Montag, 11. April 2016

Beziehung mit Hindernissen


"Er aus NRW, ich aus Bayern. 500 km lagen zwischen uns.
Er 45, ich 26.
Er das zweite mal verheiratet, 2 Kinder aus erster Ehe, die Kinder nur wenige Jahre jünger als ich selbst. Ich Single und von Heirat und Kinder ganz weit entfernt.
Beide die Schnauze voll von Beziehungen, wie wir sie bisher hatten.
Beide einen Job, der nicht aufgegeben werden wollte.
Beide fest verwurzelt in der Heimat, mit der Familie, mit Freunden.

Konnte das gut gehen?"

Ich hatte kürzlich mit einem Bekannten ein interessantes Gespräch über Fernbeziehungen. Er vertritt die Meinung, dass eine Beziehung, bei der die Partner über mehrere hundert Kilometer getrennt sind, nicht funktionieren kann. Aus diesem Grund hatte er selbst schon eine Beziehung beendet - die Entfernung war ihm zu groß und es war nicht absehbar, dass er oder sie in Kürze den Arbeitsplatz verlegen würden, um jeweils zum anderen zu ziehen.

Dass eine Fernbeziehung nicht funktionieren kann, ist eine weit verbreitete Meinung. Auch andere Hinderungsgründe, wie ein zu großer Altersunterschied, der Entschluss, dass man gerade nicht offen für eine Partnerschaft ist oder eine generell sehr einengende Definition des Wortes "Beziehung" an sich, sorgen oft dafür, dass Liebesbeziehungen enden, bevor sie eigentlich richtig begonnen haben. Zwei Menschen trennen sich aus scheinbar logischen Gründen und leiden dabei fürchterlich, weil sie den anderen eigentlich lieben.

Daher möchte ich euch heute beschreiben, wie es trotz all dieser "Hürden" klappen kann, denn ich selbst bin der lebende Beweis dafür, dass es auch anders geht. ;)

Alles begann vor einigen Jahren auf einer einwöchigen Schulung in Hessen. Ich selbst hatte zu der Zeit so was von die Schnauze voll von Beziehungen. Ich kann euch gar nicht sagen wie sehr. In dieser einen Woche mit dem nötigen Abstand wurde mir mehr als klar, dass das, was ich da gerade hatte, keine Beziehung war, wie ich sie mir vorstellte. So entschied ich mich, dass eine endgültige Trennung einfach unausweichlich war. Und danach wollte ich alles, nur keine neue Beziehung. Ich wollte meinen Frieden, für mich sein, meine Wunden lecken und dann mein Singleleben genießen. Entsprechend war ich für Flirtversuche von so manchen Seminarteilnehmern überhaupt nicht offen, vielmehr schreckten sie mich ab. Also fuhr ich nach dieser Woche nach Hause, trennte mich und ließ den derben Shitstorm von meinem Ex, der mehr als unter die Gürtellinie ging, über mich ergehen. Ich hatte mich genau richtig entschieden.

Am Sonntag nach diesem Seminar fiel mir ein, dass ein Teilnehmer die ganze Woche immer mal wieder Fotos gemacht hatte. Ich mailte ihn an und bat ihn, sie mir zu schicken. Und dann nahm alles seinen Lauf, so schnell konnte ich gar nicht schauen.

Dieser Teilnehmer ist mir während des Seminars nicht mehr aufgefallen wie alle anderen. Er war halt da. Man wechselte mal einen Satz, alberte herum, aber mehr auch nicht. Was sich aus dem Mailverkehr allerdings ergab, hatte ich nicht erwartet. Er selbst steckte gerade in einer ganz ähnlichen, vielleicht noch etwas heftigeren Situation. Verheiratet, die Beziehung am Ende, zerstört durch eine jahrelange, schwere psychische Krankheit der Frau. Er war am Ende, konnte das alles nicht mehr tragen und hatte sich ebenfalls in dieser Woche Schulung dazu entschieden, sich zu trennen, bevor er selbst vor die Hunde ging. (Später erzählte er mir, dass er sich am Ende des Seminars eine Weggabelung in den Kalender gemalt hatte!) Er trennte sich, ich trennte mich. Er litt, ich litt. Wir telefonierten, waren uns einig, dass wir mit Beziehungen erst mal durch waren. Nach unserem ersten Telefonat, in dem er mir seine Lage schilderte, schloss ich die Augen und bat die Engel, dass sie sich um ihn kümmern sollten, ihm helfen sollten, seine Situation zu meistern, ihm Kraft geben sollten. Bei unserem nächsten Telefonat erzählte er mir, dass er an diesem Abend im Bett lag und es sich plötzlich so anfühlte, wie wenn ihn eine Hand berühren würde. Diese Berührung spendete ihm Trost und er fühlte sich gut aufgehoben, hatte aber keine Ahnung, was das war. Ich erzählte ihm von meiner Bitte an die Engel. Er war fasziniert, ich beeindruckt, dass er das wahrgenommen hatte.

Wir telefonierten nun fast täglich. Erzählten uns alles, redeten über Gott und die Welt. Mehr und mehr merkten wir, dass uns irgendetwas verband. Da war mehr als unsere Einigkeit darüber, dass wir keine Beziehung mehr wollten. Da war mehr als unsere ähnliche Lage. Wir ließen uns darauf ein. Einige Wochen nach unserem Telefonat kam er mich ein Wochenende besuchen.

Er aus NRW, ich aus Bayern. 500 km lagen zwischen uns.
Er 45, ich 26.
Er das zweite mal verheiratet, 2 Kinder aus erster Ehe, die Kinder nur wenige Jahre jünger als ich selbst. Ich Single und von Heirat und Kinder ganz weit entfernt.
Beide die Schnauze voll von Beziehungen, wie wir sie bisher hatten.
Beide einen Job, der nicht aufgegeben werden wollte.
Beide fest verwurzelt in der Heimat, mit der Familie, mit Freunden.

Das war unsere Ausgangssituation. Dennoch stimmte ich diesem Besuch zu. Etwas tief in mir sagte mir, dass es richtig war. Ich buk eine Donauwelle, weil er mal erwähnt hatte, dass das sein Lieblingskuchen war. Er brachte Donauwelle mit, weil ich damals gesagt hatte, dass es auch mein Lieblingskuchen war. ♥ Noch nie hatte ich mich so ruhig und entspannt gefühlt wie an diesem Wochenende. Noch nie vorher war ich einem Mann begegnet, bei dem ich einfach so sein konnte wie ich war, mit dem man über alles reden konnte und ich meine wirklich über ALLES. Noch nie war ich einem Mann vorher so nahe. Noch nie hatte mich ein Mann direkt in seine Seele blicken lassen. Beide hatten wir all unsere Schutzmauern fallen lassen, weil wir uns vertrauten, von Anfang an. Es war, wie wenn sich unsere Seelen begegnen würden. Es war das bezaubernste Wochenende, das ich bis dahin hatte. Ich war wie in einer anderen Welt, völlig gelassen und bei mir, tief berührt. Ihm ging es genauso.

Nach diesem Wochenende war klar, dass wir uns wiedersehen. Wie konnten nicht benennen, was uns verband. Wir wussten nicht, wie sich das alles entwickeln würde. Wir wussten nur, dass wir uns gegenseitig unheimlich gut taten und dass da etwas ganz Großes zwischen uns war und so beschlossen wir, alles seinen Lauf nehmen zu lassen und es so lange zu genießen, wie es uns eben gut tat. Sollte es einem nicht mehr gut tun, dann konnte man immer noch getrennte Wege gehen. Wir redeten also immer ganz offen darüber, wie es uns gerade in der Beziehung ging. Wir gingen nicht automatisch von einem "bis dass der Tod uns scheidet" aus. Sondern wir lebten ganz bewusst jeden einzelnen Tag und entschieden immer wieder aufs Neue, ob das noch das Richtige war oder nicht.

Die meisten unserer Freunde hielten uns für bescheuert. Sie prophezeiten uns die Katastrophe, das Ende, dass das nicht lange gut gehen konnte, zu groß waren angeblich die Hürden. Aber sollten sie reden...

