Freitag, 14. Oktober 2016

Der Ballengang - und plötzlich tanze ich durchs Leben

Irgendwann in diesem Spätsommer ist es passiert. Mir war plötzlich einfach danach meine Schuhe auszuziehen und den herrlich sonnenwarmen Boden direkt an meinen Füßen zu spüren. Also nahm ich die Schuhe in die Hand und ging barfuß zum Einkaufen. Wie herrlich!!! Da es sich auf der Strecke vorwiegend um Pflastersteine und groben Asphalt handelte, bekamen die Füße eine Extremmassage und nach nur wenigen hundert Metern hatte ich das Gefühl, dass meine Nervenenden an den Fußsohlen eine absolute Reizüberflutung hatten. Aber irgendwie cool...

Tatsächlich bin ich an diesem Tag ca. 1,5 km barfuß gelaufen. Die Sohlen brannten den ganzen Tag wie Feuer und nachts im Bett hatte ich so heiße Füße, dass ich sie ständig unter der Decke rausstrecken musste. Sonst bin ich der absolute Socken-Schlaf-Typ, weil ich eigentlich ständig kalte Füße habe. Dieses neue Erlebnis gefiel mir ganz gut.

Ab da war ich angefixt. Immer wieder ging ich barfuß raus, sogar in den Wald und ging da spazieren. Was für eine Erdung! Was für eine Verbundenheit mit der Natur! Was für eine ganz andere Körperhaltung nur dadurch, dass man erst vorsichtig mit dem Ballen aufsetzt und nicht wie gewohnt mit der Ferse! Was für eine komplett andere Achtsamkeit! Es fühlte sich an, wie wenn ich das Gehen ganz neu für mich entdeckte. Es fühlte sich an wie nach Hause kommen. Alles in mir jubilierte. Das Gehen wurde zum Erlebnis und ich freute mich noch während ich ging auf das nächste Mal.

Ich recherchierte im Internet über das Barfußlaufen und den Ballengang und was ich da fand war und ist einfach eine Offenbarung. Unzählige Erfahrungsberichte darüber, dass durch diese andere Art zu gehen, Gelenkbeschwerden und Schmerzen am Bewegungsapparat hinfällig wurden. Venenleiden, Blutdruckbeschwerden, Schweißfuß, ja selbst von Depressionen, die mit dem Ballengang verschwanden, ist zu lesen. Der gesamte Körper arbeitet einfach auf eine ganz andere, eben die natürliche Weise. Alles greift geschmeidig ineinander und die einzelnen Zahnrädchen funktionieren reibungslos. Die aus meiner Sicht beste Seite zum Ballengang und die vielen positiven Auswirkungen auf den Körper findet ihr hier: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ballengang-ia.html

Barfußschuhe wollte ich schon lange, nun war der Zeitpunkt gekommen, mir endlich welche zu kaufen. Sofort als sie da waren, bin ich los in den Wald und ich hätte wohl heulen können vor Freude. Was für ein Lebensgefühl, im Ballengang durch den Wald zu gehen. Tatsächlich fühlte es sich nicht nach gehen an, sondern eher nach tanzen. Wendig wie nie zuvor ging es bergauf und bergab, über Wurzeln und Steine. Nichts war mehr ein Hindernis. Alles war eine Einladung zum Tanzen. Es war einfach ein Fest. Ich spürte, dass der Körper ganz anders arbeitet. Die Hüfte kommt plötzlich wieder ordentlich in Schwung, der untere Rücken hat kräftig zu tun, die Arme schwingen locker. Keine Chance mehr, beim Gehen die Schultern hochzuziehen. So zu gehen und gleichzeitig schlechte Laune zu haben ist einfach unmöglich. Vielmehr ist es ein absoluter Selbstausdruck, Präsenz pur. Straight, stark und trotzdem leicht. Selbstbewusst, wie ein Model auf dem Catwalk des Lebens.

Ich könnte stundenlang so weiter schwärmen. Aber das Beste kommt erst noch. Wie ich hier schon öfter berichtet habe, hat mein rechtes Knie seit August 2014 nicht mehr so funktioniert, wie es wohl sollte. Wandern und weitere Strecken gehen war von jetzt auf gleich nicht mehr drin, ohne dass irgendwas vorgefallen wäre. Das Knie fing dann immer an zu stechen und ich musste ihm wieder Ruhe gönnen. Tat ich das nicht, ging irgendwann gar nichts mehr.

