Freitag, 15. April 2016

Kinder narzisstischer, egozentrischer Eltern

Ich möchte heute über ein Thema schreiben, das mich sehr geprägt und im Erwachsenenleben sehr beeinflusst hat, ohne lange zu wissen, was da eigentlich läuft. Es geht um die Auswirkungen auf Kinder, die mit egozentrischen, narzisstischen Eltern groß werden. So konkret wie ich es heute tun werde, habe ich es noch nie beim Namen genannt. Allerdings merke ich schon den ganzen Tag, dass es an der Zeit ist. Auch mein Traum heute Nacht hat mich förmlich mit der Nase darauf gestoßen.

Es ist an der Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen für all jene unter euch, die in der Kindheit ähnliches erlebt haben, davon beeinflusst sind und die Spuren vielleicht heute noch tragen, aber nicht wissen, woher das kommt, geschweige denn, wie man sich daraus löst und befreit.

In meinem Artikel "Wie die Kindheit in uns nachwirkt" habe ich schon einiges davon angesprochen und auch sehr deutlich gemacht, wie mächtig die Kindheit ist und wie sehr sie unser Erwachsenenleben prägt und steuert, ohne dass wir uns dessen oft bewusst sind. Allerdings habe ich das Wort Narzissmus nicht erwähnt. Es schien mir zu hart und eine offizielle Diagnose diesbezüglich gibt es ja schließlich auch nicht. Also habe ich es gelassen. Dennoch tat es mir selbst unheimlich gut, dem Kind einen Namen geben zu können. Es half mir so sehr, viele Dinge einzuordnen und alles, was so subtil abgelaufen war, alles, was ich nicht richtig greifen konnte, neu zu bewerten und einzuordnen. Es tat mir gut, zu wissen, dass ich mir das nicht alles eingebildet habe, dass ich nicht zu empfindlich bin. Ich konnte mich von der Überzeugung lösen, dass ja eigentlich gar nichts wahr, dass sie es ja nur gut meinte und ich das alles nur falsch verstanden habe. Diese Erleichterung und diesen Blickwinkel, diese neue Klarheit will ich heute an euch weitergeben.

Bei mir betrifft es meine Mutter. Ich bin mir sicher, dass sie sich niemals mit Narzissmus oder überhaupt irgendeinem ungesunden Persönlichkeitsmerkmal in Verbindung bringen würde, ganz zu schweigen von einer Persönlichkeitsstörung. Das hat das alles nicht wirklich einfacher gemacht. Selbstreflektion ist quasi nicht vorhanden. Wie gesagt, es gibt keine offizielle Diagnose, aber passiert ist es trotzdem und verletzt hat es mich auch, verunsichert und mich ganz weit weg von einem eigentlichen Wesen gebracht.

Ich möchte kurz zusammenfassen, wie sich der Umgang mit ihr früher gestaltet hat. Sie ist zwar heute noch genauso, aber es triggert mich nicht mehr, sondern ich kann ganz klar meine Grenzen setzen und lasse mich nicht mehr benutzen, bin zurückgekehrt zu meiner eigenen Stärke, habe den Segen hinter all dem gefunden, habe vergeben und mich geheilt. Deshalb schreibe ich in der Vergangenheit. 