Wir führten also eine Fernbeziehung, sahen uns ungefähr alle 2 Wochen. Wir telefonierten jeden Tag mehrere Stunden, erzählten uns alles, erzählten wie es in uns aussah, was wir so gemacht und erlebt hatten am Tag. Ich bin der Meinung, dass wir uns nie so schnell und so tief kennengelernt hätten, wenn wir uns öfter gesehen hätten. Uns lenkte nichts ab. Wenn wir sprachen, dann wirklich über uns. Es gab keine äußeren Ereignisse, die unsere Aufmerksamkeit abzogen. Es gab die meiste Zeit keine Erlebnisse, die wir gemeinsam mit anderen hatten, in denen wir uns an der Oberfläche bewegt hätten und über die wir dann nicht mehr sprechen mussten, weil wir sie ja gemeinsam erlebt hatten. Wir waren uns über die 500 km näher, als wir es gewesen wären, wenn wir uns gesehen hätten. Wahre Nähe ist keine Frage der Entfernung.

Ich lernte seine Kinder kennen und es passte auf Anhieb. Erwachsene Kinder waren mir eh lieber. ;)

Naja und was soll ich sagen? Wir sind heute noch zusammen und auch richtig glücklich. Nach einem Jahr stand der Entschluss, dass ich zu ihm ziehe. Meine Arbeit hatte sich so sehr zum negativen verändert, dass ich mir einen neuen Job suchen wollte. (Wer hätte das anfangs gedacht?) Das konnte ich dann auch in NRW machen. Ich war an einem Punkt, an dem es sich richtig anfühlte, eine größere Entfernung zu Freunden und Familie zu haben. (Wer hätte das anfangs gedacht?) Meine Selbstfindungsreise begann und dafür war dieser Umzug rückblickend goldrichtig.

Wir leben heute noch nach dem Motto, dass wir jeden Tag neu entscheiden, ob wir uns noch gut tun oder nicht und bisher war die Antwort von beiden immer JA!!!! ♥ Wir reden heute noch über wirklich alles, haben es geschafft, diese unfassbare Nähe im gemeinsamen Alltag beizubehalten, schaffen es immer noch stundenlang zu reden. Heute wissen wir, was uns verbindet: Unsere Seelen! Wir haben uns hier getroffen, damit wir uns gegenseitig beim Wachsen helfen. Wir haben uns getroffen, um uns gegenseitig in unsere wahre Größe zu helfen, damit einer beim anderen das Beste zum Vorschein bringt, damit jeder immer mehr er selbst sein kann, frei und voller Liebe.

Wir definieren eine Beziehung nicht dadurch, dass man sich gegenseitig ergänzt und vervollständigt. Wir definieren eine Beziehung dadurch, dass man dem anderen hilft, zu merken, dass er eigentlich schon vollständig ist. Keiner braucht den anderen zum Überleben. Keiner braucht den anderen, weil er ihm irgendetwas geben muss. Jeder hat schon alles. Wenn sich zwei Menschen treffen, die sich dessen bewusst sind, dann hebt man eine Beziehung auf ein neues Level, begegnet sich auf einer neuen Ebene.

Wir sind eine richtige Familie und wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich sagen, dass das auch biologisch "meine" Kinder sind, so viele Parallelen sind da. Selbst Kinder großzuziehen ist in diesem Leben für mich nicht dran, das wusste ich bei unserem Kennenlernen aber noch nicht. Durch diese Beziehung wurden mir die Kinder schon erwachsen "geliefert", bevor ich überhaupt wusste, dass das genau so gut für mich ist. (Wer hätte das anfangs gedacht? ♥) Es passt einfach alles perfekt!

Hätten wir uns damals von all den widrigen Umständen beeinflussen lassen, hätten wir unseren Verstand entscheiden lassen, wäre uns die beste Chance entgangen, die uns diese Beziehung zu bieten hat: Uns selbst wieder zu finden, unsere Wunden gemeinsam zu heilen und gemeinsam in unsere wahre Größe zu kommen, in allen Belangen einfach wir selbst zu sein!

Ich rate euch daher, habt Mut euer Herz entscheiden zu lassen!!! ♥

Habt ihr auch schon einmal eine Beziehung aus logischen Gründen beendet und es hinterher bereut? Wie definiert ihr eine "gute" Beziehung?

Ich freue mich auf eure Kommentare!

Herzensgrüße von mir
Anja



Foto: Anja Reiche

Sieben Jahre...

Wir sind nicht mehr die gleichen wie damals. Und das ist auch gut so.
Wir haben uns entwickelt, hin zu uns selbst.
Wir wachsen gemeinsam, an uns. Das größte Erlebnis, das größte Geschenk einer Beziehung.
Wir sind ein Team und dennoch zwei individuelle Persönlichkeiten, die alles leben können, was gerade Ausdruck braucht.
Wir lieben, leben, genießen, stoßen uns ab, ziehen uns an, reiben uns aneinander, suchen die Nähe und den Abstand, halten uns den Spiegel vor, zeigen uns unsere Themen, halten gnadenlos das Licht in die finstersten Winkel der Seele des anderen, reichen uns gegenseitig immer wieder die Hand für die nächste Entwicklungsstufe, näher zum Licht.
Wir triggern und heilen, machen Wunden sichtbar und versorgen sie mit Liebe.
Wir brauchen nichts.
Wir haben alles, ein jeder in sich. Zwei Wesen, ein jedes für sich komplett.
Wir vervollständigen uns nicht. Ein jeder ist vollständig. Keine Ansprüche, keine Zwänge, keine Forderungen. Nur Freiheit, Liebe, Grenzenlosigkeit, Loslassen und wieder zurückkommen, Wurzeln und Flügel.
Wir sind dennoch verbunden, ganz tief in unseren Herzen, mussten uns in diesem Leben finden, hatten eine Verabredung, haben sie noch.
Wir wollen noch mehr wachsen.
Wir haben uns dazu entschlossen, weit vor dieser Zeit, weit vor diesem Treffen in diesem Leben.
Wir sind eins an der Wurzel, aus der gleichen Substanz und doch im Wesen so unterschiedlich. Ein Yin und ein Yang.
Wir helfen uns, zurück zu uns, aus tiefer Liebe.
Könnte es ein schöneres WIR geben?

Ich danke dir!!! ♥♥♥

Text: Anja Reiche



Dienstag, 22. März 2016

Ein berührendes Gespräch mit der Seele

Stell dir vor, du könntest deiner Seele von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen, könntest mit ihr reden, ihr all die Fragen stellen, die dich bewegen und sie würde antworten. Wie würde dieses Gespräch wohl ablaufen? Was würde dir deine Seele wohl sagen? Was würdest du sie fragen?

Ein solches Gespräch ist möglich, auf geistiger Ebene und hat neulich zwischen einer Klientin von mir und ihrer Seele stattgefunden. Am Lagerfeuer, in einem dunklen Moment, in dem es scheinbar keine Hoffnung mehr gab. Ich durfte dabei sein und diese Begegnung begleiten, staunend einem wunderbaren Dialog folgen, miterleben wie die beiden wieder zueinander gefunden haben. Seele und Mensch! Die schönste und wertvollste Verbindung, die es gibt.

Der Dialog, der sich zwischen den beiden entwickelt hat, ist so berührend und gleichzeitig kraftvoll, dass mir sofort klar war, dass er hinaus in die Welt muss. Diese ganze "Geschichte" ist ein einziges Geschenk! Mein Gefühl sagt mir, dass das, was die Seele zu dieser Klientin gesagt hat, für viele gleichsam eine heilende und erhellende Wirkung haben wird. Daher habe ich sie um Erlaubnis gefragt, ihre Geschichte teilen zu dürfen und habe diese Erlaubnis bekommen. Vielen Dank dafür!!! ♥

(Wie meine Arbeit auf geistiger Ebene genau wirkt, findest du hier, wie du selbst wieder in Kontakt mit deiner Seele kommst, hier!)

