nun doch zwei Mal kirchlich heiraten dürfen und dass das nun keine Sünde mehr ist, sagt er dann in der Hölle Bescheid, damit die sich auch an die neuen Richtlinien halten können?

Mal wurden Hexen verbrannt, weil es angeblich der Glaube so wollte, dann wieder nicht mehr. Mal wurden Geisteskranke verfolgt und dann wieder nicht mehr. Mal wurden Heterosexuelle verpönt, nun nicht mehr ganz so streng. Nun dürfen manche Katholische zweimal kirchlich heiraten. All die Meinungsumschwünge und „Regeländerungen“ kamen aber vom Menschen. Die Menschen haben jeweils entschieden, was sich gehört und eben nicht, immer so, wie sie den Glauben gerade ausgelegt und verstanden haben. Was hat das denn alles mit einem Gott zu tun? Bringt er regelmäßig neue Gesetze raus?

Die evangelischen Pfarrer dürfen heiraten, Sex haben, Kinder kriegen. Da ist das in Ordnung. Die katholischen müssen im Zölibat leben. Haben die unterschiedliche Fegefeuer? Misst Gott da mit zweierlei Maß und wenn ja, warum?

Was ist mit all den Änderungen und Zensierungen, die bewiesener Maßen immer wieder an der Bibel stattgefunden haben? Die Sache mit der Wiedergeburt wurde rausgenommen, weil sich irgendwelche Herrscher davon bedroht fühlten. Auch alle anderen Änderungen haben ähnlichen Hintergrund – irgendjemand fühlte sich durch die Worte und deren mögliche Auslegung bedroht und der Mensch hat die Bibel umgeschrieben. Was davon kann man denn dann noch glauben? (genaueres googelt bitte - ihr wisst ja, diese Beweissache ist nicht meins - ich hab das mal gelesen und mein Herz sagt mir, dass es stimmt ;) )

Wenn Gott ein richtendes Wesen ist, der beurteilt wer gut und schlecht ist und welche Gebete erhört werden und welche nicht, nach welchen Regeln macht er das? Die 10 Gebote alleine reichen da ja wohl nicht aus, oder? Und auf die Bibel braucht er auch nicht mehr zurückgreifen. ;)  Handelt er nach dem Zufallsprinzip? Ist er ein Gott der Willkür? Und wo um alles in der Welt bleibt dann unser freier Wille, wenn wir zwar tun und lassen können was wir wollen, aber hinterher dann doch bestraft werden?

Mal ehrlich, das macht doch alles keinen Sinn, oder?

Hab ich schon erwähnt, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin? ;)


Mein Gott heute

Nun will ich euch also erzählen, was ich so gefunden habe auf meiner Suche nach meinem Gott und meinem Glauben. Ich habe einen Glauben gefunden, der in mir ein großes, warmes JA erzeugt, der sich für mich stimmig anfühlt, bei dem mein Herz sagt, dass er wahr ist. Ich möchte euch dieses Angebot machen und bitte euch, nichts einfach so zu glauben, sondern alles mit eurem Herz zu prüfen. Ihr sollt nach eurer Wahrheit leben und nicht nach der Wahrheit eines anderen, nur weil es für ihn gut ist.

Ich glaube, dass Gott Energie ist, Bewusstsein, die Summe allen Bewusstseins, das All-Bewusstsein. Jede einzelne Seele ist ein Teil von ihm. Gott, die Energie, die er ist, hat sich zerteilt. Diese Teile, ich nenne sie Seelen, erschaffen sich einen menschlichen Körper und machen damit auf dieser Erde Erfahrungen und so erfährt sich Gott selbst. Nur so ist es ihm möglich, alles, was ist, zu erfahren, das Leben zu erfahren. Hier auf dieser Erde, in einer Welt der Dualität, in der wir das getrennt sein erfahren können, das getrennt sein vom All-Bewusstsein. Wir erleben uns als Individuen und sind doch Teil des großen Ganzen. Es gibt nicht entweder oder sondern und. Wir sind Individuen und doch alle eins. Wir sind geistige Wesen, die sich einen Körper erschaffen haben und diesen in jeder Minute immer noch erschaffen. Wir sind in unserem Kern Energie. Alles ist in seinem Kern Energie. Jede Materie, jeder Tisch, jeder Stein, jedes Lebewesen ist in seinem Kern Energie. Materie besteht aus Atomen, die ihm Kern nur aus Schwingung bestehen. Daher ist es für mich das Normalste von der Welt, dass ich mit allem und jedem in Verbindung stehe und geistig kommunizieren kann, dass ich mich einfühlen kann, dass ich zu allem in Beziehung stehe. Ich sprach im Geiste mit unserem Auto, als wir es verkaufen wollten, um reinzuspüren, ob es auch ok ist. Und so mache ich es mit allem.

Und so ist mein Gott, wie ich ihn verstehe, kein Wesen, das über Wohl und Übel der Menschen entscheidet, ein Wesen, dem wir untergeordnet sind und auf dessen Gutdünken wir angewiesen sind. Weit gefehlt. Wir selbst sind Gott und wir gestalten unser Leben. Wir sind aus dem gleichen Stoff und mit der gleichen schöpferischen Macht ausgestattet. 

Für viele, die dem Glauben anhängen, wie ihn die christliche Kirche verbreitet, mag sich das anhören wie die bloße Gotteslästerei, wenn man sich mit Gott auf die gleiche Stufe stellt. Aber mein Herz sagt mir, dass genau das wahr ist. Und tatsächlich erfahre ich es jeden Tag und jeden Tag mehr wie machtvoll und kraftvoll unser Schöpferwesen ist. Wir dürfen uns an den Gedanken gewöhnen, dass die Materie immer dem Geist unterliegt und dass die geistigen Wesen, die wir nun einmal sind, Schöpferkraft pur sind.

Ich bin Gott! Ich bin göttlich! Ich bin kraftvoller, machtvoller Schöpfer! Wie hört sich das für dich an? Was geht da in dir vor? Kommt da direkt Widerstand oder kannst du dich mit dem Gedanken anfreunden?

Als ich das erste Mal von diesem Weltbild gelesen habe, habe ich gelacht und geweint gleichzeitig. Endlich stand da schwarz auf weiß, was ich tief in meinem Inneren schon immer gefühlt habe, was ich aber nicht zu glauben gewagt habe, weil es zu schön war, um wahr zu sein. Und endlich stand genau das in diesem Buch „Gespräche mit Gott 1“ von Neale Donald Walsch. Was für eine Befreiung und Offenbarung das damals für mich war. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ab da durfte ich mein gesamtes Weltbild auf den Kopf stellen und alles hinterfragen, was mir je über das Leben und die Welt beigebracht wurde. Das Beste, was ich je gemacht habe. Plötzlich steht alles in einem ganz anderen Zusammenhang. Plötzlich bist du kein Opfer mehr von Umständen, vom Leben, von Gottes Wille. Plötzlich bist du Schöpfer und alles, was sich in deinem Leben zeigt, ist dein Werk, deine Schöpfung, Produkt deiner Gedanken und Überzeugungen. Plötzlich hast du alles selbst in der Hand und bist nicht mehr ausgeliefert oder hilflos. 

Gott schätzt eine jede Erfahrung, die wir machen, weil er sich dadurch erfährt. Er unterteilt nicht in gut oder schlecht. Das tun nur wir Menschen. Alles, was existiert, hat seine Berechtigung und darf sein. Er bestraft auch nicht, das "Schlechte", weil es das für ihn nicht gibt. Wir haben den freien Willen und zwar absolut. Wir entscheiden, was wir leben wollen und wie wir unser Leben gestalten. 

Genau diese Weltsicht ermöglicht es mir, mich selbst zu heilen, mein Leben komplett in die Hand zu nehmen, denn ich habe die Macht und die Kraft, das, was ich an Schmerz erschaffen habe, auch wieder zu ändern. ICH bin der Gestalter meines Lebens und sonst niemand. 

Das ist meine Wahrheit!

Fortsetzung folgt... 

Foto: Anja Reiche


Donnerstag, 9. Februar 2017

Bei mir sein

bei mir sein
mich selbst in den Arm nehmen
mir all die Liebe und Geborgenheit geben, die ich heute brauche
heilsame Nähe mit mir selbst
Sanftheit
Wärme
Güte
von mir für mich
wattig weich
weil ich mich achte

Anja ♥ 
 
Foto: Anja Reiche
 

Dienstag, 31. Januar 2017

Wie wir unsere Ohnmacht selbst erschaffen

Immer wieder lese und höre ich, dass viele meinen, sich vor Fremdenergie schützen zu müssen, vor emotionalen Vampiren, vor Energieräubern, vor negativen Schwingungen und vielleicht sogar Besetzungen.

Dazu möchte ich euch in diesem Artikel meine Wahrheit erzählen, denn ich glaube, dass da ein Missverständnis vorliegt. Es geht in diesem Leben nicht darum, sich zu schützen. Wir sind nichts und niemandem hilflos ausgeliefert, nicht als Erwachsener. Andere haben genau die Macht über uns, die wir ihnen, meist auf unbewusste Weise, zusprechen und zugestehen. Niemand kann mich aussaugen oder meinen Raum einnehmen, wenn ich es nicht zulassen würde. Nichts geschieht, ohne eine Entsprechung in mir, ohne dass ich es irgendwie erschaffen hätte.

Unser wahres Wesen ist weit und hell und leicht. Das ist die Urqualität unserer Seele. Wir sind mächtige Schöpfer. Wenn ich als Erwachsener erlebe, dass ich ohnmächtig bin, dass jemand Macht über mich ausübt, dass mich jemand manipuliert, dass mich jemand aussaugt und auslaugt, dann darf ich mich fragen, wie ich das erschaffe.

Ich bin die Tochter einer narzisstischen Mutter. Meine Kindheit war davon geprägt, geben zu müssen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen, meine Bedürfnisse hinten anzustellen, sie mit Aufmerksamkeit zu versorgen, für sie da zu sein, ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Ich war auf Geben programmiert, wurde emotional ausgesaugt, anstatt versorgt zu werden. Ohnmacht, Wut, ausgeliefert sein, nicht ich sein dürfen, eingeengt sein, keine Luft zum Atmen haben, mich nicht entfalten können, Freiheitskämpfe das alles war damals an der Tagesordnung.