  • Sie hatte immer Recht, hat sich nie versprochen, nie etwas falsch gemacht. Schuld waren immer die anderen.
  • Sie war nie greifbar, wand sich aus allem raus. Man konnte sich nie auf Aussagen, die sie einmal getroffen hat, beziehen. Alles war dann nicht wahr, auch wenn sie sich ganz offensichtlich selbst widersprach.
  • Wenn man sie damit konfrontierte und das Herausreden nicht mehr ganz funktionierte, fing sie an zu weinen und gab mir das Gefühl, sie verletzt zu haben. Der Konflikt wurde total verzerrt und drehte sich plötzlich gar nicht mehr um das, was es eigentlich ging. 
  • Ich konnte nicht gewinnen.
  • Sie hatte immer die Macht und das letzte Wort. Ich war hilflos ihrer "Gewalt" ausgeliefert. Diese "Gewalt" lief nur mit Blicken, Worten und dem Tonfall ab, mit Gesten, also sehr subtil und nicht zu greifen. Für Außenstehende war das alles nicht wirklich zu merken. Nach außen sah alles immer harmonisch aus. Das führte dazu, dass ich sehr an meinen Empfindungen gezweifelt habe.
  • Es gab keine Privatsphäre. Sie wollte immer alles wissen, kontrollierte meinen Müll, meine Post, stellte indiskrete Fragen, kam rein, ohne zu klopfen. Auch hier war es so, dass ich immer sofort das Gefühl vermittelt bekommen habe, dass ich zu empfindlich bin, wenn ich mich mal darüber beschwert habe. Selbst wenn ich auf der Toilette saß, stand sie vor der Tür und nutzte meine "Hilflosigkeit" aus, um mir ein Gespräch reinzudrücken. Aber das war aus ihrer Sicht alles normal.
  • Ich durfte keine eigenen Grenzen haben. Ich war lediglich eine Verlängerung, Erweiterung ihrer eigenen Person und quasi ihr Eigentum. Ich war dazu da, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen und sie zu beliefern, mit Aufmerksamkeit, Zuwendung, etc. Diese Momente forderte sie auch gnadenlos ein, gab einem Aufgaben, bei denen man ihr persönlich helfen musste und nah sein musste, wie z. B. den Verschluss einer Kette zumachen, ihr etwas bestimmtes schenken. Hinterher wurde es so hingestellt, dass man das ja alles gerne und aus freien Stücken für sie gemacht hat, weil man sie ja sooo liebte.
  • Ich musste tun, was sie wollte und für richtig hielt. Tat ich es nicht, wurde ich mit Verachtung gestraft und bekam das Gefühl vermittelt, ihr weh getan zu haben, ungezogen zu sein, kalt und egoistisch zu sein. Sie redete mir immer ein schlechtes Gewissen ein, vermittelte mir Schuldgefühle.
  • Wenn es mir besser ging als ihr, z. B. weil ich mal etwas Schönes erlebt habe, was sie noch nicht erlebt hatte, dann wurde ich dafür "bestraft", es wurde mir vorgehalten und ich musste deswegen noch mehr zu Hause mithelfen. Schließlich hatte sie sich immer für mich aufgeopfert. Es ging gar nicht, dass es mir besser ging als ihr.
  • Meine Emotionen waren generell immer falsch. Ich sollte mich nicht so anstellen, durfte nicht wütend sein. Ich fing an, meinem Verstand und meinem Gefühl zu misstrauen. 
  • Sie stand immer im Mittelpunkt, riss jedes Gespräch an sich, drängte sich in jeden innigen Moment, den ich mit anderen Personen hatte, war generell eifersüchtig.
  • Sie war allgegenwärtig, lauerte gefühlt hinter jeder Ecke, hatte ständig eine Aufgabe für mich. Gefühlt hat sie mich nie aus den Augen gelassen, alles kontrolliert und mit Argusaugen überwacht.
  • Sie hat Tatsachen und Aussagen über andere Familienmitglieder verdreht, um gezielt Unfrieden zu stiften, die Familienmitglieder gegeneinander auszuspielen, sie zu verletzen. 
  • Sie vermittelte mir immer das Gefühl minderwertig zu sein, in dem sie meine Leistungen schmälerte. Sie wies mich darauf hin, wie ich es hätte besser machen können oder verwendete eine abwertende Sprache. 
  • Sie wurde nicht müde, zu betonen, was sie schon alles für einen getan hatte und geopfert hatte. Hier waren wieder die Schuldgefühle vordergründig. 
  • Wenn ich mit jemandem Streit hatte, stand sie immer auf der Seite des anderen. 

Sicherlich würde mir noch mehr einfallen, aber ich denke die Richtung ist klar. Das tückische an diesen Erfahrungen in der Kindheit und Jugend ist, das sie wirklich so extrem subtil sind, so schwer zu greifen. Da ist keine offensichtliche, körperliche Gewalt im Spiel, sondern unsichtbare, emotionale Gewalt, deren Verletzungen für Kinder oft schwerer sind, als sie es bei Schlägen gewesen wären. Und aus dem Grund schreibe ich heute darüber. Ich möchte allen Betroffenen sagen, dass sie sich nichts einbilden, dass sie sich nicht einfach nur anstellen und zu empfindlich sind. Da läuft bzw. lief etwas ziemlich schief in eurer Kindheit. Lasst euch nichts anderes einreden. Und wenn sich ein Elternteil auf diese Weise verhält, dann trägt das Kind Wunden davon und zwar richtig tiefe.