Und im Folgenden kannst du nun lesen, was ich gesehen und wahrgenommen habe, alles, was sich ereignet hat, eine wunderbare Vereinigung, ein nährender Dialog mit der Seele:


Ein Gespräch am Lagerfeuer

Ich sehe ein Lagerfeuer. Es ist Nacht. Das kleine Mädchen, das du einst warst, sitzt an diesem Lagerfeuer. Es scheint Sommer zu sein. Du hast kurze Hosen an und trägst nur ein T-Shirt. Der Himmel ist klar und die Sterne leuchten. Dein kleines Mädchen ist vielleicht 8 Jahre alt. Es hat Angst. Es sitzt da, die Arme um die Knie geschlungen, einsam, verlassen, verängstigt und total traurig. Die kleine M. sitzt da mutterseelenalleine. Nun spüre ich, dass da auch eine große Wut ist, die eigentlich alle anderen Gefühle übertüncht.

Das Mädchen steht auf, nimmt ein Buch, reißt wild Seiten aus und wirft sie ins Feuer. Sie zerpflückt mit heftigen Bewegungen und wilder Entschlossenheit das ganze Buch, fetzt nach und nach Stapel an Seiten aus und verbrennt sie, bis keine Seite mehr da ist. Als nur noch der Buchdeckel übrig ist, wirft die kleine M. mit dem letzten Rest Frust auch den ins Feuer. Dann steht sie da und sieht zu, wie alles lichterloh brennt. 
Doch eine Befriedigung will sich nicht einstellen. Diese Aktion war wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Entmutigt setzt sich das Kind wieder hin, schlingt wieder die Arme um die Knie, legt die Stirn auf die Knie und wünschte, sie wäre tot, einfach nicht da. Alles erscheint ihr zwecklos, aussichtslos, sinnlos. Sie hat keine Ahnung, was das alles soll, warum sie hier ist, warum sie das alles erleben muss, aushalten muss. Sie überlegt kurz davonzulaufen, aber sie verwirft den Gedanken gleich wieder, weil sie glaubt, eh zu scheitern. Nichts in ihrem Leben scheint je zu funktionieren. Sie ist wahrscheinlich auch zu dumm zum Weglaufen, so ihre Gedanken. 

So sitzt sie eine ganze Weile und versinkt in ihrem Frust, in ihren düsteren Gedanken und merkt nicht, dass sie nicht mehr alleine ist. Auf der anderen Seite des Lagerfeuers hat ihre Seele Platz genommen und beobachtet aufmerksam dieses kleine Mädchen. Voller Liebe und Zuneigung schaut die Seele auf dieses Wesen und kann den Schmerz der kleinen M. spüren. So gerne würde die Seele dem Mädchen sagen, dass das alles gar nicht nötig ist und schon gar nicht wahr, aber das Mädchen ist so in ihrer dunklen Gedankenwelt gefangen, dass sie für diese Worte nicht offen wäre. Also wartet die Seele geduldig, bis das Mädchen sie bemerkt. So vergeht einige Zeit und selbst als das Mädchen den Kopf wieder hebt und ins Feuer starrt, bemerkt sie die Seele auf der anderen Seite nicht. Ihre Gedanken fahren Karussell und machen sie blind für die Welt um sich rum. Irgendwann hebt die Seele grüßend die Hand, winkt sogar kurz. Das Mädchen bemerkt wohl eine Bewegung im Augenwinkel, aber sie schenkt dem keine Aufmerksamkeit und starrt weiter brütend ins Feuer, die Stirn grübelnd in Falten gezogen, die Augenbrauen düster zusammengezogen, das Gesicht verschlossen.

Nach einiger Zeit, steht das Mädchen auf und will gehen. Es hat sich schon umgedreht, um wegzugehen, da hört es plötzlich wie jemand seinen Namen sagt: „M.“ Ganz sanft. M. dreht sich wieder um, in die Richtung aus der die Stimme kam. Im Gegenlicht des Feuerscheins erkennt sie eine Gestalt am Lagerfeuer. Missmutig fragt das Mädchen: „Was willst du?“ Das Mädchen ist inzwischen älter geworden. Es ist jetzt vielleicht 16. Und die Verbitterung über das Leben hat sie noch verschlossener gemacht. Hinter allem vermutet sie einen Angriff und Schmerz. Sie hat dicke Mauern um sich errichtet, lässt nichts und niemanden an sich heran, hält alle auf Abstand und ist bissig, egal wie gut es jemand meint. Entsprechend genervt und widerborstig ist sie jetzt der Seele gegenüber.

Die Seele antwortet: „Ich möchte für dich da sein.“ „Ja, klar!“ kommt es ganz ironisch von dem Mädchen. Noch nie wollte jemand für sie da sein. Immer waren alles nur leere Versprechungen. Das Spielchen kennt sie schon und darauf hat sie keine Lust mehr. Also dreht sie sich wieder um und will gehen. „Ich meine es ernst.“ sagt die Seele. Ihre Stimme ist immer noch ganz ruhig und sanft. M. bleibt stehen, wendet sich der Seele aber nicht zu. Irgendetwas lässt sie zögern. Dieses Wesen strahlt etwas aus, das sie auf eine Art anzieht, auch wenn sie noch so misstrauisch ist. Sie überlegt, dreht sich langsam um, geht zurück auf ihren Platz, auf dem sie die ganze Zeit gesessen hat, direkt gegenüber der Seele, das Feuer zwischen ihnen. Sie kann die Seele so nicht wirklich sehen, spürt aber ihre Anwesenheit. Das Feuer ist jetzt höher als noch vorhin, brennt heller.

Die Seele steht auf und setzt sich neben die Jugendliche, blickt ebenfalls ins Feuer. Die Liebe, die die Seele für dieses Mädchen empfindet ist unbeschreiblich, fast greifbar und M. merkt diese Veränderung in der Atmosphäre, kann aber nicht sagen, was es ist. Sie merkt nur, dass sie sich merklich entspannt. Sie schweigen, starren in die Flammen. „Wieso sollte ich dir glauben?“ fragt M. „Weil du weißt, dass es wahr ist.“ kommt die direkte Antwort von der Seele. Darauf kann M. nichts entgegnen. Irgendwo tief in ihr, hält sie die Worte tatsächlich für wahr. Wieder Schweigen. „Warum bist du nicht früher gekommen?“ stellt M. erneut eine Frage. „Ich war die ganze Zeit da. Du wolltest mich nicht sehen.“ so die Seele. Schweigen. M. überlegt. Konnte das sein? Sie weiß es nicht. Sie weiß nur, dass sie schon immer fürchterlich alleine war.

Die Seele deutet auf die Mauern, die M. im Laufe der Jahre um sich errichtet hatte. Sie sind plötzlich um sie herum sichtbar. „Siehst du das?“ M. blickt erst erstaunt dann wehmütig auf die vielen Steine, die sie um sich herum sehen kann, dick wie Burgmauern. Ja, die hatte sie gebraucht. Hier fühlte sie sich sicher. „Darum bin ich nicht zu dir durchgekommen. Du hast alles von dir ferngehalten. Den Schmerz, aber auch all das Gute. Hier kommt nichts zu dir durch. Du bist abgeschnitten vom Leben. Wenn du wirklich leben willst und nicht mehr so einsam sein willst, dann musst du es wagen, aus diesen Mauern herauszukommen. Das Leben ist ein Wagnis. Sicherlich, es gibt Risiken. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Du kannst keine neuen Meere entdecken, wenn du den sicheren Hafen nie verlässt.“

M. lässt das sacken. Da ist was Wahres dran.

„Und wenn ein Sturm aufzieht, mein Boot kentert und ich ertrinke?“ fragt M. „Dann hast du es wenigstens versucht. Außerdem wird dein Boot nicht kentern, bevor du all die Erfahrungen gemacht hast, die du dir für dieses Leben ausgesucht hast. Niemand stirbt zufällig, oder durch ein Unglück. Die Seele verlässt den Körper immer nur dann, wenn sie mit ihm keine nützlichen Erfahrungen mehr machen kann, wenn sie nicht mehr wachsen kann. Erst dann geht sie und dann ist das ihr freier Wille und ihr Entschluss. Die Art des Todes mag dann nach einem Unfall aussehen, aber in Wirklichkeit wollte die Seele das so.“ Irgendwie klingt das logisch.

„Was hast du zu verlieren?“ fragt die Seele.

