Dienstag, 27. Oktober 2026

Jenseits der Nebel

Ich komme mir vor, als hätte ich eine unfassbare lange Reise gemacht, wäre die letzten Jahre unterwegs gewesen, hätte einen Schritt nach dem nächsten gesetzt, unbeirrbar auf meinem Weg. Es war ganz klar eine Innenreise. Nichts anderes war relevant als dieses „hin zu mir“, zu Gott, zur Wahrheit - über das Menschsein, das Leben an sich.

Seit einiger Zeit fühle ich mich, als wäre ich da angekommen, wohin ich unterwegs war, ohne dass ich wusste, wohin ich genau unterwegs gewesen bin, also ohne dass ich wusste, woran ich merken würde, wenn ich da bin. Der „Zielort“ war mir unbekannt und tatsächlich hätte es auch wahr sein dürfen, dass dieses unterwegs sein niemals aufhört. Es wäre okay gewesen, wenn ich den Rest meines Lebens Anteile nach Hause geholt hätte, alte Wunden zu Ende gefühlt hätte, Schicht für Schicht von dem abgetragen hätte, was ich nicht bin.

Mein Bestreben war nicht das Ankommen. Ich wollte nicht „hin zu“ oder „weg von“. Ich war jeweils vollkommen einverstanden mit dem, was eben gerade da war, bereit immer und unter allen Umständen bei mir selbst zu bleiben, mir treu zu sein, mit mir zu sein, bei mir zu stehen, zu mir zu stehen, für mich da zu sein.

Ich könnte nicht genau sagen seit wann es sich so anders anfühlt. Mir ist, als wäre ich jetzt auf einer ganz anderen Ebene zu Hause, schon auf dieser Erde und doch wohne ich an einem anderen Ort als die meisten. Wenn ich es ansatzweise versuchen wollte zu beschreiben, dann würde ich sagen, dass ich im gegenwärtigen Moment daheim bin, darin wach, er in mir lebendig und der Großteil der Menschheit existiert zwar hier auf der Erde, die Körper sind da, aber sie leben in einer Parallelwelt, die entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft liegt. Diese beiden Welten haben tatsächlich genau nichts miteinander gemein. Es gelten komplett unterschiedliche „Regeln“ und „Wahrheiten“, Prioritäten und Grundsätze. Sie leben ihr Leben offline, unverbunden, getrennt von sich und der göttlichen, universellen Intelligenz. Ich fühle mich komplett online, eingebunden, verbunden, durchdrungen vom Göttlichen. Hier herrschen ganz andere Prinzipien. Es funktioniert alles komplett anders als „dort“.

Ich hab mich von der getrennten Welt in die verbundene bewegt und werde nie wieder zurückkehren. Es geht nicht. Für die „Menschen“ in der Welt der Trennung bin ich unerreichbar, einfach weg. Genauso sind die „Menschen“ dort für mich nicht erreichbar. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir sprechen aus komplett unterschiedlichen Räumen, existieren in unterschiedlichen Realitäten und Ebenen.

Nun bin ich an diesem anderen Ort und mir ist, als könnte ich von dort maximal Briefe und Postkarten schicken. Ich werde wegbleiben. Zum einen ist die Welt der Trennung für mich nicht mehr betretbar im Sinne von „ich kann nicht mehr in ihrer Wahrheit leben“. Dafür müsste ich mich komplett verlassen, den Moment verlassen, alles vergessen bzw. wieder einschlafen. Bewusstheit geht aber nicht rückgängig zu machen. Und zum anderen wissen von dem Ort, an dem ich bin, die Wesen in der Welt der Trennung nichts, gar nichts. Mir kommt es ein wenig vor wie Avalon. Jenseits der Nebel. Für die meisten nicht zu finden und eher ein Mythos denn existent, wenn sie überhaupt je davon gehört haben.

Wenn ich so recht drüber nachfühle, scheinen mir die Nebel, durch die man nach Avalon gelangt, der Weg durch den Schmerz zu sein, Sinnbild für die Desorientierung während des Aufwachens, während alles, was man glaubte zu sein, verschwimmt, sich auflöst, eine Lüge nach der nächsten sich auftut und all das gefühlt wird, was in der Kindheit und in anderen Leben so unerträglich weh getan hat. Das stattdessen, also die neue Klarheit, die Wahrheit über mich und mein Sein, das, was also hinter den Nebeln wartet, ist lange, lange nicht sichtbar. Viele, die von Avalon gehört haben - um in dem Bild zu bleiben - würden gerne jenseits der Nebel gelangen, scheuen aber den Weg DURCH den Nebel. Sie würden gerne ohne größere Unannehmlichkeiten von A nach B gelangen und das ist genau das, was eben nicht funktioniert. Ich muss mit dem Weg durch den Nebel, dem Nebel an sich - und wenn er mich den Rest meines Lebens beschäftigt - vollumfänglich einverstanden sein.

Das ist vielleicht wirklich und tatsächlich das beste Bild, die beste Metapher für meinen „Aufenthaltsort“ wie ich ihn fühle: Jenseits der Nebel. Ja, das passt hervorragend. Es nickt in mir. So mag ich es stehen lassen.