Am vergangenen Freitag habe ich das Bild gemalt, das du ganz unten in dem Artikel findest. Es zeigt diese Thematik von mir, die ich die letzten Tage mal wieder bearbeitet habe - Ohnmacht. Dieses Thema kommt immer mal wieder hoch und Stück für Stück löse ich mich daraus, komme wieder in meine Kraft. Wenn ich mich mit etwas auskenne, dann mit Ohnmacht und der dazugehörigen Wut. ;)

Deswegen kann ich mich auch heute hier guten Gewissens hinstellen und sagen, dass Ohnmacht, die wir als Erwachsener erleben, auf welche Art auch immer, hausgemacht ist. Unser wahres Wesen ist Freiheit und Schöpferkraft.

Wie erschaffen wir uns also all diese Situationen, in denen wir ohnmächtig sind, uns ohnmächtig fühlen, scheinbar nichts machen können?

Unsere Kindheit hinterlässt Spuren und beeinflusst unser Erwachsenenleben mehr als wir glauben. Wenn für dich Ohnmacht auch öfter ein Thema ist, dann schau dir Folgendes an:

1. hinderliche Überzeugungen/verletztes inneres Kind
Die Erfahrungen, die wir als Kind machen, prägen unser Bild darüber, wie wir glauben, dass die Welt ist. Wenn wir also mit unseren Eltern, Geschwistern oder anderen wichtigen Bezugspersonen Erfahrungen gemacht haben, in denen wir wirklich ohnmächtig waren (als Kinder sind wir wirklich ausgeliefert und ohnmächtig, angewiesen auf die Erwachsenen und deren Versorgung), dann lernen wir, dass wir immer einer höheren Macht unterstellt sind, dass wir uns im Leben unterordnen müssen, dass wir unsere Bedürfnisse hinten anstellen müssen, dass wir nicht wichtig genug sind, dass wir nichts ausrichten können, dass wir schwach sind, dass wir andere beliefern und versorgen müssen. Das, was unser Kind von damals angefangen hat über das Leben zu glauben, das wird sich ihm immer wieder zeigen. Wir erschaffen es durch unsere Überzeugung, die wir damals erlangt haben. Das Kind in uns hat angefangen eine Lüge über das Leben zu glauben. Erzählen wir ihm endlich, dass es Schöpfer ist.

2. verdrängte Gefühle
Wenn wir als Kind wirklich diese ohnmächtigen Situationen erlebt haben, dann hat sich das scheußlich angefühlt. Wir mochten dieses Gefühl nicht und haben auch nie gelernt mit unangenehmen Gefühlen umzugehen. Also haben wir sie verdrängt, in uns vergraben, uns abgelenkt oder wurden sogar auch von Erwachsenen abgelenkt, wenn wir geweint haben. Verdrängte Gefühle setzen sich in unserem Energiesystem fest. Sie durften nicht fließen und bilden Blockaden. Diese tragen wir auch als Erwachsener noch mit uns herum. Das Leben möchte aber fließen und so kann es sein, dass wir immer wieder in Situationen geraten, in denen wir uns ohnmächtig fühlen, damit wir das Gefühl endlich fühlen und annehmen und in Fluss bringen. Die Ohnmacht klopft quasi immer wieder an und fragt uns, ob wir jetzt Zeit für sie haben. Umso mehr wir die Ohnmacht bejahend fühlen, umso weniger Grund hat sie, immer wieder anzuklopfen.

3. verlorener Zwilling
Was bei mir auch enorm mit dem Ohnmachtsthema zu tun hatte, ist die Tatsache, dass ich einen verlorenen Zwilling habe. Das ist mir vor einiger Zeit plötzlich klar geworden. Ich war im  Bauch meiner Mutter nicht alleine. Das sind die wenigsten. Ich habe mal gelesen, dass 80 % aller Schwangerschaften als Mehrlingschwangerschaft beginnen und im Laufe der Schwangerschaft nur ein Embryo überlebt (googelt das einfach mal). Die meisten Eltern wissen nicht, dass da mal mehr Embryos waren. Der Verlust, den das überlebende Kind aber erleidet, ist groß.
Mir hat der Verlust meines Zwillings einen enormen Schmerz zugefügt. Ein Wesen, das mir so nah war und dessen Herzschlag ich spüren konnte, war plötzlich weg, ist verschwunden, ohne mich zu fragen. Ich konnte nichts dagegen tun. Auch diese Erfahrung prägt hinderliche Überzeugungen. Bei mir war es die Überzeugungen, dass es immer Menschen geben wird, die Entscheidungen über meinen Kopf hinweg treffen. Auch hier habe ich meinem inneren Kind gesagt, dass das eine Lüge ist und es mit Liebe geheilt.

4. abgespaltene Seelenanteile
Dieser Aspekt ist auch für mich ganz neu. Ich habe schon öfter von abgespaltenen Seelenanteilen gelesen, hatte aber nie einen Bezug dazu. Als nun am Wochenende das Thema Ohnmacht wieder so präsent war und ich das Gefühl hatte, dass die Energie meiner Mutter mich überlagert, sie wieder in meinen Raum eingedrungen ist (obwohl wir gerade keinen Kontakt haben), mir viel zu nah ist, da habe ich mich gefragt, wie ich sie wohl dazu ermächtige, mir so ungesund nah zu kommen. Und plötzlich schoss es mir in den Kopf: abgespaltene Seelenanteile!!! Der Schmerz, den ich damals als Kind in all den Situationen erlebt habe, war so groß, dass ich ihn mit einem Anteil meiner Seele abgespalten habe. Ich hätte sonst nicht überlebt. Wenn wir uns unsere Seele als Energiekugel vorstellen, die eigentlich in uns und weit um unseren Körper herum existiert, dann resultiert aus einer Abspaltung, dass diese Energiekugel kleiner wird. Wenn das öfter passiert, dann wird diese Kugel immer kleiner und kleiner. Wir sind nicht mehr in unserer Macht, wir nehmen unseren Raum nicht mehr ein und deshalb können uns andere so verdammt nahe kommen, zu nahe kommen. Sie können aber nur den Raum einnehmen, den wir freigemacht haben. Abgespaltene Seelenanteile können für andere Tür und Tor öffnen und dazu braucht es keine böse Absicht. Für die Rückholung dieser Seelenanteile braucht es nicht viel - wir müssen sie nur darum bitten, und wenn es wirklich an der Zeit ist, dann kommen sie sehr schnell zurück. Mit ihnen auch der Schmerz, den wir damals nicht ertragen haben. Diesen dürfen wir annehmen. Das ging bei mir innerhalb weniger Stunden. Dieses Gefühl wieder vollständig zu sein, mich wieder um mich herum wahrzunehmen, wieder tief atmen zu können, wieder Luft zu bekommen, ist einfach herrlich. Ich fülle mich wieder aus und wenn ich das tue, dann kann es niemand anders.

Wir müssen uns nicht vor anderen schützen. Wir dürfen uns selbst wieder heilen, unseren Raum wieder einnehmen, uns vollständig machen, Lebenslügen ausräumen, die Ohnmacht annehmen. Niemand hat Macht über uns - es sei denn wir geben sie ihm!

Ich sende euch machtvolle Herzensgrüße
Anja




Freitag, 20. Januar 2017

Knacken wir die Schale von innen heraus auf

Heute habe ich das erste Mal in diesem Leben zu schamanischen Trommeln getanzt und durfte feststellen, dass ich dies in früheren Leben schon sehr oft getan habe. Ich habe mich erinnert, wie kraftvoll und machtvoll dieses Ritual ist. Die Erinnerung kam beim Tanzen. Alte Bilder aus früheren Leben, Bewegungen, die mir neu waren und doch so vertraut, schon tausend mal gemacht. Ich sah mich am Lagerfeuer mit meinem Stamm, hörte das Rufen und Gellen der anderen Tänzer, fühlte meine Berufung und mein wahres Wesen deutlicher denn je.

Dieses Bedürfnis heute zu tanzen kam einfach über mich. Derzeit fließt wieder so viel alter Ballast ab und ich hatte plötzlich den Impuls, dass das Tanzen diesen Reinigungsprozess herrlich unterstützen wird. Und so war es auch... Die rhythmischen, intuitiven Bewegungen helfen so gut, das Abfließen von Blockaden, überholten Glaubenssätzen, Verhärtungen und Anspannungen im Körper zu fördern. So viel hat sich über all die Leben in unserem Energiekörper angesammelt, das unseren menschlichen Körper belastet, was wir nun nicht mehr sind. Es ist, wie wenn wir einen zu engen Panzer tragen, der nun aufgesprengt werden kann. All unsere harten Gedanken, alles vermeintliche Müssen, jeder Zwang und jede Einschränkung, all das Verbiegen und Anpassen hat uns eng und hart gemacht, hat sich im Körper festgesetzt, zeigt sich in Form von Nackenschmerzen, eingerosteten Gelenken, Gelenkproblemen generell, Ablagerungen und Verhärtungen in den Venen, in den Faszien, im Bindegewebe. Alles was über so lange Zeit hart und unbeweglich geworden ist, darf wieder weich und geschmeidig werden. Es ist jetzt an der Zeit.

Was mir gerade noch sehr gut tut, ist Ingwertee. Den inhaliere ich zur Zeit förmlich, ohne wirklich etwas über die Wirkung zu wissen, eher fühle ich sie. Weinen tut mir immer sehr gut und auch jetzt. Tiefes, kraftvolles Atmen reinigt auch enorm, vor allem an der frischen Luft. Viel Ruhe, langes Schlafen - hier kann die Seele ihren Teil der Arbeit gut machen. Und natürlich alles fühlen und zulassen, was gerade Aufmerksamkeit braucht. Spürt einfach jeden Moment ganz intensiv in euch rein und handelt ganz nach eurem Gefühl. Esst, was sich gut anfühlt, von dem ihr merkt, dass ihr es gerade braucht, so "unlogisch" es erscheinen mag. Und wenn euch danach ist, tanzt!!!