M. muss nicht lange überlegen: „Nichts! Ich habe nichts zu verlieren, außer meinem Schmerz und den würde ich tatsächlich gerne verlieren.“ Sie lächelt zaghaft über ihre eigene Antwort. Genauso ist es. Sie hat wirklich nichts zu verlieren. Kann es noch viel schlimmer werden? Nicht wirklich…

„Also wagst du es?“ fragt die Seele.

„Was? Was soll ich wagen?“

„Zu leben!“ ist die knappe Antwort.

„Tue ich das nicht schon die ganze Zeit? Erfahre Schmerz, versuche über die Runden zu kommen, alles so gut wie möglich zu machen?“ M. ist etwas frustriert.

Die Seele zeigt wieder auf die Mauern. „Das nennst du Leben? Du verbarrikadierst dich in einer Festung, weichst allem aus, was ein Risiko sein könnte und wunderst dich, dass nichts wirklich Neues geschieht. Wer immer das gleiche denkt, wird immer das gleiche erleben. Du wartest ja förmlich auf die Nackenschläge, bist direkt misstrauisch, wenn mal keiner kommt und erst dann, wenn es wieder knallt, du wieder am Boden bist, bist du schon fast bestürzend beruhigt, weil alles wieder beim Alten ist. Das nennst du Leben?“

M. blickt betreten zu Boden. Sie fühlt sich ertappt. Ja, genau so lief es. Wenn ihr wirklich mal etwas Gutes geschah, dann machte sie sich schon auf das unvermeidlich Schlechte gefasst, das unweigerlich darauf folgen würde und wenn es nicht kam, dann wurde sie argwöhnisch, versuchte den Haken an der Sache zu finden, denn schließlich ist ihr letzten Endes noch nie etwas Gutes passiert. „Bist du dir da ganz sicher?“ fragt die Seele, die anscheinend ihre Gedanken lesen kann.

„All das Gute, das wirklich schon in deinem Leben war, hast du doch gar nicht wirklich zu schätzen gewusst, weil du viel mehr damit beschäftigt warst, das Haar in der Suppe zu suchen. Dein Blick wird von Unheil magisch angezogen. Das Gute registrierst du noch nicht mal richtig. Du schaust kurz hin, denkst „das wurde aber auch mal Zeit“ und bist dann gedanklich wieder bei all dem Elend und dem Schmerz. Wie glaubst du denn, soll Gutes in dein Leben kommen, wenn du es nicht zu schätzen weißt, wenn du dich nicht daran erfreust, wenn du es nicht wirklich beachtest, wenn du sofort wieder an das Schlechte denkst, das jetzt wohl unweigerlich wieder folgen wird? Warum sollte dir das Leben mehr Gutes zufließen lassen, wenn du dich anscheinend lieber mit dem Schlechten beschäftigst und dich nur in deiner Realität bestätigt fühlst, wenn auch genug davon da ist? Nur dann wähnst du dich in vermeintlich vertrautem Terrain. Das Schlechte zu handeln bist du gewöhnt, damit kannst du umgehen, mit dem Kämpfen und Probleme bewältigen. Du kannst mit dem Guten gar nicht umgehen.“

M. sagt nichts, denn irgendwie scheint das wohl zu stimmen.

„Vertraust du mir?“ fragt die Seele.

„Irgendwie schon!“ sagt M. missmutig und wirft ein Steinchen ins Feuer. Knisternd stieben Funken in den Nachthimmel. „Ach, Scheiße!“ Plötzlich ist M. wütend und verwirrt. Sie weiß wirklich nicht mehr, was sie glauben soll und schon gar nicht wie es jetzt weitergehen soll. Einerseits hat die Seele mit allem Recht, was sie sagt, andererseits hat M. wirklich keine Idee, was sie anders machen könnte und vor allem wie.

„Vertraust du mir?“ fragte die Seele wieder.

„Verdammt! Ja, Mann!“ M. war jetzt wirklich sauer. „Was soll die Fragerei?“

„Ich muss mir sicher sein.“ sagt die Seele. „Ich kann nur mit und für dich arbeiten, wenn du es wirklich willst und mich lässt und dazu musst du mir vertrauen, blind vertrauen. Du musst nämlich gar nicht wissen, was du jetzt tun sollst, was du anders machen sollst. Ich weiß es. Ich weiß jeden Moment, was für dich am besten ist, was dir am zuträglichsten ist, was deinem, unserem, höchsten Wohl dient, aber du musst auf mich hören und meine Stimme ist im Lärm des Alltags nicht sehr laut. Meinst du, du schaffst es zuzuhören?“

M. sagt nichts, also redet die Seele weiter: „Du wirst manchmal das Gefühl haben, dass du den Weg nicht siehst, nicht das große Ziel. Ich werde dir oft nur den einen, kleinen nächsten Schritt auf deinem Weg ausleuchten, aber das reicht. Du kannst immer nur einen kleinen Schritt gehen und dafür wird immer genug Licht da sein. Dein Verstand mag diesen einen Schritt nicht verstehen, mag ihn anzweifeln, weil er das Ziel nicht kennt und nicht weiß, ob der Schritt wirklich gut ist. Der Schritt mag unlogisch erscheinen. Mitmenschen mögen ihn ebenfalls anzweifeln, aber dein Gefühl, was in Wahrheit meine Stimme ist, wird dir sagen, dass es so passt, dass der Schritt richtig ist, egal wo er hinführen mag. Es kann nur gut sein, denn ich kenne den Weg und ich würde dich niemals irgendwo hinführen, wo es am Ende nicht gut für dich, für uns ist. Ich kenne deine tiefsten Sehnsüchte, ich BIN deine tiefsten Sehnsüchte. Ich möchte mit dir ganz bestimmte Erfahrungen machen, wachsen, mich in einem Körper erleben, mich entfalten und jeden Tag zu einer noch besseren höheren Version meiner selbst aufschwingen. Ich möchte dir zeigen, was ich an Potentialen mitgebracht habe, wie zauberhaft du sein kannst, wenn du das lebst, was ich mir für dich ausgesucht habe, was dein Herz höher schlagen lässt. Ich möchte mit deinem Körper die pure Freude erleben, möchte, dass ich mich durch dich an mir selbst erfreuen kann. Und dazu brauche ich deine Hilfe und auch dein Einverständnis. Ich verspreche dir, dass ich immer in der Sprache zu dir sprechen werde, die du gerade am besten verstehst. Ich verspreche dir, dass ich immer, wirklich immer für dich da bin und nur dein Bestes will. Ich will das Beste für dich, denn damit will ich das Beste für mich. Du kannst mich alles fragen. Ich werde dir alles beantworten. Vielleicht nicht direkt und vielleicht nicht mit Worten, so wie jetzt, aber über Ereignisse, Begegnungen, Dinge, die du „zufällig“ liest, einen Satz, den jemand „zufällig“ zu dir sagt. Suche in allem immer nach meiner Antwort, halte die Augen offen und du wirst sie finden und wissen, dass sie von mir kommt. Ich weiß wirklich alles. Es gibt nichts, was ich nicht weiß. Manchmal kann ich dir nicht immer alles gleich sagen, was ich weiß, da es dich sonst um wichtige Erfahrungen bringen würde. Aber zur richtigen Zeit, wird immer das Richtige kommen, wenn du mich nur vorangehen lässt, wenn du nur zulässt, dass ich wieder voll und ganz in dir wohne, dass ich dich ganz mit meiner Kraft erfülle, wenn du mir die Zügel überlässt und dich dafür öffnest, dass es gut für dich werden kann, dass du all diese Liebe verdient hast. Du musst es nicht sofort glauben. Ziehe es einfach in Erwägung. Ziehe in Erwägung, dass es so sein könnte und dann bleibe offen für all die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben. Ich werde dir zur passenden Zeit immer die richtigen Gegebenheiten schicken. Kannst du dich dem öffnen? Kannst du dich mir öffnen? Kannst du dich diesem Abenteuer öffnen, das wir zusammen begehen werden?“

Bei all diesen Worten hat die junge M. angefangen zu weinen. Sie sitzt da, lauscht und ihr laufen stumm die Tränen. All das hört sich so verdammt richtig an, so verdammt gut. Es ist zum Haare raufen. Wie gerne würde sie es glauben!!!