Eine damalige Freundin von mir, die Psychologie studiert, hat mich darauf gebracht, dass es sich beim Verhalten von meiner Mutter, um eine narzisstische Persönlichkeitsstörung handeln könnte. Das war im Januar 2014 und ich war gerade mittendrin, die Problematik mit meinen Eltern aufzuarbeiten und meine Wunden zu heilen, hatte in dieser Phase auch keinen Kontakt zu meinen Eltern. Da kam der Hinweis wie gerufen.

Ich weiß noch, wie gut es mir getan hat, über all das mal zu lesen. Es gibt sogar eine grandiose Internetseite, bei der man fast meinen könnte, sie wurde eigens über meine Mutter geschrieben: www.narzissmus.org
Ich war mit all meinen Problemen und Wunden nicht alleine.

Ab da las ich viel über Narzissmus und mir fielen die Schuppen nur so von den Augen. Ich weinte viel, teilweise, weil ich den alten Schmerz noch einmal durchlebte, teilweise aus Erleichterung, weil ich schwarz auf weiß lesen konnte, dass mit meiner Wahrnehmungen und dem Eindruck, dass hier irgendwas grundlegend falsch lief, total richtig lag. All die kleinen Sticheleien und Seitenhiebe konnte ich nun neu bewerten, all die Situationen, die mich fast in den Wahnsinn getrieben hätten und durfte feststellen, dass ich meinem Gefühl sehr wohl vertrauen kann, dass mit mir alles in Ordnung ist. (Ein Buch, das mir auch geholfen hat, ist Kinder egozentrischer Eltern.)

Die Wunden hatte ich natürlich trotzdem und die Auswirkungen und hinderlichen Glaubenssätze aus dieser Zeit waren heftig. (Mehr über die negativen Auswirkungen findest du in dem Artikel "Wie die Kindheit in uns nachwirkt") Aber ich wusste, wie ich all das heilen konnte und hatte eine Riesenmenge neue Klarheit und Selbstvertrauen, sah meine Mutter in neuem Licht und konnte mich ihr gegenüber nun entsprechend verhalten, mich nicht mehr in diese Machtspielchen ziehen lassen. Ich lernte, dass ich nicht dazu da bin, sie zu beliefern und mit Aufmerksamkeit zu versorgen. Ich lernte, meine Grenzen wieder wahrzunehmen und auch vehement zu vertreten, ließ mir keine Schuldgefühle mehr einreden. Mein inneres Kind brauchte zu der Zeit enorm viel Zuwendung. Es wurde ja emotional nie richtig versorgt, vielmehr wurde es ausgesaugt, Lebensenergie abgezogen, was sich auch heftig im Erwachsenenleben zeigte. Aber auch mit dem inneren Kind wusste ich umzugehen. (Mehr zur Heilung dieser Wunden findet ihr hier: Frieden mit den Eltern)

Allen Menschen, die ähnliches erfahren haben, kann ich nur Mut machen. Es ist hart, aber man kann sich aus so einer Kindheit und deren Folgen befreien. (siehe Frieden mit den Eltern) Es ist in Ordnung, Abstand zu seinen Eltern zu haben, während man sich seine Wunden anschaut und heilt. Es ist in Ordnung, seine Eltern nicht zu mögen, wir müssen das nicht. Wir dürfen wütend auf sie sein. Wir schulden ihnen nichts. Sie haben uns in die Welt gesetzt. Es war ihre Entscheidung, nicht die unsere (zumindest bewusst, auf einer höheren Ebene ja schon). Wir dürfen ihnen ihre Verantwortung für ihr Leben und für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse wieder zurückgeben.