Brechen wir die harte Schale von innen heraus auf. Wir haben schon so viel getan und gereinigt, geheilt und entlassen. Nun darf sich unser menschlicher Körper der höheren, leichteren Schwingung unseres Energiekörpers anpassen. Weichen wir ihn auf, lassen wir auch hier die Leichtigkeit einfließen, die Entspannung, die Heilung.

Herzensgrüße von mir
Anja

PS: Teilt das gerne! ♥

Foto: Anja Reiche


Mittwoch, 18. Januar 2017

In uns ist alles angelegt

Die letzten Tage schlafe ich fast immer 12 Stunden und das in einer Mischung aus Halbschlaf, wirrer Träume und einer endlosen Schwere, die es mir unmöglich macht, vorher aufzustehen. Gefühlt findet gerade ein enormer Umbauprozess statt. Gestern Abend hatte ich einen ganz heiligen klaren Moment (sonst bin ich eher vernebelt).

Nun ist es wirklich so weit, dass wir nur noch beiseite treten müssen, um unsere Seele vorausgehen zu lassen. (siehe dazu auch den Artikel über 2017) Es ist alles in uns angelegt. Wir müssen nichts steuern oder kontrollieren, nichts erzwingend in die Wege leiten oder für irgendwas kämpfen. Ich habe das gestern ganz deutlich an dem Beispiel mit meinen Zähnen gespürt. Mir ist gestern ein Stück Füllung abgebrochen, ziemlich groß, so dass gefühlt der halbe Zahn fehlt. Ich habe ein ganz starkes inneres Bild und das schon lange, dass ich irgendwann komplett starke, gesunde, vollkommen heile Zähne habe. Auch die Zähne, die jetzt mit Füllungen versehen sind, sind irgendwann wieder heil und ganz und vollkommen natürlich. Es ist ein Bild, dass neue nachwachsen, sie sich erneuern, auf welche Weise auch immer. Diese Wahrheit und dieser Zustand ist in mir angelegt. Wie ich da hinkomme, weiß ich nicht. Wann das so sein wird? Keine Ahnung, gefühlt ganz bald. Das muss ich aber auch nicht wissen. Es ist alles in mir angelegt und ich trete beiseite, meinen Geistführer oder Schutzengel an meiner Seite, gut behütet und wir schauen zu, wie meine Seele das richtet und in die Wege leitet, das umsetzt, was eh schon angelegt ist.

Es ist wie ein Samenkorn. Niemand kann diesem Samenkorn vorschreiben, was es werden soll. Wenn es sich um eine Eichel handelt, dann wird eine Eiche daraus. Daran kann niemand etwas ändern, kein Ego und kein Einfluss von außen. Diese Eichel wird eine Eiche und zwar dann, wenn es dafür an der Zeit ist. In der Eichel ist alles dafür gespeichert und nichts und niemand kann daran etwas ändern. Es können sich noch so viele um die Eichel herum aufstellen und auf sie einreden, aber es wird kein Rosenstrauch aus ihr. Wir dürfen also getrost beiseite treten und der Natur ihren Lauf lassen. Und genauso ist in uns alles angelegt für dieses Leben. Unsere Seele hat unseren Samenspeicher mit allem gefüllt, was in diesem Leben wichtig ist. Wir müssen nichts werden, wir sind schon. Wir müssen uns nicht anstrengen, es geschieht von alleine. Alles immer zur rechten Zeit. Auch die Eichel braucht eine Phase in der Dunkelheit der Erde, um eine Entwicklung zu machen, die von außen nicht sichtbar ist. Beobachter würden sagen, dass da ja gar nichts passiert. In Wahrheit aber, bereitet sich die Eichel vor, treibt ihren Keim aus. Das ist Arbeit. Von außen nicht sichtbar aber unheimlich wertvoll und nötig. Es passiert so viel im Untergrund, auch wenn wir es nicht sehen können. Es ist wichtig, damit wir irgendwann in das Licht der Sonne vorstoßen können und in unsere ganze Größe wachsen können. In diesem Samenkorn ist alles gespeichert, was wir für unser Leben brauchen, für unser Leben als Eiche, nicht als Rose oder Karotte. Und für diese Eiche ist alles perfekt in die Wege geleitet. Und so ist es in unserem Leben auch. Alle unsere Sehnsüchte und Herzenswünsche sind in uns angelegt, genauso wie ihre Umsetzung. Es ist alles da. Wir hätten diese Sehnsüchte nicht, wenn es nicht auch einen Weg dahin gäbe. In mir ist es angelegt, komplett gesund zu sein. In mir ist es angelegt, Bücher zu schreiben. In mir ist es angelegt, zu wandern. In mir ist es angelegt zu heilen. Uns so weiter... Und der Weg dahin ist auch angelegt, sonst wäre die Sehnsucht nicht da. Ich muss nicht wissen, wie oder wann, nur dass. Und das weiß ich. Dieses Wissen ist die Kraft, die erschafft. Mehr braucht es nicht. Das ist so herrlich einfach und mich hat gestern Abend eine Welle der Geborgenheit und Liebe überflutet, dass ich wirklich weinen musste. Diese wunderbar weißen, gesunden, kraftvollen Zähne gibt es schon in mir. Sie sind da und alles andere auch. Jetzt lasse ich einfach geschehen und mich führen. ❤


Foto und Bild: Anja Reiche

Donnerstag, 29. Dezember 2016

2017 - Jahr des Lichts

Wo ich mich gerade befinde? In einem ganz heiligen und unschuldigen Raum. Die letzten Tage habe ich immer mal wieder überlegt, wie sich mein derzeitiger Zustand in Worte fassen ließe. Ich bin total ruhig und ganz bei mir. 2016 mit all den Themen und der intensiven Transformation ist vorbei, 2017 mit all dem Neuen ist noch nicht da. Und genau dazwischen bin ich gerade. Das Alte ist abgelegt, das Neue nur zu erahnen. Ich bin nackt und es fühlt sich herrlich an. Es gibt gerade nichts zu tun...

Und während es um mich herum brodelt und so viele Menschen extrem schüttelt, fühle ich mich wie im Auge eines Hurrikans. Hier ist es still und ich beobachte. Es fühlt sich an, wie wenn ich alles von mir abgestreift habe, was nicht zu mir gehört, was ich nicht bin. Und ich glaube deswegen schüttelt es auch so viele. Das Leben will endlich, dass wir loslassen, was wir doch eh nicht sind. Es schüttelt uns so lange, bis wir wirklich nicht mehr daran festhalten können, weil wir keine Kraft mehr haben oder ganz die Orientierung verloren haben von dem vielen Geschüttele. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob diese Ruhe bei und in mir trügt, ob bei mir der große Hammer auch noch kommt, weil es um mich gar so tobt. Ich habe hingespürt und dann aber gemerkt, dass diese Ruhe schon passt. Es war irgendwann Mitte Dezember als ein ganz einschneidender Satz mir diese Ruhe brachte. Was wäre, wenn genau jetzt alles in Ordnung ist? Diese einfache Frage hat mich aufatmen lassen. Denn wenn genau JETZT alles in Ordnung ist, alles, was gerade in meinem Leben ist, die körperlichen Symptome, der Kontostand, die Vorlieben, die Abneigungen, wenn das alles da sein darf, weil es vielleicht gerade wichtig für mich ist, dann kehrt Ruhe ein, denn dann will ich nichts mehr unbedingt verändern, dann ist nichts mehr falsch und muss weg gemacht werden. Es darf einfach sein wie es ist und was es ist, nämlich vorübergehend. Wie alles im Leben... Und somit habe ich auch die größte Lüge von mir abgestreift, die Lüge, dass ich so wie ich gerade bin nicht richtig bin.

Was aber wirklich zu mir gehört, was ich wirklich bin, was 2017 verstärkt in den Vordergrund treten wird, ist zwar schon erahnbar, aber die Form noch völlig unklar. Es ist, als liegen alle meine Puzzleteile, die mich in diesem Leben ausmachen, vor mir. Ich habe sie in den letzten Jahren entdeckt, die Teile aussortiert, die nicht zu dem Bild gehören. Aber das fertige Bild ist noch nicht zu sehen, die einzelnen Teile noch nicht an ihrem Platz. Ich bin nackt, unschuldig, erwartungsfrei, wie ein leerer Bilderrahmen, in den dieses Puzzle gehört. Ich bin tatsächlich frei von Erwartung und ich glaube, dass ist im Moment extrem wichtig. Wir dürfen alle Vorstellungen davon loslassen wie 2017 zu sein hat, was zu passieren hat, wie es zu passieren hat und uns dafür öffnen, dass alles kommen darf, was gerade richtig und wichtig für uns ist, was uns am besten ausdrückt, ohne zu wissen, wie es genau aussehen wird, wie es passieren soll. 2017 braucht Raum, ganz viel Raum und Platz zur Entfaltung.

Gefühlt wird im/ab dem neuen Jahr alles anders. Für mich geht nicht nur ein Jahr zu Ende sondern eine ganze Ära, die Ära der Heilung und Transformation. Ab jetzt sind andere Themen wichtig und vordergründig, es wollen ganz andere Erfahrungen gemacht werden. Gefühlt kommt für viele das innere Licht erst so richtig zum Leuchten, es kommt nach außen. Wir haben aufgeräumt die letzten Jahre, haben wirklich viel dafür getan, uns zu heilen, wieder ganz und vollständig zu werden. Es war teilweise hart und von vielen Durststrecken durchzogen, aber immer mehr merken wir, wie sehr sich das alles wirklich gelohnt hat. Und nun stehen wir vor einer Wende. Die letzten Jahre waren nach innen gerichtet. Wir haben unser Licht gesucht, es freigeschaufelt und die Flamme immer größer werden lassen. In den kommenden Jahren dürfen wir mit diesem Licht nach außen gehen, es in die Welt tragen und es immer heller leuchten lassen. Dafür steht für mich 2017. Auf welche Art dieses Licht leuchten wird, wie dieses Leuchten aussehen wird? Keine Ahnung! Und die muss ich auch nicht haben. Ich brauche nur einen Schritt beiseite treten und das Leben machen lassen, meine Seele vorangehen lassen, in jedem Moment. Und so werde ich einfach SEIN, wenn es gerade nichts zu tun gibt und TUN, wenn es an der Zeit ist und zwar nur das, was sich absolut richtig anfühlt. Ich werde das eine vom anderen unterscheiden können, weil ich das jetzt schon kann und in jedem einzelnen Moment das für mich Richtige "tun", meinen Impulsen folgen.