Und plötzlich ist da dieser Entschluss. Sie hat nichts zu verlieren, wirklich nichts. Mit festem Blick wendet sie sich der Seele zu, schaut ihr in die Augen, etwas lodert in ihrem Blick.

„Ja, ich tue es! Mit allen Konsequenzen!“ ist ihre entschlossene Antwort.

M. hat sich entschieden, mit jeder Faser ihres Herzens hat sie diese Entscheidung getroffen.

Und wie wenn sie es geahnt hätte, welch reinigende Wirkung Feuer hat, steht sie auf und stellt sich mitten in die Flammen des Lagerfeuers. Die Flammen tun ihr nichts, sie verbrennen sie nicht. Sie reinigen lediglich ihr Inneres. Und so steht M. in den Flammen, schließt die Augen, breitet die Arme aus und lässt das Feuer alles wegbrennen, was nicht ihrem wahren Wesen entspricht. Ein Lachen breitet sich auf ihrem Gesicht aus und bald darauf lacht sie aus voller Seele. Freude durchströmt sie, Vorfreude, auf alles, was sich zeigen mag und da ist noch etwas: Leichtigkeit und Liebe für das Leben!

Als M. die Augen wieder öffnet, bricht der neue Tag an. Die Sonne steigt über den Horizont und scheint ihr direkt ins Gesicht. Das Feuer ist erloschen. Sie steigt aus der Asche und dort am Rand, wo vorhin noch das Feuer brannte, wo es dunkel war und sich nun das Licht und die Wärme der Sonne ausbreitet, dort steht ihre Seele und streckt ihr freudig die Arme entgegen, nimmt M. Hände und hält sie ganz fest. Beide haben Tränen in den Augen, beide strahlen und beide geben sich das stumme Versprechen, nie mehr ohne den anderen sein zu wollen. M. bückt sich, reißt zwei Grashalme ab und biegt aus jedem ein Armband. Eins für sie, das sie immer daran erinnert, dass es diese Verbindung gibt und eins für ihre Seele, als Zeichen für ihren Entschluss. Dann fallen sich die beiden in die Arme und geben sich ihrer Freude hin, der Freude darüber, dass sie wieder vereint sind.
 
Ich wünsche mir, dass diese Botschaft hinaus in die Welt geht. Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen ihre Schutzmauern verlassen und wieder zurück zu sich selbst finden. Ich wünsche mir, dass immer mehr wieder in den Kontakt mit ihrer Seele kommen, ihr lauschen und ihr vertrauensvoll folgen!

Was macht diese Geschichte mit euch? Was löst sie in euch aus? Ich freue mich auf eure Gedanken und Eindrücke!


Herzensgrüße von mir
Anja


Foto: Anja Reiche


Sonntag, 6. März 2016

Zeit für neue Wege! Wirklich?

Zu Beginn des neuen Jahres, habe ich gesagt, dass 2016 das Jahr der vollständigen Heilung ist. An diesem Tag im Januar habe ich sogar gefühlt, dass es schon so ist, dass ich vollkommen heil und ganz bin, alle alten Wunde geheilt sind, ich mich mit allem versorgt habe, was noch aus Kindertagen gefehlt hat. Und auch jetzt weiß ich, dass es genau so ist. 2016 ist das Jahr der vollständigen Heilung für mich.

Umso unverständlicher war es daher die ganze Zeit, dass mein Knie nach wie vor schmerzte, dass der Ausschlag immer noch da ist, dass sich die Zähne immer noch bemerkbar machen. (Mehr zu meinen körperlichen Symptomen und was sie mir geschenkt haben, findet ihr hier!) Aber am meisten drückt tatsächlich mein Knie. Ich will raus, ich will walken, ich will in die Natur, mich bewegen, meinen Körper in der Bewegung fühlen, mich spüren, in der Natur erleben, gehen!

Gestern habe ich dann meine Seelenschwester, die ganz ähnliche Fähigkeiten hat wie ich, gebeten
doch mal reinzuspüren und mir zu sagen, wie sie diese Thematik und die Knieschmerzen wahrnimmt, wie sie mich und die Zusammenhänge wahrnimmt.

Sie hat mir mit ihren wunderbaren Antennen das bestätigt, was ich eigentlich schon weiß: Es gibt keinen Grund mehr für meine Schmerzen, da gibt es nichts mehr anzuschauen, nichts mehr zu heilen. Ich leuchte aus allen Poren, bin pure Liebe. "Gebettet in leichter, lichtvoller Liebe, wie in warmer, weicher Watte von der Sonne beleuchtet, BIST du. Du BIST gesund und heil. KEINE Ursachen mehr. SEI und leuchte." So ihre abschließenden Worte!

Seither geht mir so viel durch den Kopf. Und daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen, denn ich glaube, dass viele genau jetzt an diesem Punkt stehen. An dem Punkt, an dem wir unbekanntes Terrain betreten und eine Freiheit und Gesundheit möglich ist, die in keinem unserer bisherigen Leben möglich gewesen ist. Wir dürfen nun komplett in unsere wahre Größe kommen, aber das ist sehr ungewohnt, denn noch nie war das in einem irdischen Leben umsetzbar. Jetzt schon und das will erst mal realisiert werden.

Ich war vor ein paar Tagen selber an dem Punkt, an dem ich erkannt habe, dass all die Beschwerden und gerade die Kniebeschwerden überhaupt nicht mehr zu mir passen, dass meine Energie viiieel höher ist. Da wurde mir klar, dass die vielen Krankheiten, die ich als Kind immer hatte, immer ein sicherer Garant für Nähe und Zuwendung waren. Nur wenn ich krank war, bekam ich die ungeteilte Aufmerksamkeit meiner Mutter. Und dieses Muster habe ich bis in mein Erwachsenenleben mitgenommen. Immer wieder habe ich Krankheiten erschaffen, obwohl es gar keinen Grund mehr dafür gibt.

Mir ist klar, dass ich nichts mehr von meinen Eltern brauche, dass ich mir all die Liebe selbst gegeben habe und dass mich meine Eltern lieben, auf ihre Weise. Ich bin damit wirklich völlig im Frieden, erwarte nichts mehr und das schon seit einiger Zeit. Daher hat es mich überrascht, dass mich meine Seelenschwester noch einmal ganz eindringlich darauf aufmerksam gemacht hat, dass mein Knie nichts mehr mit meinen Eltern zu tun hat. Ich fühle das auch so, bin mir dessen bewusst. Das hatte mal sehr viel damit zu tun, ja, aber jetzt nicht mehr.

Dass ich gesund bin und der Rest nur noch Kopfsache ist, ein Bedienen alter Muster, habe ich selbst schon bemerkt und dennoch ist da noch eine gewisse Ungläubigkeit, denn ich war gefühlt noch nie in diesem Leben und auch nicht in den Leben davor komplett heil und gesund. Ich glaube, damit kann ich noch gar nicht umgehen. Und dabei sehne ich mich so sehr danach und weiß, dass es nur noch eine Frage des Zulassens ist. Ich weiß, dass die Zeit jetzt reif ist, dass ich jetzt endlich diese Erfahrung machen will, dass ich auch hier endlich zur vollen Blüte kommen will.

Vielleicht fürchte ich mich noch vor dem Loslassen, weil das alles soooo lange Bestandteil meines Lebens war, so viel Raum in Anspruch genommen hat. Da ist dann plötzlich ganz viel leerer Raum, wenn all das keine Präsenz mehr hat. Ich wunder mich über mich selbst, denn eigentlich habe ich mit solchen Veränderungen überhaupt kein Problem, freue mich viel mehr und dennoch scheint in mir was zu zögern und zu überlegen, ob es nicht vielleicht doch besser wäre, an Krankheiten festzuhalten.

Mein Wissen um meine komplette Heilung ist da, aber das Gefühl dazu fehlt gerade. Ich denke, dass hier genau die Herausforderung der jetzigen Zeit liegt, dieses Wissen auch wirklich anzuwenden und diese so komplett neuen und ungewohnten Wege zu gehen, obwohl man sie noch nie gegangen ist. Das ist echt krass. Das ist, als ob man das Laufen gerade erst lernt, unsichere erste Schritte, hinfallen, wieder aufstehen, nochmal versuchen, bis es sitzt. Im Moment stehen gefühlt sehr viele an diesem Punkt. Wir sind es noch nicht gewohnt, plötzlich tatsächlich frei und heil zu sein.