Natürlich schaute ich mir die Sache auf seelischer Ebene an und hatte immer wieder ganz wunderbare Erkenntnisse. Es hatte schon alles seine Berechtigung, aber obwohl ich geistig heilte und heilte und hinschaute wurde es im Außen irgendwie nicht wirklich besser. Zum Haare raufen!!! Aber alles bleibt eben immer so lange, bis wir wirklich alles erkannt haben.

In den letzten Wochen und Monaten durfte ich merken, dass ich das Opferbewusstsein noch nicht ganz angenommen und damit losgelassen hatte. Ich hatte immer wieder das innere Bild, dass ich gerne loslaufen würde, dass ich gerne endlich MEINEN Weg gehen wollte, auch im übertragenen Sinne, im Sinne von meiner Lebensaufgabe, meines Herzensweges, doch immer hielt mich etwas am rechten Bein fest. Irgendwann sah ich, dass es mein inneres Opfer war, das am Boden lag und mich am Gehen hinderte. Mein innerer Schöpfer stand sofort auf der Matte und sagte mir, dass wir das Opfer einfach liegen lassen sollten, es ignorieren und ohne es losgehen sollten. Doch ich wusste, dass das falsch war. Auch das Opfer ist ein Teil von mir und so wendete ich mich dem Opfer zu. So verbrachten wir ein paar Tage, in denen ich dem Opfer all meine Liebe und mein Verständnis gab, mir zugestand, dass das Opferdasein ein Teil meines Lebens war, ein wichtiger Teil. Immer wieder schaute ich wie sich das Bild veränderte. Lange geschah nichts. Ich saß da einfach nur mit dem Opfer und hielt es in meinen Armen. Ziemlich genau zu dieser Zeit, entdeckte ich das Barfußlaufen, den Ballengang und merkte, dass auf diese Weise mein Knie sehr gut funktionierte. Wie das immer alles so schön passt...

Neulich, irgendwann in meiner Barfußeuphorie, erinnerte ich mich wieder an dieses innere Bild und bemerkte, dass ich mein inneres Opfer einfach Huckepack genommen hatte und zusammen mit meinem inneren Schöpfer losgelaufen bin. Alle drei glücklich und zufrieden, alle drei wissend, dass wir zusammengehören, dass jeder seinen Platz und seine Berechtigung hat, dass jeder da sein darf.

Könnt ihr euch vorstellen, wie ich mich nun nach über 2 Jahren Heilungsarbeit, nach über 2 Jahren, in denen ich nicht walken konnte, nicht wandern, nicht länger spazieren gehen, fühle, wenn ein Sonntagsspaziergang tatsächlich mal eben 7 km lang wird? Wenn ich im Ballengang wie ein junges Reh durch den Wald hüpfen kann? Wenn ich, wie heute, raus in den sonnigen Herbst gehe und über 5 km unterwegs bin? Einfach so und meinem Knie geht's gut? Könnt ihr euch vorstellen wie bedeutend und wichtig mir das Gehen nun ist, wie ich es genieße und feiere, jetzt wo ich weiß, wie es ist, wenn ich es nicht kann?

Plötzlich laufe ich nicht nur einfach, plötzlich tanze ich durchs Leben! ♥

Herzensgrüße von mir
Anja

Schwarze Füße nach dem Waldlauf - herrlich!!!!
Foto: Anja Reiche


Kommentare:

  1. Toll! werde ich auch ausprobieren ...
    Ich bin vorerst mal fasziniert gewesen von den gepolsterten Sneakers, die meinen Gang auch in die Richtung verändert haben. An Barfußschuhe habe ich mich bislang noch nicht ran getraut ( könne ja erfieren in den kalten Dingern ;-) ). Danke vielmals für deinen sehr interessanten und authentischen Bericht!
    liebe Grüsse, Susanna

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    1. Liebe Susanna, sehr gerne! Zwecks kalter Füße habe ich mir auch immer Gedanken gemacht. Wenn man länger läuft werden die Füße aber herrlich warm. Aktuell bin ich auf der Suche nach Barfußschuhen, die wirklich für den Winter geeignet sind, gerade auch zum Wandern. Bislang war noch nicht das Richtige dabei. Aber ich bin mir sicher, dass ich MEINEN Schuh noch finden werde... ♥
      Ich sende dir Herzensgrüße
      Anja

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