Und genau das ist mein "Vorsatz", meine Entscheidung und mein tiefes Gefühl für das neue Jahr:
Ich gebe dem Leben urteilsfrei seinen Raum! Ich gebe mir meinen Raum!
Wie immer das aussehen mag. Auf jeden Fall bin ich tierisch neugierig!

Ich wünsche euch allen einen zauberhaften und magischen Start in das neue Jahr. Vielleicht wollt auch ihr einen Schritt beiseite treten und mit staunenden Augen zusehen, wie sich das Leben, euer Leben, vor euch entfaltet.

Herzensgrüße von mir
Anja

Foto: Anja Reiche



Sonntag, 18. Dezember 2016

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk

Heute möchte ich euch eine Weihnachtsgeschichte schenken. Eine Geschichte, die in den letzten Tagen auf die Welt wollte und von der ich bei den ersten Sätzen, die mir in den Kopf kamen, nicht wusste, wie sie ausgehen würde. Heute wollte sie zu Ende geschrieben werden. Ich bin einfach nur dankbar und tief berührt von diesem Schöpfungsprozess. Für mich ein großes Wunder...

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk

Die Straße lag dunkel da. Der Schnee ließ sie dennoch magisch leuchten. Er war alleine, hörte nur das Knirschen unter seinen Füßen, wenn er den nächsten Schritt in das jungfräuliche Weiß machte. Er klappte den Kragen von seinem Mantel hoch und zog die Mütze noch tiefer in die Stirn, schob das Kinn weiter in den Schal. Es war rattenkalt und normalerweise wäre er um die Uhrzeit nicht mehr draußen unterwegs. Doch es hatte ihm keine Ruhe gelassen. Er musste zu ihr. Während er so ging kamen ihm bunte Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Lachende Gesichter, Albernheiten und ganz nahe, vertraute Momente zogen in seinem Geist vorbei und erhellten sein Inneres, wärmten ihn. Was hatten sie nicht alles zusammen erlebt. Auch schwere Zeiten voll Trauer und Schmerz hatten sie geteilt, gemeinsam durchgestanden. Und mochte es auch noch so hart gewesen sein, sie konnten sich immer aneinander festhalten wie Ertrinkende am Rettungsring. Sie standen sich bei, hörten sich zu, fingen sich auf und irgendwann ging immer wieder die Sonne auf und das Unwetter des Lebens verzog sich wieder. Nach jedem Sturm waren sie sich noch näher, kannten sich besser, liebten sich mehr. Sie waren sich sicher, dass sie alles zusammen meistern würden, dass sie ewig zusammenbleiben würden. Er blieb stehen und schaute sich um. War er überhaupt noch richtig? Irgendwie kam ihm die Gegend fremd vor. Aber vielleicht schlugen ihm auch nur die Dunkelheit und die schneebedeckten Gassen ein Schnippchen. Er senkte den Kopf wieder in seinen Mantelkragen und setzte den Weg fort. Wieder kamen Erinnerungen. Sie stritten sich. Das geschah damals zu der Zeit sehr oft. Fast täglich. Irgendwann hatte das angefangen. Er konnte gar nicht mehr genau sagen, wann. Ein jedes Gespräch, so harmlos es auch angefangen hatte, endete in einer Auseinandersetzung. Sie schienen, nicht mehr die gleiche Sprache zu sprechen, nur noch aneinander vorbei zu reden. Dann hatten sie sich irgendwie gar nichts mehr zu sagen und eines Abends als er nach Hause kam, war sie weg. Einfach weg. Ihre Abwesenheit riss riesige Löcher in die Wohnung. An den Stellen, an denen vorher ihre Sachen gestanden hatten, klafften große Lücken, die sich anfühlten wie Wunden, wenn er sie betrachtete. Was war schief gelaufen? Wie hatte das passieren können? Wieso hatten sie das nicht verhindern können? Abwenden? Wieder blieb er stehen und sah sich um. Er stand vor der Kirche. Da hatte er sich ja ganz schön verfranzt. Wie von selbst ging er die zwei Stufen zur Eingangstür hoch und drückte die schwere, eiserne Klinke. Tatsächlich öffnete sich die Tür. Er trat ein und zog leise das massive Holz hinter sich ins Schloss. Das Innere war schwach von den Kerzen erleuchtet, die vorne im Altarraum brannten. Noch nie zuvor war er nachts in einer Kirche gewesen. Seltsames Gefühl, irgendwie unheimlich aber auch tröstlich. Nach ein paar Schritten setzte er sich in eine Bank und ließ die Stille und das Kerzenlicht auf sich wirken. Hier hatten sie damals geheiratet. Was für ein glücklicher und schöner Tag das gewesen war. Niemand hätte damals vermutet, dass ihre Beziehung irgendwann den Bach runter ging. Er schloss die Augen und Tränen rannen über seine Wangen, kullerten ungehindert auf seinen Mantel.
„Du hast dich selbst verloren und damit auch sie.“
Er riss erschrocken die Augen auf und sah sich um. Aber niemand war zu sehen, zu dem diese Stimme gehören könnte. Eine Gänsehaut jagte ihm über den Körper. Und obwohl das gerade ziemlich spooky war, wusste er, dass er keine Angst haben brauchte, dass er sicher war. Er schloss wieder die Augen und lauschte.
„Ich bin froh, dass du mir endlich zuhörst. Ich habe schon so oft versucht, mit dir zu reden. Es musste wohl erst zum Äußersten kommen.“
Langsam fand er sich mit der Situation ab, dass er diese herrenlose Stimme hörte. Also saß er da einfach mit geschlossenen Augen und hörte zu. Es schien wichtig zu sein. Plötzlich spürte er, dass sich jemand neben ihn in die Bank setzte. Wieder riss er die Augen auf und sah einen alten Mann neben sich, graue Haare, grauer Bart, schwarzer Mantel, schwarzer Hut und trotz des Alters eine stattliche Erscheinung. Der Mann blickte unverwandt geradeaus.
„Erkennst du mich nicht?“
Stumm schüttelte der Jüngere den Kopf. Er hatte den Alten noch nie zuvor gesehen.
„Normalerweise siehst du mich auch nicht, Ben. Aber ich dachte, du hörst mir vielleicht besser zu, wenn du mich sehen kannst.“
Ben starrte den Alten nur mit großen Augen an und sagte nichts.
„Gesprächig bist du ja nicht gerade, was? Na, umso besser. Dann kann ich ja loslegen.“
„Warte!“ Ben hatte seine Sprache wiedergefunden. „Sag mir erst, wer du bist.“
„Hast du wirklich keine Ahnung? Nicht mal eine Vermutung?“ 
Ben senkte den Kopf und schluckte. Doch, eigentlich wusste er es schon, seit dem ersten Satz, der ihn hier in der Kirche so unerwartet getroffen hatte. Eigentlich hatte er die ganze letzte Zeit gespürt, dass ihm was fehlte. Erst hatte er gedacht, dass Lara ihm fehlte, seine Frau. Aber wenn er ehrlich war, dann hatte er diese Leere auch schon gespürt als Lara noch da war. Tief in ihm hatte er irgendwann erkannt, was ihm wirklich fehlte, aber er hatte Angst. Angst, hinzusehen, Angst vor dem, was sich zeigen würde, Angst, überrollt und überwältigt zu werden, den Boden unter den Füßen zu verlieren, Angst, seinen Schatten ins Auge zu sehen.
„Dacht ich‘s mir doch.“
Ben sah den alten Mann nun an. Es kostete ihn einige Überwindung, ihm fest in die Augen zu sehen. „Du bist meine Seele, richtig?“
Der Alte nickte langsam und ließ den Blick auf Ben ruhen. „Weißt du, Ben, eigentlich brauchst du überhaupt keine Angst vor mir zu haben. Ganz im Gegenteil, eigentlich solltest du dich auf mich und über mich freuen. Ich weiß nicht, was euch Menschen immer dazu veranlasst, vor dem wegzulaufen, was eure größte Freude, euer größtes Geschenk, euer größter Halt ist. Ihr versucht euch an allem Möglichen im Außen festzuhalten, versucht euch über Dinge und Gegenstände zu definieren, ja sogar zu identifizieren und vergesst dabei, wer ihr wirklich seid. Ihr seid nicht euer Auto und auch nicht euer Kontostand, ihr seid nicht eure Diamantohrringe und auch nicht der Dienstgrad auf der Arbeit. Wenn ihr am Ende dieses Erdenlebens euren Körper verlasst, dann hat das alles keinen Wert mehr. Das letzte Hemd hat keine Taschen, wie ihr immer so schön zu sagen pflegt. Was ihr am „Ende“, das in Wahrheit keine Ende ist, wirklich mitnehmt, das sind die Momente, in denen ihr gefühlt habt, in denen ihr geliebt habt, in denen ihr ganz da ward, präsent. Es sind die Momente, in denen ihr euch voll und ganz lebt, in denen ihr euch entdeckt und an euch selbst erfreut, in denen ihr der Welt eure Potentiale schenkt, eure Freude schenkt. Diese Momente sind es, die ihr wirklich mitnehmt und in eurer Seele speichert, die eure Seele nähren. Und wenn ich sage „voll und ganz lebt“ dann meine ich damit nicht nur die schönen Gefühle. Das ist einfach. Nein, damit meine ich alle Gefühle, alle Seinszustände. Denn kein Gefühl, kein Seinszustand ist weniger wert als der andere. Es geht nicht darum, etwas weghaben zu wollen, eine Seite auszuschließen und nur die andere leben zu wollen. Es geht nicht darum, gut zu sein und das „Schlechte“ zu verurteilen und zu bekämpfen. Das Schlechte gibt es nicht. Das Schlechte ist eine wechselhafte Definition von euch Menschen. Es geht hier darum, wieder vollständig zu werden und dann auch zu sein. Einen Teil vom Leben ablehnen, heißt einen Teil von dir ablehnen und damit schwächst du dich, machst dich krank und hart und unvollständig. Ihr orientiert euch so sehr an äußeren Werten und materiellen Dingen, lauft irgendwelchen Dogmen und Richtlinien hinterher, passt euch der Masse an, bis ihr wirklich vergessen habt, wer ihr überhaupt seid, was euch ausmacht, was IHR wollt. Dieses Spiel treibt ihr so lange, bis selbst eure Seelen keine Lust mehr haben und einen Großteil von sich abspalten, euch ihre Energie entziehen und nur noch einen kleinen Anteil zurücklassen, der euren Körper am Leben hält. Aber dieses Leben ohne eure Seele ist kein Leben. Es ist eine bloße Existenz, die euch nicht nährt, die euch nicht erfüllt, die euch leer fühlen lässt. Und ihr seid ja auch tatsächlich leer. Innerlich leer. Denn eure Seele füllt euch nicht mehr aus. Damit habt ihr den Zugang zu eurer inneren Weisheit verloren, zu eurer Intuition, zu eurem Herzensweg, zu euch selbst. Die Leichtigkeit ist weg, die Freude, die Fülle. Ihr seid nur mehr Hüllen, die umherwandeln und die Leere zu stopfen versuchen. Mit Liebe und Aufmerksamkeit, die ihr von anderen einfordert, mit Gegenständen und Nervenkitzel, der euch kurzfristig wieder das Gefühl gibt, lebendig zu sein. Und ihr merkt, dass euch was fehlt, dass ihr haltlos umherirrt, aber ihr wisst nicht, was ihr dagegen tun könnt, weil ihr an der falschen Stelle sucht. Die Lösung wird sich nicht im Außen zeigen, sie wird euch nicht von anderen geliefert werden. Die Lösung werdet ihr nur in eurem Inneren finden, wenn ihr endlich mal still werdet, die Klappe haltet und die Füße stillhaltet. Aber davor habt ihr Angst. Denn in der Stille könnten eure Schatten hochkommen, eure dunkelsten Ängste, eure unliebsamsten Gefühle.“
Ben saß da, den Kopf schuldbewusst gesenkt und hörte zu. Er fühlte sich ertappt. Jedes einzelne Wort traf ins Schwarze. Sich das einzugestehen, tat echt weh.
„Ich wollte gar nicht so hart mit dir ins Gericht gehen, aber manchmal könnte ich schon verzweifeln, ob so viel Sturheit und Blindheit der Menschen.“
Ben sah auf. „Was kann ich tun, dass du bei mir bleibst?“ Er klang kleinlaut und sehnsüchtig. Ja, er sehnte sich wirklich danach, sich endlich wieder vollständig zu fühlen, nicht mehr suchen zu müssen, ohne zu wissen, nach was er suchte. Er wollte wieder ganz er selbst sein. Er wollte wieder Freude und Leichtigkeit in seinem Leben haben, Halt und eine gefühlte Sicherheit, Wärme und Liebe, innere Ruhe und vor allem Frieden in sich. Er wollte ankommen, bei sich ankommen. Seine Wurzeln in diesem Leben schlagen und sich Flügel wachsen lassen. Er wollte einen Platz in diesem Leben, SEINEN Platz!
Seine Seele griff nach seiner Hand. „Machen wir uns an die Arbeit.“