Es wird wenig Sinn haben, das entsprechende Elternteil mit der Thematik des Narzissmus zu konfrontieren. Die meisten haben kein Einsehen und dafür auch viel zu wenig Selbstreflektion. Außerdem darf jeder sein wie er ist und auch so bleiben. Sie müssen sich nicht ändern. Sie müssen nichts nachholen oder wieder gut machen. Wichtig ist, dass ihr nun wisst woran ihr seid. Ihr braucht eure Eltern nicht, um euch selbst zu heilen. Ihr braucht eure Eltern nicht, um wieder in eure ganze Größe zu kommen, heil zu werden und vollständig, kraftvoll und lebensfroh. Wir können ihnen vergeben, auch wenn sie so bleiben wie sie sind. Betrachten wir ihre eigenen Geschichten und deren Kindheit, dann wird wahrscheinlich nur all zu schnell klar, warum sie genau so geworden sind und warum sie es nicht besser konnten. Sie konnten nur das weitergeben, was sie selbst als Kind bekommen haben und das war im Fall meiner Mutter nicht sehr viel. Ihre Entwicklung ist kein Wunder und sie hat mein vollstes Mitgefühl und Verständnis.

Ich wünsche mir, dass alle Menschen da draußen, denen es ähnlich ging, diese alten Wunden heilen können, die alten Beschränkungen ablegen können, ihren Eltern aus tiefster Seele vergeben können. Ich wünsche mir, dass sie sich selbst mit allem versorgen können, was ihnen die Eltern nicht geben konnten, ihr inneres Kind versorgen können. Ich wünsche mir, dass ihr erkennt, wie wunderbar ihr seid und zurück zu eurer euch ureigenen Kraft kommt, herauskommt aus der Opferrolle, die euch so lange auferlegt wurde und hinein in eure Schöpferkraft, zurück zu eurem wahren, genialen Wesen!

Fühlt euch ganz herzlich gedrückt! Ihr könnt es schaffen! ♥

Herzensgrüße von mir
Anja

Foto: Anja Reiche


Kommentare:

  1. Vielen Dank Anja. Auch ich habe einige dieser Dinge erlebt. Auch ich habe lange an meinen eigenen Gefuehlenn gezweifelt weil mir gesagt wurde das dieses und jenes nicht so waere.
    Was ich anmerken moechte... das Leben als solches ist ein Geschenk! Du kannst dich zum Opfer machen und es ganz furchtbar finden hier zu sein oder als Chance auf Wachstum annehmen und vielleicht erkennen, das auch deine Seele aus Resonanz diese Eltern gewaehlt hat.Auch wenn die Kindheit uns sehr verletzt hat, war das doch auch ein Weg zu neuem Wachstum. Du koenntest sagen, die Eltern hatten (vielleicht) die Wahl dich in die Welt zu setzen, und sie haben ihre Pflicht vernachlaessigt. Aber auch deine Eltern sind nichts anderes als verletzte Kinder, die nur das weitergeben koennen, was sie selbst in sich tragen. Und auch wenn sie schrecklich gewesen waren, weil sie nunmal tief verletzt haben,so haben sie dir die Moeglichkeit gegeben, hier auf der Erde zu sein.
    Die Anklage, ist wie ein Klebstoff, der uns festhaelt im Opfer sein.
    Ja wir waren/sind verletzt ja es war so. Und auch sie handelten aus den Verletzungen heraus, die ihnen widerfahren sind. Das ist keine Rechtfertigung. Aber es stellt uns alle auf die gleiche Stufe wo wir alle unsere Geschichten mit uns tragen. Aber wir, die wir uns diesem Selbst naehern haben die Moeglichkeit zur Heilung. Und das ist wunderbar.

