Donnerstag, 20. Oktober 2016

Loslassen - zulassen - offen bleiben

Foto: Anja Reiche

Dieser Zettel liegt seit gestern auf meinem Schreibtisch. Wie alle Fragen, die ich gerade an das Leben habe, habe ich auch diese aufgeschrieben.

In mir toben seit mehreren Tagen unheimlich viele Gefühle. Alles wild durcheinander. Mal ist da Wut, mal Ohnmacht, mal Schmerz, mal Ungeduld, mal Unruhe. Alles alt, alles nicht mehr meins. Es fühlt sich an, wie wenn das alles in großen Massen aus meinem Energiesystem fließen würde, wie wenn es mich verlässt und ich es deshalb nochmal so deutlich spüre. Immer wieder habe ich das innere Bild, dass ich das alles aus mir herausschreie. Ein sehr kraftvolles, animalisches Bild. Befreiend!

Teilweise bin ich im Moment auch verwirrt und chaotisch, sodass ich überhaupt nicht mehr in der Lage bin, Dinge strukturiert anzugehen. Es gibt Tage, da sieht die Küche aus wie ein Schlachtfeld, wenn ich koche. Ich mache alles durcheinander und in keiner für mich normalen Reihenfolge und Ordnung. Ich bin schusselig, mache viel Sauerei und kleckere was das Zeug hält. Feinmotorik? Fehlanzeige! So kenne ich mich gar nicht. Aber das darf auch mal sein. Da wird wohl auch wieder ordentlich an meinen Synapsen rumgeschraubt.

Und anders als noch im Mai, als ich den Artikel "Im Geburtskanal der Transformation" geschrieben habe, geht es mir dieses Mal mit all der Achterbahnfahrt der Gefühle gut und ich bin total im Vertrauen. Ich bin mir absolut bewusst, dass ich all diese widerstreitenden und alten Gefühle nicht bin, sondern dass sie einfach durch mich durchfließen. Sie gehören nicht mehr zu mir. Ich fühle sie, ja, aber sie drücken nicht mehr aus, wer ich bin. Sie verlassen mich.

Gleichzeitig zu all der Unruhe ist da eine riesen Vorfreude in mir. Da ist Aufbruchsstimmung, ein Bedürfnis auch im Haus und im Leben aufzuräumen, auszumisten, Dinge neu zu machen, neu zu gestalten. Da ist eine riesige Sehnsucht nach etwas, das ich ahnen kann, aber noch nicht greifen. Es ist als täten sich mir neue Wege auf, auf die ich so lange gewartet und hingearbeitet habe, die ich aber noch nicht sehen kann im Grobstofflichen, nur im Feinstofflichen fühlen. Es geht um den Beruf, das Wirken. Hier entwickeln sich neue Aspekte, Weichen werden gestellt, das Leben arbeitet für uns. Ich habe eine Sehnsucht nach Veränderung, danach mich in neuen, mir ganz wichtigen, mich nährenden Situationen zu erleben. Wie diese konkret aussehen und wie ich da hinkomme, weiß ich nicht.

Ich glaube, dass es gerade in dieser Zeit sehr wichtig ist, dass wir das alles zulassen, dass wir loslassen und das Leben mal machen lassen. Wir haben alles getan, was wir tun konnten. Nun darf das Leben übernehmen. Wir sind gut vorbereitet und jetzt dürfen wir uns tragen lassen und uns überraschen lassen, wie die Früchte unserer Arbeit am Ende wirklich aussehen werden. Daher auch die Frage auf dem Zettel. "Wo will mein Leben JETZT hinfließen?"

Für mich geht es gerade darum, in jedem Moment genau hinzuspüren und absolut meiner Intuition zu folgen, zu vertrauen. Ich weiß, dass ich zur richtigen Zeit, das Richtige tue. Immer! Also spüre ich hin. Wenn es gerade nichts zu tun gibt, tue ich nichts und wenn ich den Impuls habe, etwas in Angriff zu nehmen, mache ich es. Alles wird immer leichter. Was mal in meinem Kopf Formen angenommen hat, kommt immer schneller zur Welt und wird Realität. Ich merke, wie ich mich immer leichter aus alten Strukturen und Mustern befreien kann und immer mehr in Fluss komme. Manchmal sind da noch Zweifel, aber die sind so leise und kraftlos, dass sie mir gar nichts mehr anhaben können. Der Ruf des Lebens ist viel lauter. Ich bin von meinem Königsfelsen, von der Klippe gesprungen, mitten ins Leben und das fühlt sich sooo gut an. Es gibt nichts mehr, was ich kontrollieren will, ich kann alles sein lassen. Ich schwimme im Fluss des Lebens.

Ich kenne das Ziel noch nicht, ich weiß nicht, was letztlich meine Sehnsucht stillen wird. Aber ich weiß, dass es großartig sein wird und wahrscheinlich auch wie so oft so unfassbar, dass ich es mir jetzt gar nicht ausmalen kann. Also versuche ich es gar nicht erst. Ich bleibe offen für alles, was sich das Leben gerade ausdenkt, bleibe offen für das Meer an Möglichkeiten und verabschiede mich von bestimmten Vorstellungen. Vielleicht sind die ja gar nicht so gut für mich, wie das, was Leben gerade so zaubert.

Wo will mein Leben jetzt hinfließen? Ich werde es merken...

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