Mit diesem Satz riss es Ben fort. Er fühlte sich in einen Strudel gezogen, wurde weggesogen, herumgewirbelt. Wilde Farben und Formen tanzten um ihn, er hörte die seltsamsten Geräusche und Klänge, tausend Stimmen und ein Brausen. Fetzen aus Erinnerungen schossen an ihm vorbei, flackerten auf, verschwanden wieder. Wirre Bilder, Fratzen, Gestalten. Und dann war es still und ruhig. Er schlug die Augen auf und fand sich mitten in einem weißen, leeren Raum. Er lag am Boden. Helles, warmes Licht kam aus einer unsichtbaren Quelle. Ben richtete sich auf. Ihm gegenüber in der Wand war eine Tür, ebenfalls weiß. „Hallo?“ Nichts. Ben sah sich um. „Seele, bist du da irgendwo?“ Ben rief lauter. Wieder nichts. Nur Stille, das Licht und der Raum. Plötzlich öffnete sich zaghaft die Tür einen spaltbreit. Ben rutschte ein Stück zurück und wurde wachsam. Die Tür ging noch etwas weiter auf und eine kleine, verwahrloste Gestalt kam zum Vorschein. Verängstigt und zurückhaltend trat sie ein. Bei genauerem Hinsehen sah Ben, dass es sich um einen Stoffhasen handelte, der zum Leben erwacht zu sein schien. Das ehemals weiße Fell war zottelig und schmutzig. Die Nähte waren teilweise aufgegangen und die Füllung aus Watte quoll an diesen Stellen heraus. Das eine Ohr war abgeknickt und hing schlaff nach unten. Generell wirkte das Kerlchen ziemlich verkommen und ausgemergelt. Verschüchtert stand der Hase, der im Stehen nicht größer war als Ben im Sitzen, da, starrte zu Boden und hätte sich wohl am liebsten in Luft aufgelöst. Ben bekam Mitleid. „Wer bist du?“, fragte er den zerknautschten Hasen. Der Hase knetete verlegen seine Pfotenhände und nuschelte: „Ich bin deine Angst.“ Ben musste lachen. „Entschuldigung, habe ich dich eben richtig verstanden? Du bist meine Angst?“
„Ja.“, kam es leise vom Hasen. Ben zog die Beine in den Schneidersitz und lehnte den Oberkörper etwas nach vorne. „Komm her!“, bat er freundlich und streckte ihm die Hand entgegen. Der Hase bewegte sich keinen Millimeter. „Traust du dich nicht?“, fragte Ben und ließ die Hand wieder sinken. Der Hase schüttelte den gesenkten Kopf: „Du wolltest mich so lange nicht bei dir haben.“ Ben durchzuckte ein Schmerz. Das hatte gesessen. Tränen stiegen ihm in die Augen und plötzlich wurde er von Reue gepackt und er verstand. Dieses Wesen sah so verwahrlost aus, weil er es nicht dahaben wollte, weil er es vernachlässigt hatte, weil er sich nicht gekümmert hatte, es immer wieder fortgeschickt hatte. So viele Situationen fielen ihm plötzlich ein, in denen er Angst gehabt hatte und sie einfach weggedrängt hatte, sich abgelenkt hatte, sie nicht dahaben wollte, nicht fühlen wollte. Auf einmal tat ihm das unheimlich leid und er hätte sich ohrfeigen können. Auf allen Vieren kroch er das kurze Stück zum Hasen und setzte sich vor ihn hin. „Es tut mir leid! So unendlich leid!“ Der Hase blickte hoch, Hoffnung im Blick, doch auch Zweifel waren noch darin zu erkennen. „Meinst du das ernst?“, fragte er zögerlich. Ben nickte. „Darf ich jetzt da sein?“, hakte die Angst nach. Ben nickte wieder, diesmal mit vor Schuldgefühlen verzerrtem Gesicht. Er streckte noch einmal die Hand aus und diesmal griff der Hase danach und legte seine plüschige Pfote in Bens Hand. Das tat gut, beiden. Ben zog den Hasen auf seinen Schoß und in seine Arme, drückte ihn fest an sich. Was war er für ein Hornochse gewesen. Dieses Wesen wollte doch auch nichts weiter als geliebt werden und da sein dürfen, angenommen und akzeptiert werden und was hatte er gemacht? Er hatte es immer wieder fortgestoßen, weggeschickt und mit Verachtung gestraft. Ben ließ nun seinen Tränen freien Lauf und auch der Hase weinte. Vor Erleichterung und Freude darüber, dass er jetzt endlich angenommen wurde. So saßen die beiden eine ganze Weile und hielten sich einfach nur fest, weinten immer wieder ein bisschen und genossen die Nähe des anderen. Nach einiger Zeit rückte der Hase ein wenig von Ben ab. Ben staunte. Das vorhin noch so zerzottelte Fell war wieder sauber und geschmeidig, glänzte in dem warmen Licht des Raumes. Das abgeknickte Ohr hatte sich wieder aufgerichtet, die Nähte waren wieder ganz. Der Hase sah wieder wohlgenährt aus und die Augen strahlten. „Das hat deine Liebe bewirkt.“, erklärte der Hase und noch während er den Satz sprach, löste er sich in tausend Lichtfunken auf und verschwand. Ben blieb überrascht, aber auch zufrieden zurück. Während er noch so da saß und in Gedanken dem eben Erlebten nachhing, ging die Tür wieder auf. Wieder stand da eine verwahrloste, zerlumpte Gestalt und Ben begann zu verstehen. Eins ums andere Mal öffnete sich wieder die Tür und all seine verdrängten und abgelehnten Gefühle kamen nacheinander in den unterschiedlichsten Gestalten in den Raum und damit zu Ben. Alle wollten das Gleiche – sie wollten einfach nur da sein dürfen und angenommen werden. Ben nahm ein jedes liebevoll in den Arm und fühlte die einzelnen Gefühle aufmerksam und bejahend. Da war die Wertlosigkeit und die Kleinheit, die Schuld und die Scham, die Ohnmacht und die Wut, die Unzulänglichkeit und noch viele mehr. Sie alle hatte er im Laufe seines Lebens immer wieder verdrängt, nun aber war er bereit, sie anzunehmen und aufrichtig zu lieben. Sie waren ein Teil von ihm und gehörten genauso zum Leben wie all die angenehmen Gefühle. Das hatte Ben nun begriffen. Es war völlig in Ordnung, sich klein zu fühlen, schwach zu sein oder traurig, auch wenn in der heutigen Gesellschaft kaum einer dazu stand, ja es sogar als unerwünscht galt und unnormal sich so zu fühlen. Wie viele rannten dem immerwährenden Glück nach, den 365 Tagen Sonnenschein. Aber so war das Leben nicht. Das Leben hatte so viele Facetten und eine jede hatte ihre Berechtigung und machte es bunt und reich, machte die Welt größer.
Als sich das letzte Wesen in hellen Funken aufgelöst hatte, blieb die Tür zu. Ben saß da und war einfach nur überwältigt. Überwältigt von all den „negativen“ Gefühlen, die so schlimm gar nicht waren. Es waren lediglich die Geschichten, die er sich über diese Gefühle erzählt hatte, die sie schlimm machten. Er war kein Versager, nur weil er auch mal Angst hatte. Er war kein schlechter Mensch, nur weil er auch mal schwach war. Mit ihm war alles in Ordnung, auch wenn er sich manchmal ohnmächtig fühlte. All das durfte sein und mit der Erlaubnis, die er sich nur selbst geben konnte, all das fühlen zu dürfen und SEIN lassen zu können, fiel eine riesen Last von ihm ab. Es war, als ob er einen inneren Kampf endlich beendete und die Waffen sinken ließ. Es tat so gut, sich gegen all das nicht mehr wehren zu müssen. Es war so viel einfacher, es einfach SEIN zu lassen. Dieses SEIN lassen war ein einziges LosLASSEN. Er merkte, wie er sich immer mehr löste, entspannte, lockerer wurde. Die Schultern, die er so oft angespannt Richtung Ohren zog, sanken nach unten. Alles schien weicher zu werden. 

