Mittwoch, 8. Mai 2019

Verurteile nicht, was du nicht (mehr) wählst

Es ist mir in letzter so oft über den Weg gelaufen. Gerade wenn es um spirituelle Entwicklung, Bewusstwerdung, Coaches, Tools, etc geht. Da findet unfassbar viel Verurteilung statt. Verurteilung von dem, was plötzlich nicht mehr richtig ist.

"Ahhh, vor dem Coach musst du dich hüten, der hat eine ganz seltsame Energie." - war bis vor kurzem aber jahrelang genau passend und richtig auf dem eigenen Weg.

"Das ist DAS Tool, alles andere ist scheiße." - DAS Tool greift vielleicht nur deshalb, weil mit anderen Mitteln und Ansätzen entsprechend Vorarbeit geleistet wurde.

"Was, der isst noch Fleisch? Das geht ja gar nicht." - sagt derjenige, der früher selbst mit Leidenschaft Fleisch gegessen hat.

"Der raucht und hat ständig andere Frauen, der kann kein guter Coach sein. Das ist ja nicht gerade bewusst/spirituell. Der scheint ja sein Leben selber nicht auf die Reihe zu kriegen." - sagt wer? Was ist denn spirituell? Vielleicht will derjenige das genauso und nicht anders? Vielleicht deutet das nicht auf "Themen" hin, sondern auf Genuss und eine bewusste Wahl von Zigaretten und Frauen?

Wir alle ändern quasi im Fünf-Minuten-Takt unsere Werte und Einstellungen. Wir verändern uns jeden Tag. Was früher normal für uns war, geht heute womöglich gar nicht mehr.

Nur weil wir unsere Meinung dazu geändert haben, ist das andere, das Alte deswegen noch lange nicht falsch und zu verurteilen. Es ist wie es ist. Es hat genauso seine Daseinsberechtigung wie alles andere auch. Es hat uns lange gedient und jetzt wählen wir es einfach nicht mehr. Fertig. Wir brauchen es nicht gleich zu verteufeln, uns dafür zu schämen, es zu bekämpfen oder andere, die es noch wählen, zu verurteilen.

Eine freie Wahl ist es dann für mich, wenn ich wirklich wähle und das andere SEIN lassen kann. Am Buffet schmeiß ich ja auch nicht verächtlich das weg, was ich nicht essen will. Nein, ich lass es schlicht und ergreifend liegen. Für andere. Es gibt nämlich die, die genau das brauchen, wollen, mögen.

Wir entwickeln uns. Wir gehen unseren Weg. Wir wachsen. Wir machen Erfahrungen und damit ändert sich täglich das, was uns gut tut, was wir brauchen, was uns zuträglich ist. Und das ist in Ordnung. Das, was uns nicht mehr zuträglich ist, kann aber für andere noch genau richtig und gut sein.

Alles kann nebeneinander existieren. Alles darf da sein und damit meine ich auch alles, was als angeblich schlecht gilt: Krankheit, Tod, Gewalt, Krieg, Betrug, unspirituelle Spirituelle 😉, Coaches mit Macken, Raucher, Fleischesser. Lassen wir doch einfach alles und jeden so sein wie er ist und uns unsere Wahl treffen, uns das aus der großen Fülle herauspicken, was gerade stimmig ist. Ich nehme das, was MIR JETZT zuträglich ist und den Rest lass ich SEIN. Ich muss nicht dagegen in den Kreuzzug gehen.

Letztlich glaube ich, dass diese große Angst, uns zu zeigen wie wir wirklich sind, darauf zurückzuführen ist, dass wir nicht verurteilt werden wollen. Wir befürchten, dass andere genauso hart richten wie wir selbst. Wir befürchten, so streng abgeurteilt zu werden, wie wir andere und vor allem uns selbst aburteilen.

Ich habe aufgehört, das zu verurteilen, was ich nicht wähle und der Frieden ist ganz wunderbar. Plötzlich ist nämlich alles und jeder richtig, mir inklusive. Und es ist nicht das, was wir eigentlich alle wollen? Einfach richtig sein?

(Und genau genommen ist selbst dieser Artikel hinfällig, weil auch Verurteilung sein darf. 😉)

Foto: Canva
Text und Gestaltung: Anja Reiche

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