Ich merke, dass es mir unheimlich gut tut, dass mich meine Seelenschwester ebenfalls so wahrnimmt und fühlt, dass ich eigentlich gesund bin, dass es keinen Grund mehr für Krankheit gibt. Das hilft mir, dem ganzen noch mehr zu glauben und zu glauben, dass jetzt wirklich die Zeit reif ist und ich es mir nicht nur einbilde.

Vielleicht spielt auch das noch eine Rolle, dass es fast zu schön ist, um wahr zu sein und dennoch weiß ich es ja... Sehr seltsam alles, sehr neu, sehr ungewohnt. Wenn ich mich nicht mehr mit all den körperlichen Symptomen beschäftigen muss, was mach ich dann mit der Zeit? Plötzlich wäre da nämlich Platz, all meine Träume zu leben, JETZT! Zu Reisen und dabei zu schreiben, lange Wanderungen durch die Natur, ein Buch zu schreiben, MEIN Buch zu schreiben. All die Sachen, die ich auf meine To-Do-Liste für dieses Leben geschrieben habe, könnte ich anfangen abzuhaken, auszuleben, zu erleben, zu erfahren. Da wäre Freiheit! Plötzlich wäre dieses "irgendwann mal" schon da, ein ganz neues Leben, ganz neue Möglichkeiten, ganz neue Erfahrungen. JETZT! Jetzt sofort dürfte und könnte ich loslegen. Wow! Auch daran darf ich mich erst gewöhnen. Krasses Pferd wie unbeholfen ich mich dabei fühle...

Das alles arbeitet gerade in mir! Und ich spüre wie richtig es ist, all die alten Muster loszulassen und genau diesen Raum für das Neue zu schaffen. Für alles, auf das wir uns so viele Leben vorbereitet haben und das nun endlich wirklich möglich ist. Ein sehr schönes Bild und eine sehr schöne Beschreibung findet ihr auf der Facebook-Seite von Susanne Hühn. Sie hat diese Zeitqualität in ihrem Post vom 29. Februar sehr schön und ganz wunderbar in Worte gefasst. Sie spricht davon, dass wir viele Leben lang versucht haben, einen Rosenstrauch zur Blüte zu bringen, dafür zu sorgen, dass er überlebt. Aber dann kamen Stürme und Dürre und hinderten uns daran. Wenn die Pflanze überhaupt überlebt hat, dann meist nur sehr kümmerlich. Sie hat vielleicht ein wenig geblüht, aber ist noch lange nicht in ihre volle Pracht gekommen. Und nun in diesem Leben gibt es all die Widrigkeiten nicht mehr. Da ist kein Sturm mehr, keine Dürre. Wir haben die Gelegenheit, die Rose in ihre volle Blüte zu führen und ihr gesamtes Potential auszuschöpfen. Genau da stehen wir jetzt und können nicht glauben, dass die Stürme und die Dürre wirklich ausbleiben.

Lasst uns jetzt aufstehen in unsere wahre Größe! Lasst uns voll und ganz erblühen und dieses Erblühen zur Meisterschaft bringen! Lasst uns zusammen diese ersten unsicheren Schritte gehen und es immer wieder gemeinsam versuchen, wenn wir doch mal hinfallen sollten. Lasst uns diese neue Zeit nutzen und gemeinsam explodieren! Lasst uns daran glauben, dass es möglich ist, denn es ist möglich und genau jetzt dran!! Es ist an der Zeit! JETZT!!!!! Die Welt wartet auf uns und unsere Blüte!

Welche Gefühle und Gedanken lösen diese Worte in dir aus? Ich freue mich auf eure Reaktionen!


Herzensgrüße von mir

Anja




Foto: Anja Reiche


Donnerstag, 3. März 2016

Das Wahrnehmen der geistigen Welt - Fluch oder Segen?

Immer wieder höre und lese ich, dass viele feinfühlige Menschen Angst haben, die geistige Welt wahrzunehmen. Viele Hochsensible, die auch das Feinstoffliche und andere Energien wahrnehmen, fürchten sich davor. Sie fürchten sich davor, dem Ganzen ausgeliefert zu sein, Opfer ihrer Gabe.

Mir ging es früher ganz ähnlich. Darum möchte ich euch gerne erzählen, wie ich dahin kam, all meine sensitiven Gaben und die Begegnungen mit der geistigen Welt als Bereicherung zu erleben.

Wie viele von euch vielleicht wissen, war ich früher alles andere als feinfühlig. Ich würde es eher als extrem verstandesorientiert und völlig verkopft beschreiben. Sämtliche Emotionen und Wahrnehmungen hatte ich verdrängt, den Deckel draufgemacht. Das hat mir wahrscheinlich als Kind das Leben gerettet, denn den emotionalen Schmerz hätte ich wohl kaum verkraftet.

Doch irgendwann drängte das alles wieder nach oben. Sein wahres Wesen kann man eben nicht ewig verdrängen. Ich stellte mir die Sinnfrage, machte mich auf die Suche nach Gott, nach meinem Glauben, fragte mich, was nach dem Tod passiert, warum wir denn überhaupt hier sind, wie das alles zusammenhängt. Vor ziemlich genau 10 Jahren passierte es mir dann, dass mir immer mehr Menschen Geschichten erzählten, dass jemand Tode sehen könnte. Von allen Seiten hörte ich solche Stories und sie machten mir verdammt viel Angst, gruselten mich und ich wollte sie am liebsten einfach wieder vergessen. Zu viele Horrorfilme kamen mir wieder in den Sinn, in denen die Darsteller von paranormalen Erscheinungen in den Wahnsinn getrieben werden, man Dingen und Energien hilflos ausgeliefert ist, verzerrte Fratzen, Zombies. Also wollte ich mich mit all dem gar nicht erst auseinandersetzen.

Aber dieses Verdrängen ging nicht mehr. Die Büchse der Pandora war sozusagen geöffnet. Den letzten Ausschlag gab es dann, als ich damals zum ersten Mal in meinem Leben eine Leiche gesehen habe. Völlig unvorbereitet überforderte mich das ziemlich. Und dann kamen die Panikattacken. Ich hatte schreckliche Angst, dass ich auch Tode sehen könnte, dass sie um mich wären. Überall sah ich im Augenwinkel Bewegungen, hatte ständig das Gefühl, dass da was ist, hatte die Befürchtung, wenn ich nachts aufwache, dass "jemand" neben mir am Bett steht. Eben all das, was in Horrorfilmen immer so grandios und furchteinflößend in Szene gesetzt wird. Es war damals meine größte Angst, dass ich dem ganzen, meinen Wahrnehmungen, die ich vielleicht schon erahnt habe, hilflos ausgeliefert bin, dass ich mich nicht wehren kann, dass sie mich "heimsuchen" können, wann immer sie wollen. Mir ging es echt scheiße! Fast ein Jahr hatte ich immer wieder schreckliche Angst, mal mehr, mal weniger.

Auch damals schon haben mich Globuli gerettet und die Angst ebbte ab. Das Thema verlor an Schrecken und ich begann mich dem ganzen mit Mut zu stellen, forschte weiter nach meiner Wahrheit, wie ich glaubte, dass die Welt funktioniert, wie das alles zusammenhängt, ob es überhaupt möglich ist "Verstorbene" wahrzunehmen und warum manche das "können" und andere nicht.