Da saß er nun und blickte auf die letzten Jahre zurück. Auf das hektische Rennen im Hamsterrad, höher, schneller, weiter. Er hatte Ziele verfolgt, von denen er sich nun gar nicht mehr sicher war, ob es überhaupt seine Ziele waren. Er wollte ES schaffen, wollte aufsteigen, Ansehen gewinnen, Einfluss, wollte sich hocharbeiten und ganz nach vorne kommen. Doch wozu, fragte er sich jetzt. Wozu das Ganze? Kein einzelner Teilschritt hatte ihn glücklicher gemacht. Kaum war ein Etappenziel erreicht, hatte er schon das nächsthöhere Ziel im Visier und der Stress wurde noch größer. Anstatt wie erhofft zufriedener zu werden, wurde er immer unzufriedener, wollte noch mehr in noch kürzer Zeit. Die Arbeitstage wurden länger und länger, die Laune schlechter und schlechter, die Energie immer weniger. Er war gefangen in seiner eigenen Welt und nahm nichts mehr um sich herum wahr. Und warum das alles? Weil er geglaubt hatte, nicht genug zu sein, nicht wertvoll zu sein, so wie er war, sondern dass er erst noch etwas werden musste, dass er etwas aus sich machen musste. Und bei all dem Wahnsinn hatte er sich erst selbst verloren und dann seine Frau. 

So klar wie jetzt, hatte er noch nie gesehen. Er hatte sich verrannt und zwar gründlich. Die ganze Geschäftigkeit und das Streben nach Erfolg waren nur der schwache Versuch, sich von seiner eigenen vermeintlichen Unzulänglichkeit abzulenken, sie wett zu machen. Lara hatte so oft versucht, ihm das alles klar zu machen, aber er hatte es nicht hören wollen, hatte es immer besser gewusst. Kein Wunder, dass sie irgendwann die Nase voll hatte und ging. Erschöpft von all diesen Erkenntnissen ließ er sich nach hinten umfallen und schloss die Augen. 

Ben erwachte vom Zuschlagen einer schweren Holztür. Er öffnete die Augen und sah über sich eine stuckverzierte Kirchendecke. Er lag auf der Kirchenbank, auf der er vorhin noch mit seiner Seele gesessen hatte. Ruckartig setzte er sich auf und sah sich um, doch der Alte war nirgends zu sehen. Er war verschwunden. Wie lange mochte er hier gelegen haben? Ben sah auf seine Armbanduhr. Seit er die Kirche betreten hatte war gerade mal eine Stunde vergangen. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit. So viel war seither in ihm passiert. So viel war ihm seither klargeworden. Er war nicht mehr der Mensch, der er noch vor einer Stunde war. Er fröstelte, aber er konnte noch nicht gehen. Mit einer entschlossenen Bewegung glitt er von der Bank und kniete sich auf das dafür vorgesehene Brett im Fußraum, faltete die Hände und legte seine Stirn darauf. Dann sprach er leise ein Gebet, das ihm wie von selbst in den Sinn kam. Worte, die er vorher noch nie gehört hatte, Worte, die aus seinem Inneresten kamen, die das ausdrückten, was ihn gerade bewegte und am Herzen lag: 


„Meine liebe Seele, ich möchte, dass du dich in mir und um mich wohl fühlst. Ich möchte, dass du gerne bei mir bist. Hilf mir dabei, meinen Geist und meinen Körper mit dir zu vereinen und in Einklang zu bringen. Du kennst den Weg, den ich hier gehen will. Du weißt, warum ich hier auf diese Erde gekommen bin, welche Erfahrungen ich machen möchte, was wirklich wichtig und richtig für mich ist. Du bist der Anführer. Zeig mir den Weg. Ich folge dir. Hilf mir, dich in dem Lärm des Alltags zu hören und gib mir den Mut, meinen ganz eigenen Weg zu gehen. Du hast mein höchstes Wohl im Sinn. Ich weiß das und ich vertraue dir. Niemals will ich wieder den Kontakt zu dir und damit zu mir verlieren. Ich will dir und mir treu bleiben. Ich will ich sein, mit allem, was mich ausmacht, echt sein, mich selbst leben und als das annehmen, was ich bin. Ich bin ein heiliges, wertvolles Wesen, einfach nur, weil ich BIN. Ein jeder ist das. Ich achte und ehre mich in jeder Sekunde und tue mir das Beste. Ich tue mir nur das, was ich einem jeden in größter Liebe tun würde. Ich sorge daher gut für mich. Durch mich fließt Liebe und Licht in die Welt. Ich bin mir meiner Kraft und Heiligkeit voll und ganz bewusst. Gott wirkt durch mich, das Leben wirkt durch mich und erfährt sich durch mich. Ich verneige mich in Ehrfurcht und Demut vor mir und meiner wunderbaren Seele, vor meiner Einzigartigkeit, vor meiner Göttlichkeit, vor jedem Aspekt des Lebens, vor jedem Gefühl und jedem Seinszustand. Ich achte und ehre mich und ein jedes Wesen und alles, was existiert! Amen!“

Als er verstummte, merkte er, dass er weinte. Das alles war so wahr und so bewegend und so wohltuend. Er hatte seit Jahren mal wieder das Gefühl, sich selbst zu spüren und zu sehen, sich wahrzunehmen. Eine tiefe Wärme breitete sich in seinem Körper aus. Er hob seinen Kopf und atmete mit geschlossenen Augen ganz tief ein. Wie lebendig er sich fühlte, wie kraftvoll und vollständig. Keine von all den vermeintlichen Sorgen im Job war noch wichtig. Kein erreichtes Unternehmensziel konnte ihm je dieses Gefühl geben, das er jetzt gerade hatte. Tiefe Liebe durchströmte ihn und eine unendliche Dankbarkeit dafür, dass er vorhin dem irrsinnigen Impuls gefolgt war, mitten in der Nacht loszulaufen. Voller Übermut stand er auf, trat in den Mittelgang, breitete seine Arme aus und drehte sich überschwänglich im Kreis, lachte und weinte gleichzeitig. Was für ein Geschenk! Das beste Geschenk, dass er je an Weihnachten bekommen hatte und er hatte es sich selbst gemacht.

„Geh zu ihr! Sie wartet auf dich - auf den echten Ben!“ Ben hielt inne und blieb stehen. Diese Stimme kannte er jetzt. Sie kam aus seinem Herzen und ab sofort hatte sie das Sagen. Und damit lief Ben los, raus in die kalte Nacht des  24. Dezembers, raus in sein neues Leben, zu Lara, zurück zu sich selbst und seinem wahren Wesen.


Foto und Text: Anja Reiche





Donnerstag, 15. Dezember 2016

Ein Gebet für die Selbstachtung


Ich bin ein heiliges Wesen. Ich achte und ehre mich in jeder Sekunde und tue mir das Beste. Ich tue mir nur das, was ich einem jeden in größter Liebe tun würde. Ich sorge daher gut für mich. Es gibt nichts, was ich nicht tun und sein kann. Mein Wille ist Gottes Wille. Und Gottes Wille, der die höchste Version meiner selbst für mich vorsieht, ist mein Wille. Was ich für mich möchte, will er für mich, also richte ich meine Gedanken und Worte auf das Beste aus, auf die höchste Liebe auf das höchste Wohl von mir und von einem jeden Wesen. Ich bin machtvoller, heiliger Schöpfer. Durch mich fließt Liebe und Licht in die Welt. Ich bin mir meiner Kraft und Heiligkeit voll und ganz bewusst. Gott wirkt durch mich, das Leben wirkt durch mich und erfährt sich durch mich. Ich verneige mich in Ehrfurcht und Demut vor mir und meiner wunderbaren Seele, vor meiner Einzigartigkeit, vor meiner Göttlichkeit. Ich achte und ehre mich! Amen!


Foto: Anja Reiche

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Man wird nicht nur vom Essen dick

Eine Diät ist genauso nur eine Symptombehandlung wie z. B. Tabletten gegen hohen Blutdruck zu nehmen. Die Ursache an sich wird nicht gelöst. Das ist so, wie wenn am Auto die Kontrollleuchte für die Motorsteuerung aufleuchtet und wir einfach das Birnchen rausschrauben. Damit ist man keinen Schritt weiter und der Motorschaden vorprogrammiert.