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    1. Ich gebe dir aus vollstem Herzen recht! Das Leben ist ein einziges, riesiges Geschenk. Meine Eltern waren genau die richtigen für mich, ich habe ihnen alles vergeben und verurteile sie für nichts. Sie haben mich mit all diesen Erfahrungen perfekt auf mein Leben vorbereitet und ja, ich habe sie mir auf Seelenebene ausgesucht und sie haben sich einverstanden erklärt, mir all dies "anzutun", damit ich diese Erfahrungen machen kann, weil meine Seele es so wollte. Das so sehen zu können, war ein weiter Weg, aber heute kann ich es aus tiefstem Herzen. Dennoch war es eine zeit lang für mich wichtig, mir zu erlauben, dass ich wütend auf sie bin. Das hat enorm zu meiner Heilung beigetragen, all die Wut endlich fließen zu lassen.
      Und du hast auch damit recht, dass eine Anklage die Heilung nicht fördert, sondern man sich nur noch tiefer verstrickt. Die Eltern sind uns heute als Erwachsene auch nichts mehr schuldig, genau wie wir ihnen nichts schuldig sind. Auch sie müssen uns nichts mehr geben. Wir sind alles autarke Wesen, die sich selbst versorgen können, wenn wir erkennen, wie die wahren Zusammenhänge sind und dass wir alle die Macht der Heilung in uns tragen, dass das alles ein Stück des Weges ist, dass wir gehen wollten.

      Ich danke dir für deinen wunderbaren Kommentar!!!!!♥♥♥

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  2. Liebe Anja,

    ich danke dir für diesen tollen Beitrag! Auch, wenn ich dir natürlich wünsche, du hättest solche Erfahrungen niemals machen müssen...

    Ich habe ihn natürlich auch deswegen gelesen, weil ich Ähnliches erlebt habe. Es ging von beiden Elternteilen jeweils ein bisschen aus. Beide sind selber in Wolfsrudeln groß geworden und mit emotionalem Abstand zu meiner Kindheit betrachtet tun sie mir einfach leid. Den Kontakt habe ich mit der Volljährigkeit trotzdem für immer abgebrochen, weil ich endlich anfangen wollte zu leben. Das tue ich auch seit diesem Schritt.
    Nach außen hin haben sie die perfekten Eltern gemimt und alles getan, um dieses Bild aufrecht zu erhalten. Ich musste immer Höchstleistungen bringen, das Wunderkind sein, das steckt bis heute in mir drin. Solange ich das schaffte, waren sie nett zu mir, bis sie an mir das Interesse verloren und die Bestleistungen sie nicht mehr interessierten. Zu Hause durchwühlten sie dann meine privaten Sachen, stohlen mir Gegenstände in der Annahme, sie hätten mir nie gehört, schlugen mich, stellten mich stundenlang in die Ecke und beschimpften mich aufs Übelste oder sperrten mich gleich in einen dunklen Raum. Irgendwann war ich für sie nur noch die Berechtigung, Kindergeld zu bekommen, und sie belogen mich in einer Sache, die meine Zukunft gesichert hätte - aber ihr Kindergeld wäre ihrer Ansicht nach weg gewesen. (War nicht so, aber zuhören war nicht so ihre Stärke.)
    Ich zweifle bis heute daran, ob das alles wirklich so schlimm war, wie ich es empfunden habe, weil mir in der Kindheit von allen Seiten weisgemacht wurde, wie toll und engagiert meine Eltern doch waren. Ja, ich habe Hilfe gesucht, beim Jugendamt, bei der Schule - keine Chance. Irgendwann, als ich anfing, darüber zu reden, als ich selbst erwachsen war, bekam ich endlich zu hören, dass wirklich etwas nicht gestimmt hatte. Ich bin immer noch auf der Suche nach dem Grund, aber durch den Bruch mit meinen Eltern habe ich jetzt endlich immerhin ein eigenes Leben, bin bis auf die typischen Familienfesttage wie Weihnachten zufrieden - nur eigene Kinder will ich auf keinen Fall, weil mir für sie etwas fehlt und ich das weiß.

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    1. Hallo Anonym, ich danke dir für deinen Beitrag und die offenen Worte. Ich kann verstehen, dass du an deiner Wahrnehmung zweifelst, das kenne ich nur zu gut. Mit deiner Wahrnehmung ist alles absolut in Ordnung und du darfst dir den Schmerz zugestehen. Du darfst dir zugestehen, dass das schmerzhaft für dich war, dass du Wunden davon getragen hast, dass es für DICH schlimm war. Es geht nicht darum, sich mit anderen zu vergleichen und dann zu sagen "naja, schau mal, DEM ging es ja noch viel schlimmer, da brauch ich gar nicht zu jammern." Darum geht es nicht. Es geht darum, dich um deinen Schmerz zu kümmern und ihn zu heilen und dafür darfst du ihn anerkennen. Dein Gefühl ist immer wahr und ist durch nichts wegzudiskutieren.
      Der Grund, warum sich deine Eltern so verhalten haben ist der, dass sie es nicht besser wussten und konnten. Der Grund ist nicht in deinem Wesen zu suchen. Du bist nicht "selbst schuld" daran, dass dir das passiert ist. Entlasse dich aus dieser Schuld, befreie dich von dieser Last und den Selbstzweifeln. Du bist ein wunderbares, wertvolles Wesen und wie andere dich behandeln sagt nichts über deinen Wert aus. Es sagt etwas über ihren eigenen Wert aus, über ihre eigenen Baustellen, über ihre eigenen Wunden.

