Donnerstag, 18. August 2016

Was ist Glück?

Ich glaube viele jagen einem Trugbild von Glück hinterher und suchen nach dem dauerhaften Zustand von Glückseligkeit. Alles, was dem nicht entspricht, wird als falsch eingestuft, als „das darf nicht sein“, als Rückschlag, als Fehltritt, als Schwäche oder was auch immer. Ein Unterfangen, das das Glück aus meiner Sicht regelrecht vertreibt.

Glück hat für mich eine ganz andere Definition. Ich bin auch glücklich, wenn ich traurig bin und weine. So absurd sich das anhören mag, ich liebe eine jede einzelne Emotion, einen jeden Zustand und gebe mich dem voll hin.

Glück ist für mich, auch die unangenehmen Gefühle zu fühlen. Jedes einzelne Gefühl hat seine Berechtigung und keins ist schlechter als das andere. Für die Seele ist es Glück, wenn sie alle Zustände fühlen darf und ich alles liebend annehme, nichts als schlechter oder besser werte. Auch die miesen Tage haben ihre Berechtigung und sie sind wichtig und dürfen sein. Ich bin auch manchmal richtig scheiße drauf und unzufrieden und unruhig und ungeduldig. Aber das darf sein. Ich mag das alles und weiß, dass meine Grundschwingung positiv ist und solche miesen Tage gelten bei mir nicht als Rückschlag oder Misserfolg oder als Fehltritt. Nein! Sie gelten als das Leben selbst. Durch jedes Gefühl bin ich lebendig. Ein glückliches Leben ist nicht 365 Tage Sonnenschein. Es ist vielmehr eine Fülle an unterschiedlichsten „Wetterlagen“. Was wäre das Leben langweilig, wenn wir uns immer gleich fühlen würden. Was wäre das Wetter langweilig, wenn immer nur die Sonne scheinen würde. Das wäre völlig gegen die Natur. Sie braucht auch den Regen. Genau wie die Seele alle anderen Emotionen neben der Freude braucht. Sie lebt davon und dafür.

Ich weine mit Hingabe, weil es unglaublich reinigend ist, weil es Berührung ausdrücken kann, weil es Trauer ausdrücken kann, weil es Freude ausdrücken kann, Liebe, Verzweiflung, Erleichterung, Dankbarkeit. Ich bin mit Hingabe wütend und genieße das Gefühl dieser Kraft, die hinter der Wut steckt und mittlerweile zeige ich diese Wut auch gerne. Sie kann guttun, wenn wir sie mögen. Wir brauchen sie manchmal, um zu unseren Grenzen zu stehen und anderen diese zu zeigen. Wir brauchen sie manchmal, um endlich Dinge zu verändern, zu denen uns bislang der Mut gefehlt hat. Wut kann uns Mut geben. Ich bin mit Hingabe neidisch, weil ich dadurch merke, was ich auch in meinem Leben haben will, wo meine Ziele sind. Ich habe gelernt mit Hingabe ohnmächtig zu sein, mit Hingabe Angst zu haben. Und jedes Mal, wenn ein Gefühl da ist und sich vielleicht doch noch ein Widerstand gegen dieses Gefühl in mir rührt, dann mache ich mir bewusst, dass dieses Gefühl einfach nur da sein will und angenommen werden will, Teil des Lebens ist und ich nehme es liebend an, fühle es bejahend und bewusst, lade es ein, da zu sein und schon wird es weit und leicht in mir und das Drama verschwindet. Es ist einfach nur eine Emotion, die fließen will. Sie ist nicht ich.

Nur wenn wir uns nicht wehren, dann kann diese Emotion durch uns durchfließen und unseren Energiekörper auch wieder verlassen. Wehren wir uns gegen das Gefühl, dann bleibt es stecken und verstopft auf die Dauer unseren Energiekörper, weil wir NEIN dazu sagen und den Fluss behindern. Ein JA erlaubt den Fluss. Das Gefühl kommt, fließt durch uns durch und verlässt uns auch wieder. Ganz einfach, ganz natürlich. Wir durften es fühlen, unsere Seele durfte es erfahren und sie freut sich darüber. So einfach.