Auch "Übergewicht" hat meist seine Ursache nur teilweise bei der Ernährung. Schauen wir das Thema auf seelischer Ebene an, finden sich verschiedenste Hintergründe:

1. alles in sich reinfressen
Diese Redewendung spricht für sich. Das Körpergewicht kann dir zeigen, dass du etwas in dich reinfrisst, dass du etwas mit dir alleine ausmachst, mit niemandem drüber sprichst. Etwas auszusprechen und sich Luft zu machen, kann erleichtern. Im wahrsten Sinne des Wortes. Was du rauslässt, musst du nicht mehr mit dir herumtragen. Externalisiere deine Sorgen, deine Probleme, deine Bedenken, deine Pläne, deine Wünsche, deine Hoffnung. Du musst nicht alles alleine stemmen und manche Dinge lösen sich schon von ganz alleine, wenn man drüber spricht.

2. ein dickes Fell brauchen
Manchmal brauchen wir das dicke Fell auch als Schutzschild. Gerade wenn wir oft Verletzungen und Grenzüberschreitungen erlebt haben, besonders in der Kindheit, kann Übergewicht eine Art Schutz sein, ein Wall, der andere auf Abstand hält. Wenn dann jemand deine Grenzen überschreitet, verletzt er dich nicht so schnell, weil eine dicke Schicht Schutz bietet. Schau dir also an, ob du glaubst, dich vor irgendetwas schützen zu müssen, ob du dir als Kind ein dickes Fell zulegen musstest, um zu überleben, weil die emotionalen Verletzungen dich sonst umgebracht hätten. Heilst du diese Wunden, wird die Schutzschicht überflüssig.

3. Gefühle oder Bemerkungen runterschlucken
Die meisten von uns haben gelernt, brav zu sein. Bei vielen hat z. B. Wut keinen Platz. Wie oft verkneifen wir uns eine bissige Bemerkung und schlucken sie stattdessen runter, weil wir meinen, das wir so nicht sein dürfen. Wie oft kommen Emotionen oder Tränen hoch und wir schlucken sie runter, weil wir glauben, dass es unangebracht ist, den Dingen freien Lauf zu lassen. Doch was wir runterschlucken sammelt sich unweigerlich in uns an, verklumpt und verhärtet und zeigt sich nicht selten auf der Waage. Die Emotionen wollen fließen, genau wie Tränen. All das rauszulassen, erleichtert ebenfalls ungemein. Und jede Emotion hat ihre Berechtigung und ihren Platz. Was du rauslässt statt runterschluckst, erschwert dich schon nicht.

4. dick sein verurteilen
Nicht selten werden Dicke verurteilt. Es wird als falsch dargestellt, nicht schlank zu sein. Wie ist deine Familie Dicken gegenüber eingestellt? Werden sie verlacht oder verachtet? Verspottet oder als Versager dargestellt, als undiszipliniert, schwach und unfähig? Oft ist es so, dass gerade in solchen Familien einer "der Dicke" ist, um diese Ablehnung sichtbar zu machen, um dieses Urteil vor Augen zu führen. Wenn du als Kind gelernt hast, dass es falsch ist, dick zu sein, dann kann es gut sein, dass du diese Verurteilung unbewusst übernommen hast und das eigene Übergewicht dich damit konfrontiert. Hier kann es helfen, die eigenen Verurteilungen zurückzunehmen und dich so zu lieben, wie du bist, mit jedem einzelnen Gramm. Es gibt eben immer zwei Seiten. Dick und dünn, groß und klein, leise und laut. Wenn ich nur eine Seite da haben will und die andere ablehne, wird sich die abgelehnte Seite so lange in dein Leben drängen, bis du sie auch liebst. Erst dann kann sie gehen.

5. verzerrtes Selbstbild/hinderliche Überzeugung
Auch kann es sein, dass dir als Kind eingeredet wurde, dass du zu dick bist, weil du z. B. viel Babyspeck hattest. Die Eltern mochten das nicht böse gemeint haben. Sie haben dich liebevoll als Pummelchen bezeichnet, als Dickbacke, Pausbäckchen oder Mobbelchen. Es könnte sein, dass du diese Bezeichnungen als dein Selbstbild angenommen hast und angefangen hast zu glauben, dass du wirklich dick bist. Diese hinderliche Überzeugung von damals könnte heute dazu führen, dass du tatsächlich füllig bist. Hast du als Kind angefangen, etwas derartiges über dich zu denken?

Weitere Denkanstöße
-Brauchst du die Masse, um deinen Worten mehr Gewicht zu verleihen?
-Würdest du dich lieber verstecken und unscheinbar sein, aber deine Fülle lässt es nicht zu?
-Hast du viel im Leben zu stemmen und brauchst es, stämmig zu sein?
-Welchen Nutzen könnte dein Gewicht haben?
-Welche Emotionen holt dein Gewicht in dir hoch? Scham? Schuld? Das Gefühl zu versagen? Das Gefühl falsch zu sein? Schwach? Undiszipliniert?
-Wie würde dein Körper aussehen, wenn du sein dürftest wie du bist, ohne verurteilt zu werden? Wie würdest aussehen, wenn du ganz alleine auf einer einsamen Inseln wohnen würdest und niemand dich sehen und bewerten kann?
-Mit welchem Gewicht fühlst du dich wohl, unabhängig davon, was andere denken könnten?

Eigene Erfahrungen
"Übergewicht" kann zeigen, dass etwas nicht im Fluss ist, dass sich etwas staut, anstaut. Lösen wir all die ungeklärten Themen, kommt auch unser Stoffwechsel wieder in Schwung, unser Energielevel steigt an, wir können "schwere Kost" leichter verdauen und wir haben dann auch nur noch Hunger auf Dinge, die dieser Schwingung entsprechen, also höher schwingenden Lebensmitteln. Erhöhen wir unsere eigene Schwingung, wenn wir alten Ballast loswerden, Gefühle wieder fließen lassen, unsere Schutzmauern einreißen, dann nehmen wir automatisch höher schwingende Nahrung zu uns, weil sie zu uns passt, weil wir dann Hunger darauf haben, weil unser Körper danach verlangt. Wir müssen uns dann nicht dazu zwingen, Salat zu essen, Vollkornprodukte zu essen oder Süßigkeiten wegzulassen. Das passiert dann wie von alleine, weil es uns besser entspricht.

Im Laufe meiner Bewusstwerdung und Heilung hat sich mein Essverhalten total gewandelt. Ich trinke keinen Alkohol mehr, ich esse viel Gemüse und Obst, Vollwertprodukte, die so naturbelassen wie möglich sind. Industriezucker und damit Süßigkeiten reizen mich gar nicht mehr. Meine Schokolade stelle ich selbst her und süße vieles mit Honig oder Vollrohrzucker. Um nur einen kleinen Einblick zu geben. All meine Veränderungen in der Ernährung kamen wie von selbst. Ich musste mich zu nichts zwingen. Ich habe mein Essverhalten verändert, weil ich mich innerlich verändert habe.

Wir alle haben eigentlich ein ganz natürliches Navigationssystem. Unser Körper spricht mit uns und signalisiert uns ganz klar, was uns gerade gut tut und was wir brauchen. Mein Essen wähle ich im wahrsten Sinne des Wortes nur noch mit dem Bauch. Schon beim Gedanken an die Lebensmittel reagiert der Körper und ich spüre deutlich, was ich jetzt zu mir nehmen will, weil da gerade alles drin ist, was wichtig ist. Und ich spüre auch ganz deutlich, was nicht geht und passt.

Ich gestehe mir alles zu
Wenn mir nach einer Portion Chips ist, dann esse ich die auch und zwar mit gutem Gewissen. Es gibt nichts Schlimmeres, als etwas zu essen, nur um hinterher ein schlechtes Gefühl zu haben. Wenn ich Schokolade esse und dann denke: "Man das hättest du mal besser bleiben lassen. Das geht direkt auf die Hüften.", dann wird das auch so sein und von Genuss kann hier keine Rede sein. Ich verbiete mir nichts. Verbotene Sachen haben schon bei kleinen Kindern eine magische Wirkung. Bei uns Erwachsenen ist das nicht anders. Das Verbotene reizt. Erlaube ich mir alles, dann kann das schon mal nicht passieren. Es gibt nichts für mich, was ein Tabu darstellt. Es gibt nichts, was ich verteufele. Wenn ich unsäglichen Appetit auf Fleisch habe, dann esse ich es auch. Neulich hatte ich so eine Phase, in der ich mir fast ausschließlich niedrig schwingende Dinge reingespachtelt habe: Wurst, Weißmehlprodukte, Süßes, Fastfood. Das war in einer Phase, in der ich einen enormen inneren Reinigungsprozess durchlaufen habe, in denen die hohen Energien, die auf die Erde einströmten, förmlich für mich zu spüren waren. Ich hatte den Eindruck, dass ich diese Lebensmittel brauchte, um mich zu erden und das ganze zu überstehen. Mittlerweile esse ich wieder Obst und Gemüse und vollwertige Sachen. Diese Phase hat mir nicht geschadet.

Du stehst da, wo du stehst. Dir schmeckt, was dir schmeckt. Du wiegst, was du wiegst. Übergewicht ist Ansichtssache und niemand sagt, dass jeder schlank und rank sein muss. Nimm dich an wie du bist und lass dich sein. Wenn sich am Gewicht und der Ernährung etwas verändern soll, dann tut es das von ganz alleine in dem Maße, in dem wir uns innerlich verändern. Nimm dir den Stress und den Druck, dringend etwas am Essen und am Umfang verändern zu müssen. Frage dich lieber, ob ein Thema dahinter steckt und wenn nicht, dann genieße dein SEIN und deine Fülle!