      Sei gut zu dir und sei du dir die liebste und verständnisvollste Freundin, die du dir nur wünschen kannst.

      Ich sende dir Herzensgrüße und wünsche dir Heilung auf allen Ebenen, Freiheit für dein Sein.
      Anja

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  3. Hallo Anonym :-),

    mich hat es sehr berührt, dass du geschrieben hast, dass du keine eigenen Kinder haben möchtest, weil dir für sie etwas fehlt und du das weißt. Ich habe für mich auch entschieden, dass Kinder nicht das Richtige für mich sind - hatte aber keine so gute "Erklärung" dafür, ich habe es einfach so hingenommen. Scheinbar scheint deine Begründung auch ein Stück weit meine zu sein, sonst hätte es mich nicht so berührt. (Interessanterweise liebe ich Tiere über Alles, aber eigene Kinder, nee, das war nie ein Thema).

    Ich weiß nicht, ob meine Eltern nun vorwiegend narzißtisch waren oder ob die Alkoholkrankheit meines Vaters die Hauptursache war und das narzißtische Verhalten quasi eine "Nebenerscheinung". Wer weiß das schon so genau - und muss man das überhaupt so genau wissen oder trennen können... Ich beschäftige mich schon sehr lange mit dem Thema "Familienkrankheit Alkoholismus" und allem, was dazu gehört. Nicht stets und ständig, aber das Thema wird immer mal wieder Stück für Stück weiter betrachtet. Ich komme Schrittchen für Schrittchen immer etwas weiter, verstehe mehr und kann mehr verzeihen und vergeben. Ich möchte mich noch mehr aus meiner Tochterrolle lösen können und mehr mich selbst leben können - und dazu helfen mir solche Artikel wie dieser hier und die zugehörigen Kommentare ungemein!
    Vielen Dank an euch alle für diese wertvollen Beiträge.

    P.S.: Ja richtig, das anonym Schreiben hat auch etwas mit meiner Mutter und eventueller "Kontrolle, bzw. Allgegenwart" zu tun. :-)

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    1. Hallo Anonym2 ;)
      wie schön, dass dir der Artikel und viele weitere solcher Artikel geholfen haben. Das ist wunderbar. Ich war tatsächlich erstaunt zu lesen, dass ihr beide keine eigenen Kinder wollt, denn bei mir ist es genauso. Mein Grund ist allerdings nicht der, dass mir was fehlt, sondern der, dass ich mich in diesem Leben ganz einfach nur um mich und meine Lebensaufgabe kümmern will. Ich weiß einfach, dass in diesem Leben etwas anderes für mich dran ist. So lange Zeit war ich damit beschäftigt, meine Bedürfnisse hinten anzustellen und das wäre mit Kindern wieder genauso. Und darauf habe ich tatsächlich keine Lust mehr. Meine Bedürfnisse stehen in diesem Leben an allererster Stelle, endlich!
      Ich bin mir sicher, dass wir Kindern alles geben könnten, sofern unsere eigenen Wunden geheilt sind, damit wir das Drama nicht unbewusst weitergeben. Wenn es also in diesem Leben dran wäre, Kinder als eine Lebensaufgabe zu betreuen, dann würde das auch mit all der Liebe passieren können, die Kinder verdient haben. Davon bin ich überzeugt. Wir wären in der Lage, dieses Muster endgültig zu durchbrechen. Ich für mich kann aber aus tiefstem Herzen sagen, dass meine Lebensaufgabe in diesem Leben eine andere ist.