Vor ca. 5 Jahren war mir dann klar, dass es Engel gibt, Geistwesen, Geistführer, dass es generell eine geistige Welt gibt, dass es Seelen gibt, dass jeder eine hat und dass Seelen, die einen Körper verlassen haben, auch wahrnehmbar sind, für jeden anders, für manche noch nicht. Ich begann mich mit hellfühlen und hellsehen zu beschäftigen und ich wusste instinktiv, dass ich es kann. Die ersten "Gespräche" fanden mit meinem Schutzengel statt und generell der Engelwelt. Die Engel waren schon immer tröstlich für mich, liebevoll, fürsorglich, weit entfernt von den Schrecken der Horrorfilme. Dann fing ich an, mit Schutzengeln von Hilfesuchenden zu kommunizieren, um ihnen besser helfen zu können, zu erfahren, wo genau ich ansetzen kann. Ich öffnete mich dem ganzen immer mehr, die geistige Welt wurde für mich immer größer und ich merkte wie hell und licht sie eigentlich ist und mit den Bildern aus der Filmbranche so gar nichts zu tun hat. Ich suchte und forschte, las viel und zog immer mehr in Erwägung. Das Feinstoffliche hatte mich in seinen Bann gezogen. Gott sei Dank! ;)

Und 2012 habe ich dann zum ersten Mal die Seele eines Verstorbenen wahrgenommen. Das Thema war zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht mehr präsent. Der Vater meines Partners war gestorben. Wir Angehörigen saßen schon früher als die restliche Gemeinde in der Kirche zum Beerdigungsgottesdienst. Es war also ein ruhiger, besinnlicher Moment der Stille und da nahm ich sie wahr. Die Seele von diesem Verstorbenen, spürte ihre wundervolle Präsenz, sah sie vor meinem inneren Auge in einem leuchtenden Rot voller Liebe und Wärme und mit diesem Sehen konnte ich sie auch fühlen. Es fand eine Art Kommunikation statt, die mehr ein inneres Verstehen, ein inneres Wissen war. Es flossen mit diesem Fühlen so viele Informationen, Worte waren überflüssig. Es lief auf einer anderen Ebene ab, in der Worte zu begrenzt sind. Ich war so gerührt von diesem Erlebnis, dass ich in Tränen ausbrach und zwar nicht Tränen der Trauer und des Verlustes, sondern Tränen, der Rührung, der Liebe, der Dankbarkeit.

In diesem Moment hab ich all meine Angst und meine Befürchtungen verloren, habe begriffen, dass es absolut nicht schrecklich ist, wenn man Seelen von Verstorbenen wahrnimmt. In dem Moment wurde mir klar, dass es ein riesen Geschenk ist, wenn man diese wunderbaren Wesen spüren, sehen, fühlen kann, weil sie einem so viel mehr über das Leben und die großen Zusammenhänge erzählen können, als jeder Mensch das kann. Diese erste Begegnung rührt mich noch heute zutiefst und ich bin unendlich dankbar, dass mir diese eine wunderbare Seele in diesem Augenblick die Augen geöffnet hat und damit meinen Weg geebnet hat.

Seither bin ich schon vielen Seelen begegnet, meist in Bezug auf meine Arbeit mit Klienten. Ich bin  Seelen begegnet, die im Augenblick hier auf dieser Erde einen Körper haben, Seelen, die ihren Körper schon verlassen haben und gerade in einer Zwischenwelt sind, bevor sie sich neu inkarnieren, Seelen, die bereits wieder wo anders in einem anderen Leben, in einer anderen Welt einen Körper haben und noch eine Botschaft an ihre früheren Mitmenschen aus diesem Leben hatten. Ich "spreche" viel mit meiner Seele, mit Geistführern und auch Gott, mit Mutter Erde und der Natur. Und jede Begegnung hat mich so viel gelehrt und verstehen lassen. Mit jeder Begegnung habe ich das große Ganze noch mehr begriffen, die Zusammenhänge noch tiefer verstanden, Antworten auf Fragen bekommen, die ich mir gestellt habe.

Ich muss sagen, es gab Momente, in denen ich Seelen begegnet bin, die ich nicht "eingeladen" hatte. Ich habe es zugelassen, habe mich dabei beobachtet und dann aber bemerkt, dass ich das nicht möchte. Daher habe ich mich dazu entschieden, dass ich nur solchen Seelen begegnen will, die meinem höheren Wohl dienen, die für meine Entwicklung wichtig sind oder denen, die ich einlade, weil sie für die Arbeit mit meinen Klienten wichtig und hilfreich sind. Ich habe bemerkt, dass ich auch hier Schöpfer bin, dass ich auch in Bezug auf die geistige Welt entscheiden kann, was ich wahrnehmen möchte und was nicht. Ich entscheide, wie sich das alles gestaltet. Und damit habe ich Begriffen, dass auch solche Begegnungen einfach nur spiegeln, in wie weit ich mich noch in der Opferrolle befinde.

Es mag Besetzungen geben, es mag unerfreuliche, bedrohliche Begegnungen geben, aber all das ist ein Konstrukt meiner inneren Überzeugung. Mir geschieht nur das, was ich glaube. Wenn ich glaube, dass ich solchen Energien hilflos ausgeliefert bin, dann wird es so sein. Wenn ich glaube, dass solche Energien dunkel sind und mir schaden können, dann wird es so sein. Wenn ich glaube, dass ich das alles nicht steuern kann und ich Opfer der Umstände bin, Opfer meiner Gabe, dann wird es so sein. Wie innen so außen! Wenn ihr unerfreuliche, ängstigende Erfahrungen gemacht habt, dann sucht die Wurzel in euch und in eurem Denken. Warum um alles in der Welt sollte es Energien in der geistigen Welt geben, die aus purer Liebe besteht, die uns schaden wollen? Warum sollte es etwas geben, das wir als mächtige Schöpfer, nicht selbst kreiert haben?

Ich kann diesen Energien sehr wohl meine Grenzen zeigen und sie wegschicken, ihnen sagen, dass es jetzt nicht passt, oder dass ich die Begegnung gar nicht will. Und dann kann ich mich fragen, was in mir diese "unerfreuliche" Begegnung ausgelöst hat und den Ursprung verändern, mein Denken ändern, schauen welche Gefühle es triggert, welche hinderlichen Überzeugungen sich hier manifestieren. Ich habe es in der Hand! Ich bin die Wurzel meiner Erfahrungen!

Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, dass mich die Wahrnehmung der geistigen Welt aufs Äußerste bereichert und erfüllt. Es gibt so viel zu entdecken und zu erfahren. Kein Wesen ist allwissender als eine Seele, kein Wesen ist liebevoller und großartiger, reiner und klarer als eine Seele und so auch meine Seele und deine Seele. Sie weiß alles, sie kennt die Zusammenhänge, sie kann mir alles erklären, was ich nicht verstehe. In ihr sind alle Erfahrungen aus so vielen Leben gespeichert. Eine Seele vergisst nichts. Wen könnte ich also besser zu Rate ziehen als die geistige Welt mit all ihren Geschöpfen und Wesenheiten?

Ich kann jeden verstehen, der sich fürchtet. Ich kann aber auch jedem sagen, dass das nicht nötig ist! Die geistige Welt ist wunderbar, wenn du glaubst, dass es so ist!

Herzensgrüße von mir
Anja


PS: Hier habe ich übrigens vor längerer Zeit schon mal beschrieben, was ich getan habe, damit sich meine Kanäle wieder öffnen und wie ich diesen guten Zugang zu mir wieder erlangt habe.



Foto: Anja Reiche


Mittwoch, 24. Februar 2016

Hochsensibilität - ein wahrer Segen

Im August 2014 habe ich erkannt, dass ich hochsensibel bin, oder hochsensitiv, wie man auch sagt. Das war damals ein wahrer Aha-Moment. Plötzlich machte vieles Sinn, was ich vorher nicht so recht zuordnen konnte. Oft habe ich versucht, mich irgendwie anzupassen, mich nicht so anzustellen, nicht so empfindlich zu sein. Meist ohne Erfolg. Lange dachte ich, dass ich zu weich bin für die Welt, bis ich begriff, dass ich mehr und anders wahrnehme, als die meisten. (Was mir damals durch den Kopf ging, findest du hier!)

Hochsensibilität zeichnet sich im Allgemeinen dadurch aus, dass unsere 5 herkömmlichen Sinne - hören, sehen, fühlen, riechen, schmecken - extrem intensiv wahrnehmen, wie wenn alle Sinne mit einem fetten Verstärker versehen wären. Die Nervenzellen leiten die Reize um ein vielfaches stärker weiter, als für gewöhnlich. Hochsensible nehmen mehr wahr und anders wahr, als andere.