Herzensgrüße von mir
Anja

Foto und Torte: Anja Reiche


Mittwoch, 16. November 2016

Totale Umwälzung

Was für eine Umwälzung! So viel Altes verlässt mein Energiesystem. Weinen ist angesagt, viel Schlaf, komische Sachen essen und von einer Ecke in die nächste schleichen. Es fühlt sich an, wie wenn eine ganz lange Epoche des Schmerzes, der Unterdrückung und des sich verbiegen zu Ende geht. Mir ist danach, mich einfach fallen zu lassen, mich dem Leben und allem, was jetzt Raum braucht komplett hinzugeben. Alles sein lassen wie es ist. Gleichzeitig zu dem Reinigen und Loslassen spüre ich, dass sich ganz viel Neues anbahnt, noch nicht greifbar, aber fühlbar. Es bricht eine ganz neue Zeit an, eine Zeit, in der es für mich gefühlt tatsächlich seit Ewigkeiten wirklich möglich ist, mich dem Leben hinzugeben und nicht verletzt zu werden. Dies ist jetzt wirklich möglich. Wir dürfen in allen Belangen ganz wir selbst sein, dürfen einen jeden Aspekt von uns leben und das Leben wird uns nicht daran hindern. Vielmehr unterstützt uns das Leben genau darin, fordert diese Qualität von uns ein, will uns versorgen und uns in unserem wahren Kern erleben. Wir dürfen und sollen echt sein. So vieles ist jetzt möglich, was früher (in vielen alten Leben) nicht denkbar war. Ein Leben in Echtheit und Wahrhaftigkeit, ganz wir selbst sein, uns leben und ausleben und dabei vom Universum die vollste Unterstützung bekommen. Ich gebe mich dem hin, weine um den Abschied, freue mich gleichzeitig auf das Neue, genieße den innerlichen Umbau und lass mich fallen, rückwärts in mein Leben, in die Arme meiner Seele, die so genau weiß, was in jedem Moment richtig und wichtig ist. Es gibt für mich nichts zu steuern, nur geschehen lassen und staunen. 

Wie geht es dir in dieser spektakulären Zeit?


Foto: Anja Reiche

Mittwoch, 2. November 2016

Existenzangst - lieben statt kämpfen

Es ist gerade eine sehr herausfordernde Zeit. Die tiefsten und unangenehmsten Emotionen kommen hoch und können nicht mehr ignoriert werden. Bei dir mögen das Kleinheit, Verlustangst, Minderwertigkeit, Schuld, Scham, Einsamkeit oder Ohnmacht sein. Bei mir sind es gerade Existenzängste. Ein Thema, das immer mal wieder auftaucht und mich schon lange begleitet.

Beim Gedanken an mein Bankkonto bekomme ich kaum Luft, ein lähmendes Gefühl macht sich in mir breit und sofort verspüre ich Druck. Den Druck, dass ich dafür verantwortlich bin, dass mein Konto gut gefüllt ist, dass Einnahmen kommen. Den Druck wissen zu müssen, wie ich noch mehr Geld verdiene, einen Plan zu haben. Diese Verantwortung und diese Last fühlen sich falsch für mich an. So ist das Leben nicht gedacht, das spüre ich genau.
 
Ich trage die tiefe Sehnsucht in mir, mich dem Leben komplett hinzugeben, die Kontrolle abzugeben und mir von meiner Seele den Weg zeigen zu lassen. Den Weg in das versorgt sein. Ich möchte mich in die Arme meiner Seele fallen lassen und ihr nun endlich auch in dieser Hinsicht die Führung übergeben. Ich muss nicht wissen, auf welche Art ich versorgt werde, was es für mich im rechten Moment zu tun gilt. Ich muss es mir nicht mit meinem Verstand ausdenken, meine Seele kennt bereits die Antwort und sie wird sie mir zuflüstern, wenn ich endlich loslasse, mich hingebe und mich dem natürlichen Fluss überlasse. 


Ich möchte mich noch tiefer mit dem Leben verwurzeln, noch tiefer in Mutter Erde Wurzeln schlagen, noch mehr vertrauen, wieder mal durch die Angst hindurch gehen, sie lieben und annehmen und damit wandeln. So oft habe ich diesen Prozess schon durchlebt und dennoch ist die Existenzangst für mich die allergrößte Herausforderung. Sicher sie ist nicht mehr so stark und bedrohlich wie noch vor ein paar Jahren. Damals war sie so heftig, dass ich manchmal einen ganzen Tag im Bett lag und nur noch weinte, obwohl ich Ersparnisse in Höhe von 10.000 EUR hatte. Die Angst hat im Laufe der Zeit an Schrecken verloren, habe ich sie doch immer wieder in Liebe angenommen. 

Dass sie noch nicht ganz ausgeheilt war, war mir klar. Ich merkte, dass ich dieses Thema nur allzu gerne ausblendete und verdrängte, mein Konto als Feind sah, der mich dazu zwingen konnte, etwas zu tun, das ich nicht will, nur damit Geld reinkommt. Mein Konto hat über so viele Jahre die Rolle des Mächtigen übernommen, des Bestimmers und mich damit zum Opfer gemacht. Naja, ich hab mich selbst zum Opfer gemacht... Und dabei war es völlig egal, ob das Konto rote oder schwarze Zahlen aufwies, denn selbst wenn Geld vorhanden war, hatte ich sofort wieder Bedenken, ob ich es halten kann und die Befürchtung, dass es weniger wird. 

Es war ein Leichtes mein Konto zu ignorieren, Kontoauszüge nicht anzuschauen und das ganze einfach auszublenden. Dass so was nicht auf ewig gut geht, ist auch klar. Denn alles, was wir ablehnen und ignorieren fordert über kurz oder lang unsere Aufmerksamkeit und Liebe und zwar immer vehementer, bis wir hinschauen MÜSSEN. 

Das Konto, das vielleicht überzogen ist oder nahe an Null, ist nichts anderes wie ein Körperorgan, das krank ist. Es ist eine Schöpfung unserer selbst. Ich weiß noch genau, wie ich mich damals gefühlt habe, als mir gesagt wurde, dass meine Galle im Arsch ist. Verzeiht mir die Ausdrucksweise, aber so war es nun mal. Lange Zeit habe ich mich ihr ausgeliefert gefühlt, wie wenn ich Opfer ihrer Krankheit wäre. Sie fühlte sich an wie ein Fremdkörper in mir, ein Pulverfass, das ich nicht loswerden kann und das jeden Moment in die Luft gehen könnte. Ich habe es gehasst, diese Ohnmacht zu empfinden. Das Organ war mein Feind und lange versuchte ich die Krankheit zu bekämpfen. Irgendwann wurde mir dann schlagartig bewusst, dass ich meine Galle in diesen Zustand gebracht habe. Nicht ich war ihr Opfer, sondern sie war mein Opfer. Ich habe sie so zugerichtet, durch meine Art zu leben und zu denken, durch meine unterdrückten Gefühle, durch meine hinderlichen Überzeugungen. Sie hatte gar keine andere Chance als krank zu werden. 

Als mir das damals klar wurde, habe ich bitterlich geweint, weil es mir so unendlich leid tat, meinem Körper das angetan zu haben. Tausend Mal habe ich mich bei meiner Galle entschuldigt. Ich hatte es einfach nicht besser gewusst. 

Und nun ging es mir mit meinem Bankkonto lange ähnlich. Ich betrachtete es als Feind, mich als Opfer davon. Lange habe ich dagegen gekämpft oder versucht es zu ignorieren, mich an ihm vorbeizumogeln, in der Hoffnung, dass ich unentdeckt bleibe. Habe einfach nicht hingesehen. Zu groß war die Angst, dass mich der Kontostand zu etwas zwingen könnte, was ich nicht will. Diese Angst, dass ich etwas tun muss, was ich nicht will, ist eines der größten Themen in meinem Leben. Ich strebe mit jeder Zelle meines Körpers nach absoluter Freiheit. Freiheit ist meine Wahrheit!

Das Verdrängen und Ignorieren des Kontos ging nun einige Jahre so. Doch die Tage wurde mir schlagartig auch hier bewusst, dass nicht ich das Opfer des Kontos bin, sondern das Konto mein Opfer. Ich habe es krank gemacht mit meinen Gedanken, mit meinen hinderlichen Überzeugungen, mit dem dagegen kämpfen. Das Konto ist nichts anderes als ein Organ. Wir dürfen es lieben und verstehen, dass es nur so gut sein kann wie unsere Gedanken. Es spiegelt unser Inneres wider und es hat keinen Sinn das Konto dafür zu verfluchen, dass es nicht das macht, was wir gerne hätten. Es kann nur das machen, was wir mit unseren Gedanken und Empfindungen vorgeben.

Meine Entscheidung steht fest! Ich will diese Angst lieben und annehmen und da sein lassen. Ich will durch sie hindurchgehen in die Liebe und in die Freiheit, ins Vertrauen. Mir ist klar, dass es nicht um die Situation an sich geht, nicht ums Geld, um Aufträge, ums scheinbare Überleben. Es geht lediglich um die Emotion, die dadurch ausgelöst wird. Das ist etwas, was ich gelernt habe im Leben.

Ich entscheide mich dafür, mein Konto liebevoll in mein Leben zu integrieren. Es ist nicht mein Feind, es ist mein Freund und Spiegel meines Inneren. Ich liebe mein Konto und nutze sein wahres Wesen der Liebe, seine Natur, lebe mit ihm im Einklang wie ich es mit meinen Organen tue. Sie sind für mich da, dienen mir, ebenso wie mein Konto. Ich arbeite mit meinem Konto zusammen, wir sind ein Team! Ich bin entschlossen mein Konto zu heilen. Ich bin entschlossen hier meiner Seele die Führung zu übergeben und mich von ihrer Liebe leiten zu lassen. 


Heute habe ich aufgehört gegen mein Konto zu kämpfen, ums Überleben zu kämpfen und das tut unendlich gut. Wir sind nicht hier, um kämpfen zu müssen. Mir zu erlauben, loszulassen und die Führung abzugeben, mir nicht mehr den Kopf zerbrechen zu müssen, wie ich denn nun Geld verdiene, nimmt mir gerade einen enormen Druck, einen Druck der absolut unnatürlich ist. Wir machen ihn uns nur allzu gerne, weil wir nicht glauben können, dass loslassen funktioniert und dass wirklich für uns gesorgt ist. Aber ich fühle es, tief in mir ist das meine Wahrheit und das spüre ich schon lange. Meine Seele kennt den Weg in die Fülle. Meine Seele weiß genau, wie ich mein Potential einsetzen und damit Geld verdienen kann. Meine Seele will nichts anderes als für mich zu sorgen und mir den Weg zu weisen. Ich muss sie nur lassen...



Foto: Anja Reiche