      Ich sende euch Herzensgrüße
      Anja

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  4. Ich kann zwar verstehen, aber ich kann nicht vergeben, die Schmerzen sind so tief und werden immer wieder durch jeden inzwischen nur noch seltenen Kontakt aufgerissen. Ich fühle nur Trauer, Schmerz und manchmal Wut, und das mit über 60 Jahren. Ein vergeudetes, elendes Leben in absoluter Hoffnungs - und Lieblosigkeit und selbstverständlichen Forderungen, seitdem ich denken kann. Wie werde ich diese Programmierung los? Ich habe alles versucht und weiß, dass ich kein Opfer bin. Wirklich nicht? Ist ein Kind kein Opfer? Was habe ich getan, dass das alles rechtfertigt? Ich war immer brav. Und ich wollte nicht geboren werden, dass ist der erste Gedanke, an den ich mich erinnern kann. Wie schafft man es zu verzeihen? Ich hasse sie und fühle mich schuldig. Wie kann ich mir verzeihen?

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    1. Liebe/r Anonym1,
      als Kind bist du tatsächlich deinen Eltern ausgeliefert und abhängig von ihnen. Du bist nun aber schon lange kein Kind mehr und mit deinem wunderbaren Geist in der Lage, dich nun selbst aus den alten Mustern zu befreien. Für diese innere Arbeit kann ich dir wärmsten die Heilmeditationen von Robert Betz empfehlen. http://www.robert-betz-online-seminare.de/
      Auf dieser Seite findest du ganz wunderbare Vorträge aus Onlineseminaren von ihm, die auch immer eine Meditation enthalten. Weitere Meditationen findest du in seinem Shop. Die Sachen von ihm waren für mich der Rettungsanker schlechthin und mit dieser inneren Arbeit konnte ich immer mehr Verstrickungen lösen, alte Wunden heilen, alte Muster lösen. Es ist nie zu spät und du kannst es schaffen. Du wolltest vielleicht nicht geboren werden, aber ein Teil in dir hat sich offensichtlich dafür entschieden, sonst wärst du heute nicht hier. Dieser Teil will leben und er ist so stark und kräftig, dass er das schon so lange auch tut. Du kannst dir dieses Leben auch jetzt noch als lebenswert gestalten.

      Ich wünsche dir von Herzen, dass du deinen Weg zurück zu dir findest, in deine Kraft und Macht, zu deinem wunderbaren, lichtvollen Wesen.

      Herzensgrüße
      Anja

      PS: Vielleicht ist ja auch bei meinen Angeboten das Richtige für dich dabei. Schau einfach mal nach. ♥

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  5. Liebe Anja, vielen Dank für diesen tollen Artikel. Du sprichst mir aus der Seele. Vor zwei Jahren begann ich mich mit mir zu beschäftigen. Warum ich oft anders fühle, warum ich mich als Aussenseiter sehe, warum ich anders bin. Nur zufällig kam ich auf den Grund: Meine Mutter ist narzistisch veranlagt. So viele Erinnerungen an meine Kindheit decken sich mit Aussagen über Opfer von Narzisten, wie die Beispiele auf Narzissmus.org. Nie gut genug zu sein, kein Lob und so wie man ist nicht in Ordnung zu sein. Deine Seite hilft mir zu mir selbst zu finden. Danke das du deine Erfahrungen mit uns teilst. Ich wünsche allen die ähnliches durchmachen das innere Kind s zu heilen m und den eigenen Weg zu finden! Von Herzen, eure Frühlingsblume

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    1. Liebe Frühlingsblume, wie schön, dass du meine Worte gefunden hast und wie schön, dass sie dir helfen. Das freut mich total, denn genau deswegen gibt es diesen Blog. Ich kenne das nur zu gut, wenn man lange Zeit glaubt, das mit einem irgendwas nicht stimmt. Wie gut, dass uns die passenden Worte zur passenden Zeit finden und uns ein Licht aufgehen darf. Deinen Wunsch kann ich nur unterschreiben. ♥
      Ich sende dir Herzensgrüße und wünsche dir von Herzen Heilung auf allen Ebenen und dass du wieder erkennst wie großartig und wertvoll du wirklich bist. ♥
      Anja

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