Von mir kann ich sagen, dass ich diese fünf Sinne so extrem ausgeprägt habe, dass ich sogar das ganz Feine wahrnehme, das Immaterielle, das Energetische. Ich spüre und sehe Geistwesen, Seelen, Engel. Weiß Dinge manchmal einfach, die ich gar nicht wissen kann. Wahrscheinlich kann man auch vom sechsten, siebten und achten Sinn sprechen. Hellhören, hellsehen, hellwissen. Aber wie das letztendlich heißt, ist mir ziemlich egal. Fakt ist, dass die Kanäle da sind und dass es wunderbar ist, sie zu nutzen. ;)

Allerdings gleicht kein hochsensibler Mensch dem anderen. Jeder tickt anders, jeder erlebt anders, nimmt anders wahr. Und ich glaube, dass jeder auf seine Art hochsensibel werden kann. Unsere Wahrnehmungskanäle sind wie Muskeln, die man trainieren kann.

Ein Fest der Sinne

Wenn jemand etwas sagt, höre ich zwischen den Zeilen auch das Unausgesprochene, höre weit mehr, als er mit den Worten preisgibt. Wenn Menschen sich unterhalten, kann ich mit schlafwandlerischer Sicherheit sagen, wann es ein Missverständnis gibt und wo dessen Ursprung ist. Wenn ich Musik höre, dann mit dem ganzen Körper. Ich höre nicht nur Töne, ich spüre sie, merke, welche Körperregionen sie anspricht, anfangen zu schwingen, welche Nervenzellen darauf reagieren, spüre, welcher Klang mir gut tut und wo.

Wenn ich jemanden sehe, sehe ich nicht nur das Äußere. Ich sehe seinen seelischen Zustand, sehe sein wahres Wesen, sehe, was er gerade fühlt. Wenn ich Dinge, Pflanzen oder Tiere sehe, dann fühle ich sie gleichzeitig, nehme deren Energie wahr, fühle die Schwingung. Ich sehe nicht nur mit meinen zwei äußeren Augen, sondern auch mit meinen inneren Augen, habe innere Bilder zu Situationen.
Ich kann sofort sagen, welche Farben mir gut tun, welche Bilder mich bereichern. Jeder äußere Eindruck, hinterlässt auch einen inneren Eindruck. Geschichten aus Büchern und Filmen hallen lange in mir nach, Gespräche hallen lange in mir nach. Wenn ich jemandem begegne, dann mit all meinen Sinnen, mit meinem Herzen, mit ganzer Seele.

Auch Gerüche, wie von Obst oder Gewürzen, Blumen oder anderem aus der Natur machen etwas mit mir. Ich rieche es nicht nur, auch hier fühle ich es gleichzeitig. Manches vitalisiert mich, anderes berührt mich oder tut mir einfach gut, löst etwas in mir aus.
Wenn ich etwas oder jemanden anfasse, dann nicht nur mit den Händen. Ich fasse ihn auch mit der Seele an, spüre die Energie, habe nicht nur eine körperliche Verbindung, sondern eine emotionale. Jeder einzelne Tag fühlt sich anders an, jeder Monat, jedes Jahr.

Zusammenfassend kann man sagen: Alles, was meine anderen Sinne wahrnehmen, fühle ich gleichzeitig.

Nun mag sich das anhören, wie wenn tausend Eindrücke gleichzeitig auf mich einprasseln und ich dem hilflos ausgeliefert bin. Aber so empfinde ich nicht. Ich kann steuern, in wie weit ich mich auf die Situationen einlasse, wie weit ich die Kanäle öffne. Ich entscheide ganz bewusst, in was ich mich regelrecht reinfallen lasse und wo ich lieber außen vor bleibe. Ich bin immer noch der Schöpfer meines Lebens. ;)

Ich lese und höre immer wieder, dass es für viele eine Last ist, hochsensibel zu sein. Für mich ist es eine wahre Freude, ein riesen Geschenk, eine einzige Spielwiese. Mir scheint meine Welt so viel größer, als für die meisten. Ich sehe mehr, höre mehr, fühle mehr, ein Ozean an Eindrücken und Erfahrungen, die wahre Fülle. Ich fühle mich durch all diese intensiven Wahrnehmungen so reich beschenkt! Mein Leben ist so bunt, die Vielfalt so unerschöpflich. Ich habe das Gefühl nicht nur dabei zu sein, sondern mittendrin. Durch all diese Antennen fühle ich mich mit allem verbunden, eins mit allem. Die Welt da draußen ist eine Erweiterung meiner selbst. Es ist wie wenn ich noch mehr Erfahrungen machen kann und danach lechzt meine Seele schließlich. Dafür bin ich hier. Das lässt mich wachsen und entwickeln.

Ich darf für mich sorgen

Die Hochsensibilität trägt einen enormen Teil dazu bei, dass ich gut für mich sorge, denn ich muss es. Tue ich es nicht, wirkt sich das sofort auf meinen körperlichen Zustand aus. Bin ich in Situationen, die mir nicht gut tun, rede mit Menschen, mit denen ich eigentlich gar nicht reden will, so schreitet sofort mein Körper ein. Mir wird schlecht, ich bekomme Bauchweh, oder alles in mir zieht sich zusammen. Ich kann gar nicht in unangenehmen Situationen bleiben, weil es mir sofort schlecht geht. Ich bin nicht in der Lage faule Kompromisse zu schließen, mein Körper lässt es nicht zu. Ich darf rigoros für mich sorgen, weil mir alles andere nicht gut tut.

Und damit mein Körper nicht erst eingreifen muss, sorge ich selbst für mich. Tue nur Dinge, die mir wirklich gut tun, treffe nur Menschen, deren Begegnung mich nährt, deren Energie gut für mich ist. Schaue mir nur Dinge an, die mich bereichern, die mich inspirieren, die mich berühren, lese nur Geschichten, die mich auf irgendeine Art nähren, schaue nur Filme, die ein gutes Gefühl hinterlassen, mich begeistern, mir neue Blickwinkel verschaffen, mich wachsen lassen.

Ich höre vehement auf mein Bauchgefühl. Mache Dinge oder lasse sie eben bleiben, "nur" weil ich ein entsprechendes Gefühl habe, auch wenn der Verstand nicht gleich greifen kann, was da los ist. Meine Antennen sind so fein, dass ich sehr gut und schnell sagen kann, was etwas für mich ist und was nicht. Also nutze ich diese  Antennen und entlaste somit meinen Körper, der sonst Rettungsdienst spielen muss. Damit erspare ich mir viel. 

Ich brauche in allem meinen eigenen Rhythmus - essen, schlafen, relaxen, arbeiten, erschaffen, kreativ sein - , brauche viel Schlaf, viel Zeit für mich alleine, um die Eindrücke zu verdauen, viel Ruhe und die Stille. Ich brauche viele Pausen, Zeit, um in die Dinge reinzuspüren, Zeit, um herauszufinden, was ich denn als nächstes möchte. Zeitdruck geht gar nicht, Dinge hoppla hopp mal nebenbei erledigen ist nichts für mich. Ich brauche Zeit und Muse. Entweder ich hab das, oder ich lass es gleich.

Ein klarer Sternenhimmel gibt mir mehr als jede Party. Ich rede lieber mit einem Menschen intensiv und über Gott und die Welt, als in einer großen Gruppe nur an der Oberfläche zu kratzen. Meine Klamotten müssen praktisch sein, nicht der neueste Schrei. Ich will mich wohlfühlen, mir und meinem Körper mit der Kleidung etwas Gutes tun. Meine Nahrung ist vorwiegend vollwertig. Ich esse nach Gefühl, lese aufmerksam Zutatenlisten von Nahrungsmitteln, achte darauf, was ich mir zuführe und das in jeglicher Hinsicht, denn unsere Nahrung besteht nicht nur aus Essen. ;)

Durch die Hochsensibilität hab ich so meine "Eigenarten", aber ich liebe sie und stehe voll und ganz zu ihnen, weil sie mich ausmachen und mein Leben bereichern.

Was schätzt du an deiner Hochsensibilität, an deiner feinen Wahrnehmung?

Herzensgrüße von mir
Anja


Foto: Anja Reiche