Ich glaube, es ist immer eine Frage, wie wir Glück definieren. Glück ist für mich die Summe aller Erfahrungen. Glück ist für mich die Fülle an Emotionen, die Fülle des Lebens selbst, mit allem, was dazu gehört, mit Tag UND Nacht, mit Sonne UND Regen, mit einatmen UND ausatmen, mit Sommer UND Winter, mit Freude UND Angst, mit groß UND klein. Glück ist für mich, mit allem, was zu mir gehört einfach ich zu sein. Ich zu sein mit allen Emotionen, mit allen Charakterzügen und Eigenarten, mit allen Erfahrungen und Entscheidungen, mit allen Wesenszügen und „Macken“.

Glück ist für mich, das zu lieben was da ist, mit dem Wissen, dass ich es irgendwie erschaffen habe. Glück ist, mich ausprobieren zu können, mich verändern zu können, neue Sachen und Zustände erschaffen zu können und all das dann wieder zu erfahren und daran zu wachsen. Glück ist Wachstum, nie endende Entwicklung. Glück ist das Wissen, mit allem verbunden zu sein, ein Teil, ein ganz wichtiger und wertvoller Teil des großen Ganzen zu sein. Glück ist für mich, mir meiner selbst, mir meiner Kraft und Macht und Schönheit und Großartigkeit bewusst zu sein. Glück ist für mich, offen sein zu können, mich zeigen zu können, weil ich mich, so wie ich bin, liebe. Damit bin ich nicht mehr angreifbar, so kann ich mich zeigen, weil ich das liebe, was ich bin, seelisch wie körperlich. Glück ist anderen mit dieser Offenheit zu begegnen, dem Leben mit dieser Offenheit zu begegnen, weil nichts mehr falsch ist oder schlecht.

Glück ist, dass alles und jeder so sein darf, wie es/er gerade ist. Genau so!

Glück ist pures SEIN frei von Wertung! 

Herzensgrüße von mir
Anja ♥

Foto: Anja Reiche

Kommentare:

  1. Liebe Anja,

    herrlich viele Facetten von Glück - toll! Ja, so empfinde und ich erlebe ich es auch: das "Glück der Fülle", wie es Wilhelm Schmid beschreibt, kommt meiner Auffassung schon sehr nahe. Hingabe an verschiedene Emotionen, Regungen, Gefühlszustände - das hast du sehr schön & differenziert beschrieben. Ich spüre, dass es mir leichter fällt, mich der Freude und der Trauer hinzugeben, als beispielsweise "frustigen", "nagenden" Zuständen in "Phasen zwischen Hoch und Tief". Darüber habe ich einen Artikel geschrieben und freue mich, wenn du oder der eine oder andere mal reinlesen mag:
    www.seisofrei-lebenskunst.de/2016/07/07/hochs-und-tiefs-und-das-dazwischen

    Herzliche Grüße sendet
    Carolin

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    1. Liebe Carolin, vielen Dank für deine Worte!!! ♥ Ja, für mich hat das Glück ganz viele Gesichter und liegt immer im JA zum Moment! Auf deinem Blog habe ich gerade schon etwas gestöbert. Ich finde es toll und vor allem sehr inspirierend, wenn Menschen sich in aller Offenheit und Ehrlichkeit zeigen, so wie du das auf deinem Blog tust. Daher vielen Dank für dein Wirken!! ♥
      Herzensgrüße
      Anja

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  2. Und weil das mit den Energien so ist, übe ich fleißig die Annahme, statt Ablehnung. Gerade in den letzten Tagen durfte ich wieder sehr viel Ohnmacht erfahren. Für mich nicht immer leicht, aber - ein Schritt, ein Atemzug, ein Besenstrich.
    Marc

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    1. Ja, Ohnmacht ist aus meiner Sicht eins der heftigsten und herausforderndsten Gefühle. Damit will erstmal umgegangen sein. Ich bin mir sicher, dass du sie Stück für Stück lieben lernen kannst.
      Herzensgrüße von mir
      Anja

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